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Full text of "Neue Jahrbücher für Philologie und Paedogogik"

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HTeiie 

JAHBBÜOHER 

for 

Philologie und Paedagog;ll£, 

oder 

MiriHsehe MihtUfthete 

für das 

Scliul- n« Unterricliteweseii. 



V 



la Verbindung mit einem Vereine von Gelelirten 

benuiflgQgeben 
von 

Süd 

Pwf . meMkold MOaim. 




Sechsunddreissigster Band Erstes Heft. 



Ijelpzlff, 

Druck und Verlag von B. 6, Teubner« 



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Kritische Beartlieilangen« 



Prometheus Und sein Mythenkreis. Mit Beziehung au^ 

, die Cfescbichte der griechischen Philosophie, Poesie und Kunst dar-, 

. gestellt von Benj, Gotthold Weiskey f^rofessor zu Leipzig. Nach 

, d^m Tode des Verfassers he^raußgeg^bea von Dr. Herrn* he^er^ Assi- 

... at)enie|i au der Univcrsitäts - Bibliothek zu Leipzig. Leipzig^ Verlag 

.von K.F. Köhler, 1842. gr. 8. VI und 568 S. (3 Thlr.) 

"er im J. 1836 verstorbene Professor W^dce in Leipsig, eia 
dhirelir Gelehrsamkeit , Gründiichkeit und durch Yorwchtigkeit im 
Foiseben aus^zeiehneter Mann , hfpterlieM bei seinem Tode das 
Mantisciipt 211 das voritegenden, bis 500 v. Chr. fortgeluhrtep 
Werke voilsiandjg adsgearbeitet. Melirere Schüler und Verehrer 
des Verewigteüf, unter ihnen namentlich einige Professoren der 
Uiiju¥emtät Leipzig, den Werth desselben wüohi erkennend, 
vr4iiiachteii, dass solches der Weit bekannt gemacht werde, und 
Hr* hm enflscbloss sich um so leichter zur Uebernahme dieses Ge«- 
scbäftea, als ihm hierbei nichts weiter «u thun übrig feUiebem 
war, alpi die zum Texte gehörigen Noten ihres Ortes einxusehat- 
teniittd «un Theil auch die, weiche noch fehlten, ans den Heften 
des Verf. ^ausauaiehen) SA^wie endlich einige nöthige Citate nactH 
«ulittgeA. . r 

Bies 194 kürzlich , suifiolge der Vorrede, die Geschichte dior 
ses Buches* Und allerdings wurde es für das gelehrte , gricchi- 
aehes;^ AUefthiHft liebende PuUicam. und txn die betreffende WIs- 
seilicbaft ein V^erJ^st gewesen sein, wenn selbiges nicht an's Tar 
^eslijcbt getreten; denn gana rnibeaweiletl trägt es sehr viel daan 
be^ ;eioen.Geg€ai8tan4. iu: der gviechischeB Mythologie aufaukla- 
ren, AeC; unstreitig sni dken interessantesten Fartlieen dieses TheUs 
der: 0lsi9sif^h«n : AUertkomskunde gerechnet* wc^rden^ moss, ; und 
deD -T-Nfb^/iUiifangreicb n^d so vielseiiig Ist der Gegenstai|dl. -^ 
iilti4 engAhPi^ig bifhan^lt imd dur^kgef^birti, eine tttcbMge f^ak^- 
.sib|sA«^eifiting SM Bfe^ologis» fibgebeki kann ^ wie ma^ äbntfcke 



4 Mythologie. 

Partieen, ja wie man die ganze Mythologie der Alten su behan- 
deln habe. Und das finden wir hier meistentheüa Terwirklicht. 
Der Verf. ist mit einer seltenen Ruhe, Unbefangenheit, Ueber- 
legnng, Umsicht su Werl^e gegangen, dergestalt, dass das Bach 
in der That, mit geringen Ausnahmen, ein Muster derartiger 
Forschungen genannt werden kann. Was dasselbe um ein Weni- 
ges minder geniessbar oder genussreich macht, ist, dass der Verf. 
beinahe mit etwas zu grossem gelehrten und philosophischen Ap- 
parate, also etwas zu schwerfallig anrückt, das Allgemeine in der 
Einleitung nach unserer Meinung etwas zu breit darstellt. Alles 
su sehr, fast nach der Weise der Scholastiker spaltet und trennt, 
auch manche Begriffe zu wenig scharf begrenzt, endlich hin und 
wieder zur Bezeichnung seiner Begriffe Ausdrücke wählt, die 
nicht deutlich und klar genug die geistigen Vorstellungen be- 
zeichnen. Dies scheint uns namentlich der Fall zu sein beim all- 
gemeinen Theile, der den Ref. überhaupt nicht so angesprochen 
hat. Zwar kann es sein, dass es an dessen Idiosynkrasie liegt: 
ihm erscheint lefcht manches Abstracto zu fein, zu abgezogen, 
nicht concret genug. Und so wollen wir diesen Theil des Wer* 
kes auch dem Philosophen von Fach zur Beurtheilung überlassen, 
für welche derselbe eigentlich und Tor Allen bestimmt ist, und 
welcher auch, abgesondert vom Uebrigen, eigens verkäuflich tat 
unter dem besondem lltel: ^^Philosophie der Daratel^ 
^ung^ besonders der mythischenJ'^ Er füllt die Blatter 
i'on S. 1 — 120. Versichern wollen wir übrigens den Lesern, 
dass eben diese Einleitung eine sehr reiche philosophisch -rheto- 
rische Erörterung über die Darstellung enthält, und ebenso im 
Allgemeinen, wie in specieller Beziehung auf die Mythen, die 
Gegenstände, Formen, Gattungen und Arten der Darstellungen 
bespricht mid zuletzt noch die Bi^andlung mythischer >Darstellim- 
gen im Einzelnen wie die Ordnung und Behandlung des Ganzen 
derselben darlegt. Ausser dass sie also Prolegomena über die 
Mythendarstellung enthält, bringt sie zugleich eine sehr genau 
gegliederte Classification und kritische Beurtheilung der mannig- 
faltigen Mittel, weiche dem Menschen su Gebote stehen, um 
seine Vorstellungen andern darzustellen, und liefert von dieser 
Seite für die abstractere und philosophische Auffassung der Rhe- 
torik lind Stylistik vieliiiche Ausbeute. 

Das vorliegende Werk umflisst also — wir deuteten es oben 
an — blos den ersten Zeitraum der Mythologie des 
Prometheus^ nimlich die Zeit der Dichtung^ bis 
um das Jahr 500 v. Chr. Selbiger ist wieder eingetheilt in drei 
Abschnitte: I. in die Zeit der einfachen Begriffsversinnlichung 
oder der Mythenentstehung (bis sum J. 1000 v. Chr.); U. in die 
Zeit der verknüpfenden und ausschmädtenden Diemmg^ d« i. 
die hesiodische Zeit (um 000 v. Chr.) ; IIL in die nachbesiodische 
Zdt (ungefähr 800— 600 v. Chr.)i die Zeit der sinnUik^ 



TVeLske: Prometheus und sei« Mythenkreis. 5 

gei9iigen Steigerung^ Juniehnung und Mischung der Mythen 
überhaupt und namenilich dee Prometheus '■ Mifthue* 

Dietsem ersten Zeiträume sollte niia n^h ein sweiler folgen« 
iimfasaeiHl (im Ge^nsatxe hierin) die Zeit der Deutung^ d. h« 
die Zeit^ wo statt des Dicbtens und Glaubens das Denken nnd 
Deuten das Uebergewicht fowann. Und Schade, dass der Ver£ 
so froh Tom Tede ereilt worden« Gewiss würde er, .den Ge§efi- 
steod durch alle Periodien bin bis io die neoeste Zeit verfolgend, 
noch manchen schönen Stein atum AuAniu und Anbau der Wisseor 
schAft gelegt 'haben. . Indessen ist das Budi. doch auch schon to 
dieser Gestalt aller .Anerkennung werth- . 

Ein so pracaliter Forscher, als Hr. W. gewesen, gebt natur* 
lieh TOH den iltesten Ueberlieferongen und deren Kritik ans. Er 
stiellt also die h^siodischen Stellen an die Spitze und erweist, 
dass der Dichter ältere Sagen vor sich gehabt und selbige In sein 
Werk nrasse verwebt haben* Aach hier eine fast au grosse Aus* 
folirlichkeit^ die oft In Breite übergeht und sich nur dadurch 
erklaren und entschuldigen lisst , dass der Verf. ursprünglich das 
Heft wohl für sehte Collegia ausgearbeitet hat, wo er glaubte so 
klar und so ausführlich sein su müssen. Sehr gut ist aber ans. 
einandergesetat das Verhaltniss der Stelle in den Tagewerken des 
Hesiod zn der in der Theogonie und gezeigt, wie der Dichter Iq 
beiden bei der Anordnung und Benutzung des vorgefundenen man- 
nigfaltigen Stoffes nicht ohne Wlllkiir und olme Gewalt und etwas 
ungeschickt verfahren ist, so dass man leicht zu erkennen im 
Stande sei, Hesiod Ist der Sache nicht durchaus Jtfelster gewesen, 
hat sie nicht ganz richtig aufgefasst, Mancherlei recht gezwungen 
in eine selbstgeschaffene Form gebracht. Das nothwendige Er- 
gebnks dieses ersten Kapitels i»t also: dass wir^ um die Entste- 
hung und den Gang der ersten Entwickelung des Prometheus^ 
Mythus zu erforschen^ zurückgehen müssen in die vorbesiodi- 
sehe Zeit, 

Das zweite Capitel thut dar, dass im Prometheus Ursprung-^ 
lieh, d. h. »in der Zeit einfacher Begriffseiitwickelang — dieser 
Ausdruck will uns nicht bestimmt und klar genug scheinen — 
dargestellt sei: „d«/* denkende Metisch^^ oder ^^das Denkkräflige 
{Intetlectuetle) im Menschen.^^ Dies wird erwiesen auf etymo- 
logischem Wege durch Hinzeigen und Zurückgehen auf die Wur- 
zel des Namens IlQOiifi^tvg und auf die Bedeutung der verwand- 
ten Wörter, bei welcher Darstellung der Verf. mit besonderer 
Umsicht und Ueberlegtheit zu Werke gegangen — ein Muster 
ftlr ähnliche Untersuchungen. Hr. W. scheint es uns nur In dem 
versehen zu haben, dass er die ^(iB von der y/^^ia getrennt und 
wohl jene , nicht aber diese für onomatopoetischen Ursprungs er- 
klärt hat. Offenbar liegt aber beiden ein und derselbe Naturton^ 
der nämlich zum Grunde, den wir machen, wenn wir bedenk- 
lich oder nachdeokücb sind, das Hm! (bei Versdillessung der 



Mythologie. 

Lippen^ dalier auch mutas \u t. w.), ans weldiem Laote sich anch 
sehr leicht die Bedeutung der ganzen reichen Sippschaft jener 
verwandthVIien Wörter herleiten lässt. — Bei der Festsetzung 
des Begriffes IJQOiirfi'Bdg geht der Verf. mit änsterster Genauig- 
keit setneu Weg und berücksichtigt sogar eben so scharf die Vor- 
nie die Endsylbe. Mit Recht fragt er endlich auch, warum das 
Masculinum gewShIt sei und nicht das Femininum, da ja doch 
ngofiii^Bia die gewöhnliche Form 1 Er beantwortet diese Frage 
dahin, dass das Selbststandige , das Concrete, der Begriff des 
Einzelwesens in der gerade hierfür gebrauchlichen Mascnlinform 
liege. Wir, mochten aber hinzufügen , dass im vorliegenden Falle 
anch und vornehmlich der Begriff des Thatkraftigen, des Kiihnen, 
Entschlossenen, d. h. des Männlichen, in Betracht komme. 

Bei der wirklichen Behandlung des prometheischen Mythen- 
kreises verfolgt der Verf., wie recht und billig, das Verfahren 
der Trennung, des Ans- nnd Abscheidens des ursprünglich Ge- 
trennt-Geweseneu. Daher behandelt er erst die Feuereniwen^ 
dung^ sodann die Sliertheilung ^ drittens die H^amung vor Pan- 
doras viertens die Strafe des JPrometheus und endlich dessen 
titanischen Stammbaum. Denn jede dieser Einzelheiten bietet 
einen besondern Mythus, der unabhängig von den übrigen oder 
nach dem vorhergehenden gebildet worden sein muss. 

Die Feuerentwendung ist das Erste, weil der sie betreffende 
Mythus unter allen denen muthmasslich der älteste ist. Der 
Verf. geht hier wieder mit bewnnderuswerther Gründlichkeit zu 
Werke: er bespricht jeden , selbst den kleinsten Umstand mit 
Gelehrsamkeit und Umsicht, so dass man der Darstellung mit 
Vergnügen folgt. Nur Weniges Ist uns aufgefallen, als : dass der 
Verf. S. 211. das Wort vapdijg aus dem Griechischen herleitet, 
von agdsiv und dem negativen v (!) , und es ^,unbeuetzt" wieder- 
giebt, da es doch ganz unbezweifelt von vagdog abstammt und 
dieses aus dem semitischen 'n^l gebildet ist; ferner dass er 
8. 212. ivs durchaus für „9c^öV^ will genommen wissen , da 
solches doch so zu einem ganz leeren Epitheton im vorliegenden 
Falle wird; endlich dass er den Mythus des Feuerentwendens fiir 
einen relativ jungen erklärt (S. 236.). Im Gegentheil thut sich 
in demselben ein solches eigenes Verhältniss der Menschen zu 
ihren Göttern — ein Umstand, welcher von unserm Verf. unbe- 
greiflicher Weise übersehen ist, aber wesentlich zur Erklärung 
des Ganzen dient — kund, das nur auf eine frühe Zeit hingedeu- 
tet werden kann: es ist ein Verhältniss, wie es blos von Menschen 
befeichränkter Bildung und Einsicht, im Zustande kindlicher Ein- 
falt oder \iclmehr einfältiger Kindheit kann erdacht und ^«dacht 
werden. Die Mühe, welche das Feueranmachen den Menschen 
verursacht, sich vorzustellen als ein Verbergen und Vorenthalten 
von Seiten der Götter, besonders des höchsten derselben, und 
die Möglichkeit des Feueranmacbens hUiwiederum als ein Stehlen 



Weiske; Prometheua und fl«ui Mytheiikreis. 7 

aas d€a Himmel dmdi den peraenlfidrten Ungen Menscftenter« 
stand ^'ebt doch wahrlich kein Zeugniss von tiefem Nachdenken 
wid von angemesaener WUrdlgong des VeriiSItnisaes swiachen 
Gott und den Menschen. — IXürfte nicht auch folgender Fasans 
mit an grosser Bestimmtheit ausgesprochen sdnt (S, 286.) „Fra-» 
gen wir nach der Heimaih des Feuerentwenders, und des Pro^ 
methens überhaupt, so ist erstlich gewiss (^), dass hier eine 
besotidere Heimath ansunehmen ist^ da Prometheus nicht, wie 
die G&tter allgemeinern Namens und Wesens, >ron melireren Or- 
ten Grfcchenknds eingegangen su sein schehit (denn mehrere 
Ertliche Prometheuste als ursprünglich ansnnehmen, ist kein 
Grund da); sweitens dass vor andern Gegenden abermals Böotien 
ihn als seinen JHitbörger fordert theils wegen des askraischen, 
kabeirisch-thebischen, psnopeischen Prometheus, theils weil er 
von hier leicht nordwärts nach Opus und Deiikalfons Sitz, südlich 
nach Athen kommen konnte/^ Wir hitten diesen Ponct entweder 
unbestimmt gelassen oder das Obige höehatens vermuthtmgaweiw 
ausgesprochen. 

Es folgt der Mythus Ton der Stieriheiluttg» Mit Scharfsinn 
entwickelt und schilt hier der Verf. aus den willkürlichen und 
poetischen Zusatsen des Hesidd heraus den eigentlichen Kern« 
Hiernach waren die Götter und Menschen gerade in einem gleich- 
sam gerichtlichen Streit begriffen — da^ Imperfectum IxqIvowö 
ist hier nicht su übersehen! — über den Antheil, den künftighin 
beide Parteien am Opfer su Mekone haben sollten. Prometheus, 
der personificirte schlaue, auf den Vortheil der Menschen be* 
dachte MenschenTerstand, spielt dabei die Rolle des Vermittlers, 
aber natürlich su Gunsten des menschlichen Geschlechts , so dass 
am Ende die Gotter an Fleisch verkfint oder betrogen davon 
ziehen ; denn den opfernden litenschen ward (zur Opfermahlzeit) 
Eleisch und festes Eingeweide^ dem Zeus aber und den Göttern 
Gebein, mit Fett überdeckt, zu theiL Hr. W. erklfirt den My- 
thus ganz richtig fOr einen solchen , der hervorgegangen sei aus 
einem, namentlich in Mekone ^ aber auch sonst wohl üblichen 
Gebrauche, nach welchem beim Opfern die Götter bedeutend in 
der Gabe verkürzt erscheinen niusaten (nämlich die frömmere, 
die Götter mehr achtende Nachwelt , die eben deswegen den My- 
thus erfand), wenn auch unter den fiffgloig^ wie man doch ge- 
wöhnlich annimmt, nicht gerade von Fleisch ganz und gar ent- 
blösste Schenkelkttochen zu verstehen seien. Er hätte nur auch 
hier, zum deutlicheren Verständniss der Sache, das Verhiltnisa 
hervorheben sollen , in weichenl die älteste griechische Welt sich 
zu seinen Göttern gewöhnt hat, nämlich das Verhiltnisa des Miss- 
trauens , dea Unfriedens , der gegenseitigen Eifeirsucht. Hieraua J 

erkürt sich genügend einmal der alte Gebrauch, sodsnn der My- 
tfins, der selbigen seinem Entstehen nach erklären und rechtfer- 
tigen soll. Aber jung kann diese Vorstellungsweise nicht gewesen 



8 Mythologie. 

sein; rfe gebort etecr nodi ikehr roheil Well , aleo tinem sebr 
frohen Zeiträume ao* 

Der Mythiü Ton .Promeiheui im Gegensatse iiini Epime^ 
iheus^ der wieder f«r.fiicb ein besonderes Drama bildet, wird 
von nnserm Verf. wieder mit grosser Ausfikbrlichlceit und mit 
wahrhaft prometheischer BedachtsamlEeit bdiandelt. Alles, 1n8 
anrs Kleinste, erwogen, viele höchst treffende Bemerkungen 
gemacht, insonderheit aber das VerhSitniss a wischen Epimetbena 
und Prometheus in ein überaius klares Licht gesetat. Eine Unge- 
ataltnng dea ursprudgilchen Begriffs des Promethens ist hier un- 
verkennbar: ^ wird nun sum Vorausdenker ^ aum Warner^ und 
das besonders 

in der Fabel von der Pandora. Auch diese wird von unsemr 
Verf. mit Geschick igehtfidhabt Das Auffassen des Berichtes 
über die Hoffnung, die bekanntlich im Fasse der Pandora zurück- 
bleibt, hat uns hier sehr gefallen. Hr. W. äussert sich darüber 
folgender Maassen: ,^Das Zurückbleiben der Hoffnung ist ein 
zwar schöner , aber fnr die ältere Form des Mythus allzu freier 
und bedeutsamer, fast sentimentaler Zusata, würdig des Hesiod* 
Um so weniger ist es zu verwundern, wenn die hinzugefügte 
Hoffnung, obwohl sie ein Gut ist, 4orUier kommt und dort hauset, 
wo. die Uebel hauseten* Wenn auch der Dichter nicht das Wahre, 
was selbst darin liegt;, ausdrücken wollte, so ist doch die Unacht- 
samkeit,, womit das Versebiedenartige hier verbunden wird, sehr 
verzeihlich und eiklarlich, da die Absicht des Dichters, die Hoff- 
nung da erscheinen an lassen und festzuhalten, wo die Uebel her- 
vorgebrochen sind und umherschvf eif en y ihn von sqlbst auf jene 
Verbindung führte.^^ Die Hoffnung ist also keineswegs ein Uebel 
unter den Uebeln im Fasse, wie Buttmann gemeint. Damit stimmt 
ulierein, was neuerdings Schwenck fiber denselben Gegenstand 
bemerkt hat (HaU. Allgem. Liter. Zeit. 1841. Movbr. No. 182.}: 
„Hesiodns nennt in dieser Stelle die. Hoffnung kein Uebel, und 
es ist auch keineswegs eine antike Ansicht, dass die Hoffnung 

schlechtweg etwas Böses sei. Der Fandoramytbus enthält 

in diesem Theile den Satz : durch Pandora ward das Fass der 
Leiden geöffnet, und ein zahlloser Schwärm derselben sucht die 
— Menschen heim, ohne dass ihnen die Hoffnung des Besserwendens 
ihres dadurch gewordenen traurigen Zustandes zu Tlieil ward* 
Dass Hesiodus aXXa Sk fivQla lvy(fd sagt, gebt die Hoffnung 
nichts an; denn es heisst: die Hoffnuug blieb darin, andere zahl- 
lose Dinge aber überfielen die Menschen, welche Dinge trauriger 
Art waren , wie Odyss. VI, 84.^^ Nur will uns hier bedünken, 
wie wenn der Satz: „ohne dass ihnen die Hoffnung des Besser- 
werdens etc.^^ verfehlt und der Sache unangemessen erscheint. 
Es heisst nämlich ausdrücklich bei llesiod, dass das unvorsichtige 
Weib das Fass geöffnet habe und nun die zahllosen Uebel heraus 
geflogen wären, dass sie aber, doch gewiss nachdem sie ihr 



Weiske: PronetlieQs nnd fein Mytlieiikr«ui. 9 

Uaffe«At erfctMl^ den Deckel wieder zogescbfaifeii hebe^ w» Am 
den Manscben' venifBtens die Hoffnnng (nimlich des Besserwer» 
dens) tmrncfc^eUieben dei als ein Gut^ welehea ihnen df<& Lei- 
den veranssen #der wemf er ejmpfinden lassen soUle. fibr. W. hat 
dwmaeb allein ri^bllf über diesen Fall genrtheilt 

Die Fesuebt^g «nd Qual äe9 Prometheus folU den folgenden 
Abs^^hiHti) der uns an keinen weUeren Bemerkungen Anlass bietet 
Damnf wird behandell 

die Lösung dtfrek Heraklesm Mit welcher Feinheit nnd 
Tiefe hier der Verf« au Werke ^gangen, mögen folgende Hanpt« 
aatse beaengen : ^Wie überaU <tes Wesentliche aller bedeutsamen 
Bly then , wird apich hier die Entfcssdnng des Promethenp der 
nßiüriifike Ausdruck eines e$it sprechenden Urtheils oder Ire- 
föhls sein. Unstreitig ging diese Wendung des Mythus aus der 
Anerkennung der Würdigkeit des Prometheus hervor, erlöst su 

werden von solcher Qual. Es sollte jenes Verdienst nicht 

durch ein endloses Leiden vergolten werden. Nun konnte die 

thatkraftige Klugheit entweder sich selbst befreien , oder 

^ es sollte die Befreiung von aussen durch eine andere Madit ge- 
schehen. — . — Warum ist Herakles der Befreier des Prome- 
theus? Da unser Mjthensänger auch den Grund hlnaufugt, 

Warum Zeus dem Sohne der Alkmene die Befreiung des Prome- 
theus gestattet habe, nämlich 

,,„Dass des Herakjes Ruhm, des Thebaentsprossenen , hoher 
Steige noch als vorher auf der allernährenden Erde,"" 

und da dieser Grund ganz übereinstimmt mit der geschichtlichen 
Thatsache, dass Herakles als Stammheld vieler herrschenden 
Geschlechter Grieehenkinds seit der Eroberung des Peioponnesos 
durch die Dorier und Herakliden viel gepriesen und besungen 
wurde schon vor Homer und Hesiod, wie deren Gesauge zeigen: 
so. Ist es mehr als wahfsoheiniicb, dass der angegebene Grund der 
wahre ist, nicht als ob Herakles deshalb wirklich eine That voU- 
bracbt (wie der Dichter sagt), sondern dass ihm deshalb von den 
ältesten Herakleendlehtern oder Prometheussängern auch jene' 
That nach dem Vorbilde vieler andern beigelegt worden/^ Mit 
dieser besonnenen und vernunftigen Erklärung hat man die rechte 
Auflösung des Mythus, ist allen Deuteleien fernerhin Thor und 
Thiir versperrt. 

Schwierig und deshalb besonders einer ausführlichen Erörte- 
rung bedürftig war die Genealogie des Prometheus , und Hr. W. 
hat allen Scbsurfsinn aufgeboten und alle seine Gelehrsamkeit, um 
diesen verwickelten Knoten zu entwirren. Und Vieles ist ihm 
gelungen aufzulösen; ob Alles? bezweifelt Ref. Darin hat der 
Verf. gewiss Recht, wenn er behauptet, diese Genealogie sei 
zwar noch als vorhesiodisch , aber doch als spater denn die vor- 
her behandelten Mythen zu betrachten } denn offenbar sind sie 



lO Mythologie. 

ma ffttg^Mchceit^m md tum Theii ai» unsn8aiiiiiieiililii|;eBdeft 
ilteren Tbef len locker saMmmengefögt Hr. W. verstidil kuTÖr* 
derii den sehön oft verguchten und doch immer to vergeUich ehn 
geachUgenen Weg der Etymologie. Aber hier ist er zam Ver- 
wundern auf 8t8i>ke Abwege gevathea, a. B. S. 299., wo er aagtt 
^^hm meisten prüfungswerth scheint mir, ob nicht Japetos für 
Japetor, nur eine andere Form von Zav teanJQ^ Jupiter und DI* 
espiter ist.^^ Denn kann wohl zog etwas anderes sein In jenem 
Worte, als das suffigfrte Personalpronomen? Der Stamm ist also 
ttothwendig; tan. Freilich wie dieses nun su deuten, im vorlie*- 
genden Falle gemSss der gedachten Persdnlichkeit des Japetos 
und der auf ihn besuglichen Mythen zu deuten sei, das ist eine 
andere, eben die schwierige Frage. f7e/e Möglichkeiten sind 
nicht vorhanden, aber nirgends ein fester, sicherer Anhalt. Un- 
glücklich nur können wir die des&llslge Vermuthung nennen: 
„Da Japetos mit Kronos als besiegt von Zeus voraugsweise vor 
ande'm Titanen zusammengestellt wird : so scheint er, wie dieser, 
ein localer Gott gewesen zu sein, und zwar, wie die Namenfbrm 
andeutet (?) , vielleicht ein italisch (?) - griechischer Zeus oder 
Jupiter.^^ Abgesehen von der so höchst erzwungenen Etymologie, 
wo sollten die ältesten Griechen einen Gott aus Italien her bekom- 
men haben? Richtig Ist, wenn es S. 305. heisst: „Der Grund 
steht fest, dass Prometheus darum des Japetos Sohn ist, weit 
dieser Gegner des Zeus ist.^^ Der Grund hiervon ist uns freilich 
unbekannt, und die desfailsige Doppel -Vermuthung unsers Verf., 
„dass Japetos als der wirklich verehrte alte Gott eines einzelnen 
Stammes oder entfernteren Volkes leicht als des Zeus besiegter 
Gegner angesehen werden konnte, wie dasselbe aus gleichem (?) 
Gnindc mit Kronos geschehen ist^S trägt zn augenscheinlich dad 
Gepräge der UnwahrscheInlichkeit auf der Stirn, als dass sie Ue* 
berzeugung fdr sich gewinnen könnte '*^). Des Kronos sogenannte 
Entthronung ist auf ganz andere Weise zu erklären, was der Ref. 
schon anderwärts einmal (in der Schulzeitnng) dargethan hat, zu 
dessen Beglaubigung er gegenwärtig die Worte seines verehrten 
Freundes, des Etatsrathes Nitzisch in Kiel — sie stehen in d«n 
Kieler Studien S. 467. — anfuhren kann : „A>t/i grösserer Irr- 
thum^ als vor den Olympiern wäre Kronos und die Titanen 
verehrt worden. Zeus ist älter als Kronos.^^ Möchten 
doch hierauf auch diejenigen achten, welche noch Immer die Ge- 
schichte der griechischen Religion abthdien nach einem Kronos- 



*) Nach Otfr. Muller's neuerer Ansicht (gegeben in der Gesch. der 
griech. Lit. I. Thl. S. 161. Not. 1.) ist Japetus „der Herafogestnrzte 
(von Id7ttü9j Warzel Ziin), das von höherer Gläckseligfcelt verdrängte 
Menschengeschlecht.'' Allein diese Deutung leidet wieder an zu grosser 
Abstractheit des Begriffes, vrie sie von einem frühesten Zeitalter der 
Hellenen nicht vorausgesetzt werden kann^ 



Weiske:' Prometkens nnd sein Mythenkrei«. H 

Rdch, Zeii6-Re^eniiif u. s. w. ' Die Stehe bt mm mgikigdk; 
etkihehrt jeiea hisiorisehen Qvitnißa* 

Heber die- Kiymeno, ml» die Terai^tiieh« Hottevdet Vtomm^ 
tbeai , hat der Verf. Idder mch niehts Nenes md fieeüimiiteree 
wiesen so sagen. Dagegen trigt er über den Atlae, über welebea 
bekahntlieh schon liel Streit gewesen; iü den euch Rel. vemrickeH 
ist, eine Ansidit vor, die wir, weil wir sie eben&Ue Wr verwerflich 
halten, und well sich doch neoerdiogs auch Nägelsbach mit eini- 
gen besoudem Modificationen fttr Völeker^s und Hennann's An- 
sicht ausgesprodien hat *) , hier besonders beachten und einer 
ausführlldiem Beartheilung unterwerfen wollen. Hr. W. sagt 
also : ,,Jener [Atlas] seinem Namen nach nicht der Unäulder (der 
Dulder schwerer Mühe und Strafe), sondern der Vnwager^ d. i. 
der schlimme, tollkühne Kimpfer mit Gefahren^^ u. s. w. Dei 
unbefangen Prüfende wird sogleich erkennen, dass hier in den 
Begriff etwas hineingetragen wird, wovon man nicht begreif^ wie 
es in demselben liegen könne. Wo kommt das Merkmal „dea 
Kampfens^^ herl wo das „mit Gefahren^^l im Namen liegt keU 
nes von beiden. Zwar setzt Hr. W. hinsu : Er [Atlas] „trigt bd 
Homer und bei Hesiod die diesem Namen entsprechenden Beiwörter: 
Verderben sinnend bei jenem, gewaltigen Sinnes bei diesem. ^^ 
Allein auch hier keine Beziehnng auf Kampf , auf Kampf mit 6e* 
fahren, sondern vielmehr in oXootpQGiv die Beziehung anf seine 
in Folge der ihm auferlegten Strafe des Tragens des Himmels 
gedachte und zu denkende , Raclte gegen die Götter schnaubende 
Gesinnung, in xQatBQotpQWv die Beziehung auf sein staodhafles 
und ausharrendes Dulden. Freilich will unser Verf. zur näheren 
Bestimmung und Feststellung jener Sitze hitizugenommen wissen : 
„Die Ursachen dieser Beiwörter und zugleich die Ursache des 
Mythus, dass ihm das Tragen des Himmels als Strafe auferlegt 
sei, ist in Homer's Andeutung enthalten, wonach Atlas alle Tie* 
fen des Meeres kannte, also^^ [Ref. vermag nicht diesen Schlusa 
zu begreifen] „als ein kuhner und furchtbarer Seefahrer gedacht 
wurde.^^ Wie wäre ein solcher in der Vorstellung des alten ein- 
fiich kindlichen Griechen zur Strafe des Tragens des Himmels 
glommen 1 Welche gegenseitige Beziehung läge denn hierin 1 
„Also^S fährt unser Verf. fort — also wieder ein Schluss, aber, 
wie man gleich sehen wird , wiederum einer von derselben unbe- 
greiflichen Art — „der abenteuerliche und seeriuberische^* [hier 
wird von Nenem ein fremdartiges Element in den Begriff einge- 
sehwirzt] „Geist solcher Seehelden (1) (wie auch die ^öniki- 
sehen Schiffer bei Homer und die Wariger sind), nicht aber die 
Seefahrt an sich, ist das Titanische nach dem ursprünglichen 
Sfaine des Mythus , und die Ansichten jener Kunst als eia«r 



' *i Des -Ref. Anj$icbt tbeiUe Otfr. Miller (a. a. O.) und the^ Nitssch 
(AtaaUifklc, an Romer's OdyMee lll. B. 8. 329.). . 



12 Mythologie. 

Ceb^tsdireitimg der mencicliIicheD Schranken (Hör. Od. T, 3, 25.)< 
gehört der jüngeren Deutung an^^ u. s. w. Wir sollten meinen, 
dem Undlitehen mythisirenden Verstände des Griechen in der Ur- 
leit müssle es gerade angemessener sein , wenn er sich gedschl 
hätte., die Götter hätten den Reprisentanten der Schiffer und 
Seefahrer ob der Kühnheit das Meer zu befahren so hart bestraft 
— Unbegreiflich ist uns auch der Zusatz : „Endlich dass des At-^ 
Jas Thellnahme an dem Kampfe der Titanen « seines Vatera und 
seiner Oheime , gegen Zeus angedeutet sei durch die ihm zuge- 
schriebene Kühnheit, und dass dies der Grund der ihm auferleg- 
ten ungeheuren Last sei, davon weiss selbst Hesiod nichts, ge- 
schweige Homer.'^ Aber wie? warum nennt denn Hesiod den 
Atlas okoofpQixn^? Man sehe die richtige Deutung beim Schol* 
Und eben jene Vorstellung, dass er der Himmelstragcr sei, hat 
die Vorstellung erzeugt, dass er solche Last trage als Strafe, und 
diese wieder die, dass er gegen Zeus rebellirt habe und folglich 
unter die Titanen gehöre« Hygins (Fab. 150.) desfallsige Nach- 
richt kiindigt sich dadurch eben als eine sehr alte an. — Ganz 
richtig aber heisst es nun weiter : „Ob iibrigens der meerknndige 
Atlas eine Peraonification des Gebirges sein könne, bezweifeln 
wir. NatfirMcher ist, dass der Berg (vielleicht seit Koläos Fahrt 
bekannt, von den Bewohnern, den [vermeintticheu?] Atlanten, 
die Himmelssaule genannt, nach Herodot; IV, 184. etc*) erst spä- 
ter von dem Dämon Atlas genannt wurde , welcher als ein west- 
licher Seeanwohner verdammt ward| die westlichen Himmelssäu* 
len zu halten (nach Homer) oder auch den Hinutiel selbst mit 
Kopf und Händen zu tragen nach einer Vorstellung, die von der 
Anfesselung an den Säulen des Hauses (wie die Strafe des Prome^ 
tbeus bei Hesiod) veranlasst scheint und vielleicht. durch die da- 
von und von dem Stehen an den Säulen hergenommenen Verzie- 
rungen mit anlehnenden oder untergestellten Figuren, sogenannte 
Atlanten oder Telemonen, befördert worden ist.^^ . 

Diese letzten höchst treffenden Bemerkungen haben dem 
Bef. so einlenchtend geschienen , dass er seine ehemalige Ansicht 
über den Atlas und die Herkunft des Mythus darnach mehrfach 
umgewandelt hat, und er trägt kein Bedenken, selbiges hier mit- 
zutheilen. 

Bei der Bntwickelung eines Mythus ist die erste Regel, sich 
nach Möglichkeit in die Vorstellungsweisen und Kreise derjenigen 
Welt zurückzuversetzen, die in frühester Zeit den Mythus ge- 
dichtet hat: man rauss versuchen und verstehen, sich die ganzen 
Umgebungen solcher Menschen zu construiren und vorzustellen; 
denn wie diese Umgebungen waren , so der Menschen Anschau- 
ungen, Begriffe, Bilder, Gedanken. Und hierzu kann und muss 
man sehr oft den Mythus selbst benutzen, ihn also gewisser 
Maassen aus sich selbst heraus eonstruiren. Wenden wir diese 
Regel auf den vorliegenden Fall an ! Homer bringt den Atlas mit 



Webke : Proiiieih«iu und sekl Mythenkreit. 13 

Säulen (x/oifiv) in Verbindiing. Bi kannte aho die- l^ntwnrt 
schon zu seiner Zeit dieselben: solches ^bt snch sattssn not 
andern Stdien hervor , s. B. Od. 6, 807. 19, 38. u. s. f. Sinlea 
sind aber tragende Ärehiftekturslftcke: es sind Träger des daraof 
liegenden Geiwiks nnd sie halten empor oder Ingen Decken, DS« 
eher, Himmel (ovQavovg) oder Gewölbe. Waren diese an BUd* 
sSalen Terariieitet , dergestalt, dass sie Menschen danteilten, so 
hiessen sie "Atkavng (Athen. V, p. 208. B. ^Atlavteg^ — -^ ot 
tovg Sy^tivg VMBikqfpi6av vuvg ivenoxm naX vd XQlflamMm 
Vgl. VitniT. a. a. O. Otfr. Müller's Archad. d. Kunst $ 2790. 
Solche Figuren hatten dann natikrlich aoch eine solche Haltnngt 
wie die eines Tragenden, und xwar die eines Menschen, der et- 
was auf oder mit den Kopfe trilgt und aelbiges, dandt ea nichl 
falle, mit den H&den unterstfitit Und dasa man «olche Ge- 
stalten, solche menschüdie Figuren in dieser Haltung in dei' JVnif- 
hunst anwendete, dasn gab die Wirklichkeit den Griechen die 
beste Vennlassimg. Bs war nimUch (wahrscheinlich schon undt- 
griechische) SHte — worauf Hr. W. S. 491. sehr treffend hhi* 
weist — Lasten auf dem Kopfe lu tragen. Und solche kftostle- 
rische Daratellungen lassen sich bei der Einfachheit und Natir* 
lichkeit derselben schon sit Homer's Zeiten Toranssetien *y So 
hatten wir denn als Grundlage jenes Mythos vom Atlas: 

Die Griechen hatten schon in uralter Zeit die Sitte, bei ihren 

Eanten Säulen anvubringen, nra ein oberes Gebälk oder fon 

flaches oder gewölbtes Dach oder, eine Dedce snatntsen und 

Menschenfiguren ijnzuwenden ala seiche Säulen, gemäsis. det 

Gewohnheit im alltäglichen Leben , Lasten auf dem Haupte in 

tragen. Man nannte soldie Saufen ''^Aarrse^ 

Dieses Wort hat offenbar zum Stamme das ¥orbilm «lao» ich 

trage , mit welchem Terwandt sind die römischen: toilo , tolerö^ 

latus (eigentlich tiatnm), unser deutsches Last, laden, leiden etc; 

Das a ist — nicht intensivisch, auch nicht euphonisch, senden 

zur leichtem und bequemem Aussprache des sonst zu harten Ali^ 

lautes tX (vgl. das E in e^rit, auch aCMulgm st. 6nalQm n. s..ww) 

— Torgefügt , ohne dem ursprünglichen Begriffe eines Trägera 

ein Nebenmerkmal zu verleiben. "Atkag Ykfämi also sdilechtweg 

ein Träger^ und zwar voraugsweise die em Gebälk öder dil^ 

Decke tragende, emporhaltende Säule in Figuv: einer InänAlichen 

Gestalt ♦*). i 



i> 



*) Wenn unser Verf. diese Baa - oder Konstweise agsfptttcften I7r- 
Sprungs nennt, so hat er nicht bedacht,- dass sie so einfach und natSrlich 
ist y dass , wie die Aegypter, anch die Griechen auf solche YeisieningeB 
ihrer Säulen von selber fallen konnten. Was em Volk ersinnen nnd er- 
denken kann, kann anch, unabhängig yon demselben, ein andßret. 

**) Die weibHdien Figuren der Art Idessen zo^a», später ntt^v»- 



14 Mytkologie» 

Waft Witt nttftt iMkurlidief , nU dass die Griechen diese iir* 
spriiiigUch baulkbeB VerhaltaiMe auf den ttimniel übertrugen t 
auf d<» Himmel, der ja dev.Aqge \%le ein Ooeh ecacliekit'? Kr 
nDMM alao auch febaitea, getragen werden von Säulen; b\^ 
rnfkisen den .Himmei und die Erde auseinander hatten« wie die 
gMrttinlieheA Säulen eines Gebindes die Declce und den Fuss- 
boden *). I>ie alles belebende und personificirende Phantasie 
der Griechen madite nun aus den Atlanten in der gewöhnlichen 
Baukunst einen Atlas, eine menschliche Figtir mit Leben ^ der 
die Aufgabe geworden ^ jeneSäuloi an Iz^nf* '^< halten« Sorge 
snirtgen^ dass sie nicht fallen^ dass das Himmelsgewölbe nichl 
yieUdclit war en nnn ins hohe» Alterlhnm Sitte, z^* 
awei Säailen einen Atbinlea.aHsiibftngea, so dass diurselbe 
gläiclisaiii diese mit an halten^ nu beaufsichtigen schien. Hier^ 
sack hatten wir uns dsn Atlas bei Homer selbst als Triger des 
Himmeb awlschen awtii Säulen zu denken , und demnach wäre die 
hnmeriache Stelle von der heäodischen nicht so verschieden, wie 
sie auf den eisten Blick erscheint. Der letztere Dichter hätte 
nur die Säulen weggelassen. Das Uebrige erklart sich nun leicht, 
wenn man historisch fai chronologischer Folge den Verlauf der 
Behandlung das Mythus durch die- verschicäenea Schriftsteller 
verfolgt, und .wenn man in dem dnAa^tfs^ nJi^r^g ßiv&$a olSiv 
nichts Anderes sucht, als was mw darin liegen kam)»- nämlich: 
wml die Siiden des Himmels stehen am westlichen Ende der 
Erde., stehen sie taa Meare, anf Me^esgrund; darum kennt At- 
ks'diis Tiefen dea ganten Meeres. An Meerfahrt,, an Handel 
n;dgL iat gar nicht, ni. denken, tmd mÜNIIgeJsbach die IVier, 
die Phönicier und deren westliche Seefahrten faereinzuziehjen^, ist 
darum misslich, weil aiir Zeit Homer*s die letateren wolii schwer^ 
Heb den Hellenen anhekanai waren» Darum kÄnnen wir es audi 
niidii gut. heissen , wenn derselbe Gelehrte S. 83. behauptet; 
^,A41aa hfilast aber aneb alQwpQoPf ein Teiifelakerl , wie der 
blttge Mnos> der Zaubecer Aietes,. ein treCQiches Beiwort für 
den Iteptüatintantem d^ scUauen,, AUea wagenden Handels^ 
volkea^^ nm sc^ weniger,: ab Atlsisi dacii widirlich nicht als Reprä- 
sentant dar Pkinicier gelten ka«nl Denn wae käme er da%ul 
iSer aind dfiv Cüombinatisiien dach wdirlicb viel au viele **), 
i WIm.Ißhnm* nun la imseirer Abieige dea verliegenden Boc^hes 
fort Menötius , der räthselhafte Titanensohn , ist unserns Y ejEL 
der Schicksalsherr (?) oder der Verhängnisstrotzer (von ^itvuv 



imm^mm^m^mm 



*y QH^ßl^i SltiW belMt alflo in. der Si^le dos Homer zuverlasBig: 
«asdnaäderftakan« 

'^*y Iküt J^ifiUwii Buchte hat «euerding? Nitzach (Ajimerkk. au Ho- 
mer'sia4yl0uJILB,. £f. 337« Ejb^> die VeKnuithang bekämpft und abge- 
wkatB, ^dais aisypba« des &ep«ä8eRtfuut.dea: Handal» und des Seewesens 
des alten Korinth gewesen/' 



Weiske: PromatiMii« und aefai MyUieiikreu. |^ 

umI ofaos). Di^ letetore Äbleitaag micbt« q^ri^idilleh w reehl- 
terüg&k sda, yMA .nur die Detttiug «inw beBtimmleii Hal^oact 
gewährte. ... 

In Ueziig auf Ae gsme Geneslogte d^ Fromethem mtfieHl 
der Veif. gans richtig S. 311. also: ^.Betrachten wir nnn da^ 
Gänse dieses Stammbaums, so können wfr schon nadi unsern Mak 
heri^en Bemerkungen keineswegs ein System darin finden, get 
schweige ein nothwendiges zugleich aus Eiher Idee wie in Bfneni 
Gusse geschaffenes genealogisch - allegorisdies Kunstwerit.^^ Wir 
stimmen ihm auch da bei, wo er Yöicker's und Otfr. MUkr^i 
(Prolegg. S. 118., dem nnn auch hinmzufSgen ist; Literaturge- 
schichte der Griechen. I. S. 161. Not. 1.) Ansichten widerlegt^ 
durch welche auch Jlef* mehrfach fräheirliin bestochen gewesen 
ist, und helssen willkommen die, womit Hr. W. schUesst: „Ana 
ungleichzeitigen und Terschledenartigen einzelnen Bestandtheilen 
Ist wegen der allgemeinen Aehnllchkeit der vorher getrennt gege« 
benen Mythen dieser Stammbaum (Tiellelcht erst ron Heslod, 
wahrscheinlicher von einem seiher Yorginger) locker zusammen* 
geftügt worden , wie viele andere mythische Stammbiunie> Der 
Schlüssel hierzu liegt aber unbezwelfelt, wie auch der Verf. 
S. 313. erinnert, in den Mythen von den äkniieken Bestrebungen 
und Schicksalen und Strafen. ' „Das Streben ' gegen Zeu9 und 
dessen Bestrafung ist dem Vater mit dei^ Sohne» gemein, nur 
den Epimethens ausgenommen, der weder gegen Zeus anstrebt 
noch selbst bestraft wird und daher nur als Bruder, d. i. als Ge- 
gensatz des Prometheus, also nur mittelbar, nicht an sich selbst, 
Sohn des Japetos geworden ist^' Fälschlich wird indesseii hinzur 
gefügt: „Aber jene Mythen sind ebenso, wie die Genealogie, docti 
auch nur Formen. Was Ist also ihr Inhalt? Dass es eines Titans 
Söhne und zwar nicht Menschen sind , die gegen Zeus kämpfen, 
sondern Götter (f ) (wie f&r Atlas das Tragen des HImmds T?) 
und tat MenStiua das Schleudern In den Tiurttfua leigl).^«^ [i^ 
Plese Consequensen sind unrichtig. 

Der Abschnitt von den Titanen (S. 316 4-> M fP w^t 4<^ 
lobenawertli, wo der Verf. seiner Gelehni^^ei^,, inioder j^ 
wo er seiiieBi Hange willkfirlicb zu etymologisipf^i^ Rimn^.gie^ 
So findet er die Wurael den NameBs 2Yf<i^v in.^^ iqb llä|iri^ i;^ 
sagt & 318. kl Folge desaens „Also wie die alte .^Q^in 4^x K^d-^ 
frochtbaikeit iiod der Brde seibat haM TiUea biess^ d- ji* pbrfi- 
rin, bald Gaa (von )««(»), d. i. Zeugeria; la beissc^ ^ (j^euir 
sprossenen, chthonlschen Dimonesi (denn dsff ijvaren sie pvicilh ftP'* 
mer und Hesiod) tlidSs Titanen, d. i. Nähr/^r, tt^ Gig^ü^ 
d. i* Zeuger. Jener N^tnei nnr In . and wer, i'9irm% t«t upa^jtig 
aach Thetis und Tetl\ys^^ etc. Daa Jlimtgi% iß^ el^ej. j^tfeic|ii} 

Oombinatien, die naber verdient betioiAt^twwMPdmiV^i&JlftitT 
lerea ZusammensteihiBgen aber zi^bwV «Mb mmmV^fim^- . , 



14 Mfttkematik. 

Mit 8. 884. folgt ifor tmrtle AiedMit: ZM der verkmi- 
Pfändern und auwsekiuMtenden Diektung^ d. k. heaiodüdke Zeil 
mm 900 ff. v. Chr. Hier fiadet der Forscher der Geschichte der 
griechischen Religion und Mythologie eine Menge trefflicher 
Winke und Beiehrungen zur richtigen Aufifassung der v^schiede- 
nea Perioden. Auch hier wird Vieles beigebracht zur richtigem 
Würdigung des Hesiod und seiner beiden Hauptgedichte. Wir 
witaiiBn uns begnügen, darauf nur im Allgemeinen hinzuweisen. 
Billige iinnSthige Wiederholungen hätte der Herausgeber in die- 
sem Abschnitte tilgen können. 

Dai Werk s<£lie8st mit dem dritten oder naehhesiodiächen 
ZeÜobechmUte ungefähr 800—500 v. Chr. (8. 396 ff.) Hier 
genüge es die Hauptrnbriken aufzuführen, um auf den reichen 
Inhalt anfmericsam zu machen. Es wird behandelt: Prometheus 
oie Deukaliotis Vater ^ Prometheus und Epimetheus in der /y- 
risoh- gnomischen Poesie; Prometheus der Kabeiräer^ Freund 
der käeirischen Demeter; Prometheus als Berather des He^ 
rakles^ Prometheus als Schöpfer des Menschens Prometheus 
an Athen. Unter diesen Kapiteln haben dem Ref. die vier letzten 
imgemein angesprochen und eine vielseitige Belehrung gewährt. 

Für den wisseoachafilicben Anbau einer.gesun4en Itf j^tholo« 
gie ist das Werk des Hrn. W. überaus förderli^*». und empfehlen 
wb es Jedem, der sich diesem Studium ergeben. 

Heffter. 



ttehrbuch der Geometrie ron Karl SüiStl, Lebrer der Ma- 
thematik an der Kreuzfichnle 2n Dresden,' mit sechs lithogr.-Tafelti« 
Leipaig, bei Brockhaus. 1841. XXX und 297 S. gr. 8. - 

Der Verf. weicht in seiner Darsteliungsweise ron der in f^^t 
dien Lehrbüchern der geradlinigen PUnimetrie üblichen Methode 
auffallend ab, worüber er sich in der 31 Seiten starken Vorrede 
näher erklärt Er beginnt mit der Annahme, der Mathematik 
Torzugsweise das Prädikat der WliBseaschaftlichkeit- beizulegen, 
leitet aus der bisherigen Behandlungsweise derselben Gründe flu 
4as unrichtige dieser Melnung^b und fördert für dieses Prädikat 
eine in Form und Materie veränderte Darstellung. Er behauptet, 
in der Bearbeitung der Geometrie zeigten' die Lehrbücher Ton 
einfachen und mihe liegendeil Erfordernissen einer höheren wis- 
senschaftÜcheA Form fasft gar Nichts^ indem sie Mos diä Böndig-f 
fceit der Bewme und die strenge Ableitung der folgenden Sitae 
aus vorhergehenden zum Bestimmungsgrunde der Adordnung 
machten und dedilrch die einzelnen Sätse^ ohne dem Inhalte nlch 
öine besondere Verwandibehaü zu haben , oder irgend elnailge** 
mdnes Problem der Wissenschaft zur Entscheidnng au bringen^ 
so neben eiaatider h^rfortreien Heäben, wie aie sich viellclsht 



Snell» (ftkfbiMli 4er Geometrie. 17 



ebeft^ wi^ KvneMea w» iam anmittdktr VorberfdhBndeii efge» 
hm würden* 

Der Maofel eines iqi^ereQ Zutammeohajages dem Idialte 
neeli und einer sieh von selM darbietenden natürlichen Entwicke- 
lon^ aei eine neth wendige Felge davon, dam die Hauptaufgabe« 
und Probleme der Wissenachaft nicht im Ganaen und Grosse« 
bestimmt g efasst und bezeichnet würden , dass keine Ueberaicht 
gewonnen würde von den wesentlichen Rücksichten , nach denen 
die Figoren betrachtet werden müssten , von den verschiedeqea 
Standpunkten , welche die Untersuchung nach und nach ersteige, 
und dass der Untersuchung in den einaelnen Abtheilungen nir- 
gends ein Ziel und ein Zweck vor. Augen liege: denn nur ein 
Zweck könne das Einaeine ausammenhalten und innere Ordnung 
gebieten. Dieser Mangel an Uebersichtlichkeit und Zusammen* 
fiissung des Einaelnen in ein Ganses aiehe sich dann. auch in klei- 
nere untergeordnetfi Abtheilungen hinein. Nirgends wisse man, 
wenn man den Inhalt von mehreren Sätzen rereinigt angebe« 
wolle, bestimmt zu sagen, wovon dieselben eigentlich handelte«» 
Dies ersehe man aus den vagen und unbestimmten Ueberschrifte«! 
welche kleinere Abtheilungen an der Stirne trügen, wie die aner* 
kennt besten in Deutschland verbreiteten Lehrbücher der Geo- 
metrie beweisen würden, indem es heisse: „Von 4eil. Figuren 
(was denn?); Einiges vom Dreiecke; Einige Sätze aus der liehre 
vom Kreise ; Von senkrechten und schiefen. Linien ; Einige Lehr« 
Sätze und Aufgaben als Hülfssätze einiger A|i^aben ; Vermischte 
Sätze u. s. w.^' 

Auf diese Weise bezeichnet der Verf. die Lehrbii^her fast 
alier deutschen Mathematiker (von denen der Franzosen und Eng- 
länder sagt er mit Recht noch Aergeres). Reo. hält dieses füt 
eine starke Sprache, obgleich er jenem und den Lesern offen be-* 
kennen muss, dass er voi^ vielen., oft gerühmten, freUioh gar 
häufig durch erkaufte Beuriheilungen angepriesenen Lehrbücher« 
keine bessere Ansicht habe, und fordert das denkende Publiknm 
auf, denienigen formellen und materiellen Nutzen zu beurtheilen, 
^er sich aus einem nach folgenden Uebersichten bearbeitete« 
Lehrbucbe. ergeben ßoll. „Grundlehren i^om Kreise (den Hi^ 
Snell gar nicht zur ebenen Planiinetrie rechnet, w:omit übrigens 
der Unterricht in der Geometrie ganz sinnlos begonnen wird 9 da 
er erst nach den regulären Vielecken zu betrachten ist); Con* 
struction der Dreiecke nach ihren Seiten (ohne vorher die Lehre 
von den Wiid^eln und von der Bestimmung eines Dreieckes zu 
behandeln und hierdurch die Congrnenz der Dreiecke zu begrün-' 
den); Congrnenz der Dreiecke (ohne nachzuweisen,, von wie viel 
und was für Elementen das Wesen eines Dreieckes abhängt); 
Leichte Anwendungen von dieser Gongruenz: die Lehre von de« 
Parallelen; die Vierecke und ihre Arten; die 3 Winkel im Drei-> 
ecke; Maasa der Winkel; Gleichheit der Paranelogcaauneund 

iV. Jahrb, f. PhU. u. Päd. od, KriU BibL Bd. XXXVI. Hfl, 1. 2 



Id Maikematik* - 

IMI^fkes fl&ire VWWaifdkln^; die Sehiieii und Taogenleii im 
Kreise; von den Mittelpunkts- und Peripheriewinkeln; Aehnlich- 
keit'#er Dreiecke; AHisttiessung geradliniger Figuren , Kreisrecb- 
itong, Linl^Verhaltrtisae vermittelst de« Kreises u. dgl. Atteh 
¥ohi gogevannten Feldm^sen^ vom einfachen und Winkeliiaeai, 
vom' 2lrkel, von Messnithen^ Messsehnüren.., Messketten nnd 
Atessstäben , ja sogar von Messpilöcken und ähnlichen Dingen 
wird geredet (und doch haben manche Verfasser diese Werkzeuge 
oft gar nicht in der Hand gehabt). Auch etwas vom Höhenmea- 
sen findet nian und die Elementar ^Trigonometrie wird mit einem 
weitliufigen Gerede über das Ausziehen der Quadratwurzel eröff^ 
net nnd mit einigen geometrischen Aufgaben, z. B. über die Be* 
rechnung einer fehlenden Seite aus zwei gegebenen Seiten des 
rechtwinkeligen Dreieckes und über ihnlichen Qnaric geschmückt, 
worauf Vordersätze zur rechnenden Dreieckslehre hinsichtli«^ 
der Sehnen und Sehnentafeln, bis endlich Vordersätze zur Trigo* 
nometrie, auf die Sinusse, Tangenten und Sekanten gegriindet, 
denen doch wohl Nachsätze folgen sollten, in einem rathloseii 
Gewirre folgen, das die Verf. unfehlbar selbst nicht recht ver- 
stehen. 

Rec. verfolgt die Ailgabe von ähnlichen chaotischen Darstel- 
lungen nidit weiter^ glaubt aber, dem Verf. des vorliegenden 
Lehrbuches nnd den Lesern dieser Beurtheilung desselben ehi 
Beispiel vorgelegt zu haben, auf welches seine Bemerkungen 
wegen vielei^ elendtsn Lehrbücher der Geometrie in vollem Maasse 
anwendbar sind und welches nar einen von Eitelkeit und Egois- 
mus ganz durehdnmgenen Verfasser zu der vagen Meinung ver- 
leiten kann, er habe mit seiner verworrenen, völlig gehalt- und 
formlosen Behandlung etwas Gutes gestiftet, und der nicht ein- 
sieht, dasB seine Behandlungsweise auf sinnlosen Zusammenstel- 
lungen ohne wissenschaftlichen Werth und pädagogischen Gehalt 
beruht. Mögen solche Verfasser die Vorrede des Verf. lesen 
un$l daraus ihr verdientes Lob für ihre elenden Machwerke , die 
iHgieieh veraltet sind und selbst in ihrer Auffrischung einen durch 
mancherlei physische und nttliche Verhältnisse ganz entnervten 
Körper und völlig geschwächten Geist öffentlich zur Schau tragen. 

Rec. spricht übrigens mittelst dieser Beispiele und dieses 
Beitrages für die Begründung des herben Tadels von Seiten dea 
Verf« über die Lehrbücher der Geometrie diesem kein unbeding- 
tes Recht zu, sondern behauptet, dass er in mehrfacher Bezie- 
hung tJnredbt hat, unbillig und von seiner Darstellungsweise zu 
sehr eingenommen ist, dasa dieselbe nicht allgemein haltbar, 
aondern durch eine bessere zu ersetzen ist. Da der Verf. fast 
gegen alle Lehrbücher zu Felde zieht und dieselben dem Inhalte 
and der wissenschaftlichen Form nach grosser Uefaelstande und 
Gebreohen beschuldigt und höchstens die DarsteUungsweise dea 
veratorbenea Mathematicua J. F. Tbibaal und die Ansichten 



Snell: JMurlHnllto Geometrie. ' 19 

seitiev Vrennde« Adolf Friert, ab der seinf{[«n «leh anschRei* 
seod;, beiBerfctkh macht, so htit ea Rec. fSr seine Pflicht, daa 
Lehrbuch de« Verf. aowirfil In Beäuge aaf die Wfaaenschaft , ab 
auf den Gebrauch an Gymnasien, ab auf den pfida^ogfaoheii 
Werih nflher sn benrtheilen und der in ihm 1»efni^en Anordnung 
and Behandhingsweise eine mehrfach irerUnderte, aber unfehlbar 
in dem Wesen der Raum^össenlehre fest be^rändete und auf 
einzelne Hauplideen sich besiehende Anordnung und Behand« 
lungsweise entgegensustelleh. 

Der Verf. will seine Bearbdtung nicht als ein System, son^ 
dem ab ein Lehrbuch angesehen wissen, weil in jenem die Ha^ipt-* 
Probleme der Wissenschaft nicht deutlich bezeichnet und im Zu- 
sammenhange durchgeführt wurden und dem Schüler oder Leser 
daher zunächst das ganzliche Bewusstsein der Volbtindi^keit der 
Erkenntniss und der innerhalb der gesteckten Grenzen zu errei- 
chenden Ei^schöpfung des Gegenstandes mangele. Bedenlit man 
jedoch , dass jedes auf Wlssenschaftliehkeit Anspruch machende 
Lehrbuch systematisch geordnet und sein Stoff auch abo behan- 
delt, d. h. jedem Lehrbuche ein System zum Grunde liegen muss, 
so hat der Verf. keine TÖilig haltbare Ansicht; seine Bearbeitung 
ist System und Lehrbuch zugleich, wie man leicht sich überzeugt; 
wenn man den Inhalt and die Durchfi'ihrung im Auge bill. 

Er spricht sich ferner gegen die specielle Angabe der He* 
griffe, Erklärungen, Grundsätze^ Lehrsätze, ,Folge^ze, Auf- 
gaben und Zusätze aus, weil der Sohnler dabei nichts als einzelne 
Wahrheiten Tor sidi habe, die fiirihn kein CNinzes bildeten und 
Ton denen er nicht anzugeben wisse, was er im Allgemeinen 
durch sie eigentlich erfahren oder erlernt habe. In den Resul- 
taten fehle die Befriedigung und in der Unterpuchung des- Einzel* 
nen der Trieb, weil er nirgends Ziel und Zweck, vor Augen habe. 
Alle gesunde und stärkende Geistesthätigkelt bestehe aber in 
einem fortwährenden Wecltsel Ton Streben und- Befriedigung. 
Diese Ansicht ist unhaltbar, weil gerade in dem auflmerksamea 
Befolgen der in dem Unterseheiden jener Begriffe bestehenden 
mathematischen Methode der schönste Wechsel Ton Streben und 
Befriedigung , das fruchtbarste Feld für Stärkung der Geistesthä- 
tigkelt und die schönste Quelle für selbstständiges Auffassen und 
Fortschreiten liegt. Denn aus umfassenden, allgemeinen und völ- 
lig einfachen Zergliederungen der Gegenstände , aus den Erklä- 
rungen leitet der Schiller jene elementaren Sätze, Grundsitze, ab, 
welche er überall anwendet und welche Ihn bei aller Selbstthi* 
tigkeit unterstützen und zum Ziele führen. Gerade in der Kennt* 
niss des Unterschiedes zwischen den Charakteren der Erklärun* 
gen, der in diesen liegenden Grundsätze, der Lehrsatze und 
Folgesätze liegt die Möglichkeit des Zeigens, Uebens und Er- 
kräftigens der Selbstthätigkeit, jenes freie und fruchtbare Feld 
für eine umfassende Geistesthätigkelt und für4ie Erzengang jener 



90 MMk«ai«iik. 

Uehe^ wtMie.die SeMlor lerbttteo otd nibrfen in&Men imd in 
welcher flir 4k«e 4ie Kekne. der Fähigkeit liegen < eicher und 
leicht BÜt BewiMileein dee. ZuMimmqahiiiigea u. s. w* Torwarte sv 
achreiten» 

In DareteDangen^ weiche inmiterbrochen eft ganie SeiteD 
und m^r autfäilen^ liegt die Megiiclüceit zur Gewinnung tod 
Seibitthitiglceit nicht verborgen; durch sie wird nicht bloe Iceine 
Liebe ^ sondern Ermüdung und Abneigung eraeugt, womit jeder 
Erfolg des Unterrichtes untergraben ist« Die Daratellungsweise 
des Verf. ist filir den Lernenden höchst anstrengend und ermü- 
dend ^ neigt demselben in den wenigsten F&llen den Zusammen- 
liaHg der Erklärungen und Grundsätze, der Lehr- und Folge- 
sitae und macht ihn mit denselben nicht bekannt« Sie erschwert 
die Auffassung und versetzt in nichts weniger ala in furoduktive 
Thitigkeil; sie bezweckt keine formale Bilduagskraft und schreckt 
den Lernenden gleich vorn herein ab, statt ihn zu gewinnen; sie 
gewöhnt diesen weder an ein consequentes Denken, noch an ein 
folgerechtes Urtheilen und Schliessen ; sie gefällt sich in vielen 
Worten und umgebt die so herrliche mathematische Kurse 
ganz ; kurz sie sagt weder dem fähigen noch weniger befähigten 
Kopfe zu. Reo. wählt zum Belege ein Beispiel: Erklirungeo 
machen den Lernenden mit der Zahl und Beschaffenheit der Be- 
atlmmnnggBtucke eines Dreiecks bekannt und führen ihn durch 
eigene. Thätigkeit zu der Walirheit , daaa ein Dreieck aus drei 
Elementen mit wenigstens einer Seite bestimmt ist, und zu der 
fünffachen Modificatioo derselben, also zu den fünf Bestimmtings- 
fallen, zur Googruenz zweier Dreiecke bei der Gleichheit der 
jedesmaligen drei Bestimmungsstücke, zur selbststandigen Ent- 
Wickelung de« meisten auf jener beruhenden Sätze und , was 
höchst bildend ist, zum inneren Zusammenhange alier dieser 
Sätze und Folgerungen aus ihnen. 

Andere, mehr oder weniger zureichend begründete Aeusae- 
rangen des Verf. über Methode und Masse und über die Fehler 
der. Lehrbücher, wobei er selbstauf Grunert*s Lehrbuch der 
Mathematik für Scbulen» das mehrfach gerühmt wurde, einen 
sUrken Tad^l wegen zu grosser Masse des Stoffes wirft, als 
müsse msn wegen der Masse des Stoffes, der in die Köpfe der 
Schüler gestopft werden solle , und wegen der Art , wie die Zeit 
und Kräfte der Jugend , die zu wissenschaftlicher Bildung vorbe- 
reitet werden solle , gemissbraucht würden , wahrhaft erschreckt 
werden , übergejit Rec. , um noch einigen Raum über die Anord- 
nung und Behandlung des geometrischen Stoffes zu gewinnen und 
d&e Beurtheiluog nicht zu sehr auszudehnen. 

Nach einer starken Einleitung über Begriff, Umfang und In- 
halt der Geometrie, über Gesetzmässigkdt der Raumsgestalteu, 
über die Form und Anordnung, in welcher sich die Wissenschaft 
darstellen muss , und über die Gestalten der geradlinigen Plan!- 



Snefl: Lehrbaeh der Geometrie. tt 

metirie, S. 9— 16^^ iheilt er den Stoff In der Abflcbnltte und äS 
fovdaiifende Kapitel und befaafndelt fm 1. ^on Kap. 1—7. die 
Lagfe gerader' Linien in der Ebene, in Beasn^ auf eine, ««ref und 
drei IJnien , und der Winkel Im Dreiecke, In Besit^ auf vier, fdnf 
und mehr Geraden S. 17 — 44. ; i« 2. von Kap. 8-^14« den Zu- 
samnienhan^ unter den Winkeln und -Seiten der Figuren und von 
der Gleichlieif oder Congnienz ^eraeiben für das IH^eckV Paral- 
lelogramm, Paraiieltrapea und Trapes, der Vielecke und «vir- 
Rchiedenei' Conatrukfionen, derefti Anafölirung' In den biati^rigen 
Lehren begründet Ist S. 45— 106.; fmS. ton Kap. 15^21. die 
Bestimmung der Gestalt und Aehnlichkeit der Figuren rtieksidil«' 
lieh der durch parallele Querlfnlen und des Zusammenhanges 
unter Winkeln und 'Seitenverhältnissen', der Gesetsmisaigkelt In 
den Llnienverhiltdissen des Dreieckes überhaupt und des recht- 
winkeligen im Besonderen und unter den^Selten des Dreiedtes bei 
bestimmten Grossenverhältnissen unter den Winkeln desselben, 
riicksfclitlich der Aehnlichkeit der Vielecke tmd dera^f den Leh- 
ren des ganzen Abschnittes beruhenden ConstruMonen 81 101 -^ 
151., imd endlich im 4. tou Kap. 22--^2d. die Flachenansmessung 
der Figuren oder Plantme^e* im engeren Sinne hinsfiehtltefa der 
Entstehung der Fläche durch Fortbewegung einer Linie » der 
Flachen vergleichung undFlächenausmessung der PtamltelegMMiiiie, 
der Dreiecke, des Paralleltrapesek nnd''belidlf^r Ftgufeh , der 
Vergleichung der Flächen ähnlicher Figuren, der Verwandlung 
und Theilung der Figuren S. 152^1117. - 

Da der Verf. die Lehre vom Kreise ii$eht^ur'Pli?filmetrie 
rechnet v' daher ihre Binmischttig In diese für gains llberflössig 
und verkehrt erklärt. Indem dnsjenf^e, was man unter jenem Be* 
griffe verstehe, wovon man ja ohnedies die ebene Trigonometrie 
von jeher ausgeschlossen habe, «einem Wesen nachgans von der 
Kreislehre unabhängig sei, so hat er nur wegen 4les tJmstandei, 
dass man sie so sehr als ssur Plaüäraetrie gehörig betralfhle, und' 
den' Kreis, vkimehrden Zh'kel, nur zu Construktioheh^nSthig' 
habe , diese Lehre als Anhang nach dem 4. Abschnitte mttg^heiit 
und in fünf Kapiteln die Lage gerader Linien gegen den Kreis, 
diesen in Beoug auf Winkelmessung, di^ Folgerungen hieraus für 
die auszuführenden Construkiionen , die Theilung, Rektifioatioi» 
und Quadratur desselben behandelt S. 201 — 243. In einem wei- 
teren Anhange folgen in 4 Kapiteln die Anfangsgründe der ebe- 
nen Trigonometrie hinsichtlich der die Winkel bestimmenden Li« 
Dien und des Zusammenhanges beider Elemente, angewendet auf 
die Winkel und Seitenverhältnisse des rechtwinkeligen Dreieckes 
and cfer Berechnungen für dasselbe , auf die Berechnung beüebiger 
Dreiecke und hinsichtlieh weiterer Beirachtimgen.über trigonome- 
trische Functionen S. 247— 297. 

Diese Anordnung ist In vielen Beziehungen aus dem Wesen 
der Raurogrössenlehre abgeleitet und geht meistens vom Bin^ 



2S Maliie««tik. 



^KÜKB WM «fMHBMMM^BMbn0B fHMr« 0#Cll KSMI fli6 KiCC« BM/bt 

1« alles Pnakiea Wili^M, wtä er ^w den GnnAiatae «w^dbt, 
jede ff1g«r mbk mm^ »Uea «m um« S^tn «id WM^cfai Iwr- 
fw^headgi G«Mtera «id ES^HudMf ten oi i Mi iitiiMtj i iu i betrach- 
tet werden^ md w^ er die Ldire vom Krewe^ ab eine ii»e«d- 
Bdi eckige, regniire Fi{»«r^ aar Plaaiflietrie adbednigt ncclMiet, 
aber iddii; e wg e a iigdrt «iter dße GeseUe aodera- figvree^ «mh 
deiyi fmr adk «ad im ZiiMaiaifaliaagc darch|,ilalal. Br halt ior 
dea mlleia rk^rtigea vad frachibann We^ fbl^readeD Idl ccagaa g. 
Nach dea Sctiaäilaagea ifter die Laa^ aad Riditaag «aer «a^ 
sueier Linea, aber dUeWiidLel oad Parallelea folgeadie Haopter- 
Uiraagiea da* daa Ureieck betreffeadea Begvtfe tmd E e aiefa iingea, 
der B c fl da Maa a gaadkJte, der Censraeaa «ad AehaliiMriit, sodkna 
aHe ^Aß Wiakel aad Uatea^ die Cangraena md Aebalichkeit be- 
toeicade a Geaetse aad Sigenadiartea, IKe Treavaag der Ariai 
lidikeit vaa der CmigFaeac iat daran aacbtbeifi^, mt^ beide 
lÜMJiiliaea eag Tcrb a a dca aiad md dn Uateradi^Meade Maa la 
der VerbitoiBwaiaaigkqt der fanfa, derea Gkncidiek die Cm 
graon eifarderl^ aa aaohea iat Horcdi eiae a agama w Mib aa gca JIe 
Batwidreiwai: der daa Braieek betveffeadea S&tae gewiaai: der 
Sciialer eiae klare üebeniobft aad eiae fodbera Gmaillag« far Ab 
meteaditaagea iber daa Vkr- «ad Vi^eck, dn aacb deaaeibea 



AUe Batwiitelaagea naasc« bks die Laaea «ad WMk«i der 
flgaNB betrelfoa^ «treag eatienrt baltea die Geaetse Wäret ¥11- 
ehcai «ad eiae Cia|iyt. ^^aa ^itaea derTaataücbea Griaaea aber- 
eicittücii dnbaetea. Aa aie reibea aich aach den i MJbc a Gewebte- 
parkte die dondi Linea «ad WM^d ^d^detea Geaetse dea Kn»- 
aea^ «neielM nk der BesünuBiiag der KrekliMe^ S«ctificatea, 
«ad fdaea eiaMbea aad saeiAaiaaiiifeiea (Jabengang aar 
Tri g a a a nc trie biidea , n^eaa naa «ie «dt der allgeaieiaea 
GeoBietrIe fwbiadea will: da ae aber besmideTe Fig^oren^ anerat 
dea Wlabel aad ^iaea Begea^ daaa daa ihtaeck aadi den Zvt- 
flaanaeriNnge «einer Seitea nit dea WiRkela^ iierulirt^ ake mr 
beamdenai Geametrie gelieit^ aa laaat rae «kii wobl cweckaifiamg 
Midi aeib ate t aadig daratellea aad w^n der Creom^irie anaachlieaaea. 
Ba alle bidKrigea BetraditoBgeB blesae Liaiea- nad Wiakelge- 
aetae dea Dreiedcea, Viereckea^ Videckea and Sreiaea betreffen, 
mm kinate nan die ^aase Maaae ^an ^vtaea aafter der Ueiwr- 
admCt: ^Uaiea- «ad Wiakelgeaetse far flgarea"^ begrdfea oda: 
«ie aadi ^^^eaginetrie^ aeaaea^ weil aeibat der Wink'd biaaldit- 
li<di seiaer Oeftramg eiae Aaaddmaag^ d. h. eiae Lingeabeadm- 



Aa £eae Catemdiai^g^ re3wa aidi tfejeaigCB^ wddw 
iidi aaf die F^chea, ako aot cwei Aoaddanmgea der FijTiireB 
beöclKa «ad entweder ^ BeatiaRDang der ^g«tlichea Flache 
dn«9i die Said^ «der die Vergkafinrag^ oder die Vmwaadlung, 



^ «eil Uoir fltete 
dieAcdeiü. Ilic VeiMMikMi^ iiijim OMiiM itit 




MalJbaMlikcni «dM^ wcrdcM. fl^ hSk 4iem Vuwf i^m^ ftr 
eiMa Hw^iwgci 4at LehrbiciMr, wddM 4«r TaM 4ct VcnC. 
ia hödMteai Gradte Iriit Vaa liu- luü dmcr aciaa BlMaleUaa«ea 
fm fdudteca^ wcswc^ca See dfaselbea aa iem testet wädL, 
mMke iiua aaler ndea ■aicwa la die Hia<< §A 

Eiaea bciaadcrea Vanag var vielem ma4 
der GraaiPfrie bat dai dct Verf« aach dwria^ daas 

kr Tiieaiie ^rhxaa^ uad jedeai AktdMtttte 
KapiAd beieelas;llwL Hieitdafcii lat aidit i 
CJafteriirecbuag vcrhalel^ ■aadem aadi ^it VtktnkM 
Iqdrtcrt aod der ramaieinihaeg feaen aa eefceaaca. Seiiwi 
ilaiacaag der Aafgibea. wird eiMehtert, am 
MdMr Hiattcbt ebea m viei ge w e aaea aard, ak la pnkÜMdMK, 
waU J€Me «a geaedaei wei^dea Uaaea, dew jidi H M Mr ii t Mater eia 
ttewetisches Gebiade erriditea üart. 

la der Varrede lyriciy; Bidi der Verf. e^gm dea.B^gnff 
^^Geaawirie^^ aaa« weil aaa üwi aickt aü rgtaribüna mü^ avat dia 
▼aa ihai Waeiciiaetp Wiaacaarbift aei aad wa»aa aic keadle. <Mb- 
waid llec hienail. eiaveratoadea lit^ so findet ar aa.dadi aidit 
sweciaMMSH^^ viel dariba* au i^ecbea«, da «kr dfifiriia Bcigiiff 
.JUaai- •£» AaadehaiBigiyiniirairhre^* dea lalmlt aad üaiikai^ 
deqeaigea Tbeües der Ma«b«aMiafc i^alBig Jbeaetdwet« «dalMa 
BM Mit jeaeai UegnSe belc^ ikaaelbe bcaaebA mA fadacft 
nidit blas auf die Gestalt, Boadera aacb auf dea Giuiakter 
die Ei^^eatbantidbbeileB der aas^edctetea C 
vcaa «^laieb jede Fi^ar vaa Uaiea uad Wiakda pt^ iidct wini, 
aka eiae Gesidt liat, wddie d^^egca bei der Graase «ad Siab- 
taag der Umtm^ bei dea Wiafcelti aad ParaUdea aScbt aar S^n- 
cbe koaiail. Aach fragt aua bei deai dardi die Zahl aaaaadrä- 
d^eadca FladieaiabaAte aidit aai^ der Gestalt, aaadera mmA dea 
iha bediaHaeadea EJeaneataifraascn. 

Nicht die Bebauptoagea der Geaaietne laasca aidi bc ar ci aaa 
aad die Zahl der eigeatlichea Grandaitie Ist aicfat sehr geriag;, 
wie der Verf. oidat, weaa maa ala erste aad aotbweadigate Ba- 
diagaag des Uaterrichtes festliak, dasa dieser dea Gc^^eaataad, 
der bdwaddt werdea sali, amfasaend, gaaa dlganda«, völlig 
eiafach uad eleaaeatar sergliedare aad die ia dieaea Zergiiedcraa- 
gea^ eigeatüdiea Erklama^^ea, liegeadea Wahrhdiea ader die 
Ecklinii^ea sdbat als positive Satae^ als eogeaaaate Graadaitse« 
weiche^ weaa aaaa aie la 1kic"w*^> vcrsachea wallte^ aar wie* 
dar ctUkt werdea kÖMea, daiatellt. Ree. aeaat daa Veiaadiea 



34 ' iCätii«iti«tik. 

von Dewdien für 6M*6 vmt geaimwiet AH ,4ccve8 EMrohdreedien^, 
weil e» hocbsleDB in dem Angeben der Merkmale beetehl, wo* 
duvdi eich der Oegenttand tob nderen nnterscheidet, was einsig 
und allein da« CharakCeriatigche einer Brklünmg ist. Er wählt 
ein Beispiel. Ana den Brklimngen der Divergens, OonTergens 
und Sehneidong sweier Linien, vom Winkel und seinen Arten, 
Ton Neben* und Yeitikalwinkeln ergeben sieh folgende posftire, 
die Wahrheiten der Erklirangen aussprechende Sitte: 1) swei 
gerade Linien schneiden sidi nur in einem Pabkte ; 2) sie haben 
nur diesen Punkt gemein; 3) alle rechten imd geraden Winkel für 
sich sind gleich ; 4) die einmal vorhandene Richtung der Schenkel 
hestimmt den Winkel völlig und 5) dieser bestinämt jene; 6) Jedes 
Loth bildet am Anfange oder Ende einer Unie einen, mi irgend 
einem Punkte in ihr aber swei rechte Winkel, also im letzteren 
Falle gldche Nebenwinkel ; 7) kein Loth. ist ohne rechten Whi* 
kel und dieser nicht ohne jenes denkbar; 8) jeder gerade Win- 
kel oithäh zwei rechte ; 9) jeder erhabene Winkel ist grosser als 
zwei rechte; 10) alle Nebenwinkel nehmen den Raum auf einer 
Seite einer Linie ein u. m. 

Eine solche übersichtliche Darstellung^ von Grundsätzen nach 
umfassenden Erklirungen verinisst Rec» ungern in dem L^rbnehe 
des Verf « , womit nicht gesagt aei , als fiälten die Wahrheiten, 
w^l man sie meistens, aber erst im Laufe der Darstellungen und 
unter den Erklärungen selbst findet, wodurch jcidoch der Schüler 
die positiven Wahrheiten von den Erklärungen nicht unterschei- 
den lernt. Aus den Betrachtungen des 2. Kap< gdit für die Lage 
und Richtung zweier Linien der Charakter einer horizontalen, 
vertikalen und schiefen Richtung nicht klar hervor, wodurch die 
Erklärungen der Winkel und Sirer Arten weit kurzer und viel be- 
sthmnter sich ergeben hätten. Drei gerade Linien kömien ent- 
weder parallel, oder antiparallel, oder von ihnen nur zwei parallel 
oder antiparallel sein und die 3. sie schneiden, oder in einem 
Punkte sich vereinigen und zwei Winkel bilden oder in einem 
Punkte sich schneiden und drei Paare Vertikalwinkel bilden oder 
in drei Punkten sich schneiden und drei Winkel nebst einem Dre!- 
eeke bilden, mithin bieten sie nicht drei, sondern acht verschie- 
dene Lagen und Liniengebilde dar, und hat der Verf. den Gegen- 
stand nicht erschöpft. 

Für die ParalleHtät zweier von der 3. geschnittenen Linien 
entstehen an und für sich drei Hauptpaare von Winkeln, nämlich 
1) äussere und innere Gegenwinkel (welche der Verf. schlecht- 
weg, aber nicht genau, Gegenwinkel nennt); 2) Innen- oder 
besser Zwischenwinkel, denen die äusseren (aber nicht Anssen- 
winkel , wie sie der Verf. nennt, ein Begriff, der bei den Figuren 
für die durch Verlängerung einer Seite entstehenden Winkel ge- 
braucht wird) als Nebenwinkel entsprechen , mithin als abhängig 
nnd nicht mehr selbstständig erscheinen; 8) Wechsel widcel, die 



8neIIs Lekrliadi dtt CMometrie. 1& 

linln und recbis wm dkr lehiieidtni^ii Linie ent^eier firtwifiteH» 
oder aasaerlialb der ParrileleD Hegen and dort Innere, Mer JkM^ 
sere WeelueiwinlEei heiisen« Mose Eri^Üningen konnte der Verfc 
mit dem htiben Räume geben , ak er Terbnniehte. 

Wenn er den Sets Ton der CHelciiheit der lästeren nn d rane 
ren Gegenwlnk«! dt ein Axknn betrachtet , ao iit er genöthigt, 
noch viele andehre, ahnliciie Sitae, x. B. data alle rechte Winkel; 
alle Radien nnd Dnrehnletter deaselben Kreiset, alle Halbkreite 
n. a. w. sich gleich sind, alt solche ansunebmen, und ist die 
AnaaM d^r Axiome nidit so gering, als er in der BMeitung 
behanplet. 

Rec» glaubt nbrigena nldit, dass man jenen Sats von def 
Gleichheit der aasseren und inneren Gegenwinkel als ein Axiom 
annehmen dürfe, sondern ana früheren Wahrheiten begründen 
rafisae, waa auch geschehen kann, wenn man erörtert, woraus 
jeder Winkel gebildet ist, dass ihre swei nicht gemeinsamen 
Schenkel, als Stücke Ton Parallelen, gleiche Richtungen haben^ 
und dieae die Grösse der Winkel bestimmen, also-letatere gleich 
sein müssen. Aus diesen und einigen anderen Gründen Idsst siteb 
die bemerirte Gleichheit direkt beweisen , mittelst welcher uls^ 
dann jede andere Wahrheit für die Winkel an Parallelen gleich- 
aam von selbst sich ergiebt. Auf diesem Wege verschwinden alle 
kenstlichen und meistens weitläufigen Versuche, die Parallelen- 
theorie au behandeln* Wie v\^e Um- und Schleichwege man 
schon betreten hat, aeigt die mathematische Literatur, und wie 
nnsinnig das Bestreben ist, die Parallelentheorie selbst mit Hülfe 
von Dreiecken so entwickeln , giebt schon ^e einfache Thatsadhe 
SU erkennen, dass dieselbe einsig und allein auf Linien und Win- 
keln beruht, mit einer Fll^e durchaus nichts gemein hat und, 
mit dem Verf. gleichgesinnt au sprechen, hierdurch einer Rum- 
pelkammer von Plunder, auf dem Trödelmaritte der Wissenschaft 
suaamnfengerafft, manches Eck gefüllt wird. 

üass der Sota, die Summe der drei Winkel eines Dreieckes 
sei Ew^ Rechten gleich , die einzige GesetemiTssigkeit enthalte, 
kann Rec. unter Berücksichtigung vieler anderer Winkelgesetze 
des Dreieckes nicht als richtig gelten lassen, weil alsdann diese 
keine Gesetzmasdgkeit hatten, also keine Gesetze wären. Die 
Trennung der Gesetze für die Winkel der Dreiecke ton denen 
ihrer Seiten und des Zusammenhanges beider Elemente kann Rec. 
nicht ^ns billigen, indem er es für noth wendig hält, zuerst die 
Eintheilung der Dreiecke nadi ihren Seiten, nach Ihren Winkeln 
und nach beiden Gesichtspunkten und die Bestimmnngs- Bezie- 
hungen zu erörtern , daran die Gesetze für die Congruenz , Win- 
kel - und Seitengesetze zu knüpfen und von jener zur Verhältnisse 
mässigkelt der Seiten und Aehnlichkeit der Dreiecke überzugehen. 
Der. Verf. zieht die das Dreieck betreffenden Gesetze zu weit aus 
emander und erschwert dadurch dem Schüler sowohl die Deber- 



itobi Bhmu«di die fiiMidhtiiii den ZttMmiiiienliftn^ jener Oesetse. 
Bec fordert eine tutammenhangende and nnnnterbrochene Erör- 
terung der Gesetne für die Linien und Winkel des Dreieclces nm 
M bestimmter, ak deranf die Betrachtungen an allen folgenden Fi^ 
guren suruckgeföhrt werden, wie der Yerf« selbst bemerkt, und 
als gerade durch diesen Cnlerrichtsgang der Selbstthatigkeit der 
Sohuler ein weites Feld mit sicherem Grund und Boden dargebo- 
teo ist, welches sie mit um so grösserer Liebe baaen und in wel- 
chem sie um so mehr einheimisch werden, je gründlicher sie in 
daa Weaen aller Linien - und Winkelgesetae des Dreieckes einge- 
drungen sind. Ein Beispiel mag das Gesagte näher bdeuchten : 
Kennen die Schüler die Bestimmungsslücke für die Dreiecke , so 
entwickeln sie die fünf Stücke mit wei^gstens awei leiten für das 
Viereck gleichsam tob selbst Und wenden ihre Kenntnisse in 
der Aehnlichkeit jener auf die der Vier- und Vielecke um so sich- 
rer an, je klarer Ihnen der Zusammenhang zwischen der Congroens 
und Aehnlichkeit vorschwebt. 

In materieller Beziehung lässt der Verf. sehr wenig zu wiin- 
sehen übrig ; aber in formeller gar manches , was nicht der Fall 
wäre, wenn er die Gesetze für das Dreieck nicht zu sehr getrennt 
hätte. Mit der Untersuchutig über die Bestimmungsslücke eines 
Dreieckes muss tiothwendig die Wahrheit verbunden werden, dass 
unter jenen wenigstens eine Seite erforderlich ist, wodurch als- 
dann der Fall für die drei Winkel als gar nicht denkbar erscheint. 
Uebrigens führt er unmittelbar zu dem Charakter der Beschaffen- 
heit, oder zur Aehnlichkeit der Dreiecke und giebt den Zu» 
sammenhang beider Disciplinen leicht zu erkennen. Auch ist die 
Ueberschrift „Gleichheit der Dreiecke^^ statt ,4CoQgruenz^^ darum 
nicht zu billigen, weil der erste Begriff die Aehnlichkeit nicht ein* 
scbliesst und Dreiecke gleich sein köaneti, ohA« auch «ähnlich zu 
sein, was für die Gleichheit der wecliselseitigen Bestimmungs- 
stücke der Fall sein muss* Anders verhält es sich mit der Gleich- 
heit der bestimmten Stücke , welche eine unbedingte Folge der 
Congruenz ist. Will der Verf. den Begriff „Congruenz^^ beseitigt 
wissen, so dürfte er ihn durch den Begriff „Uebereinstlmmung, 
oder Aehnlich-Gleichheit^^ wohl am Besten ersetzen. 

Bevor vom Parallelogranome und seinen Eigenschaften gere- 
det werden kann, müssen die Arten derselben erklart, die Bestim- 
mungsslücke des Viereckes genau versinnlicht und muss der allge- 
meine Satz, dass jedes Viereck aus fünf Stucken mit wenigstens 
zwei Seiten völlig bestimmt ist, auf das Paralleltrapez und auf die 
verächiedeiieu Arten der Parallelogramme angewendet werden, 
damit der Schüler deutlich übersieht, wie das Paralleltrapez aus 
vier ^ die Rhomboide aus drei , das Rechteck und die Raute aus 
zwei und das Quadrat aus einem Elemente bestimmt ist. Für 
das Viereck überhaupt lassen sich gewisse Hauptfälle auffinden, 
welche durchaus nicht zu umgehen sind, und die sechs Eigenschaften 



Snell: Lehrbuch der Geometrie. 27 

desParallelograniniee sind an einem, z.B. an der RhombcMe, un- 
unterbrochen abzuleiten , damit aie die Schiiier in der Ueberaielil 
erfassen und an den iibrig^en Arten der Parallelo^ramn« anfsucli^B 
können. Da sie an dem Paralieifhipez und Trapez Iceine jenev 
Eigenschaften finden : so gelangen sie von selbst zur Ueberzei»^ 
gung, dass es nur Tier Arten von Parallelogrammen geben Icann. 
Der Verf. kehrt die Darstellnng um , was in formeHcü* Hinsieht 
nicht zwe^ckroässig erscheint aus dem einfachen Grunde, dass der 
Lernende die Merkmale und den völligen Charakter eines Gegeir- 
standes zuerst völlig kennen lernen mnss, bevor er ihn selbstthitig 
betrachten kann. Auch ist derselbe besonders daran zu gewöh- 
nen, vom Allgemeinen aus auf das Besondere überzugehen* 

Da der Verf. im 13. Kap. von regulären Vielecken spricht 
und der Kreis an und für sich nichts anderes als eine unendlich 
eckige, regulär^ Figur ist, da dieser so viele interessante Gesetze 
für Linien und Winkel darbietet nnd viele derselben' mit ahiiHchen 
Gesetzen an Fignren, z. B. da« Gesetz vom Verhalten des Centri- 
winkeis zum Peripherie wiokel, welches mit dem Gesetze vom Ver- 
halten des Eckmittelpunktswinkels zum Gegcndreieckswinkel zu- 
sammenfällt u. dgl., vieles gemein haben, so kann Rec* dem Verf. 
nicht beistimmen, den Zusammenhang der Linien und Winkel im 
Kreise von den Untersuchungen ausgeschlossen zu haben; derselbe 
macht einen wesentlichen Theil der Gesetze und Verhältnisse der 
Linien und Winkel der Fignren aus und würde, wie oben bemerkt 
wurde, einen schönen und consequenten Uebergang zur sogenann- 
ten Goniometrie und Trigonometrie gebildet haben. Auch würde 
Rec. es vorziehen, an die Betrachtungen vom Zusammenhange un- 
ter Linien und Winkeln der Vierecke im 13. Kap. die Untersu- 
chungen über die Aehnlichkeit der Figuren anzuschliessen , also 
die Theorie über Linien - und Winkel-Gesetze an Figuren durch 
keine Constructionen zu unterbrechen und sonach den Inhalt des 
14. Kap. mit dem des 21. zu verbinden, weil unfehlbar an Klar- 
heit , Einfachheit und Uebersichtlichkeit gewonnen wird. 

Aus den einleitenden Bemerkungen für den 3. Absch. konnte 
der Verf. recht klar entnehmen , wie eng die Gesetze der Con- 
gruenz mit denen der Aehnlichkeit zusammenhängen und wie we- 
nig es thunlich ist, sie so weit zu trennen, als er gethan. Auch 
findet Rec. darin einen Missstand, dass nicht näher erklärt ist, in 
wie fern zwei Linien in messbarem Verhalten und vier Linien in 
Proportion stehen; in wie weit für zwei Dreiecke die Seiten des 
einen Gleichvielfache von den homologen des anderen , also die 
des letzteren Gleichwievielte des ersteren sind, hiermit die Pa- 
rallelität der homologen Seiten und die Gleichheit der homologen 
Winkel unmittelbar verbunden ist und aus dem Znsammenfassen 
dieser Merkmale in einen BegrifP das Gleichgestal tetsein, oder 
die Aehnlichkeit der Dreiecke sich ergiebt. Mit Hinweisung auf 
die Bedingungsfalle für die Congruenz der Dreiecke erkennen als- 



38 Mathematik. 

dann dk) Seh&leir eigenkrMti^, das«, da die Congniens Gletcihheil 
der Seiten nnd Winkel , die Aefanlichkeit aber nnr VerliSitnias- 
miiaigkeit der Seiten und ebenfalia Gleichheit der Winkel ver- 
langt, SU den fünf Congruenzftllen noch ein 6. Aehnlichkeitgfiill 
hinzukommt, welche sich jedoch mit Hülfe des Satzes , daas in 
zwei Dreiecken proportionalen Seiten gleiche Winkel entsprechen, 
anf zwei HauptflUe znröckfnhren lassen, wodurch der Vortrag an 
Einfachheit , Kurze , Bestimmtheit und Lebendigkeit um so mehr 
gewinnt, je selbststiindiger die Lernenden in das Wesen der Sache 
einzudringen vermögen. 

Da mit der Gleichheit zweier Winkel in zwei Dreiecken die 
Proportionalität der Gegenseiten und umgekehrt diese mit jener 
unbedingt verbunden ist, so lässt sich die Untersuchung des Verf. 
sehr abkürzen und der Lernende zur Uebung eigener Geisteskräfte 
und zur selbstthätigen Entwickelung der besonderen Gesetze für 
die Aebnlichkeit der Dreiecke mittelst kurzer Andeutungen hin- 
fiiliren. Diesen pädagogischen Gesichtspunkt hat der Verf. weder 
hier noch in manchen anderen Disciplinen gehörig berücksichtigt; 
er ist viel zu wortreich und manchmal schwülstig, was der gedie-, 
gene und präcise Vortrag in der Geometrie nicht gestattet. Pem. 
Lernenden fällt es schwer, aus den vielen Darstellungen die an 
und für sich einfachen Sätze über die Verhältnissmässigkeit der 
Seiten und Aebnlichkeit der Dreiecke herauszufinden^ weil sie mit 
den Erklärungen und mit den Beweisen für die in ihnen enthalte- 
nen Wahrheiten zu sehr vermischt sind. Rec. wählt als Beispiel 
den Inhalt des 18. Kap. oder die Untersuchungen über den Zu* 
sammenhang unter den Seiten eines rechtwinkeligen Dreieckes 
und setzt für die Lernenden die Kenntniss der zwei Sätze voraus^ 
dass aus der Gleichheit von zwei (also aucji vpn drei) Winkeln die 
Aehnlicbkeit der Dreiecke und hieraus die Proportionalitat der 
homologen Seiten sich ergiebt* Mit Hülfe dieser Sätze ent- 
wickeln die Schüler die Aebnlichkeit der durch ein Loth vom 
rechten Winkel nach der Hypotenuse entstehenden 2 Dreiecke 
mit dem ganzen und unter sich aus eigener Geisteskraft und lei- 
ten aus jeder der drei Aehnlichkeiten drei Proportionen zwi- 
schen den Seiten, aus jeder Proportion wieder einen Flächensatz 
und deu bekannten pythagoräiscben Satz ab , ohne der weitläufi- 
gen Anleitungen des Verf. zu bedürfen. 

Die Hinfuhrung zur Incommensurabitität der Linien mittelst 
dieses Sfltze«r an einem gleichschenkeligen rechtwinkeligen Drei- 
ecke ist nicht passend, weil es sich dort um das Messen einer 
Linie durch eine als Maass angenommene und um die Frage han- 
delt, ob diese In jener ganz ein- oder mehrmal ohne Bruchtheile 
oder nicht enthalten ist, in welchem Falle jener Begriff stattfindet. 
Der Lehrer bedarf also des pythagoräischen Satzes durchaas nicht, 
um zur Incommensurabilität zu gelangen, vielmehr setzt dieser die 



Snell s IiehrlmDli an Geometrie. M 

KenntaitedemelbeAfcIion T^niiifl, weil da AinlriAeiiidteliMt- 
fies der hmit dtirtb dle>Z«U eia Mctsen erfordert 

BM. verf irfgi übrigfem die fwniell« Seifte der DamteUwifiD 
iiicl^ weiter und wünscbl^ »ie möelite veni Verl ebenso Irefflieli 
berüokeieUif;! sein» als die materielle, weiche wenig lu wftnaehea 
Slirig iä^st. Die Aehaliobkeit der Vierecice überfaanpt und P»- 
rallelo^anonie. im Besondern begreift der Verf. unter der der 
Vieleclce, was Req« nicbt billigt^ weil früher das Viereclc auch fnr 
sich befrachtet Imd anter dem Vielecice das Viereck nicht begrif- 
fen> wurde. Die ConseqOenz des Vortrages erfordert diesen Unter^ 
schied. D« für die reditwinlceMgen Farailelogramme die Gieieb- 
heit der Winkel sich von seihst yersteht, so ergidbl sich die Aehn- 
Uchkeit der Rechtecke ans einem SeitenTerhälftnisse und sind aUe 
Quadmte sich ähnlich. Des Verf. Angabe gilt daher bloss für die 
Rbomböide, sollte sich dalier nicht allgemein auf den Begriff ,,Pa- 
ralldogramm^^ erstrecken. Die Anwendungen der im 3. Ai»sdl» 
vorgetragenen Lehren findet Rec. sparsam. 

Die Planimetrie im engern Sinne cröfibetder Verf. mit der 
Erklärung, was es heisse, den Flacheninhalt einer Figur angeben; 
erTOtsttcht darunter nichts anderes, als die Figur ihrem Fiääieniil=' 
halte nach veigleichen mit. dem einer anderen Figur. Rec. da* 
ge§e» fersteht unter Planimetrie die Lehre von den Oesetnen der 
Flachen nach der eigentlichen faihaltsbestimmang durch die Zahl, 
nach ihrer riumliciben Vergleichmtg untereinander, na«^ ihrer 
Verwandlung undTheilung, und hält es für unbedingt nothwendig, 
die 'Maehweisungen für die Inhaitsberechnnng von der liAallsver- 
gleichung streng zu trennen und jene dieser Torausgohen nor his- 
sen , weil alsdann die Schüler sehr viel Stoff zu Vergleichungen 
und Verhältnissen der Figuren erhalten. Er wählt statt weiterer 
Begründung seiner Ansicht ein erläuterndes Beispiel. Nachdem 
der Lehrer jenen genau veranschaulicht hat, dass die Fläche eines 
Parallelogrammes gleich ist dem Produkte ans dem Maasse der 
Grundlinie in das der Höhe, und er sie dieses Gesetz für die Be- 
rechnung der verschiedenen Arten von Parallelogrammen hat 
anwenden lassen, bedarf er' Aor einer leisen Andeutung, um seine 
Schüler für zwei Parallelogramme p u. P von den Grnndlinien 
g u. G. nebst Höhen h u. H. zur Proportion p: P^=^g. h: G^.H 
und hieraus zu fönf besondesen Gesetzen für jene zu fuhren, die^ 
selben auf zwei Dreiecke anwenden zu lassen und ihnen ein fruchtr 
bares Feld >zu Uebnagen der eigenen. Geisteskn^ zu : eröffnen. 
Weitläufige Erörterungen über das Verhalten dieser Figuren 
unter verschiedenen Voraussetzungen sind alsdann ganz, über« 
flüssig. 

lieber- die Stellung der Kreislehre hat sich Rec. schon aus- 
gesprochen; sie betrifft bloss den formellen Gesichtspunkt; der 
materielle giebi wenig Stoff zu abweichenden Ansichten, weswe« 
gen nur liber die Dreiecke noch weniges bemerkt wird. Die enge 



80 Matbematik. 

Y^Mvfifmt der Arillimelik mil der Geometrie in dieaer Diadplin 
lal nicht hinreichend, den j^eometritdien Oiiaralcter der ao^enann- 
ten fOmometriaehen Linien ganx la ▼emachlaafti^en, und den arith- 
metitohen lur Grundlafe zu machen ; dieser er^^ieht aich er^t ana 
jenem^ weswegen Rec. es fdr swecknassig hält, diese Linien geo- 
metriach la erklären und ihre ana den Formeln abgeleiteten 
Wertlie später selbststäudig einaufiihren. Der Verf. ist in den 
einleitenden Bemerkungen viel su weitlänfig und wortreich ; 
grdasere Kiirse wiro sehr wünschenswerth , weil dieselbe richti- 
ger und fruchtbringender mm Ziele fuhrt. Zugleich Termisst 
Reo. in der Darstellung noch Einfachheit und Bestimmtheit, um 
den Schülern eine leichtere Uebersicht von der ebenen Trigono- 
metrie, deren Geschäft es ist, aus drei gegebenen Dreiecksstiicken 
die ikbrigeo Drei und die Fläche lu berechnen, au verschaiFen. Die 
Schreibart sin.^ n^, cos.^m^ n. dgl. verdient keinen BeifsU, weil 
die Qnadrirnng nicht auf den Winkel, sondern auf den mittelst des 
Bildes sin., cos. beieichneten ZIffernwerthes sich besieht. Dsss 
der Verf. nur die ersten Elemente der Trigonometrie und darum 
wenige Formeln ableitet, ist iobenswerth. 

Möge das Buch von jedem Freunde der ^Wissenschaft mit 
gleicher Theiluahme und Aufmerksamkeit gelesen werden, als es 
von Seiten des Hec. geschehen ist; möge es gleichen Beifall bei je- 
nem finden und mögen die abweichenden Ansichten, als blosim 
Interesse der Wissenschaft gemacht, vom Verf. günstig aufgenom» 
men werden. 

Drock, Papier und Zeichnungen sind sehr lu loben und dem 
Inhalte gani entsprechend. 

Reuter» 



Theorie der algebraischen Curven^ gegründet auf ein« 
neue Behandinngsweise der analytischen Geometrie von JuIulb Flücker^ 
ordentl. Professor der Mathem. an der Univers. za Bonn. Mit einer 
Tafel. Bonn bei Marens. 1839. XV. u. 253 Seit. 4. (4 fl. 54 xr.). 

Der scharfsinnige Verf. hat am Schlüsse seiner Vorrede au 
seinem Systeme der analytischen Geometrie, wodurch er sich ei- 
nen bleibenden Namen unter der Zahl der deutschen Mathemati* 
ker erworben hat, diese allgemeinen Gesetze, welchen die alge- 
braischen Curven überhaupt folgen, zu entwickeln versprochen, 
halt redlich Wort und giebt mit Torliegender Schrift seine voll- 
stindigen Arbeiten im Gebiete der analytischen Geometrie. Sie 
zerAllt ntch einleitenden Betrachtungen (S. 1 — 13.) in zwei Ab- 
schnitte 9 deren erster sich mit der Theorie der unendlichen 
Zweige der Curven und ihrer gerad - und krummlinigen Asymp- 
toten ^ der 2. tber mit den Singalarititen im Laufe derselben be- 
acMfti|l« De durch die neue Behandinngsweise jene Theorie 



Flacker ! Theorie der alg^raischen Conren. 91 

well üwr die Orense» der bfdierifeii Blethodeii htoavegefShtt 
werden kann nnd'tus ihr die Unnctitigkeiten der Bnler'schen Davw 
8teDun|[en, weiche bisjetstelsliestinimt in deren Cebertettnn^en 
über^egaifgen sind, sich erkennen taesen , so gtbi Refer. mehr hi 
das Einzelne des Inhaltes ein; 

Der 1. Abschnitt Berföllt in acht Paragr. ; § 1. beschiftiget 
sich mit den Zweigen von geradlinigen Asymptoten, mit osculiren- 
den und hyperbolischen Asymptoten und mit denen der Cnrren 
3. Ordnung S. 14 — 63.; § 2. mit imaginären, reellen und imS'- 
^nären elliptischen Asymptoten , mit dem Asymptotenpnnkte und 
mit den Systemen elliptischer Asymptoten, S. 64 — '69.; § 3b 
mit den parabolischen S.70 — 85.; § 4. mit den Paaren reeller oder 
imaginärer paralleler Asymptoten S. 86— *96«; § 5, mit den Dop* 
pel-Asyratopten mit der Berührung zweier reeller oder imaginirer 
nnendlichen Zweige und mit den Spitzen erster und zweiter Art 
in unendlicher Entfernung S. 97 — * 110. ; § 6. mit den Asymptoten 
der 3. Ordnung nach vier besonderen Fällen S. 111 — 135.; § 7. 
mit der Aufzählung der verschiedenen Arten Ton Curren der 4. 
Ordnung in Bezug auf die Natur ihrer unendlichen Zweige 
S. 136 — 148. und § 8. mit den Asymptoten der 4. Ordnung 
S. 149 — 154. 

Der 2. Absch. zerfallt in fünf Paragr.; §. 1. Discussion der 
Terschiedenen möglichen Fälle singulärer Punkte und Tangenten 
der Curven S. 155 — 184.; § 2. Genaue Bestimmung aller mög- 
lichen Singularitäten, welche in dem Laufe der Curven vierter 
Ordnung vorkommen können hinsichtlich der einfachen, doppelten 
und dreifachen y der Systeme von zwei und drei Doppelpunkten 
S. 182 — 199.; § 3. Ueber die Natur der singulären Punkte, sin- 
gulären geraden Linien und über die Art ihrer Entstehung S. 
200 — 206. ; § 4. Gegenseitige Beziehung der singulären Punkte 
und singulären geraden Linien zu einander, Gesetze, nach wel- 
chen bei algebraischen Curven die Anzahl von jenen durch die An- 
zähl von diesen bestimmt ist und umgekehrt S. 207 — 227.; 
§ 5. Ueber Doppel-Tangenten der Curven, in so fern man sicli 
diese durch einen Punkt* beschrieben darstelit; Discussion der 
allgemeinen Gleichung der Curven der 4. Ordnung, unter einer vom 
Verf. mitgetheiiten Form S. 228—253. Auf zwei Seiten folgen 
einige zusätzliche Bemerkungen über Gegenstände, die im 2. 
Absch. nicht vollständig entwickelt wurden. 

Die Einleitung erörtert die allgemeinen Gesetze, welche des 
Lauf der Curven von beliebiger Ordnung bestimmen und sowohl 
die Auffassung und Behandlung gewöhnlicher algebraischer Sym- . 
hole unter einem cigenthumlichen Gesichtspunkte, Algorithmus 
genannt, dessen Keim der Verf. in seinen geomela'ischen Ent<« 
Wickelongen niederlegte und den er als zweckmassige Auffassungs* 
weise in seinem Systeme der analytischen Geometrie entwickelt, 
angewendet und später reiner und charakteristischer ausgebildet 



JMt, alt Mßh das ftHfenieikie Vtlntip d«r BBtwkkeliiii|;»w«iBe. 
Ds jener Alf orithmos und dieeea Prindp die vorliegende Ariwit 
des Verf. «tf einen eelbststindigeti Gänsen mached, so erUirt er 
sieh ufwM aber die Beaecichnung gerader Linien und der sie dar^ 
stellenden linearen Fonctionen als auch ober deren entgegenge- 
seüBte Voraeichenund geometrisdieGonstructionenV entwiekelt den 
Ghairakter der Fimclionen Ton zwei linearen Fanctionen bd belie- 
bigem Grade und yersinniicht die Anzahl der Constanten ^ weil 
deren Bedeutung in den aufgestellteD Gleichungen die Grundlage 
«ller Bntwiokeiungen ist und auf das ZaMeh der Oonstanlen för 
die Verailgemeinerung und Vereinfachung der Untersuchung sich 
Alles aurückbealeht 

Jene Bedeutung Tcranschaulicht er in einigen Siitsen als An- 
haltspunkten aller seiner Untersuchungen, weswegen sie der Leser 
sorgfältig erforschen und ihre Grundeigenthümlichkeit zum klaren 
Bewuastsein bringen muss. Für die ganzen Zahlen n u. m stellt 
er hinsichtlich der Durchschiiittspunkt« zweier Cnrven der n^^^ 
Ordnung folgenden Fundamentalsatz auf: Alle Curven einer belle- 

bigen n*®° Ordnung, welche durch ^ ^ — ^ — i beliebige Punkte 

gehen ^ schneiden sich ausserdem noch in denselben ~ ■ J" -|- i 

Punkten, deren Lage allein durch jene beliebigen Punkte bestimmt 
ist, den er fdr den Fall; als m eine ganze Zahl zwischen Null und 

"^--^ — ^ bedeutet; dahin modifioirt, dass alle Gurren einer belle* 

bigen n^^"Ord., die so p^rtikularisirt sind, dass sie durch m belie- 
bige Funkte aiif lineare Weise bestimmt sind, wenn m — 1 dieser 
Punkte gegeben sind, ausserdem noch durch andere .n^(m — 1) 
feste Punkte gehen, deren Lage einzig von der Lage der gegebe- 
nen Punkte abhängt, und für den Fall, als die Ordnung der bei- 
den Cur?en eine verschiedene ist. Alle Curven der n^^" Ord., 

welche durch nq — ( ^ ^^ + l)anf dem Umfange einer bekann- 
ten CurTe der q^''"Ord. beliebige Punkte geheui schneiden dieselbe 
Curve ausserdem noch in neuen • ^^. — - + 1 festen Punkten. Eine 

Verallgemeinerung, ein CoroUarlum zu ihr und einiges Historische 
über die Sätze für die BehandlungSweisen des Verf. machen den 
Schluss der einleitenden Betrachtungen. 

Bekanntlich setzte Euler in seiner Introductio in analysin 
infinitörum die aUgenieine Theorie der geometrischen Gurven 
ziemlich klar ausdnandelr, dehnte seine Untersuchungen auf die 
Geometrie Ton drei Dimensionen ans und discutirte die Gleichung 
mit drei Veränderlichen, welche. die Oberfläche 2. Ordnung ent* 
hält. Allein seine Darstellungen waren nichts weniger als voUig 



q 



Plttcker : Theori<l der^ aJgebraischenr Corven. j93 

aUgomeiD« i^ie rieb aus den Untersuchungen 4e8 VfrC im ergtcji 
Abscb. ergießt und wie er in d^i* Vorrede bezeiciinet. Er giebt 
nämlich nach den Untersuchungen i'iher die unendlichen Zweige der 
Curveji 4» Ordnung eine.Gintheilunj[ der letzteren und hebt seilte 
Resultate hervor. Aus der Zusammenstellung derselben mitten 
KulerSchen ergeben sich yerschiedene Unrichtigkeiten, welche der 
Verf. nur dadurch erklärbar findet, dass Euler naqh Analogien 
scliloss, und dieser Schlussart nirgends weniger zu trauen is|, ^|8 
bei Untersuchungen bber die Qurven« Inwiefern der Keim des Ir^- 
thums schon bei den Curfen d^r 3. Ordnung liegt^ berührt der Verf. 
in der Vorrede, indem sich Euler Toh der Mögliclikeit der aufge- 
zählten Fälle nicht überzeugt, es auf seinem Wege auch nichj^, 
oder doch nur mit der grössten Weitschweifigkeit, vermocht häjtte« 

Nach des Verf. Methode schreibt man für jeden besonder^ 
Fall die entsprechende allgemeine Gleichung hin und.drückt dur^ 
ihre Form die Natur der verschiedenen unendlichen Zweige dfr 
Curre unmittelbar und vollständig aus, wobei man durch Zusam- 
menstellung der verschiedenen Fälle eine sowohl leitende als con- 
trolirende abstrakte Zahl erhält und nur zu zälilen braucht, wie 
viele Constanten in den Gleichungen vorkommen. An den. Cur* 
ven der 4« Ord. hat er alle Beziehungen dargestellt und zur Unter* 
Scheidung der Curven der 5« alle Elemente beriihrt, aber nicjtit 
aufgezälilt, weil jene ausser dem Bereiche. der Anschauungen 
liegen*. Durch die Betrachtungen der Curven von höherer 
Ordnung verschaffte er den speeielleren Untersuchungen der nie- 
dern Ord. erhöhtes Interesse , wie die sämmtlichen Erörterungen 
der Curven der 3. Ord. für die der 2. beweisen, ind^m er zu der 
linearen Construktion desjenigen 9. Punktes gelangt ist, in wel- 
chem eine gegebene Curve der 3. Ord. von /dien anderen Curven 
dieser Ord^ welche durch acht, auf dem Umfange der gegebenen 
J[>e1iebigen Punkte gehen, geschnitten wird.^ Jene Construktion 
behält auch noch dann ihre Geltung, wenn jene Q Punkte ^durfh 
welche die Corvo geht, alle oder theijs zus.ammenf allen, oder 
auf einem oder mehreren Zweigen der Ciirve unendUch wi^it 
liegen. - 

Die grosste Aufmerksamkeit ist den Curven der 4. Ord. ^- 
widmet, wovon der Grund in dem Umstände liegt, dass di^selbpn 
noch in die Anschauung fallen; denn nicht bloss 5 punktig osculi- 
rende Kegelschnitte, sondern auch 8 punktig osculirende Curven 
. der 3. Ord. sind völlig evident dargestellt. Diese.. Abgaben he- 
rführt der Verf. in der Vorrede y Ref. fand sie bei dem Studii{m 
der einzelnen Untersuchungen allgemein bestätigt und. konnte 
nicht unterlassen, sie statt jeder weiteren Beurthellung kiirz ai^s- 
.zuziehjsn. . Bei allen parstell^ngen. herrscht das oben bei^fihi^te 
höhere Princip, „die Constanten, ;Von welchen eine Curve j^b- 
hängt, zil zählen. ^^ Hierdurch rückt der Verf« die dem. Anscheine 
nach verscliiedenartigsten Resultate einander ganz nahe, l^ringt 

Pf. Jahrb. f. PhiU N. Püd. od, krii: Bibl. IM, X&XVi. Hß. 1. 3 



84 Mathematik. 

*fiie fli gegenseitige AbbäRgi^keit und fiberxeagt sowobi ron der 

Bicbtigkeit derselben als auch von der Nothwendigkeit eines gno- 

' metrischen Resultates. Die Gegenstande der acht Paragraphe des 

ersten Abschnittes bieten eine fortlaufende Reihe Ton Beweisen 

fiir diese Behauptung dar. 

Naclideni der Verf. eine einfache und klare Definition der 
geradlinigen Asymptoten auf den Satz gegriindet hat^ dass der 
Grad einer algebraiscbjBn Gleichung mit einer Unbekannten sich 
reducirt, wenn eine oder mehrere ihrer Wurzein unendiich gross 
werden, bringt fr eine Asymptote einer Gurre der «^^'^ Ord. in ih- 
rer Gleichung in Evidenz^ leitet die der übrigen ab^ versinnlicht 
die Methode der unbestimmten CoefiTicienten und rechtfertigt die 
hierfür aufgestellte Form durch das Zählen der Constanten, worin 
sugieich der Beweis liegt, dass die Curve n Asymptoten hat und 
jene Form sich geometrisch deuten lässt. Einige allgemeine Be- 
trachtungen und Beschrankungen, unter weldien sich auf jenen n 
~ Asymptoten einer Curve der n^^" Ord. fiir ihre Bestimmung belie^ 
' bige Punkte annehmen lassen, und die Zurückführung der gewon- 
' neoen Resultate auf einen allgemeinen Satz der Einleitung ei^thol- 
' ten besondere Belege für die Allgemeinheit der Gesetze und bah- 
' Den einen leichten Weg, die Curve linear zu bestimmen. Von der 
allgemeinen Gleichung steigt der Verf. zu den besonderen Fällen 
' herunter, die er alsdann wieder zu einem Hauptrcsultate verei* 
nigt, wofür stets jenes Zahlen der Constanten die Grundlage 
' bildet. 

Denselben Ideengang verfolgt der Verf. bei den Betrachtun- 
' gen der osculirenden Asymptoten , indem er eine der letzteren in 
' Evidenz bringt, die Anzahl der Curven vermindert, Curven mit 
mehreren gleicbzeitig osculirenden Asymptoten versinnlicht, die 
' Beschrankungen wegen der Ordnung des Contaktes.angiebt, die 
' unmöglichen Fälle bei Curven der 4. Ordnung ausscheidet.und die 
' hieraus gewonnenen Resultate auf verschiedene besondere Falle 
'anwendet, woraus sich in Verbindung mit anderen Untersuchung 
' gen über die entsprechenden Gleichungen mit den nothwendigen 
Constanten und über verschiedene ihr untergeordnete Fälle ein 
' höherer, gemeinsamer Gesichtspunkt für einzelne Sätze ergiebt, 
' der für die Ordnung und Art der Annäherung maassgebend ist. 
Alle Untersuchungen und ihre Resultate stehen in dem engsten 
Zusammenhange, so dass sich letztere nur in dem Werke iselbst 
erkennen und nicht ausziehen lassen. Das Hauptresultat geht da- 
hin, dass jede algebraische Curve jeder Asymptote nach zwei ent- 
' gegengesetzten Richtungen der Erstreckung letzterer sich nähert 
* und diese beiden Zweige entweder auf der entgegengesetzten 
oder derselben Seite liegen, je nachdem die Anzahl der Punkte 
' -eine gerade oder ungerade ist. 

Da sich die Darstellung des Laufes der unendlichen Zweige 
' einer Curve durch geradlinige Asymptoten mittelst hyperbolischen 



Plttcker; Tbeorie der algebraischen Curren. 



S5 



besser TersIiiDlIcbeii Ifcst^ so glebt der Verf. den allgemelaen Ge- 
sichtspunkt und das Verfahren an, die Bedingungsf^Ieichun^en 
zu entwickeln, welche befriedig werden müssen, wenn eine Curre 
der n*^** Ord. mit einer Hyperbel auf einer Asymptote einen Contakt 
von beliebiger Ordiying haben soll , entwickelt dieselbe fiir einen 
3 bis 6punktigen Contakt, deutet sie geometrisch und weiset nach, 
in wie fern das Maass der Annäherung einer Cur%e an ihre Asymp- 
tote durch die Spunktig osculirende Hyperbel bestimmt ist, alle 
die geometrische Construktion selbst versinnlicht. Ans den wei- 
teren Erörtenmgen geht im Besonderen hervor, dass es nnr eine 
einzige 5'punktig osculirende Hyperbel giebt, welche in besonde- 
ren Fällen durch eine mehr als öpunktige osculirende zu ersetzen 
ist, sich durch ein neues Princip behandeln lasst und in der Glei- 
chung selbst direkt in EWdenz tritt. Die angereihte DIscussion 
über die Anzahl der Constanten, über die geometrische Bedeu- 
tung und die lineare Construktion einer Hyperbel, die eiiie gege- 
bene Curve der 3, Ord. auf einer bekannten Asymptote 3 bis 
Spunktig osculirt, nebst dem allgemeinen geometrischen Gesichts- 
punkte für einzelne Construktionen erweitern den Vortrag und füb*^ 
ren zur analytischen Bestimmung derjenigen Cur?en 3. Ord., 
welche 5 — 9punktig osculiren und zu den einzelnen Fällen, 
welche der Verf. der Betrachtung unterwirft. 

Ein besonderer Grad von Klarheit und Deutlichkeit des Vor^ 
träges liegt darin , dass der Verf. die einzelnen Gesetze geome- 
trisch zu Teranschaulichen sucht, die meisten derselben bestimmt 
ausspricht und überall die Ueberzeugung begründet, dass abstrakte 
Zahlen im Gebiete der geometrischen Anschauung eine ausser- 
ordentlich wichtige Bedeutung haben. Hierin hat man den 
grössten Theil der Eigenthumlichkeiten der Untersuchungen des 
Verf. nachzuweisen. Während andere 'Geometer Ton Descartes, 
Euler u. s. w. bis zu den Toczüglichen Leistungen Monge's jene 
Ueberzenguug nicht begründet fanden und selbst Monge's Unter- 
suchungen , welche den Studien des Verf. zur Richtschnur dien- 
ten, zu diesem grossartigen Ergebnisse nicht gelangten und die 
Uebereinslimmung der in abstrakten Zahlen üegenden Gesetze 
mit den räumlichen Anschauungen entweder bloss ahneten oder 
gar nicht für möglich hielten , hat der scharfsinnige Verf. durch 
seine vielseitigen Untersuchungen, deren Ergebnisse er iii seinen 
Terschiedenen Schriften über die Curren und hier bis zur Ton« 
kommensten Evidenz begründet hat, die reine Geometrie mit der 
analytischen in Harmonie gebracht und hierdurch bewiesen, dass 
jene eben so wie diese zur selbstständigen Verrollkommnung ge- 
eignet ist. Er bahnt den Weg , auf. welchem sie zu reinen Con- 
struktionen gelangt und liefert zu der durch Monge hervorge- 
rufenen Epoche in der Geschichte der Geometrie sowohl hinaichi- 
lich der Algebra als der Zeichnung, Construktion selbst, einen 
wesentlichen Beitrag. 



^0 Mathematik. 

Der Chanüter der Verallgemetnerung und des üeberganges 
ans der Zahl zu der Constriiktlon tritt in der Nachweisung hervor, 

^ dass imaginire Asymptoten die recifen vertreten können, dass 
aich die früheren Resultate anf diesen Fall übertragnen lasseni 

* wenn diese von dem Imaginären und Reellen der Asymptoten iin- 
abhän^gsind, und zeigt sich bei den elliptischen Asymptoten '\ind 

' ihren Systemen eben so klar und deutlich bei allen G.esichtspunk- 
ten, unter welchen parabolische Asymptoten stattfinden, wofiir 
der Verf. gründlich erörtert, wie sie den Uebergang zwischen 

, den hyperbolischen und elliptischen Asymptoten bilden und aus der 
Gleichung für Curven der n*^*^ Ordnung mit solchen Zweigen zwei 
überzählige Constanten sich ergeben, zugleich aber eine der un- 

' zfihligen Asymptoten als 5punktig osculirend in Evidenz tritt. 
Für die Curven der 4. Ord. zieht der Verf. alle wichtigen Mo- 
mente in Erwägung, woraus für die höherer Ordnungen interes- 
sante Gesichtspunkte sich ergeben, welche für die Bestimmung 
des Maas'ses der Annäherung an eine gewöhnliche parabolische 
Asymptote und für die Ableitung von allgemeinen Gesetzen und 
Gleichungen zu betrachten sind. 

Die weiteren Erörterungen betreffen die bei parallelen 
Asymptoten stattfindenden Paare dieser, das Gesetz, dass zweien 
Jener Asymptoten ein Doppelpunkt entspricht, der unendlich weit 
liegt, das Osculiren jener, die allgemeinen Formen der Curven, 
die AnnSherung und verschiedene andere hierher gehörige Gegen- . 

' Stande, die des Verf. Ansichten in ein stets helleres Licht stellen 
und den Lernenden mit.dieser stets vertrauter machen. Die Mate- 
rien des § 5. liefern hierzu weitere Belege, indem die allgemeine 

' Form, welche ausdrückt, dass eine Curve zwei zusammenfallende 
parallele Asymptoten hat, welche die Curve verschieden -punktig 
osculiren , discutirt , die einfache Form für die annäherungsweise 
Darstellung der unendlichen Zweige versinulicht und der Fall 
näher untersucht wird, wo eine Spitze zweiter Art die Uebcrgangs- 
stufe bildet, wobei der Verf. für die Curven der 4. Ord. alle mög- 
lichen Fälle untersucht. 

Für Asymptoten der 3. Ord. unterscheidet der Verf. 4 Fälle, 
deren erster die Curven mit feincubi-parabolischen, der 2.. die mit 
Tridentcurven, der 3. die mit cublparabplischen und der 4. die mit 

[ drei parallelen Asymptoten betrifft. Stets entwickelt er die all- 
gemeine Form Ihrer Gleichung, untersucht ihren Lauf, ihre 
Natur, Annäherung u. dgl. und lässt nicht unberührt, was 
maassgebend für den einen oder andel-n Fall sein könnte. An all- 
gemeinem Interesse übertrifft wahrscheinlich der Inhalt des § 7. 
dc^ jedes anlSeren §, indem er die Aufzählung von 152 Arten von 

'Ciurven der 4. Ord. enthält,. Welche sich auf 8 Fälle vertheileii 
und mit der Buler'schen Aufzählung verglichen werden, woraus 
folgt, dass letztere den Charakter der Unsicherheit an sich trägt, * 
weil Euler selbst nur vermuthen konnte, dass die meisten der von 



Plucker : Theorie 4er aUebraiMKea Carren. 37 

> * 

Upi nambdl •gemtchiea Afleii wirUich exittlren. De« 8 Haupt-- 
fallen Euler^s folgend schreibt der Verf. nach seiner Methode fnr 
jede besondere Currenart die Gleichung hin und lassl daf 
Charakteristische jeder Art unabhängig Ton inrerLage unmittelbar 
hervorleuchten. Hier giebt sich recht klar die Wichtigkeit der- ' 
jenigen abstrakten Zahl zu erkennen, welche sowohl der Einthei- 
Iimg, als auch den .Entwickelungen des Verf. cur Controle 
diente nämlich die von jeder Ciirve geforderten uothwendigen 
Constanten. 

\ Die Angaben über die Natur der Asymptoten der 4. Ord, und 
die Aufzählung der 7 verschiedenen Fälle, in welchen 'die frühe- 
ren Formen nicht stattfinden oder uribestimmt sind, dienen gleich- 
sam zu weiteren Belegen fiir die Richtigkeit jen^s Zählens der ' 
Coustanten^ indem am Schlüsse der Discussion der einzelnen 
Fälle die Anzahl jener mitgetheilt wird , von welchen diese Fäl|e 
abhängen. Der Verf. giebt unmittelbar die Gleichungen für die 
einzelnen Fälle an und beweist seine BfeÜiode mittelst jeder, wo- 
raus sich zugleich die hohe Wichtigkeit der Algebra für alle Cur^ - 
ven und ihre Gesetze ergiebt. Die Analyse selbst hat Ihren ' 
Grund in den reinen Darstellungen Monge's und verdankt daher 
der reinen Geometrie eben äo viel , als diese jener. Bdde geheo. 
einander harmonisch an die Hand, ergänzen sieb und erheben sidi 
wechselseitig ziir Evidenz, worin ein wesentlicher Vorzug der» 
Darstellungsweise des Verf. liegt« 

- Für die Entwickelong des 2. AhmA. ging der Verf. von der 
Grundansicht ans, dass, wenn man die Theorie der singulären 
Punkte an die Discassion des wahren Werthes des gewöbnlich^a 
Differential-Coefficienten , welcher auf einen solchen Punkt bezo- 

0' 
gen, unter der I^orm ^ eiasc^eii^t« anknüpft, maa nothwendig zut 

dem Resultate gelangt^ dass zur Erforschung der Art des singull- 
fen Punktes der Lauf der Curvenzweige in der Nabhbarschaft 
desselben discutfri werden muss, während ans der Betrach- 
tung der beiden partiellen Differential - Coefficienten , dereli' 
«uptient der obige gewöhnliche Differential-jBoeffieieQt ist, die 
atür des singulären Punktes sich unmittelbar erkennen und ana-. 
lytisch bestimmen lässt So spricht der Verf. sein von der ge-' 
wohnlichen Betrachtungsweise abweichendes Princip in der Vor-] 
rede aus. Im Vortrage selb;$t zeigt er überall, wie es sich an seine' 
eigenthümliche S|etbode anschliesst und wie er in ^er Gleichung 
der 0arve einen singulären Punkte oder mehrere zugleich in Et!-' 
denz bringen kann. . . ! 

Die weitere Bemerkung des Verf. , dass aus der Form einer' 
Gleichung diejenige Farticularisation, welche eine Curve dadurch 
erleidet , dass sie einen oder mehrere Punkte der fraglichen Art 
erliälty unmittelbar und vollständig sich erglebt, findet bei den 
Erörterupgen selbst ihre Begiründung, weiche dfui Hinachreib^p^] 



88 Mathematik. 

der entsprechenden Foimen und das Zlhlen der Conttanten nach 
einer abstrakten Zahl wiederholt findet, wovon sich der denkende 
Leser bald überaengen wird, wenn er die Discussion.der Ter^chie** 
denen möglichen Fälle singularer Punkte und Tangenten der Cur« 
Ten aufmerksam verfolgt. Aus der Bestimmung des Zusammen- 
faltens mehrerer Dnrchschnittspunkte einer Curve und einer ge- 
raden Linie und den analytischen Entwickeiungen fiir osculirende 
Tanfrenten und Wendepunkte bei einfachen Punkten nebst den vie- 
len Tangential Momenten für doppel- und dreifache Punkte erkenn- 
man recht klar, wie die Untersuchungen Monge's über die Um- 
wandlung und Transformation der Figuren, wodurch er den analy- 
tischen Behandlungsweisen ausserordentlich zahlreichen Stoff aa 
weiteren Forschungen dargeboten hat , den Studien des Verf. zu 
Grunde lagen und er ernstlich bemuht war, beide Darstellunga- 
weisen einander mehr und mehr zu nähern. 

Naeh der Verainnlichung der Iferkmale fär eine allgemeine 
Unterscheidung der Doppelpunkte zeigt der Verf. den Lauf der 
beiden in der Nähe des Doppelpunktes sich schneidenden Zweige, 
deren jeder eine oskulirende Tangente haben kann , bespricht 
fi&nf besondere Falle, In welchen die beiden Tangenten des Dop- 
pelpunktea zusammenfallen, und verallgemeinert diese nebst 
den Bedingungen, unter welchen eine Curve die verschiedenarti- 
gen Singularitäten erhält. Für dreifache Punkte verfährt er auf 
ifanlidie Welse, klar eirörternd, dass ein Zweige der Curve, w.enn 
^ 2 oder 3 Tangenten zusammenfallen, durch einen singulären Punkt 
^ht , wie dieser im vorhergehenden Vortrage bestimmt wurde. 
Er bespricht 19 besondere Falle, wo die Tangenten des dreifachen 
Punktes alle drei zusammenfallen und die Ourve in 4 bis Ö Punk- 
ten schneidet und zeigt am Schlüsse der Discussion, dass, wenn nur 
dne Singularität allein für sich betrachtet ^wird , ihre analytische 
Bestimmung sich vereinfacht, wie an hyperbolischen und para- 
bolischen Singularitäten in unendlicher Entfernung sich versinn- 
Uchen lässt. 

Da der Verf. in seinem Systeme nachgewiesen hat, wie da9 
Singulare sich sowohl auf die Entst^ung der Curve durch die 
Bewegung eines Punktes , als auch auf die durch die Bewegung 
einer, sie umhüllenden geraden Linie beziehe und der Uebergahgp 
von einer zur andern Entstehungsweise ein discontinüirlicher ael; 
so bestimmt er alle möglichen Singularitäten , welche im Lauf^ 
der Curven 4. Ord. vorkommen können, nach den einfachen, dop- 
pel- und dreifachen Punkten, discutirt die Systeme von zwei 
und von drei Doppelpunkten, zählt in letzterer Beziehung 10 ver- 
schiedene Fälle auf, zeigt die Unihiillung eines Kegelschnittes 
durch die sechs Tangenten der drei Doppdpunkte, und die Be- 
ziehung jenes Kegelschnittes zur Curve und veranschaulicht, wie 
dn, zwei und alle sechs Zweige Wendungspunkte haben können. 



I 



Plucker: Theori« d^. ftlgebra&ichen Correiu S& , 

Bie befHhrten Situatlons-Beitebungen sind f&r. die beaclireibende 
Geometrie sehr interessant und fhichibar. 

Z\\ dieser Daratellung legte nnfehlbar Monge den Grund, 
durch die Methode der Umwandlung der Figuren, woraus der, 
Yerf. nachwies , dass jeder Entwurf der beschreibenden Geome- . 
trie ein Theorem der ebenen ansdriickt, dieser Weg eine reiche 
Fundgrube für geometrische Wahrheiten ist , und die analytische . 
Geometrie ungemein befördert wird. Jenen grossen Reichthum 
stellt uns der YerL für die Curven dar; die Arbeiten Monge's ha* 
ben auf seine Arbeiten den g^ossten Einfluss gehabt und ihnen 
die eigentliche Grundlage gegeben. Aus ihnen lernt man die 
Grossartigkeit der Ideen jenes Geometers in ihrem Glänze kennen, 
aber durch die Eleganz der Darstellungen des Verf. gehörig wür- 
digen. Dieser bietet.dem denkenden Leser, yon den analytischen 
Gesetzen zu den besehreibenden zuräckzugehen und rein geome- 
trisch zu verfahren, die schönste Geiegeiüieit dar, und ?erdlent 
eben darum die dankbarste Anerkennung. 

Im § 3. zeigt der Verf. die doppelte £nt8teh1^lg8wei8e einer Curve 
und jdas Gesetz, wornach, wena auf einer geraden Linie ein Punkt 
continuirlich fortrückt, während jene selbst sich um diesen continu-; 
irlich dreht, eine und dieselbe Curve Ton jener Linie umhüllt und 
von diesem Punkte beschrieben wird, wo ein Polygon die Curve 
vertritt. Zeichnet man nach den Angaben die Figur , so erhält 
man einen eleganten Beleg für die Angabe' und für die Construk« 
tion der Gurven. Diese nähere Erörterung ist dem Verf. Neben- 
sache, Hauptsache dagegen die analytische Bestimmung der 
Grösse der Drehung der geraden Linien al« Funktion der Grösse 
des Fortriickena des Punktes und der Curve selbst und die Ablei^. 
tung des Krümmungshalbmesser^ als Funktion des Bebens mitteht 
Differentiation. Wie sich der Begriff einer Singularität nach der, 
zweifachen Erzeugungsweise der Curve modificirt qnd die^e entr 
weder Wendungspunkte und Doppeltangenten, oder Spitzen erster. 
Art und Doppelpunkte hat, veranschaulicht der Verf. klar und 
vollständig, worauf er unter wichtigen Beziehungen noch folgen- 
des Gesetz begründet, dass der Krümmungshalbmesser einer Ciirve 
gkich ist dem Quotienten, den m^n erhält, weati man die Ge- 
schwindigkeit des beschreibenden Punktes durch die der umhül-. 
knden ^Geraden dividirt. Den Beschlus^ der Erörterungen dieseai 
§. macht die Versinnlichufig, wie in reciproken Curven die Singn- 
laritäten sich entsprechen. 

Der Uebergang der Eutstehnngsweisen der Curven erhäl(j 
durch das Princip der Rociprocität eine Verknüpfung,, woraus sich 
sowohl unerwartete Aufschlüsse. über die eigentliche Natur (Icr, 
singulären Punkte ergeben, als höchst belehrende l^ragen ableiten 
lassen, womit sich der Ver^. in § 4. mit grosser AitöCührUchkeil 
beschäftigt. Nachdem er diese Auüsclilüsse berührt und. die schoit 
in aeiaem Sy^eme mitg/sthoiltep A^sultfkte * zasaiBraeuce^tcUt ha^ 



40 Maihemaük. 

ireiit er zu einceliieii Betilichlnng«n über, digcatirt miler iitiJleni 
Gesichtspunkten sechs aU^emeine Relationen awischen der Ord-- 
mittg:, Klasse, Ansah! der Doppelponkte, Doppeltangenten, Spitzen - 
und Wendungen Irgend einer algebraischen Cunre und die That*> 
sache^ wie sich dieselben auf drei von einander unabhingige zu* 
ruckföhren lassen und beweist das Gesetz, dass der Unter- 
schied der Anzahl der Tangenten , welche von einem gegebenen 
Punkte ans an jene Curve sich legen lassen und der Anzahl der 
Punkte, in welchen dieselbe Cnrvc voii einer Geraden geschnitten 
wird, gleicih ist dem 3. Theile des Unterschiedes der Anzahl der 
Wendungen und Spitzen derselben. 

Unter verschiedenen Resultaten dfktfte eine Gleichung des 
4. Grades zwischen der Anzahl der Doppelpunkte , der Doppel^ 
tangenten, Spitzen und Wendungen die Auftnerksamkeit der Le- 
ser am meisten ansprechen : sie wird vereinzelt und tabellarisirt 
nachi jenen Anzriilen und fuhrt eine Menge von Betrachlungen« 
herbei, welche stets grösseres Interesse erregen; denn sie be- 
treffen das Maifmnm der Doppelpunkte, die Spitze 2. Art, die 
Reduktion des Grades defPolarourve um 5 Einheiten und die Ver- 
gehlingung von 15 Wendungen. Nach mehreren Erörterungen 
gelangt de# Verf. zur Zur&ckinfarung der Theorie der vielfachen 
Punkte auf Ale der Doppelpunkte, zur Anzahl der Doppeltangen- 
len, die ein mehrfacher Punkt unmittelbar in sich aufnimmt^ zum 
Falle von mehreren diieffacheii Punkten u. s. w. 

Der § 5. mochte auf den höchsten Grad von Interesse An^ 
spmch machen , well er die ersten direkten Untersuchungen über 
DöppekAigeAlen Aet GurVen entÜlH und diese, In so weit sie die 
durven der 4. Ord. bettefFen, an- die Discnssion einer symmetrl- 
sMien Form sich atfschliessen , worin sich der Charakter der Me- 
Ihode des Verf. am klarsten aasspfielil, weswegeri er sehr in's 
Detail einging. Nach allgemeinen Bemerk«mgeii^ fiber die Bestim- 
mung der Doppeltangent«tt stellt er eine allgemeine Form fär 
d«re» Evidenz auf, deutet diese geometrisch , bespricht die 
Beruhrungspi^nkte lind eritwiokett überhaupt alte Gesichts- 
punkte , welche den Gharaikter der Allgemeinheit an sich tragen 
und den Gegenstand^ wenn aueh liicht ganz erschöpfen, doch in 
seinen wesentlichen Gesetzen zum klaren Bewdsstsetn bringen. 
Die grosse Vorliebe, mit welcher eir die Sache behandelt^ findet 
leicht in dem Umstände ihre Itiltsefauldigttng, daSs die Där- 
stellungsweise desselben in ihrer vollen Eleganz sich kuiidgiebS 
und alle Gesetze ziur Evtdenz sich erheben. 

Refer. verfuhr rein darstellend, keineswegs kritisirend, weil 
die Resultate wechselseitig sich begründen, eng zusammenhMngenf 
nnd die Methode des Verf. bis in die Einzelheiten als richtig, ein- 
fach und maasgebend begründen« Jetler hielt es daher fdr das 
Zweckmissigste, den Ideengang zu verfolgen, die Hauptgedanken 
dessdbeh mitautheiien imd den Leser in den Stand zn oetie&i 



Gmnert s Blemepi« Au analytisciMA Geometrie* 44 

sich ülier den wiMeiifcfaaftHclieii Werük sireiitsBbeideii, wiemi er 
nil ilim Bieht eioTcrsUn^ßn sein und abweichende Anticfalea 
aufstellen wollte* Das ecböne Papier und der correcte Druek 
entsprechen d^ur Gediegenheit der BearbeUungt 

Reuter» 

Elemente der analy.t%8chen Geometrie zum Gebrauche 

bei YörlesDngen Ton Joh. Aug. Grunert, Dr. der Philosophie und 
ordentl. Prof. der Mathematik an der (Jnivers. zu Greifswald etc 
i. Tbl. mit 3 Figarontafeln. Leipzig, bei E. B. Schwickert. 1839. 
VI u. 310 S. 2. Thl. mit 2 Figurentafeln. V u. 304 S. gr. 8. 

« 

in der analytischen Geometrie wurden in der neueren Zeit 
dnreh angestrengte Forschungen, besonders Ton Selten 
scher Gelehrten, mancherlei Erfindungen gemacht, wie der 
die Kugel und die geometrischen Verwandtschaften beweisen«' 
Der Verf. beabsichtigt in seinen Elementen jene zu. benutzen und. 
mit den Haoptleliren möglichst streng und allgemein daranst^dlen« 
Der .erste Theil beschäftigt sich voranglich mit der Lehre von der 
Verwandlung der Coordinaten, von der geraden Linie in der 
Ebene, mit der Theorie der geraden )Linie im Räume und der. 
Ebene , worauf Anwendungen der genannten Lehren folgen. Der 
2. Tbl. enthält die Theorie der Linien und Flächen des 2. Gra- 
des, die Theorie der Transversalen und einiges Andere« 

Was in den Lehrbüchern der Statik und Mechanik von Pols- 
son, Möbius, Ohm und Anderen als Anwendung dargestellt 
wird, giebt der Verf. theoretisch in schönem Zusammenhange^ 
wodurch die Gesetse an Elegann und Klarheit gewinnen und die 
analytische Geometrie in ihrer Reinb^t und Schönheit erscheint. 
Er theilt den Stoff in 13 Kapitel, welche im Besonderen folgende 
Gegenstande enthalten : 1) Bestimmung der Lage eines Punktes^ 
S.3— 8.; 2) Verwandhing der Coordinaten, S. 8— 38.; 3) Theorie 
der geraden Linie in der Ebene , S. 38 — 54. ; 4) einige geometrin 
sehe Lehrsatze und Aufgaben, bewiesen und aufgelöst durch die^ 
im 3. Kap. gelösten Aufgaben, S. 54-:- 79.; 5) die Gleichung der 
Kreislinie; Sätze und Aufgaben vom Kreise, S. 79 — 134.; 6) 
Verwandtschaft der Collineation, Affinität, Aehnlichkeit, Con«^. 

früenz, Gleichheit und Reciprocität ebener Systeme, S. 134— 
78.; 7) Theorie der geraden Linie im Räume, S« 178 — 196«; 
8) Theorie der Ebene, S. 196—222.; 9) Punkte der mittleren 
Entfernungen; S. 222 — 240.; 10) Theorie der Projectionen, 
S. 240--251.; 11) Aufiösung der wichtigsten Aufgaben über die 
dreiseitige Pyramide , & 251 — 272. ; 12) die Gleichung der Ku- 
gelfläche, Sätze und Aufgaben von der Kugel, S. 272-^298.; 
13) die Kegel- und Cylinderflichen, S. 298—307. Ein Anhang 
giebt noch Einiges über die kürzeste Entfernung zweier gerader 
lonien im Räume von. eii 



42 Mathematik» "' . 

Far die Besttmimmg der La^6 eines Piiolctei Termisst man 
eine Zeichnung^ znr Versinnlicfinng der Aien, Coordinaten, welche 
itidit einmal erklärt sind; nnd zur Veranachaulichnn^ der einzel- 
nen Beziehnngen ^ welche bei der Verwandlung der Coordlnaten 
entscheidend hervortreten. Hierbei wäre noch zu erörtern, was 
Projiciren, Projection, Ordinate und Abscisse, Coordlnatenebene 
und Ooordlnatenwerth heisse, wdl diese Begriffe für die Anwen- 
dungen sehr häufig Torlcommen. Uebrigens bereitet iet Verf. 
seine folgenden Darstellungen sachgemäss Tor und löst die Auf- 
gabe: ,,Man soll die Coordinaten x, y, z eines beliel>igen Punktes 
im Räume in Bezug auf ein beliebiges primitives System durch 
die Coordinaten x', y', z' diesem Punktes in Bezug auf ein belie- 
biges seeondfii*es System , dessen Lage g^gen das ptimitive Sy- 
stem fttif (die oben angegebene Weise bestimmt ist, ausdrückend^ 
ganz allgemein, jedoch so^ dass er sich von den einfacheren Fäl- 
len allmählig zu den verwickeiteren erhebt und symbolisch ent- 
wickelt. Die DarsteHung selbst zeichnet sich durch Klarheit und 
Beutlichkeft aus nnd ist der Empfehlung darum werth, weil die 
fortlaufende Bezeichnung der Gleichungen das Beziehen dieser 
lefcht möglich und der Ueber^ang vom Leichten zum Schweren 
difen Anfänger allmählig mit dem Wesen der Sache bekannt macht. 

Die 80 Hanptgleichungen des 2. Kap. enthalten fast eben so 
Tiele Gesetze, deren wörtliche Angabe dem Lernenden überlassen 
und um so lehrreicher ist, je vertrauter dieser durch das Ueber- 
setzen der Ausdrucke mit dem Wesen dieser bekannt wird. Ref. 
empfiehlt ihm das selbstthätige Entwickeln der Formeln und das 
Uebertragen der einzelnen Theile in geometrische Gesetze, um' 
mit dem Geiste der Sache innigst vertraut zu werden. Er findet' 
in den ISrörterungen nicht nur keine Lücken, sondern ein fortlaur 
fendes Begründen der späteren Gesetze durch die früheren und 
eine consequente Analyse der einzelnen Fälle. Die Art und 
Weise, wie Linien in einer Ebene durch Gleichungen zwischen 
den Coordinatenwertlien eines beliebigen ihrer Punkte ausge- 
drückt werden, versinnllcht der Verf. mittelst der bekannten For- 
mel zwischen der Ordinate, Abscisse und dem Radius für die 
Kreislinie, woraus das bekannte Gesetz, wornach die' Ordinate 
die mittlere geometrische Proportionale zwischen der Summe und 
Differenz des Radius und der Abscisse ist, also die Krümmungf 
einer Gurve sich ergiebt. Es kommen in diesen Gleichungen 
z^wei veränderliche Grössen vor, deren eine die andere stets be- 
stimmt, wie der Verf. näher erläutert. 

Diesen allgemeinen Betrachtungen folgen Terscbiedene Auf- 
gaben, welche sich auf einander beziehen, m fortlaufenden Glei- 
chungen ver^nnlicht sind und alle Gesetze erschöpfen, welche 
die geraden Lmien für einen oder mehr Punkte und ihre verschie- 
denen Projectionen betreffen. Die gelösten 12 Aufgaben behcrr- 
aclien die ganze Theorie^ veraalasseD «n weiteren, besoiidereit 



Grunert': filemente der analytischen Geometrie. 4S 

Forteliungen nnd smii Selbatoliiäluiti , wosa der Auflager mn so • 
mehr angetrieben wird, als die Darateilnngen rein analytiacb g»-.' 
halten und dnrch Zeichnungen nicht Terainniicht aind. Ref. em-* 
pfiehtt daher die graphische Darateilung und verspricht sich für - 
jeden Anfanger genaue Vorkenntnisse ftir das Studium der Statik 
und Mechanilc , welche man gewöhnlich durch die wichtigsten der . 
hier vorgetragenen Gesetze vorbereitet und darum in Lehrbü- 
chern derselben aufnimmt. Bin Vergleich swischen den Erdrte<* 
rungen des Verf. und denen von Verfassern soldier Lehrbucher • 
der Stotilc und Itfechimik fallt zu Gunsten des eriteren aus und 
giebt einen Grund der Empfehinng des ernsten Studium» seiner 
Schrift aK . 

Die Darstellungsweise des 4. Kap. ist vorzugsweise theore^^ 
tiadi, indem ne es mit dem Beweise verscliiedener Lehrsitze und 
Aufgaben der Geometrie zu thun hat; z. B. die drei von den* 
Spitzen eines Dreiecks auf die Gegenseiten gefällten Lothe oder/ 
nach den Mitten jener gezogenen Linien schneiden sich in dem- 
selben Punkte; die Samme der Quadrate der EIntfemnngen dez*; 
Schwerpunktes eines Dreieckes von den Spitzen desselben ist der. 
3. Theii von der Summe der Quadrate der drei Seiten des Drei«! 
eckes ; die 3 auf die Seiten eines Dreieckes durch ihre Mittel-*: 
punkte errichteten Lothe schneiden sich in demselben Punkte» 
u. dgl. Mehrere dieser Satze beweist die Elementar-Geometriei 
gleich streng und elegant, weswegen sie übergangen werden: 
konnteui Besonderen Beifall verdient die Behandlung der Auf-, 
gäbe, den Flächeninhalt eines beliebigen Vieleckes, dessen Sei* 
ten sich nicht durchkreuzen ^ ^urch die Coordinaten seiner Spiz^- 
zen auszudriieken. 

Die Betrachtungen über den Kreis beginnt der Verf. mit der 
Auffindung der allgemeinsten Gleichung der Kreislinie, worauf er, 
zu verwickeiteren Aufgaben iibergeht, die nichts zu wünsche» 
übrig lassen, als eine stärkere Berticksichtigung des graphische» 
Elementes, wodurch die Analyse mehr versinnlicht worden wäre* 
So wurden die Bedingungen, welche erfüllt sein müssen, wenn 
zwei Kreislinien sieh schneiden, berühren oder gar nicht treffe» 
sollen, durch Zeichnungen viel klarer hervorgetreten sein und iv 
dem Vergleiche des Abstandes beider Mittelpunkte mit den Ra-« 
dien beider Kreise ein Hauptkriterium erhalten haben. Ref. wU} 
hiermit nicht gerade einen Tadel, vielmehr einen Wunsch ansn 
sprechen, welcher um so leichter zii erfüllen gewesen wSre, als 
Bdr jede Hauptaufgabe . oder jedes Hauptgesetz grapUsch darge- 
stellt zu werden brauchte. Die Sache hätte rnifehlbar an leichte^ 
Verständlichkeit gewonnen und die Analyse selbst würde erleicfa» 
tert worden sein. Xlc^rigens liegen In. der Darstellnngsweise dea 
Verf. manche. Eigenthümlichkeiten, «die zu jenen Veranschau-» 
lichungen fuhren und zum tieferen Eindringen in die Sache ver«? 
ßnfauiaen» Für die Aufgabe: d«a geometrischen Ort dw funkte 



41 Mathem&tilu 

%n fiitdeo, deren gteMiaiti^e Potcnai entweder, oder deren' 
QDglefchartige Potenzea in Besng muf siret gegebene Kreislinien 
einapder gleitb »ind, vermisst Rcf» ^nc Erklärung der Bedeolaog 
des. geOoM^riscliea- Ortes, da manche Mathemaliker hleriinter 
denjenigen Punlit verstehen', von welchem die Auflösung der 
Aufgabe abhingt, andere ftber eine ganse Linie, oder einen Bogen 
annehmen, In welchem ein.-gewisser Punkt liegt, und diese gerade 
oder krumme Linie den geometrischen Ort nennen. Die Aufgabe 
eelbst ist sehr gut behandelt, führt. sn sehr interessanten Ge- 
tetsen der Poteuzlidie und des Potenzcentrums von drei Kreis- 
linien und sn den Besiehnngen der Aehnlichkeitspunkte und bef- 
reitet den PascaFschen Satz vor, welchen der Verf. eben so klar 
ala bestimmt entwickelt 

Diese Analysen verdienen darum besondere Anerkennung,'*^ 
weik dec Verf. rasncbe Gesetse derselben speciell ausspricht und 
dasn. Aufönger zur Zeichnung selbst anleitet, wenn er jene Ge- 
setze lebendig durchschauen will , wozu die diesen Gesetzen bei- 
gefiigten Aufgaben wesentlich beitragen. Uebrigens sind manche 
Aufgaben sehr umständlich behandelt, z. B. die Auffindung einer 
Kreislinie, weiche durch' drei gegebene Punkte geht, wofür die 
Elementar- Geometrie eine einfache Gonstruction entwirft und 
der Forderung eben so einfach entspricht« Die Untersuchungen 
fan 6. Kap. eröffiiet der Verf. mit einigen allgemeinen Begriffen 
undFormein, worauf er zur Verwandtschaft der Collineation über- 
geht und z. B. den Satz folgert: -Zwei einem 3. CoUinear ver- 
wandle ebene. Systeme sind jederzeit mit einander selbst «ollinear 
▼erwandt. Da man als Hauptlehrs«|^ der ganzen Theorie der Re^ 
ciprocität folgendes Gesetz zu betrachten hat: Die Polaren von 
driu oder mehr in' gierader Linie liegenden Punkten schneiden sich 
jederzeit in. demselben Punkte, dem Pole jener geraden Linie; 
die Pole von drei oder mehr sich id demselben Punkte scfauetden-' 
den geraden Linien liegen jederzeit in derselben geraden Linie, 
der Polaren jenes Punkten; so betrSchtet es der Verf. als solche 
Grundlage möglichst ausführlich und lässt keinen Gesichtspunkt 
«»berührt, weicher von einiger Wie^igkeit Ist Das bcksnnte, 
von Gergonne in seiner ganzen Ausdehnung dargestellte Prin- 
dp der DiialKrät behandelt er auf dne sehr verständliche und em- 
pfehlende Weise, dürfte aber auch hier die Zeicltming mehr 
lizben hervortreten lassen, um die Ableitung eines Satzes auz 
einem anderen zu Yersinnlichen; 

Die Theorie der geraden Linie im Räume trSgt der Verf. Uk 
Aufgäben vor, weswegen er die. zwei allgemeinen Gleichungen 
nach früheren Angaben aufstellt und für die eii|zelnen Fälle'mo«^ 
dilicurt; von diesen itelit er 11 Aufgaben auf , welche sich wohl 
auf Jene Gleichungen mehrfsch beziehen, aber doch selbstständig 
sind 'und viele einzelne Fälle entlialten.- Die msngelnden Zdch« 
ttuugen werdeu zwar dureii di^ censequente Anslj^e vöUig:«rsetzt,' 



Grnnert: Elemente <ier analjiischen Geometrie. 45 

ifiiiehi letztere den Lemendeti «n Jenen vertnlflüMii und Him efa 
weites Feld zu Uebmigen und Anwendungen darliieten; tfleio 
' Ref. wGnscht doch , der Verf. hilte eine oder die andere Auf- 
gabe geometriseli conatruirt nnd mit den Projeotiouen selbst melir 
bekannt gemacht^ mit Hinweiaung auf Steiner 's aystemi^tiaeke 
Entwickelnng der Abhängigkeit ete. Berlin bei Finke 1832. 

Die Theorie der Ebene wird auf gleiche Weise behandelt; 
die Anffindiing der allgemeinen Gleichung macht die Grundlage 
ans und enthSit dadurch den Schlüssel für die folgenden 13 Anf- 
gaben , weiche der Verf. behandelt Mittelst dieser Untersuchun- 
gen, worunter besonders die Bestimmung der Gleichung einer 
geraden Linie, welche durch einen gegebenen Funkt gelit und 
auf einer Ebene senkrecht steht, sich ausaeichnet^ aber auch daa 
Unpassende der Schreibart sin. (xy)^ statt sin.^iy speciell her*», 
vortritt, wovon sich der Verft nicht trennen will, obgleich in jener 
Schreibart viele Zweideutigkeiten liegen ,- Indem z.JB. cos.lx* 
unfehlbar donkel und cos.^ ^x TÖHlg k1«r ist, verschafft er klare 
Einsicht in die Saclie. Die Aufgabe ttber den Punkt der mittleren 
Entfernungen fährt zur Erklärung und su den .wichtigsten Ge- 
setzen dieser höchst interessanten DIsciplin , welche für daa Vieiv 
eck verschiedene Eigenschaften darbietet, die in der Elementar- 
Geometrie wohl berührt , abf r nicht allgemein bewiesen werden, 
weswegen sie hier eine sehr passende Stelle haben. 

Mach kurzer Erklärung des Begriffea ,)Projection^^ fugt der 
Verf. verschiedene sehr fnstnictive Aufgaben ikber den Inhalt des 
Dreieckes , über Gesetze beliebiger ebener Figuren u. s. w. bei 
und behandelt alsdann die wichtigsten Aufgaben der 3seitigen Py- 
ramide mit eben so viel Umsicht als' Klarheit in 8 besokidereu 
Fallen, welche zu h&chst lehrreichen Gesetzen .f&hren, womit 
er die Untersuchungen schliesst. Gleiche Vorzüge haben die Er- 
örterungen von der Kugel, welche sich wohl umfassender behan- 
deln , woflir sich aber aus dem Gesagten alles Einzelne und nicht 
Berührte ableifen lässt. Die Angabe der einzelnen Fälle würde 
zu weit und doch zu keinem besonderen Zwecke fuhren, weswe- 
gen Refi mit der Bemerkung abbridit, dass die Gesetze der Ke- 
gel- und Cylinderflächen in gleichem Geiste behandelt sind und 
ebenfalls wenig zu wünschen librig lassen. ' 

Der zweite Theil beweist In gleichem Grade den Scharfsinn 
des Verf. , seine Gewandtheit in der Auswahl des StoiTes und 
seine Aufmerksamkeit in der Benutzung der Forschungei^ Anderer. 
Auffallend ist nnr, dass die schönen und fruchtbaren Resultate 
Plücker's hinsichtlich des Gebrauchs der unbestimmten Coeffi- 
cienten nicht benutzt sind. Durch Berücksichtigung derselben 
würden manche Unterauchungen des Verf. auKikze, Bestimmt- 
heit und Klarheit gewonnen und eine belehrendere Seite erhalten 
haben. Gar oft ist es leider der Fall^ dass deutsche Matbenia- 
tiker sich lieber bei den Fremde nmseben und d^ren Eerschim'' 



46 Mathematik. 

. gen elicr bemitfeii y alt die der edleren, waa Ref. niebt «dir 

loben kann, da die Gedie^eoheil der Forscbungen auf deutschem 

Boden weit grösaer ist, als auf französischem, so viel auf diesem 
aueh schon in der Mathematik geschehen ist« Gar Tiele deutsche 
Gelehrte sind noch immer Ton dem verderblichen Nachahmen des 
Fremden nicht geheilt. 

In 11 Kapiteln behandelt der Verf. 1) die allgemeine Glei- 
chnng des 2. Grades zwischen zwei veränderlichen Grössen, S. 3 
—27.; 2) die Durchmesser, S. 27 — 71.; 3) die Directrixen und 
Brenupunkie, S. 71 — 84.; 4) die Tangenten der Linien des 

'2. Grades, S. 84 — 108.; 5) einige Aufgaben iiber geometrische 
Oerter, S. 108—132.; 6) Alhazen's Aufgabe, das Delische 
Problem und die Aufgabe von der Dreitheiliing des Winkels, 

« S. 132 — 148.; 7) verschiedene merkwürdige Sätze von den Li- 
nien des 2. Grades, S. 148 — 173.; 8) und 9) die Polargieichun- 
gen derselben und ihre Eigenschaften als Kegelschnitte , S. 173 

' -—185.; 10) die allgemeine Gleichung dieser Linien zwischen 
drei veränderlichen Grössen, S. 185 — 251., und 11) die Theorie 
der Transversalen, S. 251—277. Der Anhang beschäftigt sich 
mit der analytischen Gnomonik, S. 277 — 304. 

Nach Aufstellnng der allgemeinen Gleichung zwischen 2 Un- 
bekannten untersucht er an ihr sorgfalUg, welche und wie viele 
wesentlich von einander verschiedene Arten von Linien unter 

, dieser Gleichung enthalten sind, oder durch dieselbe dargestellt, 
ausgedrückt oder charakterisirt werden. Die Resultate gewähren 
«ichts wesentlich Neues; die Handhabung der Analyse verdient 
nngetheiltes Lob und leitet den Lernenden an, consequent .zu 
denken , oder die aus ihr abgeleiteten Resultate in ihrem inneren 
Zusammehhange lebendig aufzufassen. Die wichtigeren Formeln 

. sind mit fortlaufenden Nummern versehen und bilden für jedes 
Kapitel ein Ganzes« Dieselben fuhren auf die specielien Glei* 
chungen der Ellipsen , Parabeln und Hyperbeln und stellen stets 
die Eigenschaften derselben dar, welche der Verf. auf eine eben 
80 scharfsinnige, als einleuchtende Weise im Besonderen hervor- 
hebt. Er betrachtet» diese Curven nur im Allgemeinen, ohne auf 
ihre Elementargrössen Rücksicht zu nehmen ^ weil er diese in 
einzelne Kapitel verweist. 

Die Untersuchungen an den Durchmessern beginnt er eben- 
falls mit allgemeinen Gleichungen nebst Bezeichnung der ent- 
scheidenden Linien , für welche Formeln abgeleitet werden. Da 
das Gesetz: „die Mittelpunkte aller einander parallelen Sehnen 
einer jeden Linie des 2. Grades liegen in einer geraden Linie^^ — 

. für die ganze Theorie dieser Linien höchst wichtig ist, so be- 
gnügt sich der Verf. nicht bios mit der analytischen Entwickelimg 
desselben , sondern er spricht es auch wörtlich aus und modificirt 
es für die besonderen Beziehungen der Durchmesser, wie die 
Durchführung dem aufmerksamen Leser beweisen wird. Dies^ 



* Grunert: Elen^iite der amilTtucheh Gei^iiietrk. 47 

: Ali d^ Vortm^es hat tot .allen «nderett MeAgin^ den Vormi; 

f und tra^ zu dem Beifalle, welcben man der Arbeit des Verf. sti 

< geben hat^ aebr viel bei. Künra und Vollständigkeit beeiatiacbti- 

gen einander nicht und Klarheit und Deotlichkeit . seichnea die 

Darstellungen um> aa nikehr ausj als man. sie sehr treffend Ter* 

einigt findet. 

Den Begriff ^^geometrisehen Ort^^ nimmt der Verf. ganz all* 
gemein, indem er darunt.er. eine. gapze Linie Terstebt, was Ref. 
insofern beschrankt wissen wollte, als man mir denjenigen Punkt 
darunter verstehen möchte, wovon das Gesetz, die Losung der 
Aufgabe u. s. w. abhängig ist. Die Angabe der wichtigsten Ge- 
setze und die Kürze , in welcher sie meistens ausge«:prochen sind, 
zefchnen den Vortrag besonders aus. Mittelst 109 Formeln be- 
handelt er alle Gesetze. für die Durchmesser der Kegelschnitte, 
wodurch das Charakteristische derselben fiir diese einzelnen Cor- 
ven recht anschaulidi und klar hervortritt. Während in den mei^ 
sten anderen Lehrbüchern der höheicen Geometrie jede Curve für 
sich behandelt wird, verfolgt der Verf. einen hiervon abweicben- 

: den Weg und entwickelt die Gesetze fiir die einzelnen Linien und 

. andere Grössen, z. B^ in dem 3. Kap. die dier Directrixen und 
Brennpunkte u. s. w. Die Uebersicht wird erleichtert .und das 
Studium gewinnt ausserordentlich an Reiz. 

Die Directrixen und Brennpunkte charakterisirt der Verf. 

- durch folgende Eigenschaft detr Kegelschnitte: Für jede Linie dpa 
2. Grades, einen einzigc:n Fall ausgenommen, giebt es stets min^' 
destens eine gerade Linie und einen Punkt , welche eine solche 
Lage haben, dass die beiden Entfernungen .eines jeden Punktjcs 
der Linie des 2« Grades von der in Rede stehenden geraden Linie 
und dem. Punkte ein constantes Verhäitniss zu einander haben. 

. Mach dieser Entwickelung geht der Verf. die einzelnen Kegel- 
schnitte durch, untersucht die Gesetze jener Linien und Punkte 
mittelst Gleichii,ngen , drückt manelie derselben wörtlich aus und- 

. vergleicht sie mit einander. Ref. wünscht nur, der «Verf. hätte 
neben dem analytischen Elemente auch das geometrische etwas 
mehr hervorgebobeiT und dadurch der Anschauung mehr gc- 

. huldigt. 

. Für die Tangenten geht er ebenfalls von einer Gleichung 

. swischen beliebigen ^echt- oder schiefwinkeligen Coordinaten 
aus und untersucht zugleich die Gesetze der Normalen und Sob- 
normalen als mit den Tangenten und Subtangenten verbundenen 
Linien. Es mag das allgemeine Resultat der Betrachtungen nicht 

• unpassend mitgetheilt werden, um an ihm zu erkennen, wie der 
Verf. ^gewandt und scharfsinnig ist, aus analytischen Untersuchung 

. gen die ~ entscheidenden Punkte herauszuheben. Durch jeden 
Fqnkt einer Linie des 2. Grades lässt sich eine, innerhalb d^- 

; selben kejne und ausserhalb derselben noch eine zweite 

..Tangente ziehen, mit der Ausnalime, wenn der gegebene Pm^^t 



48 Matkemaiilt. 

In einer der beMen Aijriiiploten eher HyyeiiieMiegt, iinMin 
durch einen selchen Punkt gar keine Tangente im eigentlichea 
Sinne an jene Cnrre su sieben ist^ obgleich allerdings die^ Asym- 
ptote selbst, in welcher der in Rede stehende Punkt liegt, als 
eine Tangente derselben su betrachten ist Wünschenswerth 
wäre, der Verf. bitte sich bei solchen Resultaten oft kürzer aus- 
gedruckt, was er um so leichter >erwirklichen konnte , je kür- 
aer und doch umfassender, er sich nicht selten in der Analyse 
ausdruckt. 

Die Aufgaben fiber die geometrischen Oerter erUTnet er mit 
der Bestimmung des Ortes der Spitzen tou Dreiecken , welche 
iiber einer gegebenen Grundlinie auf einer Seite derselben be-« 
schrieben und deren Winkel an der Grundlinie um eine gegebene 
Grösse von einander Terschieden sind. An diese reiht er noch 
Rieben umfassendere , deren jede su mehreren besonderen Veran- 
lassung giebt und manche Tcrschiedene Falle enthält , welche.in 
der Praxis von grosser Wichtigkeit sind. Von gleich hohem In- 
teresse sind die Gegenstände des 6. Kapitels, obwohl sie nichts 
Neues darbieten und s. B. die unter dem Natnen des Delischen 
Pi*oblems bekannte Aufgabe arithmetisch so leicht aufzulösen ist. 
Zwar bietet die geometrische Construction der gesuchten Seite 
grössere Schwierigkeiten dar und führten die Alten die Frage auf 
die Aufgabe zurück: Zwischen zwei gegebenen Linien zwei mitt*^ 
lere Proportionallinien zu finden; allein die Sache selbst ist be- 
kannt und wird vom Verf. blos sehr Terständlich entwickelt. 
Aehttlich Terhilt es sich mit der Trisectioa eines Kreisbogens 
oder eines von ihm gemessenen Winkels, welche auf eine cubi- 
sehe Gleichung führt, die der Verf. sehr elegant behandelt, ww- 
aus der Lernende manche neue Ansichten ableiten kann. 

Die Terscliiedenen Sätze des 7. Kap. betreffen unter andern 
die Spitzen eines Viereckes, durch welche eine jede mittelst 
einer allgemeinen Gleichung charakterisirte Linie des 2. Grades 
geht, oder beliebig viele in diese Linie eingeschriebene Vierecke, 
oder die drei Durchschnittspunkte der gegenüberstehenden Seiten 
^ines in sie beschriebenen Sechseckes, oder die Bestimmung des 
geometrischen Ortes der Mittelpunkte aller Linien des 2. Grades, 
welche vier gegebene gerade Linien berühren, oder ändere Lehr- 
'siKze, welche jedoch zu ausgedehnt rind, um füglich angeführt 
werden zu können. 

Die Gegenstände des 8. Kap. sind rein algebraischen, analy- 
tischen Inhaltes und bSden ein snsammenha'ngendes Ganze über 
die Polargleichungen , welche im Besonderen zu lehrreichen Be- 
trachtungen führen. Der Verf. nimmt Terschiedene Punkte der 
Kegelschnitte als Pole an , entwickelt die dafür ei^orderlichen 
€4eichungen und bestimmt die geforderten Grössen durch ein^ 
seine Foirmehi, welche im Besonderen die Grössen der Radien 
' betreffen. Dad Ganze besteht ans 16 Hauptfonneln , welche f&r 



GraneTt : . fiiemttite dftr. asmlflÄätium Geometrie« «49 



den Anfi&igcr dam idhr iminmA wmim^ "wem er i<Q «IM 
ableitet und f&r beiondere FäUe emyfnddi Lirtalierea mt «wir 
▼om Verf. nicht ^[eachehen; aileM er liat dicFiMmta rtets ea 
gestaltet^ das« de lelcfct aamwendcfi aftidL 

' Im 9. Kap. werd« die/Iinieft d«8 2. Gradea ala Ka^etadiiiUte 
betrachtet; die Angaben aind kuES und rein analjrtiich« wejidie 
geometrische Deutung der in ihnen enthaltenen Bedingungen 
keine besondere Schwierigkeit darbietet und füglich dem eigenen 
Nachdenken des Lesers zu überlassen ist Von Nutzen wäre es 
übrigens gewesen y wenn der Verf. die geometcische Cojpstructiop 
der Kegelschnitte Teranschsuiiclit und dem Anfönger ^ie Ge- 
sichtspunkte , worauf es Torzüglich ankommt, bekannt gemacht 
hätte , well diese Verbindung der Analyse mit der geometrischen 
Darstellung mit grösseren Vortheilen verbunden ist^ als eine ein- 
seitige Behafidliing. 

Die Discufisien der rilgemeiiien Gleichnng Je« 2« Geadea 
swisehen drei veränderlichen Grössen führt unter andern nit den 
Nützen : Eine gerade Linie kann liöchstens zwei Punkte nU einer 
Fläche des 2. Grades gemein haben ; die AilltelpaniEte alier ein- 
ander parallder Sehnen derselben Hegen jn einer nnd derselbos 
Kbene; das elliptische Paraholoid kann von keiner JBbene in einer 
Hyperbel^ das hyperbolische von keiner Ebene in einer ElUipse 
^esehnitten werden; es giebt neun Flächen des 2. Grades, welche 
sich jn 2 Glassen theilen lassen; das eiofaeherige Hyperboloid 
hat nur vier ^ das zweifächerige aber zwei Seheitel u« dgl. 

. . Die Theorie der Transversalen beruht bekanntlich auf fol- 
gendem Hauptsatze: Wenn ein System dreier in einer tlbcne li«* 
genden geraden Linien von einer geraden Transversale geschnit- 
ten wird, so liegen zwischen dem DnrchscfanittsjMmkt« dieser 
Transversale mit jeder der drei das System -biUenden g^den 
Linien .nnd dennDi^nGfcsehaitispntfcieB dtqff r ynit^en , beiden an- 
ideren Linien des Systems zwei AbfHAAttten und von A^n seebfs 
Absduiltten^ «reldwinan hierdureh ecbäU^ Jst Mets dasPr4)dttcj^ 
•der drei , . die keinte gemeinsehaftUcb« Jand^c^t b^b«^» rdeni 
Prodttcte der drdi anderen gleieb« Diesea Thoorein kfsJawi^ 
der Verf.sdir auafiihrlicb; w«diirrii ^ ^^ mn die Anw^dui^ 
in der Statik und Jüechinik vjel Verdienst erwirbt Die uachfolr 
g[endett Lcfiniatze enthaltea meiatf»» j>eaondereFä}i^ wd Ausr 
dehnmigcfli, wekhe an weiteren F^raehnngeii v^nioia»^^. i^ 
samentUdi dfte FerndnuifeB franzSiafleber Gemetert yreipbelp 
dieser Materie bed)rälendaFi<»tsfihrittegbioeeblb^f))9T,4aifi^ 
anehfaindigea Verarfceiteagjiäher^aianscbartt#hQ»t i. : t/ 

Mehr in d« fiinafdneiidnziigebMVliättJM* V^h^^ 
jDiaaify vaä hseraa likl iBaaaü^ü&adert awL 4^ bcab^tigip 
2 weck doehaiidit «»eicht wurde. Sk flankte 4pb«r^, ,^ ^- 
4iegenlieit der Arbeit indMi besü&r and <kiir«er Aeurt^Ue^ zfi 
kinaaiM^äia venn.er ddi.ideen^tafl« Jmihmnm^fS^Pjet^^9:m\^ 

W. Jahrb, f, Phil. w. Paed, od, KriL Bibl» Bd. XXXVI. fift. 1. 4 



theHen maä aoC chige der wicfcHBrtMi flc^iitiBii hn Bcson* 
deren sofmeriunn machco wfirde. Ee UeibI lir ihn in Inlerewe 
der 'beÜieMigten Leser den Bneiies in witaensciinlllicher Beiie- 
hang nichts zu wünschen übrig, ute so mehr nber hinsichtlich der 
Stiisseren Ausststtnng, indem das nemlidi sdilechte Papier den 
nicht gefiOIlgeo Drude gar nicht unterstntat. • 

Reuter. 



1. Lib. SiengeVs hebräische Grammatik. Elementar- 

und Fo rmenlehrCm Nach des Verfassers Tode herausgegeben 
von Dr. Jos, Beck, Prof. am Lycenm za Rastädt. Carlsrohe' and 
Freiburg. 1841. 110 S. 12 gGr. 

2. .tt;*ipn )lu;S nvuf Grammatisches Lehrbuch für den 
ersten Unterrieht in der hebräischen Sprache 
auf Gymnasien und Universitäten, von //. fF» J. Tkierschj Doctor 
der Philosophie, Repetent nnd Privatdocent der Theologie an der 
Universität Erlangen. 1842. 239 S. 21 gGr. 

3. He bräisches Lesebuch fiir Anfänger von Dr. Max Fuchs, 
konigl. Oberlehrer am Gymnasiam za Neuburg. Enthaltend aus der 
Genesis C. 1 — 9., ll — 14, und Psalm 1 — 17., nebst einer da vis 
hebraica, Analyse der schwierigeren Formen und Hinweisung auf die 
wichtigsten Regeln der Grammatiken von Gesenius, Mall, Glaser 
und d'Allemand. Neuburg 1840. 102 S. 16 gGr. 

4. Praktisches Hülfsbuch zur methodischen Ein- 
Übung der hebräischen Grammatik von Dr. G. 
Brückner y Lehrer am königl. Pädagogium in Halle. Leipzig 1842. 
198 S. 16 gGr. 

1. L. Stengel, Professor der Theologie in Freiburg, wurde 
mitten im kräftigsten Wirken vom Tode überrascht, als er mit 
der Ausarbeitung einer hebräisclien Sprachlehre beschäftigt war. 
Sein .Freund, Prof. Beck, der schon den Römerbrief aus dem 
Uterarischen Nachlasse des Verf. herausgegeben hatte, glaubte 
den eigenth&mlichen Versuch desselben Tcrmittelst Anwendung^ 
der wissenschaftliclien , d. b. historisch - genetischen Methode 
der Sprachforschung manche auf dem Gebiete der hebräischen 
Sprachforschung noch stattfindende Liicken auszufüllen und na- 
mentlich manche grammatische Erscheinung natürlicher und 
richtiger lu erkIKren, den Freunden der Sprachwissenschaft nicht 
vorenthalten m dürfen. Anfanca wollte der Herausgeber die 
angefangene Arbeit im Sinne St. a in Ende führen« Sa jedoch 
das Game einer neuen umgestaltenden Durcharbeitung bedurfte, 
um dem Zwecke des Unterrichia mehr angepasstsu werden, ao 
besehrinkte er steh auf die Biementarlehre , als das weit Wieb- 
ligtte der hebriUsdiea Grammatiiu Hr« B» will diese Ariieit nar 



Steng^el: HebrKische Grammatik. . 61 

al9 ein«ii Beitrag amr li^bdMMhett äpra'chfomhiiilf angfeaelien 
wissen, macht aber Hoffotinj, falls diese Arbeit beifUlIg aufge- 
nommen werden sollte, den nTsprunglichen Plan wieder aufku- 
nehmi^n and die Arbeit m Ende su fähren. «^ 

Nach einer kurzen Einleitung über den Charakter der hebra!« 
sehen Sprache , die semitischen Sprachen , den Unterschied und 
das Verhältniss derselben, über die dialektischen Verschieden- 
heiten oder Veränderungen der Sprache und Eintheilang der 
Grammatik liandelt der Verf. im ersten Haupttheil (Elementar- 
lehre) in Capitel 1. tou der Sdirift, Cap. 2. von den Consonanteo 
S. 7 — 8. und Cap. 3. Ton den Vocalen S. 18 — 27.; dann folgt 
eine Leseprobe S. 27 — 30. Cap. 4. handelt von den Silbco 
S. 30 — 47., von den Wurzeln und Stammen S.*47 — 56. Der 
zweite Haupttheil (Formenlehre), S. 56 — 110.,. handelt in Cap. 1. 
von den Wurzeln S. 56 — 62., in Cap. 2. von der Wortableitung 
und Stammbildung der verba, nomina und pronomina S. 62 — 92., 
in Cap. 3. von der Wortflexion S. 92 -- 110. Das letzte Capitel 
soll lehren, Wie die Verbal-, Nominal- und Pronominal - Stamme 
abgewandelt werden, um an ihnen die verschiedenen grammati- 
schen Verhältnisse der Personen, des Geschlechts, der Zahl , der 
Zeiten und des Modus auszudrucken, a enthält die VerbalHexion, 
b und c fehlen aber ganz. Von den Lesezeichen und den Accen- 
ten ist auch in dem Buche nicht die Rede *). 

Die Würdigung des Buches in wissenschaftlicher Hinsicht kön- 
nen wir anderen Zeitschriften überlassen, in praktischer Beziehung 
liesse sich Manches gegen die Einrichtung desselben erinnern. Ein- 
mal ist es^schon misslich , das« ein Buch, das als Beitrag zur hebr. 
Sprachforschung augesehen werden soll , zugleich als Schulbuch 
dienen soll; dann ist die Vergleichung mit dem Indischen und 
Altdeutschen in einer für den Anfanger bestimmten Grammatik 
nicht an der Stelle , zudem ist die Elementerlehre im Verbiltniss 
zur Formenlehre viel zu ausführlich behandelt^ auch fehlt, der 
dritte Haupttheil, die Syntax, die, wenn auch im Hebräischen 
'weniger wichtig. als die Formenlehre, doch dem Schüler bekannt 
sein muss, gänzlich. Ausserdem fehlt es im Einzelnen an der 
einenl Schulbuche durchaus nöthigen äusseren Uebersichtlichkeit; 
auch bedürfen manche Behauptungen und Bemerkimgen des Verf. 
noch sehr der weiteren Bestätigung, ehe sie in ein Scbulbucli* 
aufgenommen zu werden verdienen. 



*) AugfuhrUch handelt über dieselben Stern in seiner Schrift: 
Leiieange — Grmidliche Lehre und ÄBwendmig der hebräischen Accen- 
toation. MH 900 nachweisenden Stellen. Für Theologen / Philologen, 
■Rabbiiien, ' iaraelitiBche Lehrer, Vorsänger, jeden Studenten und Lieb- 
haber der hebräischen Sprache und Literatur. Frankfurt am Main^ 18M). 
XII und 147 S. l^gGr. 

4* 



äi Hebräiicko Literatur. 

Umm JUi. itamA ik pnUlMske BimchUfidt de« BndM 

fiir Schulen «ehr ia Zweifel liehen, so M er 44M;h weit cniferat, 
jiber den wkisentdiafilif^n Werih desselhen abstwpreehca; er 
muss es Tielvehr Manaem wie Gesenina luid Ewald überlaaten, 
ihre Ansichten seihst za Tertheidigen. Was an der Arbeit T4)n St. 
jind was von B. herrührt, ist nicht zu unterscheiden. 

Die inssere Ausstattung; des Buches könnte etwas besser sein. 
15in VerzeidinSss der Druckfeliler fehlt. Der Preis fst^ wie sich 
, das fiir ein Schulbuch gehört, billig. 

2. Der Verfasser, von der Erfahrung ausgehend, dass die 
'{grammatischen Werke Ewald's für Anfänger unzugänglich und 
C^esenins' Grammatik an Ausnahmen zu reich und für den Weg 
idesifen, der sich zum erstenmal in der hebräischen Sprache erien- 
tlren soll, etwas za ansfuhrUch aei, beschloss ein Lelirbuch zu 
Mhen, welches hei möglichster Deutlichkeit und Kürze doch zur 
fiinleitung in die Exegese des alten Testamentes und zu einer 
Vorschule für das Studium anderer' orientalischen Sprachen ge- 
eignet wäre. Er bestimmte seih Lehrbuch Forzüglicn für solche, 
'^ie in der hebräischen Sprache gelbst noch keine oder nur sehr 
mangellutfte Kenntniss haben '*') , und setite Bekanntschaft mit 
der lateinischen und griechischen Grammatik voraus; an diese 
«uchte er die Gesetze und Idiome der hehr. Sprache anzuknüpfen, 
wo die Nachweisung der Analogie oder der Differenz zum Ver- 
standniss zu dienen schien. SÜt Schonung traditioneller Form 
nnd doch mit yerstSudiger Erfassung ihres lohaltes wollte er 
dfiese Aufgabe lösen. In der Elementarlehre hielt er sich hedeu- 
tend genauer an das Traditionelle , die Lehrweise der Rabbinen, 
;al8 In den Iibrjgen Abschnitten* hi der Satzlehre , deren Dispo- 
jsition er nach eigenen Gedanjcen rerancUe, in den Erörterungen 
fiber die Sed^nton^g der Tempora und die Anwendung des Parti- 
™' ■ ■ » . .. ■ 

^ ' D^ Verf. isetzt \fei fieinem Unterricht Stndenteo oder Gymita- 
na^ten^ |iid)t ICnaben von 12 — 14 Jahren, voran« und jiicint, das« die 
ior den Standpunkt der niederen Gelehrtenschulea befitiramten^ ganz 
praktischen Lehrbncher nichjt" als Handbucher bei Tortragen vor Studi- ' 
reiiden pd^ Gymnasiasten genügen können. Ref. äusserte bei Geiegen- 
iieit der kurzen Anzeige des hebräischen Elemehtarbuchs von S. M, Eh- 
•renberg (JahAb. JBd. 26. Hit. 1. 'S. Iß.) eine ähnliche Ansicht} ftndet 
sich aber veranlasst Wer zu etwahnen , wie nach einer schrifth'ch^n Ver- 
, Sicherung des Hrn. Dr. Th. Ehrenberg in Woifenbuttel die in dem ange- 
führten Elementarbuche angewendete Methode (die von Setdenstiicker 
beim kteia.« giaeob. Vkd fmmä^ UiiterrJiBbU %ngtwmk6%ie^ sAt den 
^ 4^othigen, UißU 9u arkenwndjiu M^ißoatiaoen akh mA ewer iaDg|ali- 
lagen Ei^ihrung «»iff afal fiir jjdjscba ICMer, id» cMieliehe JmigMngB 
«Dw^ildbar bewifwm bat. Hienwah «rs^lMAit 4er vaki den Rq£ iii Jaaer 
l^ über di« Vfv<9$t« Basdmmnng des gedaeblAn Bndief ^nnd für 
christiiche Schuler^^ gebrauchte Ausdruck ais zu bart« 



\ 
I 



Tbierscli : QnMMiftt. Lehrbndi der hebr. Sprache« 53 

cipinttw rehfonfir er sieb me&r in die Anrichteir tchi Bw)aM an. 
Vm dem Sehuler die Schwlertg;kek der Aneignung der Conju- 
(i^alfeti auf eriekktem, sachte er den Anfinger in den ganten iJm- 
ftfng der YerbaM^xioA und In all flire Verwickelimgen wahrhaft 
snccessiv einzuführen. Ein Lesebuch, das der Verf. der CFrtm- 
itiaitt, wenn diese Btagang findet, naehfblgen lassen will, soll 
hebr. Stneke ans dem alten Testamcnle mit grammatfsehen Adno-^ 
talimien und Beispiele snm Uebersetsen ans dem Deatschen InV 
Hebräisehe enthalCen. 

Was den Plan des Verf. Im AMgemeineii betrijR , se ist dto 
Aidfirapfung an die latein« «md grieeh. Grammatik nnd die Ver« 
blndung der ratfonalett nnd empirischen Bf ethode , die Sprach-^ 
erscheinnn^en anf zufassen, sehr zu Miligen. In ersferer Bezie- 
hfmg erlaubt skh Ref. auf die von der Im Tor. Jahre zu Bonn ge- 
hakenen FMIeliygeyeoHferenz über FaraBelgr arowal iteir anfgestefl- 
Um Grundirillze, die an einen zu Gotha geraachten VorscMüig nnd 
den zu Bonn i^er das System ton FaraUelgrammaltten geh^Keneil 
Vortrag des I>r. Bartelttann sieh anschlössen nnd in den Veriiand^ 
hmgen der Conferenz durch de« l>ruek werden bekannt gemacht 
werden, roriänffg zu verweisen. Werden sieh auch der Anknö- 
pfung9pitnkte zwischen der Mein. , griech. nnd hebr. Grammatik 
hn Ganzen nur wettfge' finden , so Ist doch nicht zu leugnen, dasn 
schon die Beibehahnng oder DNircbf&hmng desselben grammatt- 
sehen Schematismus in den in den Gjmnnsien gelehrten Sprachen 
sehr ml dazn beitrügt , dem Schiller die Arbeit '^zu erleichtem 
und ihm eine EinsicM In das Wesen und die Eigenthiimllchkeit 
der cfnzelnen Sprachen zu verschafften. 

In Hinsicht der Verbindung der rationalen und empirlsched 
iMethode der Auflassung der Spracherscheinuifgen findet es Ref. 
sehr zweckmassig, dass ier Verf. genau zwischen den Anforde« 
rungen, die man an ein SchuAuch, nnd denen ^ die man an ein 
wissenschaftliches Werk raadit, unterschieden, nnd nur da^ all- 
gemein Feststehende und für den Gebranch des Schülers Nolh- 
wendige aufgenommen hat. Die Rucksicht auf Anfanger und 
#chon weher Geförderte In einem nnd demselben Buche scliadet 
In der Reget der Peutlidikeit und praktischen Brauchbarkeit. Oi 
der Verf. auch in der Sjntan sieh nicht besser an das mehr Tra- 
ditionelle angeschlossen Mtte, will Ref. nicht weiter beriihren ; 
hier veranlasste ihn wohl die Bftcksieht auf die BarsteUnng der 
Syntax in den neneren latein. nnd griech. Onnnmatiken den bisher 
eingeschlagenen Weg zu' verlassen. 

Der Verf. folgt der allgemeinen Eintheilung in Elementar- 
lehre, Forroationslehre und Setzlehre und handelt nach einer 
historischen Einleitung im 1. CspHcl S. 1— 37. von den Conso- 
nanten, Vocalen und ihren Zeichen, von den Chssen und Eigen- 
schaften der Consonanten , vom Tone, seiner Bezeichnung und 
seinem Verbühnlas zur ^antitat und von den VoealveraDderungaik 



54 Hebräische Litofatur. 

Das 2. Capitei handelt von den Prifixen , den Pronotninibus und 
Suffixen S. 37 — 50. , das 3. Gapiiel vom Nomen S, 51 — 105., 
das 4. Capitei S. 106 — 187. vom Verbnm, das 5. Cap. vom ein- 
. fachen Satze S. 188 — 219. und das 6. Cap. vom zusammenge- 
setzten Satze S. 220 — 228. 

Abweichend von den gewohnlicheh Grammatiken behanddt 
der Verf. schon im zweiten Capitei die Praefixa S , ^ , a , da$ vav 
f^opulativum , die Präposition fr> , die Verbindung der Pronomina 
mit den Präpositionen und die particuia interrogativn. Beim Arti- 
kel ,giebt er zugleich die Regeln über die Setzung desselben an, 
die doch eigentlich in die Syntax gehören. Die durch die soge- 
nannte Declination bei den nominibus hervorgebrachten Verän- 
derungen sind nicht so leicht zu übersehen wie bei Gcvenius; die 
Paradigmen der nomina sind nicht übersichtlich genug und die 
Auseinandersetzungen über dieselben zu ausführlich, und deshalb 
nicht so leicht zu lernen. Die Vorbemerkungen zum Verbum 
sind überflüssig; auffallend ist die Bemerkung des Verf., dass 
wohl die Paradigmen, nicht aber die Regeln zum Auswendiglernen 
bestimmt seien; diese sollen lediglich als erläuternde Anmerkun- 
gen zum Paradigma betrachtet werden und dem Gedächtniss zu 
Hülfe kommen. S. 107. ist von den Hauptformen der 7 Conju- 
gationen die Rede, ohne dass man weiss, welche Bewandtniss es 
mit diesen' und deren Bezeichnung hat, was erst später nachge- 
holt wird. § 74. vom Gebrauch des Präteritums , § 75. vom Ge- 
brauch des Futurums , § 76. die syntactischcn Bemerkungen^ 
§ 77. vom Gebrauch des Participiums gehören in die Syntax. In 
§ 78. ist vom Verbum mediae e die Rede, ohne dass vorher das 
verbum mediae a erwähnt ist. Zweckmässig findet Ref. die Zu- 
sammenstellung der Anomalien des Verbums § 87, 8. und § 92, 8. 
Die Paradigmen der Verba sind , mit Ausnahme des regelmässi- 
gen , die von Geseniiis gebrauchten. Wozu die S. 36. angeführ- 
ten versus memoriales über die Gesetze der Vocalveränderuugen 
dienen sollen, sieht Ref. nicht ein. Sie sollen doch nicht aus- 
weudfg gelernt werden? 

Im 4. und. 5. Capitei, der Satzlehre, deren Disposition der 
Verf. nach eigenen Gedanken versuchte, handelt der Verf. 1) vom 
Verhältniss des Nomons zum Nomen und zwar a) von der Coordi- 
nation (Epitheton und Apposition), b) von der Subordination 
(status constructus der Substantive, Adjective und Participien) ; 
z) vom Verhältniss des Verbums zum Nomen (des Prädicats zum 
Objecto und Adverb), und zwar von der Verbindung des Ver- 
bums mit Suffixen, von der Construction der verba mit doppeltem 
Accusativ, von der reflexiven Construction, von der Construction 
der Pussive, vom Accusativus localis, temporaiis, adverbialis, 
Instrumentalis, vom Infinitivus absolutus als adverbialer Bestim- 
mung, von der Erhebung des Adverbialbegnifs zu einem selbst* 
Ständigen Verbum; 3) vom Verhältniss des Subjectes zum Prädi- 



ThierscK : Grammat. Lehrbach der hebn Spraclie. 55. 

eat tmil z^var von der coptik, von der Deiermiattioii des Snl^t« 
und Prüdicats durch den Artikel, Ton dem im Verbnm enthaltemeu 
Stibjecte, Ton den Störungenr in der Uebereinaltmmiing des Snb- 
jecls und Prädicata, von der reg:elmi88igen Wortslellüng im ein- 
fachen Satze, von den gewöhnlichsten Modificationen derselben^ 
von üeU voranstehenden casibus absolutis. Das 6« Capitei handelt 
»von dem zusammengesetzten Satze und zwar a) von der Unterord« 
ntmg der Sätze — das Reiativom ^"dn mit seiner Ergänzung zu 
einem pronomen , mit davorstehenden Präpositionen , Temporal"- 
Sätze mit Relativum und Oonjunctionen, im InGnitiv mit Präpo- 
sitionen , die 2 Arten der hypothetischen Sätze , Absichtssätze, 
Sätze des Grundes — und b) von der Gleichsteilung der Sätze — 
Aiireihung des Nachsatzes durch Vav, Gleichstellung der Zeit - , 
Bedingungs-, Folge- und Absichtssätze , der Relativsätze, Aus- 
lassung des Relativums. — Ben schwungreichen Schluss könnte' 
man ohne Nachtheil entbehren. Eine angenehme Zugabe ist die 
Zjnsammenstellnng des arabischen und syrischen Alphabets mit 
dem hebräischen. Den Schluss macht ein index und addenda 
und Gorrigenda. 

Man vermisst einen besonderen § über die Adverbien, ob- 
gleich der Verf. meint, in der Formenlehre sei kein besonderer 
Abschnitt über Bildung der Adverbia nöthig,- er holt dies in der 
Syntax theilweise beim Accusativ nach.. Ebenso vermisst man 
etwas über die Art und Welse, wie der Hebräer den Comparat|v 
ausdrückt; vom Superlativ -ist beiläufig in der Syntax an einer 
Stelle die Rede. Der Stoif ist, vorzüglich in der Elementar! ehre, 
auf einen zweifachen Cursns berechnet und durch den Druck 
zweckmässig unterschieden. Unter dem Grossgedruckten sind 
die mit einer Hand bemerklich gemachten Absätze das Unent- 
behrlichste — diese sollen erst tiberblickt w^erden , ehe mau an 
das specielle Studinm des Capitels geht. Das für den zweiten 
Cursus Bestimmte ist mit Asterisken bezeichnet. Nach dem vom 
Ref. absichtlich ausführlicher dargelegten Inhalte muss man , was 
den grössten Theil der Formenlehre betrifft, dem Verf. beistim- 
men, der seine Grammatik eine praktische nennt; ob dem 2. 
Theil (Capitei 5. und^6.) das Prädicat zu geben sei, darüber wer- 
den die Ansichten verschieden sein. Von andern Grammatiken 
unterscheidet sich diese- vornehmlich durch kürzere Behandlung 
der Elementarlehre und durch Ausscheidung des weniger Wesent- 
lichen und Wichtigen , weshalb sie auch z/ B. um ungefähr 80 
Seiten weniger enthält als die Grammatik von Gesenius, de, 
sowie sie in einzelnen Punkten von der Grammatik des Verf. ubtr« 
troffen wird , in anderen vor ihr den Vorzug verdient« 

Was das Aeussere betrifft, so zeichnet sich das Buch durch 
grossen und deutlichen Druck und durch sdiönes Papier aus. 
Druckfehler bat Ref. beim Durchsehea nur wenige bemerkt, so 
miiss es s. B. ini Index beim Artikel nicht p. 29. sondern p. 3ä 



S$ Hebräisciltt Literatur. 

Mmeu. 9cf Pffcb TM 21 «6r. M fir dD Bflck TM 288 

■idil so hoch« 

9. Der \eHuntt^ welcher bei Mkem Unterrklite im He-' 
bHlkdieo jede« J«lir wahrnalmi , dos« die jvngM Leute auf Gym- 
nasien, wenn naa die Formenlitee anck oodi so fleiaaig.uad 
g^rgfiiili; fiill ituien eingeübt , sobeld im» ihnen die Bibel , oder 
fttieh ei« mit imr wentgea Note» and a^riiefaen AnaijaeD Terae^ 
henea Leaebnch in die Hand glebt, sich liöchsi veriegen fiiMeRy 
j« selbst beim Aufachlage» im Wörterbnche, welchea ihnen an-' 
fangs nicht unbedeufteade Schwierigkeiten darbietet, sich adir 
ufibehniflich ansteUen und gar an viel Zeit daanit vertragen (wes- 
halb sich bei ihnen oft die Last a« diesem SprsMshsladifim in Knr^ 
sem gan» verliert), entsehioss sich, die eben angegebenen weni- 
gen Capitei and rsalmen, mit einem nach Versen ferllanfenden 
Wortregister verseben, herauszageben, um die Schiller in den 
Stand zü setzen, ohne gar zu grosse Mühe vnd Zeitaufwand einen. 
Yers in^s Dentsehe za vertiren. Dem fleissigen SchiÜer, meint 
der V^rf. , werde die Hinweismig auf die Paragraphen der Gram- 
matiken, wenn die eine oder die andere in den bayerschen Gym- 
nasien eingeführt ist, gewiss willkommen sein, und er sei fest 
tkberzengt , dass , wenn der Schüler neben dem Uebersetaeii die 
cvtirten Paragriphen genau ein^tudirt habe, wobei freilich der 
Lehrer noch Vieles ergänzen könne und solle, sein« £ifer für 
d»ese Sprache lebhaft werde angeregt und gesteigert werden. 

^. 9 — 36. enthält de» auf dem Titel näher angegebenen 
Text in zwar ziemlich gefälligen , nur nicht scharf und schwarz 
genug ausgeprägten Lettern , soweit lief, verglichen hat , correct 
gedruckt. Was die Wahl des Stoffes betrifft, so scheint es nicht 
zweckmässig, mit dem 1. €ap. der Genesis anzufangen^ weil dies 
für den Anfänger gleieh zu viele Schwierigkeiten darbietet und 
zu viel granniiatiscbe Kenntnisse voravss^zt; Ref. hätte ge- 
wünscht, dass, wewi auch nicht, wie Einige gethan haben ^ mit 
leichten einfsfchen Sätzen, doch mit einem leichteren Stück der 
Anfang gemacht worden wäre. In Bezug auf die Psaknen würde 
Bef. eine passende Auswahl, wie Gesenius in seinem Lesebuche 
und Andere sie darbieten, verziehea. S. 38 — 74. entltaltett die 
davis. Welch« Vorkenntnisse der Verf. bei den Schülern vor- 
atwsetzt, i^t nicht «echt einzusehen. Eb wird Alles, anch das 
Einfachste erkiärt, Artikel, Pronomen ^ regeimassigea Verbnm 
n. s. w. Daneben finden sich dann aber auch Fragen: m*iz, noM, 
n\7 was für ein Verbum? SoUte man von einem Schüler, der 
sn «benetzen anfängt, m'cht die Kenntniss des Artikels, des Pro- 
nomens und des regelmüssigen Verbvass veriangen? Auch setzt 
der Verf. an andern Stellen gewisse grammatisdie Kenntnisse 
voraus; so bemerkt er S. bO. zu Cap. 5.: „Dies Capitel enthält 
beinahe nur Zahl werter imd Eigemfamc», und ist ganz geeignet, 
fcich Sit ersteren sowohl hlnsictitficli der F«)ra, äk auch der 



CenftraeitoD: verlrt»! im iwiclieii ) dafater «ctse kh 4te ^iactf htm 
Zahlwörter nicht aus, weil sie der Schiller, ehe ev aieh 911 4ie8e« 
Capkel macbl , i» aeiii^ Grumntatik anilMidig lemcii. uiwi das 
Synlaktieehe dasu atiüdfa«» s«lL^^ 

Davon äbg^eseheit enthSIt dfe clavis dfe Angralre affer Formett 
und die Bedeutung afler Worter, . die der Scfcnler tu wissen hat, 
in fortlaufendem Druck* Bei jedem Nomen hl ausser der Form- 
end dem Geschlecht auch die Stammform . Ton der dasselbe ab- 
geleitet wird , auch wenn sie ungebrilnchHcKr ist , angegd^cn ; ist 
ife Stammform unsicher, so ist dies durch ein Fragezeichen hinr 
ler der angegebenen Bedeutung ausgedrückt. Die . verba siniff 
bald in der Grundform ^^ .baid in der Form, die gerade in denr 
Verse Torkommt , angegeben. Da die. efmmrl torgekommeneir 
Formen nicht wiederholt werdetr, so nimnrt das Verzeichniss der- 
selben mit jeder Uebnng ab. Soriel Ref. gesehen, ist in deiK' 
Regel die erste Bedeutung angegeben, nur I, 4. kann er mit der 
Erklärung ton *^^^ durch weil nicht überefmüinnnen Wozu die in 
der claTis zuweilen Torkommendcn Fragen: was für ein Terbom? 
wefclie Form^ was für eine Form 1 wasi etc. dienen sollen ^ istf 
nicht einzusehen, da sie weder bei allen selteneren Formen, nocii 
bei besonderen Veranlassungen gesetzt werden. S. 38. V. 5. subr 
Toce iIhV und V. 7* verweist der Verf. anf Anhang B, der sich 
in des Ref. Exemplar nicht findet. Die Verweisung auf die 
Grammatik lautet immer ganz affgemein cf. gr. Regel , ohne An- 
gabe des §, und Terliert deshalb ihren Zweck. Von . den Fsal-^ 
men an wird 5fter atrf eine Abhanrdlung von Redslob im 24. Bande 
der Jahrbücher von Seebode, Jahn und Klotz verwiesen; die 
Clavis ist jedoch f^r die Schüler' bestimmt. Wenn R.^s Ansicht 
über die Bedeutung irgend einer Stelle angegeben wird, so ist da» 
ganz etwas Anderes , als wenn der Schüler auf eine Schrift , dio 
ihm nicht zuganglich ist, verwiesen wird, ohne dass der Inhalt 
der fraglichen Stelle angegehen ist. Wann wird man überhaupt 
aufhören , in Schulbüchern d^ Schüler auf Schriften zn verwei-> 
gen , die iinn ni|;ht zu Gebote stehen 1 S. 99. zu V. 20. erklart 
der Verf. tiali^«; für Fut. Fiel. S. 42. mcfat der Verf., die Grund^ 
form des Pronomens mn sei rtnn. 

Soll Ref. seine BieinuBf »ber die Amvendbarkeit einer clavbi 
Mgen, so glaubt er, dass sieh dne sokhe aiif die 3— 4 ersten 
Stüeke, die der Sehüler ubervetat, ersireeken darf, nachher 
muss gljßich das WörterversekhAiss benntat werden , um Uebung 
inai Anfsohlagen zu bewiriren. In dieser Art hat es, wenn RefL 
nicht irrt, Klaiber in sekiens Lesehuehe geencht; Ein Schüler, 
der Fsalme» übersetze» soU , nuss scbopi das Werterbach gan« 
ordentlioh gebrattefaen köaaea; sollten sehi sehwietige Formeni 
i» dem Stüdke , das au HeHse praperiri werden »«»s, voikommen« 
eo küBA die der LeiwM l^iM^ d» ibr^ Zehl Uqja ist, veibei^ 



58 Hebräische Literatur. 

angeben; bei einem LesAaehe können sie in Itliraen Anmerkun- 
gen erkISrt werdeta* 

An die Clavis schliesat sieb ein grammatisches Register an, 
über dessen Zweck und Gebrauch der Verf. sich nicht ausspricht. 
Dasselbe ist so eingerichtet, dass in der ersten Columnc das 
Wort, auf das die grammatische Regel eine Anwendung erleidet, 
steht , in der 2. der betrelTende § der Grammatik von Gesenins, 
in der 3. der von Mali, in der 4* von Glaeser, in der 5. von 
d'Allcmand^ in dem ersten Verse wird z* B. bei dem Worte 
n*tt&M-2;a auf folgende Regeln verwiesen : 1) lieber den Ausgang 
der feminina bei substantivis ; 2) über Nom. denominat. ; 3) vom 
Plunder Fem.; 4) vom Status constr. derselben ; 5) von der An- 
Setzung des Sufflxums; 6) dass nicht n^M^ geschrieben; 7) über 
Gebrauch und Bedeutung der PrSposition 2; 8) über ihre An- 
setzungi, sowie über Ansetzung der Praefixa überhaupt; 9) wegen 
Dagesch lene in a; 10) vom Schwa. Aom. Hier soll si6h der 
Schiller mit den vorzüglichsten untrennbaren Präpositionen be- 
kannt machen^ welche sofort nicht mehr angegeben werden.- Auf 
dieselbe Art werden nun die folgenden Wörter des Textes behan- 
delt. Bei der Präposition Stf helsst es, damit der Schüler die 
trennbaren Präpositionen , weiche auch suffixa annehmen 9 kenne, 
will ich sie hersetzen, und nun folgen 7. Wozu ist bei einem 
solchen Verfahren ^ie Grammatik und die Verweisung auf die- 
selbe ? Da die Formen , welche schon einmal da gewesen sind, 
nicht wiederkehren, so nehmen die Hinweisungen auf die Gram- 
matik in den folgenden Stücken sehr ab. Zu Hw;n verweist der 
Verf. auf den § über die nomina segolata und macht die Anmer- 
kung: „Well der Schiller aus der clavis jedes Substantivum so- 
gleich als solches erkennt, so schlage er jedesmal das einschlä- 
gige Musterwort bei den Declinatlonen nach; ich unterlasse so- 
fort die Hinweisung auf dieselben der Raumersparniss wegen.^^ 
Diese Verweisungen für die Stücke aus der Genesis nehmen 14 
Doppelseiten ein. Bei den Psalmen giebt der Verf. blos den 
Psalm und den Vers, nicht das betrelFende Wort an , so dass der 
Schüler ans der Regel das Wort, auf welches siie sich bezieht, 
rathen muss. In den 16 Psalmen kommen im Ganzen 55 Verwei- 
sungen vor. Soll der Schuler alle diese Regeln nachsclilagen 
oder gar auf einmal auswendig lernen, oderisollen sie nur zur 
Repetition dienen? Abgesehen von der Unzweolanässigkeit, alle 
bei einem Worte vorkommenden Veränderungen auf einmal durch- 
zunehmen, wird eine solche Arbeit dem Schüler durchaus alle 
Last und Liebe zur Arbeit nehmen. Wozu ist auch disr Lehrer, 
wenn der Schuler über Alles selbst sich belehren kann? Für 
den Lehrer wird die Vergleichong der 4 Grammatiken nicht ohne 
Interesse sein. An dieses grammatische Register schliessen sich 
nim 5 Tabellen der Gattungen vollkommener und unvollkommener 
Zeitwörter an^ die erste enthält das regelmässige Zeitwort, die 



mmt^^^mmm^m^^mmmmm^^mmmmmmmmmmammmmm^m 



Brückner: Hulf^bacb a. Binttbung d. hebr,' Grammatik. 59 

zweUe die Zeitwerter Md mid m^iae und tertiae glitte dkdtiUe 
die Zeitwörter p und ^a , die vierte iif und vi^^ die fuiiCie nS und 
hV Westralb der Verf. diese Tabellen in dnem Leaebudie mii- 
theiit, ist nieht einsuaelien ; für die Beaitser der Grimniaiik Ton. 
Geseniua sind sie durchaus überflüssig; ob die drei anderto 
Grammatiken, die der Yerf« berücksichtigt, eine solche Zitsaai« 
mensteliung wünschenswerth machen, vermag Ref., dem deren 
Einsieht für den Augenblick nicht möglich ist, nicht anaiigeben» 
Pas Aeussere des Buches tet anständig, und der Preis mit Rück- 
sicht, auf die vielen Tabellen nicht su hoch. 

4. lieber die Nütilichkeit ^ Ja Nothwendigkeit massig und,, 
zweclcmä^sig angeordneter Uebungen im UebersetHen aus dem 
Deutschen in's Hebräische ist wohl nur eine Stimme; ohne sie ist 
Sicherheit in der Grammatik und eine gründiiche Kenntniss der 
hebräischen Sprache nicht leicht 2u erlangen. Daher die im Ver- 
hältniss zu der Zahl der Hebräisch lernenden Schüler im Allge- 
meinen in den letzten 20 Jahren zahlreich eracliieaenen Uebungs- 
bücher zum Uebersetzen aus dem Deutschen in's Hebräische^ 
Zu den in den letzten 3 Jahren erschienenen von Schröder 
(2.. Aufl.), Uhlemann und Rehfuss ist in diesem Jahre das unter 
Nr. 4. bezeichnete hinzugekommen. Hr. Br. wollte nach den» 
Vorwort nicht eine Anleitung zum Uebersetzen aus dem Deut- 
scheu in's Hebräische geben , sondern vielmehr nur Material dar- 
bieten , um die tiebr. Grammatik einzuüben und um den Lehrvor- 
trag mit praktischen Uebuugen zu begleiten. 

Zur Erreichung der erforderlichen Sicherheit und Gründ- 
lichkeit in der Grammatik sind besonders 3 Uebungen erforder-r 
lieh y das schriftliche Wiederholen der genau auswendig gelerntem 
Paradigmata und anderer Wörter, das Punktiren und Analysiren 
Ton Formen , endlich das freie Bilden derselben in besonderen 
Sätzen. Zu dieser dreifachen Uebung bietet der Verf. ein reich-^ 
liches Material. Die meisten Uebnngsbüqher bieten, zwar füi; 
diese dreifache Uebung auch Material,' doch ist die Beschaffen- 
heit desselben. in der Regel so, dass im ersten Jahre nur wenig 
schriftlich^ Uebungen angestellt werden können. Hr. Br, jhal 
sein Buch so eingerichtet, dass die Uebungen Schritt für Schritt 
.sich an die auswendig gelernten §§ der Grammatik anschliessen« 
Dasselbe, zerfällt in 2 Theile, deren erster S. 3 — 99. Uebungen 
in der Formeulehre, der zweite S. 99-^187. Zusammenhang 
gende Uebungsstücke mit besonderer Berücksichtigung der Sjn- 
tax und des Sprachgebrauchs enthält. Das 1. Capitel des 1. Thell« 
S. 3— 9. enthält Beispiele zur Einübung der Pronomina , das 2. 
Cap, S« 9 — 71. Beispiele zur Einübung der Verba, das 3. S. 71 
— 93. zur Einübung der Nomina, das 4. S. 93—99. zur Ein- 
übung der Partikeln. Bei jeder Uebung ist auf den entsprechen-» 
den §, der Grammatik von Gesenius (12. Aufl.) verwiesen. Die 
1. Uebung enthält nur Nomina mit beigefugter Bedeutung , um 



6B S«ibrIUelie Literatur. 

dl« fBnAUitme VianMäm Aei Artttd» m flben. Bfese WSrter 
ktoaen sogleich ato Lesefibnng dUenea und tollen antwendij^ ge^ 
lenfk werden^ Die 2. Uelioiig aor BinuboDg der PHUsen i , 3, 
a;^ S, fE» aiMiiid dkm Artikel ealliiU gleich yellslaiidige SState, 
Mem diiei hehr. Aasdfucice, wie dk «öMgen Verbatforme» «nCer 
dcai Twtm keiaerkt aiad. Die 3. und 4. Uebimg ealhaHen die 
ft i Mie i uiB a» 5 — 10« eathalteii die Orandforio des rtegelmasaifcn 
VerM md die abgeleitelefl CmijmgMotum S. 9—22. Die 10. 
Avfgab« enthift snr üehting hn Aofsucfaen der Verbaffbrnen nnr 
hebr. Formen, die pnnetlrt und deren Slamni\vörter gesucht, da- 
debeft gceehrfebe» mid aostveaKli^ gelernt werden sollen. Nr. 11. 
mitkalt das regclmisslgei Verbam mit ^«üien, Nr. 12. wieder 
iks bebr. Formen. Liest man In enken halben Jahre die SehS- 
ter das regelmassige Ve ib w m «Mwendlg lernen, so bietet das 
praiftisehe Hfilfsbnch sehen glefek far den Anfanger ein recht 
reichliches Material (S. 3 — 27.) aar Uebnng im Schreiben und 
Pnneliren nnd anr Sinobting der Formen. S* 27 — 97. umftisst 
dUe Verba mit Gutturalen, S. 37—45. die verba contracta, S. 45. 
-^71. die verba quiescentia, S. 71 — 84. das nomen iftasc»!., 
S. 84 — 89. das femin., S^ 89. die unregelmassigen nomiaa, S. 90. 
die Zahlwörter, 8. 93—99. die Partikeln. 

Mit Ausnahme der nnregelmissigen Nomina, der Zahlwörter 
imd Partikeln haben alle Abschnitte besondere Uebangen snnr 
Pimctiren hebr. Formen; Die Sitae, welche tibersetat werde» 
sollen, sind grösstenthel^s ans dem Alten Testamente genommen, 
aber, um das Nachsehlsgien su ei^chwercn nnd den Gebraudi 
nnerkubter Hilfsmittel su verhindern , ans dem Znsammenhange 
Ibissen, nmgeblldet nnd verändert, wie es das jedesmalige Be-> 
dürfttiss erforderte. Dies ist gewiss weit sweckmässiger, als 
irean der Verf. eigene Sätse gebildet liStte. Nur ist die Umbil- 
dung zuweilen so unbedeutend , dass der Zweck verfehii; wird, 
% B. S. 25. Z. 5— 11* Vielleicht wäre es auch besser gewesen, 
wenigstens die ersten Beispiele so zn w&hlen, d^ss sie, was den 
ItofT und die Wörter betrifft, sich mehr an Aie erste Lectnre 
kein SItücke angeschlossen hätten, so dass die öebnngen gleich- 
sam ekie Wiedeiiiolung des Gelesenen bildeten und daau beitru- 
gen, die answendig gelernten Wörter dem Gedächtnisse fester 
einzfiprSigen. Die Stäche enthalten eine solche Menge dem Schü- 
ler imbt^annter und fm ersten Jahre bei der Leetttre selten f or« 
kommender Wörter, dass das Answendiglemen deirseiben, was, 
wenn der Schiller kein Wörterbnch in der Hand bat , dnrchan^ 
nothwendig ist , Terhältnissmässig fihr den Anfang zu viele Zeit in 
Anspruch nin»mt, jii fast unmöglidi wird. So enthalt z. B. £e 
2. üebnng iiber die Praefixa, die 2^ Seite (die Wörter stehen 
uSFter dem Text, also eigentlich nur 1^ Seile Text) Beispiele 
jBtithalt, 99 auswendig zu lerhende Wörter. Soil^i ausserdem 
ftocb die Werter au» dem hebr. Leaebncbe gelernt werden, wie 
viel Zelt wird dann der Schiller blos auf das Auswendiglernen von 



Brückner : HfilMiich s. Kiofibolig d. ^br. Orammaük. fil 

Wifltni wtrmfnhm mSssenl KaAem fal «iMiialerialMmkli*- 
hüüg f dflgs 4ie Beispiele nidht alle in dnem Cutmm pfcuvteiM 
werden können; dadurch entstelrt alNHr der I)«bfktflAd, das« dar 
giBltiUer poiweder 4ie in d«n iiNet^eaehkigCBgp Beiipielcii vor- 
Jkoinmeindeii Wörler ioch. aii$w#Biiig k»wfi% oder daas er ia 
einem deutsch -hebr. Wörterbuche seine Zuluchlaehmea nMW»>. 
Diesem DebelaUsde würde nanTheil akgeholfe»^ wtMi der 
SioS BicA nelir aa «die helbr« I^eetirc aascUöaae« 

Die 2. Abtbeiiang eotkält .aar fiinillbnag der qratefciisctei 
Kc^ela ausammeidi&ngende SUncke ava ikn seiileaiajaMiitfifllMn 
«ad apokrjfphiacheQ Bucheta; dieae dnd iaak JNolea fartelie», 
wekhe ausser den entsprechenden hebr. Wörtern Aarailalstetkui 
aus dem A, T, and die nöthigen Verweisungen auf di^ CUaapmatik 
enthalten; und awar, wie der Verf. sagt, dies alles reichlich^ 
theils naoh dem Orundsatae ähntidier Bücher: repetitio eat matee 
stndiorum^ theils diunit jeder Abschnitt für aich unabhlngig jsfj, 
und man nldit erst den rorhergehenden durchgenommen haben 
müsse, um zu dem folgenden übergehen zu können. MiitSi-Iich 
werden in den späteren Stückt die Noten sparsamer, aber eine 
Auswahl des Materials daraiibleten war auch hier Aas leitende 
Princip. Der erste AbschniU (S. 99 — 148.) enthält 18 nentest»- 
mentlfche Stücke (z. B. die Bergpredigt, das Gebet des fferm, 
Maria Lobgesang) ans Matth., Lncaa, Johannea, Apoatelge« 
schichte, dem .Briefe an die Boanet, den Briefen aa dioiGaiJalkaff 
4em Brie£e dca Jacobua und «Hs.der 4>ffenli4i|lnf$ deren erate 
aich durch ihren lahak und die Daratdlttnfiweiae gvoa vAcaüglieh 
»lim Ueheraetzen in'a IlebriUacbe dgnea; Der 2« Abschnitt 
<S. 148—177.) entlnüt 15 anagewttite Stellen aua dorn Buche 
Jeaua&iraehv hei denen auf die etaen afanlkiien CktgensliBd be- 
handelnden Stellen aas den cananischengcbriftea d^ A. T. ver« 
wiesen wird. Der 3, Abschnittes. 177—189.) enthält unpAW- 
ctirte Stucke aus den Rabbinen (1), dem V. Testamente (5)| 
Jesus Sirach (2) ^ ÜVeish^t Salomonls (1) , den Büchern Samuclia 
(1) und 3 E'abeln Locmanns. Als Anbang hat der Verf. die 
zweite Pforte aus dem Sopher Tachkemoni des Juda Alchariai 
& 189—196. hlnangef^^ jn der Haffiiuag^ daaa dae&eU^ viel- 
leicht fiir Manchen (Lebner weU — docdi waa «allen die &htt]idr 
damit f) eine «a faenÜiQhe gng>>e aein wento. 

Der ± Thef 1 eignet «iah fikr den Gebcaach In I«, doeh. äst der 
£ioff aoaeacfalich, daaa er recht gut für einen d^^dtan Ckoaua 
•anereicht. Die niUer dem Texte «tehendea Aantei^kaligen ziehen 
«idit blaa die nothfgeo Wörter ^ aondem. enthaltea attck zwealcr 
aniasige Anweisungen aber die hekr*i/onBtnicliaaaweise imi Vieeh 
welsongea auf entapMcbeade Stellen iiipA. T. «ad auf dinhetnefi^ 
fanden §§ der tGramnaatik* 

im *Ailgein^iii^ findet in deh Stucken ein Jartachiüt naa 
lieidiKleinzmBvSlGlnaaveMajtait : i. .;;; . .ü 



Grieclii«c)ie AltertlmniBkiinde. 



«Mh »k «WgKfli aü Udoidit a«f das BediHiib« dtor 



Ak ciM kioBe iMMMfMu irt Eef. «Bf^aUn^ dtti fie 
«114 « M ceuiMimi gqi Vcita baM nut, baU «ine 
VMale |;ts0cM fiWI. 

Anf dea Im dMMi iwbr. Scinttnohe aa MtbwisiiigCM car- 
Initier VorC «adi aeiaer Vcnaeheniii^ graaae SarfS- 
Bm AcM waue des Bndies ciffiekit skshdiir^ 
aduifn ftradt^ ßvaase^ gefällig RadiaUben «md 
FMfkBt. »er ftrcis ist fiir des üoifiniB des Bticbes 




Base IL W^« jViiww0P0f^« 



l>ie Gymnaslii und uigonistii der Hellenen aus 

d«i SclirifL- nnd Bildweiken des Altertbums wi^scftischaftlicli dar- 
gestellt und durch Abbildungen Yeranscltaulicht Ton Dr. Johann Ilaivl- 
rksh Krmuae. Leipzig, bei Bartiu 1841. I. Baod. L und 636 S. 
II. Ba[nd. XII und 637—994 S. gr. 8. (Auch unter dem Titel : 
MäAHJVIKA oder Insütute, Sitten nud Bräuche des alten Hellas 
mit besonderer Rucksicht auf Kunstarchaologie. I. ThL 1. o. 2. Bd«) 

Olgmpim^ «der Dmrstelimng der groesem Oigmpi- 
meiern Spiele mmd der damit m-erhmndenmn Femt^ 
ii€ilkmiteM^ svwie samnftfieher klonenn Olympien in rerscbie- 
deaeii Staaten-, nebet einem aaafSfariiohen VerzindmisBe der Olympt- 
MShsa &tigBr in alfihabetisdigr Opdonng nnd eimgen Fragmenten des 
ndegsn ms TraUes maul zmp 'Olmfjocimv* Ven Joft, Bemr, Rrmme* 
IViea^ b« Back. i^H. UdV üd 498 & fr. & 

Die Pythien^ JVemees undlstbtnien ans den Schrift- 
und Bildwerken des AlCerthums dargestellt Ton 0r. HoJu Beiifr» 
Kreuisc* Leipzig , bei Barth. 1841. XXX und 241 S« gr. 8. (Auch 
unter dem Titel EÄAHNIKJ etc. II. Tbl. 2, Bd.) 

aene Aaaeig« der rantdundea 6clirifteB nit 
c aiil aca^ dns «r den flni deshalb tsd der ver- 
«bri. Bcdactia« der JUbrtb. g^mmidkmu Aofiteag^ wUtd unbedo^- 
«eb «ad «bae WideoKtrebea «cb «nteongn bat DsDimUi^ 
4m CScbiet der altea Gyamaatlk aad A^o^sdk fnr ifaa aieniala 
a p c aicil cr Faracbaaip ^«weaea kt, ao «lasste er^ so* 
deai^ «aa ibai iUier die Uiaiaaglicbkeit nad Groodlide 
Kraaae'acfaea üatcraacbnagea bis dabm bekaaot woidea 
a^r beaweMlfllB^ oad bezmifek aodi^ aber dacaea Ge- 
ak Beceaaeat etwas laehr als Ob e tfl achikbes sagm sa 
Weoa er daber glddnralil diese Aibek aberaahai, aa 
bf it rnai er bkr, daas iba dam Joebi aadevas Mathr ak das dea 





knuifle: ^ Gj/wutik «ad S^de der CSoadiea. . 63 



bew«^. Bei Jen iMhenJinMe, weiches i« 
Zeit die literarisdie Prodnctiea^ auch im Fadie der IltnrtiiMt 
wigseDSciMift , erreicht hat, lle^ et wohl ia der Mat«r der 8aehe, 
dasa mao nicht alle ErMheimuigeB mit gldciiem Eifer whI i«ter- 
esse erfasaen und ia sich auCaeluaea Itaim, naBeatüch aher wflbih 
mioöae aad noch dasu entlegenere und i^edelle Gebiete der 
Wisaenadiaf t abhandelnde Weil», wenn aie nicht ^rade ia der 
Ricfatuag liegen, in der man seibat begriffen lal, oder in der 
eigenen Neigung und Liebhaberei elwaa Kattpreciiendea fiadea, 
i>ei Seite achiebt und für giiaatigere Zeitea anfirpait, oder ama 
Gdbranch für Torl^ommeade Falle sarecht I^gt Rec liatte diaa 
auch mit obigen Schriften gethan, obwohl aidht ohae aafticliCigea 
Bedauern^, und mit dem festen Voraatse, das Veraanmte haldigat 
nachsuholen , indem er wohl erkannte, wie wichtig eine genauere 
Kenntuisa daer Kunst, welche den Griechen förmlich sum Le- 
benselement geworden war, sowohl für die Anfiassang aad Beor- 
thelluDg der alten Zustäsde, als audi far die ErkKrnag der alten 
Schriftsteller sei. Indem er es daher iibernahm, iiber die Lei- 
stungen des Hm. Krause Bericht sa erstattea, wollte er sich aa- 
nächst nur In die Nothwendigkeit versetsen, 4i« betreBendea 
Schriften mit grosster Aufmerksamkeit und Sorgfalt lesea aad 
studirea au müssen. Jetzt freilidi, nachdem dies geschehen, 
muss. <Br auch die Folgen seiaes elgenaatzigea Begiauens tragea, 
und dem gegebenen Worte getreu diese Schriften receoairea, aa 
weaig er sich auch diesem Geschäfte gewachaea fuMt, daa er, 
wenn er mit Ehren surücktreten könnte, gern einem Kundigeren 
iiberlassen wurde. 

Um aunächst dn Gesammturthdl aber die Leistnagea des 
Hra« Kr. im Gebiet der Gymnastik und Agoalslik abaogehea, so 
glaui»eu wir nach bester tJeberseugnng uns dahin aussprechen sa 
können , dass derselbe im Verhältniss zu den ScfawierigkdteB, 
welche sich ihm entgegenstellten , etwaa Ymrzugliches gdiefert 
hat. Es verdient dies um so entschiedener herrorgeholien aa 
werden, da es sich hier nicht um Uosse Coa^üatioa des bisher 
Geleisteten handelte, sondern das Gänse erst neu von Gnmd aus 
construirt wenden musste. Die denselben Gegjenatand be trcfca- 
den Werke von Mercarialis, Faber, Faicoaer, vaa Dale, Bürette 
a. 8. W' sind veraltet und whnmeln von farrthiimeFn aller Art dea- 
massen, dass sie kaum mehr als HikUsmittel betrachtet werden 
können. Neuerdings awar habea Böekh , O. Maller, Meier a. A. 
im Eiaadnen trefflidi vorgearbeitet; doch habea die Fotsehuagen 
dieser Gelehrten mdsteatheils dne historische Bichtung, ao daas 
das dgentliche Wesen der alten Gymnastik and Agooistik, ihre 
Entstehung und Fortbildaag, ihren ZusamaMabaag mit dem grie- 
chischen Leben und ihre ganze Theorie au ermitteln and zu ent- 
wickeln, nnserm Verf. £ist alldn überlassen blieb, und dies bil* 
det denn auch den eigentlichen Kern des Ganzea (EUi^. i- 



64 6rie«kiselie AU«Yili««tkBji4e. 

1. nai 2l), woran sich «fa tm n i lcM iat t arfadie ü a i wit i dw f— 4Je 
bcUen Bünde über 4\t <Nyn|iieB «ed über die Pylhiai^ Neaeea 
Bad bthmieii aascbücwen« Semit war Ilr« Kr. feiiöUii|t, s»- 
aiolMt wieder auf die i^oelieli «nrikskaagehen. Dr hat jedeidi 
Mch einen Sdiritt weiter felhan, indem er nidil Uoa 4le Sehrift- 
reete ana dem Aiterdiiiln mit nwtterhafter Unverdroaaenlieit iilr 
affinen Zwecic aiifa Neue atiabeutele , — fewiaa Iceia ideinea IJn- 
iernehoMn^ wenn man bedenist, wie tief daa ganze gfiediisdie 
Leben von dem g^^mnaaliaeben and agoi^sllaciien Weaen dnidi- 
drangen war, an daaa ea loaum einen SolirifItateOer gieiit, der 
nielit an deaaen Srüuteninf • aeinen Beitrag lieferte — ^ aandera 
nufih den an agonlatisehen DaiaieHimgen ao reld&en, bia jetat 
aber noeli nicht In dem geiMkigen Maaaae und Zuaaninienhiiige 
'^awnrdigten antilcen IBidwcrioen«, Sculptoren, Abäsen, Gemmen, 
mfiaaen n. a. w. gründliohe Aufmerlcaamlceit anwendete. Recht 
firnchtbar aber tut «der Verf. üeee Biidwerlce für daa eigentliclie 
fiiudinm aeutei Gegenatandea dadnrch zu maehea gewusat, dacn 
^er seinem Werioa eÜM Eeifae von Abbildungen (204 Figoren aitf 
^ sauber üthagrapUrten TaCda) gicKch mit beigab, eine hocbit 
nahatniuupe Zugabe, weiciie Einaeinea, wo die aprachüche Dar- 
nieilmif nicht gana aoaireiciit, an röllkemmener Anadianung 
haüigt. Fugen wir Jioch hinan , dasa daa ganze Werlc mit walurer 
JLnat nad Liebe und mit unendltdiem Ffeiaae gearbeitet, dam 
^r.Vear. in aeiner Anaclmuung uabefang^en tmd in aeinem Urtlieil 
xuhig^ benennen «hd aelbatatandig Ist und bei alter Anerksnong 
Aemder Anaicfaten doch nicht leicht aehie eigene gefangen giebt, 
daaa er endlich eine nicht geringe Anzahl wichtiger Fragen tiieib 
vSllig nur. fintscheidnng gihrnefat, theäa durch fielmige Zuaam- 
anenatdlnng aller dahin einsehiagenden Zeugniaae, Memungcn 
«nd Bedeniben ihrer finladieidung um ein Bedentendea naiier ge- 
melkt hai: ao glanhen wir geoug gesagt zu haben, um unaeren 
Aieaem em Wierk zu empfehlen, daa einen nach in unserer Zeit 
*"i^,**?*^^^*" tatcrmac wieder aufgenommenen Gegenatand cfw- 
whdpfend und in «ngetneaaener Weise behandelt 

Beror wir jedoch ran Aügemeuen zum Beaonderen whetw 
fßMm^ achlieaann wir hier «me kurze Uebersicht^ea Inhaltes nn. 
äSU^v. Tk. L Bd. L zerfäiU in 6 Abschmtte: 1) & 1—79. 
•nlle^em^ioe fiemerknngea über Weaeo und Zweck der alten Qnm- 
MHiki 5) S. 80^ 17Ö. die Debungaplatze der Hellenen (Grmnn. 
^on wd Palastra, Stadion, HIppodramos); 3) 8. 179— 24i 
iVorsteh^, Aufseher, l^hrer and andere in den gymnaatechen 
IJdiuagqplälzen thitige Personen (Gymnasiarch , Xystarch, Ko»- 
5fi^S>i. **'*^"*'**"^ Gjmnaaten, Pädotriben, Alelptes u. a. w.); 
^) 8. 244 — 29a. gesetzliche Verordnungen, fiiatheiiung der ü^ 
hnngep» Beatimmnngen in Betreff dea Alters der Zöglioge, Rei- 
*»*^|5^ ^ßr i3ebüngeB nieh den Abstufungen dea Alters; 5) 
^..SpO-^Sm. die gymnaaUschen Jngeudspiele 4er HeHeoiiii 



Krause i IH« Gyrnntttik will Üe fi^eter der Griechen. 45 

(nmidntiMi «Ber das BdhpM)^ 9)^6. S31'-^<06. Ibtwidwltm; 
der elna^lncn gymnaiillgclMI D«fciingeii, Ibire EiBtst^htin^ und 
vettere OestaltüDf^ seit dem neldenlhame der Hellenen bis in 
die spitere Kalserseit: Wettlattf, Sptang^, Ringen, Diskoswerfen, 
Wurfspiessweif en , Fünfkampf (Pentsthlon) , Fenstkampf, Pan- 
kration, Wag^eurenoen , Relteor nnd Rennen mit einem Rosse^ 
Bogenschiessen , Waffenkampf , Jag^d , Baden und Schwimmen, 
Stfmmübang. -^ Bd,2. 1. Absebn. S. 6)37— 651». Uebergang 
der Gymnastik xnr Athletik; 2) 'S. 660 — 866. Bestrebungen, 
Ldstungen und Bigenthümitchkeiten der wichtigsten hellenischen 
Stamme und Staaten in der Gymnastik uifd Agbnistik (die Dorier: 
Sparta , ' Kreta , ' Messenien , Arges , Korintb , Slkyon , Ac^ja, 
Elis, Arkadien, Phlias, Stegaira', RhodM, Aigina, Kerkyra, 
Grossgriechenland, Sicilien, Kyreae, — die lonier: Athen, 
fiphesos, Miletos ü. s. w., — » diiß A^oler, Pielasger nnd aus vcr- 
aehiedenen Stämmen gemischten Hellenen ; Boiotien , Aitoler, 
Lokrer, Akarnanen, Pelasger, Thrakten, Iflyrien, Makedonien 
n. s.w.); 3) S. 807 --854.' die Orchestik oder mimische Kunst 
der Hellenen ; 4) S. 855 — 890. Vergleichung der Gymnastik der 
Hellenen mit der neueren' Tumk^mst — Olympia^ Einleitung 
S. 1^—15., die Olympien (historische Entwickelung) S. 15 — 80., 
Ordnung der Festlichkelten und tteihenfolge der einzelnen Kampf- 
arten S. 80—109., Loosiing S. 109 — 124 , Kampfrichter S. 124 
-— 143. , die olympischen Kampfgesetxe S. 144 — 153., der Sieg 
ohne Kampf (axb^iv/) 8.153^156., die Siegespreise S. 157 — 
177«, Danköpfer, Prozes^onen und Siegesmahle S. 178-^1^., 
Vorti-äge und Recitationen S. 18a|— 188., die Zuschauer S. 188 
— ^^194., der Binzug des ofympischen Siegers und die damit ver- 
bundene Siegesfeier S. 195— 198«, anderweitige Belohnungen 
der Sieger S. 199 — 201^ andere kleine Olympien In verschiede- 
nen Staaten S. 202—235. , Verz^i(Chniss der olympischen iSieger 
S. 236—412. — fn äfanlioiier W^ise endlich sind 'EkXriv. 
Th. II. Bd. 2« auch die Pythien^, Nemeen und Isthmien behandelt. 
Wir meinen hiermit den Leser im Allgemeinen ^ber Werth 
nnd Inhalt der vorliegenden Schriften hinreichend aufgekltrt za 
haben* ÜVenn aber Hr. Kr», sofern wir ihn recht verstehen, 
noch ein Mehrieres verlangt, indem ei^ ^ßAAi>;v. I, 1. S. XXIX. noch 
besonders an seine Reicensehieai das Qesuch richtet, „dass man 
nicht blos auseinandersetzen niBge, was etwa nach der Ansidit 
des Recensirenden meht'^ oder nicht? auf die rechte Weise gelei- 
stet worden, sondern dass man auch 'angeben wolle, was geleistet 
worden, undwas nur auf dteeetn Wege geleistet werden konnte^% 
so geben wir ihm an bedenken, diss dies bei einem so detalllirten 
Gegenstande nicht wohl ausfuhrbar ist; Das, was Hr. Kr. gelei^ 
stet hat 5 ist eben sein Werk selbst, das er dem Leser darbietet 
nnd das f&r diesen doch von Seiteti des Recensenten keiner Re- 
prodnctioii' bedaxE s 'Hierzu konunt aber, dass eigentlldi beide 

IS, Jahrb. f, PhiU u. Päd. od, Kril. Bibl. Bd. XXXVI. Oft. 1. 5 



66 ' 6rie«iilrscli^e Alt«rt%iimikiitfde« 

Flügen' fikh ^r nieU In der l^ercg^n Weiie treoaen Itflsett, 
iodem die Totelilit elnor wtsMnftclMUiidien Leistiiii^ dooh niehl 
bios in dem Oegebeneo tfu sich besteht, sondern hauptaadilidi 
auch in der Art der Ansfafarnni;. Diese ist es, welche de» 
Werth einer jeden Leistungf bisdingt Die Frage kann also nicht 
sowohl auf den Bestand des geleisteten , als auf die Tüchti^eit 
desselben gerichtet werden, ^opacfa wird auch die Kritik immer 
wieder zunächst auf jene beiden Gesichtspnncte zurückkommen 
mlissen , ob etwas nicht oder- nicht «uf die rechte Weise geleistet 
sei: denn Vollständigkeit der Untersuchung und Richtigkeit der 
aufgestellten . Ansagen und Resultate sind eben die beiden 
Haupterfprdernisse, denen eine wissenschaftliche Leistung ge* 
nügen mnss, um auf das Pridiqat der Tlkshtlgkeit Anspruch 
machen zu können. So nel zu unserer eigenen Rechtfertigung. 
Die nachfolgenden Bemerkungen, Zweifel und Bedenken, welche 
wir uns in den angegebenen Besiehungen gegen dnzelne Puncte 
in der Darstellung d^s Hrn. Kr. aufzustellen erlauben, können und 
sollen der Trefflichkeit seines Werkes keinen Abbruch thun, um 
so weniger, da bei weitem die Mehrzahl dersdben sich nicht auf 
die Haupt - und Lebensfragen , sondern auf die untergeordnete* 
reu Seitenpartien bezieht. Doch haben wir auch, da uns einmal 
der Auftrag geworden, die in Rede stehenden Schriften zu re- 
censiren , dieselben . nicht unterdrücken mögen , nicht durdi 
Rechthaberei und Tadelsuoht, deren uns Hr^ Kr* hoffentlich nicht 
fähig hält, sondern durch die doppelte Räcksicht geltet, ewt^ 
mal Ihm den Beweis zu geben, dass wir sein Werk nicht cfbenhüi, 
sondern mit Aufinerksamkeit und lebhaftem Interesse gelesen 
haben , sodann auch unsererseits von unserem Standpuncte aus 
und AUS dem wiewohl .beschränkten Kreise unserer Forschung 
und Leetüre ein^e Beitrage zu Ulf ^n , welche dnstweilen dem 
Leser, und künftig bei einer neuen Bearbeitung Tielleicht auch 
dem Verfasser dazu dienen mögen, einzelne Züge in dem toh 
ihm aufgestellten Bilde weiter auszuführen oder in ein besseres 
Licht .'ZU stellen. 

Um da» QanzezuTOr naeh Seher Construetion und ausfielen 
Erscheinung 'au: betrachten, müssen wir zuerst einen' Blick inf 
die Ge^ehlcbte : seiner JBntotehnng' werfen. Die . Abtheilung, 
welche die Gymiiastik und Agonistik enthält, erscheint hierein 
gentlich schon in der zweiten Bearbeitung, obwohl nur theii-: 
weise , da die erste yollstiändig gar nicht an's Licht getreten Isti 
Von dieser ersehien nSfmIich, unter dem Titel „Theagenes oder 
wissenschaftliche Darstellung der Gymnastik, Agonistik undder 
Festspiele der Hellenen^S Halle 1835, nur des ersten Theilea 
erste Abtfaeilung. Der Verf. deutet hier, in der 'Elkriv. I, 1^ 
S. XXVI. , selbst zum Theil die Gründe an, welche ihn bewogen, 
die Fortsetzung des in dieser Weise Begonnenen aufzugeben: er 
habe Anfangs nicht die Abaicht (gehabt ^ Abbildongen bäzugeben, 



Kraas^i Die ÖyMUunik «id die S^Üh der CSriechen. 67 

döidi habe iha bei foTtfesctsIeD: BtuäMin die Nothweiiflllkeit 
einer eolehen Ziigabe mdir und indir ,eiiigelettc&tel; so sei der 
Staüdpimct ein gaiiZ' andeiißr geworden; dies -und andere innere 
und äussere Gründe hätten es erfordert, das Gänse ton Neuem 
sn beginnen, was um so euer tfaunlich gewesen, da von der klei- 
nen Auflage des Theagenes, welclie der Veif. noch dasu auf 
sdne eigenen Kosten veranstaltet hatte, nnr noch eine unbedeu- 
tende- Anzahl Eiemplare aiirnckgeblieben war. Weit entfemfei 
Hrn. Kr. hieraus einen Vorwurf machen in wollen, können wir 
doch nicht nmhin ni bemerken, dass von dem Nachtheili der aus 
diesem Verfahren zunächst den Käufern des ,,Theagenes^^ er- 
wachsen ist, etwas auch mit auf die Besitser der vorliegenden 
Bände übergegangen ist. Die Fortsetaung des „Theagenes^^ be- 
alisicfatigte der Veirf. wenigstens noch im J. 1838, in welchem 
der Band ,^01ympia^^ ersdiien) denn hier wird häufig nicht nur 
auf die erschienene Abtheiiuiig des „Theagenes^S sondern aach 
auf die folgende, nodi nicht gesclurieliene, wenigstens nicht be- 
kannt gemachte desselben Werkes verwiesen (s^ S. 9, 4. 15, 18. 
43, 22. 48, 32. 33. 61, 3. 73, 15. 16. u. s. w.)* Doch auch noch 
im J. 1841 vermodite Hr. Kr. nicht von seinem Erstgdborenen sich 
ganz losaureissen , wie aus den Verweisungen z. B. 'EXXtiv. I, 1. 
S. 35, 8. 71, 10. erhellt. Solche Beziehungen^ welche den Leser 
doch am Ende zur AnschaSiing eines Bncfaes nöthigen, das der 
Verf. selbst cassirt und durch das vorliegende überflüssig gemacht 
hat, konnten leicht dadurdi vermieden werden, dass aus jenem 
alles Nothwendige und < Brauchbare in dieses iierüb^ genommen 
wurde. Auch wftre es vieif eicht nnt Rücksicht jiuf die in den 
„Olympien^^ gegebenen Verweisungen sowohl als auf die Besitzer 
der ersteh Bearbeitung nicht ganz ünzweckmäsmg gewesen, in 
der>„Gyttinastik und Agonistik'^ dieselbe äussere Anordnung und 
Eintheiliing beizubehalten, welche der Verf. in der ersten Ab- 
theiluBg' des „Theagenes^f befolgte iind für die zweite sich vor« 
gezeiebnet hatte; doch hier wollen wir uns' der besseren- Einsicht^ 
welche der V^fw' mittlerweile gewonnen, gegenüber gern he* 
scheiden, zumal da die sorgfältig gearbeiteten Register dem klei* 
nen Uebieistande leicht abhelfen. Endlich bemerken wir noch^ 
dass der Band „Olympia^^ eigentlich hoch jener früheren Periode 
mit angehört; er ist als besonderes Werk in einem anderen Ver-^ 
lag erschienen, und stehtv da er ursprünglich auf den.,',Theage** 
nek'^ berechnet war, 'mit den übrigen Bänden in einem etwas 
lockeren und mehr äusserlichen Zusammdahangev' der erst bei 
einer neuen Bearbeitung sich zu einem organisdien : gestalten 
lassen kann. Zu diesem Zwecke hat wohLianch Hr. Kr* in dem 
Complex des Ganzen für die „Olympia*'^ die Stelle eines ersten 
Bandes des zweiten Theils der „Heilenika^^ offen gelassen. 

Was aber die Form der Darstellung, die Anordnung und Ver* 
theilung des Stoffes auf Text und Anmerkung betrifl't , so sind wir 

5 ♦ 



88 Gri«clii»oh0 Altert h am »kau d«* 

Im AllgeneiiH» Sber.te FHn«l|i T^Ukommeii mtt dem Verf. efai- 
TerstaDden, auch liat für uns dieMaaaenliafügkeit der Anmerkun^ea 
nichts Anstöasigea, da wir uns su denjenigen Philologen rechnen, 
welche bei einer wisflenschifUkhen Untersuchung möglichst voll* 
ständige Nachweisungen als unomgangUch noihwendig betrachten» 
Selbst in den AugeiV derer, wekhe,. sd es. aus Grondsats oder 
rorgefasster Meinnng, mit dieser Methode sich nicht recht be- 
freunden wollen, diirfte der Verf. sein Verfahren hinreichend ge* 
rechtfertiget haben, wenn er sich darüber ^Ekktpf. U !• S. XXVIIf. 
folgendermaassen ausspricht. „Zunächst liegt in der ausfiihrlichen ' 
Bntwickelung eiaes so wenig cultivirten, mit sahllosen Problemen 
verwebten Gegenstandes die unabweisbare Nothweudigkeit , dem 
Texte durch besondere erklärende Bemerkungen sn Hülfe xa 
kommen, und hier alle wox Sache gehörigen Einselnheiten, 
schwierige Stelled der Alten « problematische Fragen u. s. w. ab« 
suhandeln, ohne die eigentliche DarsteUnUg fortwährend durcli 
Parenthesen , Gitate und störende Einschiebsel aller Art sn na« 
terbrechen* Fcrper war es sugleich meine Absicht, in dieser Ar- 
beit den Interpreten alter. Autoren eine Art Commentar su vielen 
dunklen Stellen so liefern« wekhe.sich Quf die Gymnastik und 
Agonistik beziehen, da wir kein Werk besitzen, was diesen Zweck 
in entsprechender Weise erfüllen könnte. Wenigstens dürfte dem 
Schulmanne, dessen amtliche Wirksamkeit sich im Kreise des AI* 
terthums bewegt, eia^otenapparat, wie er hier mitgetheilt ist. 
in vielen Fällen erwünscht sein*^^ Hiermit wollen wir jedoch 
nicht sugleich gesagt haben, das« wur mit der Art der Durchfuh* 
mng dieses Princips durchgängig gleich zufrieden sind. Sollen 
die Anmerkungen ihren Zweck erfülleuk, so müssen sie zum Texte 
in dem richtigen Verhältnisis stehen, es muss In ihnen eine 
strenge Ordnung herrschen. Jedes an seinem rechten Orte stehen, 
das Ungleichartige geschieden , das Gleichartige möglichst In ei« 
neu organischen Zusammenhang gebracht werden , jede Anmer« > 
kung, sofern sie nur über blosse Nomenclatur hinausgeht, ein Bild 
en miniature, eine kleine Abhandlung für sich sein. Dies Inrin^t 
Einheit, Zusammenhang, Anschaulichkeit and Uebersichtlichkeil 
in die ganse Darstellung. Hr. Kr. scheint uns hierauf nicht immer 
die gehörig^e Aufmerksamkeit verwendet zu haben; seine Anmor* 
kungen haben hin und wieder einen mehr sufäUigen, adversarien- 
artigen Anstridi,. es fehlt ihnen an innerem Halt und gehöriger 
Gliederung und: Sichtung, nicht selten ist Heterogenea diurchein-« 
ander genascht. Gleichartiges auseinander gezogen, die Beziehung 
■um Texte nicht festgehalten, und Manches in die Anmerkung 
verwiesen , was vielleicht besser seinen Platz im Texte gefunden 
hätte, und umgekehrt« So, um einige Beispiele anzuführen, wie 
sie uns gerade imter die Hand kommen, die sich aber leicht ver» 
mehren Hessen, gehört *^EAA^i;. I, 1: S. 91. Anmerk. 8», wo übri- 
gens die Citate Ui sdtsamer Mischung aufeinander folgen , zum 



Krause : Die Cymnasflk nnA die Spiele der Griechen. 00 

Theil nacli S. 90, 5. ; die Notiz ilber das Ballspiel in den Thermen 
S. 104, 4. war wohl gleich Anm. 3* anznscfaliessen ; S* 134, 5; 
var die Schlusshemerkung welter herauftunehmen, da das roo 
S^on und Wheler aufgefundene Stadion Ton dem oben beschrie- 
benen nicht verschieden ist; die Naturschönheiten am Ilissos aber 
thun hier gär nichts zur Sache, auch ist die Verweisung deshalb 
auf den Stadtplan von Athen im Pausanias Ton Siebeiis wunder- 
lich; lüit dieser Anmerkung war ferner die 8«, die wesentlich 
nichts anders enthält, zu combiniren; der Fund eines Anagly* 
j^bon im Stadion zu Athen hätte, wenn ihn der Verf. einmal der 
Erwähnung fSr werth hielt, einer näheren Angabe bedurft, doch 
»ind ebendaselbst noch viel erwähnenswerthere Gegenstände auf- 
gefunden worden ; die Angabe über die Breite des panathenäischen 
Stadioin hat sich wohl nur zufäUig in die 9. Anm. S. 135. verlau- 
fen. S« 256 JBT. scheinen uns § 5 — 7. nicht ganz an ihrer rechten 
Stelle za stehen^, desgleichen die Erwähnung S. 251, 3. der Rei- 
sen alter Hellenen nach Aegypten , 8. 379, 3. des Wettlaiifa bei 
ganz heterogenen (sie) Völkern, S. 396, 5* des Sprungs auf ägyp- 
tischen Sculpturen, S.417, 21. der Aufschrift auf den panathe-^ 
naisclien Vasen, S. 435. die ganze Anmerk. 5. (wie überhaupt der 
ganze Abschnitt über das Ringen S. 400 ffl, was die Debersicht- 
Ilchkeit der Darstellung betrifft, im Verhältniss zu der Schil- 
derung der übrigen Kampfarten weniger geglückt ist) , S. 58T, 7. 
die Schlüssbemerkung. — Pyth. S. 107, 1. hätte sich leicht in 
bessere Ordnung bringen lassen. Olymp, S* 25, 20. ist über die 
Räubereien der Römer, S. 26, 21. über die Entfernung Olympia's 
von anderen Städten, S^ 39, 15. über die zu Feldherren gewählten 
Olympioniken und deren kriegerische Tapferkeit, S. 40, 16. über 
die Ruinen von Makistos, S. 60, 2. über die Indictionen, S. 62, 5. 
über eine ans Aegypten stammende Ableitung des Wortes Olym- 
pias, S* 85, 12. über die Fleischkessel des Atheners HIppokrates, 
8. 183, 16. über die schnelle Verbreitung von Nachrichten ans 
weiter Feme u. s. w. an ganz unpassenden Stellen und zum Theil 
ohne die entfernteste Veranlassimg gesprochen. S. 155, 7. ge- 
hört die Notiz aus Suidas nach S. 153, 1.; die Schlussbemerkung 
& 182, 11. über xcS/xogan den Anfang, S. 188, 11. die Notiz über 
die Inschriften weiter herauf, S. 192, 2.' die über dieProedrie 
nach S. 200, 5. u. A. m. i 

Ba wir einmal 'von äusserlichen Dingen reden , wollen wir 
gleich hier noch Einiges der Art erinnern , was den ruhigen Ge- 
nuss des Lesers stört und der Brauchbarkeit des Werkes hinder- 
lich ist. In Hinsicht der Citate l^'zu bemerken, dass Hr. Kr. 
bei gewissen Schriftstellern gar keine Conformilät beobachtet, 
sondern dieselben nach den verschiedensten Ausgaben , vermuth- 
lich jenachdem er bei seinen Vorarbeiten die eine oder die andere 
benutzt hatte, anführt« Am meisten ist uns dies bei den Red- 
nern aufgefallen. So z. fi. wird Demostheoes bald nach Cekker's 



70 Grietbitehe AlterthaBskand«. 

Paragriphetf, bald tech ReUe*a Seitensahl^ bald nach der des Taueh- 
DÜzer Stereotypabdrnckt citirt, wahrend es doch efne Heine M&he 
war, die sSrnroÜichen Anführungen auf Reiake, etwa unter Hinso- 
fugunf der Bekker'schen Para^phen, zu redncfren, da bei Bdfc* 
ker sowohl als auch In der Stereotypaasgabe die Reiake'sche Sei^ 
ti^nsahi angemerkt ist. Desgleichen wird Aescbines bald nach 
Capitein, bald nach Reiake's Pagina, bald nach Bekker's Paragra« 
phen citirt, tsokrates, so viel uns erinnerlich ist, blos nach der 
sehr wenig gangbaren Capiteleinthellung. Bei Aristoteles ^* 
scheint neben der gewohnlichen Gapiteleintheilang für einsdne 
Schriften die Pagina der Stereotypausgabe, und nach eben dieser 
werden auch die Moralia des Plutarch citirt , obwohl aleh audi 
Citate nach der Frankfurter Ikusgabe , nach Reiske, nach Hütten, 
gewohnlicher nach Capiteln und Paragraphen finden. Es liegt auf 
der Hand, diiss durch solche Ungleichartigkeit der Gebrauch des 
Werks für diejenigen Leser, welche an den betreffenden Stellen 
des Zasammenlianges wegen weiter nachlesen wollen , da fhtt<»i 
gewiss nur in seltenen Fallen alle jene Atisgaben gleich nir Hand 
sind, sehr erschwert wird ; abgesehen auch davon, dassnichtrgar 
aelten, wo der Verf. minder gute Aasgaben zum Grunde legte, 
wohin wir namentlich die Tauchnitaer Stereotypabdrncke rech- 
nen , welche einer Regeneration gar sehr bedü^en , sich Unrich* 
tigkeiten In di^ Darstellung eingescMichen haben, wozu wir wel* 
tcr unten einige Belege geben werden. — Die Anordnung dte 
Figuren auf den lithographirten Tafeln sdheint wahrend des 
Druckes eine Abiinderang erfahren zu haben, wenigstens stimmen 
die Beziehungen z. B. 1, 1. S. 138, 14. und 139, 15. nicht mit der 
Bezifferung der Figuren überein. Doch können dies auch Drudk« 
fehler sein, da leider Correetheit des Druckes nicht die start:e 
Seite des Werkes ist, namentlich des Bandes „Olympia^S dem der 
Verf. selbst ein reichhaltiges Druckfehlerrer^elchnlss, welches, 
sich leicht noch vermehren Hesse, beigegeben hat. Zu den übri* 
gen Banden tragen wir noch folgende nach, die ynr uns bei der 
ersten flüchtigen Lecttire angestrichen haben. ^Ekhjv. I, 1. S. 17, 
Z. 5. V. u. Gällorum^ I. galiorum , S. 24. Z. 3. v. u. § 245, I. 
246, S. 27. Anmerk. b. Piaton XCritik, I. PI. Kriton, S. 37. Anoi; 
[6. Z. 1. Athen. III, 1. Athen XIII, S. 57. Z. 5. ist 4) zu strei- 
chen, S. 62. Anm. 1. Z. 6. fehlt magia vor ßrmitaii^ S. 111. 
Z. 9. V. u. mylesischen , 1. myiasischen , S. 124^ Anm. 8. Z. 1« 
Paus. /,^ 18,' 19, 1. Paus. 1. 18, 9, S. 170. Anm. 7. Z. 2. JutoU- 
kos, 1. Autolykos, S. 172. Anm. 10, Z. 5. 1. to;^», S. 186; Z. 1. 
T. u. ist magn. zu streichen, S. 202. Anm. 4. Z. 17. AntiquUies^ 
1. Antiquitles, S. 203. Anm. 5. Z. 5. v. u. Ales%pharm,^\. Alexandra, 
8. 241. Z. 9. Bädotribe , 1. Pidotribe, S. 249. Z. 5. r. u. 132 , I. 
133, S. 286. Anm. 5. Z. 18. certanime 1. certamme, S. 275. 
Z. 4. Aelm^Yixov, I. Aijgiapjrixdv, S. 276. Z. 7. ^, 1. 1;, ebenda«. 
Anm. 4. Z. f. § 161 , L 167 , S. 370. Zt 11. ▼. u. Sekei9rmaeher 



Kraose: Die Gymnastik ond die Spiele der C%fechen. %i 

h Sdhleieniiacber, S. 440. Ann. 8. Appollod.^ I/Apoltod., S« 550« 
AniD« 1« Z. 3. *Oyxh6toq^ 1. ^OyxTiütog^ S. 626. Aura. 10. Diod. V, 
203, 1. Diod. V. 10, — Bd. 2. 8. 772. Z. 8. Pytilampos^ 1. Pyri^ 
lampes, — IL 2. S. 4. Z. 3. ▼. u. Amn, 14, 1. Antn. 16, 8. 31. 
^Z. 19. Skh-ephorian^ k Skirophorion, 8. 46. Anms- 10. Z. 1. ^//i* 
fkUyonen^ I. AmpbiktjMien , 8. 159. Z. 7. Ptyarfea/1. Pylades, 
S. 169. Z. 6. V. u. Palaemonis^ 1. Palaemonio, 8. 171. Z. 10. 
Phaetanit 1. Phaethon. 

Eiidlieh müssen wit noch gewisser hier und da eingestrenter 
theits spielender theils fespreister nnd preciöser Wendungen und 
Redensarten gedenken , welche in einer wissenschaftlichen Unter-« 
Btiohung und hei sonstiger Gehaltenheit deä Tons und Correctheit 
der Ausdrneksweise keinen angenehmen Eindruck machen, wie z. B. 
I, 1« i. Anf. „Honieros, der nationale Spiegel hellenischer Natur, 
Wahrheit und Schönheit, dessen epische Schöpfung uns in ihren 
grossen einfachen Zögen wie die rosenfarbtge Alorgenrothe er- 
quickt, und uns eine Wek aufschliesst, in welcher thatriistige 
Heiden, den jugendlichen Morgen ihres Volkes oder den liehlicben 
FriihHng ihres Jahritansends durchleben.^^ 8. 39. „hocbgesonnen 
(sie) dachten und handelten hier auch die Vertreter des Staatcu^^ 
8. 73« „wo soll das auch hinaus, wenn junge Manner als Knaben 
schon den Reis ^^ Liebe an den Schuhen abgelaufen haben? 
Woxu das unzeitig- schmeteende Liebäugeln und die schmachtende 
entnervende Minne 1^^ 8. 254. „wie nun überhaupt dieser Staat 
als ein vielfach gegliederter Kosmos "erschelot.^^ 8« 616.^ „so des 
diri(äischen Sängers hochschweDendes Lied.^^ 2. 8. 779. „der 
inbnlose Apollodor.^^ Olympia 8. 163. „nicht seiton ging schon 
in dem Sohne die agonistisciie Kraft aus, sowie in geistiger Be-^ 
Ziehung häufig die Söhne grosser Dichter, Philosophen nnd Ge- 
lehrten überhaupt von der Genialität der Erzeuger einen sterilen 
Hirnbaum davotf tragen.^^ Pyih. etc. 8. 165. „auf einer trapez- 
förmigen Ebene.^^ 

Indem wir nun zur Sache selbst kommen, schliessen wir un- 
sere Bemerkungen in derselben Reihenfolge an, wie die Punkte, zu 
denen wir etwas bemerken zu m&ssen glauben, in der Darstellung 
des Verf. aufeinander folgen. Wenn wir aber dabei zugleich auf 
später erschienene Werke mit Rücksicht nehmen, so geschieht dies 
nicht in der Absicht, Hr. Kr., der ohne Zweifel mittlerweile 'sich 
mit denseiben vertraut gemacht hat, zu belehren, sondern hur um 
für die Besitzer des Werks den Kreis der Untersuchung bis auf 
den gegenwärtigen Stand derselben zu erweitern und zu vervoll« 
ständigen, und dies wird auch nur dann der Fall sein, wenn dieEir- 
gebnisse dieser neueren Leistungen erheblich oder von der Art 
»inds^ass sie eine abweichende Ansicht wohl begründen. 

'EkXfjv, 1, 1. 8. 20, 3i Termissen wir die Haaptstelle, das be- 
kannte Skolion des Simenides, vyiotlvtiv ftlv &Qi(ftov äi^dgl 
»mm etc. bei Athen. XV. p. 694. E. Vgl. Plat. Gorg. p* 45L 



72 Griechische Alterthnoiiftkaade« 

B» Legg. I. p. 0S1. C. n. f. 661. A. dem. Alex, etion. IV. p. 967. 
Arsen, p. 456. 

S. 22. möchten wir doch dein Bauennias Rcclit geben , wenn 
er du Benehmen des Timanthes fucc^iif.ßttkXov ij dvögia nemil* 
Dergleichen Züge stehen su vereinaelt de y aU dass sie als Norm 
altheiieniseher Denicwefse gelten konnten , und wir können dies 
nm so weniger zugeben , je entschiedener in jenem Falle eine 
Störung des Gleichgewichts der geistigen Kräfte sum Grunde lag, 
welche überall und an allen Zeiten nu» Verirrungen naeh sich 
sieben kann. Man wolle doch jedes Ding bei seinem wahren Nah- 
men nennen« Uebrigens dürfte jene That durch die angeführte 
Steile ans Plat. Krit. p. 47. 48., wie sidi aus dem Zusammenhange 
derselben von selbst ergiebt, aach im Sinne der Alten nichts we< 
niger als gerechtfertiget erscheinen. Wie Piaton über den Selbst« 
mord dachte, eriiellt s. B. aus he^f;. IX. p. 873., und noch starker 
drückt sich Aristot. Nicom. HL 7« ans, so daas Pausaniass obgleich 
er angeblich seine gahs individuelle Ansicht ausspricht (xata y% 
llki^v yv0iA9iv) t wohl im Sinne der VemQuftigen nicht nur seiner 
Zeit, sondern auch der Vorxeit urtheilte,. welche niemals weder 
ans phHoaophischem, noch aus poiitischeiii , noch auch aus rein 
menschlichem Gesichtspunkte den Selbstmord eigentlich guthiess. 

S. 23» 1. Von den hier gegebenen Citaten atimmen Plst, KrIt 
p. 31« und Demosth« n» Cvvrai* c< 9. 10. p. 287. R. gor nicht» 
nnd eben so wenig gehören hierher Aesch. g. Ktes* ^ 88. nnd 
Flnt, Them* c. 11., wo von gana anderen Dingen die Rede ist. 

S. 24, 3. Die Besiehung auf die Eukleia war wohl nberflüssig, 
da es für den in Rede stehenden Gegenstand weit schlagendere 
Belege giebt, oder wenigstens etwas näher zu begründen« . Die 
Stelle bei Plut. Arist c. 20. giebt au- mancherlei Betrachtung 
Anlass. Paus. I. 29, 9. erwähnt keine Sukleia, und auch mit 
Plut Them. c. 9. weiss man nichts anauflsngen. Der gsnae Za- 
sats aber ist so gefasst („daher — *;^), dass bei minder kundigen 
Lesern leicht die Ansicht geweckt werden kann, als habe die 
Bukleia eine Beaiehung auf die gleich vorher genannte Artendsia 
gehabt. 

S. 25, 4. u. 26j 5. konnte der Verf. über die Metöken und 
Sklaven, die doch nur gana beiläufig erwähnt werden, sich mit ei- 
ner knraen Verweisung auf die neuesten Forschungen begnügen« 
Die angeführten Einaeinheiten geben weder ein vollständiges Bild 
von dem Zustande dieser Einwohnerclassen, noch .sind sie Ar 
den Text nothwendig. Ungenaa ist die Behauptung, dass die 
UotÜMia die Metöken den vollgültigen Bürgern gleich ge- 
macht habe« 

S. 29, 4. möchten wir darin, dess die Fsbrikbesitaer im g(s« 
meinen Leben schlechtweg n^ch dem .Qewerbe, welches in ihren 
Fabriken von Sklaven betrieben wnrde« begannt iHvurden, mclits 
Verächtliches finden. Freilich lag es für die. Komödie sehr nahe. 



Kraus«« Die GyiiUMtflik md die Spidl^ dar Cteiecfaen. 79 

bige Quelle beisgenden Spottes zu benutzen. Doch muso mon^ 
wie bei uns, auch hier wohl die nobleren Gewerbe von den gemein 
Heren unterscheiden*. .Hüute z» gerben, Stricke zu drehen,- oder 
gar Würste zu stopfen galt vermulhlich immer ilir gemtinei 
schnulizige Beschäftigung* Wenn aber der Valer des Redners 
Demosthenes (iaxai^onot6£ hiess, weti er eine Schwert^brik be* 
sass, so geschah dies nicht, um ihm oder dem Sohne daraus eine« 
Vorwurf au machen (Aescbines würde an^der Steile sdner Rede g. 
Ktes. § 171. £, wo er von der Familie des Rednees ein nicht eben 
aeblr sauberes Bild entwirft, sich sonst diesen ;chara&t^i«tieehe« 
Zug gewiss nicht haben entgehen lassen), und eben so wenig' wird 
es Verhöhnnng gewesen sein, wenn man den Vater dei^kolLrateii 
Theodoroa, als Besitzer einer . Flötenfabrik mJLqnoiog nannift 
(Flut. Aüor. p. 836. E. Zosim. vit. beer. s. Anf.). Dass ober aolr 
chen, welche im Grossen ein banausisches Geschäft dieiKr AM 
betrieben, nach einem. Gesetze des Solon ^erstattet gewesen sei, 
als Staatsredner aufzutreten, sagA Aesohlnes g. Tim.. §.27« 2& 
keineswegs ( er sagt ja blos^ uai o^x dmkctvvBi omo tov fiijiis^ 
ve^ bI %$g fft^ MQoyovmv i€iA tiäv i&tgmfiyfiHavanf vtig, evü 

d.. h. das Recht öffentlidi jni sprechen verlieh der G^ebigeiier 
nicht blos Leuten, die sechzehn Ahnen aufzuweisen hatten, aiSBr 
dern, -selbst solchen, welche, vorausgesetzt r natürlich , dass sie 
Bürger sind, durch ihrer Hinde. Arbeit ihr tagliches Brod ver- 
dienen: nur die al6xQcig ßißi<on6tis wurden ansgeschlo»len , sie 
nachten einem Stande angehören, welefaemsie immer woUlen. 

& 3&, 9. Vgl. Plot. ArisU c< 2. 

8.36, 16. Dass die Statue der Phryne ihrer SchöAeit 
wegen geweiht worden ^ sagt wenigstens Athenaeus nicht, W4>hl 
aber Pausanias , dass das von ihrem Liebhabelr Praxiteles (vgl. 
dens. I. 20, 1.) verfertigte Bild von Phryne selbst zu Delphi auf^ 
gestellt worden sei. 

S. 37, 21. ist der ganze Zusatz über die deopo^ ein fremd- 
artiger,- da im Texte ja von männlicher Schönheit die Rede ist, 
von der Schönheit aber als Erforderniss für die Festgesandteii 
weder bei Herodot noch bei Andokides ein Wort steht, ondainsll 
bei Plato xakUetovg in Verbindung mit d^ötovg wohl nicht auf 
körperliche Beschaffenheit bezogen werden darf. . . r 

S. 61, 1. über den guten Appetit der Booter vgl. Plut. de csn 
Garn»,l, 6. p. 095., und über das alte Sprichwort Bo^mla.&g die 
Nach Weisungen bei v, Leutsch zu Zenob. prov. liL 46.. p. 223» 
BoiGinov aig. 

S. 65 & scheint uns das Bild der öffentlichen Erziehung, an 
Sparta doch mit etwas zu grosser Vorliebe gezeichnet. Wenn 
Xenoph, Hell. 11.3^34. die Staatsverfassung der Spartaner jtaAr 
lUfP^ nennt, so ist S. 67, 11. überadien, dass die Worte von 



74 Griecliisclie Aliertliiinskttiide. 

KrillM • fcspraoheii wevden, und dass eben Xenophon es ist, der 
dieselben dem Kritias in den Mnnd le^ Die Nachweisungen 
hier und im Folgenden sind etwas su versehwenderisch mxsge- 
fallen, wieS. 60, 9., S. 68, 2., wo %• B. die Stellen aus Cicero, 
Diodor und Flutarch gar nicht passen, S. 77, 1. n. a. 

S. 76, 5. konnten über Thnkydides, den Sohn des Melesias, 
bessere Auetoritaten genannt werden als Gedike au Fiat Theag« 
p. 130. 

S. 81, 3. und weiterhin öfter ist auf den Stadtplan Ton Athen 
von Siebeiis am 1. Bande von dessen Ausgabe des Psusanias ver- 
wiesen. Obgleich dieser Plan nicht gans ztiverlässig und auch in 
der Ansföhrung äusserst mittelmässig ist, so durfte derselbe aller- 
dings den meisten Lesern eher sugänglicb sein als der- von Otfr^ 
MiiUer im 6. Bande der allgemeinen Encyclopildie, welcher dem 
vwn Siebeiis sum Grunde liegt ^ und insofern wird sich dagegen 
nicht viel einwenden lassen. Doch hätten wir dorcbfängig lieber 
auf den weit gründlioheren und auch in Deatsohiand reprodbeir^ 
ten Plan von Leake verwiesen gesehen. Gegenwirtig freilich 
reicht auch dieser nicht mdir a«is, und wir verweisen die Leset 
an die Kieler phiMogischen Studien. Wenn aber S. 87, 7. gar 
auf den wahrhaft scheosslichen Plan von Athen in Bartfaelemy^s 
Rds. d. j. Anach; verwiesen wird/ so ist dies kaum au veranir 
wiNrten» 

S. 82. Z. 7« V, u. „einen Typus deä Eros und Anteros^S fMt 
unverständHch ohne das Original. Paus. VI, 23, 4. ti/jto^ ^£^^€ota 
i^ov BTtsigyaöfisvov xal tov xaloviisvov 'ÄvtiQci^ta. 

S. 86. Z. 3. V. u., S. 88, 13., S. 123. ist noch von einem 
alten und einem neuen Markte zu Athen die Rede, was künftig 
nach Forchhammer's Beweisführung zu beseitigen sein wird. 

S. 87, 6. Vgl. Leake Travels in the Mores I. p. 150 sqq. 

S. 90, 5* „Der Polemarch sprach im Lykeion bei der Statue 
eines Wolfes Recht.^^ Das müsste bei Hesychios , der uns leider 
nicht zur Hand ist, stehen, bei Suidas s. v. aQx^'^ und Bekk. 
Anecd. p. 449. findet sich nichts dergleichen* Doch ist über den 
wahrscheinlich gemeinten Heros Lykos in Wolfsgestalt, der bei 
mehreren Gerichtshöfen in Athen eine Statue hatte , Sehomann 
im Att. Proc. S. 149 f. nachzusehen. 

S. 92, 9. können wir nur die letzte Annahme billigen, dass 
xbIbIv ig Kvvoöaf^Bg sich jelnzig und allein auf die vi&oi , nicht 
auf eine niedere Classe von Bürgern (S. 91, 7.) bezog. 

S. 97 ff. Der Abschnitt über die Construction der Gymna« 
Bien hat auch uns nicht ganz befriedigt. Der Gegenstand ist 
allerdings ein sehr schwieriger und wird sich vielleicht nie völlig 
aufklären lassen. Rec. selbst gesteht gern, an die Stelle des 
Gegebenen, da die Sache ein besonderes grundliches Studituti 
verlangt, nichts Besseres setzen zu können, und begnügt sich, 
auf die Bedenken zu verweisen, welche bereits Becker im Cha- 



Kraase : Die €^ywm0lik mid dk %id0 dtt Griedwo. 75 

rikks BS. I. S. 328 iP. AigtB^ fü%eiteUI li«l^ oligWcli Br» lEn 
selbsl (s. Bd. 2. S. 895 f.) damit nicht einventtndeD ist. Gewifit 
för die L^ser sdir erwfinaeht nire «a gewteeti, wenii weni^alena 
der V^rf .' die zum Grande liegende Stelle dea Vitrnviua gans und 
im Znaammentenge mitgetheiltv und auch die kritische Beschaf- 
fenhf^t derselben etwas sebarfer in's Aoge gefaast hätte* Bei* 
läufig nur bemericen wir an 8. 90, 5*, dass die ErUarnng^ welche 
Stieglitz von den Worten des VitruTius , constituaniur in tribii» 
portMbua ea^rae^ giebt, data nainlich ,,auf den Seiten der 
Fortiken^^ die ^le gelegen, uns gat» richtig zu aein scheint^ 
Hr. Kr. meint, nicht auf d^ Selten der Sätileogange, sondern «• 
den Säulen^ngen selbst. Freilich bedient sich Yitruvius' dea 
Ausdrucks in pariicibva. Aber wie ein Saal, der doch einen 
grosseren geschlossenen Raum bildet, mitten in einem Terhält^ 
nissmässig sdbmalen Säulengange liegen könne, ist^ uns unbe^ 
gireiflich. Auch bat dies Hr; Kr. eigentlich gar nicht gewolU, 
wie Ffg. 2. Taf l zdgt. Die Säl& dnd dort i^ewfaa gatis richtig 
auf den Seiten d«r Säulengänge, .d» h* hint^ denselben ^ lange 
dea^f^ben angegeben, die Präposition in, aber bezeichnet nichts' anr 
d^res, als dass die Ausgänge der. Säle nicht nach aössen) sondesü 
nach innen, nach den Säulengängen mundeten. Wenn aber Hnthn 
diese Eingänge zu den Sälen auf d^ Zeichnung nicht durch Ühnr 
reU; sondern blos, dorch Saiden, der äusseren Säulenreihe entr 
spi^e£hend, schliesst, was übrigens dne ganz willkühriicbe An- 
nahme ist, so kommen deshalb die Säle doch immer noch nicht^l» 
die Säulengänge zu liegen. 

S. 125, 6. 124, 9. 177. ntokinälov. Richtiger HioAsfisioi^ 
YgK ' Lobeck z. Pbryn* p. 37.0 si}. Die erstere Form ist unrichtig 
gebildet und auch nicht mehr durch Paus. I. 17, 2. geschützt, wo 
statt ÜTolsfialov seit Bekker schon ans guten Handschriften iTro^, 
kBfbcclov im Texte steht.' Aus Clc d. fin. V. 1, 1. yrlvd in ggmr 
nasio qttod Piolemaeum voeaiur abgeführt, doch auch hier woll«- 
ten schon Qudendorp und Wolf FtolJemaiium schreiben« Wenn 
aber Hr. Kr. bemerkt; dass man dieses von Cicero erwähnte för 
ein Yon jenem Terschiedenes von einem anderen Ptolemaios ger 
gründetes Gymnasium gehalten habe, so ist er im Irrthum, w^r 
nigstens soweit als er Leake Top. v. Att. S. 192. dafür anfuhrlt 
Leake erinnert nur, dass der Ptoletnaios, Sohn des Juba, der tfuf 
einer in den Ruinen des Gymnasiums gefundenen Ins^dirift genannt 
ist, nicht mit dem Erbauer desselben, Ptolcmaios Philadelphos^ 
verwechselt werden dürfe. Zu bemerken war noch, dass Plttt. 
Thes. c. 36. dieses Gymnasium schlechtweg to vvv yviivaöiov 
nennt, woraus man auf das hohe Ansehen schliessen kann, in wel- 
chem damals diese Anstalt stand. 

'^ S. 124, 8. Auf den älteren Plänen von Athen ist das Gymna- 
sium des Hadrian allerdings nicht angegeben. Doch hat schon 
Leake Top. v. Ath. S. Idö. f. d, deutsch. Uebers. die Lage desr 



76 OvU«his0lie Aller«h««8kana«. 

adbflft sa Mitlnim«B geiiiAt, nlnlieli bei der Kirehe derTkmgUi 
GorgApiko nerdöiÜich'TOD der Aikrepollt, etwas StUich roii den 
Ruinen, die nma IrUieff fUtebfieii for das Olympfefon, Stoert 
(Altertb. ?. Atli« 1. S. 173 ff. d. deniseii. Uebert.) und viele nedi 
um, such O. Müller nooii, wie sus dessen Plan tom Athen erbeut, 
nicht richtiger für die Stea PoÜLlle, endlich Leske (S. 193 f.) für 
dieStoa des Hadrian hielt. Mit eben diesen Ruinen aber hat gegen- 
wartig gewiss richtig Forehhamoier (s. dessen Stadtplan in den 
Kieler Studien) das GyiAnisiuni des Hadrian selbst identülalrt. — 
Für die Lsge des Dlogeneion wird sieh aua Flut symp. IX. 1, 1. 
schwerlich etwss gewinnen lassen. Die Angabe der Inschrift Cerp. 
inscr. ne. 247. aber ist leider falsch. 

S. 129« 6. (Jeher das Gymnasium XvAefperßcg rergl. noch Plof. 
Cleom. c. 17., wo es yv§$va6iop vo KvXkaQ^ßiov heisst, wogegen 
Schömann ebendas. c. 26«, man sieht nicht ein warum ^ die Lernt 
KvkXißagiv bdbehaiten hat Bei Pkus. II. 22, 8 u. 9. ist wohl 
MvkaQttß^v SU schreiben, wie an ersterer Stelle sechs, an letste- 
rer tine Handschrift darbieten , nicht KvkccQaß^v mit Schubart 
und Walz; Der Name des Bponymos aber war vermuthlieh 
KvkaQaßf/g^ nicht KvkaQaßig (Pbot. lex. and Kvlagdfinrng tivog) 
oder KvXaßiH^g , wie ihn Hr. Kr. sdireibt Me seltsamsten Va- 
rianten dieses oft Terschriebenen Namens finden sich bei Ludan. 
p. merc. cond. § 11. S. die Ausgabe von Jacobita I. p. 442. 

S. 133. nennt der Verf. das panathenSische Stadium au Athen 
ein Ton Stein aufgeführtes im Gegensatz au denen, au welchen man 
Ton der Natur geschaffene Platze wählte. Allein auch bei diesem 
benutzte man die natürliche Anlage des Terrains, wie aus der Ab- 
bildung bei Stuart, und schon au« den Worten des Pausan. 1. 19, 7. 
erhellt: fiiys^og dh avtoii tySs &v ng liakutta tSKiittlgpiro* 
ütva^ev OQog lixhg t6v Eilkiö^dv ttQxofisvov ix ftvvoudovg 
nu^iixBi rov acovapLOv ngog %^v o%i^v evdi; rs %al iinkovv. 
Das Wort iiiyB^og möchten wir nicht mit dem Verf. S. 134. anf 
das Maass der eigentlichen Laufbahn, welches sich liberall gleich 
war, sondern mehr auf die Grossartfgiceit der ganzen Anlage 
überhaupt beziehen. Der Angabe des Censorin. d. die nat. c. 13., 
dass das pythische Stadium 1000 Fuss betragen (S. 135 , 11.), 
liegt jedenfalls, ein Irrthum zum Grunde. Leake mass dasselbe zu 
630 Fuss. S. dessen Travels in Northern Greece II. p. 577. und 
Demen v. Att. S. 32. uns. Uebers. , sowie über die gegenwärtige 
Beschaffenheit desselben Ulrichs Reisen I. S. 87. Ein ähnliches 
Resultat ergaben auch die Messungen anderer Stodien, wie z. B. 
des zu Nikopolis in Bpirus und des zu Dium in Makedonien (s. 
Leake Trav. in North. Gr. I. p. 191. III. p. 409.), so wie des zu 
Nemea (s. Leake Travels in the Morea III. p. 330). 

Noch machen wir auf die Bemerkung bei Forchhammer Kie- 
ler Stud. S. 293. aufmerksam , dass überall in Griechenland die 
Stadien sich innerhalb der Städte finden. „In Messene, Megalo- 



Kraaae i DU Gymmuflft «nd.jdb .ISpida d«r Griedien. 77 



p^lis, Sfnirta, Tli«b«D, Korialli, Sik^on, Delphi Itswn «idi die 
Stadiea in UebereiBstiminiui^ mit den Nachrichten ^der Alten 
noch heute Jnnerbtlb der Stadtmanfern uachw^isen^^ u. 0. w. 

. & 137, 13. lieber die Lage. und Bidiien des idympkdiett 
Stadiums iwlssen ;wir ei^entlieh so gnt ala'niditt. Vhippadrome 
etle «ta4e que dets v^yageurs^ trwnp^ par ieur imägnratiofij 
ont d^critß avec itmi de däiaiisyne'sont^ suivani M* Biouet 
(J)escripU:d9 laMor^^ seet. ^mrekUeet. t.L p. 56, ss.)^ que 
des bergen, arrondies^ fermöes par ie d^piaeemeni du Ht 
d'MpMef. iSi, ä 15 pieds dailuvian reeouvrent Ie eol aniique 
d^une parkte de PAliis qui paratt aiUeurs twoir ät4 creta^pro' 
fond^ment par lefleute, Puill^ Boblaye Recherches g^gr. 
Bipriea ruinös dela Monöe p. 127* Vgl. Roas. Reis, in OrfechenL 
I.S,108. 

S> 169, 1* Die Gleiehateltog des Gymnasiums mit dem 
firequent^steD Tbeile des Abriete» in Betreff des Besnehs mvchte 
sißhiyeriich ims Corp» inscr. nr. 108.. zu folgern sein* Denn einmal 
isi; es ein Gymnüslaffch , dem zu Ehreil die Tafelmit derTnschrift 
gereizt wird, za wdehem Zwecke der geei^etste Ort »mächst 
natürlich das Gymnasium war , gant abgesehen von der Freitfaenz 
des Bewuchs: -sodann aber- ist der iiuq)avi6vmtog toxog tijg 
dyoQag eben S0 wefiig auf diese letztere zn beziehen, sondern 
bezeichnet .den am. meisten in die Angen fallenden' Funkt des 
Marktes. Aehnliches kon^mt auf Inschriften häufig vor, wie 
%, B. Corp. inscr. nr* 2059. 2061. $q. 2847 . 2671., Ross. inscr. 
ined. I. nr. 67* 

S. 175. Unter den weibUchen Gottheiten ist die Töxf} nach^ 
zutragen, welche im paaathenaiacheo Stadium zu Athen an der eii" 
neu Seite des. {Eingangs einen Tempel nebst dfenbeinerner Statue 
hatte. Philostr.Tit soph.II. 1, 5. p. 550. Derselbe ibid. c 15. 
p. 566. gedenkt; d^a Begräbniisses des Herodes Atticus daselbst 
(S. 177, 47.). 

S». 185. lässi der Ausdruck in den Worten ^^man wusste (we- 
nigstens seitdem diß demokratiscben Bestrelningen das politische 
Leben beherrschten) gewöhnlich Ittig^ vorher, wer Choregos vnd 
wer Gymnasiarch der Fhyle werden wurde,^^ mehr vermnthen als 
eigentlich ^darin U^gti» gleich als ob hamlich der Volkswille oder 
die öffentliche Stimme einen MSinfluss anf diese Wahlen, geübt 
hätte. Allein die Sache war ganz einfach die , dass die Verwal- 
tung d^ Choregie imd Gymnasiarehie in einer gewissen Reihen- 
folge umlief, und hiernach Hess sich, unvorhergesehene Fälle na- 
turlidi abgerechnet, mit Sjcherheit beatimmen, wer in diesem oder 
jenem Jahre die eine oder die andere Letsttmg zu nbehiehmen 
haben würde. Und das meint wohl Dempsth. Phil. I. § 36.' mit 
den Worten ixäva äxavra i^ofi^ titaxtäi» 

S. 185, 9. nennt es der Verf. merkwürdig, wenn Demosth. g. 
Lept.p..494« sag^t^ igov^ yi(f ou ütvQ^' Ugäv ieuv anavta 



78 Crlri^cbiiclie Alt«rtliiiiii«kaii46. 

mI x£v tsgäv dteXiig ng aq>^hi6etai^ und besiehl dies S. 193^ 
18. auf die den Gyninuiardien obliegende Besorgung heiliger 
Opfer* AehnMcli schon F. A. Wolf in den Proiegg. <or Lept. p. 
LXX!., welcher nach dieser Stelle die dtiksicc tspöv sAs eine be- 
solidere Art der Immiinitat annahm. Allein man braucht nur die 
gante- Steile im Zusammenhange zu iesai, um zu erkennen', dass 
4iese Anführung weiter nidits als eine blosse Fiction des Leptinea 
war^ wenigstens als solche von Demosthenes dargestellt wird^ Um 
die Nothwendigkeit darzothnn, die Befreiung Einzelner von.Cho- 
regle und Gymnasiarchie künftig nicht mehr zu gestatten, gab 
Leptines diesen Leiturgien, welche doch eigentlich rein bUrgerliche. 
Leistnilgen waren, eine Beziehung auf dasGultwese» (fiivioi ifi 
täv JiBitovQytmv ovofia inl ro rint^ Ugav fi$taq>iQovtBgB^aKatüjp 
^ijtovöt^ § 126.), schob ihnen eine rein gottesdienstliche Tendenz 
unter, indem er ?orgab, die Choregen und- Gymnadarchen seien 
hlos^dazu da, um heilige Handlungen zu ▼oilziehen und den da- 
bei nöthigen Aufwand zu bestreiten : schmählich aber wi&rde es 
sein, wenn Jemand von Pfikhten, die ihm durch heilige Zwecke 
auferlegt seien , entbunden würde. In Wahrheit aber haben die 
Athener weder die Choregie und Gymnasiarchie als rein gottes- 
dienstliche Handlungen betrachtet, noch jemals eine dtiXtia 
Isgdiv gehabt. Demosthenes selbst widerlegt dies auf schlagende 
Weise. 

S. 196, 30. Bei der Anfuhrung der Stelle aus Flut: Ant. c. 
33. hat der Verf. wohl nur den Stereotypabdruck vor Augen gehabt. 
Uns liegen gegenwärtig die verschiedenen alten Ausgaben nicht vor, 
doch war unseres Wissens die Vnlg, vor Reiske jucrie rcoitf j/v/ut^a- 
0ittQX(Sv ^aßdav^ wo Reiske zuerst <paj}dfi>t^ strich: yvfiif€C6iaQ^ 
Xixäv schrieb Koraes e codd.;^ wie Schäfer sagt, und setzte $dßde»v 
wieder in den Text , worin ihm Schäfer in der grösseren Ausgabe 
nachgefolgt ist. 

S. 202, 4. heisst es fälschlich,- dass der' ganze Raum, der beim 
Fackellauf durchmessen wurde, also von der Akadeimie bis zur 
Stadt , eine Vorstadt gebildet habe. ^ 

S. 211 , 1. fügen wir über xoöpijtal noch hinzu das Epi- 
gramm bei Aesch. g. Ktes« § 185. (Flut. Cim, c. 7.), wo es heisst, 
oürmg o^diu äsiTthg *A%ifividoi6i xakBicQ^i KOöfiTiragnokB^ov 
'i d(ig)l xöl i^vögii^g. 

S. 225, 14. ist die angezogene Stelle des Pausanias (VI. 3, 3.) 
nicht angegeben. 

S% 232, 1. „auf. Inschriften findet man aX%lntrig als Ehren- 
prädikat: Böckh Gorp. inscr. nr. 2035.^ Allein das wäre ein 
höchst seltsamer Ehrentitel gewesen. Auf der genannten In- 
schrift steht ganz deutlich aAEITITOIj geschrieben, und erst 
Böckh hat, man sieht nicht ein warum, dküntfig hineincorrigirt. 
Und wäre auch dkllnt^g das Richtige, so wurde es doch in derZu*^ 



Kranse« IMe Gymnaüik und' die %i«k d« Oriecben. 79 

sammeiMtelliiiig mitivdwppig immer Adich kein blosser Ehreniitd 
sein. . Wir brauchen uns hier zur Yertheidigung des älBintog nur 
auf Hü. Kr.'s eigene Bemerkungen zu beziehen« S. 368, 17. ,,di^ 
her akBMto$ auf Inschriften ehrenToIles Beiwort ausgezeichneter 
AUiieten, gleich di^ttfitogi Falconer. inscr. atblet. p. 2323^% und 
wieder S* 536, 4. ,,Prädicflte unuberwindiieher Panluratiasten wA« 
ren apLaxog^ äXeocrog^ d'^tfjtog^ dnQoößaxog^ d6vvi^6tog u. a^ 
— fäUchUeh ist Skantog von Mercurialia für aUpta genommen 
worden^^ Jenen Prädicaten kann übrigens noch axQmxmg hinzur 
gefügt werden, obgleich, nicht aus reinster Quelle: s. unser» 
Ausg. d. grlech. Mythographen, adnot crit. zu p. 280, 14. 

S. 233, Z. 3. „auf weidiem schlüpfrigen Boden^^ enttialt ei- 
nen Widerspruch. Auch steht bei Lucian. Anach« 28.^ wie es.auch 
natürlich ist, nichis von der Schlüpfrigkeit des Bodens, sondern 
bloss (ag Inl x6 ficcXaxov d6q>akwg nintoitv. Die Ausdrücke 
xov oki6&ov u. dvoXiö&dvovtai beziehen sich offenbar.nur auf diie 
Schlüpfrigkeit der Leiber. 

S. 236,8. dürfte d«s über den tä^ichen Unterhalt der 6000 
üelias^en Gesagte einigermaassen nach Böckh. Staatshaas, d: Atbw 
I. S« 253. zu roodifiziren sein. Ders. L S. 120. f, ist f«r das 
Folgende über die täglichen Bedürfnisse eines Atheners zu Ter- 
gleiehen. 

S. 248. Dass Solon rerordnet habe, jeder Knabe solle in 
Gymnastik und Grammatik unterrichtet werden, möchte schwer, zu 
beweisen sein. ■ n 

. S. 249, 7. sind die €itate seltssam geordnet, Diog. Laert; 
Aristides , Böckh und Aeschines.. Hinzuzufügen sind Tliuk« IL 
46. Plat. Menex. p. 248. 

S. 251,-3. Schlagender als die Stelle ans Aesch. R.'g, 
Ktes. § 260. ist in Betreff der nccideia eine andere derselben Rede 

§246- . .... 

S. 252/ z. Anf. urthcilt der Verf. wohl etwas zu schroff. .. Die 
Erziehung des Demosthenes z. B. wftr, wie Piut Dem. c. 4; sagt^ 
und worauf, sich vermuthlich auch Aesch. g. Ktes. §. 255,. bezieht, 
in Hinsicht auf anstrengende Leibesübungen sehr mangelhaft gewe- 
sen, und doch kann bei ihm nicht von Mangel nationaler Bildung 
die Rede sein. 

S. 276. lässt Hr. Kr. den jungen Athener, nachdem er zwei 
Jahre als xeglnokog gedient hatte, und dann in den nlvct^ 
tKxXrjöiaözix^g eingetragen war, noch einen zweijährigen Feld- 
dienst (alg {fnsQoglovg no^ifiovgf ^ iv toig (ibqböi öTgatßla) 
ausserhalb der Grenzen beginnen, und nach Beendigung desselben 
in den gewöhnlichen ordentlichen Dienst (iv Totg Inovvnöig) &n^ 
treten. Wir können diese Unterscheidung, mindestens nach der 
angeführten Stelle aus Aesch. R. g. Tim. § 167. (denn Xetioph^ 
Hell. IV« 5, 15 sq; gehört gar nicht hierher), nicht für gegründet 
halten. Denn wenn Aeschines, nachdem er von seinem Feripolen-; 



80 GriechiiiGlie Altertlmmslcaiide« 

dicliste gesprochen, foiifihrt, ngmtipf if iiBiJ&Av ötgeetBldcv tifif 
iv rotg fiigsöi xalovfiivijv^ so mösste doch erst bewiesen werden, 
Aiss diese Expedition in die unmittelbu" folgenden Jahre fiel. 
Ans TCQoitijv aber auf eine zweijährige Dienstzeit dieser angebli- 
dien Art schliessen zu wollen, ist mehr als gewagt. Dass jedoch 
^iese ötgatila Iv rotg fiSQBöv nicht bloss den Biirgem vom 20 — 
22. Jahre anheimfiel , erhellt deutlich aus der Zusammenstellung 
bei Aesch. § 168. ^al ras ccllag tccg ix diadoxijs i^odovg tdg iv 
rcig incovv^oig xal tolg fiigeöiv i^k^ov. Auch scheint es nicht 
Im Wesen der öTpatBia iv tolg (A6QSöi zu liegen, dass dieselbe 
ausserhalb der Landesgrenze vor sich gehen musste« Der 
Feind konnte ja im Lande stehen. In Friedenszeiten aber musste 
es , wenn Hr. Kr. Recht hätte , oft vorkommen , dass die ganze 
Altersclasse jenen gesetzlich vorgeschriebenen Felddienst gar nicht 
thun konnte, weil eben kein Feind ausserhalb der Grenzen zu be- 
kämpfen war. So wäre aber der Zweck der ganzen Einrichtung 
verloren gegangen. Endlich kann auch der Dienst iv tolg incnv- 
Vfi0i$ nicht erst mit dem 22. Jahre begonnen, sondern muss gleich 
mit dem 18. seinen Anfang genommen haben ; anders wenigstens 
lassen sich die Angaben nicht vereinigen, dass das kriegspilichtige 
Alter bis zum 60. Jahre reichte, und dass es 42 Kponymoi, also 
gleichsam 42 Jahrgänge der Kriegsmannschaft oder Aufgebote 
gab. Sagt doch auch Aristoteles bei Harp. s. v« Ctgatsla iv tolg 
ixavvnotg^ dass gleich die Epheben in die Dienstliste eingezeich- 
net wurden , also mit Ablauf des 18. Jahres. Vgl. noch Böckh 
ind. lectt Berol. 18^g. G. F. Hermann Lehrb. d. griech. Staatsalt. 
§ 152, 13. Schömann antiq. iur. publ. Gr. p. 254. 

S. 305. ist die Beschreibung des Spieles inlcxvgog nicht 
reht anschaulich , desgleichen die der ersten Art des Ball^ieles 
8.309. 

S. 311, 4. Bei Plut. vit. dec. oratt. p. 338. hatte der Verf. 
nur die Retske'sche Ausgabe, wie es scheint, vor Augen; dort 
aber wollte nicht erst Schneider HeXrjtCöat (nicht xfXr^tl^Bi) und 
Hskr^tl^cav lesen, sondern dasselbe schlugen bereits Hier. Wolf, 
Xjlander u. A. vor. 

S. 324, 1. iv HOtvXy kann nicht ein besonderes Spiel für sich 
gewesen sein, sondern war, wie aus Athen. XI. p. 479. A. erhellt, 
wozu der Verf. selbst noch andere Analogien hinzufügt, bloss der 
letzte Act gewisser Spiele, die dem Besiegten auferlegte Strafe. 

S. 372, 5. dürfte auf die Erklärung des 6taq)vkodg6fiOi bei 
Hesjchios in der That mehr Rücksicht zu nehmen sein. 

S. 374. Ob der Schnelllauf des Eachidas die Ursache war^ 
dass bei den Eleutherien zu Platää der Wettlauf vor den übrigen 
Kampfarten den Vorrang behauptete, wollen wir dahingestellt 
sein lassen. 

S. 384, 3. Bei Apollod. bibl. III. 6 , 4. corrigirte Valckenaer 
aAiiatL für agfiatu. 



Krause : I>Ia Gyanaatik mid dh Spiele der Griechen. 81 

B. 384, 24. Bas Spr&chwiNrt iMp ti iömtitßha fiUitf oi, 
niqS^v gebrauchen auch Luciaii. Somn. 6. und Clem. Alex. Qtrook 
Y. p. 251. Vgl. Euslatli. z, Od. a. p. 1591. Schneider s. VitniT. V. 
11, 4. und Schneidewein z. Zenob. prov. Yll. 23. p. 168. 

S. 403, 6. waf das Scholion zu Find. Nem« voUaUtndig mitaii- 
theilen: Iv *ji%ijvttis q>€cclv $vQ^69ai %i^ na^^ötgixnv vxi 
^boQßaytog rov Tcatdotglßov Qf^ösag' 9sQsxvdiig is ifvloxw 
%ov OcQßctvtd gniöi Gticiwg^ 6vv 9 Hat ti^w Wftcc^öf a agita^si. 
xal üolBiiCDv etc. Ein anderer Ringer Phorba« k% wohl der fm 
Hom. Hymn. in Apoll, t. 212. und beim SchoL Hon. Jliad.. XXIII. 
660. genannte. 

§• 403, 7. konnte Herakles Ringkampf mit Acheloos erwähnt 
werden. 

S. 432, 8. Vgl. uakuuöfuc dixaötfiglov bei Aescb. g. Ktes. § 205. 

S. 440, 3. Bei ApoUod. bibl. 1. 4, 3. corrigirt Jacobs oC^tamw 
fnr Si6h^hv* 

S. 588, 5« Bei Flut. Cim. c. 5. findet sich nichts über Rosse- 
zucht oder Reiterei der Thraker. 

S. 616, 5. Vgl. jedoch Eratosth. Gataster. c. 40. 

S. 617, 11. Ein Beispiel von Jagd zu Boss s. bei Farthen. 
narrst, amat* c. 32. 

S. 626, IQ. Die Notisen aber die Bader zu Erythrai und 
Lipara stehen sehr vereinzelt und liessen sich gar selur vermehren, 
lieber Dampf- und Schwitzbäder kann noch Palaephat. d. incred, 
c. 44. verglichen werden , und über die Taucher (S. 632.) ders. 
c. 28. Auch jetzt noch sind die Bewohner der griechischen In- 
seln geschickte Taucher; als solche sind besonders die Schwamm- 
fisclier von Symi, einer Insel au der karischen. Küste , bekannt. 
Ueber das Sprichwort fif^te Vhlv fcifrs yganiiava (S. 633, .10.) vgL' 
V. Leütsch. zu Diogenian. prov. VI. 56. p. 278. 

^EkXfjv. 1. 2. S. 681« Auch hier scheint Hr. Kr. etwas zu 
sehr für Sparta eingenommen, wenn er sagt, dass es in anderen 
Staaten wenig Unterschied gemacht habe, ob der Kämpfer mit ei- 
nem braven bder feigen Antagonisten zusammengestellt wurde. Dass 
wenigstens die Athener dasselbe point d'honneur hatten, diirfte 
sich z. B. schon aus Aesch. g. Ktes. § 88. ergeben. 

S. 698. sind die Festspiele beim Heiligthum der Artemis 
Limoatis aus Ross Reis. I. S. 19. nachzutragen. 

S. 700, 19. sind Herod. IX. 70. und Flut. Arist. c. 19. hin- 
zuzufügen. 

S. 715, 3. hatten neben Schoock Achaja vetus wenigstens 
auch Bayer's fasti Achaici und Merteker's Achfdcorum libri tres 
Erwähnung verdient. Die ältere Geschichte von Achaja bietet 
allerdings nicht viel Interessantes dar, doch hat der Verf. dieselbe 
S. 717.^ meist nur nach Fausanias Angaben , doch gar zu summa- 
risch abgethan. Der Antlieil z. B., welchen die Achäer am Kriege 
zwischen Theben und Sparta nahmen, erhellt aus Xenoph. Hell. 

W. Jahrb. f. Phii. h. Paed. od. Krü, Bibl. Bd. XXXVI. A/t 1^ 6 



82 Griechiiche Alt^rthomikiinde. 

Vn. 1, 41. sq., am heflifren Kriege, tut Diodf. Sic/XVL 30. 37., 
am Kriege Athens gegen Philipp, 108 Aesch. g. Ktea. § 95., an dem 
der Peioponnesier gegen Antipater Ol. 112-^ aus Aesch. ebend. § 165. 
Im Folgenden scheint uns S. 750. Korkyra, 777. Phokis, 784. f. 
Aitollea und Lokris, 787. Euboia verhSUnissmässig kun behandelt. 

8.. 734, 1. Ikber den Hippodromos auf dem Lykaion vgl. Rosa 
Reis. I. S. 91. 

S. 763, 2. hat Hr. Kr. vergessen, dass er das Stadium au 
Eleusis schon I. S. 134, 5. genannt 

^ S. 764, 4. ist Aesch. g. Ktes. §• 179. su streichen. Diese 
Stelle citirt zwar der Verf. nach Bekker, hat dieselbe jedoch zu* 
nichst vermuthlich aus Reiske oder aus der Stereotypausgabc ge- 
nommen: dort nämlich uteht Jlava/Stijvcuaj wahrend Bekker ans 
allen seinen Handschriften 'OAv/usrca geschrieben hat. lieber die 
*AvdQ(yyBiiivt« ebendas. fehlen die Belegstellen. Vgl. Hesych. s. 
▼. £3c' BVQvyvy dyav. Ein Altar des Androgens stand im Pbale- 
ron. Paus. 1. 1, 4. 

S. 767, 26. ist Paus. I. 18, 3. hinzuzufügen. 

S. 771. ist das Fest übersehen, welches nach Plnt. Sol. 

c. 9. zum Andenken an das Unternehmen , wodurch die Athener 

/den Meearem Salamis abgewannen, auf dieser Insel gefeiert wurde. 

Si 831, 1. sagt Hr. Kr., dass von den Jungfrauen, welche zu 
Karyai (nicht Karya), einem lakonischen Orte, alljährlich Chöre 
zu Ehren der Artemis aufführten, in der antiken Baukunst die 
weiblichen Figuren als Trager den Namen Karyatiden führten, 
^ wie z. B. die an der offenen Halle des Erechtheion zu Athen. Die 
neuere Literatur über diesen Gegenstand steht uns im Augenblick 
nicht zu Gebote, doch erinnern wir^ dass ausser Anderen schon 
Lessing , Werke X. S. 369., und Böttiger, Amalth. HL S. 137. 
ff. dagegen sich erklärten. Dass jene Tänzerinnen bildlich darge- 
stellt werden konnten, mag nicht geläugnet werden, ja Plut. 
Artax. c. 18. erwähnt ausdrücklich eine solche Darstellung auf ei-, 
nem Siegelringe, ylvtpiiv Iv fj 6q>Qayidi Kagvatldag o^x^v^ 
fiivccg. Aliein dafür, dass man denselben jene wdblichen Träger 
nachgebildet, giebt es nicht nur keinen eigentlichen Beweis, son- 
dern es spricht auch mancherlei dagegen, vor Allem die Wider- 
sinnigkeit , die man einem Volke von so offenem Sinn für Wahr- 
heit, Natürlichkeit und Einfachheit, wie die Griechen waren, nicht 
aufbürden sollte, tanzende Figuren, also das Symbol der hoch« 
sten Potenz von Lebendigkeit und Beweglichkeit, als todte un- 
bewegliche Stützen zu verwenden, Uebrigens hätten die 
Tänzerinnen von Karyai einen ausgebreiteteren Ruhm , das 
Fest der Arterais selbst ein weniger locales, ein allgemeineres In« 
teresse haben müssen , als es wirklich der Fall gewesen zu sein 
scheint, wenn jene Darstellung auch ausserhalb Lakedamon unter 
der Benennung Kagvitiieg sich verbreiten sollte. War ja auch 
der Ring bei Plutarch nur ein 6vi$ßoXov q>Mas xqös rovg iv 



Krause: Die Gymnastik und die'' Spiele der Griechen. 83* 

AaKtSalfLOvt övyysvBig xcrl olycstovg. Und was Athen betrifft^ 
so ist es, abgesehen anch davon, dass jene weibiichen Trager auch 
nicht im entferntesten eine Aehnlichkeit mit tanzenden Figuren 
haben, schon an sich durchans nnglaubh'ch, dass an einem Heilig- 
thiim der Atliene spartanische Jungfrauen, die an einem Feste der 
Artemis tanzen, nachgebildet worden seien. Es war dies eine Ehre, 
welche mir einheimischen Jungfrauen und im Dienste der Athene wi- 
derfahren konnte. Cebrigens heissen dieselben aucli auf der Inschrift 
im Corp. inscr. nr. 160. nicht KagvoitiÖBg^ sondern schlechtweg 
Tcogai» Es soll jedoch hiermit nicht gelaugnet werden, dass man den 
Namen KagvcctiÖsg schon im Alierthum auf eine Artfsolcher weib- 
licher Trager ata Gebäuden anwendete. Muller Dor. I. S. 374, 1. 
(und ebenso RossReis. I. ^S. 176, 31.) meint zwar, als stützende 
Bildsaulen kenne sie erst Yitruv. Allein wenn er sich zugleich 
in Betreff der Stellung der Tänzerinnen von Karyai auf Athen. 
YI. p. 241. D. bezieht, so giebt er dieser Stelle eine Deutung;, 
mit welcher wir nicht ganz einverstanden sein können« Dort heisst 
'es nämlich, EvxQatrig 6 KoQVÖog nlv&v nagd rci^i öaxgag 
ot;45i7$ tijg olxtagy lvtav9a^ q)ij6l^ dei^itvBlv 8bI 'öxoöt'^tfavTa 
rrj'if dgi^ngäv x^^Q^ äözsg al Kagvdudsg. Der ganze Scherz 
würde höchst matt und lahm sein, wollte 'mftn hier an die tanzen- 
den Jungfrauen von Karyai denken. Der Zusammenhang sowie 
die ganze Ausdracksweise, namentlich das vnoötTJCavta ^ das auf 
die Tänzerinnen bezogen gar keinen Sinn haben wurde, weist un- 
verkennbar auf jtne tragenden oder stützenden Figuren hin. 
Wenn man hier zu Gaste geladen wird, kann man nicht auf weiche 
Polster gelagert mit Ruhe und Bequemlichkeit sein Mahl einneh* 
men, sondern muss^ damit die Decke nicht einföllt, aufrecht stehen, 
wie eine Bildsäule, und wie die Karyatiden mit der linken Hand 
das Gebälk stützen. Indem nun aber Athenaeus diese Worte aus 
einer Schrift des Lynt^eus anführt, dieser aber, einr Schüler des 
Theophrast und Bruder des bekannten Samiers Duris, in den An- 
fang des 3. Jahrh. vor Chr. gehört, so folgte dass der Gebrauch 
des Namens KccgvdnÖBg für jene Figuren ziemlich alt ist. Die 
Erhebung des linken Armes zum Stützen muss ein stehender Zug 
an denselben gewesen sein, da dies gerade das Merkmal ist, wei- 
ches an der angeführten Stelle als > besondere Eigenthümlichkeit 
hervorgehoben wird. In diese Kategorie gehören aber die Träger 
an der Halle des Erechtheion nicht; denn diese haben nach der 
Abbildung bei Stuart Lief. YII. Taf. 6. 9. 10. beide Arme am Kör- 
per herabhängen. Später mag man jedoch die Benennung Kagva- 
tiSsg auf alle weibliche Figuren, welche als Stütze dienten, abge- 
sehen von ihrer Stellung, fibertragen haben. Dass man aber schon 
im Alterthum über die Entstehung dieser Benennung nicht im 
Klaren war, lehrt die Erzählung bei Yitruv I. 1., welcher doch 
vielleicht etwas Wahres zum Grunde liegt , obgleich sie gegen- 
wärtig fast allgemein für ein Küttirchen gilt. 

6* 



g4 Griechisckc Aiterthrnnakande. 

Olgmpia. Za der littertrhiitorlicbeii Uebenicht in der Vor- 
rede bemerken wir Folgendes. S. VI. iiber die i^t^tal ist jetzt 
Preller's schöne Auseinandersetzung, Polemon. frzgm. p. 161 ff«, 
SU vergleichen, zu S. IX. dcrs. p. 175. sq. fiber den ,)Unbckann- 
ten^^ ApoUoi CAnoklttqy nicht Jitokka^j^i wie auch das S. XII. 
über Polemon Vorgetragene aus derselben Schrift za berichtigen 
ist. — S. ix, druckt sich der Verf. iiber Timaios so aus, als habe 
derselbe ein besonderes Werk geschrieben, worin er, was Poly- 
bios ihm nachrühmt, die Ephoren mit den spartanischen Königen 
und die attischen Archonten und argivischen Priesterinnen mit 
den olympischen Figuren zusammenstellte, während er doch 
hödist wahrscheinlich diese Ausgleichungsversuche theib in der 
IBinleitung , thdls an den betreffenden Stellen seines grossen 6e- 
schiditswerks anstellte. Den angeblichen Irrthum Meier*s , als 
habe Timaies auch die Ephoren mit den Olympioniken verglichen, 
begeht Hr. Kr. selbst wieder S. 60, 2. Zu Timaios sind übrigens, 
wie zu einigen anderen der hier in der Vorrede genannten Ge- 
schichtschreiber , jetzt die Fragmenta histor. graecor. edd. 
Muelleri, Paris, Didot. 1841, nachzutragen. — S. XI. Copaa 
ist blos Variante zu Agrtapas bei Plinius, ebenso auch Acopas 
daselbst «— S. Xu. über Duria s. die Fragmentsammlung von 
HuUeman, Trat, ad Rhen. 1841. nebst der supplementarischen 
Epistola critica von J. M. van Gent, Lugd. Bat. 1842, und der Abb. 
von G. Eckertz, Bonn. 1842. — Ebendas. ist der Lemnier Philo^ 
ehoros als Verfasser einer Sqhrift yvfLvaötiKog aus Suidas angeführt. 
Hier hat Hr. Kr. den Suidas nicht selbst nachgesehen, sondern 
auf Treu und Glauben Meiern (allg. Encycl. III. 3. S. 293.) nach- 
gesprochen. Philostratos^ nicht Philochoros^ war der Verf. (vgl. 
auch Eudoc. p« 423.), derselbe, dessen Schrift nBQi yvßvaötiTcijg^ 
die gewiss von jener nicht verschieden war , S. XIII. aus Schol. 
Plat. Rep. I. p. 338. angefahrt wird. Ein wiederaufgefundenes 
Stück derselben ist seitdem von Kayser , Heidelb. 1840, bekannt 
gemacht worden. Vgl. Gymn. u. Agonist. I. S. XXXIV. ff. — 
S. XIII. Die Schrift des Hellanikoa^ [sQBtai t^g^Hgag^ über 
welche jetzt Preller d. Hellanico, Dorp. 1840, p. 34. sqq. zu ver- 
gleichen, handelte nicht von Festspielen. — Ueber Sleaichoroa 
war statt auf Suchfort vielmehr auf Kleine Stesich. fragm. p. 54. 
sqq. au verweisen* — S. XIV. schlägt der Verf. die Ueberreste 
des Werks des PlUegan, welches die Ueberschrifl 6Xv(ixladsg ^ 
XQOPiHa , ^ nicht tcbqI oXvfiulaiv oder 6Xv(i»l&v ^ ^^poi^txcii/ 
6vvay€3yii geführt zu haben scheint, etwas zu germg auf stwei an. 
Rec. hat in seinen Paradoxographen p. 205. sqq. deren 28 zu- 
sammengestellt; doch dass diese zum Theil auch Hr. Kr. gekannt hat« 
erheilt aus S. 412, 1. — S. XVI. über Pauaanias vgl. König do 
Paus, fide et auctoritate, Berol. 1832. 

S. 4, 3. hätten wir eine etwas ausführlichere und gründlichere 
Bntwickeluog der Bedeutung des Wortes dym gewünscht. Die 



Krause : Die GymnastUt und die Spiele der Griechen. 9& 

Biemerkiing, dass äyaiv uniihHg^eraat bei den griechiaehen Hiato- 
rikern als ^.Fddschlacht^ vorkomme, möchte doch etwaa lu be- 
schranken sein. 

S. 6, 21 Wenn ein Dolichodronos einmal (denn nur ein Bei« 
spiel wird aus Aesch. g. Ktes« § 91. beigebracht) ah Gesandter 
vorkommt,*^o darf man daraus nodi nicht schliessen, dasa derselbe 
zum Gesandten gewShIt worden, weil er ein Dolichodromos war. 
Ein tüchtiger Laufer mag der Mann gewesen sein , aber dasa er 
Siege errungen hatte, ist bloa Yermuthung. 

8. 13, i5. konnten auch die Eleutherien su Piatli genannt 
werden, welche gteichfaUs ursprünglich nichts anderes als Lei- 
chenspiele waren. S. Plut. Arist. c. 20. Ueber die Leiehenspiele 
zu Ehren Einzelner Tgl. jetzt Keil Anal, epigr. p. 39 sqq. 

S. 18 ff. Den Abschnitt über die Topographie von Olympia 
hatten wir besser durchgearbeitet und übersiehtKeher geordnet 
gewünscht; auch wäre hier ein Plan, wie ihn z. B. jetzt Kiepert 
im topogr. Atlas yon Hellas Tif« 7. in kleinem Maassstabe giebt, 
ganz an seiner Stelle gewesen. 

S« 21, 6. Den ofympisehen Zeus fuhrt als das erste der sie- 
ben Wunderwerke der Anonymus de incredib. c« 2. an. Philo war 
nach Orelli (c. 3. p. 12.) zu citiren» 

S. 23, 13. Bei Pkius. VI. 1», 5. steht xal Bvlavtlmv in kei- 
ner Handschrift, auch in der Pariser nicht. Böckh entdeckte die 
Lücke zuerst und füllte dieselbe dtirdi die Worte xai Bv%(«vtl&v^ 
%a\ o lUv 'EniSaftvlmv aus. Die neuesten Herausgeber, Schu- 
bart und Walz, halten die Lücke für noch grösser. — Ceber die 
Schatzhauser zu Delphi war wenigstens auch Fbus. X, 11. zu nen- 
nen. Vgl. Ulrichs Rel». K S. 61 f. 

S. 25, 19. findet sich eine seltsame Zusammenstellung, ,,die 
Monographien von Völkel, Müller, Siebenkees, Visconti, Böttiger, 
Tplken und Saggio^'^. Fast scheint e», als habe Hr. Kr. Saggio 
für den Namen eines Schriftstellers gebalten, wahrend doch der 
Saggio sul terapio e la statua die Giove in Olimpia von Haus ge- 
meint ist. 

S. 41, IS. \gt. Aesch. d. fals; leg § 12. ~ tsQopLfivta bei 
Dem. g. Timokr. p. 709. ist ganz einfach ein Festtag (vgl. Harpo- 
krat. 8. V.), tsga ^(liga (Aesch. g. Ktes. § 67.), wie auch das dort 
Angeführte Ton aHen Feiertagen gilt. Nachzutragen sind die 
Cnovf&al der Plataier, Plut. Anst. c. 21. Thnk. IL 71. 

S. 48, 32. Nicht im olympischen Gymnasium , sondern im 
Tempel der Demeter weihete Herodes Atticus die Statuen der 
Demeter und Köre ; denn ohne Zweifel ist mit Bekker und den 
folgenden Herausgebern bei Paus. VL 21, 2. so zn interpun- 
giren : ayaXyiaxa — ivk%7pLiv 'Hgmdiis. 'Eiß ry yvfiva^lm z« 
Iv 'OA. u. 8. w. 

S. 54, 7. Vgl. Plut. Moral, p. 850. B* 

S. 54. 9. scheint uns der Verf., obwohl der wahre Grund 



86 Griechische Aiterthamskunde. 

Qooh nicht uifgefunden sein mochte, mit Recht aus den »ngefubr- 
ten Stellen zu folgern, dass senden olympischen Spielen ßhe- 
franen als Zuschauerinnen ausgeschlossen gewesen, während 
Jungfrauen der Zutritt gestattet war. Den Gründen aber kön- 
nen wir kein Gewicht beilegen, welche er gegen sich selbst zu 
Gunsten der gegentheiligen Ansicht aufstellt, dass uns nirgends 
etwas von einer Reise einer Jungfrau zu den Olympien berichtet, 
auch nirgends ein Vorfall oder Auftritt zu Olympia erwähnt wird, 
bei welchem einer Jungfrau gedacht würde, lerner das&dic Reise 
für die Jungfrauen beschwerlich ^ für die Eltern, falls sie jene be- 
gleiteten, kostspielig, und wenn sie dieselben nicht begleiten woll- 
ten, Besorgniss erregend sein musste. Hieraus und aus der 
grossen Einschränkung, in welcher das weibliche Geschlecht bei 
den Innern gehalten wurde, ist der Verf. geneigt zu schliessen, 
dass nur Jungfrauen aus dorischen Staaten, und zwar nur aus de- 
nen des Peloponnesos (1) , oder vielleicht auch nur eingeborene 
Jungfrauen aus Elis zum Schauen der Wettkämpfe zugelassen 
wurden. Wir gestehen jedoch, die Noth wendigkeit dieser Schluss- 
folge nicht einzusehen. War Jungfrauen einmal der Zutritt ge- 
stattet (nag^^ovs da cÖk sYgyovdt d'säö^at^ sagt Pausanias), so 
wird man , wie dies überhaupt nicht im Sinne der Hellenen lag, 
und noch dazu an einem Feste, das ein Yereinigungspunkt für 
alle Hellenen sein sollte, nicht einen solchen Unterschied gemacht 
haben, dessen Durchführung übrigens auch ein sehr ausgebildetes 
Polizeiwesen voraussetzen lassen würde. Kam eine Jungfrau aus 
Athen oder aus Sparta zum Feste, so galt das gewiss gleich; die 
Beschwerden der Reise zu tragen oder vom Herrn Papa die Er- 
laubnisB dazu zu erhalten , war natürlich ganz ihre Sache. 

S« 59. ist es ein Missviarständniss, dass schon PhüochoroB sich 
der Olympiadenrecbnug «?orisiig«tr9ts0 bedient habe, vermuthlich 
durch die von Suidas angeführte Schrift ^OXv^iaiaiiq Iv ßißUogg 
ß\ welche jedoch, wie schon Jonsius vermuthete, sehr wahr- 
scheinlich nur ein Verzeichuiss der Olympiaden nebst Angabe der 
Sieger war, oder dadurch veranlasst, dass bei Siebeiis, wie es 
jetzt auch bei Mneller fragm. bist graec p. 393 sqq. geschehen 
ist, den Fragmenten dieses Historikers die entsprechenden Olym- 
piadenjahre vorangestellt sind. Ein Blick auf diese Fragmente 
zeigt jedQch , dass Philochoros seine Geschichtserzählung nur an 
die attischen Könige undArchonten anknüpfte. Sehr seltsam übri- 
gens finden wir die Zusammenstellung dieses Geschichtschreibers 
aus dem 3« Jahrh. vor Chr* mit Dejcippos^ der kein anderer ist als 
der bekannte P. Herennius Dexippus aus der Zeit des Gallienus^ 
Claudius u. s. w., also aus dem 3. Jahrh. nach Chr. 

S. 60. ist AgaklytQ8 zu streichen. Die Notiz bei Suidas s. t. 
KvilfBXLdäv' cig ^Ayankwog iv zy n oXvßnladv ist bereits aus 
Photius lex. p. 194. in 6g jiy. iv vip nagl *OkviknLag gebessert, 
und diese ^hrift fuhrt Hr. Kn selbst p. XVI. ganz richtig unter 



Krause : JHe Oymnutik und die Spiele der Gtiechen. 87 

dicBem Tilel aa. — Bei nmkgdidea ferner ^tnn Tjim Olymptaden- 
rechnun^noch nicht die Rede sein, da er die Olympiaden nicht sShIt, 
sondern nur elni^epsai olympische Sieger siir niheren Bcstimniiitig 
eines Jahres anführt« Und wie misslich es iiin die elironologl- 
sehen Notizen bei Xenophan (Hellen« B. I.) steht, ist sn bekannt, 
als dass von ihm hier sehr die Rede sein könnte. - In der Anmerkung 
war am SchlasS) namentlich auch in Beziehung auf die Reduction 
der griechisch^ Data nadi den Olympiaden auf den jidianischen 
Kalender, auf Ideier Chrono]. L S. 372 ff. zu Terweisen. 

S. 61^ 5. Ueber «zvtMtifQlg^ das auch noch bei Passow im 
Lexikon falsch erklirt Ist, Tgl. Kriger zu Cllnton's fast, hellen. 
li. p. 161. ed. Lips. 

& 72, 7. erkennt der Verf. richtige dass die Stelle des iPaus. 
T.8, 3. {dkvpLTniöi ds vötBQov rBtagty xal dixdty ngoöBti^tj 6q>l6L 
StttvXog^'*TnrivogStivi^QTIt6ttloq dvslkstolnlta d$avX& tovHo- 
rivov^ ty de i^rjg'jixav&os) lückenhaft ist. Eusebios nennt Akanthos 
als Sieger im Doliehos, die Einführung des Dollchos fehlt aber bei 
Pausanias, der übrigens immer nur den ersten Sieger in einer 
Karopfart, wie den zweiten in der folgenden Olympiade nennt. 
Wenn aber S. 239. dazu noch bemerkt wird, dass jedenfalls hier 
die Worte iki ra iollxq) ausgefallen seien , so reicht dies nicht 
aus, da vorher der Einführung des Doiichos besonders Erwähnung 
geschehen sein mnss, worauf auch der wiederholte und einen Ge- 
gensatz verlangende Ausdruck htl t(S dicniXqi hinfuhrt Wir ver- 
muthen daher, dass hinter dtavXog die Worte ty ös B^ijg Sohyog 
ausgefallen sind. Die folgende Wiederholung des xy dh i\ijg 
macht dann den vom Verf. gewünschten SSusatz inl vm 9oXL%ip 
uberfiiissig. 

S. 78, 5. Die Stelle des Paus. V. 14, 5. hat bei Scfaubart und 
Walz 1 besonders aus dem ersten Lugdunensis , eine wesentliche 
Umgestaltung erfahren: %vov6i, Sk ^Eöisla (aev ngcSty^ ÖBVtBgci) 
di T(p ^OkvßniG) Jd lovtsg inl tov ßfidfiov tov ivrog rov vaov. 
rglta dl inl heg ßcoftov (die folgende Lücke fuUen dieselben so 
ans ; KgovG) xal ^Pea - Ivtog tov vaov , wogegen Buttmann vor- 
schlug, Kg6v& &vov6i ocaVPicft %lx» Aaoltcc jdCi xal UoöBidavL 
Aaoita'' inl Sk svog ߧi(iov xal avtfjy xal avxni xa^iöxfjXBV ^ 
^vöLctl zBtccgtu xal »i^nza ^Agtiynit, ^vovöi xal Actoludv 
^A^riväy exta 'Egyccvn. 

S.80, 1. Vgl. Strab. VI. p. 270- 

S. 80, 2. Demostfa. p. eor. p. 487. R. stimmt nicht, und Bf id. 
p.552. gehört nicht hierher, da dort von den Nemeen die Rede 
Ist, wie der Verf. etwas weiter unten selbst richtig anfuhrt. Auch 
Andokides ging als Ardhitheoros zu den Olympien und Isthmien, 
And. d. myst. § 132.; wiewohl davon nicht viel Aufhebens zu ma- 
chen ist, da die Architheorie ja eine von den ordentlichen Leltur- 
gien war, die auch weniger namhafte Lemte treffen musste. Vgl. Lys. 



88 Griechische Alterthnmskttnde. 

or. XXI. § 5. BSckh SCaatsh. d. Ath. I. 8. 484. rechnet sie su den 
unwioliti^eren. 

8. 82, 5. mScbten wir das nfelit nnterselireiben, was Hr. Kr. 
ans Demosth« d. cor. p 953. 265. nnd 267. folgert Damals frei- 
lich war Drojsen's Schrift über die IJrkonden in Demosthenes 
Bede Tom Krana noch nicht erschienen; allein wir erinnern uns 
anch nichts dass der Verf. in den spiter herausgegebenen Binden 
auf diese Untersuchung Bficksicht genommen oder derselben einen 
EInfluss auf seine Benntaung jener Urkunden gestattet hitte (Tgl. 
8. 120, 6. 156, 11. 187, 10. PythlenS. 14, 14.). Hier war es 
dagegen rathsam , wenigstens auch des Widerspruchs von Seiten 
des Aeschines g« Ktes. § 32 ff. gegen die Gesetzlhdikdt jener 
ProclSmationen an den grossen Dionyslen su ^gedenken. 

S. 8S, 6. Auf der Inschrift im Corp. inscr. nr. 1688. Z. 45. 
ist nur noch der Buchstabe IT lesbar, was erst durch Bockh 
Uv^aCötttl erganst worden ist. Vgl noch Strab. IX. p. 404« 
Ueber die mit den Theoren zu den Festen aligesandten Thesmo- 
theten bei Demosth. d. fak. leg. p. 380. hätten wir gern etwas 
Näheres erfahren. 

S. 84, 9. Vgl. Aesch. g. Ktes. § 67. 

S. dl f. Ist nofinala nicht recht passend durch,, Schaugerathe, 
Schaugefässc^^ wiedergegeben. 

S. 92 , 28. Bei Andolc. g. Alliib. § 29. corrigirte tinM^ia 
schon Bfeurs. Graec. fer. p. 111. und später Vaickenaer, mgotegalf 
Pierson z. Moer. p. 332., %v6lag Scaiiger und Taylor lectt. Lys. 
p. 693., _ nicht erst Corsini und Böckh (Vgl. S. 178, 2.). Aus 
der ganzen Stelle ergiebt sich , wie Hr. Kr. richtig folgert, dass 
die Opfer der einzelnen Sieger denen der Theorien Torhergingen, 
zugleich aber auch, dass Tut den Tag, an welchem die Sieger 
opfern sollten, nichts festgesetzt war« Alkibiades verlangt die 
Festgefösse von den Architheoren, unter dem Yorwande, am Tage 
Tor dem Opfer, das die Theorie zu bringen hatte, zu seiner ei- 
genen Siegesfeier Gebrauch da?on zu machen {mg slg tdnwUia 
ty ngoTsgalf t^g ^völag xQ^öofi^vog); erwartet aber den folgen- 
den Tag ab und bringt sein Opfer unmittelbar vor dem der Theo- 
rie, so dass die Fremden, die gleich darauf dieselben Gefasse 
wieder bei dem Opfer der athenischen Theorie erblickten, welche 
sie eben erst bei dem Opfer des Alkibiades hatten figuriren sehen, 
glauben mussten, der Staat von Athen. bediene aich nicht seinen 
eigenen, sondern des Festgeraths des Alkibiades. Es muss also 
willkührlich gewesen sein, an welchem Tage die Sieger ihre Opfer 
brachten, wenn es nur vor denen der Theorien geschah. Auch 
sind die letzteren nicht au früh am Tage anzusetzen, weil sonst 
Alkibiades nicht Zeit genug gehabt haben wurde, vor jenen noch 
daa seinige au bringen. Dass aber die Theorien anch beim Be- 
ginn des Festes Opfer gebracht (S. 91.), ist ^mcrwiesen. 

8« 95, 34. Wenn einige olympische Sieger als ev^ftsvoi 



Kranso: Die Gymnastik ttsd die Spiele der Grieehen. SO 

dargestellt wnrdeo, m kann imn dies schwerlich «iif da« Öfter vor 
dem Kampfe oder auf das Gebet beziehen » welches sie Terrfchte- 
ten, bevor sie in die Verioosungsiirne griffen. Der Ktmatler 
konnte doch eigentlich nar den Moment ergreifen , wo der Sieg 
bereits errungen war« Der Fall des ApollonloH tthantes aber hei 
Paus. V. 21^ 5. (nicht Rhantis : 'Pavti^g steht schon seit Bekker lio 
Texte) wird kaum hieriier geiogen werden können^ da dieser ja in 
spät gekommen war und fiberhanpt keinen regelrechten Kampf 
bestand. 

S. 119, 24. tQir^tymviötijg nnd tgiTayrnviöxslv bei Demostliu 
d. cor. § 129. nnd d. fals. leg. § 200. haben keine Besiehung auf 
agonistische Verhältnisse, eben so wenig als die aus Luclan an- 
geführten Stellen, sondern sind, wie gewöhnlich, vom Schaiispie« 
ler gebraucht. 

S. 127,6. Aristoteles bei Harpokration nennt zuietat nicht 
sechs , sondern neun Hellanodiken. — Zu der Stelle des Pausw 
V. 9, 5. tragen wir O. Milller's Vorschlag im Rhein. Mus. 1834. 
S. 168., nifint^ xal ißdofit^Hoör^ , nach. 

S. 131, 18. fehlen die Belege daxu , dass Fremde ihre Strei- 
tigkeiten von den Hellanodiken entscheiden Hessen; denn hei 
Paus. IV. 5' und VIII. 40. steht nichts davon. Doch die Sache ist 
ganz glaublich, da das Schiedsrichteramt selbst In Staatsangelegen*- 
heften zuweilen nicht nur ganzen Staaten, sondern sogar einzelnen 
Minnern, welche Im Rufe der Rechtschaffeoheit standen und im 
Besitz des Sffentlichen Zutrauens waren, übertragen wurde (im- 
tgoni^ bIs löidtf^v)^ wie Themistokies, Flut. Them. c. 24t, und 
Periander, Herod. V. 95. 

S. 132, 17. Vgl. Plut. Sol. c 1. 

S. 133, 20. Die Bemerkung, die Athleten hStten nadi Themist. 
I, p. 17. sogar miissen Vater und Mutter nennen kSnnen, steht dort 
ganz vereinzelt und gehört eigentlich nach Anm. 17. Denn der 
Zweck dieser Maassregel war offenbar kein anderer , als die Her- 
kunft derer zu ermitteln, weiche sich zum Kampfe meldeten: sie 
mussten sich als Hellenen und freie Bürger ausweisen. Wir er- 
innern vergleichsweise an die Prüfung der Archonten zu Athen, 
denen dieselbe Frage vorgelegt wurde, s. Demosth. g. Eubul. 
p. 1319. 

S« 134, 21. Ob einer unter den Knaben oder unter den 
MSnnern kämpfen sollte, bestimmte sich wohl zunichst nach dem 
Alter. Die Grenze war das zurückgelegte 18. Jahr, der Eintritt 
in die Ephebie (s. Gymn. I. S. 275.). Dies führt auch Paus. VI. 
14, 1. als Grund an , oydoov yäg inl tolg dixa haöi ysfov&g 
fii} 7taXäi6ai fihv h xaiöiv vMo^HXttmv airi^iladi;, ivf^yogsv^ 
dl iv dvdgaöiv, 

S. 136. überzeugt Hr. Kr. nicht, wenn er die gesetzlichen 
dre!8sigtägfgen Einübungen der Agonisten der ngoxgiöig voraus- 
gehen iasst Er selbst nennt Ja die Agonisten kampffähige^ ein 



W Griechische Alterthamskunde. 

PriiUcit, dM ilmeo iiielii eher nih«m, «1« bi^ tie ihre Berechti- 
gung licchgewicseB. Gewiss waren jene Vornbungen. vergeblich, 
wenn bei der darauf folgenden Prüfung nicht allen Anforderungen 
Genüge geleistet wurde. War das Letstere auch nur selten der 
Fall , so ist dies für die Sache doch nicht beweisend. Dass es 
aber vorgelcommen sei, dass wirldich Unberufene sich einsudran* 
gen versucht hatten, dafür spricht schon die Binführung der Pra- 
fung selbst» Auch hebt der Verf. diese seine Ansieht S« 137. wie- 
der durch die Annahme einer doppelten ngoxQLöig auf, einer 
vorläufigen oder allgemeinen bei der ersten Meldung, und einer 
ausführlicheren nach abgehaltenen Vorübungen. l)iese doppelte 
Prüfung kommt uns aber noch viel unwahrscheinliclier vor, da sie 
eigentlich gar keinen Zweck hat. Einmai die Kampffähigkeit 
nachgewiesen, und es war genug. Die Nothwendigkeit eines 
«weiten Nachweises Hesse voraussetzen, dass die erste ungenügend, 
und somit überflüssig war. Bedenkt man nun, wie sehr sich beim 
Beginn der Festfeier selbst die Geschäfte für die Behörden häufen 
niussten, so wird man es sehr glaublich finden, wie es auch schon 
in der Natur der Sache liegt, dass die Prüfung ein für allemal 
gleich bei der ersten Meldung abgelegt wurde. 

S. 142, 45. „Unverzeihlich ist aber der Irrthum der Ausle- 
ger cum Thukyd. V. 50., welche die Qcißöovxoi und BXkavoöUai 
Rr identisch halten.^^ Aus der zweiten G6iler*schen Ausgabe des^ 
Thukydides (1836) konnte sich Hr. Kr. überzeugen, dass der Irr- 
thum bereits berichtigt war. — 9$f}x6kip bei Paus. V. 15, 6. cor- 
rigirte schon Kuhn. 

S. 156, 11. muss es heissen Demosth. d. cor. p. 267. statt 
p. 243. 253. Es fehlt die Häuptsteile über die ^ivoi 6tiq>avoi 
und den. deshalb su Athen erlassenen /Iiow0ia%6g vo^koghel 
Aesch. g. Ktes. § 34 sqq. — Ueber Alexanders Bekanntmachung 
SU Olympia vgl. auch Plut Arist. c. 11. Alex. c. 34. 

S. 166, 17. Die Inschrift im Corp. inscr. nr. 2793, ist unvoll- 
ständig, und daher unbestimmt, ob die erwähnten Kränze dem 
Manne als Preise für errungene Siege oder nicht vielmehr für 
seine Verdienste um den Staat verliehen waren. 

S. 167, 18. Wenn Corp. In^cr. nr. 234^ die einzige Stelle ist, 
aus welcher man vermuthen möchte, dass in den Nemeen viel- 
leicht in spater Zeit den Siegern eine Zeitlang ein Eichenlaub- 
kränz gegeben worden sei , so ist wohl die Frage nicht abzuwei- 
sen, in wie weit es mit der corona quernea, in welcher angeb- 
lich das Wort NEMEJl dort eingeschlossen steht , seine Richtig* 
keit habe. 

S. 177, 35. Bei Herod. V. ia3. und Plat Cat. mai. c. 5. ist 
nur die Rede vom Grabe der Rosse des Kimon , nicht von einem 
Bilde derselben in Erz. 

S. 179 f. Dass die mit Opfern verbundenen Processionen den 
Theoren vorausgingen und die Aufzuge der einzelnen Sieger folg- 



Krause: Die Gymnastik und die Spiele der Griecheo. 91 

tcn, wird doch darch die obeo m & Ol» beftpffocheiie Sldle dee Aih 
dolcides etwa« problematisch, wenn man niclit die Opfer der Sieger 
Ton ihren Procesaionen trennen nud su verachiedenen Zeiten vor- 
genommen werden lassen will. 

S. 182, 11. Waren auch immer (1) »u Olympia Dichter an- 
wesend, welche Siegeshymnen Uefeni kaonten, so scheint «• 
doch, dass msn rieh in den meisten JPiUea stehender, wenigsteoe 
nicht er^t in der Eile sii Tcrfertigender Siegesgesonge bedieole. 

S. 163^ 2. waren in Bettig auf die beröchtigte Vorlesung des 
Herodot zu Olympia vor Allen die beiden Hauptverfechter der ver- 
schiedenen Ansichten zu nennen, Dehlmann Forsch. II. 1« und Krü^ 
ger Untersuch, über das Leben des Thukydides. Wir fügen noch 
hinzu Nissen In der Zeitschr. f. d. Alt. Wiss. 1839 nr. 25. und 
Rollmann griech. Denkwurdigk. S. 17ä ff. Röscher hat in seinem 
so eben erschienenen Werke über Leben , Werk nnd Zeltalter des 
Thucyd« S. 92 ff. die Sache ganz summarisch abgehandelt, ohne 
sich eigentlich zu entscheiden. Ginzlich übersehen aber ist tob 
den meisten Gelehrten bei dieser Untersuchung eine Notiz, welche 
zuerst Montfaucon bibl. Goisl. p. 609. bekannt machte und welche 
sich in der neuesten Ausgabe der Parömiographen I. in der Ap^ 
pend. IL 35. p. 400. wiederholt findet. Eine Vorlesung des He- 
rodot zu Korinth erwähnt Dio Chrys. XXXVII. p. 103.^ 
eine andere zu Athen Eusebios und Piot. d. mal. Herod. c. 26. und 
eine dritte wenigstens beabsichtigte ders. c 91.: nnd hiernach 
hat wahrscheinlich Lucian , nicht ohne darauf hinzudeuten, seine 
olympische Vorlesung fingirt. 

S. 184, 3. ist der Vortrag des Sophisten Lamachos au Olym*^ 
pia und die Gegenrede des Demosthenes aus Fiat. Dem. c. 9 
nachzutragen. 

S. 186. Dass alle diese Vortrage im Oxisthodomos des 
'Olyropieion gehalten worden seien, beruht einzig auf Luclan*8 
Angabe. Verdient die obige Notiz in der Append. proverb. einige 
Berücksichtigung, so möchte das nicht so ganz ausgemacht er- 
scheinen. 

S. 187, 9. Die von dem Astronomen Oinopides aufgestellte 
Tafel war ein Weihgeschenk, wie Hr. Kr. in der Anmerkung selbst 
anerkennt, gehört also nicht hierher, wo nur von Ausstellungen 
die Rede ist. 

S. 187, 10. Von den angeführten Stellen des Demosthenes ge- 
hört eigentlich nur d. cor. p. 256. hierher, und auch diese nur in 
sehr beschränktem Maasse. Vgl. oben zu S. 82. 

S. 193, 10. ist der einfache Ausdruck des Thuk. V. 50., 
ngoB^^dv ig tov dytSva dvidiiös %6v ^vloxov», ßovKofiBvag 
difXaaaL ort iavzov f^v xo agfia 9 doch etwas zu sehi; in's Schöiue 
gemalt „Lichas — konnte, als sein Wagenleuker gesiegt, die 
.unermcssliche Freude nicht in seiner Brust fassen, sondern trat 



92 Griechische Alterthumskunde. 

Me Oefthr vergessend heiror und belcränite seinen Wsgenlenker 
selbst.^^ 

8.200,8. Vgl. Plut. Arist. c. 27. 

S. 200, 4. Vgl. Paus. I. 18, 3. 28, 11. IX. 32, 5. 

S. 200,'5« stimmen die Citate ans Psnssnias nicht. Einiges 
kennte noeh dasu ans den Insdn-iften bemerkt werden. Vgl. noch 
Groddeck de proedria im Ind. leett. Vlin. 1821, auch in Friedem. 
und Seeb. misc. crit. I. 2. 

S. 204. fehlt bei den Olympien su Aigai die Zeitbestlnmittng, 
OL 111, 2. 

& 210, 26. Nach dem einfachen Ausdruck des Thukyd. 1. 126., 
KviAai¥ ^v okvßmovlxifg^ kann man nicht anders als Kyion für ei- 
nen Sieger in den ellschen Olympien halten. Der Scholiast macht 
nicht bi^r, smidern erst weiter unten zu den Worten ^OXifftTCuc tu 
iv IJiXonowTq^^ seine Bemei^^nng, nämlich xovxo nQ06Ühpc%v^ 
inudi^ S&civ^OkvputM xal iv Maxt^vl^ xcu Iv 'A&^vmS' ^^^s 
der eigentliche Name der letzteren ' O^VfixiBia gewesen sein möge, 
ist schon von Böckh bemerkt worden. 

S. 215. Der Artikel über die Olympien zu Dium bedarf einer 
Berichtigung. Der Verf. liess sich durch Suidas verführen, eine 
Veranstaltung dieses Festes Olymp. 101. durch Philipp von Ma- 
kedonien anzunehmen. £r bedachte wohl nicht, dass damals 
Amyntas regierte, Philipp aber; der Ol. 105, 1. in einem Alter 
?on 23 Jahren zur Regierung kam, noch in den Knabenjahren 
«taud, und verkannte dass die Stelle bei Suidas s. r. 'j^va^avigldfig 
(ysyovcis iv tols dyäöL OiUxTCov roiJ Manedovog okvfutiaöi 
Ixaroar^ ^Qcity) verderbt jst , was um so mehr zu verwundern, 
da er selbst S. 216» 41. die von Clinton, Melneke (vgl. auch 
dessen Hist. crit. com. gr. p. 367.) und Bernhardy gemachten Ver- 
besserungsvorschlage anfuhrt. Das Fest ward zwischen OL 91. 
und 95. eingesetzt von Archelaos, wie auch Arrian. exp. Alex. I. 
11. berichtet: xal tä TS z/tl %^ *OXvfinlcp f^v &v0tccv vw aV 
'Agx^kdov Iti xcc&Bötciöav S&vös ( j^Xi^avdgog) xal t&v ayc5vcc 
iv Jlyaig dis9fiHB zä 'OAti^sta (vgl. S. 204.). Dass das Fest von 
Alexander in Dium gefeiert worden, sagt Diod. Sic. XVIII 16«: 
dass es aber ebendaselbst auch von Philipp Ol. 108, 2. gefeiert 
worden sei , davon sagen wenigstens li^eder Demosth. d. fals. leg. 
p. 401. noch Diod. Sic. XVI. 55. und Suidas etwas, und es könn- 
ten dies ebensowohl die von Arrian genannten Olympien zu Aigai 
gewesen sein, wenn nicht Ulpian zu Demosth. a. O., den wir 
jetzt nicht nachsehen können, darüber bestimmten Aufschluss 
giebt. 

S. 218. Ueber die Olympien zu Kyzikos haben wir uns zwei 
Inschriften aus Caylus recueil d' antiq. IL Tab. 63. 64. notirt, wo- 
rüber wir freilich im Augenblick keine weitere Auskunft geben 
können. 

S. 223. ist za bemerken, dass der Pturiser Scholiast des Apol« 



Krause: Die Gymnastik oad die Spiel« der OmAm» 93 

4Ie OlympieD auf dem mtcedonischeii OljanMMi» nieht i«f 

dem thessaiisclieii begehen läsat: "Okvßnol Ü6iv 6|i &eMaiUaß, 

Auch Müller fragm. bistor. gr. p.~ 434, 35. hat die« übersehen. 

S. 226, 76. am Sehloaa fehlen die Belcgsiellen, welche dech 
ohne Muhe ans Ratligebera Abhandlimg, die nicbl leicht Jedem 
in Gebote stehen düiite,- beigeschrieben werden Iconnten. 

S. 236. folgt das Verseiehniss der olympischen Sieger In aK> 
phabetischer Ordnong. Hier hatten wir 'die Namen lieber grie- 
chisch gehabt und am Schlnss noch ein icnnes ubersichtlfehes 
chronologisches Verzeichnisse so weit es ausführbar ist, gewünscht, 
wie es ». B. für die Stadiodromol bis sur 55« Olympiade Clinton 
fast. hell. I. p. 241 sqq. gegeben hat Indem wir auch hier einige 
Naehtrige und Verbesserungen folgen lassen, bemerken wir sur 
Vermeidung von Missverstindnissen ausdrücklich, dass uns die 
Recenslon von Kayser, auf welche Hr. Kr. 'EXX^. 11. 2. S. Xi V W. 
sich besieht, und worin bereits E&iiges beridrtigt worden su sdn 
scheint, TÜllig unbekannt geblieben kt. 

S.' 236. ^^ Agathopus ein Axinite, nach Scaliger^s Aendernng 
im Texte des Africanus ein Aiginete.^^ Dies ist nach nnserm Da- 
fürhalten eine Tortreffllche und fast CTldente Emendation. Nicht 
dasselbe lässt sich von den Versuchen des Verf. S. 237., sagen: 
HitavLxii^ von Ilizitni ist nicht ganz richtig gebildet, mindestens 
eben so wenig gebrauchlich als *A0ivlti]g von 'jielvij^ sondern Ton 
dem ersteren ist das Ethnikon IIiTavaiosy von dem letzteren 
^AOiV^log oder ^Aöivhvg. 

S. 238. Agis, Bei Clinton fast. hell. I. p. 236. Ales nach 
Eusebios , ebenso p. 238. Anon statt Agnon^ wofür aber Hagnoh 
zu schreiben. Vgl. Keil Anal, epigr. p. 139« 

S. 239. war statt Akochas der sichere Name Anochoa , der 
weiter unten noch besonders aufgeführt wird, an die Spitze zu 
stellen. Ganz derselbe Fall Ist es mit Anehionia S. 243. (eine 
Form, welche bei Pausanias in den Handschriften blos einmal, 
III. 14, 3. , vorkommt) and Charmis S. 260., so wie Chioms S. 
261., mit Anodokos S. 245. und Viodoros S. 270., mit Deutelidaa 
S. 268. und Eutelidas S. 287. Desgleichen war in den einfachen 
Artikeln die richtige Form voranzustellen, wie S. 289. Esainetoa 
statt Esagento8^ S. S94. Gygea st. Gygia^ S. 327. Meneptolemos 
St. Menoptolemos ^ S. 345. Porös st. Pauros. .' 

S. 241. ist wohl etwas zu viel angenommen, wenn die Ge- 
mälde, auf denen Alkiblades mit der Olympia , Pythias und Ne» 
mea dargestellt war, mehr auf Künftiges als auf Vergangenes neb 
bezogen haben sollen. 

S« 245. Aniimachos wird von Phlegon bei Steph. Byz. s. t* 
AvthtovTioy als Sieger in die 4. Olymp, gesetzt 

S. 248. Arehidamoa. Schubart und Walz acbreiben !>ei Paus» 



94 G»riechisc&e Älterthamskunde. ^ 

VI. 1^ 9., wie auch schon Aldus und Bekker, *AQ%i9ayLog aus sie- 
ben Handschriften. 

8. 250. ^^Aristodamas^ richtiger Aristodemos}^ Der ietz« 
tere ist sicher aus Paus. VI. 3, 2., und wird von Africanus als Sie* 
ger in die 98. Olympiade gesetzt , womit auch die Erwähnung des- 
Künstlers Daidalos bei Pausanias stimmt. Anstodamas aber be- 
ruht ,wie es scheint, auf einem doppelten MissTerständnIss. in 
der Anthol. Palat. Append. t. IL p. 787. nr. 86. findet sich fol- 
gendes ICpigramm unter dem Namen des Simonides (bei Gaisfptd 
nr. 66.): ^ 

ov nXatSL vixdiv tfcofiaTog, dlkä tkjvqi* 
* Ai^iötodafiog ^Qaövg^ *Äksioe^ naXa. 
Zunächst erhellt hieraus, dass Hr. Kr. den Namen nicht rich- 
tig Aristodamas angiebt. Die Form Aristodamos aber bringt den 
Mann dem obigen Aristodemos schon um ein Bedeutendes näher« 
Hierzu nehme man, worauf auch der Verf. aufmerksam machte 
Folgendes. Der Aristodemos des Pausaniais war ein Sohn des 
Thrasis aus Elis^ gebürtig und siegte Im Ringkampf. Unser Ari- 
stodamos heisst d'gaövg *j4XBlog^ was unmöglich richtig sein kann : 
es liegt unendlich nahe, ©gdöidog 'Hknog zu corrigiren, und so 
war auch er ein Sohn des Thrasis aus Elis gebürtig und siegte im 
Ringkampf. So weit wäre die Identität beider gesichert. Hr. Kr. 
macht aber dagegen Folgendes geltend : 1) Simonides, der Verf. des 
Epigramms, starb Ol. 78, 1., der Aristodemos des Pausanias aber 
siegte Ol. 98. ; 2) durften die Eleer kraft eines alten Fluches nicht an 
den isthmischen Spielen Antheil nehmen, Aristodamos aber siegte in 
den lathmien ; 3) giebt Pausanias seinem Aristodemos 2 pythisclie 
Siege und 1 olympischen, während in dem Epigramm 1 isthmi- 
scher, 2 nemelsche und 2 olympische genannt sind. Diese Beden- 
ken lassen sich jedoch, freilich nicht ohne Gewalt, beseitigen. 

1) Simonides braucht nicht der bekannte Lyriker aus Keos gewesen 
zu sein, und auch Jacobs bemerkte t. III. p. 912., „iuniorls est Simo- 
nidis.^^ Diese Behauptung scheint nun zwar keinen andern Grund 
zu haben als eben die Annahme der Identität beider Sieger: allein 
auch Schneidewin muss da» Gewicht derselben anerkannt haben, 
da er in seiner Sammlung dieses Epigramm unterdrückte* In die* 
sem Falle müssten wir wohl an den Magnesier Simonides denken ; 
denn der Enkel des Simonides aus Keos, der Genealog, konnte 80 
Jahr nach dem Tode seines Groi^sTaters nicht mehr am Leben sein. 

2) corrigirte schon Brunck im Epigramm Tlv&ia für" lö^inta^ frei- 
lich erst nach Pausanias. 3) ist die Stelle des Pausanias selbst 
keineswegs so sicher als Hr. Kr. meint: ytyovaöi Sk aikiS xoA 
Ilv^pi dvo vlHa$ haben nur 2 Handschriften, 5 dagegen y. o. a. k* 
xv%öi dvo aal vlxij(ia^ wodurch Schubart und Walz auf die Con- 
jectur dvo vIkoci xal Nsfiia geleitet wurden. Setzt man nun in 
dem Epigramm das Komma'beidemal hinter dlg mit Jacobs , nicht 



Kranke: die Gymnastik anid'die S|}iele dof Griechen« 95 

TOT dtntdle^ wie es Hr. ¥r. thiit so stimiiit nnn'^Ile« ^wiriil ni- 
sammeii : Aristodemos des Thrasis Soha aas Blis siegte swelmal 
in den Pytliien^ vweinMi in den Nemeen , einmal in den Olympien 
(wonach S. 251. der Artikel Aristodemos zu berichtigen) in Rinf- 
kampf. Wir verkennen nicht das Gewa^e dieser ComUnation; 
allein wo das Uebrige so auffallend Busammentrifflt (auch das rifvif^ 
dem bei Africanus ov (iiöa ovöüg SXaßBV entsprechen mag), kann 
schon etwas gewagt werden. 

S. 260. Charinos. Die Richtigkeit des Namens Bpkharinaa 
bei Paus. I. 23, 11., welcher audi schon von Ciavier in den Text 
gesetzt wurde und in der neuesten Ausgabe dmrch sehn Hand- 
schriften bestätiget wird , ist durch eine neuerdings entdeckte In- 
schrift zu vollkommener Gewissheit erhoben. Aus eben dieser 
Inschrift geht zugleich hervor, dass der Name des Künstlers, wel- 
cher die Statue des Epicharinos verfertigte^ nicht Kritias, sondern 
Kritios war. S. Ross ,,Kr]tio6 , N^siotis^^ etc., Athen 1839 raid 
im Kunstblatt 1840 iir. 11. Hiernach ist unten S. 279. Bplcliari- 
nos einzuschalten; vielleicht war er ein Athener, obgldch Pansa* 
nias sein Vaterland nicht angiebt. Der CharinoB aus Elis bei 
Paus. VI. 15, 2. wird demnach ein anderer gewesen sein. 

S. 262. Chrysomasos. Bei Clinton fast hell. I. p. 224. 
Ckrjfsamachos. 

Ebendas. ist aus Steph. Byz. s. v. dvönovtiov (wie oben , in 
dem Fragment aus dem vollständigen Werke, welches zuerst Moni* 
laucon bibl. Coislin. p. 281 sqq. bekannt machte) nach Phlegon 
Daippoa aus Kreton als Sieger im Faustkampf in der 27. Olympiade 
einzufügen. 

S. 265. Deber Dämon den Thurier vgl. noch Paus. IV. 27, 5. 
VI. 5, 2. 

S. 266. Bei Paus. VI. 1, 2. schreibt man jetzt nach Bekker^s 
evidenter Emendation nktjaiov dh xov KktoyivovQ jdsivoJioxos v< 
KBltai UvQQOV Ttai (statt Jlvggoq zs xal) Tgcalkog ^AkKLvov. 
Er giebt also nicht drei elleische Sieger zugleich an , sondern nur 
zwei, Deinolocho8 und Troilos: der angebliche Dritte, Pyrrhos^ 
ist hier und unten S. 364. zu streichen. 

S. 269. Ueber Diagoras vgl. auch Gell. noct. att; III. 15. . 

S. 276. Duria ist als olympischer Sieger mehr als verdäcli- 
tig, indem er einzig auf einer äusserst verderbten Stelle des Paus. 
VI. 13, 5. beruht. Die Lesart 6xiqkrig S0ti^HS ^ovgig 6 Sofiiog 
steht zwar in den Ausgaben von Aldus bis auf Siebeiis im Texte, 
findet sich sber in keiner der zahlreichen neuerdings verglichenen 
Handschriften. Einmal- nämlich folgt in 4 Mss. nach av^kng der 
Zusatz ^al og, In 1 xal oatxg^ statt ^ov0$g aber haben 7 Mss. 
dovgiog* Danach edirte Bekker cx^kag xal Sg ^etfjuBv o /Jovgui^ 
Za^ilog^ mit dem Bemerken, dass in xal Sg der Name des Siegers 
versteckt sein möge.- Ziemlich evident und sehr glucklich ist die 
Emendation Snalog^ welche« mit Beziehung auf Herod. V. 60. von 



96 . Gri«ekU«k€ Alierthamskaftde. 

SdiiitNtft forni Wak ▼emidit and tack io de« Text «ai^eiiodiiMB 
worden Ut In Dcberdostimmun^ dtmit haben dkaelben auch 
gleich darauf fAr Xiaviv , das Sylburg und Cbvler unglncUicb in 
jdovQiV verwandelten, 2?)cai0f; geschrieben, ist nnn anch nach 
diesem lülleli Skaios noch nicbt gleich ohne Weiteres in das Ver- 
neichiiiss der Sieger surxunebnien, so ist doch daraus soTiei klar, 
flasa wenigstens Duria daraus gestridien werden muss. Noch be^ 
merken wir, da^s anch HuUeroan in seiner übrigens schätzbaren 
Sammlung der Fragmente des Duris p. 5. sq. sich su unhaltbaren 
Hypothesen hat verleiten lassen, indem er gleichfalls die obige 
Stelle des Pau^anias nach der alten Schreibiut als beglaubigt an- 
nahm und seiner Untersuchung sum Grunde legte. 

S. 277. ist Tielleichf ein Sieger mit dem Viergespann aus der 
27. Olympiade nacbsntragen. Stimh. Byz. nämlich fuhrt an der 
schon genannten Stelle s. t. ^ökovtiov Folgendes aus Phlegon 
nn: Iv h^ ^a'innog Kgoziovuitiig 9rv|, *Hkümv in ^v&xovzlov 
xUtQiTeuov- Oass hier nach srvl ein Komma zu setzen, nicht nach 
*HkBlmVy wie sonst, Jst klar: Rec. hat in seiner Ausgalie der Para- 
doxographen Termuthet, dass die Stelle corrupt und **Hlsiog zu 
sdireiben , also der Name des Siegers ausgefallen sei. Allem es 
ist vielleicht an eine Lücke nicht zu denken, da *HXHog auch der 
Name des Siegers, der am wenigsten bei einem geborenen Eleer 
Auffallendes hat, gewesen sein kann, wie er z. B. auch bei Isaios 
Menekl. § 0. und in den von Bockh edirten Inschrr. über das att. 
Seewesen XVIl. 6. 14. vorkommt Vgl. Kell Anal, epigr. p. 95. 
Ob aber auch ^HUl&v als Name sich rechtfertigen lasse, geben wir 
Kundigeren anhelm. 

8. 279. Epitelidas. Hinzuzufiigen ist Diod. Sic. V. 9. 

S. 282. Bualkis. Bei Paus. VI. 16, 4. liest man EuaXxiSa 
«dt Bekker, EiJailx/dj^ schon bei Siebeiis in der grosseren Ausgabe. 

S. 289. Z. ]. Ei9vvov haben bei Demosth. g. MId. § 71. 
nlle Handschriften BekkerV Vgl. über den Namen Steph. thes. 
ed. Dind. III. p. 2283. Auch wir glauben, dass dieser sowohl älp 
Sophilos Athener waren. 

S. 291. Garapammon. Sehr phusibel ist Clavier's Vorschlag 
2iaQa7ed(A(»av bei Paus. V. 21, 6. 

Ebendas. ist Gerenos aus Phllostr. d. gymn. p. 14 ed. Kayser 
nachzutragen. Auch Hm. Kr. ist derselbe später nicht entgan- 
gen. Vgl. Gymnast. I. p. XXXVII. 

S. 294. Gifgis. GyUs bei Clinton fast. hell. I. p. 198. 

S. 299. Hippen. ''Ifmov haben die meisten IJandschriften 
bei Paus. VI. 3, 2., nur Bwei7«9Koi; (ua Accusativ). Vgl. KeU AnaL 
epigr. p. 227. 

& 301. HgUoM. Schon Bekker schrieb bei Paus. VI. 14, 1. 
t^n^ N^HaövXog statt der Vulg. tvxijv vlxi^g '^TXlog^ Schubart 
und Wall fvxfv NixMvlag aus der Moskauer Hmdschrift : die 



Krause : Die. Gymnastik mid die Spiele der Griechen, ' 97 ' 

.iibrtgen variiren «wischen tvxijv vbutg vlXo£^ vUag iiXog% vtxng 
vMy$* V^). die Varr. ebendas. § 4. und Ktil Anal, epigr. p. 297. 

S 802. Ikaros. Vgl. auc)i Sieph. Byz. a. v/ntsgaöla. 

S 31«. Kyniska. Vgl. noch Paus. V. 12, 3. 

S. 317. i6t Lakrates aus Xenoph. Hell. If. 4, 83. tiaehxit- 
tragen, und S. 318. Termuthungswefse Laomedon aus Piut. De- 
nioslh. c. (}'. 

S. 346. ^^Peisirrhodosj too Pansanias Peisidoro» gennnni^, 
Slinde^teniB inconsequent ist es; wenn Schiibar^ ttud Walz bei 
Pau8. V. 6, 5, gegen alle Handschriften IJttöiÖviQOv ^ nnd-VI. 
7, 1. und 2., wo Terschiedene IMss. UuoläcDQos darbieten, Ilaiöl'' 
Qodog schreiben. *' 

S. 350. Bei Paus. VI. S, 3. corrigirte UaUTjvijg nicht erst 
Siebelis, sondern schon Goldhagen und Facins. 

. S. 351. «lieber das angcfi'ihrte Epigramm Vgl« noch AposL 
. prov. XIX. 92. und Zenob. VI. 23., und das. Schneidcwiu. ädn. crit. 

S. 374. Sphairoa. Sphairon aus Euseb. Clinton fast, hell« ' 
I. p. 200., welcher p. 198. auch Stomua statt Stomas schreibt. 

S. 377. ^^Tetloii, ein Thasier'S allerdings nach der Vulg. 
bei Paus. VI. 10, 2., doch haben die meisten Handschriften doit 
TskXova Sv ig ^doiov^ was schon Bekker hi Tikkova 'OgBöfti-' 
.Otoi' verwandelte. . 

S. 378. Thalpos. Bei Clinton fast. hell. I. p. 184. T%alpis. 
. . S. 382. ist das Epigramm des Simonides auf Theogneios aas 
Anthol. Planud. 2. hinzuzufügen. Vgl. Schneidewin. Bimonid« 
fragm. nr. 206. 

S. 401. Zenon. Vielmehr Xenon^ wie bei Paus. VI. 15, !• 
schon Bekker schrieb, jetzt Schubart und Walz aus sieben Hand- 
schriften. 

S. 412 — 420. sind die zwei grosseren Fragmente aus Pble- 
gons ^,0]ympiaden^^ (nicht,, über die Olympien^S's. oben zu S.XI V.; 
angehängt. S. 413, 2. ist ^t;()i;;i(Di;ro$ Emendatiou desMeursins, 
ebenso gleich nachher Eoov^ was auch Ahmerk. 3. der Verf. als 
das Richtige anerkennt und unbedenklich aufnehmen konnte. Bei 
Plutarch (Anm. 2.) ist der Verf. abermals über die Stcreotypaus- 
gabe nicht hinausgegangen: in allen neueren Ausgaben ist die 
richtige Form hergestellt, und bei SchSfer steht in der grösseren 
Ausgabe nur noch im Lykurg c. 2. Evgvtlava und EvgvTicDvliäQ. 

S. 414, 8. über ze steht in der Handschrift ein Punkt, d. i. 
so viel als dele^ und das muss geschehn, wenn man nicht mit 
Xylander xo'r« schreiben will. — S, 414, 13. anoötdvteg] Rec. 
' corrigirte in seiner Ausgäbe der Paradoxogr. p.206. aTVüOrsilavttg^ 
' was er noch für richtig hält^ zumal da er darin mit Leopardi zu- 
sammentraf, (vgl. Archiv f. Pliilol. u. Padag. 1840. S. 286.) S. 
auch Eroperius in d. Zeitschr. f. d. Alt. Wis^. 1839. S. 1148. — 
Das. Z. 18. ist '^fiiv wohl nur Schreibfehler; gleich darauf sind 
' des Verses halber die Worte (i^viv Tikitijg l|;^£t umzustellen, Z.19. 

iV; Jahrö, f. PhiU u. Päd, od, KrU. ßibL Bd» JLXWK UfUt, 7 



99 Griochitcb« Altertlinmfknnde. 

wpr w^öiivatnog «hne B^denkei aufiranebmeD (ig9t0ivdva»rog bei 
&ec. bt Druck- oder Schreibfehler). Die Aendemng atcfiff£ovv«i for 
mf$atn}vttg Ist nnsuliafdr, und auch unnöthl^, da daaParticIpiDm mit 
JU/sifi V« 12. susammetthaugt, wo freilich der Verf. As^ssi^ stehen 
llesa. -^ S« 415. Z. 1. di^iiowatav] Kec. Termuthete dj} Jidx^p 
»laVi Eroperins a. O. 8. 1149. gewiss richtiger d^ iaoXsv alav, — 
Z 5. djjfodsv durfte nkht stehen bleiben. — S. 416, 3. bt mit 
Emperlus 9vt* av für l0v av, und Z. 10. lAaioy fiir ilauSv »n 
•chreiben. 

Nur Weniges noch haben wir su ^EUiiv.. IL 2., worin die 
Pythien, Nemeen und Isthmien abgehandelt werden, sn bemerken. 
8« 1 ff. Ueber die Topographie von Delphi und seinen Um- 
gebungen sind jetst insbesondere die Untersuchungen jr<^ Thiencli 
.In den Abhandll. der Bfliinchener Akademie 1840, philos. phQol. 
Classe 8., 1—74. und Ulrichs Reis. u. Forsch, in Griechenl. I. 
,Cap. 1 — 8« naebsusehen, über den Unterschied von Krissa und 
Kirrha (8. 3. u. 15.) Deiy. 8. 17 ff. und in den Abb. d. Hnnch. 
. Akad. t. O. 8. 75 — 78. . Dje Abhandlung von. J. F. 6. Tetadike 
4e Crisa et Cirrha^ 8trals. 1834. 4, kennen wir nicht ans eigener 
Ansicht, erlauben uns jedoch noch unsere Abh. d. Callisth. IL 1. 
p. 22. aniufuhren. 

V 8; 6, 18. ^AnoiXmv JIvi^LOß=xatQ{oog* Vgl. Meier d. gentiL 
AtU p. 28. und Uhricha iReisen h 8. 77 u. 91, 46. 

. 8. 14, 4. Dasa die Athener die Isthmien unter allen Festspielen 
am höchsten gestellt, ist nach einem so zweideutigen Instrument 
,tvij9 Amt Decret bei Demosth. d. cor. § 90 ff. wenigstens nicht so 
.l^atmoriacb au behaupten» 8. oben zu Olymp. 8. 82, 5. Dagegen 
spricht ja schon, dass Selon dem olympischen Sieger 500, dem 
Jathmischen nur 100 Drachmen als Preis i^ussetzte,Piut. Sol. c 23. 
piog. Laert.L55. Wenn aber der Ictztre hinzufügt^ xal ivcekoyov 
.i^l %i&v aJUov, so möchte hierdurch allein, dem Plutarch gcgen- 
pbepr, Bockh's Ansicht, dass damals, zu Solons Zeit, ausser den 
• Olympien und Isthmien keine allgemeinen Spiele begangen wur- 
den 9. noch nicht hinreichend widerlegt sein. YgL auch 8. 116. 
und Olymp. 8. 199, 2., wo der Verf. selbst auch ln\ täv 
,&U,mv auf andere Feste, wie die grossen FanathenSen, zu bezie- 
hengeneigt ist. ; . 

.; . .8. 15, 16. Bei Aesch. g. Ktes. § 107. 108« ist jetzt mit den 
>Z'firiql|§r Herausgebern K^aYakiSai für *A%QayaXUöai zu schrei- 
ben. 8. Sauppe ep. crlt. ad 6. Hermann p. 5^. 

8. 16, 17. Die eigentlich sögepannte heilijje ^tr^sse 
Jltl^en ajos ging nicht bis Delphi, sondern nur bis Eleüsis. VgL 
f reller de via sacra Eleusinia, Dorpat. 1841. 

8. 3O3 5. Von den Stellen des Aeschines haben die der R. g. 

iKte8.p.522. und 554. fiir den angegebenen Zweck nur eine unter- 

(gjBCsdneteBiedeutung. Auch ist difB ErkläruQff nic^t unbedenklich, 

welche Böckh (8. 32, 15») von der ersteren derselben giebt. VgU 



Ton 

u 



\ 



« Kraue 9 Dk GyauMlik md Spifto 4«rfCrig(9pMi. #0 

Krlig^er xa Clinton fait hell. p. 215, '4. und Winiewskl comok in 
Deipo8tlu.ar,jd- cor«|if 2^7 aq. 

S. 32. Z. 4« Arutophanea^ wohl nur ▼erschriebeQ für ArU 
stophon, 

S. 34, 19. (vgl. S. 43.) Was den Ort der Aniphikt;onenver- 
aammliing betrifft, 30 wird man sich wohl mit Sehomann antiq. 
iiir. publ. gr. p. 391, 4. nach Heeren's Vorgange am besten dahin 
entstheiden, dass, wie auch Strab. IX. p. 420. berichtet, beide 
Versammhingen, die im Herbst und die im FH^hjalir, xunichst 
\\\ Pylai gehalten (daher nvkala der Ausdruck für beide , svila- 
yogat die Gesandten), Ton da aber die Sitxung Jedesmal herftber 
nach Delphi verlegt wurde. 

S. 35, 21. Aesch. d. fsts. leg. p. 502. stimmt niebt Dass 
aber ders. g. Ktes. § 110. 112. nichts weniger sagt, als dass bei 
der Fruhlingsversammlung dem Apollon, der Artemis, ^hene 
und Leto geopfert worden , davon kann «ich Jeder leieht selbst 
überzeugen. 

S. 37; 1. Die einzchien Attare auf dem Farnes konnte man 
in der Entfernung von mehreren Meilen unmöglich unterschei- 
den; auch stellten ja die Fythaisten sur HSlfle ihre Beobachtun- 
gen des Nachts an , und Strabon's Worte ßksuovtiov siff ini to 
/igfia zeigen^ deutlleh, dass man nur nngeiShr die Gegend, wo 
Harma lag, einen besonders scharf hervortretenden Zug in den 
Umrissen des Gebirgs Farnes^ als Augenpunct festhielt. 

o8:63^il&.iiglBröndstedaeis.u^lIntnrs,im Qm^^ I.8.14ff. 
S>.;*83. ^sehmaeas. .Die Form Al%i/kittg .Imh^agiv^^u&B pij- 
. mus bei'BauSi X. 33, 4.<siebt Keil Anal« epigr. p*.^5. vor. 

S* ^. Ai E. Simonides war nicht Ol. 53, 3t,,ifH)pde|rtt ßU 56, 1. 
geboren^. & Schneidewin Simon* fragm. f aolftgg, p. )1I», du Epi- 
gramm das. nr. 211. 

S. 91. 'U«ber Etmomo$ können noclvFlii^ihist„iiat«,nC« 27. 
Antig. Just./mfar. c. 1. Konontiarrat. c. 5;wm§lif^pn .«^erden« 

S. 1A7, 1. 'Warum über den Kampf 4«» D^f^kles roit.di^pi 
nemeischea.Uwen Mos die,€ins|ge Stelle, au$,def^ ^ip^einaios noy. 
bist b. Pbotios. bibl. cod. CXC. .aiigefuhrt whrd, ^st nicht giiipa 
klar» üeber das .Tomographische vgl. Le«ke Tra.¥^l^. in ih^JS/j^r^^ 
lU. p. 327 fqq,,^. sowie au S. l()5..'über die Xop)u;i;|phie.i^e9 Isib- 
mos deos« lU, p. 285 sqq. 

S. 164, 11« Der attisehe Demo« hiesnJRIiHiQnpa. (Pßißvwd^ 
nicht Rhainnnsia. 

!8.()80i^«,<i8t; unter »denfisthmi^en^Si^geni ^on aus Krefa 
nachsuliigen, lauf ..den «wir folgendes £pi|^:)9iyii,4eS;S|moiii4^ 
besltsao .(beiiSebmndewin /ragm. nr.,216.): 

K^iig "JiatiovAASvfiü 0oCßq^ 6Tiq>og "Tü^ftiiMi&v mv^» 
&.i2iO.JirUio4ama9. S. oben su Oljmp, S. 250. 

uä. ffe^termannm 



> , o -^ > * '' 'V 



100 Btbliogr^'piii'f eli9 Berichte und MilBcellen. 



1 

Bibliographische Berichte imd Migcellen« 



In London i^t 1841 erschienen : Hpmeri iLias lUera Digamma resti- 
. tula.. Ad metri leges revocapit et notatione brevi üluatravit T. S. Br and- 
.reth [2 Voll. 8.], welche den abenteuerlichen Einfall Payne Knights 
• wieder in's Leben ruft und auf eine neue Weise realisiren will/ Von 
Arnolds Ausgabe des Thucydides, welche man gegenwärtig für die 
. beste Handausgabe dieses Schriftstellers hält, weil der Herausgeber das 
Brauchbarste aus den sprachlichen und sachlichen Erörterungen der frü- 
heren Erklärer ausgewählt- und es mit hübschen eigenen Bemerkungen 
vermehrt hat, ist 1841 in Oxford die zweite Auflage erschienen und 
bringt, wie die erste, den griechischen Text, die Varietas iectionis, 
einen aweckmässigen Common tar, in welchem nur seltsamer Weise Ar- 
nolds eigene Anmerkungen wieder in englischer Sprache abgefasst, die 
übrigen in lateinischer Sprache gegeben sind, und eine Anzahl Karten 
und Excurse zur sachlichen Erörterung schwierigerer historischer Gegen- 
stände. Eine Specialerläuternng zu Thucydides hat auch 6. Dun bar 
in der Schrift: An attempt to ascertcdn the poaition of the Athenian lineB 
und the Syracusan defencei aa described by Thucydides [Edinbnrg 1841.] 
herausgegeben. 

In der Berliner Akademie der Wissenschaften hat der Professor 
' B e k k e r am ^. Mai 1842 eine Vorlesung über die Homerische Homonymie 
gehalten, welche durch eine frühere Vorlesung herrorgerufen war, in 
' welcher er die Binerleiheit der Namen Mentes und Mentor erörtert hatte, 
~ Da beide Namen schon in der Ilias vorkommen und von mehreren Perso- 
nen geführt werden , so gab dies zu der Bemerkung Anlass , dass der- 

• steidien Homonymie an sich nicht selten und leichter zu begreifen sei, 
wenn sie von einem Gedicht iti's andere hinübergehe, als wenn sie inner- 

• hafi) desselben Gedichtes stattfinde. Uebrigens sei sie im Homer immer 
auffallend, weil sie fast nie historische Namen treffe, und also von einem 
tind demselben Dichter: in einer reichen und biegsamen Sprache leicht 
habfe vermieden werden können« Am häufigsten kommen die Namen An- 

' tiphos und I*olybos vor, jener von drei verschiedenen Personen in der 
Ilias und von zweien in der Odyssee; Polybos als Sohn des Antenor 

'IL X', 59., als Vater des Eurymachos in der Odyssee, als ägyptischer 
Thebaner Od. d', 126., bei den Phäaken Od. &\ 373., unter den Preietn 

• Od. /, 243. Es sind dies alles Personen, di:<B auf eigenes und festbe- 
' grenztesT)Äs'eln in der Sage geringen Anspruch inacheh und auch so über 

das Gedicht vertheilt sind, dass die Annahme frei steht, die ohnehin 
deutlich gesonderten Theile, denen sie angehören, seien ursprünglich 
gar keine Theile gewesen, sondern hätten für sich bestanden. Remi- 
niscenz oder Nachbildung aber ist nicht zu verkennen in der Einfuhrung 
des Namens. Mentes in die Odyssee: denn jderselbe kommt Od« a% 105. 
:ip«;dttü)»elbeh. grammatischen und metrischen Formen vor, wie II« Qj 73« 






I^PVIHM 



BibiiograpkUcho S^erieht« iMCä .Alitt^tllBW Vih 

uxkd aach der Vater des 'MentßB Ancblados .ist aasr H^ s'» €09. g^MiVMB*, 
Die Odyssee hat in ihren .eigenen Crrcmzea v^epig Homonymie, ^eil sia 
überhaupt nvenig pcaum anderthoibhundert} Namen ha^,',\y«Bn man die, 
Götter und Heroen abrechnet. Wahrend die Ilias im SdiiffsTcrzeichnm»: 
in 350 Verseif 73 Namen von Anfuhrern hat, lyerdea Od*», 2^7* die; 
108 j^rifiier etwa so, wie die Robben des Proteus geaahlt, and nur 15, 
Namen erwähnt, TOn denen 5 aus. der. Ilias entlehnt sioidi bei s^eien^ 
auch die Namen der Väter. Ans der Schiffsmannschaft des Odysseus 
▼on 12 Schiffen werden nur Kurylochos und Elpenor genannt, Polites 
und Perimedes, beide homonym mit der Ilias, tauchen nur augenblicklich 
auf Od. x', 224. und l\ 23. Namenlos bleiben die Biegleiter des Mene-* 
laos,. die Hienerinnen der.Kalypso, der Kirke, der Naiisikaa, der Arete^ 
die Sohne und Töchter des Aeolos, selbst dtie .Tochter des Qymas, welch<^ 
doch Od. £^, 22. eine 15 Verse lange Rede halt. Aus der oiiriXniUr] des 
Teleroachos wird nur JIbC'qkio^ Klvtidrig oder KXvxiog Od. n, 327. nam- 
haft gemacht« Einige Personen sind in den fk€heren Gesängen oa^onlea 
und werden erst in den späteren genannt. So die twei ZoCen der Pene* 
lope a, 335., die o', 182. awd Namen der JliiM. fuhren. Die Schaffneria 
nimmt o', 168. den Namen Earynome an , den ii» der Ilias eine Okeanine 
hat, spaltet 'aber yielleiciht nodi von sieh eine ^ttla/Liijwo'^os BlBrynome 
ab. Od« tp\ 293. vgl. mit ri\ 8. Der Ziegenhirt Melanthios.oder Melaiw 
tbeas ist des DoliosSohn (q% 212. x\ 159.), die Magd Melentho, die 
mit den Freiem buhlt, aocfa Tochter des Dolios, o', 321. Doliöa selbst 
aberheisst der fromme und fareue Knecht, der mit seiner alten Sikeleria 
den greisen Laertes pflegt. In diesen Namen und dies^ Verwandtschaft 
liegen Motive Yon ungemeiner Stärke und Ergiiebigkeit, aber der Dichte^ 
hat sie gar nicht benutzt, nicht zu dem kürzesten Epiphonem, . nicht- aa 
dem flüchtigsten Winke Seitens der Handelnden von irgend einem Ber 
wusstsein ihrer eigentlichen Yerhältkiisse. [Aus der Hall. Allgem. Li^ 
Zeit. 1842. Intell. Bl. 37.] 



De Aeachyli choro SupplicufiK D&scrfofto . maugicrotit, 
quam — die XXIX. mens. Depembr. . a. MDCCCXLI. hora XJI. -^ 
publice defendet auctor Carolus Gustavus Aerailius Aiberti, 
Francofnrtatius Viadrinus» [Berolini formSs academicis. 51 3. 4.] Vor- 
liegende Abhandlung, der auf der letzten Seite ein kurzes Leben des 
Hrn. Verf. beigegeben ist, giebt ein schönes Zeugniss von dem Fleisse, 
der Umsicht und dem richtigen Tacte des auf drei Universitätea gebilde- 
ten, dem Ref. auch personlich Mebge wordenen jungen Gelehrten. Denn 
er bespricht in derselben die äusseren Verhältnisse, der altefi griechischen 
Tragödie , die bekanntlich zu den dunkelsten und schwierigsten Partien 
der classischen Alterthumswissenschaft gehören, mit So vieler Einsicht 
und Torortheilsfreier Forschung, dass mau,, sollte man auch nicht in 
allem Einzelnen demselben beipflichten können , doch dem rnhigen «nd 
besonnenen Gange der Untersuchung, dem em^n and festen. Streben, 
die gewonnenen Resultate zu begründen und sicher zu stellen', dem he- 
scheidenen und anspruchslosen Tone des Hrn. Ver€ em h^hos Leb (nii;- 



C«MÜr itM VMa^ed' kMn^ Wai nar tal'IaMIt der iMien Selitife 
Mbst atklaani, mh erllSrt flidi d«r Hr; Yerf«, iwdid«n er die Vencbie- 
ifeneii SUJtM der Alten aber die Zahl der Perionen dea Chorea aQ%e- 
IGlirt und die Aiuieliteii der Neirerett übe«* dieselben «MaaiiaeiigesteUt: 
tfnd geprüft bitt, 8. 10. dabin, dtta» nai^ der gaMMM Anlage dea SiGdcea 
d«Jr Chot ih den Sup^^kes dea Aes^b^^ webl auch ana f nnf s«bn Fer- 
Ionen beatandett baben Mase, defldü,' ^ie die« äna' ¥• d7& fgg^ 

tos i^ htüLCtj^ SttHiiiQetetv 

i»^etdtg6htt wdü eben ao Tiel<^ KenetfauMk im Sehe ge aianden batlen, 
die itf Ende dea filtSdcea V. 1029; 

llaeb dem Befeble ilirer Gebi^terintaeh ait Tb^ a* dem €3M»rgeaangd 
glMommen bStten. Denn daaa Me vorber mÜ an dem Clrorgeaanf Tbeil 
genomaien bätten f aei nadi denb IidiaH^ der frflberen Gfaergea&ige mcbi 
wabrscbeinlicby so^ie ea nach der Aaffardemng ibret C^bieterinnen 
y. 1033. anf der anderen Seite undenkbar a«, >daaa der Chor der I>ie-^ 
nerinnen ancb jetst noch stamme Person geblieben aeia tre^de* Eine 
{geringere Zahl ron Danaiden selbst anzuriebmeb, bieil Hm. A. der Unh> 
fctänd ab, dass hirgends sich ain Grund abnehmen lasse, wamm Aeachy- 
los gerade in diesem Stöcke Ton der gew6hnlichen Zahl abgewichen and 
eine geringere Zahl von Personen des Chors eingefahrt haben solle. 
Dagegen läsat er es noch unentschieden, ob nicht auch der Tross der 
Dienerinnen ans mehr Personen bestanden haben könne. Diese Annah* 
taen Bubht dann Hr« A. S. 11—- 19. durch das'Aeschyleiscbe Stuck selbst 
4a bestätigen lind geht sodann S. 19. zu der neuen Frage über, Mfaram 
Aescbylns gerade in diesem Stücke noch einen zweiten ChoT, der an 
sich wohl habe vermieden werden können, eingeführt haben möge, 
■jftlnen Grotid dakit findet Hr. A. darin, dass in einem anderen Stucke 
derselben Trilogie (denn er nimmt mit Welcker und den meisten übri- 
gen Gelehrten aa^ dass die iTiittdi^j Alyonztoi und JavatSes eine 
Trflogie gebildet haben), in den Danaideti, was auf die Snp^lic.ea 
for^gte, während ihm die Aegyptii vorangingen, ebenfalls ein doppelter 
Chor, aas den Danaiden und den Sdhnen des Aegyptos gebildet bestaOr 
iden habe (denn so glaubt er nach Suppl« v. 907. 928. and V. 713 s^ 
'annehmen m nidssen) und babe beiA^eb maasen. -Diesem Uiastande 
liabe Aeschylns nan schon in d^n Snpplices vorgearbeitet and viel- 
lliicht aUch schon in den Aegyptiis einen doppelten Ober ^gefahft 
gehabt. Um ^s noch wahrseb^tiche^ zu machen, sacht nnn.^er 
'ttr. Ve^. femerweit ^ beweisen , dass «ach in drei anderen Aesehylei^ 
'irtclbeh T*rileglen, in der Aehilleis, der Aethiopiii und'der Lycalr; 
«gia, in Betreff des Chores ein Reiches VerbaHiiiss stattgefunden irtn 
'ba'ben scheine, wie in den SupfUlceg, S. 21 — ^^2%. und nimmt noch för 
lienl&ifpolytiia des Earipides üi Bezog aof einen doppelten Chor 



"^a^^^K^mmmmmmmmmn 



Bibliogcapbifche 3^riohte and Miaceileii. lOS 

nach den Qch^II. sm V. 58 ige* ein glelthes Verhaltniss In Anfpracfay 
ä* 24. Die oben aufgestellte allgemeine Annahme aber, däss der Chor 
bei Aeschylus gewöhnlich aus fünfzehn t^erson^ii bestanden habe , such^ 
nun Hr. A. ferner dadurch za erhärten, dass er die übrigen noch Tor- 
handenen Stucke durchnimmt i^id zeigt , dass d^e ganze Einrichtung des 
einzelnen Stuckes uncl das, was man dem Chor in den Mund lege, den 
Beweis liefern, dass er bei Aeschylus'in deif Regel aus fünfzehn' Perso-^ 
nen bestanden habe, so in den Sieben gegen Theben S. 26^28., 
in den Persern S. 28 — 33- Wenn davon der Promethens vfn- 
ctus und die Orestia eine Aushahme mache, so walten da besondere 
Grunde ob , warum Aeschylus so und nicht anders den Chor eingerichtet 
habe, S. 34 fgg. penn in der Orestia seien auch andere lÜifirichtun- 
gen, die der späteren ausgebjldeteren Tragodte angehören, uAd ini Pro- 
metheus habe Aeschyius die l^ltanen wohl verdoppeln, und so die Zahl 
zwölf gewinnen, keineswegs aber fünfzehn Personen aus der ursprüng- 
lichen Sechszahl der Titahien schaffen können. Aber bei diesem 'Stucke 
finde sich nun fiuch alles Uebrige den zwölf Personen des Chores ange- 
messen, ^odapn sucht Hr. A. S. 39 fgg. in einer ausführlicheren Dar- 
|egnng zu beweisen, d^iss die Supplices des Aeschyius nicht nach 
der So, ÖI;^mp., wie A. &ockh und K. O. Müller Behauptet hatten^ 
isonderp vor derselben geschrieben sein müssen, was er vorzugsweise 
AUS inneren Gründen nachzuweisen sucht, in deren Folse er auch die 
Verinul^huog ausspricht, dass Aeschyius, wie bei andern seiner früheren 
Stücke, so auch bei den Supplices wohl seinen Stojff theilweise voH 
jPhrypichus eptle^nt haben ihoge. Zum Schlüsse seiner lesenswerthen 
Abhandlung ^iebt Hr. ^. S. 47 fgg. die einzig richtige Erklärung von der 
bekannten unj aqf verschiedene Weise erklärten Stelle von At'tstot'e''- 
^ je 8 PoeU cap. 4. Kai to tb xmv vnoviqirmv nXi^d^og i^ ipog sig 8vo 
or^ooTOs ji(a^vkpg rtyciys, xal rcc tov xoqov fjXcltz'aiaB Xttl xov XiSyo'v 
jnfftoTccymvtax^v ^agsaiievaas^y so nämlich dass die nnterstVfche- 
nen Worte zu deuten seien: und er legte so das Hauptgewicht 
in das Gespräch (den Dialog), zum Unterschiedb von dem, 
was gesungen wurde, von der man sich nur wundern kann , dass 
sie nich^ längst die allgemeine l^rklärungsweise gewesen is^, da' sie eben 
so natürlich, als nach dem ganzen Zusammenhange logisch nothwendig 
ist. Doch Alles das , wa^ Ref. bei dieser Anzeige auf wenige Zeilen hat 
SEUsammendrangen püsseii,' wird man bei dem Hrn. Verf. selbst viel 
besser nachgewiesen finden, 'als es hier geschehen konnte, und wir 
bitten Jinserh' Leser, den die aufgeworfenen Fragen» näher angehen, die 
kleine Schrift selbst nachzulesen, die sich ausser einer guten äusseren 
Ausstattung auch durch eine leichte und niessende Latinitat auszeichnet, 
wenn schpn diese bisweilen sich nicht ganz an den echt classiscben Aus- 
drucke ^eh^lten hat; wie wenn der Hr. Verf. 6.^4. Z. 10. disertia 8cha- 
itfutac perhia refutantur schreibjk, ia S. ^.^Z. 10. den Ausdruck wie- 
derhoit : adeo disertis v er bis Strabö narrat , ferner S. 6. Z. 6. sagt : 
fi on fossum^ quip statt non posium facere qutn^ 0.9. Z. 5. diraa 
jmprecontttr, sodann S. 24« Z« 5. v, u« schreitet': ISane enim chori 



M 



104 Bibliographische Berichte und Miscellen. 

formiaa — nequa^am tarn inuntatam fuisse, quin ab aliia — mm- 
nunquam dueeretur reeipienday statt utnon^ und dgt. in. 

[R. Klotz.] 



De EupoUdia Markante sive de Aristophane acematore et Eupolide 
flagtt reo, Scripsit Em. Ang« Struve, Flensbargensis. [Schwerin, 
Schwers Wittwe. 1841. 75 S. gr. 8. 8 Gr.] Aristophanes beschuldigt 
in der Parabase der Wolken Vs. 553 ff* den £upolis , dass er seinen Ma> 
rikas aus jenes Rittern compilirt habe^ und darum hat man den Eupolis 
XU einem Plagiarius gemacht; Bergk hat an drei Fragmenten des Marikas 
beweisen wollen, dass sie aus Aristophanes entlehnt sind, und Fritzsche 
hat in Quaest. Aristoph. I. p. 143 ff. behauptet , auch ein Fragment aus 
dem Anagyrus des Aristophanes sei yom Eupolis im Marikas bestoblen, 
und eben so des Eupolis Autolykos I. und dessen xqvgovv ysvog aus den 
Rittern compilirt. Diese Anschuldigungen weist Hr. Struve mit vieler 
Gewandtheit als unbegründet ab , dreht aber zugleich die Beschuldigung 
um und lasst den Aristophanes aus den Stücken des Eupolis stehlen. . 
Aristophanes spreche in der Parabase der Wolken aus Neid und Eifer- 
sucht eine Menge Vorwürfe gegen gleichzeitige Dichter aus, denen nicht 
recht zu trauen sei und die ihn selbst eben so sehr träfen als die Andern.* 
Das Alterthum. schrieb dem Eupolis eine Theilnahme an der Ausarbeitung 
der Ritter des Aristophanes zu , und dies will Hr. Str. nicht , wie man 
.gewohnlich annimmt, von einem früheren freundschaftlichen Verhältniss 
heider Dichter und von gemeinschaftlicher Arbeit deuten , sondern folgert 
daraus, Aristophanes habe die Verse der Ritter 1288 — 1311. aus Eupolis 
gestohlen. Durch eine neue Erörterung der Didaskalie der Wolken bei 
^dem Schol. z. Vs. 549. gelangt er ferner zu dem Resultat, dass die 
zweite Recension der Wolken des Aristophanes vor Olymp. 91, 1. nicht 
hlos ausgearbeitet, sondern auch in Scene gesetzt und aufgeführt worden 
sei, und dadurch gewinnt er den Beweis, dass Eupolis im Marikas auf 
die in der zweiten Ausgabe der Wolken gemachten Angriffe des Aristo- 
phanes geantwortet habe. Somit also hat der Verf. ganz neue Ansichten 
über des Aristophanes Wolken und über das Verhältniss zwischen Aristo- 
phanes und Eupolis eröffnet , welche zwar nicht so ganz sicher bewiesen 
sind , weil die mangelhaften Notizen zu wenig Zuverlässigkeit gewähren, 
aber doch eine weitere Prüfung gar sehr verdienen. Auch hat der Verf. 
den Lesern seines Buches neben diesen Erörterungen noch von S. 53. 
an einen langen Excursus de Phüonide et CaÜistrato geboten. 

Am 30. Juni 1842 las Hr* Prof. Znmpt in einer Sitzung der konigl. 
preuss. Akademie der Wissenschaften zu Berlin eine, so weit wir aus 
dem kurzen Berichte ^chliessen können, sehr interessante Abhandlung 
über die Athenischen Philosophenschulen und die Succession der Scholar- 
chen daselbst, Hr. Z. ging von der Betrachtung aus , dass Athen der 
Mittelpunkt der philosophischen Thätigkeit im Alterthum gewesen , unbe- 
streitbar in den drei Jahrhunderten von Alexander bis Angnstus, aber 
auch nachher vorzugsweise , und zum Schluss des Alterthum« wiederum 



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p^ 



Bibliographische Berichte und Miicellen. 105 

I 
\ 

allein« Dieser Vorzug hatte seine Begründang in dem anssem Bestand 
der vier philosophischen Schulen, welche eben so viele eigenthümliche 
und unabhängige Vereine, gleichsam Corporationen , unter der Leitang 
ihrer Scholarchen ausmachten. Die philosophische Literatur der ge- 
nannten Jahrhunderte knöpft sich wesentlich an die Lebrthätigkeit der . 
Scholarchen: die Bficher sind Vorträge oder ans Vorträgen entstanden* 
Hr. Z. stellte die zerstreuten Nachrichten der Autoren zusammen, aus 
denen hervorgeht, dass der Scholarch entweder vom Vorgänger bei der 
Annäherung seines Todes ernannt, oder nach seiner Bestimmung von 
und aus einer gewissen Zahl von Schülern erwählt wurde , dass er zu- 
gleich Inhaber und Nutzniesser eines allmäiig ansehnlichen Schulvermo- 
gcns war, dass jüngere Freunde sich ihm als Hülfslehrer unterordneten, 
dass die Schüler ein Bindüngsmittel an gemeinschaftlicheh Mahlzeiten 
hatten, welche zum Theil auch auf Stiftungen der Schulverwahdten be- 
ruhten. Der Scholarch wurde nicht von der Staatsregierung ernannt, 
von der er auch kein' £molument genoss, ausser der Benutzung eines 
öffentlichen Locals für seinen Unterricht, wobei es doch noCh stattfindet, 
dass in der Aristotelischen und Epikurischen Schule dieses Local Privat- 
eigenthum der Schule war. Uebrigens ermangelte die athenische Staats- 
regierung nicht, den Vortheil, welchen die Stadt von den Schulen hatte, 
durch ehrenvolle Theilnahrae anderer Art anzuerkennen. Gegen die Zeit 
von Christi Geburt verlor Athen sein Vorrecht, die nach höherer Bil- 
düng strebende Jugend der ganzen Welt zu versaAimeln , .weil an vielen 
Orten im romischen Reiche, namentlich in Rom selbst, Lehrdr der Rhe- 
torik und Philosophie auftraten und zahlreiche Schüler an sich zogen« 
Dazu kam noch , dass die Kaiser seit Vespasian , zuerst einigen Profes- 
soren in Rom, dann seit Antoninus Pins auch in den romischen Provin- 
zen ansehnliche Gehalte und andere Emolumente ertheilten. Athen 
musste sich dieser Einrichtung anschliessen. Die Stadt besoldete zuerst 
einen Rhetor mit einem Talent, erreichte es aber nachher als freie 
Gnade Marc AurePs (weil Athen nicht unmittelbar zum romischen Impe-> 
rium gehorte), dass einem zweiten Rhetor, und zuletzt dass vier Philo- 
sophen der vier Sectcn kaiserliche Gehalte (von beinahe zwei Talenten) 
angewiesen wurden. Athen wurde hierdurch abermals der Mittelpunkt 
für die rhetorische und philosophische Bildung. Der philosophische Un- 
terricht namentlich konnte nirgends in den Provinzen zur Kraft kommen: 
nur Rom und Alexandria concurrirten mit Athen. Jedoch die kaiserlichen 
' Gehalte horten in der bedrängten Zeit der js. g. dreissig Tyrannen auf. 
Die Stadt Athen besoldete noch fortan einige ^Grammatiker und zwei 
Rhetoren aus eigenen Mitteln ; aber die Philosophenschulen wurden wie- 
derum auf ihre ursprüngliche Privatexistenz beschränkt. Sie gingen all- 
nälig aus, weil sie nur das Hergebrachte wiederholten, unlä weil das 
%ristenthum die stoische Philosophie in sich aufnahm und die epiknrei- 
^e durch Verachtung unterdrückte* Die peripatetische und platonische 
äiule verschmolzen mit einander : es blieb zuletzt nur die von aussen 
h^ regenerirte platonische übrig; sie hatte in den letzten 150 Jahren 
eign mit der Behauptung des Hellenismus (d. h. des Heidenthums) eng 



KM Blbliagraphiieba B«riaktft lad Ui*«elle>>> 

T«lwM«nM BMtwd i* AAn ud arUelt «kh ntot rW«a Ai farth jyia 
pit ihren Prin(TarDi5|eo, bU Joatiaian im J. 529. allwi phkloMpUäc^eB 
Unterricbt ip AtLen verbat aod dl« 8tiftiuit«»plt«liBn eiasog. D> wan- 
derten lieben plitoniidie Philoiophen noter AnfübniDg dea D*va*ciiu 
D>eh PeraieD KBc, no aia eiaa platouiacäe Verblndoiig too Monarcbie und 
Philoaophia as finden boiRBn. Sie bnden üch acbmanlich getänacbt nnd 
•ehateii «ich vnrück. Choaroea, dk er sie nicht iieltvi konnta, aotgte 
in ao weit für aie, daaa er bei dem Frieden 533 ihre geaidlefta Rücfckebr 
nnd die ErlanlHiiu , du» lie ihrer ReligiDaiüberseagani tcen Ueiben 
dttrften, anr Bedingung machte. Aber die Schule blieb geacUuEaea. 
Der Vortni dea andern Theilea der Ahtiandlung , der die Sacceaiionen 
4er Scholarcbeii kritiafi anaamneoatetlen aoUte« blieb öner andern 
Sitaong KnftMwuhrt. — Wir lehen der TerÖSenUichiing beider Vor- 
triigfl in «xtenao mit Ti^er Spannung entgegen. [&• K>] 

Sf. TuUä Cbxroni* df legikuilUri tr«t. XeeeiHuifi varielate 
UvtUmü tt aifnolnliofie htitnait Joannea Bakiua. [Lejdell' b> Lscht- 
nana. 1842. XXXVI and 68^ 8. 6.] ^ne neue, Terdienatvoile and wicb- 
Uge Bearbeitung von Cicero'a Büchern über die Geaetie, welche reichen 
Stoir SU einer BDoführlichen Peurtheilnog bietet und eine lolch^ auch in 
mehrfacher Hinsicht verdieift, Torlänfig aber nur durch eine kurxe Cha- 
lakteriatik lur Kunde unserer Leaer gebracht werden eoII. ^ie )it ihrer 
Haupttendeni nach eine nepe kritische Ausgabe dea Textes mit einem 
reichen und aor^ältigen VatdantenapparBt aus 33 neubenutiteu 4iplomati- 
aphei) Quellen, zugleich aber auch mit einem mehr als 400 Seiten füllen- 
den kritischen und exegetischen Commentar und mit einer inhaltreichen 
Einleitung veraebeg. ^l. B. bat dafür fünf Leydener, drei AmbiosiBni- 
sche^ eine Burneyanische im britiachen Museum und eine Pariser [nur 
die beiden ersten Bücher enthaltende] Handschrift n^U verglichen und 
■ich überdies aua J^gfimBrsini'p Apparat im Jesuiten -Collegi^im in Rom 
die Abs^rirt 7o|i }3 Collatjonen yerschafTt. Von den letiteren sind 
aUerdings drei, Tielleicht pogisr fünf , Vergleich une^n alter Prnck^e {der 
Editio princcps, der Ausgabe dea Robert Stephan und der ec.hjten Lam- 
biniana], die übrigen «.ber s^s Florentiner HandBchrifteu en,tnommen, 
jvelcbp ffr. B. der Mehrj^ahl nach TJelleiclit etwas bestimmtet, a}» es 
.(;escbeheri ist, h^tte fiachyrei^en können , w^ena er pfudinl's C^taltfg <4er 
i;^ur(^gtäann Vol. If. p. 87 ?. nachg^eafsben hät^B. feinem Vttit^ Qfxh 
lW9P AMP ^e Variante .dieser sämptlichen 33 Q^iellen keine 4|batam- 
n^Hne derselben aus yerschie denen nandschriftpiiramilipii erkennen, (on 
dem weisen sio insgesammt JEiner Clusse und zwar ä-ir lies BogenHHiU« 
yiilgärtoxtcs au. Darum hat er denn auch /wischen Uenselbeu keiun 
-jh^Hchen Unterschied gemacht, vielmehr ans den gr-saiiimten Lesartn 
^n ^Text so gestBJlet, dass er überall die handschriCiliche Uebr- 
gfeatgehalten und dies selbst da gethan hat, wo dadurch oPn- 
Ijajtiafiigkeit desselben entstanden ist. Sonach erliält man cnn 
d^fqatiEchcn Text, wie er sich aus diesen 23 Co] lation enge- 
st, und dessen Riclitigkeit jeder selbst nachrechnen bin, 



Hl 



BibiliagrapMsclbe B^ritUa urid lti«iO'elUiw ISt 



ivtnl Sw 108^ --«aäS; ^ VamaUn Tvlktibdlf ftb^sdincki dM* Andw« 
kritfeche Halfiuaittel ^ weich« die bisherigen Bearbeiter gebraucht haben, 
und' unbeachtet gebtieben, und überhaupt isi auf diese Heransgebev 
keine weitere Racksicht geaemmea, abdass die Abweichang der Orelli** 
scheu Ausgi^e nater dem Texte angemerkt isL Streng diplomatisch ist 
übrigens Hm« Bakea Verfahren bei der Taitesgestaltnng darum nicht 
geUiebea , weil er keineswegs übenall die Lesart giebi, HiBiche die mei« 
sten seiffeB Haadscfariflkea -^ denn, von den besten kann hier natürlich 
nicht die Rede sein — > darbieten » sondern aft, namentlich in Bexng auf 
WoilateUqpgy ans einaelnen Handschriften das ausgewählt hat, was ihn 
nach sprachlich -a&thetischem Piincip das Beste au sein schien« Nar 
hat er sich überall gehütet, Ceigectarea oder Lesarten fremder Haad» 
acbdften aufzunehmen. Beachtung der Leistungen früherer Heransgehmr 
tritt erst ia dem hinter der Variantensammlang angehängten Comraentar 
ein, in welchem Hr. B* die schwierigeren Stellen, des Textes kritisch 
erörtert und die aufgenommenen Lesarten rechtfertigt und sprachlich 
begründet oder im Fall der anerkannten Yerderbniss darch eigene und 
fremde Conjecturen zu heile« sucht. Dies geschi^t mit so Viel Scharf 
sinn, Gelehrsamkdt und Einsicht ia den dceronischen Sprachgebrauch, 
dass diese Erörterungen nicht nur sdhr belehrend sind , sondern auch der 
Mehrgahl nach überzeugen und nicht , selten überraschende Ergebnbsa 
gewahren. Wenn hierbei Hr. B» wiederholt den Fehler begeht, dass er 
seine Bestimmangen über den Sprachgebrauch zu sehr von dem Zusam- 
menzählen der Stellen abhängig madit und das individuelle Yerhältniss 
der einzelnen nicht genug beachtet, so thut das in Wesentlichen doch 
keinen weitem Schaden, als dass er einige Mal Worter. und Formeln 
verdächtigt, die wahrscheinlich richtig rind. Naahtheiliger aber hat die 
Meinung eingewirkt, ^a&a die drei Bücher de legibus nach Cicero^s Tode 
durch Tiro in sehr mangelhafter VoHeadusg in^s Publicum gebracht wor- 
den, and dass überdem die jetzt vorhandenen Handschriften derselben in 
einem Grade fehlerhaft und verderbt seien, welcher verbiete, auf der 
Basis der Handschriften einen Text herzustellen, der dem von Tiro her- 
ausgegebenen nahe komme. Dies hat ein seltsames Schwanken in die 
Kritik gebracht, indem der Hr. Herausg. einerseits geneigt ist, Manches 
als ursprünglich^ Nachlässigkeit des Textes anznseben , andererseits aber 
anch sehr gewaltsame Verbesserungen vornimmt und ^ sehr nach Auf- 
findung von Fehlem und Mangeln jagt, welche er mit vielem Scharfsinn 
aufzufinden, aber nic&t immer zu beseitigen weiss, — oft auch upnothi- 
ger Weise beseitigen will, weil es «eben wahrscheinlich keine f^ehler 
isind. In Folge des Misstrauens gegen seine Handschriften hat er dabei 
noch ^vernachlässigt, der Art und Weise nachzogehen , wie die Hand- 
schriften des Mittelalters von den Abschreibern gewöhnlich verderbt wor- 
-den sind, und darum lehnen sich .seine Conjecturen häufig viel zu wenig 
an die handschriftlichen Varianten an und haben -nicht diejenige diploma- 
tische Wahrscheinlichkeit , welche man von ihnen fordern mis^s* Indess 
wenn aueh die gebotene Losung und Verbesserung der Schwierigkeiten 
-und «FeU« nicl^ immor fiboFseugt und babiei^g|;undiderJß'aj»charhei 



IJOB. Bibliographische Berichte und lULiflceUeik 

Betraditnng des Vanantenapparates anf andere Endergebnisse kommt; 
so ist doch die scharfsinnige und gelehrte Art und Weise, in weicher 
Hr. B. die Fehler aufdeciEt, so belehrend und anregend, dass sein Com- 
mentar reiche and vielseitige Yeranlassang zam Nachdenken and za wei- 
terer Forschung darbietet. Und weil seine Kritik rorherrschend, ja 
fast ausschliessend sprachlich ist; so hat der Commentar ganz besonders 
darch die reiche Masse von Spracherorterungen einen hohen Werth , and 
bietet namentlich für lateinische Syntax Und Partikellehre viel Ausbeute, 
deren Benutzung ein genauer Index am Schlüsse des Buches erleichtert. 
Die sachliche Erklärung ist sehr zurückgedrängt und nur soweit beachtet, 
als sie sich von der Worterklärung nicht trennen Hess. Namentlich fehlt 
die fnr. diese Bucher so nöthige Erörterung des romischen Staatsrechtes 
und der Gesetze fast ganz, und Hr. B. entschuldigt sich darüber in der 
Vorrede damit , dass er dazu die nothigen Vorbereitungen nicht gemacht 
habe. Vor dem Texte der drei Bucher stehen Prolegomena, in denen . 
der Herausgeber zunächst sein kritisches Verfahren cbarakterisirt und 
nachweist, was er hat leisten wollen, dann aber über die Abfassungs- 
zeit, die. Herausgabe und den Zustand der Bucher de legibus sich ver- 
breitet. Er beweist, dass Cicero diese Bücher im J. 702 n. R. E. oder 
52 V. Chr. (Pompeio HI. consule) geschrieben hat; dass die Schrift, wie 
die de republica, auf 6 Bücher angelegt war; dass die von Gellius' er- 
wähnte Schrift de iure civil! in ordinem redigendo vielleicht der Anfang 
eines der folgenden Bücher gewesen sein mag ; dass Macrobias das fünfte 
Buch de legibus anführt und vielleicht vollständig vor sich gehabt hat, 
und dass Cicero im 6. Bache einen Grundriss des römischen Privat-- 
rechts geben wollte, sowie er im 4. Buche das las publicum, nach 
seinen eigenen Andeutungen , behandelt hat. Wie weit die drei feh- 
lenden Bucher von Cicero ausgearbeitet gewesen sind, lässt sich nicht 
bestimmen ; unterbrochen wurde die Vollendong des Werkes durch seine 
Abreise nach Cilicien im Frühjahr 51 v. Chr. Auch vermuthet Hr. B., 
dass Cicero die Vollendung des Ganzen darum unterlassen habe, weil er 
inzwischen in Erfahrung gebracht, dass sich Ser. Sulpicius mit einer 
Schrift über denselben Gegenstand beschäftige, vgl. Brutus c. 41. Weil 
übrigens Cicero de divinat. H, !• die Biicher de legibus nicht unter sei- 
nen Schriften aufzählt, obschon er die Bücher de republica erwähnt, zu 
denen die de legibus eine Ergänzung bilden; so lässt sich daraus die 
Folgerung ableiten , er habe die Herausgabe derselben nicht selbst be- 
sorgt, sondern sie seien erst nach dessen Tode durch Tiro in's Publicum 
gebracht worden. Ob aber Tiro nur 3 Bücher oder 5 fertige Bücher 
und den Anfang des sechsten , als welchen Zuropt in den Berlin. Jahrbb. 
f. wissensch. Kritik 1842, H. Nr. S'l. die Schrift de iure civiH in ordinem 
redigendo angesehen wissen will, herausgegeben habe, das kann gegen- 
wärtig nicht mehr entschieden werden. Eine besondere Beachtung ver- 
dient übrigens in Bakes Prolegomenen noch besonders der Theil der Un- 
tersuchung, wo er p. XXIV f. die Spuren der Mangelhaftigkeit und Un- 
vollendung nachweist, welche diese drei Bücher de legibus, namentlich 
das. zweite und dritte , an sich tragen. Er hat dies weit gründiichejr er- 



^^mr-^^mm^^^^^^^^^^^mma^mH^^^K^mß 



BlbHograi^hiichä Berfcht'e aa'd MiseUUn« ^|09 

/ ortert, als es tonlVagher rind Gorenz 'gesbhchän war, gelii aber dodi 
vielleicht etwas zu iveit in derAjinabme, dass das 2. und 3. Buch zum. 
Behofe späterer Ausführung blos skizzirt entworfen sein sollen. Für die 
' weitere Prüfung dieser Bucher ist es übrigens ein Yortheil y dass Hr. B. 
in dem vorhandenen Texte eher zu viel, als zu wenig Lucken findet, 
vreil eben seine Zweifel zur Anregung weiterer Forschung darüber sehr 
geeignet sind. Eine besondere Zugabe zu der in angegebener Weise 
gelieferten Bearbeitung der Bucher de legibus ist noch die den Prtolego- 
inenen vorausgeschickte Zuschrift an den Prof. Zumpt in Berlin, worin 
Hr. B. über Cicero'ä Stil verhandelt und denselben gegen mancherlei 
Vorwürfe , die man dagegen erhoben , in Schutz nimmt. Auch hierüber 
hat er sehr viel Schönes vorgetragen und die Tadier des Studiums der 
lateinischen Sprache und des Cicero insbesondere im Allgemeinen gut 
abgefertigt. Allein weil diese Tadier sich gewöhnlich in zu allgemeinen 
Beschuldigungen zu halten pflegen, in denen Wahres Und Falsches var- 
mischt ist und die sich darum ebea so leicht bestätigen als verwerfen 
lassen , so ist auch der Herausgeber mit seinen Rechtfertigungen zu sehr 
bei allgemeinen Erörterungen stehen geblieben, und hat im Einzelnen 
jenen Tadlern selbst zu viel nachgegeben und auf der andern Seite die 
Beurtfaeilnng des ciceronischen Stils mehr aus dem Gesichtspunkte der 
Bewunderung seiner ciassischen Vollkommenheit vorgenommen, als ihn 
in d^n einzelnen Richtungen uiid Leistungen charakterisirt. Darum 
werden auch die Tadier dadurch keineswegs hinlänglich abgewiesen zu 
*sein meinen , und statt dieser allgemeinen Widerlegung wäre es vielleicht 
verdienstlicher gewesen, wenn Oicero's Reddform speeieller einerseits 
nach ihrer oratorischen Eigenthümlichkeit, andererseits nach ihrem Ver- 
hältniss zur allgemeinen Schriftstellersprache seiner Zeit betrachtet worden 
wäre. Jedoch bleibt auch das Gegebene ein sehr schätzbarer Beitrag 
zur weiteren Erforschung der Sache und steigert noch den allgemeinen 
Werth dieser sehr' verdienstlichen und brauchbaren neuen Bearbeitung, 
auf welche hiermit' alle Freunde dcüi Cicero aufmerksam gemacht sein 
' sollen« [J.] 



Caio über das Alter ^ von Cicero. Deutsch herausgegeben 
mit beigefügten Bemerkungen über EigenthümUchkeiten des hohem Alters 
von Dr. Karl Gottfr. Baner, einem im 76. Lebens- und 55. Amts- 
Jahre stehenden Alten. [Leipzig, 1841. Verlag der Hinrichs'^schen Buch- 
handlung. VIII und 88 S. 8.] Vorliegende Schrift gehört nur ihrem 
geringsten Thdie nach in den eigentlichen Bereich unserer Jahrbb., wird 
aber doch für die meisten Leser derselben keine uninteressante Erscheinung 
sein, weshalb wir hier eine kurze Charakteristik derselben zu geben beab- 
sicbtigeh. Hr. Dr. theol*3auer, Oberpfarrer an der Nicolaikirche und 
Privatdoceiit der Theol. an der Universität Leipzig, ein um Wissen- 
schaft, Kirche und Staat hochverdienter Mann, frühzeitig gewohnt auf 
körperliches und geistiges Wohlbefinden zu achten und diätetische und 
psychologische Beobachtungen zu machen, dör nicht nur in seiner eigenen 
Pamüie, sondern auch durch seine «onstige Steliong viele Greise genauer 



IK) r»fH»H*^F^^«^* B«rlekt« wU MiMellea. 

'%«liiiin^'>fen tenen «od tai iMohuAton GdegaMt Sud, jeDisi auch 
•QlkbftMmig dieser Sekriit MhoB dem 76. Lebeasalter sehe war, wfiosdite 
feine BeobadiiimgeD ober das Alter sasaauaenanfitfseny mit den samm^ 
Koben llesaltaten 9ber das Charaktenstiscbe dieses Gegenstandes und 
'demselben wesentKoh Bigenthamlicbe auf's Rnine sn kemawn, nnd sol- 
eben , die darüber Auskunft wnnscbten , selbst alt sn werden 'begehrten, 
oder es bereits wann , ipieUeicht aneh über die mit dem Alter Terknapf> 
ten Lasten Beschwerde sn ffikren hatten, die sie sieb erleiektert oder 
'denen sie Yorgebeagt wissen wollten, nfitxUch sn werden, nberkanpt 
aber iibeir die dem Alter eigenen oder fSr eigen gehaltenen Zustande, 
-sowie angieich aber das, was die jfingere Menschheit der alternden und 
'koebbejahrten scbaldig wire, und was eben so oft Ton jener nbwsehen, 
^ als Ton dieser fiberschatst nnd sn hodi angesdilagen wurde , wie «r sieh 
selbst heehst anspruehlos ausdruckt, einige MittheUungen sn madien« 
Um diese Absicht sn erreichen , lehnte mch der würdige Mann bei seiner 
Darsteilnng an die schone , von Cicero in noch nicht gar hoben Jahren 
' Terfasste Schrift über das Alter an und gab, was er Besonderes zusagen 
'^knlte, doMelben in Anmerkungen, in der Art, wie dies Garre^imtso 
Vielem Bdiiille: mit Gfaero's Büchern Ton den Pflichten geihan, bei. Bei 
f|der UebWIötsnng ^ar es ihm nun darum sn tknn, sie> nickt aar treu, 
'Sendem ^auch lesbar' und < so su verfassen , dass, ohne das lauskwmisoke 
'tmd antike, ' sowie das «igenthfimUdi dceronische Colorit ganzlicbizu ver- 
' Wischen, 'Sie doch den mit der Originalsprache Unbekannten etwas, .das 
•'lAe beim lierenvbne 'Widerstreben festhalten kSnnte,. sn bieten «vermöge. 
Avdh'fand er es seinem Pfame minder entsprechend, die Schrift-4iesfgEas- 
Sen RJhners selbst < in TeUer Ausdehnung an- übertragen , sondern * er üess, 
da viele -Beasi^bodgen im Originafpiadf römische Familien- Angelegenhei- 
ten, Volks- und 'Staats •< Geschichten voikamen, die seinen Lesern and 
Leserinnen 'nicht ohne weitlaiifige bistorische und üterariitche SfCftafitevnn- 
' gen verstaudtfok sein und in ihren Ergebussen für sie das Interesse» dach 
' nicht haben würden, was ihnen der Kern des darin fortlaufenden ftm- 
sonnements darböte, dem er jedoch von seinem Gehalte und selbst :von 
dem , was ihn als etwas individuell Ausgesprochenes bezeichnete , nichts 
zu Mt«i«hen gedürfite, Gicero's 'cagene Eiateitung, ^sie in der* seinigen 
' ersetzisnd, weg, «fing gleich Oap. 2. tmit Cato's und der ihn besoehendfn 
j&ngeren Prtlunde' Ge^prfich selbst' an und gab. auch sonst, wie-Clap^ 4, 
'und 5«, rein l^mische ParticnlariUlten in seiner Übertragung 'Uicht 
' wieder« Anderes , seinen ' Lesern .minder Verständücke , was er: jedoch 
bei der Uebsrsetsnng nicht 'ganz beseitigen "konnte, suchte i er -dorch 
kürzere, sofort 'unter dem Texte beigegebene Anmerkungen snedauiem* 
An dt#se Ubb^rsMsung Adiless er^aber^dann S.>48-«^88. s^ne^tlaqgeren 
' ttüd amfüikiitdrerenAlMnarinHtfgen, die nkkteinzdnen Ausdrücken, «ondem 
'dtfm flltdlfe selbst zu Brl&uteruvgei» dienen sollten, an-rand rlegte> in den- 
' aelben vorztig^^e kochst schfttabare Bemerknngenrmit grosser Einsicht 
'^tnd-'Rlarbeit, abiAr (auch ^ mit grosser >'Aiispri]ehslaB4^eii'rand'»Selbstvor- 
"lM(t|nang nieder; 'und |n ihnen > Anden "wir gerade die i empf^nngswer- 
^tk«iit# Seite der IdtikMn Mhrtft. i^ann>ifvihw&diaftili^Mr:.dem mgefast- 



^^m^mmm^mmmm^^^mmm^^^^^^i'^^^^m^^m^^t^^m^mm^K^mtrmmKm^g^mmmrm 



riehen J^Üilologen, «ond&h '&tich i^ft ^i^bi^^n 'FtAyHcttte/ew'^CAlii^s 
Schritt als Kunstwerk der kteiritscheh Lit'erktilr 'lf<^nii^ ^h i^Mä 
"wünscht, in der in diemselhen Jahre von *ein^m alu Meiischlen nicht Mirid^r 
hochgeachteten y als Gelehrten und Schriftsteller hochgefei^rtdn 'Macoiiy 
Fr. Jacobs j In der von R. Klotz veranstalteten deutschen Aasgabe vtfn 
Cicero^s' sammtlichen Werken (Abth. !• Bd. 2. S. 1 — 46.) dhe 'deutsche 
Bearbeitung jener Schrift mit kurzen Erläuterungen in höherem wissen- 
schaftKcfieii Sinne geboten wird, so legt ftr. B. hi iitelAör 'Schrift eine 
rein populäre Uebertrkguhg von Cicerö*s Werk nlMer, beri<ihtigt alier 
und erweitert den von dem Romer bebandelten Htoff auf ^ine 6b^n io 
anziehende -«wie belehi^ende ^eise und ergänzt 'Ab , 'da Fr. Jacobs "in 
jener Sammlung dies naturlich nicht thun konnte, dessen gewiss an sieh 
nicht minder empfehluhgswerthe Arbeit, und so tvird der philo logi'sche 
Leser 'sicher auch diese 6earbeituHg in ge Wissen Beziehungen mit Volr- 
theil m den i^ereich seiner 4Cenntnissnahmeziebc^n. M0ge der'wadfei« 
Greis, der auch zur Stünde, wo R^f. dies hi'ö^ersdhrübt , V^öfal 'tttid 
rüstig zu sein scheint , lioch manches |;lÜcldiche L'ebensjfthr ^u d^n Vief^n 
bereits durchlebten hinzuzahlen. [lt. 'iC.] 



'ter Pfdfessbr 'ti'r. Örfoli'lh'Co'rfu 'hat im GioMalea^IPTstfifito 
llombardo mheh Äüföätz üb^r das Öi'akePd^r heiligen Bü'^hbr Y^fs 
wegen des Uebertre£ens des Wassfers im Albatier- ^ee (in Mai's 'fixiiie/r^l^n ' 
"aus Dionysius, Scriptt. Vatic. nova Cblfectio T. 1. p. 470 ff.) ^l-^^hÄlrfAn 
lassen, und darin behauptet, dass dieses Orakel sich auf die KVi^ge'iiät 
den 'Lateinern im Allgemeinen, naihentlieh auf 'die Kriege mit der StaBt 
Alba bezogen haben m5ge. Weil diese l^tadt in 'der alten Zelt, ^o Jehe 
Bücher entstanden zu sein scheinen, ifür'das fianpt von LatTum angä^ 
hen wurde. l>er Silin des Orakels itiQssei gewei^en sdn, Latiüm tMd 
seine Hauptstadt Alba Wurden nicht eher' über Veji «gebieten | iüs bis'^dbr 
See von Aib'a'den Vejern Wnsbar sei, d.h. bis er sein Waä^ser in'^e 
i*iber, den IStrom VejiS von dhr 'Stadt Veji 'an bis an*8 Ittefer hii^ab, 
und durch 'diese in ''das Möer ergi^sse. 'Nur niach solcher DeÄtdng :S^he 
man ein, warum gerade der Albaner -S^e, und kein anderer der berfach- 
harten Seien, mit Rom und Veji du^ch*das Orakel in Yteirbindung gelbi'abht 
worden sei. Eben daraus lasse sich allein begreifen , ^arum die Weisen 
der belagerten i^tädt, obschon iie in ihren Schlcksälsbüchem Rom's Nk- 
men nicht genannt, Wohl' aber Laiinm u)ild eine seiner Bkuptstädtecfr- 
wähnt fanden, 'dasjenige, was Ursprünglich vbn "den Kriegen mit'*A!ba 
gesagt war, auf hom, die'döftualen 'mächtig gewordeUe Stadt Lattams, 
beziehen konnten. Es ^rti5ge 'sich de)hnach auch die l>i^ofamig der Veji- 
sehen Cresaiidtscliaft nicht Üai-äuf bWchr^nkt haben, 'dbn ^Fall R^Aui 
selbst als möglich ^ari2UdeüC«n, i^ondem sie bliibn wahrsblfeinltch'die"A)i- 
deutung liinisug^gt, d^ss '*Veji an RdAis J^i^lle sich erheben *todb«Me 
ihre Lagen vertauschen 'W&rden. Daittm hatten eben die *B!8itter , ' als '%€ 
Prophezeiung von 'ftöjtts Fäll iSurch J^i'eiihiks ' in firfuUong zu g^^n 
schien, den Eritscbliiss gölftsst, ihren^Siiz jgerade nach Vejiasu verl«^, 
um/Wäinsi^ di6'^<$fie Stkdt idehtma«t iü^'den iVfiiai^kete iäm^lka 



?112 J||l<bUogf«p hl sehe" Berichte iiii<d MUoellea« 

..konnieA» ^weiMgsteiis dort «aen aenen Sitz ihrer Herrschaft zu gruaden 
und die Sage yoo dem einatigen Glänze des wiedererweckten Yeji zu 
ihrem Vortheil za benutzen. ' Denn nach Yeji seien ja eben viele Römer 
so Brennos Zeit geflohen and von Veji sei die erste Hülfe für die bela- 
gerte und eroberte Stadt gekommen. [Blätter f. literar* Unterhaltung 
1342 Nr. 171.] 

Fermtscftte ^cftri/ten von Heinr. Ed. Dirksen. [1. Thl. 
Berlin 9 Besser. 1841. VIII und 255 S. 8.] Neun gelehrte Abhandlungen 
über das romische Rechtswesen , yon denen die letzten fünf schon früher 
gedruckt erschienen waren und hier nur gesammelt sind. Dass sie Re- 
sultate eines gründlichen und tiefen Studiums enthalten , braucht bei dem 
Verf. nicht erst versichert zu werden. Sie sind : I. Das MUische Gesetz 
über die obrigkeitUche Bevormundung der Unmündigen und der Frauen^ 
eine noch etwas schwankende Untersuchung über die Vormundschaftsver- 
, hältnisse in Rom. Durch die Lex Atilia soll zuerst die Vormundschaft- 
bestellung {tutorut daUo) in Rom dahin geordnet worden sein , dass durch 
dasselbe dem Praetor urbanus und dem Collegium der Yolkstribunen das 
Recht und die Pflicht der Bestellung obrigkeitlicher Vormünder übertra- 
gen wurde. Vorher habe • nämlich die gesetzgebende Volksversammlung 
diese Vormünder ernannt , sobald irgend jemand aus dem Volke einen 
Antrag dazu gestellt habe; und eben daraus, dass jeder aus dem Volke 
den Antrag stellen konnte, habe sich die spatere Peiitio tutorum et cura- 
torum entwickelt [nach welcher freilich auch Weiber, die in den Co- 
mitien nicht erscheinen konnten, auf Bestellung eines Vormundes oder 
Curators antragen konnten]. Durch die Lex Atilia aber sei dieses Ge- 
schäft der beiden Gemeindeversamrolungen, der Centurien und der Tri- 
bus, ebea auf den Praetor urbanus und die Tribunen übergegangen , weil 
aie die entsprechendsten potestates urbanae zur Vertretung der Volksge- 
meinde waren. Die Lex Atilia soll eine lex centuriata und consularis 
gewesen sein, gegeben vom Consul Lucius Atilms Regulus 487 n. R. £. 
[der aber freilich Marcus hiess , während Lucius Atilius ein Volkstribun 
des Jahres 443 ist.] Später sei dann durch die Lex lulid, zwischen 494 
und 526 gegeben , und durch die Lex Titia vom Jahr 526 auch den Statt- 
haltern der Provinzen das Recht übertragen worden , Vormünder zu be- 
stellen. [Hierbei hat der Verf. nur die Schwierigkeit nicht beseitigt, 
dass diese Verwalter der Provinzen in der Lex Titia praesides provincia- 
rum genannt werden, und dass Reiz z. Theophil. p. 1197 ff. in dieser 
Benennung wohl nicht mit Unrecht kaiserliche Statthalter findet , darum 
die Lex lulia von Augiistus, die Lex Titia vom Consul suffectus M. Titius 
gegebeu sein lässt , indem die Lex lulia zuerst den Prätoren in Sicilien, 

, die Lex Titia allen Provinzialstatthaltern das Recht der Vormundschafts- 
ernennung verliehen habe.] U. Z7e(er den Verfasser des sogenannten 

, Fragmentum de iure fisci, will beweisen, dass dieses Fragment zu dem 
Liber singularis regularum des Paulus gehöre, wozu freilich Walck's Ab- 
handlung De aetate fragmenti veteris Icti de iure fisci , Jena 1838 , in 
Widerspruch tritt, weil. es nach derselben aus sprachlichen Gründen vor 



Bibliographische Berichte and Miscellen. 113 

dem J. 386 n. Chr« nicht vclrßisst isein kann. IIT. Die hiiiotistihe CiVcmd- 
umrdigkeU der Beriekie des Johannes Lgdua in dessen Schrift de magitira- 
tibu$ reipitbL rem, , eine sehr grandliche Beweislibrang dafür , dass Jo- 
hannes Lydas in seinen Nachrichten aber die alteren Zastande des >oflil- 
sehen Vollces nicht die Glaub würdiglceit verdient, welche ihm Niebnhr 
a« A. zogestanden haben, indem er dieselben nicht ans froheren Qaelleh, 
sondern ans späteren Historikern and Lexicographen entnommen und die 
juristischen Notizen namentlich blos ans Jnstinian's Pandekten geschöpft 
hat , ja dass er selbst in den Nachrichten über seine Zeit , sogar in den 
Mittheilungen ober die Officialen des Praefectns praetorio , zn denen er 
doch selbst gehörte, ein einseitiger und parteiischer Berichtefrstatter ist, 
IV. Erklärung der Aeusserung des iUtern JPftnms über die MancipaHon 
der Perlend, eine juristische Specialerorternng der Stelle in Plin. H. N. 
IX, 35. , natieiittich aber die Bedeatung der Worte tn fitancipiittn venit. 
Dann folgen als Wiederholungen oder Umarbeitungen früherer Abhand- 
hingen: V. 2jfur Kritik und Auslegung der QueUen des romischen Rechts;^ 
VI. Die Reden der rSmisehen Kaiser und deren Einfluss auf die Besetz- 
gebung} ' VIJ. I7e6«r den Zusitmtnenhang der einzelnen Organe des posi- 
tMwh Rechts der Romer mit der gieiehfseitigen juriseUsehen DtH^ttin und 
über die gesehidtUiche BegrOndung der letzteren ; VIII. Ueber die pupiUiy 
infantiae vel pubertaU proseüni; IX< lieber die EigenthümUcJdseit des ius 
gentium nach den Vordelhmgen der Römer, [J.] 



Itin&raire de RutHius Ciaudius Namatianus ou son 
retour de Rome dans les Gaules , poeme en deux livres , teode donnä ä 
Berlin, d^aprh le mmmserit de Vtennke, par Aug. fFÜh. Zumpt, et tra- 
dmt en frun^ma a%)ee c&mmentawes par J, C. Collombet. [Paris et 
Lyon. 1842. LXIV und 204 8. 8.] Diese neue Ausgabe des Rutilius ist 
für Deutschlaad an sich Ton keinem Interesse , weil der Text treu nach 
Ziimpi's Ausgabe abgedruckt und die daneben stehende französische 
Uebersetzung für uns eben so wenig ron Bedeutung ist. Eher würde 
der angehängte , sehr reiche Commentar zur Benutzung zu empfeMen 
Sein , wenn er nicht in seinen wesentlichen Theilen , in der eigentlichen 
Sprach- und Sinneserklarung, ebenfalls nur aus den yorhandenen Ausgaben 
zusammengeschrieben wäre: denn dass der Herausgeber eine Anzahl 
geographischer und mythologischer Erörterungen gewöhnlichen Inhalts 
eingewebt und mehrere Stellen durch Paralieistellen aus französischen, 
italienischen und en^schen Dichtern erläutert hat, dies wird die deut- 
schen Leser ebenfalls wenig befriedigen. Nur einige Mittheilungen ans 
christlichen Schriftstellern . des 4. und 5. Jahrhunderts, z. B. die Nach- 
richten ober die cfaristlicbe Bevölkerung der Insel Gorgon [Rutil. I, 51Ö.], 
sind von einiger Wichtigkeit und bieten unbekannte Data. Dagegen aber 
dürfen Literaturhvtoriker die Vorrede dieses Buches nicht übersehen , in 
welcher vor den Bemerkungen über Rutiiins und seinen poetischen Werth 
eine Abhandlung über die Dichter von Ttinerarien enthalten ist , welche 
zwar auch nach Wemsdorf gearbeitet, aber mit mancherlei eigenen No- 
tiken über die lateinische Literatur der späteren Zeit bereichert ist. 
iV. Jahrb. f. Phil, tt. Paed, od, Krit Bibl. Bd. XXXVI. Hft, I. 8 



114 BibliograpkUcke Berichte aa4 Mtftceilea. 



T%iiiiiBHiiifc wM MW 4hi Zeitoi Kuf s 4ef GroMen eia peetuclMs 
nrwB Von Biacfarf .Theedalf Ten Orleans mkgeGkri «nd ui «Mfaromii 
PktibeB MM^eie^eB, da§ U^er noch »cht bekumli wer imd öee mhige 

eliewlieei weitere Beecfatmig yeriamt. [J.] 



ie der Gegend we Dafiieue in lieyetbiirgiechee sied im April 
dieMt Jahres droi iideee, weit easge b a a cb t e A sc h e elr ige ge&Dden 
W4»rdea, weiche not mtks ak 30000 Stade rioiischea lianaeB atagefäftt 
waren. IMese IfinaeB, von denen der CiTilgonvemenr de In Feataiae 
nber 25000 SAAl an sich gehracbt hat, smd fast augesaaMnt Knpiep- 
nmaea und gehören der Zeit wob 284 bis 551 n. Chr. an. Gegen 15000 
tragen & Biirinisse des Censtaatios nnd CenstantiaBS, wekhem ktateroi 
4lie üeiamaen mMm ptneqM, frmeeft ■iiiraArfii, Cna sT , Csmot- .An- 
gnihn nnd jnsnCjfev Jfniiaiaii gegeben cind. £Se haben last insgesaauot 
das MiaEseicben P. F. j£. d. i. B re amm Trevirwrmm jimgiutae^ nnd nur 
^üge stanuaen ans London. Hie übrigen Afönaen gdiorea den Kaisem 
MsTfimiwas, Ldciaitts, Maxeotins, -Serems, ^uTrHriiB nnd JKedetaan. 
Mehrere M^uen des l>iecleCiaa haben nnf dsai 'Avers das Gepräge: 
Dm. Dmdetkam feimmne [oder fontwane] sea. aa^. nd nnf der Bsek- 
eeite das Bild sweier Genen adt der ümstktdA Prmfidemtia üeenen 
QaMt Miffg* fiie beaiehen nch dennacfa aaf den swiedwn Ceiansins^ 
Diodetian nnd Mammisa im J« 267 gesoUesseaen Tei^^eaeh, wekben der 
Senat bestätigte, nnd fahren den Diodetian als eraten JDonaais suSy 
wahrend MHTimiwi nodi, wie die üteraa Kaiser, lni|wrator heisst. 

Ueber die Pyramiden Aegyptens findet anm in der ersten Abtbeünng 
▼en Kassegger's Amsen hi Bnr^m, Asien nnd Afisca [Stuttgart, 
Cotta. 1S41.J recht verständige and bendrtnmwerthe Ansiobten ansge- 
aprochen. Er weist ihnen sehr eatsohieden die Besdmmnng n, daas 
ne Grabmeanmente ^nd, welche Veiatorbene in ihro Kammern anfirah- 
men solitea^ wofür schon der Umland entscheidend sei, dass Äe mitten 
ia der Todteastadt des alten Men^yhis stebea, nmg^ten von Katakemben 
and Gräbern aller Art nnd selbst in ihrem lanem Gmbkaamwm md 
Sarkophage enthaltend. Die Frage, wie die alten Aegypter ihre grossen 
Stoamassen bewegt nnd ao^eboben hatten, findet er dnroh Maleraoi 
an den Wanden vieler Grabkmnmera erledigt, wo man nebt, dass cäe 
Massen gans einfiich dnn^ Waisen und durch tfaiwiscbe nnd mensoh&che 
Za^^o-afi bewegen snd nnf höhere Stockwerke des Baaes mittelst schiefer 
Bbenen hinanfiwhaffen. Weniger bekannt seien die Torrichtiragen , die 
sie anr An^rtellnng der ObeBsken gebraodit, nnd Stoff nnd Perm <der 
Weiksenge, womit sie das harte Gestein bearbeitet haben. Uebngeas 
widerspricht er der Angabe des Herodot, dass die grossen ^^oader ans 
Nammnlitenkalk, ans denen die Pyramiden von Dschisdb der Hauptsache 
aadi bestehen, Ton dem arabischen Gebirge herüber g^mc^ sein sollen. 
Da namEch die Pyramiden ganz auf demselben Gestein stdien, so hat 
maa wahradieinlich die nothigen Steinmaasen au ihnen anch ^^ch an 
Ort and Stelle gebrochen. Wahrend man durch Steinbriidie astiBiidtt 



Bi^liographiscbe Bericlit« unA Mitealiea. 115 



, _ ,^ 



bttnAmte neaeabaSbt BfMmm M 4eB Pyiaaidai ist woU »r^ «if 
dflr Rest eioes Kafldbei gM , > de» jbmi nmpnm als .BunnteniJ &r 4&e 
Pyrnuden ahgetra«;« hatte and rtceoen ITnhnrMfihiiri muk snktrt ia 
eine «Jphiu Bamaadeke. Wie d» AoMeosdle der MykeoamBpynmditf 
bestolMSB aacA maadM TbeUe der groiaten Psfiaumde, s. B. die Kamav 
des KmagB, der Sarkopliag, ans Gtaait ir«B dea S t ei a W achen der Kate- 
raktiea, weldier airf den Nu m CkdnSe iM^ebradbl; wude. RaMefger 
findet es am mcht wahrMknafieh, daai bum dieae «mamb C^anitUaite 
darch die adhver sa pasaireadea «ad liaii6g an ei^ea ^-"^^^^ der P^ 
nandcB faiaeiBgaKinfit kabe, aoodem oMaat, »aa haVe absalweHe 4e« 
Ken der P^riaiude, <&e Kaaanm, Schaohta and Gaage aa«gebaat, die 
Sarkophage' eingeMtat oad daaa erst die Uaaaaaen^ aat KilkitcMi 

die ftakfaiidiB^ mL Graut vaii^eaaaMifia. [i.] 



PMiiBgra^kU «aieertelle. Cnfiarfea de /i»hmbi7ii , ^iari- 
mret de tmm im fMfi «e de «aw Jet «Mat par fiilTestre, icale p«r 
CkaapoUioB -Figeac et Aiatd Ckampallioa fiia. (Paaa 1899 
«^iSta. FeL] Biaee greeaaela^e ^Vim'mnc ut var KaneM ?atteadet 
wardea nad \saa^ anf 300 Knptetaieki adMMw Faoöaiflea aaa altM 
SaadMkriftea and D i p k w ae B , ^efcike SÜTeatra aaf dea TerMduadaaBn 
BiUiadieiEiea FiaakicickB, Itatew and E^glaads «jeaaauaelt nad der Ter- 
ttohenMe aadi Irea aa<%ebildet kat. Daaa kabea aaa die beidea Ckan- 
pafiians eiaea edüareaden Text gaiieferty der aack darok Beitrag 
mderer GeMvtaa kereidbert ist. Bckade mok , daas das Werk bo ffw»- 
axtig vaA eo Ikener ^IdOO FV.) iat, daae ee aar ia die groMeran BiUia- 
tiMken kaanaea wird. Eia-kkiaeree palaagrapkiflokefi Werk, da« Fraak« 
xvick geliefert kat, ist die BMagrmfkife de» t\hm^9 eC det aiawainift da 
Xr am XriF mMe p«r düpkanse Ckaeaaat, bibüetkecaira de U 
ynBe d'ETfeax [Eireux 1839. 56 8. «ad 8 plaacbe«. &], welckcr ■ckiai 
iräkcr voraasgegaagea war: Estm mar im paU^grt^fkie frtmfoke^ an 
AtCredaeCmi d la iedmt ^det dsHtetrea u t it i e a dam§ lei cka i lce «f tmitm 
fAret an IL 13. 13. U. 15. 16. et 17. »telaB. Par Alpk. Clkasf aat. 
[Bmax 1636. Mit 15 KnpfertIL] nanekf>n ist aack das ISaMB B^r la 
CmOignfkie d^ aHOwaorftt da awyea i^gT ^oa £. H. Langloia [RoaeM 
1841. 8.] akkt aa nkersekea , worin abor anseer der Sckrift der Haad- 
acfaEÜbea w«t awkr deaen büdiicke AaiwchawAnngea beacktet «iad: denn 
es enäialt 17 radarte Blatter mit MaUanifii nad lailialea ans Haad- 
adbcükoiy wekke aut dem Bilde des Aeaeas aad der I>ido ans dem CodeK 
Vatic des Vixgü anikeben aad daaa aadene Copiea ans fraaaosisckflB nad 
aagfisokea Haadschriftea, sowie IGttkeiiaagea aber VendenB^ea der 
attestea gedoKktaa Backer nad aber RaadTarnemagea dacbieteau 

IJ.] 

Gab et wator dea afoea Heatecftea aarklick keifte Bondaaf Im 
Toiigen Jahre ist bekaaatKick tob dem Hensa Ludwig Tross das 
gelehste Pablicam mit «iner Aasgabe der Germania des Tacitas bescheakt 
i, wekke die Bätke aller Franada dieses naschätcbarea Werk^a 

8* 



UO Bibliogrftf hiicka Bericfcie mmd Misceilem 



Am eämk VOmtn aatiiwcttüg k«t «■( Mi licAcn BBuea; demi d« 
Htfimiigcber luit daM «iiMii nodi aie Ter|}icheiien €odex in Leyden — 
•fatnali im BamiMm dei bcrilMitaa Perisooiiis, daher Codex Periaoiiiamui 
CMwant — sm Gnuide gelegt md dnrch denselben eine Menge Le»* 
arten in dem Bndie entweder bestätigt oder gebessert. Bs sind schon in 
■ebveren gelehrten Zeitschriften Anneigen nnd Benrtheünngen dieser 
dtnkwordigen Ansgabe gegeben worden; aber neines Wissens hat neeh 
NieoHHid auf dea Pnnet anfiaerinun gemadit, den wir jetat besonders 
in's Ange fesscn wolien, and der for die dentsdie Litoratorgeschidite 
Ton sn groasen Interesse ist« NamBch seit 1799 ist (dnrch Anton inerst) 
gesweifelt, in der neuesten Zeit keck gelengnet worden , dass die alten 
Deutschen Barden gehabt hätten. Gervinns sagt in der swäten Anflage 
das ersten Banded seiner deutschen literatliigesofaicbte £1. 37. s „Die 
Deutschen liannten ntdit einmal Barden oder Skalden ; denn es ist jetat 
erwiesen, dass diese Singerclassen nur den gallischen nnd nordischen 
fiationen eigen waren, und dhss y^ diesen Irrthum der gelshrten Ver- 
ftlsehung dieser rerschiedenen Völker und der Burdenhegemterung in 
DnOtseUand aar Zeit der Denis und Kietsehmann zu danken hahen.**, 
Cttd smn Beweise wkd in der Note auf Koberstem^s Grnndriss und die 
dortigen Nachwdsongen hingeseigt. Der aber sagt unt^ Andermi 
„Bakannt genug ist die Herldtung deutscher Barden ans dem in Barditm 
umgewandelten Barritus des Tadtus nnd die ZusmnmensteUnng dIssoB 
Wortes mit dem Bar der Meistersanger, einem Worte, das Ter deih 
Idi Jahrh. gar nicht Torkommt^'« Fischen spricht ndi in seinem Leit- 
Men so darüber aus: „Was man sonst yon Barden gesagt hat, scheint 
alles erdichtet, und bstritus kt nur ein PeldgeschreL^ Was bietet nun 
Jene Ausgebe von Tross? Hier lesen wir din betrefiende Stelle aliot 
Bmit Ulis (aämttch Genhanb) haee quoqne carmina , ^uofMm rtlnds quam 
b^flÜtum toetmij accenduat animos futuradque pngnae fidrtttiam ipstf 
«antn angurantur «tc, und Hr. Tross hat die Bemeritung bcl^fogt; 
„Baräkum. Sic cod. et recte qntdem. Differt enim ber«titns, qui est 
ffaahu Mrminwm (der rorU^ag) a barito, qot est tlamor MiAm», et 
qaidem Romanorum etiam. Veget^ Hl, 18. et Ammlan. MarcelMa. XXXI, 
7, 11. fiardos Germmna nonfui^^ nullo modo ceastat, siq«ddera Dio* 
d^ro ides hsbenda est. Cf. ad Cap. XXH, 3.« Und hier stehen fol- 
gMde mis fnteressirende Wörter „Gullos, quonim sab noaune a DI&- 
doro g^rmanioos quoqne populos eomprehendi nemo dubitabit , qni fibri 

cilsjl (V> (cap. XXV.) Terbai K«iactf iin^amo xo^s ni^a^ 

(Auf dem rechten Rheiaufcr) wtotnovvttiq u^t^o JTteAilf«, et cap. XXXII. 
y^ oMter inspeaerit.«« Abo barditum ist erstens die Lesiirt dieses toeff- 
Ikshen Codex; aweiteito Itft nach Ttoss's soharürichdger Bemerkung an 
unterschefdMi awischea barditus und baritus^ jehe» Wort bedeutete bei 
den DeHUchen -. denn bei vocant zwischen illis and accendunt (wo doch 
offenbar Germam das Subject ist) darf nicht homines oder Romani, son- 
dorn muss wieder Germani als Subject gedacht werden — den Kor- 
*r arg- Jener Gesänge. Sollten wir nun einem Tacitus hier nicht tiauen 
dürfen? mite er wirktfoh ohn^ Kritik Galller und Geinaiien mit 



Bibliographiacho Berielite and IfiacelUo« 117 

»der Termeagtt Aber «i gab doch in DetttfcbUmd Um tob RUney 
im Lande der Sachsen einen Bardengao, was wenigstena lebi«, dasa der 
Name Barde in Dentaofaland gekannt war. Nun dann wird ea aneb wobi 
die SmAe geweaen sein. Und tat ea denn niebt anderwarta ber brennt, 
daaa die alten Dentaehen den C^eaang wid die Maaik Hebten? daaa ioaon* 
derfaeit die Fnraten Sanger nnd Geaange tapferer Tbaten von Helden aus 
ihrem Oeaddecht gern gebort haben? Sollten die I>entacben, in der 
Mitte awiachen Galiiem und den nordiacben Yolkem, oAne Banger der 
Art geweaen sein? -Nein! waa Verrina Fiaocaa (ans ihm ez€er|nrend 
Featna a. v. Bardns} sallioe cantor appeliator, qni Tiromm fortiam ian- 
dea canit), Strabo (lY, 4. p. 197. ficT^oe ftip vpivfiwl nai moifitai)j 
Lnoanna (Pharaal. I, 444 — 46. nnd daxu der aHe Schol.) nnd Ammianva 
Marcellin. (XV, 9. Bardi fortia vlrorum iilaatrium facta heroida oompoaita 
▼eraiboa eum dnlcibna lyrae modnlia cantitarant) ao beatimnt von den 
Galiiem ersähksn, daa paast-nicbt minder auf die Deutsdken nnd m deren 
Ckartdcter nnd SUtej nnd Tacitoa bat aich gewiaa niüht geirrt, wenn 
er ancb den Dentacben solche Sanger nnd dieaen den Vortrag aolcber 
Gedichte beilegt. Nur freilich muaaen wir nicht den Mnnd ao voll neh- 
men nnd gleich «ra tiner be&Hmmien Ktuie von Sängern reden wollen« 
Eben ao wenig brancht man in jene anasBche Bardomanie zn Terfallen, 
wie aie ein Denis, ein Kretachmann yormals genbt. Aber anf der andern 
Seite gesiemt aich ancb nidit ein ao bestimmtes jibimtgnen bei Torliegea- 
den , ao ematen Beweiaen« [Hefller.] 



Da$ Heptaplomtres deg Jean Bodin. Ziut GtaeJMUe den CnUur wmd 
EMeratur im Jakrhundart der Reformation, Von Dr. G. E. Gnhrauer. 
Äfft einem Schreiben an den Herauegdfer von A. Neander. [Berün, 
Sichler. tö41. LXXXVIU nnd 277 8. gr. 8.] Der FVansose Jean Bodin 
wird in den Literatorfoucbem zn den hervorragenden Geistern nnd Cha-^ 
rahteren des 16. Jahrbnnderta gezahlt nnd soll aich ebenao als Staatsmann 
und Gelehrter henrorgetban nnd dnrah freuinnige politische nnd religiöse 
Anhebten nnd Bestrebungen fiber seine Zeit erhoben , zugleich aber auch 
durch Freigeisterei bevuebtigt gemacht haben. Namentlich wird unter 
seinen Sehriften das nur handschriftlieb Yorfaandene Heptaplomeree- als 
ein für Religion und Frömmigkeit höchst gefahrliches Buch bezeichnet 
und etwa mit der Schrift de tribns impostoribus auf gleiche Stufe gestellt. 
Dieses Buch hat, wie die fielen davon vorhandenon Abschriften bezeu- 
gen, im 16. Jahrhundert viele Aufmerksamkeit gefunden, und es mnss 
namentlich die Aufmerksamkeit der Theologen auf sich gezogen haben, 
da der Superintendent Diecmann in Bremen da88c*1be, obsdion es nur 
bandsdiriftlich vorhanden w^r , in einem besondern Schediaema inaugu- 
rdle de naiMraliimo tum aUorum tum maanme loannis Bodtnt [Lipsiae 
1684.] besonders bekämpft und nach Kräften zn widerlegen gesucht hat. 
Seit dem 18. Jabrbnndert jst das Buch ziemlich in Vergessenheit gekom- 
men, dass es sogar Lessing, obscbon er es fnr die Rettung dea Cardanua 
redit gut hätte brauchen können, gar nicht gekannt zu haben scheint. 
Die Litevarbiatoiiker haben dar&ber , wie iber Bodin*8 Leben ilberbaupt, 



118 BibllogrApkiiche Berichte und Miscellen. 



viel fidsdke Nachricbteii Terbreitety weil de eotweder die 
Nachricbten fransorischer Schriftsteller ntfcheeschrieben, oder die ansei' 
tige and falsche Aafiassiuig Diecoianns für baare Wahrheit genommeil 
' haben. Indess haben doch einzelne Sdiriftsteller ▼on Zeit zo Zeit die 
Anfinerksamkeit darauf hingelenkt. Ausser Hogo Grotins war es beson- 
ders LeibnitZy der nicht nur in seiner Jugend «ne Prüfung und Wi- 
derlegung desselben zu schreiben begann, sondern der auch noch im 
Jahr 1716 in drei Briefen [s. Opp. V. p. 337. und Burkhard. Histor. Bibl. 
August, n. p. 3470 dessen Herausgabe empfahl und es für ein untenich* 
tendes und zum Lesen ungefährliches Bndi erklarte , das zu der Schrift 
de tribus impostoribus im Tortheiihaftesten Contrast stehe. Im Jalir 
l7l9 begann Polycarp Leyser, nachdem er schon Sdecta deviUiet 
teriptiB loanma Bodini herausgegeben hatte, eine Ausgabe des Werkes, 
die aber in Folge eines RegierungsTerbotes mit dem Druck des ersten 
Folioblattes beendigt wurde. Spater zog ein ungenannter Geldirter in 
den Arheken einer GeaeUechoft m der iX^lauäta Bd. II. S. 214—225. 
den Inhalt der 6 Bucher des Heptaplomeres kurz aus und rühmte das 
christliche Bewnsstsein, welches darin die Vertreter der drei christlichen 
Confessionen mit Ernst und Nachdruck ausgesprochen hätten« Zuletzt 
beschäftigte sich der Freiherr von Senke nberg laut seiner Bekenntr 
nisse in Strieders Hessischer Grelefartengeschichte XIV. S. 269 f. mit 
einer luritischen Ausgabe deiBselben und wurde dabei von Heyne unter- 
stützt. Sein Apparat befindet sich auf der Giessener Universitätsbiblio* 
thek, und ist neuerdings nebst andern Handschriften des Heptaplomeres 
von Vogel im Serapeum beschrieben worden. Je weniger nun durch 
alle diese Bestrebungen die obwaltenden Irrthumer über Bodio's Leben 
und namentlich über sein Heptaplomeres beseitigt oder die etwa ton dem 
letzteren erregten Erwartungen befiriedigt worden sind , um s<^ dankens- 
werther ist es, dass Hr. Guhrauer in der gegenwartigen Schrift die- 
sen Gegenstand zu einer, vollkommen befriedigenden Erledigung gebracht 
hat. Er hat nämlich das sehr umfangreiche Werk Bodin's, das in den 
Handschriften den Titel fuhrt: loanins Bodmi eoüoqumm heptaplomerea 
de rerum eublimhim areank MUtüy nach einer Pariser Handschrift und 
mit Zuziehung von noch zwei andern Pariser und zwei Berliner Hand- 
schriften in der Weise in^s Deutsche übersetzt , dass er mit Weglassang 
der eingewebten Ncbenerorterungen und der für den Hauptzweck des 
Ganzen ungehörigen Abschweifungen einen kürzeren, aber eben in den 
Hauptpunkten wortgetreuen Auszug daraus giebt, welcher auf S. 3-^169« 
des Buches abgedruckt ist« Und damit man errathen kann , in welchem 
Verbältniss dieser Auszug zum Original selbst steht, so sind S. 161— 
253. Proben aus dem vierten und fünften Buche desselben mitgetheilt, 
deren Vergleichung lehrt, dass Hr« G. Nichts weggelassen hat, was zur 
richtigen Erkenntniss des Buches nothig und für unsere Zeit brauchbar 
ist. Diesen beiden Abschnitten ist in der Vorrede S. IX— LXXXVUI. 
eine reichhaltige Biographie und Charakteristik Bodin's vorausgeschickt, 
welche übet dessen Leben, Wirken , Schicksale und Schriften Aufschluss 
giebt, die Irrthumer der Literarhistoriker berichtigt und die Entstehung 



. Bibliographische Berichte und MisceUen. 119 

und Bedentfiamkeit dea Hepti^lomeres nachweist. Man findet also in 
der Schrift Alles beisammen, was von dem Leben Bodin^s und von sei- 
nem Heptaplomeres noch für unsere Zeit in wissen nothig ist, nnd ihre 
Brauchbarkeit wird sich aus folgendem kurzen Inhaltsauszuge zureichend 
ermessen lassen» Jean Bodin war in Angers 1530 geboren und wurde 
unter Katholiken erzogen , obschon ihm die spätere Sage eine Jüdin zur 
Mutter gegeben hat, wahrscheinlich weil sein Heptaplomeres eine für 
jene Zeit ungewöhnliche Anerkennung des Werthes der jüdischen Religion 
Terrieth. Er studirte in Toulouse die Rechte, hielt dann daselbst mit 
grossem Beifall juridische Vorlesungen und trat als Schriitsteller mit 
einer Bearbeitung des Oppian [Paris 1555. 4.] und mit einer Oratio de 
instituenda in repubUca iuventute ad Senatum Populumque Tolosatum 
[1559.] auf. Um 1560 ging er nach Paris , setzte dort seine schriftstel- 
lerische Thätigkeit fort und trat daneben als Parlaments - Ad vocat auf, 
in welchem Geschäft er sich namentlich durch, seine eiserne Festigkeit 
und Strenge auszeichnete , womit er eine für richtig erklärte Meinung im 
Dienste seiner Obern, manchmal ^egen ihren Willen, durchzusetzen 
strebte. Die Bartholomäusnacht 1572 brachte ihn , obgleich er sich das 
Vertrav/en des Hofes in hohem Grade erworben hatte und auch späterhia 
behielt, in Lebensgefahr, weil er sich in Schriften nnd im Leben za 
freimuthig und zu kühn zu Gunsten der Refornürten geäussert hatte. 
Als 1576 die gegen den Hof gebildete Ligue eine allgemeine Ständever- 
sammlung nach Blois berief, wurde Bodin Yon der Provinz Vermandois, 
wo er zu Laon Rath am Präsidial geworden war, einstimmig zum Abge- 
ordneten des dritten Standes erwählt, nnd erhob sich dort zu einem so 
kühnen Volksvertreter , dass er alle Pläne des Hofes , die der allgemeinen 
Volkswohlfahrt verderblich waren , vereitelte , aber auch eben so kräftig 
gegen die Guisen und die Ligue auftrat, weshalb ihn auch Heinrich ITI. 
den Herrn und Meister dieses Reichstages nannte. Nach Beendigung 
des Reichstags kehrte er nach Laon zurück und galt dort als Einwohner 
und Staatsbeamter für den Stolz der Stadt. Hier gab er 1577 sein 
Hauptwerk de la Räpuhlique heraus, worin er die verschiedenen Staats- 
verfassungen und ihre Einrichtungen prüfte, nur zwei derselben, die 
Tyrannei und die Anarchie, für ganz verwerflich erklärte, für jede 
andere ihren Platz und ihre Verhältnisse bestimmte, für Frankreich eine 
durch Gesetze gemässigte Monarchie forderte , dabei die Sätze aussprach, 
dass die Religion ein nothwendiges Element des Staatslebens, die Ge- 
rechtigkeit einer der stärksten Pfeiler jeder Staatsverfassung sei. Joh. 
von Müller hat dieses Buch ein Werk voll Gelehrsamkeit und Weisheit 
genannt, und Laharpe und Heeren haben deshalb in Bodin den Vorgänger 
von Montesquieu erkannt. Das Hauptverdienst desselben aber ist, dass es 
Bodin herausgab, um damit dem Bürgerkriege der beiden Religionsparteien 
entgegen zu treten und Gewissensfreiheit und' Duldung für alle und jeder- 
mann zu fordern. Diese freisinnige Ansicht und diese Erhebung über 
den religiösen Aberglauben und Fanatismus seiner Zeit ist um so höher 
zu achten , je weniger Bodin von ande^i Irrthümern frei war. Er war 
Astrolog, glaubte an Gespenster, Hexen und Zauberer , und half sogar 



120 Bibliographische Berichte und MisoelLeiu 

ein wegen Zauberei angeklagte« Weib verorthellen und bewies 1579 uk 
einem besondern Buch D^onomanie das Dasein von Zauberern und He- 
xen: welches Buch sich durch ganz Kuropa verbreitete und für lange 
Zeit als Anctorität für die Rechtlichkeit der Hexenprocease angesehen 
wurde. In dem 158^ neu ausgebrochenen . Bargerkriege verlcnr Bodin 
anfangs allen seinen Einfluss und wurde 1587 von der Llgue sogar ala 
Ketzer angeklagt; aber als nach der meuchlerischen Hinrichtung des 
Herzogs von Guise und nach dem Tode der Katharina. von Medici Frank- 
reich sich gegen Heinrich HI. empörte, da trat er 2ur Ligue über und 
wurde einer der ersten Wortführer der Revolution, Doch blieb «r auQh 
jetzt seinem Charakter treu und kämpfte selbst mit Lebensgefahr gegen 
Willkür und Gewalt und für die ungeschwaehte Geltung der Gesetie« 
Dies zog ihm abermals den Hass der Liguisten zu und in einer 1590 anPa 
Neue erhobenen Anklage wegen Ketzerei wurde er zwar nicht zum Tode 
verdammt, aber seine Bücher Öffentlich verbrannt und er als Zaubere» 
dem Hasse des Volkes preisgegeben. Kr starb 1^97 an einer pestartigen 
Krankheit, nachdem er noch das Jaht vorher sein letztes Werk univenae 
naturae theatrum herausgegeben hatte. Was nun das Colioquium hepta^ 
plomeres des Bodin anlangt, so ist dasselbe gewissernkaassen sein reli- 
giöses Glaubensbekenntniss oder auch sein religiöses Testament, welches 
nach seinem materiellen Inhalt eine Art Encyclopadie des gesammten phi- 
losophischen und theologischen Wissens und Glaubens jener Zeit bietet, 
nach seiner Tendenz aber darthnn soll , dass alle geschichtlich bestehen- 
den Religionen und Religionssecten, sofern sie nicht gegen Staat, Siiir 
lichkeit und Gottesfurcht streiten , ein inneres objectives Recht des Be- 
stehens haben, und dass demnach alle Religionen auf Duldung im Staate 
Anspruch madien dürfen. Die Abfassung desselben ist daher abzuleiten, 
dass Bodin ein freisuiniger und toleranter Katholik mit protestantisohen 
Gesinnungen war, und das Streben hatte, die beiden sich bekämpfenden 
Parteien zu versöhnen« Sieben Personen, woher eben die Benennung 
Heptaplomeres , halten dialektische Unterredungen über die Religion in 
der Weise mit einander, dass die eine das Judenthum in seinem Particn- 
iarismus, die andere den Standpunkt allgemein menschlicher Heiligung 
durch besondere göttliche Gnade, wie sie Enoch erfuhr, drei andere 
die Oonfessionen der Katholiken, Lutheraner und Reformirten, die 
sechste den Islam, die siebente das Heidenthum vertritt. Jede einzelne 
Person streitet für ihre Religion und bestreitet die übrigen, doch so, 
dass eine freisinnigere und edlere Ansicht vom Geiste des Chriatenthums 
die gesammten Erörterungen durchzieht, dass eigentlich nur das Juden- 
thum und die drei christlichen Confessionen mit gewichtigeren Gründen 
vertreten werden, und dass die übrigen nur so weit mitkämpfen, um 
das Recht freien Religionsbekenntnisses fdr alle Giaubensweisen herana- 
zustellen. Der Jude Salomo, welcher das Judenthum allerdings mit alTem 
Eifer und mit einer glanzenden Gelehrsamkeit und tiefen Kenntniss der 
damaligen judischen Weisheit vertritt, ist doch ein recht aufgeklarter 
Jude, der die dogmatischen Schwierigkeiten der Schrift durch aHegori- 
sehe . Auslegungen auf die Seite räumt, aus der Bibel seine Waffen holt. 



Bibliograp&iaciie Berichte and Miscelleh. 121 

die Ckficblclite seknr Natiob zur Grundlage seiner Argumente macht und 
gidi mit der Weisheit und den Grübeleien des Talmud und der Kabbala 
mnringt. Br steht Wache vor dem Buchstaben und dem Texte der Pro- 
pheten und thnt scharfe kritische Schnitte in die Harmonie der Evan- 
gelien. Ueberhaupt ist es hur der Jude, weicher direote Angriffe auf 
das Christenthum macht , wahrend die übrigen sprechenden Personen nur 
mit Scharfe und Conseqnenz ihre Partei vertreten und in ihren Angriffen 
auf kirchliche positive Dogmen äusserst Torsichtig sind, Ja selbst ihre 
Argumente oit so einrichten, dass ihre Nichtigkeit feust offen vorliegt. 
Deshalb hat man eben den Bodin zu einem geheimen Juden machen 
wi^en, obschon er den Charakter seines Juden nur dazu gebraucht zu 
haben scheint, um durch ihn gewisse moralische Gebrechen der christl. 
Kirche zu rügen und vielleicht einzelne Zweifel an der positiven Lehre 
des Christenthums durch ihn aussprechen zu lassen. Uebrigens werden 
in den Unterredungen die Streitfragen ub«r die Tnnitat, die Gottheit 
Christi, die Gnadenwahi, die Inspiration etc. mit Argumenten ange- 
griffen mid vertheidigt, die zum Theil noch in den neuesten Schriften 
über diese Gegenstande in gleicher Weise wiederkehren* Darum bedau- 
ert auch Hr. G. mit Recht, dass Lessing für die FVagmente des Unge- 
nannten nicht auf das Heptaplomeres hat Rücksicht nehmen können , und 
hat am Schlnss seines Buches noch einen besondem Abschnitt zur Ver- 
gUichung mit denfFolfenhüttePsi^en Fragmemten angehängt, worin er 
zugleich die Autorschaft des Reimarus gegen Kortes Einwendungen sieg- 
reich vertheidigt« Auch hat er darauf hingewiesen, dass Strauss aus 
dem Heptaplomeres Mehreres für sich hätte gewinnen können. Aus alle 
dem ergiebt sich übrigens, dass dieses Colloqnium nach Inhalt und Ten- 
' denz eine gar wichtige und merkwürdige Erscheinung des 16. Jahrhun- 
derts und für Theologen und Historiker von mehrfachem Interesse ist. 
Jedenfalls hat- der Herausgeber übrigens gut gethan , dass er es nur im 
Auszuge mitgetheilt hat: denn Inhalt und Tendenz lassen sich daraus 
genügend erkennen, und die künstlerische Einkleidung und Behandlung 
des Stoffes bietet keine solche Vollkommenheit der Form und Darstel- 
lung , dass man um ihretwillen das Werk wird lesen wollen ; der mate« 
rielle Inhalt ist es aU^n , der dasselbe merkwürdig macht. [J.] 



In England ist unter dem Titel The correspondence of Bichard 
Bentley eine Sammlung von Briefen erschienen , welche verschiedene Ge- 
lehrte der damaligeif Zeit an Bentley geschrieben haben. Man findet 
darin neben vielem Unbedeutenden auch Briefe von Newton, Burmann, 
Küster, Leclerc u. A., sowie eine Menge Briefe von Bentley selbst« 
Die meisten sind ziemlich inhaltsleer, bewegen sich in übertriebenen 
Complimenten und Schmeicheleien' und besprechen kleinliche Dinge. Wo 
sie aber auch die gelehrten Forschungen der Briefschreiber berühren, 
enthalten sie doch meistens nur unbedeutende Notizen, Anfragen und 
augenblickliche Conjecturaleinfölle über einzelne Stellen der Alteq. Und 
diese beziehen sich meist auch noch auf wenig beachtete Schriftsteller« 
Die Bentley'schen Briefe z. B. beschäftigen sich fast allein mit Suidas, 



132 Bibliographische Berichte und MiacelleB« 

Polloxy Hesychiiu und Meaander. Bs lisst sieh ako ^was Erhebli- 
ches nicht darans lemeo. Rein literarhistorisch betrachtet , bieten sie 
vorherrschend nur solche Ansbeate, dass man einige berihmte Ü^Ianner in 
ihren Schwachen und Pedantereien kennen lernt. Die ganze Briefeanim- 
long ist darom ein neaer Belege dass d«rgieichen PriTatconrespondens 
nicht yor das grosse Poblicnm gebort. Wer übrigens durchaos wissen 
will, wie grob Bentley gewesen ist, welche Schmeicheleien ihm Ton 
seinen Zeitgenossen gesagt worden sind , und wie sich ein Newton u. A« 
ausnehmen, wenn sie Complimente machen, dem wird die Sammlong 
vielen Aufschloss gewähren. Das echte Privatleben dieser Manner er- 
kennt mau obrigens darans anch nicht: denn die meisten Briefe sind 
Convenienzschreiben. . [J.] 



Zn den kleinen Schriften nber den holländischen Gelehrten Phi- 
lipp Wilhelm van Hensde, welche bald nach dessen Tode von 
Kist, Royaards, Gondoever n. A. herausgegeben worden , ist 
eine sehr gelungene ausführliche Charakteristik desselben von dessen 
Neffen unter dem Titel: Memoria Heutdu^ eommendamt Jac Ad. 
Carol. Rovers, litt. hum. in Athen. Franeq. Prof. [Utrecht b. Natan. 
1841. 8.] erschienen , welche nach dem Muster von Ruhnken^s Eloginm 
Hemsterhosii und Wyttenbach*« Vita Rnhnkenii in schönem und fliessen- 
dem Latein eine eben so allseitige als interessante Schilderung des Man- 
nes bringt , und dessen Jugend und Bildungsgeschichte , sein Wirken als 
akademischer Lehrer und als Gelehrter und sein Wesen ab Mensch sehr 
sorgfältig und treu darstellt. Der Verf. ist von dem Verstorbenen selbst 
erzogen worden , hat mit ihm in der engsten Berührung gelebt und über- 
dem den handschriftlichen Nachlass Heusde^s für seine Memoria benutzt, 
und entwirft nun fem von blosser Lobrednerei, aber mit dankbarer Ver- 
ehrung und Liebe ein lebendiges und schönes Bild von dem Leben des- 
selben, das, abgesehen von dem literarhistorischen Interesse, schon 
durch die schone Darstellung interessirt und anspricht. Aber Heusde 
selbst erscheint auch darin in seinem Jugendalter so liebenswürdig un^ 
in seinem Mannesalter als Lehrer und Gelehrter so thätig und tuchdg, 
dass man das Buch erwachsenen Schalem und jungen Lehrern zur er- 
munternden und belehrenden Lecture recht sehr empfehlen muss. Statt 
weiteren Berichtes über den Inhalt desselben heben wir hier eine inter- 
essante Erzählung aus Heusde's Jugendleben aus, welche derselbe selbst 
für die zweite Ausgabe seiner Episteln ad Creuzemm niedergeschrieben 
hatte und die Hr. R. in seine Darstellung verwebt hat. Van Heusde 
hatte als Student auf der Universität in Leyden durch seine fast über- 
triebenen Studien sich bei seinen Commilitonen in hohe Achtung gesetzt, 
und war dadurch selbst in den Eigendünkel verfallen, sich bereits für 
einen tüchtigen Philologen zu halten. Die Benutzung von Ruhnken^s 
Saromlangen zn Piato und Seine eigenen philologischen. Studien hatten ihn 
veranlasst , eine ziemliche Anzahl von Conjecturen zn Plato und andern 
griechischen S^riftstellem in eine lateinische Abhandlung zusammenzu-- 
stellen f welche er seinem Lehrer Wyttenbach mit grossen Erwartongen 



Schul- n« Unirenitatffliachiir'.y Beforderr« n« Bhrenbexeigniigen. 123 

* 
/ • 

zur Beurtiieiliing nbergab. Itaqne ille acceptia , de qnibna eqnidem prae- 
dare existimabam , coniectnris, vix eas inspicere, mox de manu ponere 
et de aliis mecam rebus agere: deinde mensis unas et alter, item tertiua: 
neque ilie eamm mentionem facere, neque ego sciscitari, qtiae huina 
esset silentii causa, audere. Tandem cognoyi causam, sed tum cognoTi, 
postquam ex ipso silentio nberrimnm iam fiuctum ceperam« Veniebat 
item in mentem lectionis publicae , qua ille nescio quem terrae fiUnm tra- 
duzerat , qni cormpta emendare ausns fuisset,«anteaquam sana intelligere 
coepisset; tum quidem riseram ego cum condisdpulis inbptum et arrogan- 
tem hominem , nanc memet ipsnm snspicabar iila in lectione significatnm 
fobse. Quid plura? sie meae me stultitiae pudait, ut, capto consilio, 
praeceptorem adirem, animnm eo coram efifunderem totüm, sancteqne 
promitterem, non prius me deinde comipta tentatnrum, anteaquam, ipso 
duce, Sana coepissem intelligere. Ille ad haec ne verbnm quidem, sed, 
aperto scrinio, ezpromebat inde schednlas meas, mihiqae eas reddens, 
Tulta cum benoTolentia ironiam spirante, — recte facis, mi Hensdi, ait, 
Video te nunc temet ipsnm cognoscere coepisse : quod quam sit difficUe, 
ego in dies ezperior magis : cum haec scriberes , nondom te cognoveras : 
notnlis tuis menm indidnm adscripsi. — Bis me yerbis, data dextra, 
dimittebat. Bgo domum redux , quin aedibns praeceptoris vix egressus, 
schedulas pervolvebam: inspicienti autem mihi, miserabile dictu! ubiTis 
fere occnrrebat margini adscriptum vel locus ab auctare non intdleetus^ 
vel locus integer et sanus, quamvis impeditus: paucis coniecturis annota* 
tum videbam haud displicety duabas tribusve Aoc recte. Quis mihi, bis 
lectis, sensus fuerit non attinet dicere; postea similia passns, illum re- 
spidens diem, subieci interdum mihi zitXa^i dij, ^QaSirj, Sic ille prn- 
dentins efißcaciasque quam longis orationlbqs, homines fere enecantibus, 
me reprehendebat , utque postea vidi, id agebat fere Socrates ille mens, 
ut mentis mihi oculum aperiret, quo me ipse cognoscerem, iudicarera, 
corrigerem. Das Geschichtchen giebt Gelegenheit zum Nachdenken , ob 
man der Klugheit des Lehrers oder der Empfänglichkeit des Schülers 
mehr Beifall sollen soll. [J*] 



Schul- und Universitätsnachrichten, Beförderungen 

und Ehrenbezeigungen. 



Hbidelbbrg« Der Ephorns des dasigen Lyceums, Hr.-Hofrath 
und Prof. Dr. Bahr , hat in Bezug auf die neue Gestaltung dieser Lehr- 
anstalt nachstehendes Schreiben an den dasigen Gemeinderath erlassen, 
das in dem Heidelberger Journal 1842 Nr. 103. abgedruckt worden ist, 
und welches wir Ton daher für unsere Jahrbücher entlehnen : 

Bei dem warmen Antheil, welchen die Stadt Heidelberg stets an 
dein hiesigen Lyceum genommen und noch in der letzten Zdt durch den 



124 Schal« and UiiiTersit«tSBA«hri«hteii, 

Aufbau eines Be>ieii LycealgebiodeA aof eine so aosgeseidinete Webe 
bewährt hat, hält sich der untenEeichnete Ephoms für Terpfliditet, roa 
einigen wesentlichen , aom Wohle der Anstalt höheren Orts getroffenoD 
Anordamigen nähere Nachricht den städtischen Behörden ait«ltheilel^ 
da in dem diesjährigen Programm von dem altemirenden Director der 
Anstalt diese Pankte kaum berührt sind , aach der wesenttichea Vor- 
theile , welche der Stadt durch die früher schon angeordnete und jetzt 
vollständig durchgeführte Eiiiebong der Anstalt von einem blossen Gym- 
nasium (weiches anr Universität unmittelbar die Schüler nicht zu bringea 
vermag) zu einem Lyceum znfliessen, nicht gedacht ist. Es hat sich 
dadurch die Zahl der auswärtigen Schüler bereits vermehrt i^id dürfte 
sich in der Folge noch weiter vermehren, da selbst manche Familien sic|i 
veranlasst sehen, an dem Orte sich niederzulassen, wo sie alle Mittel 
för die vollständige Ausbüdnng ihrer Söhne finden , ohne dass sie genö- 
thigt sind, auf auswärtige Lyceen ihre Söhne zu senden, welchen Yaht- 
tbeil die -einheimischen Bewohner mit ihnen thölen. Auch der längere 
Genuss ' der an« die hiesige Anstalt geknüpften Stipendien ist dadurch 
gesichert , wie denn z. B. im verflossenen Jaluw eijf evangelisch • prote- 
stantische Schüler jeder mit 75 fl. und mehrere katholische Schaler jeder 
mit 50 fl. bedacht wurden. Ausser den in j«iem Programme erwähnten 
Anstellungen des Professors Furtwtmgler und des Lehrers Dmnm^ deren 
Wirken an der Anstalt sich als ein äusserst erfolgreiches schon in dem 
abgelaufenen Jahre erwiesen hat, ward in der Person des Lehramtscan« 
didaten und Privatdocenten Dr. Hätuser für die Fächer der Philosophie, 
Rhetorik und Geschichte ein eben so tüchtiger, mit gl^chem E^olg 
wirkender Lehrer gewonnen. Da inzwischen nodbi Mehreres zur voll- 
ständigen Organisation des Lyceums , wie es der Sohulpian verlangt, 
fehlte, namentlich in den vier oberen Classen die Trennung in zwei 
Abtheilnngen noch nicht vollständig dur^üigefnhrt war, und ebenso die 
erste oder unterste Classe nur unvollkommen organiadrt war , so wurden 
von der höheren Behörde die nöthigen Anordnungen getroffen , diesem 
Mangel abzuhelfen, um ein nach allen Theilen vollständig organisirtes 
Lyceum mit dem Eintritte- des nächsten Schuljahrs zu bilden. Die erste 
Classe ward von der fsweken, mit der sie bisher in mehreren Lehrgegen- 
ständen noch vereinigt war, völlig getrennt, und erhielt, wie die zweite, 
ihre vollständige Organisation; so dass Lehrer Damm wie bisher die 
zweite Classe , Lehrer Süpfle aber die erste Classe als Hanptlehrer über- 
nehmen und überdem noch ein Weiterer Lehrer in der Person des bishe- 
rigen Lehrers an der höhern Bürgerschule in Ladenburg, Reinbold ^ an 
•die Anstalt berufen ist, welcher, während die genannten Lehrer den 
gelehrten und lateinischen Unterricht leiten , den Unterricht in der deut- 
schen Sprache, im Rechnen, Geographie, Gesang und Schreiben in 
diesen Classen übernehmen wird. Die bisherige erfolgreiche Tbätigkeit 
dieser Lehrer berechtigt zu den besten Erwartungen für dio Zukunft, da 
von dem Gedeihen und der Blüthe der untern Classen der Erfolg in 
den obern Classen, in welche diese Schüler aufsteigen, bedingt ist nnd 
hier dann von den Lehrern mit den tüchtig vorgebildeten Seholern 



Befordernngen and Ebrenbezeigongen. 125 

bessere LeisCungen erzielt werden können. In den obem Classen ist 
gleichfalls der Unterricht im Lateinischen, Griechischen nnd Französi- 
schen, wie in der Mathematik and Natnrlehre, der theilweise in den 
beiden Abtheilangen jeder ClasseS verbunden war, nan Yollig getrennt 
worden , was gewiss ats eine wesentliche Verbessernng und Förderung 
des Unterrichts anzusehen ist. — Die Zahl der Lehrstanden ist erwei- 
tert und das Stundendeputat der einzelnen Lehrer bedeutend vermehrt 
worden; es haben dieselben dieser Vermehrung ihrer Obliegenheiten sich' 
gern unterworfen , weil sie die Ueberzeugung hatten , dass es im Inter* 
esse der Anstalt sei und zu deren Förderung wesentlich beizutragen ver- 
möge , weil sie femer von der Ueberzeugung geleitet waren , dass bei 
den grossen Opfern , welche die Stadt Heidelberg der Anstalt bringt,^ 
aoeh von Seiten der Lehrer des Lycenras Alles aufgeboten werden müsse, 
um den gerechten Erwartungen, welche von Seiten der Stadt an diese 
Opfer sich knüpfen , möglichst zu entsprechen. Um so sthmerziicher 
musste es aber den Unterzeichneten berühren , dass in der dem erwähn- 
ten Lycealprogramm vorgeschickten Chronik des Lyceums dieser grossen 
und bedeutenden Opfer, welche die Stadt in dem Aufbaue eines neuen, 
ebenso soliden, als zweckmässig eingerichteten Lycealgebiudes , mit 
einer Bereitwilli|g;keit, wie sie nur selten angetroffen wird, gebmcht 
fattt, auch nicht eiinnal mit einem Worte gedacht und dieses für das 
hiesige Lyceum 90 widitige Ereigniss mit völligem Stillschweigen über- 
gangen ist. Er konnte es sich daher nioht versagen , die sich ihm jetzt 
darbietende Gelegenheit zu ergreifen «nd in seinem Namen , wie in dem 
der übrigen Lehrer, welche diese seine Gefühle durchaus tbeilen, der 
hochachtbaren BürgerBcfaaft fteidttbergs nnd ihren würdigen Vorstehern 
den wärmsten und innigsten Dank für die Bereitwilligkeit auszusprechen, 
mit welcher dieselben ans ihren Mitteln dem so dringenden und fühlbaren 
Bedürfnisse eines Lycealgebäudcs auf eine sehr befriedigende Weise 
abgeholfen bat. Die Bürgetschaft Heidelbergs und ihre Vorsteher haben 
aufs Nene bewiesen, dass da, wo es das Interesse der Wissenschaft 
nnd der BiMang, sowohl der gelehrten als der Volksbildung, gilt, kein 
Opfer zu gross ist , was sie nicht zu tragen bereit sei , zur Ehre und 
zum Ruhme unserer thenren Vaterstadt nnd zum dankbaren Gedächtniss 
unserer Nadikommen. 

Heidelberg, den 33. Sept. 18^. Dr. Chr. Bähr^ 

Ephorus des hiesigen Lyceums. 
Neu-Ruppin« Das zu Ostern 1841 herausgegebene Programm 
des dasigen Friedrich - Wllhehns -^Gymnasiums enthalt vor dem Jahres- 
bericht des Directors Prof. Dr. Fr. €httt€^ Starke eine Probe einer tfe- 
bersetzung des Thucyi^es [Boeh I. Cap» 1—^4«] von dem Dr. F. H. 
Kämpf [44 (51) S. gr. 4.] , worin der Verf. mk sorgfältiger Benutzong 
dessen, was Oslander, Klein und MüHer Tfichtiges geleistet haben, nnd 
mit klarer Erkenntniss der an einen Uebersetzer des Thacydides zu stel- 
lenden Anibrdernngen den Anfang einer recht wohlgeinngenen Uebertra- 
gong dieses Historikers geliefert hat. Die Sohfilenahl des Gymnasiums 
betrag 2ö8. vgl. NJbb. 35, 104. 



126 Schul- itnd Unirersitatsnachricht«!!, 

Potsdam. Das dasige Gymnasium war in seinen 6 Gyranaaial- 
und 3 Realclassen Tor Ostern 1841 Ton 298 und vor Ostern 1842 ron 
299 Schülern besucht und entliess zu Ostern des erster^n Jahres 6 Scha- 
ler zur Universität, sowie auch 4 Schiller der ersten Realciasse die Tor- 
schriftsmässige Prüfung bestanden. In den Unterrichtskreis der obem 
Realdasse [s. NJbb. 26, 479.] ist schon im Jahr 1840 auch die Chemie 
angenommen worden. Dem Coilaborator Buttmann [s. NJbb. 33, 105.] 
wurde im Januar 1842 das Prädicat Oberlehrer yerliehen, und der^im 
vorigen Jahre zu dem letzten Coilaborator ernannte Candidat Jettmar hat 
vor Kurzem eine Gehaltszulage Ton 150 Thlrn. erhalten. Im Osterpipo- 
gramm des Jahres 1841 steht die Abhandlung: Die Casus der griechischen 
und lateinischen Sprache nach ihrem Ferhaitniss zur Rection der Verb'a 
Tom Oberlehrer Hamann [54 (44) S. gr. 4.1 und im Osterprogramm des 
Jahres 1842 ^nnototümes ad TUmUum, Partiell, von dem Director 
Dr. Fr, A. Rigler. [LX S. und 10. S. Jahresbericht, gr. 4.] Die letztem 
sind die Fortsetzung der 1839 herausgegebenen Particula I. und geben 
zu Buch I. Eleg. 6 — 9. und Buch II. Bieg. 1 — 3. einen reichen Com- 
mentar , worin vomehmlich die Lesarten und Conjecturen der schwieri- 
geren Verse besprochen, mit allseitiger Beachtung der verschiedenen 
Deutungen der früheren Erklärer geprüft und durch fleissige und viel- 
seitige Bezugnahme auf die Sprechweise der übrigen Dichter des augu- 
steischen Zeitalters erläutert werden. Was schon von der Partie. I. in 
unsem NJbb. 26, 477 ff. gerühmt worden ist, das gilt auch von dieser 
zweiten Abtheilung. Die Erörterungen sind sehr sorgfaltig und genau, 
die gewonnenen Resultate überall mit Fleiss und Einsicht begründet, 
und die Rücksichtnahme auf die verschiedenen Ansichten der Erklärer, 
welche bis auf Dissen und Gruppe herab benutzt sind, bietet naturlich 
eine sehr allseitige Betrachtung der einzelnen Stellen. Beibehalten ist 
aber auch die Richtung, dassder Verf. ohne Rücksichtnahme auf die 
Auctorität der Handschriften die Varianten derselben und die Conjectu- 
ren der Gelehrten nur aus dem sprachlich - ästhetischen Gesichtspunkte 
bespricht und dabei zugleich mehr nach den allgemeinen Gesetzen der 
Dichtersprache, als nach den besonderen Eigenthümlichkeiten des Dich> 
ters und der Stelle beurtheilt , so dass das gefundene Resultat zu keiner 
rechten Entschiedenheit gelangt, der Verf. die Schwierigkeiten öfters . 
mehr aufdeckt als überzeugend beseitigt und in mehr Fällen, als nöthig 
war, Widerspruch zulässt. Um dies an einigen Beispielen zu zeigen: so 
hat der Verf. Eleg. VII. Vs« 1. mit Unrecht Dissens Annahme gut ge- 
heissen, dass Messalla gerade an seinem Geburtstage die Aquitanischen 
Völker in einer erfolgreichen Schlacht besiegt habe. Der Dichter spricht 
statt des vollständigeren Gedankens: „Diesen Tag haben die Parzen als 
denjenigen verkündigt, an welchem du geboren werden solltest, der du 
die Gallier besiegen würdest, die etwas kühnere Idee aus, dass das 
Schicksal der Gallier, weil Messalla ihr Besieger war, durch die Parzen 
gewissermaassen an dessen Geburtstag geknüpft worden sei , und darum 
sagt er kurz: „Die Parzen hajben verkündet, dies werde der Tag sein, 
welcher Aquitaniens Völker beugen und vor dem der Atax zittern werde/^ 



Beförderungen und Bhren.bezeigangen. 127 

Damit ist aber nicht gesagt, dass dieser Tag gerade auch der Siegestag 
gewesen ist, sondern nur, dass die Aquitanier die Besiegnng nicht zu 
furchten gehabt hätten , wenn nicht an diesem Tage ihr Besieger Mes- 
salla geboren worden wäre. Ebenso fasst Hr. R. in Vs. 9. die Worte 
nan dne sie wahrscheinlich zu scharf auf, welche allerdings wohl andeu- 
ten, dass TibuU bei jener Besiegnng sich faervorgethan hat, nicht aber 
soviel Anmaassung enthalten, als darin gefunden wird. Mit noch grös- 
serem Unrecht hat er sich Vs. 14. von den Erklärem einreden lassen, 
dass die Worte placidia aquis ein Datir seien, für ad plaeidas aquas. 
Sollte das lateinisch sein? Wortstellung und Sprachgebrauch lassen 
sie, soviel Ref. sieht,- nur als Ablatir auffassen, und dieser ist, abge- 
sehen Ton einer gewissen Tautologie der Rede, deren sich TibuU auch 
sonst schuldig macht, gar nicht so auffallend, sobald man nur festhält, 
dass der erste Ablativ tacitis undis sich mehr an das Adjectivnm oaeruZetis 
anlehnt und der zweite sich unmittelbar an aerpia ahschliesst. Der Ge- 
danke des Satzes ist ein doppelter: qui tacith lenüer undk coeruleiu 
aerpis et placidia aquia per vada aerpia, und diese Zertheilung des Ge- 
dankens ist durch die vorausgegangenen Worte caerula Igmpha Idger und 
deren Gegensatz zu dem caenUeua tadtia undia bedingt und gerechtfer- 
tigt. In Vs. 15. liess sich Huschkes aerio gegen das handschriftliche 
aeiherio durch schärfere Beachtung des poetischen Gebrauchs in dem 
Worte aetheriua viel bestimmter abweisen, als durch die Verweisung auf 
ein paar Stellen des Silius. Die schneebedeckten Alpen sind freilich 
aeriae bei Virgil Georg. III, 474 etc. , weil Ihre Schneebedeckung sie in 
den Dunstkreis verweist; aber der zum reinen Himmel emporsteigende 
Taurus ist ebenso aeiheriua, wie der Olympus etc. Auch das Zusam- 
mentreffen der drei Epitheta intadOj alba, aancta liess sich besser 
rechtfertigen, wenn die von dem Ref. zu Yirg. Georg. I, 320. gegebenen 
Nachweisungen beachtet worden wären. Andere Beispiele unnothigen 
Schwankens mögen hier übergangen werden , da der Raum die Prüfung 
der ganzen Schrift nicht erlaubt und da sie überhaupt nur unbedeutend 
sind gegen das viele Treffliche, was Hr. R. überall geboten hat. — 
An der höheren Bürgerschule , welche aas einer Knabenschule von 3 Ele- 
mentar- und 3 Realclassen und einer Mädchenschule von 3 Classen be- 
steht und von dem Rector Loffler geleitet wird , hat der Lehrer Knochen- 
Hauer im Programm des Jahres 1840 eine Abhandlung Ober den aprach- 
liehen Unterricht in den höheren Bürgerschulen [24 S. 8.] herausgegeben^ 
und darin zu beweisen gesucht , dass die Bürgerschule von der Gramma* 
tik der Muttersprache ausgehen und erst, wenn sie die Schüler mit 
deren grammatischen Formen vertraut gemacht habe, zum Unterricht in 
der lateinischen Sprache fortschreiten soll. Indess hat er die Sache 
nicht zur rechten Klarheit gebracht, weil er von den grammatischen 
'Studien der Muttersprache zwar reiche Früchte verspricht, aber den 
Weg und die Möglichkeit zu ihrer Erlangung nicht überzeugend genug 
nachweist. [J.] 

Prenzlaü, Am 15. October 1S41 ist das neue Gymnasialgebäude 
eingeweiht worden, zu dessen Aufbau die Provinzial -Stände 1000 Thlr. 



128 BrkliroDg. 

[i. NJbb. S7,98.] md dU atadi au Comaumal-lfittela 27000 Thlr. 
gegeben hat* Am Tage der Binweihong hat der Landrath von Siüip- 
nagel'DwrgU* ein Capital Ton 1000 Thlm« zu einem SdnüatipeDdiiim 
fiir taleaiTolle arme Gymnaaiaitea dea Prenslaoer Kreises geschenkt. 
In dem Osterprogramm des Gymnasiums vom Jalir 18^ hat der Diiector 
P^uUow über die GlMmngen lies d« Grade» mtf «NMr ünMummiem 
[44 (51) 8. gr* 4.] gesohrieben ond aber dies« Lehre das wuammeage- 
stellt, was für das Bedurfniss der Berachming stereometrischer Grosseii> 
▼erhaltaisae im Unterrichte nothig so sein seheint» Schaler waren 201. 
Im 8chd|ahr 18^^ war der-Cantor CAriiC. Fr* Aug. Sekretär gestorben, 
im folgenden Scha^ahr ist der Seholamtscaadidat DiMm» als Lehrer 
angestellt worden« Aus dem Progtamm dos Jahres 1839, wo das Gyn- 
nasium 185 fichoier hatte, erwähnen wir hier, noch die Abbaodlnng 
De Sopkotifh PhUoeleia von dorn Sabrector BMmuwH [32 (17) 8. gr. 4.], 
worin der Verf^ die Aufgabe der ahgriechiscbea Tragödie betrachtet und 
nach des Aristoteles Theorie feststellt, und dieselbe im Philoktet so gelost 
findet, dass der 8ieg der Tugend aber das Laster dargestellt sei, und 
dass demnach Philoktet, der an moralischer Groise über Odysseus und 
Neeptolemoi stehe, nicht als nach deren JUthschlagen und Ueberredong 
handelnd gedacht werden dfirfe, sondern als ^ner^ den der durch Hera> 
kies geoffenbarte gottliehe Wille daaa treibt« [J.] 



Erklärung. 

Ich bin zu der Erklärung veranlasst , dass ich nicht Verfasser der 
in diesen Jahrbüchern unter der Chiffre [ml.] enthaltenen Correspondenz- 
nachrichten über Wurtemberg bin, und dass ich überhaupt kleineren, 
wie grosseren Beiträgen an Zeitschriften meinen Namen beizufügen 
pflege. 

Maulbronn, im September 1842. 

fF* Bäumlein, 



Die Redaction der Jahrbücher bestätigt sehr gern die Wahrheit 
dieser Erklärung und' versichert, dass die mit mZ. unterzeichneten Cor- 
respondenznaohrichten aus Wurtemberg von einem andern Gelehrten her* 
röhren, der auoh gar kein Bedenken tragen wird, seinen Namen zu nenneo, 
sobald sith dafür irgend eine Nothwendigkeit herausstellt. 



STene 

JAHBBÜGBER 

für 

Philologie and Paedagoglk^ 

oder 

Miritische BibUotheU 

für das 

(Schul- und Vnterriclitswesen. 



In Verbindung mit einem Vereine von Gelehrten 

herausgegeben 
von 

Dr. Gottfried f^ehoOe» 
IE. JTohann Christian JFahn 

und 

Prof. Meinhold Kiotm. 




ZWÖliFTC» JAHRCfABT«. 

Sechsunddreissigster Band. Zweites Heft. 



lielpzis». 

Drück und Verlag von B. G. Teubner. 

184!». 



^mmmma^mmmmmm 



Kritische Beurtheilungen* 



Cr. Finlay's historisch - topographische Abhandlun^. 
gen über Attika: näinUch über die Ebene and Schlacht toi^ 
Marathon; über die Lage Aphidna's and die zy^olf Staaten Alt-Atti- 
ka^s; über die Lage des Amphiaraion (sie) von Oropos und Ton 
Oropos selbst y sowie anderer Orte. Mit Finlay^s drei Karten. Aas 
dem Englischen übersetzt, darch die wichtigen Untersuchungen von 
Piokesch V. Osten , L. Rosa und C. «• Minutoli über die Ebene and 
Schlacht von Marathon bereichert und mit eigenen Bemerkungen her-^ 
ausgegeben von Dr. S» F, W. Hoffmann. Leipzig , Böhme. 1842.; 
IV und 96 S. gr. 8. (Umschlagstitel: Die alten G eogrO'^ 
phen und die alte Geographie* Eine Zeitschrift etc. 
IL Heft.) 

J3I iclit ohne Verwunderung wird man den Namen des Obersten 
Leake auf dem Titel Termissen, einen Namen Ton zu ^uteni 
Klange in Sacben der Topographie Ton Attika ^ als dass eine Ge- 
sellschaft wie die der dort Genannten sich desselben zu schä* 
men hätte. Dariiber giebt folgende Stelle des Vorworts Auf- 
schinss: ^^Oberst Leake hat die Untersuchungen auf jenem ewig 
denkwürdigen Platz, in seinen Demen, die Hr. Prof« Westermann 
ohne alle berichtigende Zugaben übersetzt hat, von Neuem ange- 
regt \ aber das Dunkel , was darauf ruhte , war so tief, dass das 
Rechte zu finden auch einem so geübten Auge nicht möglich war.^^ 
In diesem Urtheil und der dadurch bedingten beinahe durchgän- 
gigen und geflissentlichen Vermeidung aller Beziehung auf Leake 
liegt ein völliges Verkennen sowohl der Stellung des Hrn. H. zu 
demselben, als auch überhaupt der grossen Verdienste, welche 
Leake sich auch um diesen Theil der Topographie von Attika 
erworben hat. Derselbe hat nicht blos die Untersuchungen über 
das Schlachtfeld Ton Marathon neu angeregt, sondern in der 
That eine höchst sorgfältige und umfassende Erörterung dieses 
Gegenstandes selbst angestdJt und somit für alle ähnlichen Unter- 

9* 



132 Griechische Alterthumskande« 

guchangen recht eigentlich den Grund gelegt, auf dem ron spä- 
terem Forschern unter hereitwiliigstcr Anerkennung des Gelei- 
steten nur weiter fortgebaut worden ist* Was aber die obige 
den unterzeichneten Rec. selbst angehende Bemerkung betrifft^ 
80 ist dieselbe entweder eine unkluge^ wenn Hr. IL, wie es fast 
scheint, die Uebersetzung der Leake'schen Schrift gar niclit ge- 
lesen^ mindesfens sich nicht die Muhe genommen hat, dieselbe 
mit dem Original zu vergleichen, oder eine unredliche^ wenn 
Hr. H., dessen Zorn Rec, er weiss nicht wodurch , erregt hat, 
darauf ausgeht , das Buch und des Uebersetzers zwar schwache, 
doch redliche Bemühung in den Augen des Publicums herabzu- 
setzen, oder eine ungerechiei^ wenn Hr. H. etwas verlangt, was 
unnötln'g war, zum Theil selbst im Bereich der Unmöglichkeit 
lag, oder endlich eine unklare^ wenn Hr. H. , wie wir fast glau- 
ben möchten, etwas Anderes sagt, als was er eigentlich meinte. 
Bie erste Alternative können wir billig auf sich beruhen lassen ; 
die letzte aber bedarf einer Verständigung. Hier sieht sich Rcc. 
zunächst zu der Erklärung veranlasst, dass es ihm gar nicht iu 
den Simi gekommen sein wijrde, die Leake*sche Schrift zu über- 
setzen , wenn ihm nicht die darin niedergelegten Untersuchung^» 
und Ergebnisse für den deutschen Leser, dem das Original wenig 
zugänglich ist, nicht nur von grösstem Interesse, sondern auch 
von der Art zu sein geschienen hätten , dass sie in der Haupt- 
sache einer Berichtigung nicht bedurften. Ein Uebersetzer hat 
demnach, sofern er nicht- seine Uebersetzung ausdriicklich als 
eine berichtigende ankündigt, schon seiner Pfliclit Genlige ge- 
thaii, wenn er düs Original treu und verständlich ~wiedergiebt. 
Doch zugegeben, es sei Pflicht des Uebersetzers, das Original 
zu berichtigen, so m'uss man bei Schriften von der Gattung, wie 
die ia Frage stehende, ohne Zweifel streng jimterscheiden zwi- 
schen dem, was wirklich fehlerhaft ist, und dem, was, obwohl 
es von der Ansicht Anderer abweicht, doch mit Bewusstsein vor- 
getragen und mit Gründen belegt ist. Unter wirklichen Fehlern 
verstellen wir solche, weiche aus Flüchtigkeit, Unkenntniss der 
Sache oder falscher Auslegung der alten Schriftwerke hervorge- 
gangen sind, Fehler, welche der Sachkundige bei einiger Auf- 
merksamkeit leicht zu. entdecken und zu berichtigen im Stjinde 
ist. Verstösse dieser Art dürften sich in der Leake'schen Schrift 
nicht allzu viele finden lassen. Einiges hat Rec. stillschweigend 
beseitigt, mit Wissen und Willen aber nichts der Art unangedeu- 
tet gelassen, mindestens bezweifelt er, dass Vieles —. wir neh- 
men einen Irrthum aus, zu welchem wir uns unten bekennen 
werden — stehen geblieben, was in den eigentlichen Gang der 
Untersuchung hemmend und störend eingriffe. Was meuit also 
Hr. H. , wenn er nicht das eben Gesagte in Abrede stellt , mit 
seinem gänzlichen Mangel an „berichtigenden Zugaben^'? Die 
vorliegende Schrift giebt einen Begriff davon, zugleich aber au€^ 



^^^^'^'^^^^^^^'^^n'mKmm^mmmmmmmKmmmmmKi 



Finlay^s Abhandll. über Aitika, abcrs. r. Hoifmann« 133 

den Beweis von der Unklarheit der Vonif df itng , welche Hrn. H. 
beim Niedersehreiben jener Worte rorsehwebte« Er meint nichts 
mehr nnd nidits weniger, als dass bei dem Abschnitt nber die 
Schlacht bei Marathon (denn diesen allein hat er im Siiine, oh- 
gleich er Ton dem ganzen Buche spricht) die Ergebnisse der Utt- 
lersnchungen der anf dem Titel Genannten, der Herren Fihlay; 
Prokesch, Boss und v. MtnntoH, hätten nachgetragen werden 
müssen. Dabei hat er aber Terschwiegen oder übersehen , dass 
dies znm Theil wenigstens wirklich geschehen ist: die Bemer- 
knngen Ten Boss in den Blatt, f. liter. Unterh. tom Jahre 1838 
Nr. 104 ff. ; welche Tielleicht Hr. H. selbst erst ans dieser An- 
fuhrtmg kennen gelernt hat, sind keineswegs nnberiicksichtigt 
gehiieben. Auf Finlay freilich hat der Eebersctzer keine Rück- 
sicht genommen; allein wie war dies möglich, da der Band der 
-Transactions of the Royal Society Tora J. 1839, in welchem des- 
sen Untersuchnngen sich befinden (angebiich auch besonders ge- 
druckt unter dem Titel Remarks oii the topography ol Oropi« 
and Diacria, Athens , 1838) , nicht Tor Ostern 1840 nach Leipzig 
kam, die „Demen^^ aher bereits im Februar desselben Jahres 
ausgedruckt waren. Der Unterzeichnete beeilte sich, die Resul- 
tate dieser Untersuchungen als Ergänzung zu den Leake^schen 
theils im Auszug, theits in wörtlicher Uebertragung sofort be- 
kannt zu machen, wie man sich aus der Zeitschr. f. d. Alterth. 
"Wiss. T. J. 1840 Nr. 132 — 134. selbst überzeugen kann. Hr. H. 
hat diesen Aufsatz TÖlHg ignorirt; doch ist aus einigen Seiten- 
blicken zn schliessen, dass er denselben recht w(^I gekannt hat. 
Es ist dies zwar an sich ganz gleichgültig, wiewohl bei der son- 
stigen hibltographischen Genauigkeit des Hrn. H. die Absichtlich^ 
keit sich allzusehr Terräth» Auch mnss der Leser hübsch in der 
Meinung erhalten werden , dass ihm jetzt etwas ganz Neues ge- 
boten werde , wahrend doch in Wahrheit die ganze Schrift durch 
jenen Aufsatz des Rec. in der Hauptsache überflüssig gemacht 
ist. Was endlich die Aufsätze Ton Prokesch (in den Denkw. und 
Erinn. aus dem Orient Bd. 2. S, 423 ff.) und r. Minutoli (in der 
Zeitschr. f. Kunst, Wiss. und Gesch. des Kriegs t. J. 1839 Hft. 6. 
S. 246 ff.) betrifft , so bedauert Rec. allerdings , dieselben damals 
nicht gekannt zu haben. Auf den letzteren jedoch ward er mitt- 
lerweile aufmerksam gemstcht, wie die Notiz in der Zeitschr. f. d. 
Alterth. Wiss. a. O. S. 1085. beweist, -r- woTon sich Tielleicht 
erst die Bekanntschaft des Hm. H. mit demselben herschreibt — 
sah sich aber ausser Stande, für jene Mittheilung die genannte 
militärische Zeitschrift zu benutzen. Sind wir nun auch für die 
hier gemachte Mittheilung aus diesen Schriften , welche wir mit 
grossem Interesse gelesen, sehr dankbar, so können wir doch 
weder in das übertriebene Lob einstimmen , welches Hr. H. ihnen 
auf Kosten Anderer spendet, noch uns überzeugen, dass aus 
^eren Nichtbenutzung für die Leake'schc Schrift ein wesentlicher 



132 Griechische Alierthomskande* 

euchongen recht eigentlich den Grond gelegt, auf dem von spi- 
lerern Forschern unter bereitwilligster Anerkennung des Gelei- 
steten nur weiter fortgebaut worden ist. Was aber die obige 
den unterzeichneten Rec. selbst angehende Bemerkung betrifft^ 
so ist dieselbe entweder eine unkluge^ wenn Hr. IL, wie es fa^t 
scheint, die Uebersetzung der Leake'schen Schrift gar nicht ge- 
lesen, mindestens sich nicht die Mühe genommen hat, dieselbe 
mit dem Original zu vergleichen, oder eine unredliche^ weaii 
Hr. H., dessen Zorn Rec, er weiss nicht wodurch, erregt hat, 
darauf ausgeht , das Buch und des Uebersetzers zwar schwache, 
doch redliche Bemühung in den Augen des Publicums herabzu- 
setzen, oder eine ungerechte^ wenn Hr. H. etwas verlangt, was 
unnöthig war, zum Theil selbst Im Bereich der Unmöglichkeit 
lag, oder endlich eine unklare^ wenn Ilr. H. , wie wir fast glau- 
ben möchten, etwas Anderes sagt, als was er eigentlich meinte. 
Bie erste Alternative können wir billig auf sich beruhen lassen ; 
die letzte aber bedarf einer Verständigung. liier sieht sich Rcc. 
zunächst zu der Erklärung veranlasst, dass es ihm gar nicht in 
den Sinn gekommen sein würde, die Leake'sche Schrift zu über- 
setzen , wenn ihm nicht die darin niedergelegten Uiitcrsuchung^ii 
und Ergebnisse für den deutschen Leser, dem das Original wenig 
zugänglich ist, nicht nur von grösstem Interesse, sondern auch 
von der Art zu sein geschienen hätten , dass sie in der Haupt- 
sache einer Berichtigung nicht bedurften. Ein Uebersetzer hat 
demnach, sofern er nicht seine Uebersetzung ausdrücklich als 
eine berichtigende ankündigt, schon seiner Pfliclit Gentige ge- 
Ihan, wenn er das Original treu und verständlich ~wiedergiebt. 
Doch zugegeben, es sei Pflicht des Uebersetzers, das Original 
zu berichtigen, so mnss man bei Schriften von der Gattung, wie 
die in Frage stehende, ohne Zweifei streng junterscheiden zwi- 
schen dem, was wirklich fehlerhaft ist, und dem, was, obwohl 
es von der Ansicht Anderer abweicht, doch mit Bewusstsein vor- 
getragen und mit Gründen belegt ist. Unter wirklichen Fehlern 
verstellen wir solche, weiche aus Fliiclitigkeit, Unkenntniss der 
Sache oder falscher Auslegung der alten Schriftwerke hervorge- 
gangea sind, Fehler, welche der Sachkundige bei einiger Auf- 
merksamkeit leicht zu. entdecken und zu berichtigen Im Stande 
ist. Verstösse dieser Art dürften sich In der Leake'schen Schrift 
nicht allzu viele finden lassen, Einiges hat Rec. stillschweigeud 
beseitigt, mit Wissen und Willen aber nichts der Art unangedeu- 
let gelassen, mindestens bezweifelt er, dass Vieles —. wir neh- 
men einen Irrthum aus, zu welchem wir uns unten bekönuen 
werden — r stehen geblieben, was In den eigentlichen Gang der 
Untersuchung hemmend und störend eingriffe. Was meint also 
Hr. Ho wenn er nicht das eben Gesagte In Abrede stellt,, mit 
seinem gänzlichen Mangel an „berichtigenden Zugaben''? Die 
vorliegende Schrift giebt einen Begriff davon, zugleich aber auch 



* «" ' »"^^^MP^^— — ■— 



Fin!a/s Abhandll. über Aitika, abcrs. r. Hoifmann« 133 

den Beweis von der Unklarheit der Vorsfdtitng , welche Hrn. H. 
beim Niedersehreiben jener Worte rorschwcbte« Er meint nicht« 
mehr tind nidits weniger, als dass bei dem Abschnitt über die 
Schiacht bei Marathon (denn diesen allein hat er im Sinne , ob- 
gleich er Ton dem ganzen Buche spricht) die Ergebnisse der Uit- 
lersnchungen der auf dem Titet Genannten, der Herren Finlay/ 
Proliesch, Boss und v. MinutoH, hätten naciigetragen werden 
müssen. Dabei hat er aber Tcrschwiegen oder übersehen , dass 
dies znm Theii wenigstens wiriciich geschehen ist: die Bemer- 
kungen Ten M088 in den Blatt, f. liter. Unterh. vom Jahre 1833 
Nr. 104 ff.; welche Tieiieicht Hr. H. selbst erst aus dieser An- 
führung kennen gelernt hat, sind keineswegs unberücksichtigt 
geblieben. Auf Finlay freilich hat der Eebersctzer keine Rück- 
sicht genommen ; allein wie war dies möglich , da der Band der 
-Transactions of the Royal Society Tora J. 1839, In welchem des- 
sen Untersuchungen sich befinden (angeblich auch besonders ge- 
druckt unter dem Titel Remarks on the topograpliy ol Oropi« 
and Diacria, Athens, 1838), nicht Tor Ostern 1840 nach Leipzig 
kam, die „Demen^^ aher bereits im Fehruar desselben Jahres 
ausgedruckt waren* Der Unterzeichnete beeilte sich, die Resul> 
täte dieser Untersuchungen als Ergänzung zu den Leake^schcn 
theils im Auszug, theits in wörtlicher Uebertragung sofort be- 
kannt zu machen, wie man sich aus der Zeitsclir. f. d. Alterth. 
>liss. T. J. 1840 Nr. 132 — 134. selbst überzeugen kann. Hr. H. 
hat diesen Aufsatz TÖlKg ignorirt; doch ist ans einigen Seiten- 
iillcken zn schliessen, dass er denselben recht w(^I gekannt hat. 
Es ist dies zwar an sich ganz gleichgültig , wiewohl bei der son- 
stigen hibliographischen Genauigkeit des Hrn. H. die Absiehtlich'- 
keit sich allzusehr Terrath» Auch muss der Leser hübsch in der 
Meinung erhalten werden , dass ihm jetzt etwas ganz Neues ge- 
boten werde , wahrend doch in Wahrheit die ganze Schrift durch 
jenen Aufsatz des Rec. in der Hauptsache iiberfltissrg gemacht 
ist. Was endlich die Aufsatze Ton Prokesch (in den Denkw. und 
Erinn. aus dem Orient Bd. 2. S. 423 ff.) und r. Minutoli (in der 
Zeitschr. f. Kunst, Wiss. und Gesch. des Kriegs t. J. 1839 Hft. 6. 
S. 246 ff.) betrifft , so bedauert Rec. allerdings , dieselben damals 
nicht gekannt zu haben. Auf den letzteren jedoch ward er mitt- 
lerweile aufmerksam gemacht, wie die Notiz in der Zeitschr. f. d. 
Alterth. Wiss. a. O. S. 1085. beweist, -r- woTon sich Tieiieicht 
erst die Bekanntschaft des Hm. H. mit demselben herschreibt — 
sah sich aber ausser Stande, für jene Mittheilung die genannte 
militärische Zeitschrift zu benutzen. Sind wir nun auch für die 
hier gemachte Mittheilung aus diesen Schriften, welche wir mit 
grossem Interesse gelesen, sehr dankbar, so können wir doch 
weder in das übertriebene Lob einstimmen, welches Hr. H. ihnen 
auf Kosten Anderer spendet, noch uns überzeugen, dass aus 
deren Niclitbenutzung für die Leake'schc Schrift ein wesentlicher 



134 CrriechiBcbe Alterthumsknnde. 

Nachtheil erwachsen wire, am allerwenigsten aber ztigdl»en, dass 
aus denselben, einen eimtigen Punct etwa ansgenommen, ,,be- 
richtigende Ziig^aben^^ Ton Bedeutung genommen werden können, 
lieber die gegenwärtige Beschaffenheit der Localität des mara- 
■thonischen Schlachtfeldes theilt Prokesch allerdings einige inter- 
essante Einzelheiten mit; dagegen sind Leake's Untersuefaaugen 
weit umfassender, verbreiten sich mehr über das Ganze, und 
haben ein mehr wissenschaftliches Interesse. Alles aber, was 
über die Schlacht bei Marathon selbst gesagt worden ist, über 
die Positionen der beiden Heere , ihre Streitmassen, die Entwi- 
ckelung des Kampfes u. s. w., beruht einzig auf Combination der 
betreffenden Schriftstellen der Alten mit der Physiognomie des 
Terrains. Verschiedene kriegskundige Männer — und auch Leake 
ist ein solcher — haben an Ort und Stelle die Lösung des Problems 
Tersucht, und alle sind zu verschiedenen, mehr oder weniger von 
einander abweichenden Resultaten gekommen. Wer also, dem 
es nicht vergönnt ist, selbst zu schauen und zu prüfen, wollte 
sich vermessen, hier als Richter zwischen die Parteien zu treten? 
Lasse man daher Jedem das Seine, und erniedrige nicht den 
Einen, um den Andern zu erhöhen! So viel zur Verständigung 
über den angeblicheü Mangel an „berichtigenden Zngaben^^ *). 



*) Erst nachdem das Obige seit gerannter Zeit niedergeschrieben 
war, entdeckten wir die vermuthliche Quelle jener Insinuation des 
Hrn. H. In Kiepert^s topogr. histor. Atlas von Hellas 1. Heft heisst es 
Coi. 1. des Prospcctns : — y,die Abb. über die Demen übersetzt von 
Westermann Braunschw. 1840. , leider ohne wesentliche Zusätze und Be- 
richtigungen , die dnrch die neueren Untersuchungen, riamcntlich Fin- 
- Jay's y ebenso nothig gewesen wären , wie Berichtigungen der beigege- 
benen Karten nach der neueren franzosischen Aufnahme, um den Leser 
nicht auf einen früheren Standpunkt zurückzuversetzen.'' Dieses Urtheil 
ist zur einen Hälfte genugsam, wie wir glauben , im Obigen beantwortet : 
was hingegen die so nothig befundenen Berichtigungen der beigegebenen 
-Karten betrifft, so sind wir keineswegs so blind, das Gegentheil be- 
haupten und dieselben für überflussig erklären zu wollen, müssen jedoch 
dagegen anfuhren , dass dergleichen in der verlangten Weise vorzuneh- 
men weder in unserer Macht stand, noch auch, selbst wenn dies der 
Fall war, recht rathsam gewesen wäre. Lassen wir Hrn. K. selbst un- 
sere Vertheidigung führen. „Ungeachtet die franzosische Aufnahme 
Kordgriechenlands'', sagt derselbe Col. 3., „als Fortsetzung derjenigen 
der Morea längst beendet, und der ostliche Tfaeil, Attike, Boiotia, 
Phokis und Euboia enthaltend , schon im Stich vollendet ist , so ist doch 
noch keine Hoffnung da, dass diese Blätter bald publicirt werden dürf- 
ten, und alles, was bis Jetzt davon mitgetheiit ist, beschränkt sich' auf 
die im Bullet, de la Soc. de G^ogr. 2"^ S^r. t. 7. p. 50 ff. abgedruckten 
146 von Peytier trigonometrisch bestimmten Punctc, ferner einzelne aus 
der Aufnahmkarte von 1 : 100000 kopurten Stucke , in Finlay's Oropia 



'Finla^r's Abhandll. über Attika, ubens« y. Hoffmann« 135 

CJefirigensIrenierken wir gleich hier, dass aiieh Hrn. H. die hier* 
licr gehörige Literatur keineswegs gana Tollstandig bekannt wor- 
den, sondern in der That Einiges von Bedeutung entgangen ist, 
\ne wir am Sehlusse dieser unserer Beeensfoa nachiuweisen 
gedenken. * 

Unswe Absicht aber ist es nun alierdingB, au der vorliegen* 
den Schrift des Hm. H. einige berichtigende Zugaben au geben. 
In dieser Absicht wollen wir dieselbe erst in ihrer gan«eu Erschei- 
nung betrachten, dann die Uebersetzung der Finiay'schen Auf- 
sätze prüfen , endlich die eigenen Zuthaten des Herausgebers zu 
würdigen versuchen. 

Der ei^ste Punct bedarf keiner weitlüuligen Erörterung. Die 
Idee, alles das zusammenzustellen, was von sachkundigen Män- 
nern über die Schlacht bei Marathon gedacht und gesagt worden« 
war gewiss ,eine ganz glückliche. Zur Ausfilhrnng dieser Idee 
aber musstc, wenn etwas Erspriessliches dabei heirauskoiiimen 
sollte, nach dem DafürhiSten des Reo. ein ganz anderer Weg 

and Diacria und Gordon^s TIKirmopyles , und die Carte du Royanne de 
la Gr^ce (x^^Q^S ^^v Baciltiov x^s ^EXlidog) von F. Aldenhoyen y Atb. 
1838. dBl.y welche aus der Aufnahmkarte auf ]^ reduoirt, leider aber 
sehr fluchtig und nachlässig gezeichnet ist , besonders scheinen die Grad- 
linien erst nach der Zeichnung und sehr ungenan eingetragen su sein, 
da fast alle jene trigonometrisch bestimmten Puncto in der Länge , Tiele 
auch in der Breite nicht mit den genauen Angaben Peytier's übereinstim- 
men , ebenso sind die Contouren der Küsten, yv9 sie von guten See- 
karten entnommen sind , durchaus ungenau geseichnet. Gleichwohl bleibt 
diese Karte bis znr Pnblicatidn der französischen von Nordgriechenland 
für diese Gegend die beste und fast einzige., da alle früheren nicht auf 
Aufnahmen bernhen* Dodi sind die Karten von Leake — noch immer 
sehr werthroU, und nähern sich schon sehr der diu'oh die Aufnahme be- 
richtigten Zeichnung.'^ Wir wollen nun hier weiter nicht geltend machen, 
dass die Aldenhoren'iBche Karte im Sommer 1839, wo unsere Zeichnungen 
an das lithographische Institut von Herder in Freiburg zur Ausführung 
abgegeben wurden, noch nicht in unsem Händen war, Aenderungen ab^r 
später nicht thunlich erschienen: allein wir sehen audi nach Obigem 
keinen Grund , warum wir bedauern sollten , dass wir auf jene unznrer- 
iässige Anctorität hin nicht Gefahr liefen , die „immer noch sehr werth- 
vollen^ Karten Leake^s zu yerändem nnd^ zu verschlechtern. Hr. K. 
aber, der vielleicht auch besser gethan hätte, mit seinen Blättern von 
Nordgriechenland bis znr Publication der französischen Karte zu warten, 
möge sich doch durch seine bessere Kenntniss, welche wir, wie auch 
sein kartographisches Talent, bereitwilligst anerkennen (obgleich Hr* 
HofTmann S. 92 ff. dagegen mehrfachen Einspruch thut) , doch nicht zu 
80 prätentiösen Urtheilen hinreissen lassen , dergleichen sein Prospectns 
mehrere bringt, wozn ihn doch der allerdings bcneidenswerthe Umstand, 
von einem C. Ritter eingeiahrt za ^Verden, noch keineswegs berechtigt. 



IM Grieckiaelie Alierthumskande. 

«ewihlt werden ilt der, welchen Hr. H. eie^eeeliUgen Kaf. 
lertelbe giebft nimlich snertt eine Uebersetiang der Abhnndlan^ 
von Finhy über den Kampf bei Marathon 8. 1 — 36., daon bU 
Zugabe 8. 37 — 60. hintereinander einen Abdruck der auf deo- 
aelben Gegenstand sich beiiehenden 8tellen aiia den oben ge^ 
nannten 8cliriften von Prokeach, Roaa und ▼. MInutoli, woran 
sich 8. 62 ^ 87. die Uebersetsung der übrigen auf dem Titel g^-- 
nannteii Abhandlungen Finlay*a anachlieast Das Alles steht oflTea- 
bar in einem sehr lockeren Zusammenhange, das llHitereinaiider 
stört oder Ternichtet Welmehr die Einheit des Ganzen, sersplit- 
tert die Aufmerksamkeit des Lesers und erschwert die Ueber- 
sieht. Es Ist sehr zu bedauern, dass Tir. H., der doch das Ma- 
terial Tollstftndig vor sich zu haben glaubte, sich nicht lieber der 
nicht allzu grossen, aber gewiss belohnenden M&he unterziehen 
wollte, alle die einzelnen Berichte, natiirllch auch den Leake- 
schen nicht ausgenommen, zu einem Generalbericht zusammen- 
zuschmelzen und zu verarbeiten, wobei das Terrain die natürliche 
Grundlage bot, die abweichenden Ansichten der einzelnen Gc- 
wShrsmlnner aber bei den betrcffftiden Puncten nach ihren 
Gründen und leitenden Gesichtspuncten im Zusammenhange dur- 
^ gelegt, gegeneinander abgewogen und erörtert werden konutefi. 
Auf diese Weise würde, dünkt uns, eher ein erhebliches Re- 
sultat haben erzielt werden können, mindesten» der Leser in den 
Stand gesetzt worden sein , sich leichter zu orientiren und sich 
selbst ein Urtheil zu bilden , wahrend er jetzt in einem waliren 
Labyrinth toii Vcrmuthungen und einander widersprechenden An- 
sichten herumgeworfen wird und selbst die eigentliche Meinnag 
des Herausgebers sich mühselig zusammensuchen mnss. 

Wir kommen zur Uebersetzung der Fiolay'schen Abhand- 
lungen. Die geringste Anforderung, welche man an einen lieber- 
Setzer stellen kann, ist die, dass seine Uebertragung richtig und 
dem Originale getreu sei. Rec. hat sich die Mühe genommen, 
die Uebersetzung des Hrn. H. Satz für Satz genau mit dem engli- 
schen Originale zu vergleichen. Das Resultat dieser Verglei- 
chung ist nicht zu Gunsten des Uebersctzers ausgefallen. Es ist 
kaum eine Seite, wo Hr. H. nicht falsch oder ungenau, zum 
Theil recht abenteuerlich übersetzt hätte. Und auch auf den 
deutschen Ausdruck ist bei Weitem nicht die Sorgfalt verwende^, 
welche man der Sache und dem gebildeten Publicum, zu dem . 
man spricht, schuldig ist. Wir unterdrücken alle weiteren Be- 
merkungen darüber und lassen die Sache selbst reden. 

S« 4. Z. 3. „auf einen grossen künstlichen Hügel, der fast 30 
Fuss Höhe — hat, indem er — zerstört worden UV^ Weder 
von dem sinnstörenden indem steht etwas im Original, noch davou, 
dass der Hügel zerstört worden , sondern nur half dug open bij 
peculators in anliquitieH and cul into deep furrows by ihe rain^ 
von Alterthumsforscheru zur Hälfte aufgegraben und vom Rc£[^n 



Finiay's Abhandll. über Attika , iibers» v. Hoffmann. 137 

tief durchfurcht. — S. 5. Z. 11. ^^er vereiniget sich dann im oro- 
pischen Gebiet bei Aphidna mit dem Wege von Athen nacli 
Oropos.^^ Also lag Aphidna wohl im Gebiete von Oropos? Aber 
Finlay schreibt': unites in the Oropian territory wiih the road 
front Athens to Oropoa hy Aphidna^ d. !• er fallt Im Gebiete von 
Oropos mit dem Wege von Athen nach dfeser Stadt über Aphidna 
(der dorthin über Aphidna führt) zusammen. Seltsam ist auch 
das gleich Folgende ausgedrückt: ^^wo uns Pausauias hinführen 
wärde^ um das Amphiaraion zu suchen,^^ zu deutsch, ,,wo man nach 
den Andeutungen des P. das Amphiaraeion (die falsche Form 
Ampbiaraion kehrt unten S. 72 ff. häußg wieder) zu suchen 
hat.^^ — S. 6. Z. 4. ,,er durchschneidet den eben erwähnten 
Weg, der unter den Mauern eines Paledkastro — von Athen nach 
Oropos hinführt^^, muss heissen ,,er durchkreuzt unter den Mauern 
eines P. den schon erwähnten Weg von Athen nach OropoR^^ — 
Das. Z. 17. ^^beschränkte Gegend''^ !• durchschnittene G. — 
Das. Z. 35. ^^sie gestatten denselben (dem Wege) den Durchgang 
nur durch ein offenes Defiie*'^ richtiger im Zusammenhang mit 
dem Vorhergehenden und nach dem Original {compell it to paus) 
,,8ie zwängen ihn bloss in ein offenes Defile ein^^ — S. 7. Z. 11. 
,,stützt den strengsten Beweis dafür"*, afford the strengest proof^ 
d. i. giebt den schlagendsten Beweis. — Das. Z. 19. den Pentc- 
likon , to IIevz. , doch steht in der Anm. die richtige Form. -^ 
Das. Z. 22. „in geringer Entfernung von weniger mehr als 9 Mei- 
len, in a distance of tittle more than 9 miles^i. i. in einer Strecke 
von etwas über '9 M. — Anmerk. „ein Reisebericht der verschiede- 
nen Strassen^S ebend. den Höhen entlang'^ — S. 8. Z. 4. v. u. P/- 
sistratos^ 1. Peisistratos. — S. 9. Z. 18. ,,die langsamen Bewe- 
gungen der griechischen Taktiker^^^ 1. die scliwerfälligen Evo- 
lutionen der griechischen Taktik (tactics). — S. 10. Z. 17. 
,,dazu kommt, dass diese Beschreibung- des Feldzugs in sich die 
Wahrscheinlichkeit der strengsten Genauigkeit trägt". Ecery 
evidence ist nicht die Wahrscheinlichkeit, sondern ^^ jeden Be^ 
freis*-^. — Das. Z. 24. „dass die. Transportschiffe — bestand.*-*- — 
Dass Z. 30. ,^die Thatsachen weder jetzt dargelegt, und die 
Schlüsse, welche man daraus zu gewinnen suchen wird, ent- 
wickelt." — S. 11. Z. 28. „gleichfalls muss man — noch denje- 
nigen Raum in Abzug bringen , den der tägliche Proviant der 
Flotten des Mardonios und Xerxes erforderte". Im Original 
heisst es , in order to afford room for those siipplies which the 
fieeis — could daily receive front the shore. Darin ist gar nicht 
die Rede von Proviant, sondern von Hülfstruppen, Verstärkungen, 
„einige Ermässigung der — Zahl der Mannschaften wird gleich- 
falls nöthig sein, um Raum für diejenigen Verstärkungen zu be- 
halten, weiche die Flotten, die des Mardonios wie die des Xerxes, 
täglich von der Küste her erhalten konnten". — Das, Anm. 3. 
keinfalls. — S. 12. Z. 4. „der Dreiruderer — der eine voilstän- 



138 GriechiAche Alterthamskunde. 

dige Bemannung -Matrosen und Soldaten an Bord hatte^S Hier 
inusste das Original buchstäblich nbersetzt werden {having on 
hoard a complete crew of two hundred men)^ denn das folgende 
,,8cfaeittt diese Zahb'' hat sonst keinen Sinn. — S. 13. 2. 3. ,,aJ8 
Schlcuderer^S as sHngere and archera. --« Das. Z. 4. ^,der 
grössere Theil der Bemannung niuss jedoch, so lange die FioUe 
segelte^ beständig am Bord geblieben seiu^^ Das glauben wir 
auch, wir glauben sogar, dass, solange die Flotte segelte ^ kein 
Mann das Schiff verlassen konnte. Aber Finlay sagt auch nur, 
ibe ships while kept afloat , so lange die Schiffe flott waren. — 
Das. Z. 30. „dieser Streitmacht^^ richtiger Waffengattung (for€e\ 
denn es ist von der Reiterei im Gegensatz zum Fussvolk die 
Hede. — S. 14. Z. 5. „doch ist dieselbe gross genug, sogar In 
unseren Zeiten von dem Reichthum — ' — hohe Begriffe zu erre- 
gen^'S ist nuTollständig ausgedruckt. Das Original lautet, io give 
ihose aequainted wilh ihe tr anspart of armies very high ideas^ 
sie Ist hinreichend , selbst jetzt noch , denen, welche wissen was 
es sagen will ein Heer zu transportlren — eine sehr hohe Idee zu 
geben. — Das. Z. 26. „der aigaiischen Inseln^^^ ein Ausdruck, 
dessen sich in entsprechender Weise die Alten nie bedient haben, 
und auch Finlay sagt the Islands of the jiegaeanm — S. 15. 
Z. 3. Silosony 1. Syloson. — S. 16. Z. 1. „dass — doch ihre 
Theilnahme an dem Kampf nicht berichtet wird^''. Rein unver- 
ständlich. Aber Finlay sagt auch ganz etwas anderes , their ser- 
vices were not counted on in the iattle^ d. h. dass — doch auf 
ihre Unterstützung in der Schlacht nicht zu rechnen war* — 
Das. Z. 7. „die Flotte — blieb doch ankern''. Richtiger „blieb 
segelfertig'' {kept afloat), — S. 18. Z. 7. in einer unabhängigen 
(dependant!) Stadt. — Das. Z, 28. eintausend, /o«r thonsand. — 
Das. Z. 33. „als sie auf Oropos zugingen''*'. IJeber's Meer näm- 
lich. Finlay sagt aber doch deutlich genug, as they crossed over 
to Oropos. — S. 19. Z. 8. „da nur die Lage Fallene's in der 
£bene — nur den Weg dort berührt , wo das athenische Heer 
nicht leicht umwenden konnte''. Abermals nicht zu verstehen 
ohne das Original, das freilich auch ganz anders lautet: now as 
the Situation of Palleue — Covers this read at the only spot on ii 
where the ^thenian army could not ttith ease be turned , d. h 
da min die La^e von Pallene in der Ebene — diese Strasse an 
dem einzigen Punkte derselben deckte wo das Heer der Athener 
nicht umgangen werden konnte. Darin liegt ein vernünftiger 
Grund für die Besetzung dieser Position durch ein athenische 
Heer, wihrend dieselbe wahnsinnig gewesen wäre, wenn dies die 
Stelle war, wo das Heer nicht leicht umtuenden konnte. — Dns. 
Z. 4. V. u. in der Weite von beinahe einer Meile , half a nnle in 
breadth. S. 20. Z. 10. des Sees^ I. des Sumpfes {marsh), — 
Das. Z. 11. „eine — Quelle, durch deren Wasser der Sumpf ge- 
nährt wird, versah" u. s. w. Das Original lautet: u well ^ and 



Finlay^s AbhandlL über Attika, ubers. v. Hoffmann. 139 

the sourees whichform ihe tnarah^ would aupplyihe comp ete« — 
^. 21. Z. 4. Die Eifersucht gegen Athen, thejealousy of Alhens* 
— Das. Z. 9. 12000, eight thomand. — S. 22. Z. 20. ist sie au 
streichen. — Das. Z. 3« v. u. ,,der rom Lager bedeckte Raiim^*', 
the Space they (die Schiffe nämlich) occupied. — S. 23. Z. 1. 
^,dass dieselbe — aufgestellt war^^^ why they should not have 
been atationed. — Das. Z. 33. ,,das8 die fünf oder zehn atheni- 
schen Feldherrn^S Finlay wusste wohl nicht, wie hoch die Zahl 
der athenischen Anführer sich belief? ja, schreibt er doch 
five of the ten generaU. — Pas. Z. 2. v. u. sein Angriff und 
Eroberung. — S« 24. Z. 25. ,,8o mag die Weigerung (besser 
Abgeneigtheit, unwülingness) einiger der Feldherrn den Kampf 
zu beginnen , ah sie im Kriegrath (Kriegsrath) überstimmt waren 
(nicht als^ sondern obgleich^ even though they were outvoted)^ 
so wie das Verlangen des Miitiades an demxTage seines Oberbe- 
fehls, dem zehnten, (deutlicher, und richtiger, — denn der Ge- 
genstand des Verlangens des M. ist gar nicht angegeben, — das 
Verfangen des M. an dem Tage zu kämpfen , wo ihn der Oberbe- 
fehl traf, was zufällig erst am zehnten geschah , which happened 
io be the tenth) diesen Verzug verursacht haben. — Das. Z. 29. 
,,einen gewichtigen*Grund , augenblicklich anzugreifen^''* Davon 
.steht nichts im Original, sondern nur a powerful reason infavour 
of it , einen Grund dafür ^ nämlich gerade für das Gegentheil, ei- 
nen Grund den AngriJQf zu verschieben. — Das. Z. 2. v. u. „er 
muss daher sein Heer vor dem Lager in Fronte aufgestellt liaben.^^ 
Nicht in Fronte y sondern with the extent of front — which he 
intented ete., d. h. in eben der ausgedehnten Front und genau in 
der Ordnung , in weicher dasselbe nach seinem Plane den Angriff 
aelbst ausführen sollte. — S. 25. Z. 32. „dieselbe war ancli ohne 
Zweifel völlig geeignet''^ Nur adopted^ angenommen, angeord- 
net , die Absicht dabei war. — S. 26. Z. 14. „lässt annehmen^. 
Vielmehr, erfordert, is such as would require. — Das. Z. 2, 
V. u. nsitndötaQxoi» Getreulich nach dem hier felileriiaften 
Original. Die gleich darauf in der Anmerkung folgende Form 
„Pempadarchos^^ hätte Hrn. H. veranlassen sollen , den Xenophon 
oder das Lexikon nachzuschlagen. — S. 27. Z. 1. v. u. „da man 
nun erfährt f dass die Flüchtlinge — den geradesten Weg wähl- 
ten^^ Aber wo erfährt man dies? BeiHerodot steht nichts davon, 
eben so wenig aber auch bei Finlay, welcher nur sagt, as it may 
be observed^ d. h. da die Bemerkung sehr nahe liegt. — S. 2b. 
Z. 1. V. u. „von dem im nördlichen Ende lii^enden Schiifen^S 
Das Original ist hier so deutlich als die Uebersetzung undeutlich: 
fromihe shipsforming the northern division ofthefleet^ von 
den Schiffen, welche die nördliche Flottenabtheilung bildeten. — 
S. 29. Anm. 2. Sarken, 1. Saken. — S. 30. Z. 3. meist, I. einst 
(once\ vielleicht nur Druckfehler. In dieselbe Kategorie gehören 
Vielleicht gleich im Folgenden Stüsilaos für Stesilaos oder StesUeos 



mmmg^^ 



Kritische Beurtheilungen. 



G. Finlay's historisch - topogr aphische Abhandlung 
gen über Atiika: näinllch über die Kbene und Schlacht yoi^ 
Marathon ; über die Lage Aphidna's und die zwölf Staaten Alt- Atti- 
ka^s; über die Lage des Ampbiaraion (sie) von Oropos und voa 
Oropos selbst, sowie anderer Orte. Mit Finlay's drei Karten. Ana 
dem Englischen übersetzt, durch die wichtigen Untersuchungen Yoa 
Piokesch v. Osten ^ L. lioss und C. v. Minutoli über die Ebene und 
Schlacht von Marathon bereichert und mit eigenen Bemerkungen her- 
ausgegeben von Dr. S. F, W. Hoffmann, Leipzig , Böhme. 1842< 
IV und 96 S. gr. 8. (Umschlagstitel: Die alten GeogrO'^ 
phen und die alte Geographie» Eine Zeitschrift etc. 
IL Heft.) 

J^iclit ohne Verwunderung wird man den Nainen des Obersten 
I^ake auf dem Titel Termissen, einen Namen Ton zu g'uteni 
Klange in Sachen der Topographie Ton Attikav als dass eine 6e^ 
Seilschaft wie die der dort Genannten sich desselben zu schä* 
men hätte. Darüber giebt folgende Stelle des Vorworts Auf- 
schlnss: ^^Oberst Leake hat die Untersuchungen auf jenem ewig 
denkwürdigen Platz, in seinen Demen, die Hr. Prof« Westermann 
ohne alle berichtigende Zugaben übersetzt hat, von Neuem ange- 
regt ; aber das Dunkel , was darauf ruhte , war so tief, dass das 
Rechte zu finden auch einem so geübten Auge nicht möglich war.^^ 
In diesem Urtheil und der dadurch bedingten beinahe durchgfin« 
gigen und geflissentlichen Vermeidung aller Beziehung auf Leake 
liegt ein i^öHiges Verkennen sowohl der Stellung des Hrn. H. zu 
demselben , als auch überhaupt der grossen Verdienste, welche 
Leake sich auch um diesen Theil der Topographie von Attika 
erworben hat. Derselbe hat nicht blos die Untersuchungen über 
das Schlachtfeld von Marathon neu angeregt, sondern in der 
That eine höchst sorgfaltige und umfassende Erörterung diese» 
Gegenstandes selbst angestellt und somit für alle ähnlichen Unter- 

9* 



132 Griechische Alterthumskande« 

snchangen recht eigentlich den Grund gelegt, auf dem ron spä- 
terem Forschern unter hereitwiliigstcr Anerkennung des Gelei- 
steten nur weiter fortgebaut worden ist* Was aber die obige 
den unterzeichneten Rec. selbst angehende Bemerkung betrifft^ 
80 ist dieselbe entweder eine unkluge , wenn Hr. IL , wie es fast 
scheint, die Uebersetzung der Leake'schen Schrift gar nicht ge- 
lesen^ mindestens sich nicht die Mühe genommen hat, dieselbe 
mit dem Original zu vergleichen, oder eine unredliche^ wenn 
Hr. H., dessen Zorn Rec, er weiss nicht wodurch , erregt hat, 
darauf ausgeht , das Buch und des Uebersetzers zwar schwache, 
doch redliche Bemühung in den Augen des Publicums herabzu- 
setzen, oder eine ungerechte^ wenn Hr. H. etwas verlangt, was 
iinnöthig war, zum Theil selbst im Bereich der Unmöglichkeit 
lag, oder endlich eine unklare^ wenn FIr. H. , wie wir fast glau- 
ben möchten , etwas Anderes sagt , als was er eigentlich meinte. 
Bie erste Alternative können wir billig auf sich beruhen lassen ; 
die letzte aber bedarf einer Verständigung. Hier sieht sich Rcc. 
zunächst zu der Erklärung veranlasst, dass es ihm gar nicht in 
den Simi gekommen sein würde, die Leake'sche Schrift zu über- 
setzen , wenn ihm nicht die darin niedergelegten Untersuchungen 
und Ergebnisse für den deutschen Leser, dem das Original wenig 
zugänglich ist, nicht nur von grÖsstem Interesse, sondern auch 
von der Art zu sein geschienen hätten , dass sie in der Haupt- 
sache einer Berichtigung nicht bedurften. Ein Uebersetzer hat 
demnach, sofern er nicht- seine Uebersetzung ausdrücklich als 
eine berichtigende ankündigt, schon seiner Pflidit Genüge ge- 
thaii, wenn er das Original treu und verständlich ~wiedergiebt. 
Doch zugegeben, es sei Pflicht des Uebersetzers, das Original 
ZH berichtigen, so' muss man bei Schriften von der Gattung, wie 
die in Frage stehende, ohne Zweifel streng junterseheiden zwi- 
schen dem, was wirklich fehlerhaft ist, und dem, was, obwohl 
es von der Ansicht Anderer abweicht, doch mit Bewusstsein vor- 
getragen und mit Gründen belegt ist. Unter wirklichen Fehlern 
verstellen wir solche, weiche aus Flüclitigkeit, Unkenntniss der 
Sache oder falscher Auslegung der alten Schriftwerke hervorge- 
gangen sind, Fehler, welche der Sachkundige bei einiger Auf- 
merksamkeit leicht zu. entdecken und zu berichtigen im Stjinde 
ist. Verstösse dieser Art dürften sich in der Leake'schen Schrift 
nicht allzu viele finden lassen. Einiges hat Rec. stillschweigend 
beseitigt, mit Wissen und Willen aber nichts der Art unangedeu- 
tet gelassen, mindestens bezweifelt er, dass Vieles — : wir neh- 
men einen Irrthum aus, zu welchem wir uns unten bekennen 
werden — r stehen geblieben, was in den eigentlichen Gang der 
Untersuchung hemmend und störend eingrifie. Was meint also 
Hr. H., wenn er nicht das eben Gesagte in Abrede stellt, mit 
seinem gänzlichen Mangel an „berichtigenden Zugaben^^l Die 
vorliegende Schrift giebt einen Begriff davon , zugleich aber auch 



mm^^^^^^^m^^m'^^^^mmt^^^mmmmmmammmmmm 



Finlay^s Abhandll. aber Attika y abcrs. r. Hoffmann« 133 

den Beweis von der Unklarheit der Vontfelf itng , welche Hrn. H. 
beim Niederschreiben jener Worte rorschwcbte« Er meint niciits 
mehr tind nidits weniger, als dass bei dem Abschnitt über die 
Schlacht bei Marathon (denn diesen allein hat er im Siiine, ob- 
gleich er Ton dem ganzen Buche spricht) die Ergebnisse der Un- 
lersnchungen der auf dem Titei Genannten, der Herren Fiiiiay^' 
Proliesch, Boss und v. MtnutoU, hatten naciigetragen werden 
miissen. Dabei hat er aber Tcrschwiegen oder übersehen , dass 
dies znm Theil wenigstens wirlcllch geschehen ist: die Bemer- 
knngen Ten Boss in den Blatt, f. liter. Unterh. tom Jahre 1833 
Nr. 104 ff. ; welche Tielleicht Hr. H. selbst erst ans dieser An- 
führung kennen gelernt hat^ sind keineswegs unberücksichtigt 
geblieben. Auf Finlay freilich hat der Eebersctzer keine Rück- 
sicht genommen; allein wie war dies möglich, da der Band der 
•Transactions of the Royal Society Tora J. 1839, in welchem des- 
sen Untersuchungen sich befinden (angeblich auch besonders ge- 
druckt unter dem Titel Remarks oii the topograpliy ol Oropi« 
and Diacria, Athens , 1838) , nicht Tor Ostern 1840 nach Leipzig 
kam, die „Demen^^ aber bereits im Februar desselben Jahres 
ausgedruckt waren. Der Unterzeichnete beeilte sich, die Resul- 
tate dieser Untersuchungen als Ergänznng zu den Leake^sclicn 
theils im Auszug, theits in wörtlicher Uebertragung sofort be- 
kannt zu machen, wie man sich aus der Zeitsclir. f. d. Alterth. 
Wiss. T. J. 1840 Nr. 132 — 134. selbst überzeugeo kann. Hr. H. 
hat diesen Aufsatz TÖlKg igAorirt; doch ist aus einigen Seiten- 
blicken zn schliessen , dass er denselben recht w(^I gekannt hat. 
Es ist dies zwar an sich ganz gleichgültig , wiewohl bei der son- 
stigen bibliographischen Genauigkeit des Hrn. H. die Absichtliclv- 
keit sich allzusehr Terräth» Auch muss der Leser hübsch in der 
Meinung erhalten werden , dass ihm jetzt etwas ganz Neues ge- 
boten werde , während doch in Wahrheit die ganze Schrift durch 
jenen Aufsatz des Rec. in der Hauptsache iiberfiussig gemacht 
ist. Was endlich die Aufsätze Ton Prokesch (In den Denkw. und 
Erinn. aus dem Orient Bd. 2. S. 423 ff.) und r. MinutoH (in der 
Zeitschr. f. Kunst, Wiss. und Gesch. des Kriegs t. J. 1839 Hft. 6. 
S. 246 ff.) betrifft , so bedauert Rec. allerdings , dieselben damals 
nicht gekannt zn haben. Auf den letzteren jedoch ward er mitt- 
lerweile aufmerksam gemacht, wie die Notiz in der Zeitschr. f. d. 
Alterth. Wiss. a. O. S. 1085. beweist, -r- woTon sich Tielleicht 
erst die Bekanntschaft des Hm. H. mit demselben herschreibt — 
sah sich aber ausser Stande, für jene Mittheilung die genannte 
militärische Zeitschrift zu benutzen. Sind wir nun auch fiir die 
hier gemachte Mittheilung aus diesen Schriften , welche wir mit 
grossem Interesse gelesen, sehr dankbar, so können wir doch 
weder in das übertriebene Lob einstimmen, welches Hr. H. Ihnen 
auf Kosten Anderer spendet, noch uns überzeugen, dass aus 
deren Nichtbenutzung für die Leake'schc Schrift ein wesentlicher 



134 CrrlechiBcbe Alterihumskonde. 

Nachtheil erwachsen wire, am allerwenigsten aber zngteben, dass 
aus denselben, einen einsigen Punct etwa ausgenommen, ,,be- 
rfchtigende Ziigaben^^ Ton Bedeutung genommen werden können, 
lieber die gegenwärtige Beschaffenheit der LocalitSt des mara- 
thonischen Schlachtfeldes theiit Prokesch allerdings einige inter- 
essante EInselheiten mit; dagegen sind Leake's Untersuefaaugen 
weit umfassender, verbreiten sich mehr über das Ganze, und 
haben ein mehr wissenschaftliches Interesse. Alles aber, was 
über die Schlacht bei Marathon selbst gesagt worden ist, iiber 
die Positionen der beiden Heere, ihre Streitmassen, die Ent Wi- 
ckelung des Kampfes u. s. w., beruht einzig auf Combination der 
betreffenden Schriftstellen der Alten mit der Physiognomie des 
Terrains. Verschiedene kriegskundige üHänner — und auch Leake 
ist ein solcher — haben an Ort und Stelle die Lösung des Problems 
Tersucht, und alle sind zu verschiedenen, mehr oder weniger von 
einander abweichenden Resultaten gekommen. Wer also, dem 
es nicht vergönnt ist , selbst zu schauen und zu prüfen , wollte 
sich vermessen, hier als Richter zwischen die Parteien zu treten? 
Lasse man daher Jedem das Seine, und erniedrige nicht den 
Einen, um den Andern zu erhöhen! So viel zur Verständigung 
über den angeblicheü Mangel an „berichtigenden Zugaben^^ *). 



*) Erst nachdem das Obige seit geraumer Zeit niedergeschrieben 
.war, entdeckten wir die yermathliche Quelle jener Insinuation des 
Hrn. H. In Kiepert^s topogr. histor. Atlas von Hellas 1. Heft heisst es 
Col. 1. des Prospcctns: — „die Abb. über die Demen übersetzt von 
Westennann Brannschw. 1840. , leider ohne wesentliche Zusätze und Be> 
richtignngen y die dnrch die neueren Untersuchungen, namentlich Fin- 
Jay's , ebenso nothig gewesen wären , wie Berichtigungen der beigege- 
benen Karten nach der neueren franzosischen Aufnahme, um den Leser 
nicht auf einen früheren Standpunkt zurückzuversetzen.'^ Dieses Urtheil 
ist zur einen Hälfte genugsam, wie wir glauben, im Obigen beantwortet: 
was hingegen die so nothig befundenen Berichtigungen der beigegebenen 
Karten betrifft, so sind wir keineswegs so blind, das Gegentheil be- 
haupten und dieselben für überflüssig erklären zu wollen , müssen jedoch 
dagegen anfuhren , dass dergleichen in der verlangten Weise vorzuneh- 
men weder in unserer Macht stand, noch auch, selbst wenn dies der 
Fall war, recht rathsam gewesen wäre. Lassen wir Hrn. K. selbst un- 
sere Vertheidigung fuhren. „Ungeachtet die franzosische Aufnahme 
Kordgriechenlands'', sagt derselbe Col. 3., „als Fortsetzung derjenigen 
der Morea längst beendet, und der ostliche Theil, Attlke, Boiotia, 
Phokis und Eubola enthaltend, schon im Stich vollendet ist, so ist doch 
noch keine Hoffnung da, dass diese Blätter bald publicirt werden durf- 
ten, und alles, was bis jetzt davon mitgetheilt ist, beschränkt sich auf 
die im Bullet, de la Soc. de G^ogr. 2*"® S4r. t. 7. p. 50 ff. abgedruckten 
146 von Peytier trigonometrisch bestimmten Punctc, ferner einzelne aus 
der Aufnahmkarte von 1 : 100000 kopirten Stucke , in Finlay's Oropia 



' Finla;y's Abhandll. über Attika , fibens. v, Hofiinann« 135 

Uebrigenglieiiierkeii wir {gleich hier, dass auch Hrn. H. die hier- 
her gehörig^e Literatur keineswegs gaiia Tollstähdig bekaont wor< 
den, sondern in der That Einiges tou Bedeutung entgangen ist, 
wie wir am Sehlusse dieser unserer Becension nachiuweisen 
gedenken. ' 

Unscnre Absiclit aber ist es nun atlerdinga, su der rorliegen- 
den Sclirift des Hm. H. einige beriobtigende Zugaben zu geben. 
In dieser Absicht wollen wir dieselbe erst in ihrer gan«eu Erschei- 
nung betrachten, dann die Uebersetzung der Finlay'schen Auf- 
batze prüfen , endlich die eigenen Zuthaten des Herausgebers zu 
würdigen versuchen. 

Der ei'ste Punct bedarf keiner weitläufigen Erörterung. Die 
Idee, alles das zusamoienzustellen, was von sachkundigen Män- 
nern über die Schlacht bei Marathon gedacht und gesagt worden, 
war gewiss ,eine ganz glückliche. Zur Ausführung dieser Idee 
aber musste, wenn etwas Erspriessliches dabei heirauskommen 
sollte, nach dem Dafürhdteu des fiec. ein gaiui anderer Weg 

and Diaeria und Gordon^s Tf^rmopyles , nnd die Carte da Royaüne de 
la Gr^ce (x'^Q^S 70v Mueilsiov xijg ^EXlccdos} von F. Aldenhpyen ^ Atb. 
1838. dBl. , -welche aas der Aufnahrokarte auf ^ redocirt, leider aber 
sehr fiacbtig und nachlassig gezeichnet ist , besonders scheinen die Grad- 
linien erst nach der Zeichnung and sehr nagenan eingetragen 2U sein, 
da fast alle jene trigonometrisch bestimmten Puncte in der Lange , viele 
auch in der Breite nicht mit den genauen Angaben Peytier*s übereinstim- 
men ^ iebenso sind die Contouren der Küsten, w« sie von guten See- 
karten entnommen sind , durchaus ungenau gezeichnet. Gleichwohl bleibt 
diese Karte bis zar Pnblicatiön der franzosischen von Nordgriechenland 
für diese Gegend die beste und fast einzige^ da alle früheren nicht auf 
Aufnahmen beruhen. Doch sind die Karten von Leake — noch immer 
sehr werthvoU, nnd nahern sich schon sehr der durch die Aufnahme be- 
richtigten Zeichnung.'^ Wir wollen nun hier weiter nicht geltend machen, 
dass die Aldenhoven'ische Karte im Sommer 1839, wo unsere Zeichnungen 
an das lithographische Institut von Herder in Freiburg zur Ansfuhrang 
abgegeben wurden, noch nicht in unsem Händen war, Aenderungen ab^r 
später nicht ihunlich erschienen: allein wir sehen au^ nach Obigem 
keinen Grand , warum wir bedauern sollten , dass wir auf jene unzuver- 
lässige Auctorität hin nicht Gefahr Hefen , die „immer noch sehr werdi- 
vollen" Karten Leake's zu verändern und, zu verschlechtem. Hr. K. 
aber, der vielleicht auch besser gethan hätte, mit seinen Blattern von 
Nordgriechenland bis znr Publication der französischen Karte za warten, 
möge sich doch durch seine bessere Kenntniss, welche wir, wie auch 
sein kartographisches Talent, bereitwilligst anerkennen (obgleich Hr. 
Hoifmann S. 92 ff, dagegen mehrfachen Einspruch thut) , doch nicht zu 
80 prätentiösen Urtheilen hinreissen lassen , dergleichen sein Prospectns 
mehrere bringt, wozu ihn doch der allerdings bcneidenswerthe Umstand, 
von einem C. Ritter eingefahrt za werden, noch keineswegs berechtigt. 



136 Griechische Alterthumskunde. . 

gezahlt werden als der, welchen Hr. H. eingfeadhlagen hat. 
Derselbe ^ebt nämlich zuerst eine Uebersetaun^ Aer Abhsndlnng 
von FInlay iiber den Kampf bei Marathon S. 1 — 36., dann als 
Zngabe S. 37 — 60. hintereinander einen Abdruck der auf den- 
selben Gegenstand sich beziehenden Stellen ans den oben ge- 
nannten Schriften von Prokesch, Ross und V. Minutoli^ woran 
sich S. 62 — 87. die Uebersetzung der übrigen auf dem Titel ge* 
nannten Abhandhingen Finlay's anschliesst Das Alles steht offen- 
bar in einem sehr lockeren Zusammenhange, das Hintereinander 
stört oder Ternichtet vielmehr die Einheit des Ganzen , zersplit« 
tert die Aufmerksamkeit des Lesers und erschwert die lieber- 
Sicht. Es ist sehr zu bedauern, dass Hr. H., der doch das Ma- 
terial Toliständig Tor sich zu haben glaubte, sich nicht lieber der 
nicht allzu grossen, aber gewiss belohnenden Mühe unterziehen 
wollte, alle die einzelnen Berichte, natürlich auch den Leake- 
schen nicht ausgenommen, zu einem Generalbericht zusammen- 
zuschmelzen und zu Verarbeiten, wobei das Terrain die natürliclie 
Grundlage bot, die abweichenden Ansichten der einzelnen Ge- 
währsmänner aher bei den betreffAiden Puncten nach ihren 
Gründen und leitenden Gesichtspuncten im Zusammenhange dar- 
* gelegt, gegeneinander abgewogen und erörtert werden konuteti. 
Auf diese Weise würde, dunkt uns, eher ein erliebliches Re- 
sultat haben erzielt werden können , mindestens der Leser in flen 
Stand gesetzt worden sein, sich leichter zu orientiren und sich 
selbst' ein Urtheil zu bilden, während er jetzt in einem walireu 
Labyrinth tou Yermuthungen und einander widersprechenden An- 
lachten herumgeworfen wird und selbst die eigentliche Meinung 
des Herausgebers sich mühselig zusammensuchen muss* 

Wir kommen zur Uebersetzung der Finlay'schen Abhand- 
lungen. Die geringste Anforderung, welche man an einen lieber- 
Setzer stellen kann, ist die, dass seine llebertragung richtig und 
dem Originale getreu sei. Rec. hat sich die Mühe genommen, 
die Uebersetzung des Hrn. H. Satz für Satz genau mit dem engli- 
schen Originale zu vergleichen. Das Resultat dieser Verglei- 
chung ist nicht zu Gunsten des Uebersetzers aufgefallen. Es ist 
kaum eine Seite, wo Hr. H. nicht falsch oder un°^enau, zum 
Theil recht abenteuerlich iibcrsetzt hätte. Und auch auf den 
deutschen Ausdruck ist bei Weitem nicht die Sorgfalt verwendet, 
welche man der Sache und dem gebildeten Publicum, zu dem 
man spricht, schuldig ist. Wir unterdrücken alle weiteren Be- 
merkungen darüber und lassen die Sache selbst reden. 

S« 4. Z. 3* „auf einen grossen künstlichen Hügel, der fast 30 
Fuss Höhe — hat, indem er — zerstört worden ist.^' Weder 
von dem sinnstörenden indem steht etwas im Original, noch davon, 
dass der Hügel zerstört worden, sondern nur half dug open by 
peculalors in aniiquities and etil into deep furrows by Ihe raiü^ 
von Alterthumsforschern zur Hälfte aufgegraben und vom Rcg^n 



Finlay'fl Abhandll. über Aitika , äbers« v. Hoffmann. 137 

tief ^urthfnrcht. — S. 5. Z* 11. ^^er Tereini^t sich dann Im oro- 
pischen Gebiet bei Aphidna mit dem Wege von Athen nach 
Oropos/^ Also lag Aphidna wohl im Gebiete von Oropos? Aber 
Finiay schreibt : unites in ihe Oropian territory with the road 
from Athens to Oropos by Aphidna^ d. {• er falit im Gebiete von 
Oropos mit dem Wege von Athen nach dieser Stadt über Aphidna 
(der dorthin über Aphidna führt) zusammen. Seltsam ist aiicli 
das gleich Folgende ansgedrückt: ^^^wo uns Pausanias hinführen 
wurde, um das Amphiaraion zu suchen,^^ zu deutsch, ,,wo man nach 
den Andeutungen des P. das Amphiaraeion (die falsche Form 
Amphiaraion kehrt unten S. 72 ff. häufig wieder) zu suchen 
hat.^^ — S. 6. Z. 4. ,,er durchschneidet den eben erwähnten 
Weg, der unter den Mauern eines Paleokastro — von Athen nach 
Oropos hinführl^% muss heissen ,,er durchkreuzt unter den Mauern 
eines P. den schon erwähnten Weg von Athen nach Oropos^S — 
Das. Z. 17. „beschränkte Gegend^S 1* durchschnittene G. — 
Das. Z. 35. „sie gestatten denselben (dem Wege) den Durchgang 
nur durch ein offenes Defile^% richtiger im Zusammenhang mit 
dem Vorhergehenden und nach dem Original {compell it to pass) 
„sie zwängen ihn bloss in ein offenes Defile ein". — S. 7. Z. 11, 
„stützt den strengsten Beweis dafiir'^ afford the strongest proof^ 
d. i. giebt den schlagendsten Beweis. — Das. Z. 19« den Pente- 
likon , TO IJsvT. , doch steht in der Anm. die richtige Form. — 
Das. Z. 22. ,,in geringer Entfernung von weniger mehr als 9 Mei- 
len, in a distance of tiltle more ihan 9 müeSy d. i. in einer Strecke 
von etwas über 9 M. -— Anmerk. „ein Reisebericht der verschiede- 
nen Strassen^\ ebend. den Höhen entlang". — S. 8. Z. 4. v. u. /V- 
sistratos^ 1. Peisistratos. — S. 9. Z. 18. „die langsamen Bewe- 
gungen der griechischen Taktiker^^^ 1. die schwerfälligen Evo- 
lutionen der griechischen Taktik {tactics). — S. 10. Z. 17, 
„dazu kommt, dass diese Beschreibung- des Feldzugs in sich die 
Wahrscheinlichkeit der strengsten Genauigkeit trägt*'*'. Ecery 
evidence ist nicht die Wahrscheinlichkeit, sondern ^^ jeden Be^ 
treis'-^, — Das. Z. 24. „dass die Transportschiffe — bestand^*- — 
Dass Z. 30. „die Thatsachen weder jetzt dargelegt, und die 
Schlüsse, welche man daraus zu gewinnen suchen wird, ent- 
wickelt." — S. 11. Z. 28. „gleichfalls muss man — noch denje- 
nigen Raum in Abzug bringen , den der tägliche Proviant der 
Flotten des Mardonios und Xerxes erforderte". Im Original 
heisst es, in order to afford roomfor those stipplies which ihe 
fleeis — could daily receive from the shore. Darin ist gar nicht 
die Rede von Proviant, sondern von Hiiifstruppen, Verstärkungen, 
„einige Ermässigung der — Zahl der Mannschaften wird gleich- 
falls nöthig sein, um Raum für diejenigen Verstärkungen zu be- 
halten, welche die Flotten, die des Mardonios wie die des Xerxes, 
täglich von der Küste her erhalten konnten". — Das. Anm. 3. 
keinfalls. — S. 12. Z. 4. „der Dreirudercr — der eine voilstän- 



148 Griechische Alterlhnmskuncle. 

falsch Tersianden ist^ zu S. 69.., wo aus dem angeblichen Volks- 
bescliliiss.bei DemostheneR eine irrige Folgerung gezogen ist, zu 
S. 80. , wo Word8wor4h*B treffliche Emendation bei Dikaiarchos 
(vgl. Act. soc. gr. IL p. 435.) wohl ein Wort der Anerkennung 
gegen Finlay verdiente , u. s. w. 

Wir können Ton Hrn. FL nicht scheiden, ohne selbst den 
Versuch gemacht zu haben, in wie weit wir im Stande sind, 
iiber einige von Finlay berührte, Tom Uebersetzer aber nnerör- 
tert gelassene Puncte etwas mehr Licht zu gewinnen. 

S. 27. lesen wir : „Glücklicherweise fügte es sich für die 
Schlachtordnung des Mlltiades, dass die Stimme Antiochis und 
Leontis im Centrum standen, da sie von Aristides und Themisto- 
kies, Manner (sie) auf deren Benehmen und Muth man in solchen 
schwierigen Umständen vertrauen konnte, geführt wurden." 
Diese Behauptung gründet sich einzig auf folgende Angabe des 
Plutarch in Arist. c. 5. : Iv ds ty [läxy (lältöra xäv ^A^tival&v 
tov iitöov novi^6avtos ical xXelötov ivtav^a xQovov tiov ßag- 
ßigmv ccvtSQBLödvtav ^ xata t^v Movtlöa xal *Avuo%lStt tpv- 
kipf ijyavlöavTO KainytgSg tBtayßSvoi nag* dXli^kovg o ts Gsfii" 
etoxX'^g xal 6 'y^giötsläijs' 6 fisv yag Jtovxi8og ^v, 6 d* liv- 
xtoxlSoq (aus welchen Worten beiläufig nichts weniger folgt, als 
dass die Stämme Antiochis und Leontis im Centrum gestanden, 
obwohl auch Leake S. 97. der Meinung ist), eine Angabe, welche 
unseres Wissens bisher stets für haare Münze genommen worden, 
und dennoch bei näherer Prüfung höchst verdachtig ist. Aus 
Herod. VI, 111. wissen wir, dass in der Schlacht bei Marathon 
der Polemarchos den rechten Flügel commandirte, von hier aus 
nach dem Unken Flügel hm die Phvlen in ihrer Reihenfolge 
{IJ^tikKOVto (oq ägiQ'ftiovto al q)vXai ix^iisvai kXXt^U&v)^ und 
am äussersten linken Flügel die PlatSer standen. Nun lesen wir 
bei Plutarch sympos. quaestt. I, 10., der Stamm Aiantis habe auf 
, dem rechten. Flügel gestanden. Hieraus und aus dem gleichfalls 
von Plutarch erzählten Umstände, dass der Beschluss, wodurch 
das Heer gegen die Perser aufzubrechen beordert wurde, Mav- 
xldog (pvX^s ngvvavBVOvöijg gegebeii worden, schliesst Böckh, 
wie wir aus Idelers Handb. d. ChronoL L S. 291. ersehen (ver- 
muthlich In dem Programm über die Schlacht bei Marathon, — 
Ind. lectt. Berol. a. 1816. — welches uns leider nicht zur Hand 
ist), dass die Aiantis darum den Ehrenposten auf dem rechten 
Flügel erhalten habe, weil dieselbe in der durch das Loos be- 
stimmten Ordnung der Phylen (Prytanien) in jenem Jahre die 
erste gewesen sei. Wir können uns jedoch mit dieser Folgerung 
nicht einverstehen. Die Stämme folgten auf einander in der 
Schlachtreihe <(}$ dgi^fiiovro ^ d. h. nicht wie sie gerade damals 
gezählt wurden, was eine willkürliche Auslegung ist, sondern 
wie sie gezählt wurden, gezählt zu werden pflegten, in ihrer 
Reihenfolge. Wie alt die Einführung des Looses zur Bestimmung 



Pinla^r's Abhandll. über Attika, übers, v. Huffinaon, 149 

der Aufeinanderfolge der Pliyleii in Besiehnng auf die VerwaUting 
der Prytanieii sei, lasst sich mit Bestimmtheit nicht sagen: allein 
auch zugegeben, dass sie von Kleisthenes herrühre, und eben so 
alt sei, als die attischen Phylen selbst, so ^ürde immer noch 
gar sehr die Frage sein, in wie weit diese Einrichtung damals, 
und überhaupt, auf die Stellung der Phylen wälirend der Schlacht 
von Einfluss gewesen sei.. In Ermangelung directer Zeugnisse 
dürften wohl die erhaltenen Bruchstücke der tituli militares 
(Corp. inscr. gr. I. no. 166 sqq.) einen einigermassen sicheren 
Ilaltpunct darbieten. In diesen Inschriften ist durchgängig die 
ursprüngliche und sogenannte officielle Reihejifolge der Phyleii 
festgehalten, was nicht zufällig sein kann, sondern entschieden 
darauf hinweist, dass die Organisation des Heerwesens von jener 
auf rein bürgerliche Zwecke berechneten Maassregcl unberührt 
blieb. Auch liegt dies vollkommen in der Natur der Sache selbst: 
denn für keinen Theil des Staatskörpers ist Einheit und Stetig- 
keit der Haltung und Bewegung uneriasslicher, als gerade für 
das Heerwesen. Uebrigens würde dieser dem Wechsel der Pry- 
tanien entsprechende Wechsel der Stellung der einzelnen Heer« 
hänfen einen , auf dem demokratischen Princip beruhenden, Sinn 
nur dann haben , wenn derselbe nicht blos zu Anfang eines jeden 
neuen Jahres, sondern innerhalb des Jahres mit Eintritt einer 
jeden neuen Prjtanie aufs Neue vor sich ging, so dass, wie im 
Senat eine Abtheilung stammverwandter Pr^'tanen nach der andern 
an die Spitze, so im Heere eine Phyle nach der andern an den 
Ehrenplatz am äussersten rechten Flügel trat. In diesem Falle 
könnte jedoch die Aiantis, wenn sie In der ganzen Reihe damals 
die erste war, in der raarathonischen Schlacht am IG. oder 17. 
Metageltnion natürlich nicht den Posten gehabt haben , welchen 
Böckli ihr anweist. Ein jährlich nur einmaliger Wechsel hinge- 
gen nach der erloosten Ordnung der Prj^tanien wäre eine rein 
inhaltsleere Form gewesen. Da nun aber überhaupt ein Wechsel 
irgend einer Art in der Stellung der Ileerhaufen bei den Athe- 
nern mit Sicherheit, unseres Wissens wenigstens, aus keiner 
Stelle erweislich ist, so scheint es gerathen anzunehmen, da^s 
die sogenannte ofßcielle Reiheufot^c der Phylen die stehende 
Norm für die Aufstellung der Schlachtordnung abgegeben habe. 
Dagegen wird der Angabe des Plutarch, dass die Aiantis auf dem 
rechten Flügel gestanden, abgesehen auch davon, dass die Stelle 
nicht durchaus heil ist, schwerlich ein bedeutendes Gewicht bei- 
zulegen sein; sie ist nicht einmal als ein rein historisches Factum 
liingestellt, und beniht auf einem dem Verf. vielleicht nur dunkel 
vorschwebrenden oder, missverstandenen Ausspruch des Aisch^los; 
sehr möglich auch, dass der Umstand, dass der Polemarch Kalli- 
machos, welcher der Aiantis angehörte, den rechten Flügel com- 
maiidirte, diesen falschen Schluss veranlasst hat. Angenommen . 
also, die Phylen standen in der Schlacht bei Marathon in der 



150 



Griechischef Alterthumskunde. 



ofSciellen Reihenfolge (1. Erechtheis^ 2. Aegeis^ 3. Pandionis^ 
4. Leontis^ 5. Akamaniis^ 6. Oeneisy 7. Kekropia^ 8. Hippo-' 
thooniis^ 9. Aiantis^ 10« Antiochis)^ und am äassersten linken 
Flügel die Platäer^ so war die Schlachtordnung an jenem Tage 
ungefähr so construirt : 



IP.JIOJ 9 I 8 ! 7 I 6 



o 



4 3 2 1 



Indem nun Aristides zur Antiochls oder zehnten, Themistokles 
zur Leontis oder Tierten Phjle gehörte, so folgt von selbst, dass 
beide nicht, wie Plutarch augiebt, neben einander gefochten 
haben können, weder in der ursprünglichen eben angegebenen 
Schlachtordnung, noch in der zweiten, nachdem das Centrura 
gesprengt war, möge diese nun durch Zusammenzichung der 
Flügel, 



P. 10 9 8 4 3 2 1 



oder durch Einschwenkung 






\ 



\ 






I P. ! 10 i 9 8 9 10 P. 1 2 3 4 3 12:1! 



bewerkstelligt worden sein. Nach diesem Allen können wir nicht 
umhin , die Erzählung des Plutarch für eine Erfindung späterer 
Zeit zu erklären«, eine Erfindung, deren Zweck, wie so vieler 
anderer, der war, gleichzeitig lebende berühmte Männer in eine 
möglichst nahe persönliche Berührung zu bringeir. 

Einen indirecten Beweis für die Richtigkeit der so eben vor- 
getragenen Ansicht glauben wir in den gleich folgenden Worten 
des Plutarch a. O. gefunden zu haben: larel de XQiipaiiLivoh xov$ 
ßagßagovg iveßalov elg tag vuvg Koi nlkovtag ovn M i/^dov 
acJ^cDi;, ikX vnb xov nvev^axog xal xijg ^aldöörig üöcd ngog 
%riv Axxixijv ccTtoßLa^OfjLevovg ^ ipoßi]dBVtBg ^ (ifj xr^v nokiv ^grj' 
fiov kaßüDGL xcov äfivvofiivcov ^ xalg (tev ivvia (pvlalg fjnei" 
yovxo ngog x6 &0xv xal xttxi]vvöav av^jj^iBgoVi iv öe Maga- 
9(DVi [lExd xijg savxov tpvXijg 'Agiöxeldijg clnoXei(p9B\g tpvktt^ 
xmv alxiiaXfBxav xal xmv ka(pvgmv u. s« w. Finlay findet S. 31. 
einen mehr militärischen und natürlichen Grund für die Zurück- 
lassung des Aristides auf dem Schlacbtfelde darin, dass derselbe 
mehr als alle anderen im Kampf gelitten , auch mehr Todte zu 
begraben hatte. Hier müssen wir aber doch bekennen, dass uns 
Hr. F. dem Glauben seiner Leser etwas zu viel znzumuthen 
scheint. Ein weit näher liegender militärischer Grund ist der in 
der athenischen Heeresordnung begründete, dass die Antiochis, 
diePhylC; welche Aristides commandirte, die zehnte und letzte 



Piulay's Abhandü. über Attika, übers, v. Hoffhiann. 151 

war. Eine PIijFe eolUe auf dem Schlaclilfefde zur BewaeliHiig; 
der Gefundenen und der Beute siehe» bleiben: Indem nun die 
Phyfen abzagen in der Beilie, wie sie au fmarschirt waren (und 
{gewiss ist der Ausdruck talg iwia fßvXalg^Trttyovto ngog rd 
SöTV nicht 9Buf«llfg, sondern deutet auf diejenlg^eii Philen hin, ' 
denen nach dem Reglement dieser Dienst zufiel, d. h. die erste 
bis neunte), traf naturiich der Wachtdienst die letzte« 

Der Punct, In welchem FInlay von Leakc am weitesten und 
entschiedensten abweicht, wir nr^einon die Ansicht, dass die 
Schlacht bei Marathon eine Richtung nicht von Westen nach 
Osten, oder genauer Ton Südwest nach Nordost, sondern tou 
Süden nach Norden gehabt habe, ist skrherlich, wie auch Hr. H. 
erkannte, verfehlt. Dennoch ist das von F. aufgestellte Beden- 
ken, dass im anderen Falle den Perseni das in südlicher Richtung 
nach der Mesogaia führende Defilc! oiTen gestanden halte , nicht 
ganz unbegründet, wiewolil es auch auf der anderen Seite nicht 
wkhtig genug, zu sein scheint, um enizig und aMem dieUtnkeh- 
rang der Bewegung des Kampfes zu rechtfertigen. Immerhin mö- 
gen von den Athenern Maassregeln ergriifen gewesen sein , auch 
diesen Pass , für den ersten Anlauf wenigstens , den Persern zn 
versperren. Dies, wie neuerdings von einer andern Seite her 
behauptet worden ist, für unnethig zuhalten, nnd zwar deswe- 
gen, wetl auf dieser Strasse nach vorher bestimmtem Plane die 
Laccdämonier heranziehen sollten , die Perser also,^ wenn sie 
dieselbe eingeschlagen hatten , auf diese gestossen sein wurden 
und von den Athenern hätten im Rücken angegriffen werden kön- 
nen , — ist uns doch bedenklieh, Vm das Heranziehen der La- 
cedämonier wussten die Perser schwerlich , dies also konnte fiir 
sie kein Grund sein , sich von dem Versuche abhalten zu lassen, 
dieser so wichtigen Strasse^ wenn sie ihnen offen stand, sich zu 
bemächtigen. AHein wir wundern uns, dass Finlay nicht für 
seine Ansicht von der Richtung der Schlacht von Süden nach 
Norden ein anderes Argument gehend gemafcht hat, welches, 
schehibar wenigstens , — obwohl es Forehhammer in seiner To- 
pographie von Athen , Kieler philo). Studien S. 335. ernstlich 
nimmt — Pausanias in der Beschreibung des Sehlachtgemäldes, 
das sich In der Stoa Poikile befand, T, 15., darbietet. Die Stelle 
lautet so: tBXBvrctlot ds r^g yQ^^'ijS ^i^f'V ot fiaxiöttfiBvoi Ma- 
^a&c5w Boiarav 8s ot nielTttiav ^x^vteg xecl oöov '^v !^rn- 
Qiov taöLV ig x^igag roF$ ßagfiagoig" ota\ tecvvn niv iöriv Yöa 
TiecQ äficpotigatt ig to ^gycv^ x6 i\ ?(5a) r^g fJ^f^XV^'i ^svyovzig 
iliStv ^ ßagßagoi xal ig to Shog cj^omneg akkijXovg' Uöx^^^^ 
ÖE T^S ygcKpijg vijig ts al 9oLViiS6m xai täv ßagßdgav tovg 
igitlnrovrag ig ravtag tpovBvovtBg oi"EXX7]Vfg, Höchst wahr- 
scheinlich nahm der Maler .seinen Standponct von der Position 
drr Griechen aus. Da nun die Platäer auf dem linken Flügel 
kämpften, diese aber Pausanias hier ausdrücklich erwShut, so hat 



152 Griechische Aiterthninskunde. 

man annehmen zu müssen geglaubt, dass die linke Seite des Blin- 
des diese Partie darstellte, die Mitte die Afiaire bei dem Sumpfe, 
die rechte Seite endlich den Kampf bei den ^Schiffen. In diesem 
Falle freilich müsste die Sehlacht sich in der Richtung von Süden 
nach Norden bewegt haben ; denn nur dann konnte man das Meer 
zur Rechten, haben. So sagt auch Forchhammer a. O.: ,,Die 
dritte Wand zeigte die Schlacht von Marathon, zuerst d. h. links 
den Kampf der Platäer, die am linken Fiiigel standen , in der 
Mitte die Flacht der Barbaren in die Sümpfe, und zuletzt d. h« 
rechts die persische Flotte und die Verfolgung der in die SchifTc 
eilenden Barbaren durch die Hellenen.^^ Allein es ist nichts in 
den Worten des Pausanias , was uns zu dieser Auslegung nölhigt. 
£inmal nämlich spricht er weder von der Rechten noch von der 
Linken : es ist also wohl erlaubt^ die Richtung der einzelnen Par- 
tien, welche er beschreibt, von vorn nach hinten anzunehmen. 
Ferner ist die Rede von Anfang herein gar nicht von den Platäern 
allein ; nur wenn dies der Fall wäre, würde die Ordnung der ein- 
zelnen Theile von der Linken nach der Rechten gerechtfertigt 
erscheinen; wenn 'dagegen Pausanias sagt, Boiatav oi Ilkd- 
xaiav ^x^VTsg xai Scov ^v^Attixov, so fallt alle und jede 
Beziehung blos auf den linken Flügel völh'g weg, und man kann 
nur an die ganze Schlachtlinie denken« Zuerst also, d. h. nicht 
links, sondern vorn, im Vordergrunde, ist der Kampf dargestellt, 
wie er zwischen den Griechen und Barbaren auf der ganzen Linie 
entbrennt. Im Mittelgrunde, abermals nicht nach der rechten 
Seite hin, wodurch der Kampf selbst auf höchst seltsame Weise 
anseinand ergezogen würde, sondern nach hinten vom Standpunct 
des Malers aus, folgt die Flucht der Barbaren durch die Sümpfe. 
Endlich im Hintergrunde {i0xaxai t^$ yQcctprjg)^ nicht zur Rech- 
ten , schliesst sich der Kampf bei den Schüfen an. Durch diese 
gewiss nicht gezwungene Erklärung ist die Richtung der Schlacht 
von Westen nach Osten gerettet; man hat das Meer nicht zur 
Rechten, sondern geradeaus in Sicht, und der Maler wählte ver- 
routhlich seinen Standpunct im Rücken der griechischen Stellung 
auf der Höhe des Argaliki oder des Kotroni, ein Standpunct«, der 
für die Darstellung der Schlacht bei Marathon durch die Natur 
der Sache und des Terrains eben so gegeben war, wie z« B. für 
eine Darstellung der Schlacht bei Salamis die Flöhe des Aigaleos, 
von welcher aus Xerxes selbst Zeuge des Kampfes war. Gleich- 
wohl darf nicht verkannt werden, dass das Gemälde in einer Be* 
Ziehung wenigstens ohne Wahrheit war, insofern es ihm an eigent- 
lichem Inneren Zusammenhang fehlte, ein Fehler jedoch, den 
man nicht beseitigen kann, mag man den Standpunct des Künst- 
lers und die Richtung des Treffens annehmen, wo und wie man 
immer wolle. Nach unseren Begriffen ist es unkritisch, dasjenige, 
was nach einander erfolgte, als gleichzeitig darzustellen, und 
diese Freiheit hatte sich der Maler genommen, indem er vorn 



Finlay's Abhandll. über Attikä, ubers. r. Hoffmann. 153 

den Angriff der Athener und hinten das Gemetzel bei den Schir- 
fen, also die Anfangs- und Schlnssscene zugleich darsteTlle, und 
auch aus der Beschreibung des Pausanias geht hervor, dass der- 
selbe es darauf angelegt hatte, den ganzen Verlauf der Schlaclit 
nach ihren drei Hauptmomenten , dem Angriff der Athener, dem 
Versprengen der Perser in den Sumpf und der Flucht nach den 
Schiffen, unter einem Blick zusammenziffassen. Man wird jedoch 
diese Art der Auffassung und Darstellung nicht sowohl als einen 
Missgriff des Künstlers zu betrachten , als vielmehr aus dem all- 
gemeinen Standpuncte zu erklären haben , auf dem die Kunst in 
jener Epoche sich befand. 

Zum Schlüsse noch die versprochene Mittheilung ans dem 
Berichte eines neueren Reisenden , welche unseren Lesern hof- 
fentlich nicht unwillkommen sein wird, da vermuthlich nur Weni- 
gen das betreffende Werk gleich zur Hand ist, wir meinen den 
zweiten Band des „südöstlichen Bildersaals ^^ (Stuttg. 1840.), 
welcher Cap. VI. S. 451 ff. die Beschreibung einer archäologisch - 
militärischen Excursion nach dem Schlachtfelde von Marathon 
enthält« Gleich hier aber miissen wir noch bemerken, dass, 
wenn die Berufung auf eine Auctorität, wie die des bekannten 
Verfassers jener Schrift, bei einer wissenschaftlichen Untersu- 
chung doch einigermaassen bedenklich scheint, dieses Bedenken 
vollkommen durch die Erklärung (S. 452.) beseitigt ist, d^ss der 
Verf. nicht beabsichtige, nur seine eigenen Ansichten aufzustel- 
len; vielmehr habe er das 'Glück gehabt, seine Expedition unter 
Leitung zweier Männer' zu macheu, von denen schon Jeder allein 
als eine Auctorität anerkannt werde, des Hrn. v. Prokesch und 
des Consuls Hrn. Gropius«, und eine Meinung, welche Beide bil- 
ligen und theilen, dürfe wohl auf einige Aufmerksamkeit Anspruch 
machen« Wir heben aus dem Ganzen übrigens blos diejenigen 
Pnncte hervor, an denen eine eigenthümliche und neue Ansicht 
vorgetragen wird. 

Dahin gehört zunächst, was der Verf. S. 469 f. über den 
südlichen Sumpf sagt. ,,Wir setzten nun unseren Ritt nördlich 
längs des Meeres bis an die Moräste fort, kehrten dann wieder 
um und folgten dem Seearm südlich bis an das Ende der Plaine, 
wo sich abermals einige Moräste befinden , und wo unter mehre- 
ren antiken Trümmern , Resten von Postamenten und Fragmenten 
von Statuen .auch eine Anzahl weisser Marmorsäulen im Kreise 
stehen, die sich Lady Elgin hier zusammentragen liess, um ihr 
Zelt daran zu befestigen. Es ist kaum begreiflich, wie Hamilton, 
der Lord Elgin begleitete und die Relation von der Au»flucbt ge- 
schrieben hat, diese Säulen und Baureste für griechische hat an- 
sehen und allerlei unhaltbare Hypothesen darauf gründen kön- 
nen , da schon das ungeübteste Auge die Arbeit auf den ersten 
Blick als römische, und dazu ziemlich mittelmät^sige , erkennen 
muss. Hr« v. Choiseul liess hier nachgraben, und fand, was das 



154 Griechische Alterthamskonde, 

Gesagte noch mehr hekraftigen wurde, weDn es dessen bedurfte, 
zwei römische Biisteo (des Hadrian und Lucius Verus) auf dem- 
selben Fleck. Ohne Zweifei gehorte das Ganze zu dem römi- 
schen Landhanse eines vermögenden Mannes, was wiederum die 
stärkste Vermuthung begründet, dass die jetzt rund umher lie- 
genden Sümpfe, in denen wir überdies aller Orten festen Grinid 
fanden, neueren Ursprungs, und nur der Vernachlässigung der 
früher gewiss stattgefundenen Entwässerungen zuzuschreiben sind. 
Unmöglich kann man annehmen, dass der Besitzer jener reichen 
und ausgedehnten Villa diese inmitten der Sümpfe und daraus 
entstehenden Aria cattiva aufgebaut haben würde. Dies ist aber 
deshalb sehr wichtig, weil Kruse und mehrere Andere die Perser 
gerade in diese (damals also gar nicht existirenden) Moräste hin- 
einjagen lassen, ja in neuerer Zeit sich, nach den Angaben ver* 
schiedener Personen, gar die ganz widersinnige Ansicht accredi- 
tirt hat, dass die Griechen ihr Lager weiter südwärts an eine der 
dortigen niedrigen und weit iibersehbaren Anhöhen gelehnt und 
am Tage der Schlacht ihre Stellung mit dem rechten Flügel an 
die supponirten Sumpfe, der linken an die schwache Anhöhe tou 
Kotroiii gelehnt, genommen hätten, um den viel leichter zu pas- 
slrenden und überhaupt accessibleren Weg, der hier längs dem 
Meere nach Athen führt, zu decken. Kein Milltair wird diesen 
Glauben theilen/^ 

Im Folgenden theilt der Verf. die zuerst von Leake aufge- 
stellte und Ton allen neueren Forschern mit wenigen Ausnahmen 
angenommene Ansicht, dass das alte Marathon nicht bei dem 
jetzigen Marattdna , sondern bei Vrand gelegen , giebt gleichfalls 
der Schlacht die Bewegung von Westen nach Osten, und setzt 
die griechische Schlachtordnung in der Oeffnung des Kessels von 
Vranä an. Hingegen giebt er S. 477. dem von Herodot erwähn- 
ten Umstände, dass die griechische Linie gleich lang mit der mc- 
dischen gewesen sei, eine Deutung, welche wir unmöglich als 
richtig anerkennen können. Herodot nämlich trenne in seinem 
Bericht ausdrücklich Meder und Perser; es sei also wahrschein- 
lich, dass er nur gemeint habe, die griechische Linie sei inü der 
des medischen Corps auf dem linken Flügel gleich lanff gewesen. 
Allein die Trennung der Meder und Perser bei Herodot in der 
angenommenen Weise beruht auf einer ganz willkürlichen An- 
nahme; wollten wir diesen Unterschied festhalten, so würde eine 
unendliche Verwirrung in den Schlachtbericht kommen, die sich 
auf keine Weise beseitigen liesse. Allerdings sagt Herod. VI, 111. 
t6 ötgatonbdov i^i^ovfjtsvov rcJ Mridtxai ötQarons&G)^ wenn er 
abtT c. 112. von der ehemaligen Furcht der Griechen vor dem 
medischen Namen und vor der medischen Kleidung im Allgemei- 
nen spricht, so ist klar, dass er unter Mijdoi nicht die Bewoh- 
ner der Provinz Medien insbesondere versteht, sondern das Wort, 
wie ßccQßagoi, und üiffCaiy im weitesten Sinne gebraucht, als 



Finlay's Abliandll. aber Attika , ubers. v. Hoifmann. 155 

Gättungsbe^iff fiir das ganze persisclie Heer. Auch kämpften ja 
die Griechen nicht blos mit den Medern im engeren Sinne, Mcnn 
man auch zugeben wollte, dass diese auf dem linken Flügel ge- 
standen, obgleich das Herodot ganz und gar nicht sagt, sondern 
auch mit den Persern und Saken, die H. <^. 113. ausdriickiicli im 
Centrnm ansetzt, an der einzigen Stelle, wo er überhaupt Wq' 
öat^ nicht M^doi^ im engeren Sinne nimmt (rj^ Uigöat tb av^ 
rol xal UccHctL BTBtdxaro), Dieser Gnmdirrthum hat niin den 
Verf. veranlasst, dem ganzen Verlauf der Schlacht (S. 479 ff.) 
folgende Wendung zu geben. 

„Die Griechen, auf der geraden Strasse nach Marathon mar- 
schirend>, erschienen auf den Höhen, die Ton Athen aus die 
Ebene am Meer einschliessen , und Hessen durch die Besetzung 
derselben die sich ausschiffenden Perser ungewiss über ihre 
Stärke. Ihr befestigtes Lager vor Marathon aufschlagend , such- 
ten sie demungeachtet durch eine langgedehnte , durch Verbacke 
gedeckte Linie den Feind zu täuschen, doch am Tage der Schlacht 
selbst zogen sie diese in der Oeffnung vor Marathon (Vranä) zu- 
sammen, und ohne Zweifel (wenn auch Herodot in seinem so 
ausserordentlich kurzen Bericht nichts davon erwähnt) detachii- 
ten sie ein Corps der leichteren, weniger zuverlässigen Truppen, 
die an Zahl wohl den Hoplitä gleich kommen mochten {so,' dass 
sich ihre ganze Macht gewiss auf 15 bis 16000 Mann belief) , zur 
Beobachtung und Beschäftigung des recliten Flügels der Perser, 
in das Thal des heutigen Marathon. Nur durch die sämmtilohen 
Hoplitä selbst aber ward die Hauptmacht formirt, von der das 
Loos der Schlacht abhing, und die mit der Rechten an die Hohen 
von Argolithi ('?) , mit der Linken an die von Kotroni gelehnt, 
aufgestellt wurde. Mit diesen 8000 Mann Schwerbewaffneter 
stürzte sich nun Mjitiades, aus dem Thal von Vrand hervorbre- 
chend, auf den linken Flügel der Perser, wo^sich deren beste 
Truppen, die Mcder, befanden, und wo der Turaulus den Stand- 
punct des EnischeidtmgskBim^fes hinlänglich bezeichnet. Nach 
Aufrollang dieses Flügels der Perser wurden wahrscheinlich aus 
deren Centrum und vom rechten Flügel , ohne eines geschickte- 
ren Manövers fähig zu sein , immer frische Truppen der Perser 
den Siegern gerade entgegengeführt, von denen sogar ein Theil 
augenblicklich den Vortheil gewann, und der Griechen Centrum 
durchbrach. Dies blieb jedoch ohne Resultat, und durch die 
geschickten Bewegungen des griechischen Feldherrn, der seine 
Flügel sogleich zusammenzog und später den so abgeschnittenen 
Theil der Perser ohne Mühe vernichtete, ward die Verwirrung 
und Zersprengung der ganzen feindlichen Macht dadurch nur 
vervollständigt. Der Perser eigene Masse , zuletzt in die grossen 
nördlichen Sümpfe auf ihrem rechten Flügel gedrängt — wobei 
die leichteren (in das Thal des heutigen Marathon detachirten) 
griechischen Truppen nun auch mit thätig waren — ward ihnen 



156 KirchenTater. 

verderblich und eine Herstellopg der Schlacht unmöglich. Den- 
noch scheint die Niederlage der Perser keineswegs vollständig, 
ja der letste Angriff der Griechen auf die Schiffe sogar abgeschla- 
gen worden, und sie gar nicht im Staude gewesen zu sein, die 
Einschiffung weiter zu hindern. — So scheint die Schlacht, den 
vorhandenen Berichten, der Natur der Sache und der Localitat 
ganz angemessen , verlaufen zu sein , ohne der unw^ahrscheinli- 
chen Annahme zu bedürfen, dass die Perser in ihrer ganzen Front 
zugleich angegriffen und in die Sumpfe nach beiden Enden der 
Ebene hingetrieben worden seien , was gleich sehr der Zahl bei. 
der Armeen , wie der Beschaffenheit des Terrains widerspricht.^^ 
. Wir enthalten uns aller weiteren Bemerkungen i'iber diese 
ganz eigenthümiiche, jedoch .wenig ansprechende IlypQthese, 
welche ihren letzten Grund in dem Glauben an die unverhähniss- 
massige Uebermacht des persischen Heeres zu haben scheint. 
Auch das muss dahin gestellt bleiben, in wie weit gerade diese 
Ansicht von Prokesch gethellt wird. Doch ergiebt sich soviel mit 
Bestimmtheit ans der ganzen Mittheilung des Verf. des Bilder- 
saals, dass gegenwärtig Prokesch*8 Voisteilangen von dem. in 
Rede stehenden Gegenstande nicht ganz mehr dieselben , wie im 
Jahre 1825 (denn diesem gehören jene Erinnerungen an , obwohl 
dieselben erst im J. 1836 durch Münch aus Schnelleres Nachlass 
bekannt gemacht wurden), sondern in mehreren wesentlichen 
Puncten modificirt sind. 

A. Wesiermann. 



Biblioiheea pairum ecclesiasticorum latinorum 

selectahä opUmorum librorum fidem edita curante E. G. Gersdorf, 

Lipsiae, snmtibus et typis Bernh. Tanchnitz. iun.. 1839. Erste Ab- 

theilnng: Q. Septimii Teriulliani Opera ad optimorum 

libromm fidem expressa cnrante C F. Leopold. Pars I. Llbri 

j4pologeiicu Pars II. Libri ad rilus et mores 

Christianorum pertinentes. Lips. 1839. 8. (1 Thir. 
8 Gr.) 

^ Dass eine neue Ausgabe der Kirchenvater, besonders der 
lateinischen, in neuer Zeit gewiinscht und dringend empfohlen 
ist, zeigt deutlich, wie gross das Bedurfniss geworden ist, einen 
sicheren und allen Anforderongen philologisclier Griindlichkeit 
entsprechenden Text zn gewinnen, von dessen Basis ans allein 
eine befriedigende Erklärung zu ervfarten ist. Vielfach ist ver- 
sacht, diesem Bedörfniss abzuhelfen, und in Frankreich ist ein 
so glänzend literarisches Unternehmen an den Tag getreten , das 
unsere Anerkennung verdient, wenn es auch nicht viel mehr an- 
ders als mit dem Namen einer buchhandlerischcn Speculation 
bezeichnet werden kann. Ich meine die in der Officm der Ge- 



• I 

Gersdorf: Bibliotheca patrum eccies. lat. 157 

bruder Ganme begonnene Sammlang; der KirchenTÜter, von denen 
mir freilich nur die Ausgabe des Augustin n2her bekannt gewor- 
den ist, und Ton welcher ich den Lesern dieser BUtfer recht 
bald eine ausführlichere Benrtheihing mitsutheilen gedenke. Ob 
mm in der Ausgabe der gesammten KircheuTäter, die, wie öifent- 
liehe Butter aussprachen, In Rom unter des heiligen Vaters 
Schutz erscheinen soll, und deren Ausführung als nahe bevorste- 
hend bezeichnet wird, das Wirklich geleistet wird, müsien wir 
erst erwarten ,- obgleich unermessliche Kräfte und ein fast über- 
menschlicher Fleiss und gleiche Ausdauer erforderlich ist, um 
das Torgesteckte Ziel nur in seinen Hauptpuncten zu erreichen. 
So lange dies nicht geschehen ist , müssen wir jede Erscheinung 
freudig begrüssen, die auch in Deutschland in das kirchliche Le- 
ben einzugreifen, und mit einem besseren, genaueren Texte auch 
eine gründlichere, schärfere Exegese den schiefen, ungenauen 
und imaginären Interpretationen gegenüber herbeizuführen beab- 
sichtigt. 

Hr. Obcrbibliothekar Gersdorf in Leipzig hat das Unterneh- 
men zu Stande gebracht , ausgewählte lateinische Kirchenvater in 
möglichst treuem Urtext und Angabe der Torzüglichsten Lesarten 
unter demselben , in gefälliger Form und Ausstattung dem Publi- 
cum zugänglich zu machen, und somit sind denn bereits des Cj- 
prlan epistolae und tractatus in 2 Bänden , 2 Bände des Tertullian 
und der Anfang des Ambrosius erschienen, von denen ich nach 
und nach eine etwas ausführliche Kritik zu geben mir vorgenom- 
men habe. 

Ich beginne zunächst mit dem Tertullian, dem unter allen 
lateinischen Kirchenvätern wichtigsten , aber leider auch am mei- 
sten vernachlässigten Schriftsteller. Es ist hier nicht meine Auf- 
gabe, auf seine Bedeutsamkeit als Kirchenvater hinzuweisen, die 
Id seiner ganzen Grösse in neuester Zeit von dem hochberüii raten 
Kirchenhistoriker Neander so trefflich und tief wissenschaftlich 
entwickelt worden ist, man erlaube mir nur. Weniges über seiiie 
Wichtigkeit als Lateiner anzuführen. Tertullian gehört zu der 
Schule der Afrikaner, der wichtigste und reichste Erscheiner in 
der sinkenden Kaiserzeit, in welcher sich allein noch ein strenges 
wissenschaftliches Leben und eine auf wissenschaftlicher Basis 
stehende Sprachentwickelung beurkundet. Wie wenig die Wich- 
tigkeit derselben begriffen ist, zeigen die verschiedensten, 
schnurstracks einander entgegenlaufenden Urtheile, die selbst im 
Schoosse der Wissenschaft so lange gehegt und gepflegt sind. 
Möchten sie die Einen fast vergöttern, und können sie nicht 
Worte genug finden , um ihr Lob zu verkünden , ziehen sie die 
Andern bis zur tiefsten Niedrigkeit herab , ja gehen in ihrer Ver- 
blendung so weit, sie mit der Zelt des Classicismus zu verglei- 
chen, und in echt schulmeisterlich pedantischer Welse jeden 
Ausdruck zu verwerfen, den nicht Cicero und seine Zeitgenossen 



158 Kirchenvater. 

belegen, und so ein Verdaniniiingsurtlieil ausziisprecheii, das 
relcliiiche Fruchte getragea hat zu eigenem Verderben. Sie 
vergassen aber den Buchstaben den Geiste der in den I^leisten 
weht 9 die Lebendigkeit und Kraft, die Fülie und den fast iiber- 
schwengiichen Reichthuni der Diction, der unter dem Namen 
afrikanischer Schwiilstigkeit so lieriicbtigt geworden ist ; sie Ter- 
gassen, dass in ihrer Mitte sich allein noch das wissenschaftliche 
Leben der sonst so dürren Zeit fortbewegt,, und dass ohne sie 
eine fiihibare, kaum auszufüllende Lücke in der Entwickelung 
der lateinischen Literatur sich zeigen würde« Ich gestehe zu, 
dass man auch hier wieder scheiden muss. Wer freilich einen 
* Apuleius, Tertullian, Cyprian zusammenhält mit einem Arnobiu€i, 
Martian. Capella und Aliuue. Felix, wird den gewaltigen Abstand 
hfklA fühlen, der in dieser Schule sich findet In den Einen fri- 
Bches, kräftiges bewusstes Leben , in den Andern todte bewusst- 
lose Form der Nachahmung, die bei den oft dürren und magern 
Apologieen,v wie des Arnobius und Minucius, bei der scholastisch 
trockenen Behandlung eines schon unerfreulichen Gegenstandes, 
wenigstens in der Hand des Martianus, ziemlich ungenicssbar 
werden. Aber soll man darum Alle verdamm^i, und vor ihrer 
Leetüre den Philologen gleichsam wie vor einem Popanz warnen? 
Doch verkennen wir auf der andern Seite auch nicht, wie nicht 
diese Schriftsteller aliein , sondern ihre Erklärer auch die Meisten 
um den Geschmack an ihrer Leetüre gebracht haben. Darum 
haben die Afrikaner^ wie fast keine Zeit der lateinischen Lite- 
ratur, ein eigen thümliches, ganz einzig dastehendes Schicksal 
gehabt* Nur zwei Namen strahlen unter dem ganzen Schwärme 
der Interpreten hervor , die Bedeutendes geleistet haben, ich 
meine Oudendorp zum Apuleius und Salmasius zum Tertullian de 
Pallio. Ersterm muss jede gerechte Kritik ein unbedingtes Lob 
zuertheilen, und diese Ausgabe als die bedeutendste aller seiner 
Arbeiten bezeichnen. Seit Jahren mit einer neuen Ausgabe des 
Apuleius beschäftigt, habe ich je länger je mehr den Ernst und 
die Tüchtigkeit der Studien des Oud., seine besonnene Kritik, 
fi^ine tiefe Gelehrsamkeit achten und bewundern lernen, was man 
freilich nicht immer von Salmasius Arbeit sagen kann. Sie kommt 
mir stets wie ein zierlich aufgeputzter Pronktiscli vor, in welchem 
die herrlichsten Sachen zur Freude des Schauers aufgestellt sind, 
und auf denen das Auge lange und gern verweilt, aber doch end- 
lich ganz ermüdet« Salmasius ist mit seinem Tertullian zu ge- 
waltsam verfahren, und ich weiss nicht, ob ich es ein Glück oder 
Unglück nennen soll, dass er sich nicht weiter in dieser Latinität 
versucht hat. Man muss über sein kaum glaubliches Wissen 
erstaimen, und die Kühnheit seiner Conjecturen bewundern, aber 
ich glaube kaum , dass unter den Hunderten sich ein Zehntel fin-- 
det, bei denen man zur Zustimmung nur versucht ist. Der eine 
Gedanke hat ihm so viel für die Kritik des Schriftstellers ge- 



Gersdorf: Bibliotheca patrum eccles. lat. 159 

schadet, als wenn Tertnllian Alles und Jedes habe sagen können 
und müssen, das sich jenes überaus glänzendem Scharfsinne dar- 
bot. Daher ist in seiner Erklärung zu de Pallio ein tiefer, reicher 
und bisher noch niclit gehörig ausgebeuteter Schatz Ton Gelehr- 
samkeit und gründlichstem Wissen niedergelegt, aber für Ter- 
tnllian ist wenig , sehr wenig gewonnen, und wer nach Salmasiua 
den Text für dieses Buch constituiren wollte, würde wohl eher 
Alles , als einen Tertnllian geben. Doch ist dieser Irrthum ein 
so glücklicher, dass es unersetzlich wäre, wenn Salmasius in ihm 
nicht befangen gewesen wäre. So geistreich , so überaus geist- 
reich konnte freilich auch nur ein Salmasius irren. Das hat auch 
Hr. Leopold in seiner neuen Ausgabe Tollkommen erkannt, weil 
er in den bedeutendsten Stellen Ton Salmasius abgewichen ist. 
Damit sind aber auch die Namen der guten Erklärer erschöpft, 
die übrigen haben nur literarisch noch ein gewisses Interesse. 
Besonders sind es noch Elmenhorst, Woweranus, Lindenbrog, 
Stewechius, die sich mit der kirchlichen Literatur beschäftigt 
haben ; von Kritik ist bei allen diesen Erklärern wenig oder gar 
nicht die Rede, die Meisten liefern ein ungeordnetes und gross- 
tenthcils unbrauchbares Aggregat Ton Parallelstellen , die in die- 
sem Felde zusammenzubringen eine sehr geringe Mühe erfordert,^ 
da sidi besonders die Apologeten ergänzen und in ihren Beweis« 
gründen ziemlicli übereinstimmen, da ja die Anklagen, gegen 
welche sie die geistigen Waffen kehren, dieselben sind. Aus 
ihnen wird ein neuer Erklärer und Herausgeber nichts Neues 
holen können. In neuerer Zeit ist dieser Literaturzweig gänzlich 
unbebaut geblieben , wenn man die Ausgabe des Lactantius von 
Bünemann und des Arnobius tou Job. Casp. Orelli abrechnet. Die 
erste kann branchbar genannt werden, da sie neben manchen 
Sammlangen lexikalischer und antiquarischer Art auch Tiele piie 
grammatische Bemerkungen giebt, die für diese Schriftsteller 
wichtig sindy wenn gleich Lactantius der afrikanischen Schule 
ganz und gar fcjn liegt. Für Kritik ist freilich wenig, sehr weni^ 
gethan, sie entbehrt hier der Schärfe, Umsicht, Gründlichkeit 
und Durchführung. Könnte man nur wenigstens das Erstere von 
der andern Ausgabe des Arnobiusr sagen. Es ist wohl selten ein 
Schriftsteller durch einen Heraasgeber so wenig gefördert, als 
Arnobius durch Orelli. 'W^ar es doch nach solchen Vorgängern so 
leicht , etwas Befriedigendes zu leisten , da der pia desideria in 
diesem Schriftsteller so unendlich Tiele sind. Hat si$h doch 
Orelli nicht einmal die Miihe genommen, den einzigen Cod. Reg. 
noch einmal durchgreifend zu vergleichen , daher man überall 
auf Unrichtigkeiten und Fehler, im Texte stösst, von denen der 
Herausgeber freilich viele nicht geahndet hat. Eigene Combi- 
nationsgabe, gesunde Kritik und vor Allem scharfe Beobachtung 
und Kenutniss des afrikanischen Sprachidioms geht ihm ganz und 
gar ab , und man sieht dem Werke den kriegerischen Tumult imd 



160 Kirchenväter. 

die merkwürdigen Fata an, die es durchlebt hat, ehe es toii 
Wanderung zu Wanderung in den ruhigen Hafen des Bochhandcls 
eingelaufen ist. Selbst die nicht unbedeutenden Addenda erse- 
tzen iliese ungeheuren Mängel nicht. Hier muss sich jeder Le- 
ser meistens selbst seinen Text erst constituiren, wenn er durch- 
kommen will, und wir fragen, wer hat wohl immer Lust, Zeit 
und Geschick dazu, wenn er nicht gerade. in diese Leetüre ein- 
geweiht ist. Ebenso sind die grammatischen Bemerkungen selten 
eigene, und entweder durch Citate fremder Interpreten oder Ob- 
versalionen der betreffenden Erklärer herbeigeführt. Dasselbe 
ungünstige Schicksal liesse sich auch für die übrigen Afrikaner 
durchfuhren, die es wahrlich ihrem inneren Werthe nach nicht 
verdienen, dass sie so stiefmütterlich behandelt sind. Ich will 
unter andern nur noch an den Cyprian erinnern, der fast ganz 
isolirt dasteht und nur unbedeutende Erklärer gefunden hat. 

Nachdem ich so im Allgemeinen den Standpunkt angedeutet 
habe, auf welchem die Kritik und Exegese der Afrikaner steht, 
sei es mir nun erlaubt, zu dem Tertalllan überzugehen und hier 
im Besonderen zu zeigen, was bisher erreicht ist und was uns 
noch zu wünschen übrig bleibt. Hieraus wird sich dann von 
selbst ergeben, wie weit Hr. Leopold das ihm Torgestcckte Ziel 
erreicht hat oder hat erreichen können. Als bedeutendste Aus> 
gäbe ist. bisher immer die lligaltsche zu nennen , die unstreitig 
die meisten Verdienste um die Sichtung des Tertulilaiiischen 
Textes hat, und daneben in bequemer Form die hauptsächlichsten 
Bemerkungen der früheren Autoren nebst den eigenen gicbt. Am 
besten erscheint dies Material vereinigt in der Ausgabe Lutetiae 
Parisiorum 1685. in FoH, die von einem Vereine Buchhändler 
ausgehend nach der 8. Ausgabe des Rigalt bearbeitet ist, und 
die allen späteren Texten zur Grundlage dient. Sie hat viele 
neue und treffliche Lesarten, besonders durch den Codex Ago- 
bard, der sich auf der königl. Bibliothek zu Paris befindet. 
Rigalt hat viele Codd. verglichen , und wie aus einer genauen Be- 
obachtung leicht erhellt, auch meistentheils gute, aber seine 
Collationen sind im Geschmacke und Geltste der damaligen Zeit 
angefertigt, d. h. sie sind oberflächlich und particulär^ oft Gutes 
neben Schlechtem bietend, mit geringer Auswahl bunt durch ein- 
ander gestellt, oft an Stellen, wo die Verbesserung leicht ist, 
weit ausschweifend, an bedeutenden wichtigen schweigend, iligalt 
scheint mir, abgesehen von seinen Bemerkungen, die selten für 
den Geist des Scliriftstellers charakteristisch sind , und ihn durch 
sich selbst erklären , noch seltenere Lesarten aus ihm viudiciren, 
zu wenig mit dem Tertullian vertraut gewesen zu sein, sonst 
hätte er wohl gewusst, an welchen Stellen seine Schriften beson- 
ders verderbt sind, und deshalb ist man «o oft von den Mss, ver- 
lassen, wo offenbare Verderbniss sich zeigt oder genaue Beobach- 
tung lehrt, dass hier ein Fehler sich eii^eschlicheu habe. Uebrlgeus- 



Giersdorf: Bibliotheca patrnm eccles. lat. 161 

enthalt diese Ausübe die Schrift adversiis Natjones , die so sehr 
Terstnmnielt auf uns gekomnien ist und Kinn ersten Male von Jac« 
Godefred ans dem Cod. Agobard. herausgegeben wurde» Ferner 
inuss ich frei bekennen, subjectiv überzeugt zu sein, das« auch 
selbst an den Stellen , wo Ton Rigalt neue Lesarten der Codd. 
beigebracht werden, er nicht immer mit der geiiörigen 6enanig-> 
keit verfahren ist, und wenn demnach auch diese . Aasgabe die 
wesentlichsten Vorzüge Ton der übrigen liat , so ist doch noch so 
viel in ihr mangelhaft und ungenau , dass sie nur den geringeren 
Ansprüchen an die Kritik in heutiger Zeit entspricht. Mau mnss 
sich natöriich nicht durch solche pomphafte Ankündigungen bei 
der series Tertulliani opernm täuschen lassen, v^enn es z. B. heisst, 
dass die Schrift Apologeticus ducenties quinquagies ex codicibu9 
clarissimorum et doctissimorum Claudii Pnteani et Petri Pithoei 
aed maxime Fuldensi verbessert worden sei; so de spectaculis 
lOSmal, de Idolatria 130, und de Pallio: emendatur omnibns 
fere lineis;, de anima 140. Nach einer durchschnittlichen Berech« 
nnng würde diese Ausgabe mit Ausnahme der Schriften, wo es 
fast auf jeder Linie geschehen sein soll, ziemlich IQOOmal verbea»» 
sert sein , ein Glück , das wohl keinem Schriftsteller selbst von 
diesem Umfange zu Theil geworden ist. Ich habe mir die Mühe 
genommen, ein Bach, den Apologeticus, mit den früheren Aus- 
gaben vom Jahre 1539 und 1550 zu vergleichen , und musa ge- 
stehen, dass ich hier nicht, wie es heisst, 250 Emendationen 
gefunden habe, sondern kaum' 50 — 60, die wirklich abweichende 
Lesarten darboten , bei denen es aber, wenn auch nur zum Theil, 
zweifelhaft ist, ob sie. wirklich die richtigen und haltbaren sind« 
Ich vermuthe also, dass diese Summe nach der editio princepa 
vom Jahre 1521 angeschlagen ist, die sehr incorrect sein soll 
(selbst zu vergleichen ist bis jetzt mir nicht möglich gewesen), 
und hierbei alle, auch die offenbarsten typographischen Fehler in 
Rechnung gebracht sind. Doch muss ich gleich von vorn herein 
zugestehen, dass ich diese Vergleichung njjcht weiter angestellt 
habe, weil sie mir höchst unnütz für die ^rl meiner jetzigen Be* 
schäftigung mit Tertullian zu sein schien, und dass ich nun in 
Rücksicht auf dieses so ungünstige Resultat den Schiuss gezogen 
habe , bei den übrigen werde es nicht besser sein. 

Nach Rigalt ist als Gcsammtausgabe die von Scmler zu nen- 
nen, Halle 1769 — 76. 6 Bände in 8. Semlers Absicht bei Her- 
ansgabe des Tertullian war, der studirenden Jugend eine bequeme 
und wohlfeile Edition in die Hände zu geben , und dadurch das 
Studium der Kirchenväter zu wecken und zu fördern« Neues hat 
er nicht gegeben, die Yergleichungen der früheren Ausgaben 
der editio princeps, der Rhenan« vom J. 1566, der Franecker. 
vom J. 1597, der Pariser vom J. 1634, der Observationes des 
Latinus Latinius. Rom 1677, und des Wou wer. Frankfurt 1603, 
die im 1. Buche adversus Marcionem von ihm, in den übrigen 

/V. Jahrb. f. PhU, u. Päd, od, Krit, Bibl, Bd, XXXVI. BfU % H 



162 ' Kirchenrater. 

r 

TOD Gerb« Arn. Sjbd besorgt sind« moeliten wobi das einzig^e 
Verdienst sein. Vom 2. Bande an, welcher die polemistbeu 
Schriften enthalt, hat der selige Schütz die Vergleichung über- 
nommen, freilich nicht mit der Genauigkeit, %vie sie in den Bu- 
chern adversus Marcionem sich findet; der 3. Band ist noch von 
Semler mit Schutzes Unterstützung erschienen; der 4. Band ist 
blos Ton Schütz besorgt; die Varianten werden hier seltener, der 
Text hält sich meistens an Rhenau., nur wo dieser im Stiche lasst, 
scliliesst er sich an Pamelius an; die Schrift de oratione, früher 
Terstümmelt , erscheintiiier nach Muratori, der aus einem Codex 
Ambrosianus in den Anecdotis Vieles ergänzt liatte , in einer ge- 
wissen Vollständigkeit. Der 5. Band, ebenfalls von Schütz be- 
sorgt, enthält de Paliio, adversus Nationes und den Apologeticus 
nebst den dissertationes Tertullianae ; der letzte endlich einen 
nicht allzuTollständigen Index locorum scripturae ab auctore exci- 
tatorum, altero renim et opinionum Tertulliani, tertio autem ver- 
borum et latinitatis. Um nun über den kritischen Werth dieser 
neuen Ausgabe mein Urtheil zu fällen , so ist hier mit einer Will- 
kürlichkeit bei der Auswahl der verschiedenen Lesarten verfah- 
ren, die für die von Schütz gerühmte eximia Semleri äxglßBia 
ac diligentia ein nicht zu günstiges Urtheil abgiebt , und Schütz 
hat sich , wie er versprach , in dieser treu an seinen Vorgänger 
gehalten« Man sieht dem Buche die Eilfertigkeit, ja man möchte 
sagen, den Ueberdruss an, mit welchem beide Gelehrte ander 
Ausgabe gearbeitet haben. Nirgends ist eine durchgreifende 
Kritik zu erkennen, wenigstens eine nach sichern Regeln und 
streng nach Grammatik und Kenntniss der afrikanischen Latinität 
gehandhabte; nach eigenem Gutdünken wird bald dies, bald jenes 
vorgezogen, und was nun aber das Misslichstc ist, man erfährt 
diie Gründe nicht, nach welchen die Herausgeber verfahren sind. 
Anffallend ist ferner, dass so viele Fehler geradezu unverbessert 
geblieben sind , die bei gehöriger Aufmerl^amkeit und strengem 
Studium leicht hätten vermieden werden können. Freilich ge- 
hört zum Studium des Tertulllan keine geringe Aufopferung sei- 
ner selbst und ein oftmaliges, ganz genaues und oft saures Durch- 
arbeiten. Daran ist nun bei dieser Ausgabe nicht zu denken, 
man sieht ihr die Bequemlichkeit überall an, und nicht ein eigent- 
licher Beruf führte die Herausgeber zu dieser Arbeit, sondern 
vielleicht der blosse Zufall oder äussere Veranlassung. Somit 
ist denn durch diese Ausgabe für Tertulllan gar nichts gewonnen; 
vielleicht dass sie das Auffinden der Stellen erleichtert, bei emcm 
reicheren Index, als die Pariser Ausgabe bietet. 

Von da an ist bis heute Nichts geschehen , was für den Ter- 
tiillian und seine Bücher kritisch von Bedeutung geworden wäre, 
denn Neanders mit Recht so hoch gepriesener Antignosticus ver- 
folgt einen ganz andern Zweck und beschäftigt sich nur selten mit 
Herstellung verdorbener Stellen. £s ist aus dem Gesagten hin- 



Gersdorf: Bibliotheca patrom eqcles. lat« 163 

ISdglich ersichtlich, wie grosses Bediirfniss es ist, dass eine neue 
Ausgabe der Werke des Tertnilian veranstaltet werde, die freilich 
in ganz anderer Weise geschehen muss , nis bisher. Ich glaube, 
dass folgende Punlcte Torzugsweise zu berücksichtigen sind, sie 
mögen zugleich ein allgemeines Kriterium für die neueste Arbeit 
über Tcrtullian abgehen. Zunächst darf man wohl erwarten, dass 
der Herausgeber nicht nur mit seinem Schriftsteller, sondern 
Torzugsweise mit der Diction der Afrikaner aut das Innigste ver- 
traut ist. Wie Tiel diese Unbekanntschaft; geschadet hat, soll 
nachher durch einige Beispiele belegt werden. Bei der klassi- 
schen Latinität hat man freilich Grund und Boden , man ist hier 
in der Lcxicographie ziemlich so weit gediehen,- dass man das 
Alter der Dictionen , ihren Gebrauch in den Tcrschiedensten Mo« 
dificätionen, und die Wörter selbst nach den verschiedenen Zei- 
ten geschieden hat. Hier ist man eher fertig, sobald es sich 
darum handelt, ob z. B. Cicero das gesagt habe, oder habe sagen 
können; und doch weiss man, wie viele Fehler begangen sind 
und noch begangen werden, wie oft ganze früher feststehende 
Regeln mit einem Schlage vernichtet, und andere vindicirt siad, 
die man früher aus den Reihen der gutlateinischen ausgestossen 
hatte» Hier haben allgemeine wie specielle Lexica, die bis in 
das Einzelnste hin den Sprachgebranch verfolgen, viel, sehr viel 
geleistet, der Unterricht in der. Schule, die Beschäftigung mit 
den besten Schriftstellern , auf die jeder Philolog eingehen muss, 
sie legen einen so sichern Grund und geben einen so sichern 
Tact, dass man leicht anstösst , wo Ungehöriges sich findet, und 
Fehler selbst in den verborgensten Schlupfwinkeln bemerkt. 
Nehmen wir nun endlich hinzu, was durch tüchtige, fleissige 
Erklärer in diesen Schriftstellern der klassischen Zelt seit Jahr- 
hunderten geschehen , so werden wir einsehen , dass sich hierauf 
ein neuer Herausgeber weniger einzulassen hat, er findet eiAen 
ofienen, gebahnten, ja oft bereits vollständig geebneten Wegp, 
auf dem er ruhig fortschreiten kann und den er nur hier und da 
an schadhaften Stellen auszubessern braucht. Wie ganz anders 
erscheint dies bei den Schriftstellern der späteren Zeit. Daher 
weil sie im öffentlichen Gebrauche mehr und mehr zurücktreten, 
sind sie viel seltener bearbeitet, wozu denn noch kommt, dass 
bei vielen derselben die l^Jss. nicht allzureichlich vorhanden 
^ind , oder mit unendlicher Mühe herbeigeschaS't werden können, 
dass sie nur für einen beschränkteren Theil von Philologen selbst 
Interesse haben, und daher meistens als eine terra incognita gern 
angestaunt, aber auch als solche gemieden werden. Findet man 
doch Leute , die eine gewisse Gelehrsamkeit' nicht nur suchen, 
sondern auch anerkennen, so wenig bekannte und verlegene 
Schriftsteller als möglich zu citiren für Sachen, wozu bessere 
und gelesenere hinlängliche Belege geben. So wird sicli das 
Stircben bei Elmenhorst finden « die nngclcsensten Schriftsteller 

' 11* 



164 Kirchenvater. 

selbst bis in das Mittelalter hineia massenhaft heranzuziehen bei 
Dingen, die in der kiassisdien Latinität gelaafig und ailgemein 
befiannt sind. So wenig nun diese Sucht zu loben ist, eben so 
wenig darf auch das Urtheii derer anerkannt werden , die , wa^ 
nicht von Cicero ist, gleichgültig verachten^ und besonders Schul- 
fnännern die Lectnre derselben verargen. Jedes hat seine Grenze, 
auch Cicero macht satt und überdrüssig, wenn man ausser ihm 
IN ich (s weiter hat. . . 

Gerade dies Vornrtbeil ist es, was unstreitig der Bearbei- 
tung dieser Literatur bis jetzt am meisten hinderlich gewesen ist, 
als wenn durch die Beschäftigung mit so späten und so wenig 
correcten Schriftstellern der Reinheit und dem Geschmacke in 
der eigenen Latinität ein so bedeutender Nachlheil erwüchse, 
dass jeder Philolog,^ besonders aber der Schulmann sich vor 
einer solchen Leetüre zu hüten habe, damit er seinen Schü- 
lern den Cicero rein und lauter erklären und in ihren Arbeiten 
keine unciceronianische Redensart durchlaufen lassen könne. Daher 
nimmt es fast jeden Wander, selbst sonst ganz Torurtheilsfreie 
Leute, wenn sie hören, dass dieser oder jener mit einem solchen 
Afrikaner oder wohl gar endlich mit einem Kirchenvater sich 
beschäftige , und zweifelnd fragen sie « wie mag der Mann darauf 
gekommen sein, gerade einen solchen wenig bekannten, ganz 
späten und so sehr, uncorrecteu Schriftsteller zu bearbeiten. 
Nicht selten werden daher solche Arbeiten , obgleich sie gewiss 
nicht zu den leichten gehören, weil der spatere Erklärer hier! 
nicht so leicht und bequem den friiheren ausbeuten kann , son- 
dern hier jeder auf seinen eigenen Fleisa beschrankt ist, mit Ge- 
ringschätzung betrachtet, und selten sogar das Verdienstliche an- 
erkannt, diese Schriftsteller in den Kreis der Studien eingeführt 
SU haben. Doch genug hiervon, es könnte scheinen , als wollte 
ich meinen eigenen Studien eine Apologie halten , imd als seien 
mir alle diese äusseren Hindernisse überall in so starrer Form 
entgegengetreten. Ist dies auch nicht selten geschehen, bin ich 
doch auch wieder durch andere Urtheile erfreut und entschädigt, 
weiter fortzufahren auf dem betretenen Wege. 

Neben diesem Yorurtheile ist ein zweites Hinderniss, das 
aber ganz genau mit dem ersten zusammenhängt, dass nämlich 
die Mss. in so geringer Anzahl vorhanden sind, und auch nur mit 
Tieler Miilie herbeigeschaift werden können. Der einzige Augu- 
stin, welcher im Mittelalter am flcissigsten unter allen Kirchen-. 
Tätern gelesen wurde, ist in unendlich vielen Mss. vorhanden, 
aber auch diese sind bisher so wenig oder so oberflächlich be- 
nutzt, dass sehr zu bezweifeln steht, ob der Text des Augustin 
ein wirklich emendirter zu nennen ist, wie es der Herausgeber 
desselben in der Collcctio Patrum der Gebrüder Gaume gethan 
hat« Ich hoffe dies zu einer andern Zeit zu erweisen. Selbst 
der Apuleius, der noch zu den gelesensten Afrikanern gehörte. 



Gersdorf: BibUotheca patrum eedcs. iat. lüj 

• 

\reil besonJIers sein goldener Esel das Interesse fesficUe, nnd 
(furch seinen Inhalt {bedeutend anzogt ist In Terhältnissmassig we- 
nigen Mss. vorhanden, und die Torhandeuen sind nui in einer 
geringen Anzahl durchgreifend nnd genau verglichen , obschon 
diesem Uebelstande durch die wirklich gliickiiche und seltene 
Erscheinung abgeholfen wlrd^ dass die' bisher vergKchehen ; be- 
sonders der Floreiit. 3^, der mir zu Gebote stand , zu den besten 
nnd genauesten gehören, und diese sich gegenseitig ergäi^zen. 
Doch lasst sich dies nur von einigen Schriften, nicht von dem 
ganzen Buche sagen, von denen z. B. de dogmate Platonts, de 
Mundo, de deo Socratis noch einer ganz ungewöhnlichen Nach- 
hülfe bedürfen. Bei Cyprian fliessen die Mss« nur In den Ej)i- 
stela reichlich , besonders In Paris, dfe iibrigen Schriften sind 
bur vereinzelt da, und sehen in etTtem Codex beisammen zu finden; 
nicht besser Ist es mit Minucius Felis ^ schlimmer beim ^»o- 
biu8 ^ der nur in einem Pariser Codex sieh findet, wenn nicht, 
wie die Sage geht, in Petersburg wirklich noch ein anderer vor- 
handen ist. Gleiches Loos hat den Firmicus und auch die übri- 
gen Afrikaner, wie Fronte u. s. w. , getroffen,, und das möchte 
wohl zunächst auch ein Grund sein, warum so Wenige sich an 
die Bearbeitung dieser Schriftsteller herangewagt haben. Fragen 
wir nun nach den Gründen , welche diese Vernachlissigung der 
Afrikaner selbst schon in früherer Zelt herbeigeführt haben , so 
mögen sie theils in den Verhältnissen der Zelt, theils aber iti 
ihnen selbst zu suchen sein* Betrachten wir zuerst nun die Ver- 
hältnisse der Zelt ,. so war zunächst für die Abschreiber von Pro- 
fession keine Veranlassung gegeben, solche Autoren, wie Arno- 
bius, Cyprian, Minucius Felix u.s»w«, viel abznsehreiben, well 
sie für die kirchlichen Zustande von geringer Bedeutsamkeit wa-^ 
ren;. sie behandeln wenig Dogmatik und konnten daher auch we- 
rtig, einige wohl gar nicht zur weiteren AusblMung und Entwi- 
ekelnng der christlichen^ oder ich wHI lieber sagen kirehlicheu 
Lehre beitragen ; meistens übernahmen sie nur die Vertheldigung 
des Christenthums gegen die Angriffe der Heiden , und ergehen 
t^ich in polemisch - exegetischer Weise wortreich, gelehrt nnd un- 
gelehrt, je nach dem Standpunkte der Autoreh, in Eiitgegnungeii 
gegen Anschuldigungen, die für die Zeit, «aus welcher unsere 
Codices stammen, aus begreiflichen Gründen ganz werthlos sind, 
und deren Unhaitbarkeit man zu ^maliger Zeit nicht mehr be- 
zweifelte. Weil dergleichen Apologien also gar nicht mehr zeit- 
gemäss waren , so befassten sich auch die Abschreiber nicht mit 
Vervielfältigung von Exemplaren, und das ist meiner Ansicht 
nach ein Hauptgrund, um die geVinge Menge der Codd. für die 
lateinischen Kirchenvater zu erklären. Der zweite Gnind liegt In 
den Autoren selbst, und dies scheint mir besonders auf den Ter- 
tulllan seine Anwendung zuhaben. Dass- nämlich Tertuliian uii- 
eudlich wichtig ist Tür Kirchenhistorie und Dogmatik, ist so allge« 



166 Rirchenrater. 

mem bekannt, daee es unnütz wäre, diese Bedeutsamkeit auch 
nur in ihren wichtigsten Erscheinungen zu analysiren. Es könnte 
daher wunderbar erscheinen , warum er so wenig abgeschrieben 
sei , wenn nicht seine Eigenthümiichkeit hierbei zu bcriicksichti^ 
gen wäre , welche freilich die Abschreiber nicht einladen konnte, 
sich mit ihm zu befassen. Es ist die Dunkelheit seines Ausdrucks, 
die schwierige, seltsame, nicht selten unTerständliche Sprache, 
die eigenlhümliche Ideenverbindung, mit einem Worte Alles das, 
was man diesem Autor von jeher zum Vorwurfe gemacht hat. 
Ich halte diesen Grund für bedeutsam, da ich der Ansicht derer 
nicht beitreten kann , welche die alten Abschreiber ganz planlos, 
dem reinen Zufalle preisgegeben, an die verschiedenen Autoren 
gehen lassen, was mir besonders nicht gefallen will bei chrtstli" 
chen Abschreibern in Bezug auf christliche Schriftsteller. So 
erkläre ich es mir z. B., warum gerade vom Apologeticns , der, 
obgleich der Erklärung nach so unendlich schwierig, well er die 
entlegenste Erudition enthält, doch der Sprache nach am ver* 
ständlichsten ist, eine grössere Anzahl von Codd. sich findet« 
Ans gleichem Grunde kann ich auch eine Ansicht nie zurückdrän- 
gen, die sich mir stets beim Lesen des Tertullian aufgedrängt 
hat, und die auch Hr. Oberconsistorialrath Neander, unstreiiig 
einer der tiefsten Kenner des Tertullian, ausgesprochen hat, 
dass nämlich im Tertullian eine Menge von Interpolationen uud 
Glossemen sich finden, die ich nicht wie bei andern Schriftstel« 
lern daher erklären möchte, dass dieser SchriftstellcF so sehr 
viel gelesen wurde, sondern weil seine schwerfällige dunkle 
Biction und die ganz seltsame Darstellung der tiefsten und sublim- 
sten Gedanken leicht in die Versuchung führte, sie in andere, 
verständlichere Weise überzutragen. Wie weit sich ijbrigcns 
dieses Vorurtheil , besser wenigstens kann ich es noch nicht von 
meinet' Seite benennen, sich bestätigt, das wird natürlich von 
der Verglelchung der Codd. abhängen, besonders vom Agobard«, 
der den ersten Rang einzunehmen scheint«- Das früher Gesagte 
würde dann auich leicl\t erklären, warum Augustin, der für die 
Entwickclung der kirchlichen Lehre am wichtigsten geworden ist, 
dessen Diction leicht, fliessend und allgemein verständlich ist, in 
einer so grossen Menge von Codd., wie fast kein anderer Schrift- 
steller , sich vorfindet. 

Diese Auseinandersetzung, die nur in den allgemeinsten Zü- 
gen hier angeführt werden konnte, führt mich noth wendig darauf, 
die Codd. näher zu bezeichnen , durch welche eine neue Gestal- 
tung des Testes für Tertullian geholBft werden kann. Früher 
wurden besonders 2 Bibliotheken als besonders reich an Mss. des 
Tertullian bezeichnet, nämlich die zu Paris und zu Leyden,- letz- 
tere besonders nach Notizen von Valkenaer. Als ich vor länge- 
rer Zeit den Entschluss zu einer neuen Ausgabe dieses Kirchen- 
vaters fasste^ schrieb ich an Ilrn. Bibliothekar Prof. Geel zu 



Gersdorf : Bibliotheca patmm eccles. lat. 167 

Leyden, mir die Zahl nnd den Wcrth der Mss. naher sn hezcich« 
tien, welche auf der Lejdencr Bibliothek tom Teriiillian sich 
Torfönden ; allein der Erfolg entsprach meinen Erwartungen nicht 
im Geringsten, Sie sind folgende : » 

1) Ms. Blbl. Publ. Nro. 2. 

Codex splendidus, maxima forma, pulcherrfme acriptus 

See. XV. in membrana foliis 315. 

Cöntinet pleraque TertuUiani scripta. In lihris adrersus 
AI arcionem deficit a libro inde III. c. 17. post Terba : nani 
st tempestivuß de core usque a4 IV. c« 5. in hoc a Paulo 
Corinthi hauserint, 

Contulit Apologeticum Havercamp. cnius vid. pracf. p. 4. t!« 

detnr esse über optimae notae. 

2) Ms. Voss. Quart o. 86. 

In quo codice IX. secuK iitsunt tum Autorea Apostolici alia- 
que tum TertuUiani versus de Ineendiö Sodomae et de 
Jona. 
S) Ms; Lib. Voss. Quarto. 108. 

Cod. roemhr. Xll. seculi optime acriptus. Inaunt Caaalodorl 
Über de anima aliaque et 

TertuUiani Apologeticus ^ hie illic correctua et glossatus. 
Contulit HaTercamp. cuins Tid. praef. p. 6. 
4) Ms. Voss. Graev. Octavo. 15. 

In hoc libro insunt mutta ab Isaco Vossio collecta et eius 
manu scripta. In quibus Carmen de Jona haud dnbie ex 
ipsius codice 86. descriptum. 
TertuUiani edit Frank. 1597, in cuiua margine Scaliger notarit 

aliquot lectionis Tarietates ex nescio quo codice. 
Eiusd. edit. Antwerp. 1584. Cum paucis annotatt in margine 

scriptis a nescio quo tiro docto. 
Eiusd. über de Pallio 1622. Panlula in margine textns notarunt 

Ondendorp. et vir doctus mihi incognitus. . 
Eiusd. idem über Paris 1622. Cui uno loco in margine adnota- 

vit Is. Voss. 
Eiiisd. liber ad Nationes. Ed. Gener. 1625. In cuius margine 

adscripta est varietas lectionis e cod. quodam Salmasii. 
Eiusd. Opera ed. Par. 1566. 8. Cui p^rpauca adscripsit J. F. 
GronoT. 

Dies sind die Codd. und sonstigen Hiilfsmiltel, welche die 
Leydner Bibliothek nach der gefäüigen Mittheilung des Hrn. Prof. 
Geel enthält^ und Tielleicht mit Ausnahme des ersten Codex lässt 
sich Ton hier aus wenig lli'ilfe für den Tertuilian erwarten. Vielleicht 
enthält auch Paris nocli Manches, was bisher entweder gar nicht 
gekannt oder nur oberflächlich benutzt ist. Selbst schon der eine 
cod. Agobard., der bisher so wenig verglichen ist, und gewiss unter 
die besten codd. des Tertuilian zu rechnen ist vdie wir überhaupt 
besitzen , diirfte gewiss schon eine reiche Ausbeute versprechen. 



168 Kirchenvater« 

Italien bt, soweit die Notizen gehen, nicht besonders r^chjta 
Mss. für TertuUian, und wenn den bisher gegebenen Coliatibaea 
tvL trauen ist, sind diese nicht so bedeutend, dass auf sie ge- 
stützt, ein künftiger Herausgeber einen neuen Text zti liefern 
hoffen dürfte. So bliebe denn vorzugsweise noch die Paris. Biblio- 
thek übrig, von deren Mss. wenn irgend jemals eine Umgestaltung 
des Tertulliah erwartet werden dürfte (wie z. B. die Bibliothek 
de S. Genevi&ve zu Paris, cf. Hänel p. 285.). Ausserdem hat die 
Bibliothek zu Montpellier einen cod. des Tertulliau aus dem XI. 
See. (cf. Hinel. Catalog. Libror. Mss. etc. p. 245.: ,JI. 54. Ter- 
tuUiani opera. saec. X. membr. fol. (cod. P. Pithoei. Ex libr. Orat. 
Coli. Trecensis^^), der gewiss schon wegen seines Alters einer 
Ansicht verdient; einen bisher unvergfichenen Cod. hat auch 
Schiettstadt (cf. Hänel 1. c. p. 438.). in Deutschland scheint ausser 
einem cod. Apologeticus, der, wenn ich nicht irre, in Gotha sich 
l&cfindet, nur in Wien noch n e u e Ausbeute für unsere Kirchen- 
väter zu erwarten sein. Die kaiserliche Bibliothek besitzt 3 wie 
es scheint noch nicht verglichene codd» cf. Endlicher Catalog. 

4194 
todd. phil. lat. BiM. Palat. Find. p. 180.; ^* CCLXXXIL 

Codes manuscriptus chartaceus aaeeul, XF, eseuntis^ foliorutn 
VIII. et 230. in quarto. Enthält : de lona Carmen^ de Carne 
Christi; de Resurrectione Carnis; de Corona; ad Martyres; 
de Poeniteniia; de Virginibus velandis ; de Cullu Feminarum; 
ad Uxorem; de Fuga in Persecutione ; ad Scapulam; de Ex^ 
hortaiione Caatitatis ; de Monogamia; dePallio; de Patienlia 
JDei^ ad versus Prasean; advers us Valeniinianos ^ adver mus 
Marcionem 1— -3. Eigenthumlich ist es, dass dieser Codex so wie 
der von Geel zuerst bezeichnete, mit den Worten: ab hominibua 
forma tua. Nam eist tempestivus schliesst. Eine gleichzeitige 
Hand giebt an, dass ungefähr ö Blätter fehlen. Zu Anfang des 
Cod. steht : j^uli lani Parrhasii et amicorum Neapoü in duobua 
voluminibus^ aureis emptus quatuor. Der 2. Codex cf. ibid. p» 183. 

^265 

irr-Q^ CCLXXXIII. Codex manuscriplus membränaceus saeculi 

LI, CO. '^ 

XF. Totus quantus loannis Cuspiniani manu scriptus fol. 188. 
in 4. Er enthält: fol. 1 — 33. Aristeas de LXX. Interpretibus 
ad Philocratem , von fol. 34. bis zu Ende : Tertulliani de Carne 

Q10A 

Christi über; de Resurrectione; der 3. ^^^ CCXCIV. enthält 

von Blatt 179^ — 213. den Apologeticus. Der Cod. stammt aus 
dem 15. Jahrhundert. Diese Codd. genau verglichen werden 
hoffentlich , wenn auch nicht alle , doch den grossten Theil der 
Nachlässigkeiten und Fehler heben, welche sich lieute im Ter- 
tullian vorfinden. Sollte selbst Paris nichts Neues darbieten, was 
sehr zu bezweifeln ist, da nach den oberflächlichsten Angaben der 



/• 



Gersdorf: ßiWiotlieca pairum eccles. lat. 169 

^hlnach melirMss. in den einzelnen Bibliotheken vorhanden sind, 
als verglichen wurden, 80 lässt sich doch annehmen, dass^ine 2, ge- 
nauere Vcrgreichiing viel bedeutendere Resultate gewäliren itiuss, 
da selbst dem flüchtigsten Beobachter in kurzer Zeit sich als un- 
iirnstössliche Gewissheit lierausstellen wird, dass die Parisei- €odd, 
z. B. von Rfgalt bisher ganz flüchtig und partiell verglichen wor- 
den sind. Auf diesen neuen Coilationen muss der neue Text des 
Tertullian basiren. 

Aber nicht durch diese Vergleichung der Codd. allein durfte 
man hoffen, einen bessern und getreuen! Text zu erhalten, sobald 
nicht ein 2. Umstand beobachtet wird, der für den Herausgeber 
besondera des Tertullian von unendlicher Wichtigkeit ist und alle 
seine Kräfte in Anspruch nimmt. Ich meine die Keunlniss des 
afrikanischen Sprachgebrauchs im Allgemeinen und des Tertullian 
im Besondern. Ausser Rigalt wüsste ich bis auf die neuere Zeit 
hin, wo unter Andern Neander sich so ausgezeichnet hat;, keinen 
Herausgeber eines Afrikaners, von dem man sagen konnte, er habe 
eine umfassende und allgemeine Kenntniss der afrikanischen Lati- 
nität besessen. Selbst Ondendorp, der gewiss im Apoleius irnend • 
lieh viel geleistet hat, war auf die Kenntniss seines * Autors be- 
schränkt, und daher so manche Missgriffe und vei^nglückte Con- 
jectiiren, Vertheidigungen von Worten, weiche die afrikanische 
Diction jiie anerkennen konnte, und wiedenim Verwerfungen sol- 
cher, die unter jeder Bedingung sich als echt afrikanische ankün- 
digen, in ihm sich nicht selber finden^ obwohl nicht zu verkennen 
ist, dass Oudendorp einen ziemlich richtigen, höchst seltenen Takt 
und ein feines Gefühl mitbrachte , die Hin vor Verirrungen be* 
wahrten, in weiche andere Editoren so unendlich oft verfallen 
sind. Dasselbe lässt sich auch von Salmasins sagen, der den 
eigentlichen Kern der afrikanischen Latinität wohl noch weniger 
als Oudendorp zu würdigen verstand. Dies lässt sich in gleichem 
Grade von allen altern Herausgebern des Tertullian, selbst von Ri- 
galt sagen, und von Semler nnd Schutz lässt sich geradezu be* 
haupten, dass sie das afrikanische Spmchidlom gar nicht gekannt 
haben , und Letzterer besonders gar nicht berücksichtigte, ob er 
den Cicero oder Tertullian vor sich hatte, sobald er eine Stelle emen* 
diren sollte. Es ist hier nicht der Ort, die Sache durch Beispiele 
zu widerlegen, die mich zu weit fuhren würde; wie viel aber 
eine solche Unbekanntschaft schadet, davon wird sich jeder Unbe- 
fangene bei dem oberflächlichsten Nachdenken überzeugen, aber 
eben so leicht, dass ich der Wahrheit getreu gewesen bin in mei- 
nem Urtheile über Rigaltius. Es handelt sich hier nicht bloi^s um 
den eigenthümlichen GjBist, die seltene Energie und Frische , die 
oft übersprudelnde , bis ins Extreme sich verlaufende Kraft, die 
ungemessene, zügellose und springende Phantasie der Afrikaner, 
IQ die man sich aber hineinarbeiten mnss , w eil sie ganz und ig;ar 
von den übrigen Perioden der römischen Littcratur abgeschieden 



17Q KirclieaTBten 

ktyiiiHl für rieh abgesdblosBea dasteht^ es handelt sieb hier besonders 
wn das, wifl die Afrikaner sagen konnten : daher icomnien die seltsam« 
0leB Vorstellnn^en nber dieses «friicaaisGhe Sprachidiom, Ton denen 
n cb sB oben die Bede war. Das besonnenste Urtheil, was wohl 
jeinalB nber die alHkaidsehe Latinltiit gefällt worden ist , möchte 
das fJrtheil Gatalcer*8 sein in der Diatribe de novi Instnimenti 
otylo e. 8. ^fuis TertuUiano in suo genere disertior, qma ^puleio 
ioeupletior ? figuria ae fngmentis rhetoricis aiundat uterqve^ 
mtter etiam iuxmriat. Quae narr<inda suseepere^ adeo vivis 
eoleribuB deserilfunt ^^ vei depingtmt patiua sed diversimodo 
fr&rsuBj ttt legentwm oetdis ipeia exhibka et exposüa videantvr. 
Mequis iamen Apuleium out Tertuüianum etiam de dictionig 
iaUnae pmiiate praedieet? Mcfuis non Jfrum magie quam 
Momanum dicendi charaeterem in utroque agnoacet? Dieser 
SSigenthomlichkeiteB nnd sogleich ihrer Grenzen worden sich anch 
alle die bewnaat^ weldie diese Afrikaner grindlich bearbeiteten. 
Am ansfuhrlichsten spricht sich darnber Ruhnken in seiner Vor- 
rede som Apuleins mit foig«iden Worten ans: Duo scriptore» 
vei inpirimia4iobHe8 ex jintamnonan aetate Gelliua et Apuleius^ 
cum ehquentia eaecuti eui non ewUetUi meliorem quaererent^ 
imdieio iapsi in aliud genue magis viHoamm ineideruni. Cum 
etdm omne rede ecribendi eonmtium ad umua deeronia et^ ut 
fuiaque ei aimillimua eat^ normam dirigere dehuiaaent^ nonU 
fuidem optimoa illoa omnino reliquerwU sed tarnen cum eorum iini- 
tatione acriptorea es ultima antiqmtate repetitoa ita coniunxerunt^ 
mt modo cum Cicerone^ Caeaare^ Liüiö et aimiUbua modo cum 

Mvandri maire loqui viderentur Apuleiua ahfuit, tU aihi 

m hoc genere temperaret^ nt potiua e eaaea vetuataie eam oratio^ 

nem conflarei^ quam nemo niai qm multum temporia in ea laUm^ 

tote eognoaeanda contriverit^ aeae aperet aaaecuturum, Scio viroa 

eruditoa eaae^ quinon omnia huiuamodiverba abantiquia acriptori- 

huaaumta aed temere etpro libidineeonfeetaputent, id qtiod Drak. 

ad Liü. XLF. 36« de Gellio affirmare audet et de Apuleio 

Reald. ad Met. FlIL p. 550. Sed ego Ubentina aequar Oudend. 

ad Met. IT, p. 246. bene iudieantem^ nihil Apulevum aine exemplo 

Msripaiaae. Stemm bona para eorum quae ab Aptdeio et Gellio li-- 

eaUiua inaolentiuaqueficta mderi poaaunl, a grammaticia aaiiquia 

maxime a gloaaographia conaervi^a reperitur, Quidni igitur 

r^iqva ete. Fragen wir nun nach diesen Eigenthümliclikeiten 

der afrikanischen Latinitiit, so ist hier wiedemra ein bedeutender 

Untersdiied zu machen, znnächst schon zwischen Apuleins^ Ter- 

tnliian und Fronto und endlich der übrigen wie AmobiuR, Cyprlan^ 

Fimicns und M artianas Capella. Der sdiärfste ^ gelehrteste und 

tiefdeiikendste unter allen Afrikanern ist unstreitig Tertiiiliaa, und 

dabei ein Sprachbildner wie wir wenige haben. Er sclieint mir 

auch das afrikanische Sprachidiom am rdnsten wiederzugeben, 

und auch seibat da wo mau offeidbar sielit^ dass er neu gesdiaffea 



Gersdorf: Blbliotbeca paimni eccies. lat.' 171 

bat, bat er sicli wohl aa die allgemeine Norm, an den Gnmdtypiia 
seines Idioms gehalten. Tiefe Studien fiir Sprache scheint er nie 
gemacht zti haben. Die Form tritt bei ihm surüclc, der Gedanke 
ist ihm Alles, und wo er Fesseln und ^chranlcen sieht, die sich 
seiner Phantasie, seiner Ideenfulle entgegensetzen, da. bricht er 
sie l^iihn und bahnt sich einen neuen Weg. Man wwarte daher 
beim Tertallian nie jene strenge und logisch abgemessene Form^ 
jenen ruhigen Fortschritt der Gedanken, eine genaue Verbindung 
der Sätze, einen in allen Theilen wohl erwogenen und bestimmt 
gegliederten Satzbau, eine strenge Construction; und das ht es, 
was ihn so schwierig macht, well er immer neu ist und die Sache 
seine Form beherrscht und bildet, nie die Form seine Gedanken 
irgend wie bestimmt. Daher bei ihm die Menge der neuen Wert- 
formen und scheinbaren Anomalien. Ganz anders Terhält sich 
das beim Apnleius. Hier treten uns zunächst 2 ganz Tersctiiedene 
Produkte eiUgegen, die Metamorphosen und die iibrigen kleinerea 
Schriften, besonders die Apologia. Der Unterschied, er mag übri- 
gens basiren worauf er auch nur wolle, Ist nicht abzuleugnen, 
imd zeigt sich besonders darin , dass in den Metamorphosen, ein 
Haschen nach alterthümlichen Wörtern und Formen, ein form- 
liches Spiel mit Archaismen , ein manirirtes Auskramen von Ge- 
lehrsamkeit in der Grammatik vorherrschend ist, wahrend der 
Ton in den iibrigen Schriften, besonders in den philosophischen 
leicht und einfach sich meistens an die gewöhnliche Sprache der 
silbernen Laünität anschliesst, und selten solche Wörter und Coii« 
stractionen aus der ganz alten Zeit aufnimmt, von denen die Me- 
tamorphosen 80 reich sind. Doch mag sich auch in diesen kleineren, 
Schriften nicht vollkommen das afrikanische Sprachidiom rein 
darstellen , da Apuieias bestimmt während seines langem Aufent- 
haltes in Rom sich mehr und mehr dem echt römischen Geiste an* 
gepasst hatte, der besonders in der Apologie am stärksten hervor- 
tritt, unstreitig einem der schönsten und herrlichsten Denkmale 
römischer Fülle und Beredsamkeit. Weil bei Apuleius vorzugs- 
weise der Verstand und Ceberlegung vorherrschend ist, so ist bei 
ihm Alles streng und genau abgemessen, bis in das Einzelste 
hinab scharf abgegliedert und genau verbunden und nirgends ein 
logischer Sprung sichtbar, deren es bei Tertullian so viele giebt. 
Apuleius opfert der Form den Gedanken, und kann es nicht über 
sich gewinnen, ein schönes Wortspiel aufzugeben, selbst wenn der 
Sinn matt und kraftlos ist, was besonders stark in den Floridls 
hervortritt. Tertullian ist daher unendlich schwieriger und, da- 
rum ein Schriftsteller eigener Art , dass er oft mehr durch Com- 
bination verstanden wird, als nach den Regeln der Grammatik und 
der Diction; ja man könnte sagen, dass man ihn in bestimmten 
Siitnationen und so zu sagen Färbungen der Seele einmal mehr 
einmal minder verfehlt , dass man sich gleichsam in seiner Stim- 
mung befinden muss, um ihn ganz und gar zu durchscluiueu 



172 KircheiiTater. 

lind fn seine Eigenthumllebkeiten sich zu Tcrsenlccn. Es wird da« 
Iier wohl auch selten ein Autor zu so manfiigfaltf^en Deutungen 
seiner Gedanken Veranlassung gegeben haben, als Tertiillian, was 
sich durch Hunderte Ton BeispIeJcn belegen Hesse. Mit dieser 
kurzen Charakteristik der beiden Repräsentanten der afrikanischen 
Latiuitat mag es (ur meinen Zweck sein Bewenden haben, und man 
erlaube mir nur noch durch einige praktische Beispiele darzulegen, 
wie wichtig eine solche Einsicht nicht nur für die Erklärung, son^ 
dern bei Tertullian gerade wichtig für die Eihendation und Conjec- 
tnralkritik Mird. So sich wird z. B. das Anakohithoh beim Apulelus 
mit Ausnalime der Florida nur da annehmen lassen , wo es durch 
die bestimmtesten Zeugnisse der besten Codd. gesichert ist, wie 
z. B. Alet. IV. p. 243., wahrend man an andern Stellen, wo dies 
nicht ist, lieber ein Verderbiilss annehmen, als zu dieser Erklä- 
rung seine Zuflucht nehmen muss, wie dies die Erklarer zum 
Apuleius so oft gethan haben , ohne innere oder äussereGründe 
für ihre Ansicht beibringen zu können. Dass sich in den Florfdis 
die Anakoluthe so häufig finden, wird Niemanden befremden, der 
da weiss, dass diese grösstentheils Fragmente von Reden sibd, 
welche Apuleius nach Art der griechischen Sophisten Tor einer 
zahlreich versamitaelten Menge hielt, und wodurch er seine Rede« 
fertigkeit in einem prunkhaften Lichte zeigen wollte. Nicht sel- 
ten sind diese Anakoluthen im Tertullian , der durch den Reich- 
thum der Gedanken gleichsam erdrückt, und wider eigenen Willen 
zu solchen Ungenauigkeiten der Construction hingeieitet wi^d, 
und dem man durch klüglich berechnete Emendationen derglei- 
chen Färbungen der Rede und charakteristische Nuancen, an 
welchen sich sein Weaen und sein Stil scharf erkennen lassen, 
▼oreilig nicht rauben darf. Man muss überhaupt beim Tertullian 
höchst Tor^ichtig mit Emendationen sein, je mehr man seinen 
Scharfsinn an ihm zu üben versucht ist, da man fast Seite für 
Seite auf Schwierigkeiten stösst, die sich leicht durch Emeudation 
lösen lassen, aber am Ende bei genauerer Leetüre sich durcli 
andere Beispiele von selbst erledigen. Ich will nur ein Beispiel 
der Art aufitihren: De Baptismo c. 5. steht: nam et saoris quihus- 
dam per lavaerum initiantur laidis alicvius aut Mithrae^ wo 
die Coujektur arcania^r aliculus, die wirklich gemacht ist, sehr 
leicht und einladend erscheint, zumal da die Bedeutung des Wor- 
tes alicuiua hier sehr auffallend und Manchen Tielleicht sogar uu- 
statthaft erscheint. Und doch ist alicuiua rollkommen mh seiner 
Stelle nach dem Sprachgebrauch des Tertullian, der aliqms häufig 
in dem Sinne des Rühmlichen, allgemein Bekannten setzt, wie 




\quid 

post mortem aecnndum alt quem Epicurmn? ibid. c. Id. sed 
üermogenem aliquem plures solHum mtdieres ducere. Ibid. c. 



Gersdorf: Bibliotheea patriim eccles« lat« 173 

17 » jtec Joannes aliqui^CSirüti ^ado^ u. 8. w« Soviel mir be- 
kannt ist ist dieser Sprachgebrauch ans keinem andern Schriftsteller 
nachgewiesen, und ist mir auch bei der Lektiire der Afrikaner 
nirgends als beim Tertullian aufgestossen, so dass ich ihn für eine 
Eigenthiimlichkeit desselben zu halten geqothigt bin. Aehnlich 
scheint mir nur der Gebrauch des unua bu sein , der sich beim 
Al^inus de deor. Imag. findet , und schon von Munker ad eiusd. 
c. 3. beobachtet ist, wo es heisst: erat eius figurd tamquain 
vnius hominis furibundi. Solcher Beispiele verfehlter Conjek- 
tnren, die aus Unkenntniss hervorgehen, liessen sich bei den Afri*' 
kauern noch viele herzählen. Ich erwähne hier nur noch der Ver- 
besserung von Stellen durch griechische Wörter, mit welcher Ar( 
der Conjekturalkritik besonders die Erklärer zum Apuleius so na- 
endlich freigebig sind und an welcher es auch die zum Tertullian 
wie z. B. Salmasius nicht fehlen lassen. Genaue Beobachtung und 
ilcissige Lektiire des Apuleius haben mich gelehrt, dass er nur 
solche griechische Wörter anwendet, die entweder in der lateini- 
schen Sprache gang und gäbe geworden waren, oder teriiiini 
technici sind, durch welche die Sache am besten bezeichnet Und 
so auch allgemein verständlich wird. Ist dies nun wahr,' was wei- 
ter darzulegen hier der Raum nicht gestattet, so ist leicht er- 
sichtlich, wie verfehlt Oudendorp*s Conjektur zu. Apuleius Meta« 
morphoscn ist, I. p« 36., wo die Mss. verderbt also lesen : annasäm 
ac pestilent^m con (oder cum) contraho , und jener en noson 
pestilentem contraho verbessert, bloss von dem Vorurtheile ver- 
leitet, als wenn Apuleius griechische Wörter liebe, für welche 
Ansicht Oud. freilich den Beweis schuldig geblieben ist, während 
doch walirscheiulicher damnosam ac pestilentem luem zu emen- 
diren ist. Wie weit sich dieser Gebrauch griechischer Wörter 
beim Tertullian erstreckt, dafür ist es mir noch nicht gelungen, 
ein bestimmtes, bewährtes Gesetz aufzufinden, doch glaube ich, 
dass es auch bei ihm nicht auf blosser Willkür beruht^ sondern ia 
ganze feststehende Grenzen eingeschränkt werden muss. Ein 3. Bei- 
i^piel, wie weit die Unbekanntschaft mit der Diktion der Afrikaner 
führen könne, beweisen alle die Herausgeber und Erklärer, 
weiche ohne Rücksicht annehmen, dass die Afrikaner Alles und 
Jedes hätten sagen können und sie zu einer leibhaftigen Rumpel- 
kammer alles Antiquirten und Verlegenen machen , eine Thorheit, 
auf welche ich schon oben aufmerksam gemacht habe, und von 
welcher ich kürzlich nur einige Beispiele aufzählen will. So will 
z. B. Brant, der in solchen Dingen nicht viel Geschmack hat, für 
decitantes bei Apul. Met IL p. 91. deicitantes lesen; IIL p. 174. 
für civitas in populum effusai in poplicum; VI. p. 421. für 
mentem capitur : i^ante capitur u. s. w. Gewiss nicht weniger 
ungeschickt verfuhr Nansius zu Apul. de Mundo p. 304. wenn er 
ans der corrupten Lesart: ut insularum situs sunt qui eam 
flnitimis locis comprehendunt nach der Analogie von amplermini 



174 * Kirchenvater. 

bei Festus hier verbessern wollte : qui eas amßnitimiB laeis com- 
prehendunU Um solchen offenbaren Abgeschmacktheiten zu ent- 
«ehen wird es daher nothwendig sein , bevor man zur neuen Be- 
arbeitung des Tcrtullian übergeht < sich cm vollständiges Glossa- 
rium von ihm anzulegen , und mit der grössten Genauigkeit alle 
einzelnen Fälle zu verzeichnen, weil man dadurch 1) vor allen 
unnützen Conjekturen am leichtesten bewahrt wird , und weil man 
fiodann 2) eine feste Basis für die Conjekturen selbst hat, indem 
man, weil sich Tcrtullian so viel Neues erlaubt hat, am besten so die 
Analogien verfolgen kann, und nicht Gefahr läuft, des blossen Sinnes 
wegen eine Emendation zu machen, die sich aus dem allgemeinen 
Sprachgenius wohl vertheidigen Hesse, der afrikanischen Diktion aber 
Bclmurstracks entgegenläuft. Gewiss ist, dass sich ferner viele ver- 
dorbene Stellen, die bisher ganz übersehen sind, auf eine leichte Art 
nicht nur als solche beweisen, sondern auch sogleich herstellen lassen. 
Das sind ungefähr die Grundsatze und Ansichten, die mir bei 
einer neuen Ausgabe des TertuUian vorschweben würden. Endlich 
würde eine solche die bedeutendsten Aenderungsversuche und ab- 
welcheuden Ansichten in Erklärung von Stellen enthalten müs- 
sen welche die Gelehrten gelegentlich in ihren Schriften nieder- 
gelegt haben. So unnütz mir auf der einen Seite die Mühseligkeit 
erscheint, mit der man in sogenannten Gesammtausgaben alle auch 
die lächerlichsten Aenderungen und Gedankenspiele der Gelehrten 
und ihre Meinungen über Stellen herbeizieht , so nothwendig er- 
scheint es mir, nach Kräften Alles das beizubringen, was ein 
neues Licht über eine Stelle verbreiten kann oder wenigstens zur 
richtigem' Deutung anregt und anleitet. An einer solchen Samm- 
lung fehlt es nun für TertuUian gänzlich. Alles Beigebrachte be- 
schränkt sich meistens auf Parallelstellen , die den ganz verständ- 
lichen Sinn der Stelle nur mit andern Worten angeben , und also 
nutzlos den Raum ausfüllen , der für nützlichere und förderndere 
Digressionen bestimmt sein könnte. Icli selbst habe mich mit den 
Studien für Tcrtullian noch nicht so concentrirt, dass ich alle mir 
freie Zeit ihm widmen konnte, weil meine Ausgabe des Apulejus 
mich allzusehr in Anspruch genommen hat, und Alles, was ich 
für Jenen zusammengestellt habe, ist mehr eine gelegentliche 
Sammlung zu nennen, und doch ist es erstaunlich, wie viel bloss 
80 hier und da Zerstreutes aufgefunden werden kann. Um nur 
wenige Beispiele anzuführen, habe ich in den Supplementen zu 
dem Thesaurus Antiquitatum Romanarum von Polet in 5 Bänden 
fast 200 Stellen zusammengebracht , die entweder ganz treffliche 
Emendationen oder Erklärungsversuche zum TertuUian enthalten« 
Man darf in solchen Fällen freilidi niclit den Indicea trauen , die 
sehr mangelhaft sind. Eben so geben die Ausgaben des Munker, 
der Burmann's zum Ovid., zu Petrortius, zur Anthologia Latina, des 
Salmasius zu den Scriptores historiae Augustae u. s. w. eine beloh- 
nende Ausbeute für TertuUian , weniger reich sind die Ausgaben 



Gersdorf: Bibliotheca patrum eodes. lat« ^ JL75 

der Afrikaner, selbst Oadend. sam Apnleios, in 'denen meistens 
nur Parallelstellen, selten Beobachtungen über Spracb^ebraticli 
und Winke zu Verbesserungen corrunipirter Stellen sich Torfin- 
den. Ich will auch dies durch ein schlagendes Beispiel belegen. 
De Spectaculis c. 3. lesen wir folgende Stelle: nam apud spector' 
cula et in via Status; vias enim vocant eardines btdteorum per 
ambUum et discrimina popularium per proelivunty cathedra quO" 
gue nominatur ipse in anfractu ad eonsessum situs* Ueber 
diese spricht sich Maffei de Amphitheatr. ac praecip. de Veron. 
c. 8. in Polet Suppl. Thes. Antiq. T. V. p. 209 sq. nach der lat 
Üebersetzung von Faccioli also ans: Inprimis opus est textum 
ipsum cxpendere. Quum id agat TertuUianns, ut ostendat, nefas 
eske Christianos etlinicorum spectaculis interesse, respondet hoc 
loco iis qui ut se defendereut aiebant, in Sacra scriptura vetiU 
spectacula non invcuiri, ac suadere Tult, id aliquo modo TOtari in 
Psalinis rerbis, ubi beatus dicitur vir^ qui in via peccatorum non 
sietit et in cathedra pestilentiae non sedü , idque confirmat ex 
eo quod via et cathedra dicantur loca quaedam in theatro atquc 
amphitheatro. Eodem versiculo usi sunt contra spectacula Clem. 
Alexandr. et Chrysostomos , se^ non eodem modo. Videmus Igi- 
tur apud Tertulilanum vias appellatas fuisse praecinctionum plana 
'ac scelas, ac saue tarn lila quam istae transitus quidam erant ac 
semitae, ac videmus praeterea in hisce viis stantes spectacula con- 
suevisse illos cernere, qui serius accedentes oecupata ab aliis 
sedilia inveniebant. Ex duabus praecinctionis partlbus balteum 
ipse vocat parietem, ut vocat etiam Calpurnius , ex eo nata denn- 
minatione , quod videretur arca , pariete illo veiuti zona quadam 
seu baltheo praecincta ; planum vero appeilat cardinem^ utpote in 
quo spectatores clrcum deambulabant, quam ob caussam cardinem 
nuncopavit tellurem Apul. [de Mundo p. 290. ed Oud.] Vitr. V« 3, 
viam appellavlt, etsi alio vocsbulo planum, parietem vero dlxit 
praeciuctionem. Dupliciter erravit Bulenger de Clrc. c. 34. qui 
balteos et eardines coniecit in orchestram; multo melius locutus 
de iis est Salmasius in Solinum. Sed ex Tertulliano coUigimua 
praeterea, vias appellatas fuisse etiam scalas, quas ipse littfcri tmna 
poptdarium per proclivum appeilat, ex quo quis suspicari posset^ 
partem graduum inferiorem nobilioribus viris assignatam scalia 
caruisse, sed quoniam id esse ncqnaquam potuit ac plane falsum 
ostendit praesertim locus quidam Suetonii, quem alibi afferremus; 
dicendum est, popularium nomine universam hominum frequentiam 
in gradibus coUocatam a Tertulliano significari. Non aliunde 
discimus, nisi ex hoc loco cathedram fuisse dictum illum situm« 
qui erat in anfractu. Docet Varro idem fuisse in anfractu ac in 
ffesu , sed quemadmodum continua ac orbicularis praecinctionum 
via inversuras alias non habebat, praeterquam ubi vomitorium 
aditibus traiiciebatur, sie facile inducor ad credendum, fuisse situs 
illos ita deuominatos, ob allquanto commodiora sedilia , quae ne 



171 Kirchenvater. 

Tacna. essent illa spatia mos fuerit ibi locare. Vergleichen wir 
da^nit, was Mazochi Comment. in mntil: Campan. Amphitli. TituI« 
G. §. ibid. p. 642. sagt: Popularibus etiam eqnestria contineri mul- 
tia. docere .poasum. Ac primiim Germanorum iegati, cum in 
popularia deducti ilcuniur Snet. Claud. c« 25. eqnestria intelligc, 
qnae pppularibuß continebantur. Hie popularia pro equestribiis 
hoc est totjim pro parte Tranquiilus usiirpavit: neque enim est 
Teirisimile, tarn parri pensos a dissignatore eos legatos fuisso, iit ad 
pppiiiaria stricte accepta dedacerentnr, quo nullo diicente spoiite 
ireJicnissct, praesertim cum Parthi et Armenii in orchestra sede- 
rent. Hinc sümmam caveae divisionem apud Maronem^ lurenaiem, 
Martialeni reperiojn orchestram et populnm. . .. Equestria bis lo- 
cis^ulla commemorantur, quod et^poptdo seu popularibus contineren- 
tur^ Ab eadem caussa est quod Martial« VUI. 78. ait: omnia habet 
sua äona dies^ nee linea dives cessat et in populnm muUa 
rapina caäit. Dissentio enim a Graevio, a quo in praef. ad Tom. 
IX. Ant. Rom. lineam divitem pro orcbestra simui et equestHbua 
accipi memini.. Ego sie interpretor: omnis dies sua habet iussilia, 
tum quae in orchestram (quam ob exiguitatem lineam appellat) 
€aderent<) tum etiam quae in popularia h. e. ceteram omnem 
ctmeatipnem quae eqiilti simui plebique vacabat. Hinc demura 
est . quod. Tertull. de Spect. . ^icit : via8 enim vocant cardines 
baiieorum per. ambitum etc. Viarum nomine non tantura scalaria 
Tertui]«s Gomplectitur, yerqm etiam ipsas praecinctiones, quas Tocat 
balf^grum cardioes. .. Verum illud Lipsium torquetvqaod scalaria 
appellarit discrifni^a popularium. Sseludere enim^ inquit Lips.^ 
aperte equestria et orchestram videtur* Tum sie nodum solvitt 
sed^jii^^mU popularia large fortasse accepit scriptor ^fer pro 
omnipopt^liconsessu. Noninepta ratio sed dubito an vera, quando« 
quidem iam non receptum fuerat , ut popularia pro plebis item- 
que equitum consessu non Tero totius populi R. XXXV. tribuum 
sumerentnr; Mihi sane Tidetur Tertulh'anus popularia cum eque-^ 
stribus tantum miscuisse, non etiam cum orchestra , quam ob exi- 
guitatem. tacuit. Itaque Poeno scriptori nihil dq orchestrae scala- 
riis quae utpote brevissima via' animadversionc digna, sollicito, eä 
sola scalaria ante oculos obversabantur, quae plebeiam et equestrem 
caveam scindebant in cuneos. Ea Tero discrimina popularium 
potissimum appellavit, milla eqnestrium mentione facta, quod 
popularibus equestria quoque continebantur. lieber die Stelle 
cathedra ... in anfractu ad consessum situs spricht sich Mazochi 
weiter ans p. 646 sq. So Hessen sich viele^ viele Stellen aus den 
Commentatoren anführen, die mit gleicher Gründlichkeit und in 
abweichenden Ansichten erklärt werden, z. B. Apolog. c. 16. über 
omnes Uli imaginum suggestus insignes , monita crucium^ wie 
ScheflFer liest de Re Vehic. IL c. 18. in Pol. Suppl. Thcs. T. V. 
p. 1271 sq., über die Worte ad Scap. c. 4.: Ipse autem Severus 
pater Antonini Christianorum memorfuit ; nam et Proculum Chri- 



r Gersdorft Bibliotheca patram ecdes. lat» 177 

« 
atianum jui Tarpacian eognominahaiur^ Euhodiae procurtdorem^ 
qui cum aliquando per oleum euraverat^ reqmaivü et palatio 
habuit usque ad mortem eius quem et Antoninua optime noverat 
lade Chriatiano educalua^ aed et clariaaimaa feminaa et da- 
riaaimoa viroa aciena huiua aectae eaae^ non moao non laeait sed 
eiiam^eatimonio esornavit et populofurenti in oa palam reaiiiit^ 
über diese so sehr schwierige und Tieiieicht nie erklärte Stelle hat 
sich ireffllch Ciiper in den Epistolis Cuperi et Sperlingii 19. in 
Polet. L G. T. IV. p. 39 sq. höchst gelehrt und geistreich ausge- 
sprochen ; über die Stelle de Spectacul. c. 23. placebit . • . offerre 
derselbe im Harpocrat« ibid. T. IL p. 473., über ApoL c. 6. JA- 
herum, patrem — '• religio Matth. Aegypt. Expl. S. C. de Bacch^ 
ibid. T. J. p. 839 sq. u. 8. w. Solche ZusammenstelluDgen müssen 
für die Erklärung und Verbesserung ^es Schriftstellers von unend- 
licher Wichtigkeit sein , und eine Basis für die Bemerkungen der 
künftigen Herausgeber werden. Denn darin besteht ja die Haupt- 
schwierigkeit für den Tertullian , dass alle Seiten der Erklärung, 
Kritik und Sprachgebrauch fast so gut wie gar nicht angebaut sind, 
und mit der Ausnahme weniger Schriften die allerersten Anfange 
dazu gelegt werden müssen. Es ist daher wohl eine der schwie- 
rigsten Aufgaben, die Schriften des Tertullian in einer dem jetzi- 
gen Standpunkte der Philologie entsprechenden Form zu bearbei- 
ten , und ich halte es für rein unmöglich , dass einea Menschen 
Kraft allen Forderungen genügen kann ; wird nur der Grandsteia 
gelegt, auf welchen die spätere Zeit fortbauen kann, und ist erp.t 
ein gereinigter, dem Urtypus so weit als jetzt möglich ist, ent- 
sprechender Text geliefert, der neben den Mss. nur durch K^nnt- 
niss der Sprache hergestellt werden kann, so mag die exegetische 
Seite auch weniger glänzend und Tollständig hervortreten; es 
ist durch das Eine das Höchste und Nothwendigste gewonnen. 

Nimmt nun der Tertullian bis jetzt eine so untergeordnete 
Stellung ein, so muss uns jede Ausgabe willkommen sein, 
die eine Förderung des Textes und ein genaueres Verständniss des 
Schriftstellers verspricht und wirklich giebt. Ob nun die neae 
Ausgabe des Tertullian von Dr. Leopold dies leistet , soll eine nä- 
here Beurtheilung derselben darthun. Wie Hr. Dr. Leopold in 
geiner Vorrede zum ersten llieile selbst erklärt, hat ihn das 
Studium der Kirchenväter, um sich aus ihren Quellen eine nähere 
Kenntniss über das Christenthum zu verschaffen, zunächst auf den 
Tertullian geführt, und er wurde durch die Lektüre so gefesselt, 
dass er bereits früher den Plan gefasst hatte, eine neue Aasgabe * 
des Tertullian za veranstalten, den er aber aus Mangel an allen hand- 
schriftlichen Hülfsmitteln sehr bald wieder aufgab. Da sei an ' 
ihn, fährt er fort, die Aufforderung des Hrn. Oberbibliothekar 
Gersdorf ergangen, die Bearbeitung dieses Kirchenvaters fiif die 
Bibliotheca patrum ecclesiasticorum zu übernehmen , und so habe 
er denn die neue Ausgabe des Tertullian in folgender Weise ge- 

N. Jahrb. f. PhU, u. Päd. od. KrU. Bihl. Bd. XX2LVI. fffU 3. 12 



% 

t 



178 Kirchenväter* 

fertigt: Zunächst habe er die kritischen HolCsmittel aller Heraus- 
geber Ton Bhenan. bis Semler herab gewissenhaft benutzt, um 
nach Kräften die besonders durch des Rfgalt Conjecturwuth ver- 
dorbenen Stellen wieder herzustellen^ sodann durch eine ge- 
naue, durchgeführte und auf bestimmte Regeln basirte Interpunk- 
tion die Lektüre zu erleichtern, und nicht selten den Sinn zu än- 
dern, endlich eine Auswahl der vorziiglichsten Varianten unter den 
Text zu stellen ^sucht. Sei der Anordnung der Bücher ist Hr. Dr. 
Leopold und natürlich mit vollem Rechte den Bestimmungen Ncan- 
der's im Aniignosiicus gefolgt, und zwar, dass der erste Theil die 
apologetischen Bücher enthält: ad Martyres^ de Spectaculis, 
de Idololatria^ Jpologeticus^ ad Nationea^ de Testimonio Animae^ 
ferner de Corona Milüis^ de Ftiga in Perseciitione^ contra Gno- 
slicos Scorpiace^ ad Scapidam; in dem 2. Theile die zu einem 
christlichen Leben und wahrhafter Gottesverehrung ermahnenden 
Schriften (libri ad ritus et mores Christianorum pertinentes) : de Ora- 
tione, de Patientia, de Baptismo, de Poenitentia, ad Uxorem, de 
Cultu Feminarum ; de Exhortatione Castitatis, de Monogamia, de 
Pudicitia, de leiuniis, de Virginibus Velandis, de Pallio. in dem drit- 
ten Theil endlich die übrigen. 

Dass Hr, Dr. Leopold den TertuUian fleissig und gründlich 
gelesen hat, wird Jeder eingestehen, der diese Ausgabe mit der 
von Semler und Schütz vergleicht; dass er an manchen Stellen das 
Richtige wieder hergestellt, lang eingenistete Fehler herausge- 
worfen und die alte Lesart wieder eingeführt hat, dass eine leichte 
und klare Interpunktion, die man bei den neuern Herausgebern 
ganz vermisst, das Verständniss erleichtert, ist nicht abzuleugnen, 
und somit hat Hr. Dr. Leopold vollkommen den Zweck erreicht, 
den er sich bei seiner Ausgabe vorgesteckt hat. Nur Eins möchte 
ich bei dieser Handausgabe ganz verfehlt nennen: die Auswahl der 
bedeutendsten Lesarten unter dem Texte, indem ich nämlich nicht 
absehen kann, zu welchem Bndzwecke sie da sein sollen. Derje- 
nige nämlich, welcher den TertuUian liest, um ans ihm seine 
Zeit, den Standpunkt des christlichen Gflaubcns kennen zu lernen, 
mit einerp Worte: wem es bloss um die Sache zu thun ist, für 
denist diese Auswahl ganz uunöthfg, für den eigentlichen Forscher, 
der auch die Richtigkeit der Sachen verbürgen und somit die 
Sprache anschauen muss, reichen sie nicht aus. Ausserdem ist ja 
wohl aus der ganzen Anlage zu erkennen, dass die Ausgabe dieser 
Kirchenväter nicht zum gelehrten, sondern bloss zum Flandge- 
. brauch angefertigt ist. Besser hätte meiner Ansicht nach Hn 
Dr. Leopold gethan, wenn er statt dieser kritischen Bemerkungen, 
so wenig Raum sie auch einnehmen mögen, kurze und einfache 
Erörterungen des Sinnes und Zusammenhanges gegeben hätte, 
die gewiss denen , welche diese Ausgabe gebrauchen , viel will- 
kommener sein würden. Sodann erlaube mir Hr. Dr. Leopold noch 
die Frage, was denn eigentlich jene potior lectionum varietas, wie 



ti^rsdorf: Bibliotheca patrum eccles. Jat. 179 

er sie nennt, seil lieber den Werth tttid dte Gute der Codd. des 
Tertullian ist das Urtheil bisher zu allgemein, ja unbestimmt und 
schwankend, weil wir noch keine durchgreifende, genaue und aU* 
gemeine Verglelchung der Codd. besitxen, und manche noch nicht 
einmal verglichen sind^ um die vorhandenen zu best^'tigen oder 
zu verwerfen , und somit einen Standpunkt fßr die Kritä zu ge- 
währen , so dass wir bei Einigen höchstens vermnthen können, 
dass sie wolil zu den besten gehören» Nehmen wir noch dazu, 
dass die Sprache des Tertullian in ihrem Wesen und Gehalt noch 
gar nicht in einer Uebersicht dargestellt ist, so glaube ich nicht 
zu viel zu sagen , wenn ich es gewagt nenne, über den Werth der 
einzelnen codd. hent zu Tilge abzusprechen. In vielen Fällen, in 
welchen wir heute ans individuellen Griinden eine Lesart verwer- 
fen oder billigen, wird uns genauere Einsicht in die Codd. oder in 
den Sprächgebrauch des Tertullian nöthigcn, gerade das Gegen- 
theil zu thun, und lässt sich ferner daraus, dass ein Codex eine 
einzelne Schrift gat hat, auch der Schlnss ziehen, dass er in 
den übrigen dieselben guten Quellen vor sich hatte ? tst mir doch 
bis jetzt kein codex bekannt geworden, der alle Schriften des 
Tertullian enthielte, und fast möchte ich behaupten, dass wir kei- 
nen solch'en finden werden. VFie trüglich es ist, auf ^e\\ durch- 
greifenden ^V^^erth eines Codex für alte Schriften eines Autor zu 
bauen, davon legen die codd. Florent. das allerbeste Zeugniss ab. 
Und endlich nun, wer hat die Codd. verglichen 7 Seit Rigalt ist 
fast nichts weiter geschehen, und wie sehr -wir alle Ursache ha- 
ben, diesem zu misstrauen, dass brauche ich Hrn. Dr. Leopold 
nicht zu beweisen , der durch seine Beschäftigung mit dem Ter- 
tullian gewiss eben so gut wie ich zu diesem so natürlfchcn Arg- 
wohne gekomilien ist« Ich kann mir diese Hinzuffigung der potior 
lectiouum varietas nur dadurch erklären, dass Hr. Dr. Leopold 
seine Gewissenhaftigkeit in der Handhabung der Eritik hei den 
vorhandenen Hülfsmitteln zu dokumentiren suchte, und dass er 
gründlich und mit sicherm Takte hierbei verfahren ist ^ Wird ihm 
eine vorurtheilsfreie Benrtheilung gern ztigestehen* In jeder Be- 
ziehung ist daher die Arbeit eine fleissige und gelungene zu nen- 
nen , so weit es natürlich möglich war« Die Mangelhaftigkeit des 
Buchs liegt daher nicht in der Bearbeitung, sie liegt in der Natur 
der Arbeit selbst, und diese ist ja dem Autor nie zum Vorwurf zu 
machen. War der Hr. Verf. einmal überzeugt, dass eine neue 
Ausgalie ohne neue handschriftliche Hülfsmittel eine Wunschens* 
wertlie, zeitgemässe Erscheinung sei, so kann sie auch in 
der Gestalt hingenommen werden^ wie sie bei aller Kraft 
und allem Willen gegeben werden konnte. Die Frage dage-^ 

5en, ob es zeitgemäss war^ die verderbten Schriften des 
'ertullian herauszugeben, ohne die Möglichkeit einer gan£ 
neuen Gestalt des Textes abzusehen , ist eine andere und gehört 
diesen Blättern nicht an, auch trifft sie weniger Hr. Dr. Leopold 

12* 



ISO Kirchenvater. 

als Hr. Oberbibliothekar Gersdorf, der iha am dieser Ausgabe auf* 

forderte. 

Zuletzt sei es mir nur nocb erlaubt, den Lesern dieser Blat- 
ter meine Ansichten über einigte Stellen des Tertnllian mitzuthei* 
Icn. Ich werde mich ganz streng an die Anordnung, die Hr. 
Leopold befolgt, halten, damit er sieht, dass ich sein Buch mit 
Lust und Liebe durchlesen habe. Ausfiihrlicher wird diese Dar- 
stellung sich über die Schriften ad Martyres und de Spectaculis, 
verbreiten , von den übrigen Schriften nur einige Stelleu hi«r und 
dort entnommen behandeln. 

^d Martyr€8, 

C. 1. Gleich zu Anfange dieser Schrift stösst uns eine Stelle 

auf, auf deren Schwierigiceit, so vielich weiss, zuerst Neauder 

und zwar mit vollem Rechte aufmerksam gemacJit hat: imo.si 

guod infirmum est curalur^ aeque qüod infirmiua est negligi non 

debeL Infirmitis scheint ganz unhaltbare Lesart und von der Hand 

der Abschreiber ausgegangen, die zwar einen gewissen GegeusaCz 

in den Wörtern fühlten , aber diesen von infirmum aus gesehen in 

ififirmius suchten. Zunächst ist einleuchtend, dass Tertullian hier 

von geistiger und leiblicher Nahrung und Stärkung spricht, welche 

der Glaubenskämpfer in seinem Gefängnisse empfangen soll. Erstere, 

sagt Tertullian, wird euch von dem Schatze der Kirche und dem 

Beichthume der Brüder gewährt, daher empfanget von mir, der ich 

euch leibliche Nahrung nicht zu reichen vermag, die geistige. Nicht 

heilsam d.h. schädlich ist ja, wenn der Körper satt, der Geist 

hungrig ist ; und wenn auch dieser stärker ist, als jeuer, so darf 

der stärkere Theil doch nicht vernachlässigt werden, damit er 

nicht auch erkranke und den schwächern noch berühre. Ich halte 

jBS daher für ganz unmöglich, dass Tertull. infirmius gesagt haben 

kann, weil dies gegen die geistige Kraft der Märtyrer spricht, die 

ja eben darum Märtyrer' waren, weil sie die geistige Energie, die 

gottselige Begeisterung besassen, über die Schwäche des Körpers 

zu siegen, und alle Leiden muthig zu ertragen. Der Geist war 

also mächtig bei ihnen über die Schwachheit des Körpers. Das 

folgende Bild zeigt dies noch deutlicher. Daher kann also der Geist 

bei ihnen nicht infirmius genannt werden , während das Fleisch 

mit Recht infirmum heisst, weil es unter den Leideu des Kerkers, 

den Entbehrungen, der Schmach und der Folter entkräftet wurde ; 

daher: carnis alimenta domino mater ecclesia de uberibus suis 

et singuli fratres dcopibussuis in carcerem subministrant, dafhitdie 

Märtyrer dieser körperlichen Entkräftung nicht erliegen. Doch 

möchte infirmius nicht unmittelbar in fiimins zu verändern sein, 

vielleicht gab der Text vel firmius im Compendium l firmius^ 

woraus leicht infirmius entstehen konnte. Dieses vel würde 

meiner Ansicht nach zur genauem Bestimmung des Sinnes sehr 

viel beitragen und für das Ganze sehr bezeichnend und hebend 

sein. Mit dem vel firmius im Gegensatze zu infirmum drüekt 



Gersdorf: JMI^liotlieea patram eccles. lai. 181 

Tcrtoll. zugleich ans, dass auch der Gefst der Märtyrer wohl ge- 
lahmt und erschlftflTt werden könne, und dass aho auch er der Nah- 
rung und Stärkung hedürfe. Wie übrigens Neander die Stelle 
fasst^ weiss ich nicht, da das Buch in dem Augenblicke nicht vor- 
liegt. So hat mir in demselben Capitel die> Lesart anpervacue, die 
freilich alle Mss. zu haben scheinen , ihimer Bedenken gemacht. 
Die Stelle lautet r verum tarnen et gladiaterea perfectissimas non 
tantum magistri et praeposili sui sed etiam idiotae et sttpervactte 
quique adhörtantur de longinquo. So^ wie ich nämlich den Sina 
der ganzen Stelle auffasse, scheint mir superimeue ganz falsch zu 
Sem, Der Vergleich, welchen Tertnilian für seine Stellung zu den 
Märtyrern giebt, ist ron den Gladiatoren entlehnt, die, obschon 
rüstig und tapfer und ve» dem immerwährenden Zuruf ihrer Leh- 
rer und Vorgesetzten angefeuert und ermuthigt nach dem Siege 
pii>geH, doch auch nkht seKen durch das Beffalbkktschen und die 
Ermunterungen des Partei nehmenden Volkes , das der Kunst un- 
kundig ist und bloss seiner Lust folgt, sich antreiben lassen. Wie 
soll nun das supervdette übersetzt werden : sonder» auch Unwis- 
sende und Andere ntüss^iger Weise^ oder etiler^ nichtiger^ 
fruchtloser Weise ^ so dass nicht» dabei herauskommt. Dies 
würde zunächst 'den Worten r ut saepe de ipso poputo dictata sug^ 
gesta profuerint entgenstehen^ Wie hätte nämlich dieser Zu- 
ruf des Volkes hät^g nutzen können, wenn es eitter^ fruchtloser 
Weise ermahnt hätte? Auch würde dies supervacue der vergK- ' 
ebenen Sache vollkommen schaden , denn Tertulliau will ja seine 
Ermahnung an die Märtyrer nicht als eine unnütze und entbehr- 
liche ansehen, weil ja sonst kein Grand abzusehen wäre, warum 
er diese Frostschrift an sie gerichtet haben sollte. Endlich ist x 
mir die Stellung des Adverbs supervacue auffallend, da ich es ent-* 
weder vor idiotae oder hinter quique erwarte, und ebenso wiU 
mir quique ohne allen Zusatz nicht gefallcB, da c&r nicht gut jnit 
iftiotaß zusammengenommen deii magistri xkiA praepositi im Vor- 
hergehenden entspricht, zumal da das idiotae in dem quique dann 
bereits zu liegen scheint. Supervacue könnte nur dann geduldet 
werden, sobald in ihm läge, auf eine Weisoy wie es ihnen eigent- 
lich nicht zukommt* Doch möchte sich dies schwerlich beweisen 
lassen. Vielleicht möchte supervacui der €onctnn!tät der Rede 
und dem Gedanke« des Satzes besser entsprechen. Supervacui 
würde dann dfejenigeo bedeuten im Gegensatz zu präepositiy 
welche mit der Sache^nichts zu schaffen haben , deren Urtheil an 
und für sich nichtig und leer ist, und die dem Ganzen fern stehen, 
und somit als Ueberflüssige , Eitle wohl bezeichnet werden kön* 
neu, die aber doch zuweilen so einwh*ken, dass ilire Ansicht nicht 
ohne Nutzen ist. Ich gestehe, dass supervacui hier in einer etwas 
eigenthüm liehen Bedeutung sieh findet, die übrigens sieh aus dem 
Zusammenhange sehr leicht gewinnen lasst; so steht dann magistri 
dem idiotae^ praefecti dem supervacui quique entgegen. Es fal- 



183) Kirohenväteri 

len demnach die Bedenken hinsichtlich der Stellung nnd der Har- 
monie des Satzbaues we;^ und ausserdem ist das für die Stellung 
des TertulUan sehr bezeichnend, der, obgleich er sich für unwürdig 
erklart, upd der Sache der Märtyrer fern stehend, insofern er 
nicht selbst ein solcher war, doch seine Stimme nicht für nutzloa 
hielt zur Ermahnung, Tröstung, Stärkung und Ermuthigung je-^ 
l&er Gesegneten, YieUeicht Uegt aber auch der Fehler in der 
Stelle tiefer. 

Ebensowenig kann ich die Conjektur inediisy welche sich ia 
der Ausgabe des Rhenanus findet, billigen, obgleich auch Hr. Dr« 
Leopold sie in den Text aufgenommen bat. Die codd. Vatic. haben 
Hflfm, defeclionibua^ der Cod« Divion« der Wahrheit näher s 
aediis^ defectionibus^ Inediisi ist nun aber aus diplomatischen 
Gründen schon nicht zulässige weil man nicht absieht, wie die 
Sylbe t/1 verschwinden, und statt des gewiss den Abschreibern 
oicht unbekannten Wortes inediis eiq ganz sinnloses wie aedih 
entstehen konnte, da odiYs, die Lesart der Vaticani, nur vielmehr 
andeutet, dass hier ein ziemlich seltnes, den Abschreibern unbe-^ 
kanntes Wort gestanden habe, welches sie entweder mit der Glosse 
odiis vertauschten oder in aediis corrumpirten. 2) entspricht ine^ 
diiß nidit dem Gedanken, Tertullian hatte, als. er seine Schrift 
an die Märtyrer schrieb, nur ihren geistigen Zustand vor Augen, 
die leibliche Sorge für diese, wie er zu Anfang sagt , überliess er 
den reichen Brüdern ; er will sie nur im Herzen stärken und auf-« 
richten^ Daher richtet er an sie zunächst die Bitte : inprimis erga 
henedicti nolite contrütare spiriCum sanctum^ qui vobiscum 
intrmit carcerem» Sie wurden aber den heiligen Geist bctrü-;' 
ben, fahrt er fort, durch Hader nnd Zwietracht, und ihn von sich 
treiben durch Streit« Dass^ie durch Eintracht allein und Herzeusein- 
müthigkeit allein die Anfechtungei^ des Teufeis besiegen könnten, 
dass durch Friede allein der Oinfluss desselben auf sie unschäd* 
lieh gemacht werde, beweisen die Worte; nee Uli tum bene 8i6 
in suQ regno^ ut vaa commiltat^ eed inveniat munitos ei con- 
cordia armatosy guia pas pestra bellum est illi.,.^ 
tu idea eam etißm prapterea in vobis habere et fovere et 
custodire debetis. So sehen wir denn , wie Alles auf Einigkeit 
und Friede unter den Märtyrern im Kerker ankam, wenn sie nicht 
selbst den Teafel auf sich einwirken lassen wollten. Wie passt 
nun inediis hierzu? Gab es da nicht viel ärgere Pein, und wie 
können diese inediae vile^ heissen, da sich vÜes vielmehr auf die 
Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten bezieht, welche die 
Glanbensbelden in dem Qefiingnisse begannen und mit solcher 
Heftigkeit füiirten, dass sie sich überwarfen und entzweiten ; und 
die deshalb vUes genannt werden, weil sie im Yerhältniss zn 
^^Vik 2!ustande und der Person der Märtyrer niedriger , entehren« 
der Art sind. Wer zu solcher Höhe des Glaubens sich emporge-^ 
9<lhwuugen hat , darf durch solche Kleinlichkeiten sich nicht auf- 



Gersdorf: Bibliotheca patram ecele«. lat. 183 

regen tincl zur Feindschaft hinreissen hissen i 3) endh'ch mSclite 
der Begriff des Wortes inedia^ so weit ich ihn aus andern Schrift- 
stellern verfolgen kann^ für die Stelle selbst nfcht passen. Es ist 
nicht das einfach e/(?mea, und meistens Hegt hi ihm ein freiwilli- 
ger, gewählter Hunger, cf. Doederl. Synonym. T. HI. p, 119., we- 
nigstens nimmt man bei ihm auf das Gefühl keine Rücksicht, wel- 
ches der Hunger erregt. Und das ist, wenn inediis hier verthei- 
digt werden soll, ganz nnerlässlich. Dies sind die Grunde, welehe 
mich bestimmen, inediis unbedingt zu verwerfen. Ich wnrde aus 
den codd. Vatic. odiis in den Text aufgenommen haben, obgleich 
ich dies eher fnr eine Glosse halte. Des Rigaltius Conjektur 
seidiis möchte vielleicht am nächsten kommen, es Hesse sich aus 
der Neuheit des Wortes leicht die Corruptel erklären, zumal da 
das Wort vilibus vorhergeht , dessen letzter Buchstabe s ^ wie 
sooft in den Mss., den Ausfall des« in seidiis erklären würde. 
Odiis könnte zwar wegen defectionibus vertheidigt werden , die 
hier nicht den Abfall von Gott und Glauben bezeichnen können, 
sondern die Zwietracht der Märtyrer und Ihre Kälte, indem sie sich 
unter einander empören und auflehnen und so früher innig verei- 
nigt von einander abfallen und sich trennen. Ohne genauere Ver- 
gieichung der Codd. wird sieh hier schwerlich etwas Sicheres er- 
mitteln lassen. Affectionibus^ d. h. leidenschaftliche Aufregung, 
Inöchte wohl wiederum eher ein Interpretament als die rechte Les« 
ärt sein. 

C. 2. et si oliqua amisistis vitae gaudta ,. negotiatio est 
aliquid amittere ut aliquid lucreris. Diese Stelle ist mir, so oft 
ich sie gelesen habe, stets auffallend gewesen, obschon ich weiss, 
dass lucreris vielleicht vertheidigt werden könne, sobald man den 
Satz als einen allgemeinen aoffasst. Sonst ist der Wechsel der Perso-^ 
neu, amisistis — lucreris^ auffüllend. Etwas ganz anderes ist es, 
wenn Tertull. in dem Folgenden vor non vides immer den Singular 
gebraucht, während er früher stet& den Plural angewandt hat, da 
er wenigstens im Gebrauch jenes Numerus sich gleich hl«ibt« Ob- 
gleich mir nicht unbekannt ist, wie- häufig der Wechsel zwischen 
Singular und Plural bei den Lateinern ist, Z. B.. ApuL Met. I. p. 9. 
Oud, praefamur venimn si quid oßendero u. s. w., cf. Heins, ad 
Claudian. Nupt. Hon. 809.. Burm. ad Prop^ II. 7,^ 59. Cort. ad Lu- 
can. VIL 80. Intl. ad Cic. de Nat. Deor. I. 19. p. 85 s(|. Creuz., so 
sind doch die Beispiele alle ganz verschiedener Art. So lassen sich iia 
den Stellen,, welehe Burm. zum Propertz anführt und welehe ge^ 
rade den Wechsel zwischen der 2. Person des Singular und Pluiat 
helonchten, doch bestimmte Gründe anfuhren, warum dies ge- 
schehen ist. Wie wenn Cydippe beim Ovid. Herolde XXL St. ziui» 
Acontius sagtt Si tibi deformia^ quod mallem y ipsa fiiissctm 
Culpatum mala corpus egeret ope 'y Nunc taudata gemo^ nunc vi» 
certamine vestro Proditis et proprio^ vittner&r ipsu bom^^ so 
wird hier sehr fein und hezeichn^nil die Nehenhuhteriä hiacu^ 



184 KircbenTater» 

geMgcD, wig MhoaBaraib «ehr richt^ bemerkt htL Oliae dleae 
Beziehung durfte wohl nicht leicht auf einen oder swei Codd. hin 
SU andern sein und deshalb scheint mir beim ProperL 1. c. die 
Aenderung dustsiü ganz unslatthaft Selbst Stellen wie Lucan. 
III. 125. nannüi per nostrum vobis percussa pate^tuU iempla 
laiiss^ NuUasque feres nwi aanguine sacro Sparsas, raptor^ 
equos finden leidit ihre Erledigung., indem raptor hier hinzuge- 
fügt, den üebergang vom Allgemeinen zum Besondern bestimmt. 
Stellen wie Apuleius 1. c. praefamur veniam st quid ojjendero 
II. 8. w., deren einige in diesen Personen sich anfuhren Hessen, 
sind zwar bemerkenswerth, aber doch nicht anzutasten, well für 
das römische Gefühl beide Personen ziemlich gleichbedeutend 
waren, und die Modifikation des Sinnes, die wohl zu eriLcnnen ist, 
allmalig verschwand. , Die Stelle beim Apuleius De Deo Socrat. 
p. 177. ed. Oud.: Ceterum omnes eins laudes audistia» Nihil 
inde Laertes siln Anticlia nee Acrieiue vindicaL Haec tota^ ut 
9% de 8^ laudia huius propria Ulixi possessio est. Nee aUud te 
Q. s. w., die für nudere Stelle schlagend sein würde , erledigt sich 
dadurch von selbst, dass die Vergleichung von Oud. bisher nnbe* 
nutzter und sehr guter Codd. der Wolfenbüttler, Bibliothek ia 
IJebereinstimmuug mit dem Harlem. Vossian. und dem Sarisber. 
in den Nug. CuriaL VI. 28. nach dem Zeugnisse des Oud. mich ge- 
lehrt haben, dass nicht audistis^ sondern audisti hier zu lesen aeL 
Auf diese Bemerkungen gestützt, möchte ich auch hier statt /»- 
creris lesen lueretis^ was mir um so wahrscheinlicher erscheint, 
als die Unbekanntschaft der A1>schreiber mit dieser activen Form 
SU der bequemen Aenderung lucreris Teranlassung geben konnte. 
Obgleich lucro^ so viel ich weiss, ganz ohne Beispiel ist, so möchte 
es sich doch durch die Analogie so vieler anderer Wörter und be- 
fionders durch den Spradigebrauch der Afrikaner rechtfertigen 
lassen, die gerade diese activen Formen der gewöhnlich im De- 
ponens gebrauchten Verba wie die alten Comiker besonders lieben, 
manche sogar erst gebildet zu haben scheinen. Ich erinnere ntir 
an continuo für continuor^ fabulo^ conunimsco u. a. ro., deren Ver- 
zelchniss Prise. YlII. 6. T. I. p. 380. und Voss. Arist. T. IL p. 
761 sqq. Eckst, giebt So mögen wohl manche Stellen bei den 
Afrikanern verderbt sein, wie Amob. IV. c. 11., wo der cod. 
Reg. und die ed. pr. lesen : quid dicitis o patres novarum reli- 
gionumy qui poteslatum obscene a nobis deos violari ei negligi 
sacrilege clamitatia quiritaminique contemni^ wo Orelli ans rei- 
ner Emendation herausgegeben hat: quid dicitis o pair, nov. 
relig* quid potesiatum? Uoscine a nobis deos vioL et negligi 
sacrilege dam. et quir. eontemtu^ wo aber der Concinnitat der 
Rede angemessener und der Comiptel des. Codex entsprechender 
gelesen werden möchte: quid dicitis o patres n. r. ? quid pro- 
iestatis obscene a nobis deos violari et negligi sacrilege 
elamilalis^ quiritamini comtemtu (sc. esse): teste für tesior bezeugt 



^•''^^m^^mm^mmm'm 



Genidorf: Bibliotheea patrtia eccle«. lat«' 18S 

Frlac. Vht 5« p* 377. Krehl,, Ja protealo farprctestor derselbe p. 
380. So muss beim Miüue. Fei. Octar. 5. § 4. aas handscbrif^ 
lieber Lesart: aut acire sU datum^ ofU scrutare permiasum oui 
tust rare religioaum^ letzteres durch Emendatioa von atuprare 
liergestellt werdea. ScrtUo kennea Prise. L c» p, 380. und 
Flautas. 

C. 3. mochte sich schwer über die Lesart tesiudinem densando 
aus unzureichenden handschriftlichen Notizen entscheiden lassen. 
Doch scheint mir wegen der Torhergehendeu Verba in armia 
deambulando; campum deeurrendo^ foaaam moli* 
endo^ und wegen des Folgenden: audore omnia^canatant^'-^ 
teatudinem deaudando noch am besten zu passen. 

In demselben Capitel lesen wir weiter: audore omnia eoi^* 
atant^ ne corpora atque animi espaveacant; de umbra ßd aolem, 
de aole ad coelum , de tunica. ad loricam ^ de aÜeniio ad clama» 
reniy de quietead tumulium, Tertullian Tergleicht die Märtyrer 
und ihren Zustand mit denen weltlicher Krieger, welche schon 
Im Frieden durch mancherlei Mühe und Strapazen für die Ent- 
behrungen des Krieges gestärkt werden. In gleicher Weise die 
Glaubenshelden : proinde voa, quodcunque hoc durum eat^ ad eser^ 
cüationem virtutum animi et corporia deputate. Ganz offenbar 
ist, dass die Worte de aole ad coelum ganz verderbt sind , was 
schon Latinius einsah, wenn er de aole ad gelu ; und Junius, wenn 
er de aole ad gelum emendirte. Letzteres würde der handschrift- 
lichen Lesart coelum noch am nächsten kommen und liesse sich 
durch Beispiele aus Lucret. belegen, scheint mir aber deslialb 
unstatthaft, weil es keinen nothwendigen Gegensatz giebt zu aole^ 
der offenbar in den übrigen streng hervortritt« Dies ist eben auch 
der Grund warum de aole ad coelum nicht gelesen werden kann. 
Ich möchte dafür de aole ad coecum lesen. Coecum würde hier 
in der Bedeutung für obacurum^ tenebrae stehen, wie so häufig 
caeca nox, tenebrae und beim Virgil. Aen. VII. 350. caeca aileniia 
für aileniia nociia ; ferner wie dbmua caeca^ parietea caeci^ caecae 
gemmae u. s. w. Vielleicht möchte hierher zu ziehen sein , wag 
Tertullian. de Spect. c. 25. sagt : quäle eat enim de eccleaia dei 
in diaboli ecdeaiam tendere de coelo quod amat in coenum^ wofür 
er de Corona Millt. de caatria lucia in caatra ienebratum nomen, 
deferre gesagt hat. 

C. 4. hat Hr. Leopold, wie alle übrigen Herausgeber diaaituit^ 
wofür ich dem Sinne nach deailuit erwarte, eine in den Mss. zu 
häufige Verwechslung. Die Richtigkeit meiner Verbesserung be- 
darf wohl kaum eines Beweises. Kurz vorher vermuthe ich, muss 
für Heraclitua qui ae babulo atercore oblitum esuasit gelesen 
werden obditum. Denn obgleich alle Erzähler seines Todes, wie 
Diogenes Laert. IX. 1. § 4. %üvai avxov dg tov ijXiov xal 
kbXivbiv roi)s naläag ßaUzoig Haxanldxtaiv und Marc. 
Anton. III. 3. ßoXßlttp xaraxt;(9itffcst/ofi dzi&ocve und Tatian. ad 



19i KlTelieaTiter.. 

CNnec. f. 245.: twvvov fih^ üvr r^v ifLtx^v9 6 ^mttos 

hatv^ö&kfttg firöXßlrois te vtagsatkaC^as Bavrov rijs xosrpov 
x^TW^BiftfflS^ fJ^vohids TB Tov arerrdg KiCBpfa6ap,BVfjg 6mfiaro$ 
ex€c6%t}s iTBkBvnj^B fnr t^hiitum m sjRvc^eB BdieineD«) ko erzählt 
Aodi Niemsad , du» er sidi mit <kteen»i«t verbronnt kabe , mut 
^v«bl nfdit ^esclielien konnte, wem^ er kloss dsmit tbewtnclieii 
war. Ob nun Tertnli hier einer siidem firzäblnn^ ^^olgl rst^ 
•der ^kh geirrt httbe.» fost eitii wold schn^er beBdaiBieii. Ohditns 
hat «bri^ens Apalcms ib der Bede»tiiBg rwgsumgeben^ im Met. 
m. flu 206, Sic UlßM eaptll&s in mxilos fwsns obditoß; Met. 
T«p. 339. cundam dmnum seris^ eatenh ebditam cuEtodimt; 
X. p. €99. ut'que ut ^rnt eidkac feratäntB amicnlis insirici ns 
ßtque obditus. Wxstcr nmrgarünm bib Eade dieses Capiteb 
wirde ick üeber ein Assmfnn^ - ab «n Frag^ezekben seta^eo. 

De speütacnltB. 
C 1« neu vero detim offendi oblectaiiüTte hümims^ ipia salvo 
erga deum metu et honme emo in tempore et sno in iocofrvi 
scelus nen est, Ißr scheint es zweckmässiger, hier statt honare 
Bkiit niv wegen des Torher^clienden metu^ smidem auch we^ea 
ergm imw^ korrore zn fesen , das zuweilen v«i reli^öser Fnrcht, 
wie vefteratio sl^t. Cf . darii^ber die Erkürer zn Lucan. UL 4, il. 
arboribus suus hwror inest. 

Zu Ehide schdnen alle codd. und edd« zn lesen: tankie 
^Mfinaiio disdpUnae debehat obseqtdum^ was anch Hr. Leopold 
In den Text anf^eniHiimen hat, obgleich ^sr meint: dass tantae 
ad obstinati&uein disciplinae gelesen werden mnssc. Vietleicht 
wvrde obstinaüoms naher n^en, we^en des folgenden disctplmae, 
BXbenso möchte ich c. 2. für hegve culloi'ibus dei putandvm^ wo- 
ftr Hr. Leopold cuttmibus dei deputandum ^iebt, schreiben: 
cuUoribvs dm impustandum (ans dem Compiiidinm cultaribus 
thffputandum.^ 

C. 2. stehti: phme et ipsue excvttoribiis lf>curum^ fuod 
sasa, ^sod caementa^ quod marmora ^ qnod cott/mnae dei res 
sunt^ qtä ea ad instricmenlum terrae dedit^ sed et ipsi actus 
mb coelo dei iransiguMur. TertnlKan fnhil hier die Entschui- 
C^nngieB derer «n, weid»e die öffentlichen Sdianspiek; besiirfieo, 
ak seien die BanmaiteriaiieB selbst von Gott geschaffen, und weil die 
Sdianspiele »Hier freiem Himmel gehaken wHrdea. Nnn miiss 
idi nber ^estdien, dass ich wohl den Sinn der Worte: qui ea ad 
instrumenimn terrae dedit fasse, die ^annmatische nnd lexico- 
^aphische Richtigkeit derselben aS^er nicht einselien kann* Zu- 
nächst kann terrae G:enitiv oder Dativ sda, und es wurde entwe- 
der hcissen: welcher diese (nimlic^ sajxm n. s, w,) zum Werk- 
9mtge der Erde gab^ od«* welcher dtese der Erde zum Werk- 
zen^e ^b , was beides mn- keinen Sinn giebt. Was i»t das i»ber- 
hinpt fw ein fFerkaeug derEcde oder für die Mrdef Selbst 



Gflondoxf: Tiilifiwiiiin fmbam eodbs. hcL 1S7 




fldbwerlkii am ^OBFä^eaättr Sam 
muum aikm entweder .hier Ja «er ogiaflIiran&iäiQi BeäfsttfeaBg aitf^ 
gBÜmt fldfir^ was mar «alnsdbeiiilidber scbeii^^ Tcrderbea «sol 
Mä i^Ubb fiaciit Inä Hc Br. LeopaU ia dieaen £ii]ikel die 
Leavt der CoM. BufgniaiaiMna: ^fd-^mm maa pemtan deum ntn 
ranat^ mei natm7?täd mure^ sab dEmai famäimn^ de ^aa^sfna, 
«OB depraximmt vmmaae ^ i^mmrenL, ^futdätsr udmtMistrari 
mui iw^heni mut prmkibeBt quu^ iußtiiuii^ eimtil fu^ 
mt u^mnlmm «x diverß»^ tdaätenmä^ usämB dJimmm oam- 
didmimB^ -wolnr Sigak ^: mdmmm^rmn itdwat cum matiimit, 
maul fUM€ viß namuigi es^tdoersvadsdief^mdis; filieaniL:: simui 
ipu« «Gf tanada es dioBrs» mdnhar^ ihr faämjmfäsk g«nni £e 
SteEk aoB CUe «&s Cqytelfi: i»« i^^^^- ^ li^ oognit» eldam 
mrm m lt fa n «u» nt^pfixana»^ «^wi caa^ii^ore oomperlo eüarn iater^ 
juda6»rem deprebsmäimi^. Ms divers ist ans äem G^estb^ki 

i^itedua aeaat in pervea^ 
HB Fi%eadeB aagmfflwe- 
'^ ]»i f^Mir^aif ^aea Fiodsi; m sBtaaa^ amd ans dan Ck»d. Agfa- 
lanid. aa inea: €Jum ifmem Jwmiiaeot^ opas et mmginem dei^ 
tatküB itmDer&iMtiiß poma^afsrem^ ilLa vk in^rpslMorü et memth- 
iaimriß amgeii ak imtio de imtegrüaie dmawrit; wasDsrmam *mk- 
mtMmtuim emm parüer cmb i/wa iniegritmie insüiluimm^ futriUr 
cum Mjmo iß psrversitmtmm demuimxä adoerenB lastituloremL, 

€. ü. mBÄsktbt rmkear aUea CaifBfSiBiai^ £b ia dfar atapadgem 
fiteOe^ reüfm iudtarmm de amluiSnm et BmümBmiMtäms regmm 
et publicis prespmritiääam et wMmkxpgdibmm fimtk Batperstüimmm 
cmmma aari^^ims iMbemt^ wmam waaadiA mq^ßratiUmna wiAiSdk 
dm fawatgip Ijeamei iat, Äe des Hn. Br. L. miqpBraÜtiimB Mt em 



mcM ^emuffsm ^ ^ not dbem aaUbem Aedte luuii £e vibsn^em 
Ffgeriklifcritea, ja ^ie ^^aaaeB %dcde aa Tom T«taUiaa liSBekiK 

weniaa kaanlBa, laii dalia* mkäti fc eaa adu iari ^bbis^ «fK^- 

iMBTwrtEÜit; Jeraer fst das AägoetörnaoB aawie jodcBnadrrfi 

kaama «a efsaer fiidSe, da die «lB%faB Vcraalwruiafeiia 

Feier vam ßpeloi «chae kr^adL ciae nührfir Seaöiiaiiaig vd^ 
gefSnt merdea. Idi ^^ecBBiilie bier «me ^räaiere Verdutoiw, 
ak ia doB lilmunii Wate aaquBratJtiama «udbaben itit; tailliatte 
aoadi alifsr jeder Acadenai^^ w&k oe aar gewa^ imd^ aaweü iiii 
fidttiBe, nkt^ aheoBB^aad ami ioBHii, afaie die genoe LeBuxt 
der Cttdd. xa hramrwL 

Cldet Bat floate im BriMana ^aofwa aeemk^ Idberi et V^e^ 
mmria patroüimumiL ^»Mte emm privata ef prapria suut scesm» 
de geatu et earporis fies» nmliäuum Fmefi ac lAbero imm^^ 
haa^ iUiper aesmm^ ilUperflesaam dkantutL Diffie adiwiexage 
fiifeUe Hert Rinmaa, akaj patpeetmatam — quae privata • < 
«reaae« J^ per ßmmmm dmaakOia^ iUgak.: patroa 



• • s 



188 KirchenTaiec 



• • • 



Quae pr moUUkie Veneris ei Liberi . . • .per flu- 

xum düsoUUh; Wower. aus eiaem Ms«: per luxum diaa.; Fra- 
neck. und Semler : pairocinium, quae • • • • corporis fluxu, Nam 
mollUiam Feneri ac Libero immolabant , Uli — flustim dis^ 
aoluti, Fragen wir zunächst nach dem Sinne dieses Satzes, so 
ergiebt sich aus dem Vortiergehenden Folgendes: Das Theater, 
sagt Tertuliian, war. eigentlich ein Heiligthura der Venus, das 
Pompeius so nannte aus Furcht, es mochten die Censoren, wie 
früher geschehen, auch dies Werk, wenn es den Namen eines' 
Theaters trüge, niederreissen lassen: et ad dedicaiionem edicto 
populum vocana , non iheatrum aed Veneria templum nuncupa* 
vil, cui aubiecimua ^ inquit^ gradua apectactdorum. Er errich- 
tete aber damit ein der Venus und somit dem ihr verbundenen 
Gotte Libcr, dem Dionysius der Griechen, dem Gotte der Thea- 
ter, dessen Feste, die Dionjsien, die Griechen vorzugsweise mit 
Schauspielen feierten, ein ihnen eigenes Werk. Denn wie die 
Liebe und Wollust mit der Trunkenheit innig vereint ist, so 
auch Liber und Venus in der scenischen Kunst. Duo isla dae^ 
monia conapirata et coniurata inter ae sunt ebrietalis et tibi- 
dinia» liaque iheatrum Veneria Liberi quoque domua eat . . .^ 
Et eat plane in artibua quoque acenicia Liberi et Veneria patro* 
cinium. Enim , was Hr. Dr. L. ohne Auctorität der Mss. nach 
quae hinzufügt, ist meiner Ansicht nach nicht nothwendig und 
lässt sich auch nicht durch die Worte: quae recepimua^ propiua 
accedunt ad codicum, acripiuram uno verbo ad dito quod 
facile p-otuit a librario omitti rechtfertigen. Derglei- 
chen Auslassungen anzunehmen ist immer sehr gewagt, sobald 
nicht äussere und innere Gründe dieselben nothwendig machen. 
Hier ist aber kein Grund vorhanden, die Auslassung dieses un*« 
schuldigen enim , was fiir den Sinn nicht bestimmend wird , fest- 
zustellen. Ich glaube , der Fehler liegt in dem Worte molliliam^ 
lind es ist von den Erklärern übersehen, dass Tertullian hier ein 
Doppeltes hervorheben will , nämlich wie im gewöhnlichen Lebea 
Wein und Liebe (Liber und Venus) Hand in Hand gehen, so auch 
in der scenischen Kunst, wo die Schauspieler dem Liber durch 
ihre dramatischen Darstellungen (das sind mir de geatu et carpo^ 
ria ßexu) und der Venus durch Ueppigkeit und Wollust opfern, 
und dieser Gedanke zwingt mich für mollitiam: ac moUitia zu 
lesen. So stehen sich erstens in diesem Satze die Worte de cor^ 
poria geatu et flexu und Libero ac moUitia und Veneri gegen- 
über, und im Folgenden erklärt sich dann von selbst tili per aexum 
(d. h. per moüitiam)^ illiperflexum (In Bezug auf den Liber als 
Gott des Drama) dissoluti. Die Worte quae privaia et proprio 
sunt acenae beziehen sich auf das folgende de geatu et flexu ac 
moUitia^ und bezeichnen, dass Mimik und Verbnhltheit dem 
Theater eigen seien. Es ist daher nach patrocinium ein Punkt zu 
setzen uud der Sinn des Satzes so aufzufassen : Auch- den sceui- 



Gersdorf: Bibliotheca patrum eecles. lat« 18d 

fichen Künsten sind Venas und Liber Vereinte BescbStzer. Dnrch 
Bewegung: und Beugung des Körpers und durch Verbuhlthei^ 
welches Beides dem Theater eigenthümlich und mit ihm Ter- 
ivachsen ist, opfert man der Venus und dem Liber, Einige , 
dnrch das Geschlecht, Andere durch die Bewegung aufgelöst 
(verliederlicht). 

C. 12. geben die Codd.: insignisaimis spedaculi aecepiis* 
simi recognitio^ wofür die meisten Codd. schreiben: insignissimi 
spectaculi acceptisaimi reo.; Rigalt emendirt: insignissimi spe-^ 
ctaculi ac septissimi recognitio ; lunins : indignissimi spectaculi 
86 d acceptissimi ; Hr. Dr. L. endlich hat ins, . spectaeuli tUgue 
accepiissimi gegeben. Rigalt scheint das Richtige gesehen zu 
haben , wenn er die Corruptel in dem Worte acceptissimi sucht, 
und wenn seine Conjectur ac septissimi nur irgendwie einen guten 
Sinn gäbe, so wurde ich ihr unbedingt beistimmen. Vielleicht 
Hesse sich die Stelle durch die Emendation ac leciissimi heilen. 
So verbindet Cic. Orat. Ili. 37. lectis et iUustriöus verbis tUi^ und 
«s wurde so Tiel als praestantissimis ^ esimiis u. s. w« bedeuten« 
Insignissimis , die Lesart der Codd. , ist aus dem folgenden spe- 
ctactdi Terderbt, dessen erster Buchstabe, wie so oft in den Mss., 
an das vorhergehende Wort überging. 

In dem Folgenden ist unstreitig die Conjectur des Rigalt ans 
dem Cod. Agobard«, der gewiss der beste ist, aufzunehmen. Die 
Vulgata hat: nam olim quoniam animas defunctorum humano 
sanguine propitiari creditum erat^ captivos vel malo ingenio 
sei'vos mercati in essequiis immolabant. Der Cod. Agobard. hat 

aber liier captivos vel tus servos , w>)raus Rigalt sup- 

plirt: captivos vel mali Status servos. Ich beziehe mali Status 
auf die körperliche Beschaifenheit , auf die Statur, und somit auf 
die Dntauglichkeit der Sclaven für körperliche, harte Arbeiten, 
die somit am leiditesten entbehrt und am wohlfeilsten gekauft 
werden konntet]. Dass Status übrigens so viel als statuta sei, 
beweisen die Stellen, welche Bünem« zum Lactant. Institt. VII. 9. 
§ 11. p. 907. beibringt, cf. Colum. VIL 12. § 9. Status longior 
productiorque ; das. VIR. 2. § 9. in gallinaceis Status altior 
quaeritur; I. 9. longissimnm quemque oralerem faciemus ; me- 
diastinus qualiscunque Status polest esse^ dummodo perpeti^ 
endo labori sit idoneus. Mehr Beispiele' für diesen Gebranch 
giebt du Cang. im Glossar, med. et inf. latin. V. Status. Ich 
glaube, Hr. Dr. Leopold hätte gut gethan, diese Lücke des Ago- 
bard. , sowie seine Lesarten überall zu erwähnen. So liegt die 
Wahrheit gewiss in der corrupten Lesart desselben Cod. gleich 
darauf: ferarum voluptati satis non ßebaty wofür die Ausgabien 
ferrum voluptati satis non faciebat ^ wie es scheint, aus reinem 
Glossem geben, obschon ich nicht weiss, vd^ ferarum ^ in wel- 
chem ein Ablativ liegen muss, vm fiebat festhalten zu können, 
verbessert werden kann. 



196 KirchenTater. 

Nicht mlader gut scheint mir die Lesart des Agobard. c» 14.^ 
.wo die Codd. eelerum reiulimtis supra de locorum condicione^ 
quod non per aemet ipsa noa inquinent^ aed per ea qnae ülic 
geruniur^ per quae aimul inquintfmentum comhiberint tunc et 
in alter oa reaputent* Dieser hat et tunc alter o reapuunt. Ob- 
gleich der Plaral alteroa etwas auffeilend ist , möchte docli das 
altera viel eleganter sein. Vielleicht ist es der Dativ yt^n respu- 
ftnt abhängig (wofür ich freilich kein Beispiel weiss und das sich 
nur durch Analogie rechtfertigen Hesse) ^ für altert^ welche nn- 
regelnnssige Declination anch in andern gleichen Formen ^ wie in 
tata, iUo^^alia m b.w., nicht ungewöhnlich war» Für et zöge 
ich dann tä (nämlich inquinamentum) vor ; der Sinn wiirde der- 
selbe bleiben» Obgleich ich mir mit Bedenken diese Ansicht aus- 
spreche , konnte ich doch nicht unterlassen -^ auf diese eigenthüm- 
liche Lesart aufmerksam zu machen^ Rigalt will altera adverbial 
wie alio und alterutro auffassen* Ob aber auch diese Adverbia 
sind an den von ihm citirten Stellen, davon zn einer ändern Zeit. 

C. 17. ist Atellanua geaticulatar wohl nur durch einen 
Druckfehler flir geeticülaUir in der Semlerschen Ausgabe ent- 
standen •) aber von Hrn^ Dr. L. aufgenommen» Wenigstens finde 
ich bei Rigalt und bei Semler keine abweichende Lesart citirt. 
Uebrigens MfBrde geaticulatar nicht passen ^ da es dann mit dem 
folgenden per mulierea verbunden werden müsste^ was dem 
Wesen der Atellanen widerspricht. Ausserdem erfordert wohl 
auch die Concinnitat der Rede, dass udlellanua^ sowie mimua 
und pantomimua im Folgenden, sein eigenes Verbnm habe. 

C. 19. steht esapeciahimua nüht et amphitheatri repudium 
de acripturis^ was mir keinen guten Sinn zu geben scheint^ 
selbst wenn man nach acrtpturia ein Fragezeichen setzt , wie von 
Einigen vorgeschlagen worden ist» Ich möchte dafür lieber eX" 
piscahimur, was aus der Schreibart der Codd. espectabimua 
leicht entstehen konnte ^ vorschlagen. Uebrigens Hesse sich viel^ 
leicht auch die Form espiscabimua vertlieidigen. Dies expiacari 
in der Bedeutung aedulo ihquirere wiirde für diese Stelle ganz 
gut passen. Dass die Worte so, wie sie heute stehen^ keinen 
guten Sinn geben, sah schon lunius, der mit der ed. Franck* 
las : esapectabimua nunc ut et amphitheatri repudium de acri* 
pturia petamust * 

C. 21» Würde sich die Lesart eä:uat^ die Wow. aus einem 
Cod. vorzieht, durch mehrere Mss. bestätigen und nicht vielmehr 
eine Erdichtung desselben zu nennen sein, so möchte ich aus ihr 
mit leichter Aenderung esiliat emendiren, das, seltener und 
daher den Abschreibern unbekannter, entweder in exuat ver- 
derbt oder durch die Glosse exidtet verdrängt werden konnte» 
Wie die Sache jetzt steht, lässt sich kein bestimmtes Urtheil 
gewinnen. 



Gersdarf : Bibli<>the€a patram ecdes. lat. 101 

C 23. eiemm ipsi auclore^ et aämumtratorei ipetiocutahim 
guadrigarios^ scenicos^ j^yaticos^ arenarios illoa amanlissimos^ 
quibus viri animas^ feminae aut Uli etiam corpora aubsternigit^ 

es eadem arte qua. magnificiunt^ deponunt et demi- 

nuunt. Zunächst möchte ich amantissimos weder mit Wow. in 
amatissimoa ^ noch mit Rigalt in amentisainvos Terwandehu Es 
kommt dies Wort auch auf den Inschriften häufig in passiver Be^ 
deutung vor in der Verbindung von zärtlich geliebten Gatten. 
i)as vües animas scheint mir hier nicht gut zu passen , weil leb 
jede Verbindung zwischen diesen Worten und den folgenden cor^ 
pora sua vermisse, da die Partikel aut die Verbindung zwischen 
feminae und Uli eiiam^ herstellt. . Es müsste wenigstens vor cor* 
pora ein et oder ein vel stehen. Wie locker der Coqnex sei^ 
zeigt schon die Interpunction , zu welcher sich Hr. Dr. L. ge- 
izvvungen sah: viles animas feminae^ aut Uli etiam ^ corpora 
sua substernunt. Sodann möchte ein Epitheton bei animas über- 
flüssig sein , weil keines zu corpora sua hinzugefügt wird. Viles 
scheint mir eine Verbesserung derer zu sein^ welche Uli auf 
auctores et administratores beziehen wollten^ und wenn viri 
gelesen wurde, diese Beziehung., um welche es sich ihnen zq 
^ handeln schien , wegfallen sahen. Ich sehe in dem Zwischensatz 
quibus bis substernunt blos eine nähere Bestimmung zu dem fol- 
genden qua magnifaciunt in dem Sinne: Die Unternehmer und 
Vorsteher dieser Schauspiele verringern und mindern den Ruf 
der Wagenienker u. s. w., der dadurch diesen wird, dass jene 
ihnen Gelegenheit geben , mit Männern und Frauen zu kämpfen, 
und zwar dadurch setzen sie jenen Ruhm herab , dass sie die- 
selben von allen öffentlichen Ehren ausschliessen. Sie steheo 
also hier im offenbaren Widerspruche mit sich selbst, indem sie 
auf der einen Seite durch ihre Unternehmung die Kunst hoch-^ 
stellen^ und auf der andern Seite tief herabwürdigen. Es müssen 
^her die Unternehmer und Vorsteher der Spiele nicht mit denen 
verwechselt werden^ weiche in jenen Spielen auftreten ^ welche 
Ehre aber den Spielen nicht werden konntei, sobald jene sie nicht 
einrichteten und unterstützten. Die Zuchtlosigkeit der Spiele 
berührt luven. Sat. VI. von Vers 60 sqq. an, worin er zeigt, dass 
Frauen nicht nur in den Spielen auftraten, sondern auch sich den 
Schauspielern ergaben. Die Schmach hsUift TertuUian dadurch^ 
dass er sagt , auch die Männer setzten nicht nur ihr Leben aus« 
sondern gaben auch, wie die Frauen, ihren Körper der gemeinen 
Wollust der Histrionen Preis* So liegt in deni Uli etiam eine 
passende Steigerung. Warum Rigalt die Worte ac deminuunt^ 
die keineswegs nach dem Zusätze eines Glossators aussehen, her- 
ausgeworfen hat, sehe ich nicht ein. Beide Verba deponunt und 
deminuunt sind hier in einer zu ungewöhnlichen Bedeutung ge- 
braucht; deponere heisst nämlich so viel wie bei Seite setzen und 
unterdrücken, deminuere hat, wie bei Varro de L« L. IV. 16. 



102 KirchenTaten 

hosten dimtnuere^ den Sinn Ton obterere zu Boden drucken, klein 
machen, und acheint nicht ohne Grund wegen des folgenden 
capitis minutione gesagt zu aein. 

C. 23. acheint mir hinter statuum irgend ein Substantiv zn 
fehlen , zumal da minister nicht zu statuum recht passen will. 
Uebrigens las Rigalt ohne Sinn statuarum in seiner Ausgabe, und 
zollte Tielleicht nicht statt mutat in dem Folgenden mulcat bcs* 
zer dem novaeuta entsprechen 9 Uebrigens ist jeder Zweifel, 
der über asseverantem amores , iras u. s. w. in diesem Kapitel 
erhoben werden konnte, durch Tac. Annal. XIII. 1^. Tollständig 
beseitigt , wo es heisst : vtVt gravitatem asseveranteß. So 
mochte auch wohl die Stelle Ann. L 19. mit den meisten Erklä« 
rem zu erklären sein: igitur muUa asseveratione^ quasi aut tegi^ 
bus cum Silio ageretur^ wo das quasi schon auf die Verstellung 
hinweist. 

Schwer möchte sich eine bestimmte Ansicht über' die Stelle 
C. 27. feststellen lassen: omnia Wie (de diabolo) seu foriia seu 
honesta seu sonor a seu eanora seu subtilia ^proinde habe^ ac si 
stiliieidia de ranuneulo venenato, Ist .ranunculus wirklich die 
Lesart der besten Codd., so lässt es sich auch wohl Tertheidigea 
als ein Gebäck, welches die Form eines Frosches hatte, wie 
lacertuli^ baterculi^ hami ebenfalls von ihrer äusseren Gestall 
genannt werden. Doch möchte laguncula oder iagunculo (früher 
in den Codd. lacunculo geschrieben) sich mehr empfehlen, da es 
noch dazu durch ein Zengniss sich bestätigen lasst, nämlich des 
Stat. Silv. I. 6. L7., wo in den besten Codd. tagunculi steht und 
beizubehalten ist. Es wäre dann lagunculus ein Gebäck, in Art 
einer Flasche gebildet, innen mit Teig angcfdllt, und diesem 
wurde dann auch am besten das stilticidim meUis entsprechen. 
Wenigstens gefällt es mir besser, als lucunculus^ was lunius emen« 
dirt, obgleich dies Wort durch einige Stellen ToUkommen gesi- 
chert ist, cf. Turneb. Advers. XYUI. 20. Biileng. de Conviv. U. 
39. in Graev. thes. T. XII. p. 138. Taffin de Ann. See. et Lud. 
See. c. 9. ebendas. T. YIII. p. 512. Apnl. Met. X, p. 702. hie 
panes^ crustuta^ lucunculos^ Hamas ^ lacertulos ei plura seitab 
merUa mellita. Allein gewagt scheint es mir, dasselbe Wort 
lucunculi bei Petron. c. 66. p. 429. mit einigen Erklärern herzu- 
stellen. Die besten Codd. geben saucunculum^ was leicht in 
saviunculum verändert werden kann* Samltum ist eine Art von 
Büsscm Gebäck, wie unsere Baiser. 

C. 29. endlich sfheint mir eine Lücke zu sein in den Wor- 
ten: in his tibi ludos circefises interpretare ^ cursus seculi in-' 
tuere ^ tempora labentia^ spatia dinumera^ metas consummatio^ 
nis esspecta , u. s. w. Ich glaube nämlich , dass hinter labentia 
ein Verbum ausgefallen ist , da im Vorhergehenden sowohl wie 
im Folgenden jedes Substantiv sein eigenes Verbum hat. Es 
müsste wohl eins sein wie speeta oder ithnllch, das durch' die 



mtmmm^mmmmmmmmnm 



Gersdorfs Blbliotbeca patrnm eccles. lat. 193 

Aehnlichkeit mit dem folgenden spaita^ oder wegen des BpStem 
es6pecia hemuisfit;]. 

Soweit über diese beiden Schriften , deren besondere Beur- 
theiliiDg ich nilr vorgenommen hatte. Erlaube mir der Leser 
tioch^ einige schwierige nnd verdorbene Stellen aus andern 
Schriften kursE zn behandeln» 

^ De Idololatr. c. 4. t gut servitts taptdibu» et gut imagines, 
facitis aureas et argenteas et servitis phaniasmatibm et daemo- 
nn6 et ^ptritihus insanis. So h)Eit Hr. Dr. L. mit den Codd. des 
Ursin tmd Wo wer. geschrieben^ Während die andern Heransgeber 
meistens infamibus geben , nur Rhenan. aliein mit dem Cod. 
Agobard. infatnia schreibt. Wenn infätnis wirklich die richtige 
Lesart sein sollte^ so müsste es neben infamis^ der^gewöhnlichen 
findungy eine Nebenform infamus gegeben haben, flir die ich 
freilich kein ^weiteis Beispiel anführen kann. Vielleicht würde 
infandi$^ was in der Bedeutung von esecrabilis^ sceieatus, abo- 
ininabilis gebraucht wird ^ den Zügen der Codd. und ^em Sinne 
iiahe kommen, da mir in'sanis mehr ein Interpretament, als die ur« 
i^prungliche Lesart 2U sein scheint» 

C. 5. scheint mir erogationem ^ was alle Ausgaben ausser 
Rigalt geben, dem Hr. Dr. h. gefolgt ist^ die vorzüglichere Les- 
art. Tertuilian spricht hier nicht von der Verminderung und 
tfaeilweisen Beeinträchtigung des Qeset^eis, sondern vbn der gänz^ 
liehen AuJSbsung desselben, und das liegt in erogare und ero^ 
gätiö^ Was beim TertuUiaa soviel als enecare nnd perdere be^, 
deutet, cf. de la Cerd, 2U de Speet. e» 12. apud tuniuloa eröga-^ 
bafit^ ef. Apol. c. 44» cuiti tot innotentea erbgamuf; de 
Praescript. Heret. c. ^» tu demselben Capitel möchte wohl aug 
den Codd.) welche entweder sit ^ia tuia legibus oder JU 9)ia tuia 
leg. geben, tw emendtren sein si i)ivh tnia legibus^ 

C. 11. lese ieh ecquid matoria opera eat erga daethönia 
thüratiia f statt ecqUid ffiaiörh 'opetae H ergä daemonia thu-- 
rariuaf wo Hr. Dr^ L. emendirti Hquid mnioria operae eat erga 
ttaemonia quam thurariua^^ sowie ich e. 14. die Lesart des Cod.. 
Agobard. iaem et cöjfipec&are poasitHui beibehalte, dessen Crlösse 
mir cum eis peccare zu Seid scheiht. 

C. 18. geben die Mss^ dertgendö omni fasiigio et äüggeatu^ 
was tluhnk. Von deHgeo ableitet, für Solvi dissdlvi,^ da tigere 
von allem Stehenden, von statUd, suggestus ii. )». W. gesagt wer-* 
den könne. Ich möchte aber wohl ein Beispiel dieset fiedeutiiiig 
haben, obgleich ich derigendüa ah und für siiöh nicht verwerfe 
und dadurch der Ansicht der Gelehrten entgegentrete, daäS aus- 
ser derigüi keine Form dieses Verbi vorkomme. Nahe liegt die 
Dmendation dertdendö ^ die libei' mehr ein Glossem sein würde» 
Deriguo erklären die Gloss. durch &TtonfifVijc!i ^ d. h. iSilsammen- 
frieren lassen , cf. Philox. p. 68. detignit äit&ta'/rjy GlöäS; Cyrilh 
p. 390. dTtoaflyvvm deriguo i^ dnostij'yv'Vßai derigeor^ worditi 

iV» Jahrb, f,PhiU u. Paed, od, Krit» BihU Bdk XXXVI. Iffl^ 3. 13 



]j94 Ikirchenvätcr« 

bervorgebt) dag« ^eri^erQ eipst la aciiv^r Sedeutung leiiatiit 
habe; doch finde ich es nie in der von Rigalt vorg^eschlageneo 
Bedeutung gebraucht Aber derigere^ wahrscheinlich von de 
un4 ff^o zusammengesetzt , ist in der Glosse des^ Philox. p. 68. 
in der Bedeutung von l^unoötukaiy und derigenda m der von 
l£aÄ0<ftaAT£a, d. h. wegschicken, wegwerfen, aufgeführt. Viel- 
leicht geht hierher die Stelle des Plaut. Cure. III. 24. und die 
Glosse des Tert. p. 53. Auffallend bleibt die Stelle immer. 

C. 23« lese ich für cum scires utique voluisti^ et es tarn in 
facto quam in cogitaiu: voluisli: reus e« (wegen des Compea« 
dium re* es verderbt)* 

Apologeticus. 

C. 6. nunc religiosissimi legum et paternorum instiluiorum 
protectorea et ultores respondeant liest Hr. Dr. L. aus dem Ago- 
bard., Fuld. und Lagd. Sollte tuitores hier nicht dem Sinne an« 
gemessener sein oder auch tutores ? 

C. 7. ist mir stets in def Stelle: dicimus scelerattssimt de 
sacramento infanticidii et pahuto inde höchst auffallend gewe« 
sen , wo inde für eorum stehen würde sc. infantum , aus infanti- 
cidii :^u erganzen. Die ganze Verbindung ist eine höchst kühne, 
gewagte, obgleich sich der Gebrauch von inde für Personen aus 
Plaut. Pseud. II. 2. 28. vertheidigen lässt: quia videre inde esse^ 
i. e. ex eo milite, illius militis, of. Cure. V» 3. 43., und inde 
gerade bei den Wörtern des Essens und Trinkens besonders im 
Gebrauch ist, cf. Bufra. ad Virg. Aen. XIII. 661. Ovid. Fast. III. 
273. rivua: aaepe aed exiguia haustibua inde bibea; II. 257* 
inde aatur. Früher glaubte ich, dass in Aem pabulo inde eitk 
Substantivum wie pabulatione entlialten sei. llebrigens möchte 
die Lesart einiger Codd. pabulo crudae nicht zu übersehen sein, 
in der vielleicht pabulatum^ eine bei den Afrikaner^ sehr beliebte 
Bildung , oder etwas Aehnlichcsi versteckt lie^t. 

C. 15. muss zum Theil aus dem Cod. Fnld. mit Rigalt und 
Haverkamp gelesen werden: ai honorem inquinant divinitatis^ 
ai maieatatia faatigium ßdvolant. Inquinant für inquietatant 
habe ich wegen dei^ obigen nonne violatur maiestaa et divinitas 
conatupratur emendirt, advolant aber wegen der Parallelstello 
advers. Nat. I. c. 10. , wo dieselben Worte stehen, und ich ebenso 
inquinant vorziehe. Auffallend ist es^ dass Hr. Dr. L. im Apolog. 
ebaoletant^ in den andern Stellen advolant vorzieht. Wenn ob* 
' aoletare an der ersten Stelle richtig ist, muss freilich inquieiant 
stehen bleiben, weil Beides sonst dasselbe bedeuten wurde; cf. 
Intt. ad Plaut. Rud. U. 4. 11. Isidor. Gioss. p. 689. obaolitatua 
pollutua^ inquinatua^ wo obaoletatua noth wendig zu lesca 
ist, GIoss. Arab. Lat. p, 708. obsolito oblero vel inquiho, Tertull. 
Scorp, c. 6. qui veatitum obsoletasaent nuptialem. 

C, 21. p. 89. flu. möchte die Lesart des Cod» Fuld«, des Ri- 
galt und Haverk« guam apud vaa aaaeverare de Romulia (für 



Gersdorf: Bibliotheca patram ecdes. lat. 195 

Somulo) Procuti sotent gchofi wegen des folg:etiden Promli bet- 
zubehalten sein. Dieser Plnral findet sich nicht selten beim Ter- 
tall., z. B^ 22. sciunt Creeei eciunt Pjftrki^ und ebcndas. 
phantasmata Ca3torüth% 

C. 23, steht in den Codd. tae^B prbdueaiur üUquia ex iis^ 
qui de deö pati exiHimüntur ^ qui arls inhalantes numen de 
nidofe condipiünt, qui rüctando curantur ^ qui anhelando pro- 
fanitlr, ftigalt wollte dafür cönmtur lesen (was Besnard. liber- 
BCtzt: Die Gottheit 1^ Uf eiche Bie rülpsend »ön sich zu geben 4e- 
tnüht sind)% Conari yviÜ Rigalt von den ^[reisenden gebraucht 
hierher übertragen* Näher iSge für diese Conjectur die Stelle 
bei ApuL Florid. p* 44. id vero quod didicit. ita similiter nobia 
tanit (psittalius)) Ut VoCem si audiae^ hominem putes ^ corvi 

?uidefn si audiaa, idem conare non loqui^ wie wohl zu lesen ist. 
lauti Pers. Prot. 9« picasque docuit noatra verba €onar\. 
Haverk. emendirte curvantur ; Mr. Dr. L. occupantur oder oc- 
aureant; ich glaube) ariolantur liegt nähere oder besser noch 
faugurantur^ 

C. 26. lese Ich lur: prior ed quihü^äam ätie mia ailveslria 
Borna ^ ante regnavii quam tantum ambiium Capitolii exatineret 
nus den Mss«, die alle exatineretur haben i i^nio cum ambitu 
Capitolium exatrueretur. 

Advetä, NaU 

t. e. 4. wird durch die Emendatfam nti^^^^ fftttö f^rö ünte 
hoc nomen vagoa^ vileay improbaa norant^ emendatea repente 
mirantur für aliquoa retro ante Hot die Verbindung und der Zn-^ 
sammenbang der Stelle tti«iner Ansicht nach voUkomiDen her-» 
gestellt Ueber die Bedeutung des Bliqüia beim Tertull. habe 
ich schon oben gesprothen» 

C. 9. die lückenhafte Stelle t j^ ^eria reäunäü^erki »I 
Nilua non redundavit^ ^i coelum atetit^ ai terra movit^ ^ , • » 
iiva vaatavit^ ai famea afflixit^ atatim omnium vox^ Chriati 
• • • k • . k tum muss aUi dem Apolog. t. 40. supplirt Werden ^ wo 
es heisst: ai Tiberia adacendit in moenia^ ai Nilua non adacen* 
dit in arva^ ai coelum ateiitn ai terra movit», ai famea ^ ai luea^ 
und so möchte ich auch hier ai luea eaatavit lesen» 

IL e» 5. fülle ich die Lücke so aus s ka ereder^ cöütingü 
etementorum poteatatea et arbitria eaae fuae Bunt aervitutea et 
officium 

C. 9. fin. scheint mir aus dem Zusftminenhattge die fiiüen^ 
dation belliaaimoa für ütiliaaimod nothwendig^ was um so leichte^ 
entstehen konnte ^ als für bellua in den Codd* meistens vetlus 
steht und so die Abänderung von tetliaaimoa in ütilissiniUä nidit 
2u fern lag. Viiliaaimoa geht« soviel ich einsehe ^ gai^ iiichb Ich 
wüsste wenigstens nicht ^ in welchem Sinne die Freieir däi> Pene^ 
lope 60 genannt werden könnten« So haben £• B. beim Aptileiüi 



19^ MathematiJiL« 

Met V. p. 380. aeiatem portal heUule die Msg. die Variante* 
vellule und velule , was von utile nicht weit entfernt liegt. 

C. 10. ist für de lenonio ludo iactitat se somr^ Herculis 
funciam el potuit dum antmo contemplatur ^ sorMo pati zu 
lesen : Herculi iunctam^ cf. c. 12, p. 170. sed ipse pubescens so- 
rori 8uae iungitur. 

C. 12. möchte ich statt des Wessen Ablativs iandem ßlio in 
ienebris oppressus regnoque privatus est ans dem vorher^hen- 
den iandem (geschrieben tande) noch de entnehmen nnd de ßlio 
lesen, nach einem dem TertuUian \md den übrigen Afrikanern 
geläufigen Sprachgebrauche , die Präposition de bei der Angabc 
der Ursache, des Ausgeheus von Etwas zu setzen; z. B« in ahn- 
lidier Weise Apol. c. 23. de deo pati esistimantur. 

De Testim, animae c. 1. möchte es wohl angemessener «nd 
bezeichnender sein , mit dem Cod. Agob. eam te voco quae sclio- 
lis formuta^ bibliothecis exercitata^ academiis et pvrtictbus 
pastä (für pastam) sapientiam ructas zu lesen. C. 5. möchte ich 
entweder steine mirum^ si a deo data eadem canit quae d€us 
suis dedit nosse ? oder blos sie mirum lesen , aber mit eineni' 
Fragezeichen hinter nosse* 

So ist noch Manches in diesem ersten Bande, mit dessen 
Beurtheilung ich mich begnüge, worin ich mit dem Hrn. Dr. L. 
nicht übereinstimmen kann. Das Lob ist dem Autor zum wenig« 
Bten zuzuertheilen, dass er in neuerer Zeit auf den Tertulliaii 
aufmerksam gemacht und in manchen Punkten seine Leetüre 
erleichtert hat« Möge das Werk überall mit der Lust gelesen 
werden , mit der ich es durcharbeitet habe. 

Halle. Dr. Q. F. Hildebrand. 



Anfangsgründe der reinen Mathematik für den Selbst- 

«ntcrricht von Karl Koppe , Oberlehrer am Gymnasium zu Soest. 
Essen bei G. D. Bädeker. I. ThI. mit dem Titel: Die Arithmetik, 
Algebra und allgemeine Grossenlehre. 1836. XVITI und 272 S. 
(1 Fl. 12 Kr.) ; II. ThI. : Planimetrie und Stereometrie mit 6 Figu- 
rentafeln. XX und 241 S. (1 Fl. 36 Kr.) ; III. Thl. : Die ehenc 
und sphärische Trigonometrie mit 3 Steindracktafeln. 1837. VIII und 
187 S. (54 Kr.) ; IV. Thl. : Die niedere Analy^ leicht fasslich dar- 
gestellt und durch Beispiele mehrfach erläutert. 1838. X und 135 S. 
(54 Kr.) 

Der Verf. wurde ton dem Schul -Collegium zu Munster 
im Jahre 1834 aufgefordert, ein mathematisches Lehrbuch zur 
Einführung am Gymnasium zu Soest vorzuschlagen, und wählte 
für diesen Zweck die Elementar -Mathematik von Ohm, fiigtc 
aber für die Besorgniss des zu hohen Preises jenes Werkes für 
ein Schulbuch die Erklärung bei, gelbst einen Leitfaden für den 



Koppe ! Anfangsgrunde der reinen Mathematik. 197 

Unterricht hcransgeben zu wollen. Jene Behörde genehmigte 
diesen Vorschlag und nach Eünsicht. des Manuscripts des vorlie- 
genden Tlieils die EInfi'ihrung an der Anstalt. Diese Umstände 
hewogen den Verf. zur Herausgabe seines Lehrbuches, welches 
iia^ den Ansichten Ohms bearbeitet und auf dessen Methode 
gegriindet ist« Diese hat allerdings Tiele Vorzüge vor der in 
vielen Lehrbüchern beobachteten ^ aliein sie ist für den Gymna- 
sial -Unterricht doch manchen Aenderungen unterworfen, die der 
verständige Lehrer vornehmen muss. Zugleich bemerkt Ref., 
dass ihr der Verf. selbst nicht in allen Thellen getreu geblieben, 
sondern mehrfach von ihr abgewichen ist^ Die nähere ^lachwei- 
sung führte zu weit. 

Die Bestimmung des Buches ist^ dem Schüler ein Hülfsmittcl 
%ur häuslichen Wiederholung des in der Schule gehörten Unter- 
richts zu gewähren (T) und in den späteren Abschnitten , weiche 
für reifere Schüler geschrieben sind, wohl auch zur Vrrbereftung 
auf den Unterricht, vielleicht auch föhfgercn Schülern zum eige- 
nen Studium einzelner Lehren zu dienen, wenn diese wegen 
heschränkter Zeit X)der um anderer Hindernisse willen in der 
Schule übergangen werden müssen. In der Vorrede spricht sich 
der Verf. über die Art der Bearbeitung , über den Gebrauch des 
Buches und über die beim mündlichen Unterrichte zu beobach- 
tende Methode sehr weitläufig ans^ welcher Ref^ im Ganzen wohl 
beistimmt, die er jedoch im Besonderen mehrfach modificirenf 
würde, wenn er sie nach ihrem ganzen Inhalte und Umfange, 
nach ihrem pädagogischen und wissenschaftlichen Werthe bespre- 
chen könnte. Er wurde dem Verf. vieljährige Erfahrungen ent- 
gegenhalten und theilweise seine Ansichten bestätigen, theilweise' 
aber auch modificiren. Namentlich muss er sich gegen das üe- 
bergehen von arithmetischen ©isciplinen ernstlich erklären, da 
hierdurch viel Schaden angerichtet und der innere Zusammenhang, 
die zureichende Begründung den Darstellungen entzogen und die 
Arithmetik ihres wissenschaftlichen Charakters beraubt wird. 
Auch soll der Schüler so viel als möglich selbst entwickeln, wozu 
iiim gewisse allgemeine und bestimmte Erklärungen, und aus die- 
sen abgeleitete umfassende Sätze, Grundsätze, als Grundlage 
dienen müssen, worauf gerade Ohm ein sa grosses Gewicht legt, 
die aber der Verf. vielfach vernachlässigt hat. 

Das ganze Lehrbuch soll die reine Elementar - Mathematik, 
also die besondere und allgemeine Zahlehlehre mit Ernsehluss der 
sogenannten Algebra, die Geometrie in ihren einzelnen Theilcn, 
als Longimetrie, Planimetrie und Stereorafetrie nebst den Elementen 
iler ebenen und sphärischen Trigonometrie, zugleich aber noch die 
Lehre von den Kegelschnitten enthalten, welche an vielen preus- 
sischen Gymnasien vorgetragen würden: wohin sie nach des Ref. 
Ansicht durchaus nicht gehören, da sie das cktssische Studium 
ohne besonderen Gewinn beeinträchtigen tmd die Zeit ffir dieses 



198 Mathematik. 

beschränken« Die drei ersten Theile enthalten die Aritlimetifc, 
Planimetrie, Stereometrie und Trigonometrie; der vierte und 
Iptzte die Elemente der höheren Gleichungen ^ die unendlichen 
Reihen, die imaginSren Ausdrücke und die Kegelschnitte. 
Sucht man für diese Anordnung eine' leitende Idee, so bemüht 
man sich vergebens; dem Verf. scheint keine , wenigstens nicht 
die aus dem inneren Wesen der Mathematik hervorgehende 
Idee vorgeschwebt su haben, sonst wurde er in der Einleitung 
sich ganz anders haben erklären und die Materien der Grösseu- 
lehre, Mathesis, zweckmässiger ordnen müssen. 

In* zwei Theilen, deren einer die besondere und allgemeine 
Zahlenlehre mit Etnschluss der Gleichungen bis zum 4« Grade, 
die Proportionen , Logarithmen , Progressionen unendlicher Rei- 
ben und zusammengesetzte Zinsrechnung , der andere die allge- 
meine Geometrie, als Longimetrie, Planimetrie und Stereometrie, 
dann die besondere, als Goniometrie, ebene und sptiäriscbe Tri* 
gonometrie und höchstens die Elemeflte der Polygonometrie als 
Anwendung jener enthalten würde, lassen sich alle Gesetze und 
Wahrheiten der Zahlen« und Raumgrössenlehre in einem einfa- 
chen, consequenten und jedem Schüler von 14 bis 18 Jahren 
verständlichen, leicht fassüchen Vortrage bei einem 4^1ükjrigen 
Curse mit wöchentlichen 3 bis 4 Stunden bei jedem mit einer sol« 
eben GründUchkeit zum klaren Bewusstsein bringen, wie es nur 
immer verlangt werden kann. Der Lehrer muss es nur v§|rstehen, 
seine Schüler und den ihnen dargebotenen Stoff zu behandeln; 
^r wird nicht Ursache haben , bald hier , bald dort ein Kapitel zn 
überspringen und für den späteren Vortrag zu versparen, wie 
der Verf. und mit ihm nicht selten Ohm annehmen wollen. 

Da der Verf. durch die Bemerkung, vor dem Jah^e 1834 
Jl^ein gutes Lehrbuch gekannt zu haben, den mitunter vorzüglichen 
Lehrbüchern mancher Verfasser ^ welche höchstens gegen die 
Anordnung der Materien es verfehlten, den Werth abspricht, 
also gleichsam den Stab bricht; so hält es Ref. im Interesse des 
betheiUgten Publikums und der Wissenschaft für seine Pflicht, 
die Arbeit des Verf. nach Ihrem wissenschaftlichen und pädago^ 
gischen Werthe zu beurtheilen und das Publicum mit dessen Vor« 
Zügen und etwaigen Mängeln bekannt zu n^achen. 

Die Einleitung von 2 Seiten soll den Anfänger mit dem 6e« 
biete der reinen Elementar* Mathematik bekannt machen, ver* 
sinnlicht ihm aber weder das Erwachsen der Grössenlehre au» 
den Eigenthümlichkeiten, Eigenschaften, Veränderungen, Ver- 
gleichungen, Beziehungen der Grössen, u. s. w., noch den Cha- 
rakter der Zahlen- und Raumgrössenlehre, noch das Wesen der 
mathematischen Methode, welche die Grundlage für jeden ge- 
deihlichen Unterricht in der Mathematik ist, ohne welche weder 
solide Kenntnisse, noch treffliche Fortschritte zu erwarten sind, 
und ohne welche jene Selbstthätigkeit des Schülers, sich zu 



Koppe: AafaBgi?grttnde clor retftea MMheonatik^ 199 

zeigen, zn i^ben itni zti er^raftigen, jene Liebe, welche die 
Schüler ftir die Wissenschaft gleich Ton vorn herein bekominen 
sollen und in welcher der Erfolg des Vortrags sicher nnd fest 
begründet ist und die Fähigkeit keimt ^ im Gebiete der Wissen- 
schaft mit Sicherheit nnd Leichtigkeit Torwarts zu schreiten^ 
worauf Ohm das ganze gewicht seiner Methodik legt^ niemals 
erreicht wird. ]Mit ihrem Inhalte und ganzen Gebiete, da es jtt 
mir in g;riindKcher nnd bestimmter ZergKedertmg^ des Gegen- 
standes, Erklärungen, in den hieraus abgeleiteten, einfaches 
nnd elementaren Sätzen, Grundsätzen, in den jede Bisciplia 
beherrschenden Lehrsätzen und daraus abgeleiteten Folgesätzen, 
in den bündigen Beweisen jener, in den Aufgaben und Zusätzeä 
besteht, muss der Anfäuger innigst vertraut sein, umaiifseii;^ 
Eindringen in d^s Wesen der Wahrheiten rechnen zu können. 

Mathematik, sagt der Verf., ist die Lehre von den Grössen. 
Zuerst hätte er den Begriff und die Betrachtungsweise der Grösse 
erklären und an ihren Eigenschaften, Yerändernngen^, Verglei- 
chungen und Beziehungen nachweise« sollen , inwiefern Grosses 
gleich oder ungleich, verhältnissmässlg , congrueut und ähnlieh' 
sein können , und inwiefern ans diesen Betrachtungen ohne Ruck-« 
sieht auf Yersinnlichung die eigentliche Grössenlehre, Mathesis, 
und mit Bezug auf diese die Mathematik erwuchs. Zahl ist j,ede 
der Zeit angehörige besondere oder allgemeine Menge von Bin- 
gen gleicher Art; mithin musste die Erklärung von gleich- oder 
ungleichartigen Dingen vorausgehen. Jede Zahl hat im Grunde 
einen Namen, ist also benannt, mithin würde man sie besser in 
bestimmte und unbestimmte eiutheilen. Beir BegrifP ,,allgemeine 
Grössenlehre^^ deutet der Verf. th eil weise unrichtig, da hier- 
unter auch die Raumgrössen verstanden sind, jener aber nur 
Zahlen darunter versteht. Zahlen- und Raumgrössen sind ent- 
weder besondere oder allgemeine, wornach es eine besondere 
und allgemeine Zahlen- und Raamgrössenlehre giebt« So viel 
Iku Allgemeinen. 

Der erste Theit enthält naeh des Terf. Ansicht die Antb- 
ibetik und allgemeine Grössenlehre in 2 abgesonderten AbseUnit- 
fen, dereo letzterer von den benannten Zahlen, vom Messen, 
von den Verhältnissen und Proportionen und im Anhange von der 
SSinseszinsrechnung handelt; ako gehören diese Materien nicht 
zur Arithmetik und doch behandeln sie Gesetze von Zahlen, 
woraus der Verf. da& Unzweekmässige seiner Eintheilung und An« 
sieht erkennen mag«. Die Arithmetik zerfällt in eine besondere 
und allgemeine^ jene hat alle Gesetze in besonderen, diese in 
altgemeinen Zeichen darzustellen; von jener erhebt sich der Ler- 
nende allmählig zu dieser und erhält jene berührte Selhsttfaätlg« 
keit , Selbstständigkeit und Liebe im Vorwärtsschreiten» 

Die Arithmetik zerlegt der Verfi in 9 Abschnitte und behan- 
delt im !• S. 3 — 20« die sogenannten vier Species,^ und dodi 



200 Mathematik, 

spricbt er in der Vorrede von sieben Cfrundoperatlonen , indem 
^r die logarithmisclien Gesetze 211 diesen rechnet; im 2. S. 22 — • 
^2, die Ausdnic1(;e, welche durch allgemeine Anwendung jener 
gpecies entstehen; gleich als ob nicht auch durch das Potenziren, 
Radiciren vnd Logaritbmiren Ausdrücke entständen; im 3. die 
Potenzen, Wurzeln und Logarithmen S» 52-— 80<; im 4, S. 80 — 
%il^ die decadisQhen Zahlensysteme und die numerischen Ope« 
ratioqen; im 5« S. 117-^138« die Theiler und Vielfachen ganzer 
gaWen; im 6. S. 138-^150. die Kettenbrüche; im 7, », 150-^ 
196. die Gleichungen mit Einschluss der arithmetischen und geo- 
metrischen Proportionen , der quadratischen, transcendentcn und 
unbestimmten Gleichungen; im 8. S. 197 — 218. die combinato- 
rischen Operationen, und im 9. S, 218 — 235, die arithmetischea 
und geometrischen Reihen« 

Hält man die. Grundidee der Zahlenlehre fest, dass sie in 
dem Bezeichnen, Stellen^ und Charakterwerthe, in dem Verän- 
dern nach den drei' Vermehrungs- und Verminderungsoperationea 
ganzer und gebrochener , e^jifacher und zusammengesetzter, posi- 
tiver und negativer Grössen , in der auf analytischen Gleichungen 
beruhenden Syntaktik y in der Vergleichung und endlich in der 
Bezidbiung der Zahlen mittelst Verhältnisse, Proportionen, La« 
garithmea und Progressionen und in der Anwendung der theore- 
tischen Gesetze auf praktische Rechnungsfälle besteht; so enU 
spricht ihr die Anordnung des Verf. in vielen Fällen nicht , und 
Ref. kann letztere nicht als eine aus einem consequenten Zusam-« 
menhange der sich wechselseitig begründenden Disciplinen her- 
vorgehende ansehen ; es fehlt ihr die das Ganze beherrschende Idee 
und sie zerstückelt mehrfach die einzelnen DiscipUnen, welches 
keine Billigung terdient. Addition und Subtraction, Multipli- 
cation und Division, Potenzirung und Radicirung aller Zahlen 
bilden drei Gegensätze, aufweichen die Gleichungslehre beruht, 
und diese bildet wieder die Grundlage für das Beziehen der 
Zahlen. Hithin mussten Materien des 3. Abschnittes mit dem 1« 
vereinigt^ die Lehre von den Theilern nach den gemeinen Brü- 
chen, ihnen die Decimal- und Eettenbrüche , die Rechnungen in 
Potenz -y Wurzel- und imaginären Grössen, diesen die combina- 
torischen Operationen, dann als 2. Hauptabschnitt die Gleichungs- 
lehre und als 3, die Beziehungslehre und endlich als 4% die 
praktische Arithmetik mit der zusammengesetzten Zinsrechnung 
folgen. 

Eine allgemeine Uebersicht der Zahlenlehre musste den 
Anfänger mit den allgemeinen Begriffen: besondere und allge- 
meine Zahl, gleichartige und ungleichartige Einheiten, ganze und 
gebrochene, positive und negative , einfache und mehrfache Zah- 
len, mit den zwei Hauptverändernngsarten und ihren Modificatio- 
nen, mit dem Charakter und den Grundbegriffen jeder der sechs 
Operationen., mit ihrer formellen und reellen Darstellung, mit 



Koppe: Anfangsgrunde der reinen Mathematik. 201 

den daraus hervorgehenden Gegensätzen, mit dem Wesen der 
analytischen und 'synthetischen Gleichungen, mit dem Charakter 
der Verhältnisse , Proportionen , Logarithmen und Progressionen 
bekannt machen und ihm dadurch eine allgemeine Uebcrsicht von 
dem Gebiet der Zahlenlehre verschaffen. Die aus diesen Erklä- 
rungen sich ergebenden Grundsätze sind nach des Ref. inniger 
Ueberzeugung jene umfassenden, ganz allgemeinen und eben des- 
liegen völlig einfachen und elementaren Sätze , mit welchen sich 
der Schüler am leichtesten vertraut macht und welche er wegen 
ihrer Allgemeinheit und Umfassendheit überall anwenden kann. 
Auf sie will unfehlbar Ohm verwiesen und seine Methode be« 
gründet haben , ohne sie überall gleich umsichtsToU und conse- 
quent befolgt zu haben; auf sie musste der Verf. seine Darstel- 
lungen zurückführen, um im Geiste der bezeichnenden Methode 
zu verfahren , was jedoch nicht geschehen ist. 

Die Buchstaben bezeichnen eigentlich allgemeine, und nicht 
gerade unbestimmte Zahlen. Bevor der Verf. von zusammenge- 
setzten Zaiilcn spricht, muss er erklären, welche Operations* 
zeichen sie bilden; dann wird er jede formelle Darstellung einer 
Operation einen „Ausdruck^^ oder formelle Addition, formelle 
Subtraction u. s. w. oder ein formelles Product, einen formellen 
Quotienten u. s. w. nennen. Eine Gleichung ist kein Zeichen, 
sondern eine Function des Geistes, wornach zwei Ausdrücke so 
gleich sind, dass der zweite aus dem ersten entweder unmittelbar 
abgeleitet ist, oder dieser jenem gleich sein soll; dort entsteht 
eine analytische, hier eine synthetische Gleichung, worin die 
Gleichheit noch von einer Bedingung, einer zu bestimmenden 
Unbekannten , abhängt. Dass jode Grösse eine positive oder ne- 
gative Beschaffenheit hat, also mit positiven oder negativen Zah« 
len zu Operiren ist, und das Plus- und Minuszeichen eine dop- 
pelte Bedeutung erhält, einmal der formellen Addition oder Sub- 
traction, das andere Mal der Beschaffenheit, also Operations *- 
oder Beschaffenheitszeichen ist, sollte erklärt sein, bevor von 
Addiren oder Subtrahiren die Rede ist. Addiren heisst zwei 
oder mehr Zahlen entweder in eine formelle oder reelle Summe 
bringen und im letzten Falle eine Zahl finden , welche den ein- 
zelnen Summanden gleich ist, woraus sich die Grundsätze ergC"*. 
hen: „Gleiche Zahlen zu gleichen addirt, geben gleiche; un- 
gleiche zu ungleichen, oder gleiche zu ungleichen oder ungleiche 
zu gleichen Zahlen addirt, geben ungleiche Summen'^ welche der 
Verf. theilweise Lehrsätze nennt und beweisen will, was ihm 
jedoch nach seiner indirecten Weise nicht gelingt und gerade so 
viel ist, als wenn er die den Erklärungen zum Grunde liegenden 
Wahrheiten^ also die Merkmale einer Sache, welche sie von 
einer anderen unterscheiden, beweisen wollte. Niemals wird er 
aber eine Erklärung und eine ihr zum Grande liegende oder aua 
ihr sich ergebende Wahrheit an und für sich beweisen können. 



2SS Mathematik. 

In diesen Fehler ^egen jede logische Darstellung verßüt der 
Verf. in seinem Buche sehr vielmal, was hier für aHe Fälle be* 
tnerkt sei* 

]>ie blas attgegfebene SuMractlon zwischen zwei Grössen 
heisst eine formelle Differenz, und Siibtrahiren heisst eine 
Grösse wegnehmen oder aufheben und dadurch eine Zalil, Diffe- 
renz^ finden, welche zur subtraciiven Grösse addirt, die Haupt- 
^sse, den Minuend, giebt, wodurch sieh das Subtrahiren in 
negativen Grössen, weiche durch jenes Aufheben additiv werden, 
wogegen die Subtraction additiver (positiver) Grössen diese in 
subtractive verwandelt, ietcht und einfach ergiebt.. Auch hier 
ergebe» sich wieder mehrere Grundsätze, wovon der Yerf«. 
manche unrichtig zn Lehrsätzen oder Zusätzen macht. Beide 
Operationen sind mit grossem Aufwände von Sätzen , aber nichts 
weniger als einfach und leicht verständlich, d. h« so behandelt^ 
dass der Schüler gleich anfangs für die Wissenschaft gewonnen 
wird» 'Ein Lehrsatz f&r die Addition und Subtraction führt mit 
ilen Erklärungen des Wesens jeder Operation zu allen Wahr-- 
beiten, welche jeder angehören« Aehnliche Bemerkungen raüsste 
Ref. bei der MultipKcation und Division machen,, wenn er jede 
itai Einzelnen benrtheilen wollte, wozn ihm jedoch der Raum 
nicht gestattet ist. Der Verf. machte zu Lehrsätzen, was Erklä- 
rungen , Grtmdsätze oder Folgesätze sind, und zu Zusätzen, waa 
entweder Grundsätze oder Folgesätze sind.. Auch zeigt er m 
Aufgaben nicht, wie man die Operationen praktisch ausführt, 
tnconsequent sind die Anmerkungen S. 17 — 20.; sie betreffen 
die Bruchlehre, welche erst im 2. Abschnitte »bgeliaudelt ist;, 
zollen sie das vorher Ges.agte erläutern ■ oder auf das Nachfol^ 
gende vorbereiten? !n keinem Falle erfüllen sie dann, was sie- 
hezweckea sollen;; ja selbst^ wenn sie als reine Folgerungen 
tfngesehen werden ^ findet sie Ref.. nicht zweckmässig. Die in 
Form von Brüchen ausgedrückten ganzen Zahlen füllen unnöthig 
den Raum aus und konnten füglich wegbleiben ^ manche Sätze 
sind sogar unverständlich, z. B. die Sätze 42, 43 und 45 N. 1 — 8^ 
weU die Gründe dafür erst später folgen.. 

Die Vermischung der allgemeinen Differenzen und der mit 
ihnen vorzunehmenden Rechnungen mit den Brüchen ist nicht zu 
hilligen, so gut auch die Materie behandelt ist. Die formelle 
Summe zweier Grössen ist so gut ein Ausdruck, wie die formelle 
Differenz. Was der Verf. in der Scblussbemerkung und in § 93, 
bis 128« sagt, sollte viel früher seine Stelle gefunden haben; 
dann würde viel Raum erspart und grosse Kürze , aber doch der 
Zweck hesser erreicht worden sein. In den Sätzen 9^ — 106 
wird mit positiven und negativen Zahlen operirt und in § 108. 
iK d. f. ihr Charakter erklärt; ein gründlicher und consequenter 
Vortrag erfordert das umgekehrte Verfahren. Dass das Product 
aus zwei negativen Factt)ren oder der Quotient aus negativen 



Koppe ; Anfiingsgrandd der reinen Mathematik. 203 

Grossen positiv und bei migleiciieii Zeichen negfativ Ist, ttiiiss 
bewiesen werden. Warum eine Summe , deren Summanden ad« 
ditive oder subtractivo Ausdrücke sind , algebraisch heissen soll, 
ist um so weniger zu bi^gründen, als der Verf. noch nicht erklärt 
hat, was ,, Algebra oder algebraisch^^ ist und als diese Begrifio 
fast jeder Mathematiker anders deutet, weil si6 wedep wörtliche 
noch sachliche Bedeutungen haben. Der Begriff „allgemeiner 
Ausdruck^^ reicht aur Yersinnlichung hin. Warum in § 107. er** 
klärt wird, was Bruch, gan^e oder gebrochoe Zahl, ächter oder 
unächter Bruch ist , da doch von positiven und negativen Zahlen 
gehandelt werden soll, hat keinen Grund und die Darstellung selbst 
ist insofern inconsequeut., als die Rechnungen in Brüchen schon 
früher vorkamen. 

Ganze imd gebrochene Zielen fuhren den Namen „absolute 
Zahlen^^; ein additiver oder subtraktiver Ausdruck, dessen Glied 
eine absolute Zahl ist, heisst eine positive oder negative Zalil, sagt 
der Verf. § 107 u. 108. Ref. verglich mit dieser Darstellung den 
§ 48. des Ohm^schen Lehrbuches 1. Bd. und fand darin, dass jener 
sich sehr unklar ausdrückt und von der Darstellungswelse OhnEis 
keinen rechten klaren Begriff liaben mag. Jede durch Aufwärts^ 
sählen über Null entstehende Zahl ist dem Ref. eine positive; tmd 
jede durch Abwärtssählen unter Null entstehende eine negative 
besondere oder allgemeine Zahl, und Ausdruck ist ihm jede durch 
das Additions- und Subtractionszeichen gebildete, zusammenge« 
setzte Zahl, worauf die Erklärung des Verf. nicht passt. Auch 
Ohm deutet diesen Begriff unrichtig, so viel auch für die 
Subjektivität gerechnet wird. Jener ist diesem oft blind gefolgt 
und stellte die arithmetischen Gesetze nichts weniger als einfach, 
klar und einander consequent begründend dar, woraus sich die 
vielen unnöthigen, zweckwidrigen und den Raum unnütz ausful«- 
lenden Wiederholungen erkjiärea lassen , wie z. B. die Lehr- und 
Zusätze § 113-^123. beweisen, welche Grundsätze für die ein* 
zelnen sind, auf denen früher mitgetheilte Sätze beruhen, also an 
Ihrem gehörigen Orte stehen sollten. Dem § 112. lässt sich noch 
beifügen, dassjede negative Zahl von weniger Einheiten grosser 
ist als die von mehr Einheiten, wenn man sie auf die Null beziehe 

Den Begriff „Potenz^^ hat Ohm besser erklärt als der Verf.; 
dieser sagt: Den Ausdruck, welchen man erhält, wenn man a so 
oft multlpllcirt , als m anzeigt, — dieser, wenn man a so vielmal 
mit sich, multlpllcirt, als m anzeigt, nennt man eine Potenz; 
auch ist dem Verf. schon a ein Ausdruck und die aus ihm und dem 
Exponenten gebildete Potenz gleichfalls d. h. ein Ausdruck vom 
Ausdruck. Ohm unterscheidet genauer und geht mehrfach coa- 
sequenter zu Werke. Die Sätze 125 — 131 müssen streng^ be- 
wiesen werden ; das in der Anmerkung Gesagte entspricht keinem 
Beweise; Ohm fuhrt allgemeine Beweise., die jedoch Ref. von be- 
sonderen Exponenten zu allgemeinen orheht , weil diese Daittel« 



204 ' Mathematik 

Inngsweis^ dem jugendlicheti Geiste attein entspricht Zugleich 
gehören die Sätze § 170. zu § 130.; di« Sätze § 136 ti. 137. sind 
Grundsätze; ihre Wiederholong in § 171 — 174. ist eine unnöthige, 
ja verderbliehe Zersplitterung^ der Wahrheiten, die dem Anfänger 
niclit zusagt; dass Ohm eben sc^ verfuhr, konnte dem Verf. kei« 
nen zureichenden Grund für ein gleiches Verfahren abgeben. Ge- 
gen das Materielle hat Ref. nicht» einzuwenden ; es übertrifft die 
meisten Lehrbücher; allein das Methodische führt zu keinem den 
Gymnasiaischülern entsprechenden Ziele; diese gewinnen keine 
Selbstständigkeit, keine klare Uebersicht und keine Liebe zum 
freithätigen Vorwärtsschreiten. 

Die WurzeJgrösse nennt der Verf. zweckwidrig „Zeichen*' 
und die Wurzel aus der Null Ref. eine zwecklose Angabe; Ra- 
diciren heisst letzterem das Aufsuchen einer Zahl, welcli^ zur 
CO Tielten Potenz erhoben , als der Wurzelexponent anzeigt , den 
Radikanden wieder giebt. Die Sätze 146 u. 147 stellen eine und 
dieselbe Wahrheit dar, welche sich aus dem Charakter des Poten- 
zirens und Radicirens ergiebt, also eine Grundwahrheit ist und 
keines Beweises bedarf; Ohm betrachtet sie als blosse Zusätze zu 
«einer Erklärung, d. h. als Grund- oder Folgesätze und benutzt 
fiie für spätere Beweise» Die blosse Angabe der Sätze 148 — 155 
ohne gediegene Beweise, wie sie Ohm führt, entsprechen dem 
Gebrauch des Lehrbuches nicht; die Anmerkung reicht nicht aus. 
Die Sätze § 156 — J 59. sind Grundsätze, als welche sie auch Ohm 
an und für sich betrachtet. Das, was der Verf. Diiferenzpotenz 
nennt, ist eigentlich eine ausgeführte Division in Potenzgrössen, 
kam also schon § 130. vor, und § 166. wird sie erst erklärt, und 
doch sollen die Erklärungen überall vorausgehen. 

Diesen Untersuchungen lässt der Verf. die Erklärung der Lo« 
garithmen und ihre Gesetze folgen , weicht also von Ohm ab ; ob 
mit Recht, will Ref. nicht absolut entscheiden, seiner Idee ent-* 
epricht es nicht , weil er, wie die wörtliche Bedeutung sagt , die 
Logarithmen als Verhältojsszähler ansieht , sie also ihre Grund« 
läge in der Beziehung der Zahlen haben. Berücksichtigt man aber 
bloss die Sache, so erseheinen jene als blosse Exponenten der 
Potenzgrössen und hängen hiernach mit der Potenziehre eng zu« 
sammen, und der Verf. hat für seine Anordnung erhebliche Gründe« 
Kef. hält es für zweckmäsi^'g , ja für durchaus nothwendig, dass 
die Gesetze des Erhebens der Binomien und Polynomien zu Po- 
tenzen mit Entwickelung des Binomialsatzes , das Ausziehen der 
Wursteln , und dann die Rechnungen in Potenz - , Wurzel - und 
imaginären Grössen folgen. Die Logaritl;imeB würden daher durch 
jene Materien passender ersetzt und eine spätere Stelle finden ; 
das Radiciren aber beruht auf dem Potenzicen; jenes betrachtet 
der Verf. freilich nur für die 2. und 3. Wurzel; die Potenzformeu 
des Binomiums für den 4. und höheren Grad würden dem Schüler 
leicht den Weg bahnen. Das Materielle des 4. bis 6. Abschnittes 



Koppo I Anfangsgründe der reinen Mathematik. ^5 

ist im Allgemeinen ^t behandelt, »bwohl fur~ das Besöndei^ Man? 
ches zu erinnern wäre, z« B. dass die Multiplicatlon und Division 
in Decimalbriichen auf der Nachweisung dieser Operationen an 
ihnen mit 10, 100 u. s. w. beruht , dass zwischen zwei grösseren 
oder Itieineren Partialbrüchen oft Einschaltbniche möglich sind ; 
wie dieselben gefunden werden u. dgl. Ohm verfuhr consequcnter, 
wie das 6 — 10. Kap. seines Lehrbuches beweist. 

Ein Verhältniss Ist die Beziehung zweier Zahlen rucksichtlich 
der Untersuchung , wie viele Einheiten die eine metir oder wen!« 
' ger hat , oder wie vielmal die eine grösser oder kleiner Ist als die 
andere und erst daraus erwäclist die Erklärung, dass jede formeile 
DifTerenz ein arithmetisches und jeder formelle Quotient ein geo- 
metrisches Verhältniss ist. Dass die Gesetze der Proportionen 
den Gleichungen vorausgehen, ja unter der Aufschrift „Gleichun- 
gen^^ behandelt sind, hat des Ref. Beifall nicht, so gut die Ma- 
terie auch behandelt ist. Analytische Gleichung Ist jede aus ei-! 
ner formellen Operation abgeleitete Gleichheit von zwei Aus- 
drücken, deren erster die formelle Operation, der 2. ihre Resul-r 
täte enthält; ihr entgegen steht die synthetische, welche der 
Verf. nicht zweckmässig „algebraische oder Bestimmungsglefchung 
nennt, weil auch in der analytischen die Bestimmung eines Ge- 
setzes zum Grunde liegt. Der Zweck der synthetischen Glei« 
chung besteht in der Entwickelung des Werthes einer unbckann-< 
ten Grösse und nicht eines unbekannten Buchstabens; denn alle 
Buchstaben sind bekannt^ aber nicht die unter Ihnen verstandenen 
Werthe der Unbekannten. Ohm erklärt sich deutlicher und be-^ 
Btimmter, obgleich Ref. auch seine Darstellungsweise nicht über- 
all billigen kann. Transcendeute Gleichungen nennt er logarith-» 
mische. 

So viel auch über die Gesetze und Auflösung der Gleichun«. 
gen gesagt ist, so »wenig kann Ref. mit dem Behandeln einverstan- 
den sein. Aus' den drei Gegensätzen der Veränderungsarten der 
Zahlen ergeben sich drei Gesetze für die Theorie der Gleichun- 
gen ; sie beruhen auf eben so vielen Grundsätzen, werden mittelst 
dieser beweisen, und stellen sich als praktische Regeln dar. Ihre 
Anwendung bei Gleichungen besteht in drei Gesichtspunkten , ia 
dem Einrichten, Ordnen und Reduciren jener, woraus sich der 
Werth der Unbekannten ergiebt. Jene Gesetze und diese Ge- 
sichtspunkte sind gründlich und umfassend, und als Schlüssel zur 
Auflösung jeder Gleichung mit einer und theilweise auch mit mehr 
Unbekannten auf 3 bis 4 Seiten zu erörtern. Bei Gleichungen mit 
2 oder mehr Unbekannten nennt der Verf. das Verfahren , durch > 
Subtraction zweier Gleichungen eine Unbekannte zu entfernen,, 
die Additionsmethode und doch wird subtrahirt § 277. Die 3. 
Methode helsst zweckmässiger die Comparation; diese mit der 
Substitution nennt Ref. das direkte, die Additions- und Subtrac- 
tionsmethode aber das indirekte Verfahren; jedes hat die Entfer-. 



S0# Matbematifc. 

mmg diier Ünbekafknleii afott 2wedice und berufal ibf einem 
Graudsatse, der nicht übersehen sein sollte^ 

Die Behandlan^ der qnadratischien Gleichung darch firgSfci- 
Sinn^ des 3. Gliedes, um das Quadrat einefi BinomItiniB su erhalten, 
Ist nicht EU billigen; sie ist einfacher zu geben und der Wurzel- 
ausdruck lässt sich zweckttiässtirer gestalten^ um seine Ei^enthiim- 
lichkeiten zu ermitteln» Von Wurzelgleichun^en und ihrer Auf- 
lösung^ von der indirekten Auflösung quadratischer Gleichungen 
tnit 2 Unbekannten durch Bestimmung der Summe und DifTerent 
letzterer ist nibhts gesagt ; daher enthält das Buch einen fühlba- 
ren Mangel. Die Auflösung iogarithmischer Gleichung sollte an 
mehreren Beispielen versinnlicht sein» Was der Verf. unbe- 
stimmte Gleichungen nennte sind dem ftef. uUbestimtiite Aufga- 
ben ^ weil in ihnen der Werth einer Unbekannten stets Ton denl 
einer anderen abhängt. Die Materie selbst hat dei^ Verf. sehr gut 
und besser als jede andere seines Buches behandelt^ wie sich aus 
dem einfachen Verfahren ergiebt , die Unbekannten von Brüchen 
KU befreien* Den quadratischen Gleichungen sollte jedoch mehr 
Aufmerksamkeit gewidmet sein ^ weil sich aus ihrer Behandlung 
so interessante Gesetze von Zahlen ergeben« 

In der Behandlungsweise der comblnatorischen Operattoneti 
findet man mehr ein Anschliesseh an die alteren Schriften als nti 
die neueren ; der Verf. hat Rechte weil letzteren die Anschaulich« 
keit meistens abgeht» Ref. stimmt ihm völlig bei und hält seine 
Darstellungen für sehr gelungen und dem Anfanger Zusagend« Auf 
sie bauet er den binomischen und polynomischen Lehrsatz^ und 
begründet ihn sehr gut ; aliein Ref. erklärt seine Entwickelnng 
aus dem allmähligen Aufsteigen zur 2« 3. und höheren Potenz des* 
Binomiums und die Darlegung der hieraus sich ergebenden Ge» 
iretze der Exponenten und Coeificienten f6r anschanliclier iind 
darum dem jugendlichen Geiste fGr entsprechender; dieser sieht^ 
wie das ganze Gebäude entsteht und dringt in die* Entwickelung 
des polynomischen Satzes schneller und lebendiger ein. Die Erör- 
terung der gewöhnlichen und DTlferenzreihen verdient Beifall ; man 
findet sie in wenigen Lehrbüchern besser und gründlicher ^ daher 
sie Ref. empfiehlt. 

Die aligemeine Grössenlehre soll zuerst voh den benanntetl 
Zahlen handeln und doch bestehen die Erörterungen in lauter all-^ 
gemeinen Gesetzen^ welche sämmtlich schon vorkamen, also 
meistens zwecklos wiederholt werden. Das über das Messen Ge- 
sagte entspricht dem beabsichtigten Zwecke mehr Und die Mit- 
theilungen über Verhältnisse und Proportionen konnten sich iiur 
auf die besonderen Rechnungsfälle beziehen ^ da die allgemeinen 
Gesetze schon erörtert wurden. Eine grössere Ausdehnung der 
praktischen Rechnungsfälle wäre sehr zu wünschen. Auch über 
die Zinseszinsrechnung sagt der Verf. viel zu wenig; sie gehört 
zu den im praktischen Leben sehr häufig vorkommenden Füllen, 



Koppe : Anfangsgriiade der reinen Mathematik« ^7 

da auf ihr die rerschiedenen Kamen , das Aoleäiwesen , die Zu«^ 
Wachsberechnung der Forste u* s. w» beruhen. Durch Zusammen- 
siehung anderer DarsteiluDgeo würde für "diese Materie Raum ge* 
jiug gewonnen worden sein» 

Ref. ist in der Bcurtheilung dieses 1. Theiles atisfuhrlichcr 
g^eworden , als er beabsichtigte ; allein die Wichtigkeit äer Sache 
und das Streben^ jede abweichende Ansicht wenigstens kurz zu 
begründen ^ um nicht zur Zahl der oft nur oberflächlich aburthei • 
lenden Recensenten gerechnet zu werden, zugleich aber auch dl 3 
Schrift nach ihrem ganzen Gehalte zu beleuchten und dem Verf. 
zu beweisen ^ dasa es ihm nur um die gute Sache zu thau ist, 
enthalten Gründe genug für eine umfassende Beifrtheilung. Wie 1 
er auch im Methodischen und Scientifischen oft vom Verf. ab, so 
will er seiner Schrift die besondere Brauchbarkeit doch nicht ab- 
sprechen ; nur muss der Lehrer die Materie tüchtig zu behandeln 
verstehen. Dieser 1. Theil enthält vieles , was andere Lehr« 
bücher nicht enthalten; verbessert Manches , was diese iversahen ) 
hat viele Vorzüge vor diesen und gewinnt an Gediegenheit, wenn 
ihr Verf. die Winke des Ref. bei einer etwaigen 2. Auflag^ 
berücksichtigen will. 

In den Darstellungen des 2. Theiles befolgt er einen Ideen* 
gang, der von der gewöhnlichen Stufenfolge, in welcher man die 
geometrischen Wahrheiten vorträgt, mehrfach abweicht, aber in 
dem Wesen der Raumgrössen begründet und nach des Ref» inni« 
ger Ueberzeugung der allein richtige ist, iveil er vom Einfachereil 
zum Zusammengesetzteren fortschreitet, den Lernenden an ein 
consequentes Denken gewöhnt, ihn mit dem Zusammenhange dec 
Wahrheiten ganz vertraut macht und in ihm jene Liebe zur Wis« 
senschaft erzeugt, welche allein hinreicht, die Früchte des Un-> 
terrichtes und des Selbststudiums zu sichern. Der Uebergang von 
der geraden Linie und vom Winkel zu den parallelen Linien , zu 
den Vielecken und zum Kreise ist in der Natur der Sache gegrün-. 
det und weicht von den meisten Lehrbüchern insofern ab , als in 
diesen nach den Gesetzen von den Winkeln die Lehre vom Drei« 
ecke folgt und durch letztere die Theorie der Parallelen begrün- 
det zu werden versucht wird, was offenbar inconscquent ist, weil 
die Parallelen mit dem Dreiecke nichts gemein haben, wobei Ref« 
von -der Ansiebt ausgeht, dass die Raumgrössenlehre es entweder 
mit einer Linie, ihrer Grösse und Richtung , oder mit 2 Linien in 
ihrer Vereinigung, Winkeln, und in ihrer Parallelität ; oder mit 3 
Linien, sich in einem Punkte schneidend , parallellaufend oder ein 
Dreieck bildend, oder mit 4 und mehr Linien unter denselben Be- 
dingungen {und endlich mit dem Kreise, als höchstem Vielecke, 
zu thun hat und dann zur Körperlehre übergeht. 

Diese Ansicht des Ref. scheint dem Bache zum Grunde zu lie- 
gen ; nur findet der Verf. einen Uebelstand darin , dass sich nicht 
mit Sicherheit darüber entscheiden lasse, welche Sätze eigentlich 



208 Mathematik. 

zum Kreise gehörten, da die Sätze, welche er in seiner Schrift 
unter diese Ueberslcht zusammengefasst habe, sicli mit wenigen 
Ausnahmen auch ohne den Kreis behandeln lassen* Ref. be- 
merkt, dass die J^ntwickelung der Gesetze der Figuren ohne Zu- 
bülfnahme des Kreises durch die Selbstständigkeit der Lehren ge- 
boten ist, tmd dass das Lehrbuch von Grelle gerade in dieser 
Beziehung einen wesentlichen Vorzug hat, und trägt kein Bedefi" 
ken, den Ansichten dieses Mathematikers beizutreten» Ein wichtig- 
ger Vorzug der Arbeit des Verf. besteht noch darin, dass die eigent- 
' liehen Linien - und Winkelverhältnisse der Figuren von ihrer 
Fläche meistens getrennt sind ; jedoch ist diese Idee nicht rein 
verfolgt, indem alsdann die Raumgrössenlehre in drei Hau ptth eile, . 
hl die Longimetrie, welche sich mit den Linien, Winkeln, Pa- 
rallelen und mit allen die blossen Linien und Winkel der Figuren 
betreffenden Gesetzen befasset, in die Planimetrie , welche die 
Flächen hinsichtlich ihrer Berechnung , räumlichen Vergleichung, 
Verwandlung und Theilung betrachtet, und in die Stereometrie, 
welche sich mit den Körpern beschäftiget, hätte getheilt werden 
müssen. In der Ansicht, jenen 1. Theil zur Planimetrie zu rech-» 
nen , stimmt daher Ref. dem Verf. nicht bei, wiewohl er dessen 
Bearbeitung und Anordnung des Stoffes zu den gelungensten 
rechnet und darum das Buch zum Gebrauche an gelehrten Schu«* 
len ganz besonders empfiehlt, da es sich durch Consequenz^ durch 
Kürze, aber doch wissenschaftliche Begründung der Wahrheiten^ 
durch Einfachheit und Fasslichkeit besonders auszeichnet. 

Der 2.Theil, welcher mit dem 1. und 3., der ebenen und sphä«> 
rischen Trigonometrie, ein Ganzes ausmacht und die Elemente der 
Geometrie enthält, zerfällt nach einer kurzen Einleitung (S. 1-^2.) 
in die Planimetrie und Stereometrie; erstere wieder in 12 Ab>' 
schnitte: L Von den geraden Linien (§ 4 — 60$ D. von den 
Winkeln (§ 7 --24.) 5 III. Von den Parallelen (§ 25—34.)^ IV. 
von den geradlinigen Figuren im besonderen vom Dreiecke und 
Vierecke (§ 33 — 77.) 5 V. vom Kreise hinsichtlich seiner Punkte^ 
Linien, Winkel und der Figuren in Und um ihn (§ 78—117.)) 
VI. von vermischten Aufgaben über Linien, Winkel, Dreiecke und 
«reis (§ 118 -- 130.),- VII. von der Aehnlichkeit der Figuren 
nebst Aufgaben (§ 131—146.); VIII. von den Bedingungen der 
Gleichheit und von der Inhaltsberechnung geradliniger Figurto' 
(§ 147 — 1760 ; IX. von der Ausmessung des Kreises (§ 177 — 
182.); X. \Qß vermischten Sätzen und Aufgaben hinsichtlich der 
Theilungen und Verwandlungen geradliniger Figuren, vieler Sätze 
tom Dreiecke und Vierecke; der Figuren in und um den Kreis, der 
Linien, die sich schneiden, der geometrischen Oerter Und der Ver-» 
gleichungen des Inhaltes und Umfanges geradliniger Figuren (§• 
183 — 236.); XI. von Rechnungen der Figuren und Berechntmg 
der Zahl ä (§ 237 — 250.) und endlfch XIL von der geo- 
metrischen Construktion algebraischer Ausdrücke in Sätzen und 



Koppe: Anfangsgrunde der reinen Mathematik. 209 

Aufgaben (§ 251—267.). Die Steredmetrie zerfiillt nach einer Bin- 
Idtung über Linien In zwei sich schneidenden oder parallelen Ebe- 
nen (§ 1^-19.) in 3 Abschnitte, deren erster vom Flachenwinkel, 
von Ebenen und Winkeln^ nebst Projektionen § 20 — 54.; der 
2te von körperlichen Dreiecken § 55 — 74. und der 3. von den ecki- 
gen, runden Körpern und von der Ausmessung derselben *§ 75 — 
143. handelt. Die Aufgaben sind stets von den theoretischen Er- 
örterungen getrennt, was diesen einen besonderen Grad von Deut- 
lichkeit und Conseqnenz verschalft. 

In der Einleitung sollte vom Punkte zur Linie, zum Winkel, 
zur Flache und zum Körper übergangen und aus den Erklärungen 
hiervon sowohl die Bedeutung des Begriffes ,,6eometrie^^ als auch 
eine gewisse Anzahl von Grandsätzen, d. h. solchen Wahrheiten ab- 
geleitet sein, welche in den Erklärungen selbst liegen, oder dicTse als 
Wahrheiten aussprechen und zugleich diejenigen umfassenden, ganz 
allgemeinen völlig einfachen und elementaren Sätze sind , weldie 
dem Lernenden als Anhaltspunkte für seine Selbstthätigkeit dienen. 
Auch sollten die allgemeinsten geometrischen Begriffe in der Ein- 
leitung erklärt und hinsichtlich der geraden Linie die horizontale, 
vertikale und schiefe Richtung nicht übersehen sein , weil auf ihr 
die Entstehung der verschiedenen Winkelarten beruht. 'Die Er- 
klärung des Winkels als eine Fläche zwischen zwei Linien , die in 
einem Punkte zosammenstossen, nach der andern Seite aber un- 
begrenzt fortlaufen, hält Ref. nicht für zweckmässig, da er darun- 
ter bloss den Moment der Vereinigung beider Linien in einem 
Punkte, mithin die Richtung der Schenkel , versteht. Die Gleich- 
heit der flachen Winkel hält er für einen Grundsatz , weil er In 
der Erklärung selbst liegt. Das Maass für die Winkel ist der 
rechte; die Zugrundelegung des flachen ist insofern unstatthaft, 
als der Anfänger hierbei gar keinen Winkel erkennt Dass die 
Summe der Nebenwinkel gleich 2 Rist, ist mittelst des natürlichen 
rechten Winkels streng zu beweisen, und die Wahrheit, dass zwei 
Linien, welche einer 3. parallel sind, es unter sich sind, ist kein 
Zusatz, sondern Grundsatz. Wenn der Verf. die Dreiecke, Vier- 
ecke, Fünfecke u. s. w. unter dem gemeinschaftlichen Namen 
„Vlelecke^^ begreift, so fehlt ihm der Gegensatz hierzu, wei- 
chen das Dreieck und Viereck bilden , wovon keines ein Vieleck 
sein kann« 

Die Bedingungen für die Congruenz der Dreiecke hinsichtlich 
der Bestimmungsstücke und die Nothwendigkeit von wenigstens 
einer Seite findet man nicht erörtert, was den Lernenden über 
das Wesen dieser Materie im Dunkeln lässt; ähnlich verhält es 
sich mit dem Vierecke , zu dessen völliger Bestimmung fünf Ele- 
mente und hierunter wenigstens 2 Seiten gegeben sein müssen. 
Die 5 Eigenschaften, welche jedes Parallelogramm haben muss, 
konnten m einem § zusammengestellt werden ; die Parallelität der 
Seiten jenes ist nicht mehr zu beweisen , da sie der Grund ist, 

2V. Jahrb. f, Phil. u. Paed, od, KriL BibU Bd. XXXVI. Uß. X 14 



210 Mathemjitik« 

warum ei ParaUelogramm heisst, weichet reeht- und achief- 
winkeHg sein kann« Die Wahriieit^ dass die Siminie der 2 an ei* 
ner Seile liegenden Winkel gleich 2 R iat^ fehlt, und vom Tra- 
pese schlechtweg wird nichts gesagt, da die Figur, welche der 
Verf. Trapez nennt, ein Paralleltrapei ist, das selbst im weitesten 
Sinne nie ein Parallelogramm sein kann. 

Die Gleichheit der Radien, Durchmesser, Halbirung des Krei- 
ses durch letztere u. dgl. bilden Grundsätze. Die Gesammtlehre 
vom Kreise ist sehr gut behandelt. Eine Aufgabe auflösen, heisst 
dieselbe nicht sowohl auf andere bekannte Aufgaben zurückfuh- 
ren, als vielmehr, den Forderungen entsprechen, welche sie ent-« 
halten. 

Die Einmischung der Proportionsgesetze billigt Ref. nicjitj 
die Zahlenlehre macht damit bekannt; da das Verhalten zweier 
Grössen entweder zählbar oder messbar ist , so ist die Erklärung 
des Verf. : „Unter dem Verhältniss zweier Grössen versteht man 
den Bruch u. s. w>' nicht allgemein und begreift bloss das mess- 
bare Verhältniss, worunter z. B. 4 — 2 als solches nicht gehören 
kann. Der Unterschied zwischen Zahlenproportion als Gleichung 
zwischen zwei. Brüchen und Grössenproportion als Gleichung 
zwischen zwei Verhältnissen ist nicht begründet, da ein jeder 
Bruch ein messbares Verhältniss von zwei Grössen ist. § 133. 
konnte iä § 132. stehen; beiden sollte das Gesetz vorausgehen, 
wenn man einen Winkelschenkel in gleiche oder proportionide 
Theile zerlegt und nach dem anderen Parallele zieht , so wird 
auch dieser in derselben Art gethellt Die Proportionalität der 
Seiten und Aehnlicbkeit der Figuren ist überhaupt sehr mager 
behandelt; man vermisst manche wichtige Sätze. Zwei Figuren, 
sagt derVerfi, heissen gleich, wenn sie aus denselben congrueuten 
Stücken bestehen; nun verhalten sich die Grundlinien zweier glei- 
cher Dreiecke verkehrt wie die Höhen, also können Figuren auch 
gleich sein, ohne congraente Stücke zu haben, und des Verf. 
Erklärung ist nicht richtig, und um so weniger zu billigen, als der In- 
halt, die eigenüiche Grösse, von der Grundlinie und Höhe des 
Parallelogrammes und Dreieckes abhängt und auf diese alle anderen 
Figuren zurückzuführen sind. Inwiefern die Grundlinie und Höhe 
das Parallelogramm bestimmen und die Sätze § 150. u« d. f. da- 
raus einfach sich ergeben, sollte genau erörtert sein ; der Selbst- 
thätigkeit wäre dann ein grosser Spielraum gegeben; auch sollten 
die § 158. u. f. den Sätzen § 147. u. d. £ vorausgehen , weil 
diese auf jenen beruhen« 

Die Ausmessung des Kreises gründet der Verf. auf das Ge- 
setz, dass sich die Peripherien zwei» Kreise verhalten wie ihre^ 
Radien; allein die Peripherien sind noeh nidht bestimmt, mithin 
mangelt jener die Begründung ; die Zahl « sollte zuerst berechnet 
sein. Der Irrthum, dass die Decimalzahl 3, 14. dem wahren Vor- 



mmmm/^^^^/^^^"^^^^^^ » ■ 



Koppe: Anfangsgründe ^er reinen Matliematik. 211 

22 
hSUtnisse näher komme als der Bntch -=^ ist dem Ref. noch wenig 

vorgekommen. Unter allen Abschnitten ist der 10. am reichhaltig- 
sten, indem er viele Sätze und Aufgaben enthielt, welche die bis- 
her erworbenen«f[enntnisse der Schiller sehr erweitern und Gele- 
genheit zur Anwendung derselben geben; nur bedauert Ref.^ dass 
nicht eine gewisse Anzahl von Lehrsätzen und Aufgaben bdgefugt 
ist, weldie zur selbstständigen Behandlung dienen sollen. m\ 
den Riechnnngen des 11. Abschnittes gehören auch die Inhalts^ 
berechnungen der Flächen des 8. und 9. Abschnittes, welche von' 
jenen unzweckmässig getrennt sind. Die Arbeiten selbst verdienen al- 
len Beifall ; nur sind manche Formeln nicht zweckmässig dargestellt 

und lassen sich theilweise vereinfachen. In der Formel — ^^-^ — ^ 

in ein Druckfehler übersehen, da sie '--^ — ^-^ — ^heissen muss. 

Statt algebraischer Summe würde man zweckmässiger allgemeine 
sagen.' Der 12. Abschnitt enthält viele lehrreiche Gegenstände, als 
Aufgaben, die man in ähnlichen Lehrbüchern vergebens sucht, wo- 
durch des Verf. Schrift einen bedeutenden Vorzug erhält. Die 
planimetrischen Sätze sind mit grösster Kürze und im Allgemeinen 
doch verständlich behandelt, wodurch es möglich wurde, auf den 
engen Raum so viele Sätze zu bringen , welche in anderen Lehr- 
büchern das Sfache ausmachen , und doch nicht so reichhaltig an 
Stoff sind. Da sich Ref. nur abweichend von den Ansichten des 
Verf. aussprach, so bemerkt er hier im Allgemeinen, dass alle 
übrigen Darstellungen mit wenigen Ausnahmen den Beifall jedes 
Sachverständigen finden werden und sich jener vielfache Ver- 
dienste um die Entwickelung der planimetrischen Gesetze für den 
Unterricht an gelehrten Schulen bei dem pädagogischen und ma- 
thematischen Publikum erworben bat. 

Die Stereometrie ist etwas zu sparsam und die Gesetze der 
Linien und Ebenen sind zu wortreich behandelt; letztere sind von 
Linien begrenzt; was also von diesen in der ersten Abtheilung dar7 
gethan ist, lässt sich auf erstere übertragen und hiedurch die ganze 
Materie viel einfacher und noch gründücher durchfuhren. Kante 
ist an und für sich die Vereinigung zweier Grenzlinien von zwei 
Flächen und nicht die Durchschnittslinie, wie der Verf. sagt. 
Soll zwischen zwei Ebenen w unendlicher Raum liegen, so müs- 
sen jene anch unbegrenzt sein. Ueber Flächenwinkel viel zu sa- 
gen, ist insofern unstatthaft, als sie von den Linienwinkeln abhän- 
gen , welche der Verf. jedoch nicht von jenen unterschieden hat. 
ESne Linie heisst auf einer Ebene senkrecht. Wenn sie auf einer an 
ihren Fusspunkt in der Ebene gezogenen Linie senkrecht ist; der 
Verf. führt in seiner Erklärung alle durch jenen gezogene Linien 
an, wodurch dieselbe zu weit wird; dieses Seukrechtsein der übri- 

14* 



212 Mathematik. 

« 

gen Linien ist naher zu begründen. Die Einnii8chun|; der Projek- 
tionen, der Inhalte geradliniger oder krnmmliniger Figuren In 
schiefen Ebenen , so lehrreich die Gegenstände aach sind, gehö- 
ren nicht in die Stereometrie. Der Verf. tragt sie wohl in der Ein- 
leitung Tor, aliein auch in dieser Hinsicht sind sfe. nicht ganz zu 
entschuldigen. 

Das körperliche Dreieck kann nur aus der Kugel einfach er- 
klart werden ; der Verf. hat aber von letzterer noch nichts gesagt» 
mithin bleiben viele seiner Erklärungen dunkel und unzureichend ; 
denn der Anfänger wird nicht so leicht erkennen, warum in jedem 
Dreiecke die 3 Seiten zusammen weniger als zwei Flache betra- 
gen, da ihm nicht klar ist, dass diese Seiten Bögen grösster Kreise 
sind, also im Gradmaasse gemessen werden. Der Verf. hätte das 
Lehrbuch von Cr eile mit mehr Auswahl in der Darstellung be- 
nutzen sollen. Die Beibehaltung des rechten Winkels statt eines 
halben Flachen wäre viel zweckmässiger gewesen. Aus der 
grossen Masse des ersten Buches im 2« Bande jenes Lehrbuches 
hat der Verf. wohl die Hauptsätze herausgehoben , aber dieselben 
nicht umsichtsvoli genug geordnet und hier und da nicht im Geiste 
jenes bebandelt. Zugleich konnte er manche nicht zweckmässige 
Darstellungen Crelle^s verbessern und in ein helleres Licht std- 
len , da nicht alle Erörterungen desselben als unbedingt zweck- 
mässig anzunehmen sind. 

Den vollständig begrenzten Körpern sollten die unvollständig 
begrenzten entgegenstehen ; allein der Verf. sagt von diesen nichts 
und wird auch nichts sagen können, da es keine solchen Körper 
giebt« Dass es nur fünf reguläre Körper giebt , ist kein Zusatz, 
wieder Verf. annimmt, sondern ein Lehrsatz, durch welchen zu- 
gleich dargethan wird, dass die Körper wirklich vorhanden sind. 
Den regelmässigen Körpern stehen die unregelmässigen eintgegen^ 
welche alsdann prismatisch, pyramidalisch und sphärisch sind. Die 
Oberfläche der Körper wird nicht erklärt und die Behandlung der 
Pyramide vor dem Prisma missbilligt Ref. darum , weil jene auf 
dieses sich bezieht. Das Verhalten der, Körper ist nicht sehr 
glücklich behandelt; man findet es unter der Ueberschrift „Aus- 
messung der Körper^S wo man es nicht sucht. Gerade Prismen 
mit gleicher Grundfläche und gleicher Höhe sind gleich, weil sich 
dieselben in congruente Stucke zerlegen lassen , sagt der Verf. ; 
nun kann eine dreiseitige Grundfläche einer vier- oder mehrseiti- 
gen gleich sein, welche sich aber nicht in congruente Stficke zerle- 
gen lassen, mithin ist des Verf. Beweis ungültig. Auch können Pris- 
men gleich sein, ohne gleiche Grundflächen und Höhen zu haben, 
wenn sich diese verkehrt wie die Grundflächen verhalten, gelbst 
schiefe Prismen sind unter der Bedingung von gleichen Grundflä- 
chen und Höhen gleich. Da übrigens der Verf. nicht dargethan 
hat, in wiefern der prismatische Körper von der Grundfläche^und 
Höhe abhängt und durch das Produkt zwischen beiden dargestellt 



' Koppe: Anfangsgrottde der reinen Mathematik« . 213 

wird , 60 fehlt allen DaniteltiiiigeD der wahre Gmnd, und dleael- 
hen sind nieht gelungen. Hat z« B. der» AnfSüiger eingesehen, dass 
für die Prismen p u» P die Gnmdflächen g u. 6 nebst Höhen h u. 
H dieselben durch p^^^^g. h u. P^=:G. H ausgedriickt sind, so bild^ 
er die Praportion p:P=^g.h:€l«H und leitet aus ihr viele Sätze 
selbst ab. Die Anwendung dieses Gesetzes auf den Cylinder und 
auf die pyramidalischen Körper giebt jenem ein höchst fruchtbares 
Feld für die eigene Thätigkeit, worauf bei allem Unterrichte ein 
Hauptgewicht gelegt werden muss. Im Allgemeinen sind die Ge- 
setze des Verhaltens der Körper weder gut geordnet, noch grund- 
lich behandelt; mehr Anerkennung rerdienen die Ent Wickelungen 
der Formehi für den kubischen Inhalt der Körper. Mancherlei 
Anwendungen der verschiedenen' Körperarten im praktischen Le- 
ben sollten berührt und der eigenen Uebung mehr Gelegenheit 
dargeboten sein. Es ist wünbchenswerth, dass der Verf. den ste^ 
reometrischen Theil meiner Schrift mit mehr Umsicht bearbeitet 
hätte und bei einer etwaigen 2« Auflage manche nur kurz berührte 
Winke berücksichtigen möge. 

Der 3. Theil soll sowohl als Leitfaden beim Unterrichte die- 
nen^ als auch den Amtsgenossen des Verf. zur Ansicht vorgelegt 
werden, weil er sich durch eine Eigenthümlichkeit in der Ent- 
Wickelung der goniometrischen Funktionen beliebiger Winkel und 
Winkeldifferenzen auszeichne. Mit Bezug auf die Lehrbücher von 
Ohm und Grelle findet Ref. nichts Besonderes, und entwickelte 
jene Funktionen schon früher in ähnlichem Sinne, ohne die Schrif- 
ten von beiden gebraucht zu haben. So viele Vorzüge er iibrigens 
der Methode Ohm's auch hier zuerkennt, so kann er doch in man- 
chen wesentlichen Punkten derselben nicht bestimmen, bemerkt 
aber im Allgemeinen , dass der Verf. b^i Bearbeitung der meisten 
Materien weit mehr die Schriften Crelle's als die Ohm's benutzt 
haben dürfte, ohne ihm hiermit einen Vorwurf zu machen; viel- 
mehr sind die Ansichten beider wissenschaftlich verarbeitet und 
als ein Ganzes in der Schrift mitgetheilt, wodurch das Einseitige 
jener entfernt und die leichte Fasslichkeit sehr gefördert ist. Der 
Verf. berücksichtigte überall das Bedürfniss der schwächeren An- 
fönger und zog in Fällen, wo die W^ahi zwischen mehreren Wegen 
offen stand, fast immer den am leichtesten aufzufassenden und am 
sichersten festzuhaltenden vor, weswegen leichte Materien oft mit 
zu grosser Ausführlichkeit behandelt sind. Er gab seine Arbeit 
vor 3 Jahren als Abhandlung zum Programme (Soest bei Nasse) 
heraus und ubergiebt sie, hier und da durch Zusätze vermehrt, 
als 3. Theil seines Lehrbuches der reinen Mathematik in deni Um- 
fange, in welchem diese auf den Gymnasien gelehrt zu werden 
pflege, dem Publikum. 

Er zerfallt in 3 Theile, deren 1. in 2 Abschnitten die gonio-' 
metrischen Funktionen spitzer Winkel Seite 1 — 18. und dieselben 
beliebiger Winkel und Winkeldifferenzen S. 18 - 39. behandelt; 



214 Mathematik. 

4cr 2. in ebei^ls 2 Abicliiiitteii die ebene Trigonometrie nebst 
einem Anhange, enthaltend Aufgaben aus der praktischen Geome- 
trie und der Kreisrecfanung Seite 39 — 73. und die eigentliche Po- 
iygonometrie Seite 73 — 105. entwickelt, und endlich der 3, die 
sphärische Trigonometrie nebst einem Anhange für Anwendungen 
enthält Seite 105 -^ 139. Dann sind noch angehängt eine Tafel 
der Sinus und Tangenten von 10 zu 10 Minuten für die Winkel von 
bis 90<^, Seite 139—145.; eine Tafel der Deklination der Sonne 
im wahren Mittage des Berliner Meridians für das Jahr 18$4; 
allgemeine trigonometrische Aufgaben und nachträgliche Bemer- 
kungen. 

Die goniometrischen Punktionen erklärt der Verf. als sedis 
Verhältnisse zwischen den Seiten eines rechtwinkeligen Dreieckes 
und wird seinen Schülern entweder gar nicht oder nur schwer ver- 
ständlich, weil er nur die Ziffemwerthe, in Quotienten dargestellt, 
angiebt und die Anschauung gar nicht berücksichtigt. Jene Ver- 
hältnisse muss der Schüler mühsam auswendig lernen, während 
er durch die Zeichnung die Linie selbst kennen lernt und ihren 
Werth alsdann um so lebendiger auffasst. Aus diesem Grunde 
sieht Ref. den anschaulichen Vortrag mittdist der Zeichnungen für 
die Anfänger vor, und geht von diesen zur analytischen Entwieke* 
lung der Funktionen über. Br versuchte beide Wege schon viel- 
flMi und gelangte stets durch den anschaulichen am sichersten zum 
Ziele, d. h. zum lebendigen und klaren Verständnisse der Sache, 
weil es an Gymnasien vor Allem' darauf ankommt, alle Schüler 
gleiehmassig zu berücksichtigen und zum Fortschreiten zu brin- 
gen. Einzelnen sehr talentvoÜen Köpfen sagt wohl des Verf. Dar- 
stellung zu; allein mehrmals ^ der Schüler weiss sich in dieselbe 
nicht zu finden und die Gesetze bleiben ihm dunkel ; die Wis- 
senschaft muss der Pädagogik Einiges aufopfern, was ihr an ihrem 
Charakter, an ihrer Klarheit und Bestimmtheit durchaus nichts be- 
nimmt. 

Die Ableitung der Formeln an einer Zeichnung führt den An- 
fanger einfach zu dem goniometrischen Werthe der Linien und 
giebt ihm weit mehr Gelegenheit zu eigenen Betrachtungen, als 
des Verf. Darsteilungsweise ; er wäre weit besser den Ansichten 
Creller's, als denen Ohm's gefolgt; die Darstellungen jenes ha- 
ben vor denen dieses Vieles voraus, weil sie von der Anschauung 
zu den analytischen Entwickelungen übergehen. Die Schreibart 
sin.x^^ COS. x^, tang.x*-^ u. s. w. statt sin. ^x, cos. ®x u. s. w. ist um 
so weniger zweckmässig, deutlich und richtig, als nicht der Win- 
kel, sondern seine Funktion, d. h. der Werth der ihn bestimmen* 
den Linie zu quadriren ist; wäre der Verf. nur Ohm, welcher 
sin. ^x, tang.^x etc. lind nicht Grelle gefolgt, welcher sin. x^, 
COS. x^ u. s. w. schreibt ! Die Beweise für die Formeln sin. 2 x =- 
2 sin. X. cos. x und cos. 2 x =:^ cos« % — sin. ^x. für 1 + cos. 2 x ~ • 
2cos.^x und 1 — cos. 2 x ^^ 2 sin. ^x sind sehr unverständlidh ge- 



^B^ 



Koppe: Anfangsgraude d«r retiien Mathematik. 215 

• 
fohrl pnd eataprecheii den IVifdeniiigeii der PMagogik aickt; die 
FurmelD selbst sind reine Folgeriinf en aue den Werthea für do. 
(x + y) und cos. (x + y). Waher die Fonaela für sin. 3 x. u. cos. 
3x; sin. 4x a. cos. 4x a« s. w. ia § 14. kommea, verdieat kurs be- 
rnhrt zu werdea. Zugleich sind sie nicht eiamai diejenigen For- 
meln, welche sich aas § 11«, wie der Verf. angiebt, aamittelbar 
ergeben, wenn man y:^x oder y^^^ u. s. w. setzt; sondern 
man erhält sin. 3x=:3. cos. ^x. sia/x — sin. ^x u. cos. 3x = cos. 
^x — 3. COS. X. sin. ^x; sln.4x=^4. cos. ^x sin.x-:-4. cos. x. sin. 
^x II. COS. 4x=: COS. ^x — 6. cos. ^x sin. ^x + sin. ^x , woraus sich 
die vom Verf. angeführten Formeln ergeben, wenn man in ihnen 
1 — COS. ^x statt sia. ^x uad 1 — sin. ^x statt cos ^x substituirt. 
Nebstdem sind die Formeln des Verf. nicht so lehrreich, als 
die uamitteibar abgeleiteten , weil sich in diesen die Coefficien- 
ten und Exponeaten des Binomislsstses ergeben and den 
Sinosen vielfacher Winkel die geladen, den Cosiauscn aber die 
iungeraden Glieder desselben entsprechen, wodurch der Schaler 

V leiäit in den Stand gesetzt wird, sin«nx und cos« nx selbstthatig 
zu entwickela, worauf ganz besonders zu sehen Ist. 

Die Formeln für sin.x u. cos.x in § 13. wiirden vortheilhaf- 
tcr für sin. ^x u. cos. ^ x geformt sein , weil alsdann sin. 2x in 
sin. X übergeht und die Rechnung erleichtert ist. Die wenigen 
Berechnungen der Ziffemwerthe einiger Winkel reichen wohl 
hin , den Weg für die Bdandlung naincher Formeln zu versinnli- 
chen, aber nicht den sln.!^ und cos.l^ einfach zu finden» Der 
Verf. hätte diese Materie etwas ausfahrlicher behandeln und im 
2. Abschnitte manche Erklärungen und Beweise weniger wortreich, 
d. h. mit grösserer Bestimmtheit und Präcision geben sollen. So 
viel Vorzügliches der Verf. von seiner Behandlung der Matierien 
des 2. Abschnittes sich verspricht, so wenig kann Ref. mit mehre- 
ren Darstellungen zufrieden sein, da er manche interessante Ge- 
setze vermisst, z. B. das» der spitze und stumpfe Peripheriewinkel 
die halbe Sehne^ worauf sie ruhen, zu seinem Sinus hat ; und un* 

, ter andern den Beweis, eigentlicli die Erklärung (denn des Verf. 
Beweis ist kein solcher) für die Beschaffenheit der goniomelri- 
sehen Funktionen für völlig ungeniigend hält. In wie fern sich 
fi^i* die Tangenten und Cotangenten eine ähnliche Gonstruktion 
ergiebt wie für den Sinus und Cosinus , zeigt der Verf. nicht ; er 
bemerkt bloss, jedes Lehrbuch der Trigonometrie gebe darüber hin- 
reichenden Anfschlnss ; es giebt auch über alle Darstellungen des 
Verf. Anfschlnss , mithin wäre seine Schrift unnöthig. An einer 
einfachen Zeichnung lassen sich die verschiedenen LAgen der 
goniomelrischen Linien leicht versinnlichen; wenige Sätze leiten 
darauf hia. 

Die gewöhnlichen Formeln für die Berechnung der fehlenden 
Dreiecksstncke sind gut entwickelt; der Gebrauch eines Hülfs- 
wiakels ist kurz versiaalicht und der Vortheil , den die Gaass'- 



216 Mathematik. 

• 

sehen Logaritlimeiitafdn wegen der Bestimmung des LogarHIuBen 
der Summe oder IKfferens zweier Zahlen, ausr ihren Logarithmen 
selbst darbieten^ angegeben. Die wenigen Aufgaben aus der 
pralctisGhen Geometrie sur Anwendung der vorhergehenden allge- 
meinen Sätse verdienen ungetheilten Beifall und sollten eine noch 
grossere Ausdehnung erhalten haben. Gleich fleissig ist die 
ebene Polygonometrie bearbeitet; zwar vermisst man mancherlei 
Erlilaningen und Lehrsätze nebst Grandgleichungen für Seiten 
nnd Winliel oder Aufgaben von beiden; allein die allerwesent- 
lichsten Gesetze und Formeln sind mitgetheHt und oft kürzer und 
praciser behandelt^ als in Crelle's und Anderer Lehrbüchern. Je- 
doch wünscht Ref., der Verf. hätte naher nachgewiesen , in wie 
fern mittelst der drei auflösenden Hauptgleichungen sich alle Auf- 
gaben, aus gegcbetieu bestimmenden Seiten nnd Winkeln eines 
Vieleckes die fehlenden Seiten und Winkel zu finden, auflosen 
lassen und worin der Ilauptcharakter dieser Aufgaben bestehe. 
Auch dürfte die Machweisung an ihrem Orte sein, wie man den 
Inhalt des Polygons ans deu Seiten und Winkeln der Figur weni- 
ger 3 Winkeln, oder weniger 2 Winkeln und einer Seite, oder 
weniger 2 Seiten in zehn besonderen Fällen bestimmen könne und 
wie sich für das Viereck diese 10 Fälle auf 7 reduciren lassen. 
Zugleich hätte sich eine passende Gelegenheit zu , lehrreichen 
Hebungen für den Anfänger gegeben, wenn er sowiAl für die 
fehlenden Stücke als auch für den Flächeninhalt des Viereckes 
aus den allgemeinen Gleichungen für das Vieleck mittelst einiger 
wenigen Versinnlichungen die Bestimmungsgleichungen abgeleitet 
hatte* Die Schrift des Verf. hätte zwar um einen oder den an- 
deren Bogen eine Vergrösserung , aber auch eine viel grössere 
Vollständigkeit erhalten. Vorsichtige Erspamng des Raumes nnd 
weniger Wortreichthum würden demselben schon viel Raum für 
jene Erörterungen gegeben haben. 

lieber die allgemeinen Eigenschaften sphärischer Dreiecke sagt 
der Verf. nur wenig, weil er im 2. Theile sich weitläufiger darüber 
unter dem Artikel ,)körperliche Dreieckes verbreitet hat ; übrigens 
verweist er nicht darauf, was Ref. nicht billigt und fast vermuUien 
Iä6st,.der Verf. habe keine Rücksicht. auf dieselben genommen, 
oder halte sie für verschiedene Grössen, worin einige wiederholte 
Lehrsätze jenen bestärken wollen. Nicht die sphärischen Drei- 
ecke werden aufgelöst, sondern die fehlenden Stücke durch Be- 
Stimmungsgleichungen gesucht Ob der Verf. nicht zweckmässiger 
gehandelt hätte, zuerst die auflösenden Gleichungen zwischen 3 
Seiten und 1 Winkel, zwischen 2 Seiten und den beiden anliegea- 
den Winkeln, zwischen 2 Seiten, einem anliegenden und einem 
eingeschlossenen Winkel und zwischen drei Winkeln und einer 
Seite zu entwickeln, und daraus den Anfänger die Formeln für das 
rechtwinkelige Dreieck ableiten zu lassen , will Ref. nicht positiv 
entscheiden ; ihm scheint dieses Verfahren viel zweckmässiger zu 



Koppe: Anfangsgrunde der reinen Mathematik. S17 

r 

seia, ab das Tom Verf. beobaektete. Wahrend die all^eneiiieB. 
Gleichungen stets 4 Stucke enthalten ^ ist beim rechtwinkellgea 
eines derselben bestimmt^ und es bleiben in jenen nnr noch drei 
Stütke, welche bekanntUcii 6 besondere FfiUe für die fehlenden 
Stücke im rechtwinkeligen Dreiecke darbieten. Die Entwickelung 
aller einseinen Formeln und die Angabe ihrer Merkmale ist dne 
sehr belehrende Uebung für den Anfänger und macht es in päda- 
gogischer Beziehung sdir wunscshenswerth, der Verf. mochte die« 
aes Verfahren beobachtet haben. 

In wie fem es in manchen Fällen bequemer ist, die gesuch- 
ten Seiten und Winkel nicht unmittelbar aus den auflösenden Glei- 
ehungen zwischen 4 Stücken zu suchen, sondern Vergleichungen» 
z. B. zwischen zwei unbekannten Stücken, anzustellen und die ein- 
zelnen Grössen dann aus der gefundenen Summe und Differenz zu 
bestimmen , woraus die bekannten Neper'sehen Analogien sich er- 
geben, erörtert der Verf. nicht, was Ref. missbilligen muss. Audi 
fehlt die Nachweisung über die möglichen Fälle für gegebene 
und gesuchte Stücke; zwedcmässig und geschickt ist die auflösende 
Gleichung für die Bestimmung eines der Winkel aus den gegebe- 
nen drei Seiten für den Gebrauch der Logarithmen umgeformt; 
man findet zwar nur für den Sinus und Cosinus des halben Win- 
kels eine Formel ; allein für den ersten Bedarf reichen die beiden 
Formeln hin; die Ableitung . der Werthe für die übrigen zwd 
Winkel überlässt der Verf. dem Privatfleisse des Anfingers , was 
pädagogisch zu billigen ist. Die Einfuhrung eines Hülfswinkels, 
z. B. für die Bestimmung des von zwei gegebenen Seiten einge- 
schlossenen Winkels aus jenen und einem- anliegenden Winkel, 
wird unterlassen; dagegen deijcnige Anfänger ^ welcher ausführ- 
lichere Belehrung sucht, auf das Nachlesen von Ohm 's und Mün- 
ehow's Schriften verwiesen. Noch bessere Belehrung findet er 
bei Grelle, welcher alle einzelnen Aufgaben nach den. jedesmal 
möglichen Fällen behandelt und die entsprechenden Formeln ab- 
geleitet hat. 

Wegen der sehr lehrreichen Anwendung der Gesetze von 
sphärischen Dreiecken in der sphärischen Astronomie theilt der 
Verf. nach einer sachdienlichen Erklärung von manchen Begriffen 
und Verhältnissen der mathematischen Geographie sechs besour 
dere Aufgaben mit, welche die Berechnung der Rektascension 
und Deklination ; der* Zeit und des Ortes für den Auf- und Unter- 
gang der, Sonne, der wahren Zeit aus Sonnenhöhe , Deklination 
und Polhöhe des Beobachtungsortes u. dgl. betreffen und für den 
Anfänger um so belehrender werden, wenn der Unterricht In der 
mathematischen Geographie damit verbunden ist« Die Tafel der 
Knuse und Tangenten enthält die arithmetischen Werthe derselben 
bis zu 4 Decimalen. 

Die am Schlüsse beigegebenen Aufgaben betreffen mehrere 
sehr interessante Fälle und sind so ausgewählt, dass sie meistens 



218 Matkcaiatik. 



mC mm Wmnmelm fthrai^ wekhe In 4er cbeMs Trigo—iUic 
■idit «bgdeitet «lad , wodordi dicseUbeo lowolil sor Ucbaag der 
CtfJrtCTJhitf^eit des AjiCiiifers, ak sor Er^aBSoo^ dei fribereH 
VMtragci dienen. Mü der aritlmieiiteheB Behandlwng der Anf- 
geben kl die gemaeUuAe verlninden and des Gefundene geadA-- 
nel, wu den ^Darfftellon^n am •• grösseren Werfth Terodisfft. 
Die naeiitriigiklien Bemerknngen bestellen sich auf einige Zositse 
m den fr&beren Darstellungen and bestdien meistens in Formeln, 
welche sm erforderlichen Orte mitgetheilt sein sollten, da sie sieb 
dort kurz angeben Hessen. Ret sprach sich öfters ?erbe88emd 
ans nnd missbilligte manche Darstellungen , halt aber auch diesen 
Tbell IBr vorziiglieher sk viele andere, und fnr den Gebraoch an 
Gymnasien in der Hsnd dnes gewsndten Lehrers fnr sdir sweck- 
missig, indem letzterer das etwa Mangelnde leicht ersetzen und 
bdm mündlichen Vortrage manches abindern ksnn, wodurch den 
Bemerkollgen des Ref. entsprochen wird. 

Mit dem 4« Thdle beschliesst der Verf. seine forden Unter- 
rlcbt an Gymnasien bestimmten mathematischen Darstdinngen, 
fttr welche er die Schriften von Canchy und Ohm so benutzte, 
dass jeder Vorwarf, welcher seiner Arbeit gemacht wurde, einen 
dieser Sehriftstelier treffen dürfte. Gegen die DarstellnngsweiseBd- 
der ist wohl manches zu erinnern; da aber beide Lehrbücher hinrei- 
chend bekannt tind , und der Verf. im Allgemeinen einen Auszug 
giebt) mit der Verschiedenheit, dass er mehr auf die Bedürinkse 
schwächerer Leser gesehen habe , um diesen eine nützliche und 
vorbereitende Einsicht in jene Werke zu verschaffen, so theilt 
Ref. kurz den Inhalt mit und fügt über einzelne Darstellungen nnr 
einige allgemeine, erläuternde Bemerkungen bei, um den Le- 
ser mit dem Charakter des Buches bekannt zu machen und. zu- 
gleich darauf hinzuweisen , wo mehr Zweckmässigkeit zu' erwar- 
ten wäre. 

Daa Ganze zerfällt in drei Abschnitte: 1. von den ganzen 
Funktionen nebst den einfachsten und wichtigsten Sätzen aus der 
Lehre von den höheren Gleichungen; a. allgemeine Eigenschaften 
der Funktionen überhaupt; b. von den ganzen Funktionen und 
höheren Gleiohungen; c. von der Auflösung der kubischen Glei- 
ehungen insbesondere, S. 3— 51« 2, Von den unendlichen Reihen, 
S. 61 — 102. a. Von den Bedingungen der Gonvergenz und Diver- 
genz ; b* von den Reihen , welche nach Potenzen einer Veränder- 
lichen fortschreiten; c. von den recurrenteu Reihen; d. der bino- 
mische Lehrsatz für gebrochene und negative Exponenten; e. von 
den Doppelreihen; f. von der Exponential- und logarithmischen 
Reihe und g. von den Reihen für Sinus und Cosinus als An- 
hang. 3. Von den imaginären Ausdriicken S. 102 — 135. a. von 
den vier Spcciea der imaginären Ausdrücke, und b. von den na- 
tflrllohen Potenzen und Logarithmen^ den cyklischen Funktionen 
und den reducirten Ausdrücken. 



Koppe: Anfangsgrande der reinen Mathematik. ' 219 

Ge^en die Uebersicht und^ Anordnung der Materien wM der 
Sachverstandige nichts einwenden, wohl aber gegen die Anfnahme 
mehrerer Disciplinen jn den Schulunterricht und Ref. trügt kein 
Bedenken , diese Entgegnung zu reditfertlgen und zu bemerkcD^ 
dass darin, jene Lehren fänden sich fast in allen mathematischen 
Lehrbftchern für vollständige Gymnasien , gar kein Grund liegt, 
warum DIsciplinen an diesen gelehrt werden sollten, welche den 
Vortragen an Universitäten angehören. Ref. tragt selbst die mei- 
sten DIsciplinen, die der Verf. hier mittheilt, am Gymnasium vor, 
aber in einer meistens analytischen Weise , so dass der Lernende 
bei der Entwickelung zugleich die Grunde für die Gesetze auf- 
fasst. Seine abweichenden Ansichten wegen der Anordnung der 
arithmetischen DIsciplinen hat er bei Beurtheilung des 1. Theiles 
mit den Gntnden dafür angegeben; durch Befolgung eines conse- 
quenten Ideenganges und des gleichmSssrgen Vorwärtsschreitens 
in den räumlichen Entwickc^lungen wurde der Schiller in dem letz- 
ten Curse dahin gelangt sein, auch die Reihen für den Sinus und 
Cosinus zu verstehen. Die Bedingungen über Convergenz und Di- 
vergenz der Reihen nebst anderen DIsciplinen gehören nicht in den 
Kreis des Gymnasialunterrichtes. 

Dass der Ausdruck „Unendlich klein^^ und „Unendlich gross^^ 
gebraucht ist, bedarf gar keiner Entsdiuldigung, da er dem An- 
■fönger leicht verständlich wird und z. B. schon bei Decimalbrfichen 
tind anderen DIsciplinen vorkommt. Der Verf. konnte daher die 
entschuldigenden Bemerkungen sparen. Seine vorzugliche Ab- 
sicht ging noch dahin , die Vertilge über höhere Analysis vorzu- 
bereiten und darum Vorkenntnisse in der Lehre von den höheren 
Gleichungen zu verschaffen. Die beschränkenden Verordnungen, 
womach der Unterricht in den Kegelschnitten nur ausnahmsweise 
auf den prenss. Gymn. gestattet Ist, veranlassten ihn zum Aus- 
schlüsse dieser Lehre von diesem Lehrbuche, dessen Theile von 
einander unabhängig bearbeitet sind , damit ein Leser , wenn er 
mit dem einen oder dem anderen sich nicht befreunden könne, 
hierdurch nicht gehindert sei^ sich der übrigen zu bedietien* 

Funktion ist dem Ref. jede formelle Operation mit Einschluss 
der Gleichungen, und der Satz: Wenn die Glieder einer allgemei« 
neu Summe, wofür der Verf. unpassend „algebraisch^^ sagt, alle 
unendlich klein sind , so nimmt dieselbe in's Unendliche ab , ist 
entweder eine Erklärung oder ein aus dieser sich ergebender Fol- 
gesatz, also kein Zusatz. Ueber die Eintheilung der Funktionen, 
über ihre Entstehung und über andere Gesichtspunkte beiehrt der 
Verf. den Anfünger nicht klar, weswegen diesem der Vortrag er- 
schwort erscheinen wird , wie jener bei seinem Vortrage unfehl- 
bar schon beobachtet hat; übrigens war erbemuht, sich an die 
Denkungsweise der Lernenden anzuschliessen und verständlich zu 
werden. Ref. würde die analytische Methode für die meisten 
Darstellungen vorziehen und aus der selbstthätigen Anleitung den 



SBO Mathematik. 

SeUler die Gesetxe ak Lebnaise anffiaden lassen. Die den all- 
geneinen Darsteliongen beigeladen Beispiele scheinen awar die« 
aes beabsichtigen au sollen, dnrften jedoch nach des Ref. Ansicht 
den Anforderungen nicht ganz entsprechen. Auch möchte der 
Uebergang vom Besonderen ziun Allgemeinen in vielen Fällen 
grössere Klarheit und schnelleres EUndringen in die Geaetae er- 
wirfst haben. Uebrigens empfiehlt er dem Anlanger besonders 
daa Behandeln der Beispiele und das über die cubisdien Gleichun- 
gen Gesagte. 

. In der bekannten Cardanischen Formel findet sich hinsiebt- 
lieh der Klammem ein Icieines Versehen. Die Auflösung irratio- 
naler Gleichungen vom 3. und höheren Grade geschieht nach allge- 
meinen Nähernngsformeltt, wie dem Verf. wohl bekannt ist; nach 
ihnen lassen sich selbst die rationalen Werthe der Unbekannten 
finden« Ob etwa noch zu entwickelnde Formeln äusserst weitläufig 
nnd verwickelt ausfallen würden, will Ref. mit dem Verf. nicht 
absolut behaupten. Ueber convergente und dii^ergente Reihen 
erwartet der Lernende gründlichere Erörterung, wie der Verf. 
wohl selbst fühlt Die recurrenten Reihen sind sehr gut behandelt, 
wogegen der binomische Lehrsatz sich derselben Eiofachheit nicht 
erfreut; mehr Interesse bietet das über die Doppelreihen Gesagte 
dar« Die Exponential- nnd logarithmischen Reihen entsprechen 
den Anforderungen ganz; weniger befriedigt das von den Reihen 
ffir den Sinus nnd Cosinus Gesagte, weil es in keinem Zusammen- 
hange steht nnd in der Schreibart verschiedene Zweideutigkeiten 
enthält Der Verf. rechnet zwar auf die Nachhülfe des Lehrers; 
allein durch die verschiedenen Ergänzungen wird der Schüler 
gar leicht irre nnd gegen den Vortrag im Buche misstrauisch. 

Da der Verf. sechs Operationen statuirt, so sollte er im 3. 
Abschnitte nicht von vier Species der imaginären Ausdrücke re- 
den; diese lassen sich ja auch potenziren und radiciren. Der 
imaginäre Ausdruck ist nicht deutlich erklärt und die Eigenschaf- 
ten der Potenzen des imaginären Faktors yf — 1, wofür der Verf. 
das Zeichen i setzt, welches Gauss eingeführt hat, sind erst 
später berührt Dass in jeder allgemeinen Gleichung die imaginä- 
ren Werthe der unbekannten Grösse stets paarweise vorhanden 
sind, erläutert der Verf. recht gut; übrigens verdient die Materie 
eine ausführlichere Behandlung. Die natürlichen Potenzen und 
Logarithmen, die cyklischen Funktionen und rcducirten Aus- 
drückebetrachtet er nach der erforderlichen Weise, und macht 
auf Materien aufmerksam , welche für die höhere Anaiysis von 
besonderer Wichtigkeit sind, wie dieses namentlich mit den tri- 
gonometrischen Entwickelungen der Fall ist 

Mit einem kurzen Rückblicke auf sämmtliche Materien, 
welche der Verf. in den vier Theiien für den Schulunterricht be- 
arbeitet hat, sieht sich Ref. zu der Bemerkung veranlasst, dass 
jener ein im Ganzen sehr brauchbares Lehrbuch geschrieben und 



■«^r™ 



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Bibliographische Berichte nnd Miscellen. 221 

dem Lehrer fmd Schfiler einen Leitfiiden in die Hand gege^» 
ben hat, mittelst dessen beide ihre Zwecke erreidien. Mögen 
die abwddienden Ansichten des Ref. zur YervolUommnung des 
Werkes bei einer 2. Auflage beitragen. Papier, Drnck nnd 
Wohlfeilheit empfehlen' dasselbe; nur die Zeichnungen sind 
weniger gut. 

Reuter. 



Bibliographische Berichte und Miscell^tu 



Inscrtptsone« aliquot GrAeoaCj nuper repertae^ re- 
siituuntur et explieantur. Ad Godqfredum Hermannum epktola 
erkica Frederici Graefii. [Petropoli 1841. Typi« Academids. 25 8. 
4.] Hr. Staatsrath Fr. Graefe za Petersburg, der Tor 87 Jähret» 
Mitglied der griechischen Gesellschaft zu Leipzig gewesen war, brachte 
in diesem in leichtem and fliessendem Latein geschriebenen Briefe dem 
hochverdienten Jubilar seinen Gläckwunsch zu dessen fünfzigjährigem 
Magister -Jubiläum dar, und nur yerspatete Ankunft der Sendung an 
dem Orte ihrer Bestimmung hat es yerhindert, dass nicht eher in dieseif 
Jahrbb. der trefiSichen 8<;hrift 'Erwahnunjg; geschehen ist. Sie ist xüi» 
ein neuer Beweis, mit wie grossem Eifer das namentlich von deutsbh^n 
Gelehrten in dem grossen Kaiserreiche angeregte Studium des classischen 
Alterthums gepflegt und getrieben werde und wie ihrerseits die erleudi- 
tete Regierung durch ihre Grosswurdentrager dasselbe anerkenne und 
hochschätze. Was nun diese Epistola criHca insbesondere betrifft, so 
geht der hochgestellte Hr. Verf., nachdem er im Eingänge dem gefeier- 
ten Jubilar seinen Dank und seine innige Ergebenheit fär unzählige Be- 
weise seines Wohlwollens dargebracht, S. 5. zu dem eigentlichen Ge* 
genstande seiner Schrift über. Er bemerkt, dass in der heutigen Krimra, 
im Lande der alten Taurier, eine grosse Menge der schönsten griechi- 
schen Kunstwerke gefunden und zum grossen Theile in das kaiserliche 
Museum nach St. Petersburg abgeliefert worden seien. Sunt vasa^ sa 
lauten seine eigenen Worte, die wir hier, da sie die Sache selbst bündig'* 
und klar darstellen, lieber selbst hersetzen, aurcOy argenteo, aeneOf 
fictäia; quo pretiosior materies, eo elcffonHor solet ars esse, qua elahorat^ 
miraris. Praeterea ornamenta sunt omnis generis , eoronae aureae , üa- 
dematOy ütQsnTol, cQroUaria älia^ armÜlae, quidquid in auribus et 
digitis gestari solebat, anmili cum gemmis, acus, fi&ulae, torques, cU- 
peoU omnis generis et formae e tenui lamtna aurea cum figuris impresm 
ad ornandas vestes destinati; et res quidem ad mundum müliehrem spe- 
ctantes ita abunde (tdsunt, ut negue pyxis desideretur ehumea, fucum 
rubrum etiam nunc continens ; porro utensUia varia , lucernae argenteae 
et fietüesj sttigiles ex aere et ar genta, nrnpula^ eochleariaf cukri^ 



222 Bibliographiiche Berichte und Miseelien» 

eampamUaef fusi et id genm oli«. Untet allea diefea Ding^aa leichne 
sieb durch eioe beioDd^vB Seltenheit eine Maske von getriebenem Golde 
anSf weiche die ernste Miene einer Matrone ▼orstelle, über deren Leioh- 
laa sie wannt einem Diademe gefiuiden wiarden sein soll. Diesem Kunst- 
werke entspradien zwei an einem andern Orte gefoudene mit Diademen 
versehene Köpfchen y die zu Ohrringen bestimmt gewesen zu sein schei- 
nen und die Zuge zweier schonen Frauen darstellen. Diese Dinge seien 
zwar von Raoul-Rochette Joum, d, Savana 1832 p. 45 — 54. f. 
1835 p. 333 — 344. und^ neuerdings von Dubois de Montp^reux 
Fcfiage autour du Caucaacj Paris 1839. , der gelehrten Welt bekannt 
gemacht, jedoch nicht genau genug beschrieben und dargestellt worden, 
woraus ▼«rschiedene Irrthumer entstanden' and weiter Terbreitet w<Nrden 
seien. So Werde im Corp. Unter» n* 2109. e. ein Kocher mit der In- 
schrift ilo^a^o erwähnt, und diesen Irrthum habe auch Franz in 
smen Epigr. p. 344. wiederholt., ÜOifväxov schreibend und diesen Na- 
men für den Namen des Künstlers haltend. Es sei aber kein Kocher, 
sondern ein Goldblech, mit eingepressten Thierbildem, womit die 
eine Seite einer Seh wert scheide bekleidet gewesen sei* Die In* 
Schrift laute; JIOP 

worin Hr. Gr. nicht den Namen des Kunstlers, sondern des Besitzers 
findet^ indem er üoffvcixo tür eine barbarische Umbildung von ^uQvetHOv 
erklart. Doch wendet sich der gelehrte Hr. Verf^ S. 7. von diesen Ein- 
zelheiten ab zu einigen Inschiiften, die bei den Ausgrabungen in der 
Krimm zugleich mit entdeckt worden seien, ffier bespricht er nun zu* 
Yorderst eine Grabsaule, an welcher sich zwischen zwei die^Spitze 
tragenden Säulen ein Mann mit massigem Barte in Scnlptur befindet, 
stehend mit entblÖsstem Haupte, mit der herabgesenkten rechten Hand 
einen Theil des Mantels aufhebend, mit der linken eine Rolle haltend. 
Zu seiner Rechten steht ein Knabe , kaum die mittlere Hohe des Mannes 
erreichend, die Hände aber den Leib zusammengelegt» Ueber dem 
Knaben finde sich die Inschrift : 

ZABBISIN 
STEFANO T 
XAIRE. 
Unter dem Bilde finde sich eine achtzeüige Inschrift in Versen , so dass 
auf jeder Zeile ein Vers enthalten und, falls der Stein nicht gross genug 
gewesen , am Ende der Vers unbeendigt geblieben sei , wie V. 2. Die 
Inschrift lautet also : 

E^9A£GHSJTZTANETTXH2JUMA£IKAISET 
nANTAAEAEinTAPETH2X)IZEnJ TFTXONE 
HS0SN0T£AKMHM0T£A1JE£EAINEINENHMEIN 
TEPUOTZAINTNEI&THNOAOTOTSITAAAN 
MATEPinENeOSE^TZATnAnATPIAJSJENJPOT 
KASlNNEKAASeHSEJPOMOSElSAIJAN 
ZABBiaNAAAESTSlSOIOnASKOT^O TAIBO TSITE 
nASUJAPeXZMlNHZ S H nPOSHNO TATOZ, 



Bibliographiiche^Beri«ht« and Mitcellett. 2tS 

wobei Hr. Gr« bemerkt, dafs die gesperrt gedmckten BnchBtaben auf 
dem Steine unlefierlich gewesen seien. Es folgt nan eine aosfahrliche 
Erklärung diesor vier Distichen, die auch Rücksicht auf andere ähnliche 
Grabschriften und andere Epigramme nimmt, die gelegentlich emendirt 
werden, wie Anth. Pal, I. p. 415. n. 467. 8. 11. Anth^ Pal. II. p. 822. 
n. 207. S« 12 fg. Was die Resultate dieser gelehrten Uiitersnchungen 
in Bezug auf unsere Grabschrift seien, wird sich am besten herausstellen, 
wenn wir dieselbe so herstellen , wie sie Hr. Gr. gelesen wissen will : 

ndvxoL XiXuvet a^sr^s, olg intx^v%6\p]iB\^cL^ 
fl^oiy voug, oxfii/* Movaut Sk a \in\cu»i[^'\Bv iiy^t» 

tSQnovaai^ vvv [al] d'ffrjvoXoyovat y tdlav 
futxiqi nivd^og itpvg^ Xvna naxqi' ota B\ 8iv9^ov 

%Xmv, vvv hiXiödyii, ilv'jiffOfiog stgUtdav. 
Sdßßi[o]v, aVi feta 9o\ 6 nug %oviip{og\ Xl^[gy il^t] 

naai nd^og imtov iig ^v] 9tQogrfp6tcitog* 

Aehnliclie gelehrte Untersuchungen knüpft der Hr. Verf. an folgende In- 
schrift eines Cippus mittler Grosse an : 

ANTIFENHC 'Avttyivrig, 

TSINETIOT xmv Evlov, 

ETTTXEIJOT EvxvxsiSlß] 

TUTPIKAl&E nut^l xal et- 

ONEINHMH ovBivfj nn- 

IPIKJIETII xqI wtl evxv- 

XEIjdOTTE X^^^lv] »^- 

KNmANEin Kvm dv[ri]y\ß\i' 
PENTHNCTH . ^«r rijv ffwj- 

JHNMNHMHC [X]ijv, t^vrifing 

XAPIN zdQiv., 

welche S. 14 — 16. mit grosser Umsicht besprochen wird. Sodann er- 
wähnt Hr. Gr. eine andere bei Anapa gefundene Marmorinschrift, die 
liur am Anfange und Ende versehrt ist, und also lautet: 

lOPIZTAui 
1(0 BACIAZTONl O 

BACIAZCO C TIB ZPIO TIOl 

OTAIOTAJOTCATPOMA 
TOT ^lAOKAICAPOCKAim 
AOPaMAlOTdTC^BoTC 
TZlMOeZOCNTM<tA 
rOPOTMAKAPIOTCTN 
AJU^HCHAIJOCFT 
, NAIKOCNANOBAAA 

MTPOT KATAZTXHN 
nATPO€HM»NtfTM 



224 ' Bibliographische Berichte und Mijscellen. 



^ArOPOTMAKAPlOT 
A WIOMZNTHN0Kr 
OFZAN. 

Diese Inschrift deutet Hr. Gr. S. 16 fg. also : 

[dit pLsyC]a[r<p] 
ldq>ST]oQi 8vXo[Yij]' 
' [tJoo BccciXsvovt[os] 
BaaiXscag TißsQiov lov 
lovXiovlüov SavQOfi€i' 
xov ,q)iXo7iataotQpg nul q>i~ 
loQmfictiov Bvasßovgj 
Tsifiod^Bog NvfjLtpa- 
yoQQV fiauoiQiov cvv 
ddsXqyfjg 'HUBog^ fo- 
vai%6g NavoßaXa'- 

narQog rj^idSv, Nvfi- 
gxxyoQOv fionttt^Cov^ 
a(psio(isv rrjv ^QEn- 
[ri}v 'l(ü d]a)Q8dv,y 
wobei derselbe natürlich die längeren Ergänzungen als höchst zweifelhaft 
betrachtet wissen will. S. 21 fg. bespricht dann der gelehrte Verf. sechs 
in derselben Gegend gefundene Fragmente von so viel verschiedenen 
Steinen , die also lauten t 

1. 2. 

NA NIITHS 

^APN ZJMOZSI 

^AFO OZAPJISINA 

NTM XOTT2 



5. 

ZTBAH 
OS HAT IIA 



3. 
KTPaC 
KATA^TO 
KATkK(^^ 
T^PACB 
CIN TR 
ANAI 

6. 
PTAOZ 
AQIX 



4. 
EONTA 
EnAHAS 
OZJIHMH 
ZBKOZS 

inn 

Zu Ende seiner Schrift gedenkt Hr. Gr. S. 22--25. noch einer anderen 
griechischen Inschrift, die auf einer Steinbasis, die, wie es scheint, . 
eine eherne Bildsäule des Apollo trug , sich befindet und also lautet : 

STPATOKAHZTÜEPnATPOZTOTEATTOT 
JElNOZTPATOIEPHSAMENOTAnOAASimiHTPSlI 
ANESHKENAETKSlNOZAPXONTOZBOZnOPO 
KAWEOJOSIHZKAIBASIAETONTOZSINJSIN 

TOPETESlNJANAAPJSlNWHSZSlNf 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 225 

die zwar in ihrer Erklärung nicht so viele Schwierigkeiten macht , indem 
Hr. Gr. JHvoatQdto[v] and Boanö^lv] gewiss richtig ergänzt» sonst 
aber die Worte liest, wie sie der Stein bietet , aber schon um deswillen 
höchst interessant ist, als sie die Orthographie des Völkemamens WfitHfit^ 
die hier und da in den Handschriften höchst schwankend ist, und bisher 
noch nicht durch Inschriften geregelt war, sichert, wie der gelehrte Hr* 
Verf. S. 24. trefflich nachweist. Möge es dem Hrn. Ver^ noch recht 
lange Zeit vergönnt sein', im hohen Norden das Studium der classischen 
Philologie auf seine geistreiche Weise zu fordern und zu beleben. 
I-eipzig. Ä. Xhtu 

Interpretatio ObeUseorum Urins ad Gregormm XVL P. M. SgttUi 
per Aloisium Mariam Ungarelliunl, sodalem Bamabitam« [Ro- 
mae ex typograph. Rev. Camerae Apost. 1842. 7 Kpftff. Roy. FoL 1 Bd. 
Text kl. Fol.] Dies nene Werk aber die Obetisken Roms, gegen welches 
Zoegas bekanntes Buch nun in den Hintergrund tritt, bietet zum ersten 
Male eine vollständige Abbildung und Beschreibung sammtlicher Obetisken 
in Rom und Benevent, namüch des Lateranischen von Tontmes IV., des 
Flaminischen auf Piazza del Popolo von Ramses HL , des Matteischen 
nnd des auf dem Pantheonsplatze von Ramses III., des auf Monte Citorio 
von Psammetich I.^ des auf dem Minerveuplatze von fiophre, des Pam- 
philischen auf Piazza Navona von Domitian, der beiden zn Benevent vom 
Domizianischen Isistempel, des Barberinischen auf dem Pincio von Ha- 
drian und des Salinstischen vor der Trinita de^ Monti. Was aber die 
Geschichte dieser Obelisken bekannt ist, hat Ungarelli vollständig mit- 
getheilt, dieselben genau beschrieben und die Deutung ihrer Hierogly- 
phen-Inschriften nach Champollions System versucht und mit grosser 
Gelehrsamkeit ansgefährt. Für die dabei nothige Kriauternng der Alter-* 
thümer Aegyptens ist Rosellini's Werk benutzt, zn dem noch mehrere 
Ergänzungen geboten werden. Da übrigens Ungarelli sich die Aufgabe 
gestellt hat , alle Obelisken Roms zn beschreiben , so wird ein Nachtrag 
zn seinem Buche nothig werden, wenn der schone Obelisk des Sesostrit 
oder Obelisk des- Patriarchen Abraham , wie er in Aegypten heisst , in 
Rom angelangt sein wird, weichen der Vicekönig von Aegypten dem 
Papste geschenkt hat. 

Mmei Etnisci, quod Chegorius XVI. P. M. iir aedSbus faUctttn» 
eonstkuit, numumenita linearis picturae exemplis expressa. et in uHUta^em 
studiosorum aniiquitatum et honarum ariium publiei wris fiäcia pars I. 
etn. [Romae ex aedlbvs.Vaticani 1842« gr. F6l.] Ein auf Gebot der 
päpstlichen Regierung herausgegebenes Kupferwerk , welches auf 238 gut 
gestochenen Blättern Abbildungen sammtlicher im etruskisch^n Museum * 
im Vatican aufbewahrten Kunstschätze, der Terracotten, Candelaber, 
Spiegel, Schmucksachen, Waffen, Mikizen, Scarabäen etc.. nebst kur- 
zer Erklärung bringt, und über Etruriens Alterthumer reicne Ausbeute 
liefert. Der erste Band enthält die Darstellung des 1836 Eröffneten 
grossen Grabes in Care, sowie die Gegenstände der übrigen Ausgra^ 
N. Jahrb. f, BtU, u. Päd. od. K rU. BibL Bd, XXXYI. Hß. % 15 



226 B«bal- and UniversitatBitachriohteD, 



I 



Innigen in Care, Vulci, Tarquinia, To«caneUa, Orte, Boinarw, Val- 
montone; der sweite Band die dort gcfimdeneo bemaken und unbeaialteR 
liuHigefiMse, die Wandmalereien der Gräber von Tarquiiiia nach ge- 
machten Dnrclneichnungen, die Gegenstände von Glas, Bmail, Alabaster, 
Marmor und andern Steinen nnd die Inschriften. Die kurze Brkiarung 
rahrt von A. Gennarelli her, der noch ein grosseres Werk ober da«* 
Musenn herausgeben vvili« 

Monumenii di Cere antha tfiegäü coUe onervmnw dtl euHo di 
MitradAl Cay. Luigi Grifi. [Roma, Monaldi. 1841. kl. Fol. mit 12 
Kpftff.J Ist nicht eine Beschreibung der gefundenen Denkmäler des alten 
Cftre oberhaopt, wie sie Canina in seiner JDeterhione di Caere aniica 
gegeben liat, sondern nur die Erklärung der goldenen und silbernen 
Knnstsachen [einer goldenen Brostplatte , eines goldenen Kopfputzes und 
anderer Toiiettengegenstände , sowie mehrerer silberner Schusseln und 
Gefuse mit mythologischen Darstellongen], welche 1836 der General 
Gafassi und der Erzpriester Reguiini in einem Grabe daselbst gefunden 
haben. Sie sind auf den Knpfertafeln abgebildet nnd im Text beschrie- 
ben und erklärt« Die auf diesen Schmucksachen vorkommenden bild- 
lichen Darstellungen beziehen sich auf den Mitbrasdienst , nnd darnm ist 
nnn die Mithraslehre, sowie die GlanbenslehreZoroasters Oberhaupt der 
Hanptgegenstand der Erörterung. 



Ueber die antiquarischen Ausgrabungen , welche in den letzten Jah« 
ren im Königreich Neapel stattgefunden haben, bat der in Italien lebende 
Dr. Heinr. Wilh. Schulz aus Dresden in den Bulletins des archäolo- 
gischen Instituts in Rom wiedeiitelt Bericfate bekannt gemacht, und die- 
selben nenerdings in einer besonderen Sammlung unter dem Titel Rag^ 
gumglio ddle pnneipali eseavanom operofe tätimamente nel Begno di 
NapoU [Rom 1842.] herausgegeben. Damit kann man die Mittheilungen 
vergleichen, welche der Dr. W. Abeken im 1. Heft des 13. Bandes 
der Annalen des archäologischen Instituts^ ober den gegenwärtigeB Zu- 
itand der Gräber von Poggio Gajelia bei Ghimi und ober das sogenannte 
Pythagorasgrab bei Cortona bekannt gesMcht hat. 



Sdiul - und Universitätsnachrichteii^ Beförderungen 

und Ehrenbezeigungen« 



GtiBCHEVLAND. In de» diesjährigen Versammlang der dentsehen 
PUielegen and Schulmänner in Uhn hat nater Anderem der Staatsratb 
Sckmar aus Athen einen Vortrag über den jetiigen Zustand des offent- 
liehen Unterridits im Königreich Griechenland gelten, der über dbui 
dortige Schal -> vnd Unterrichtswesen soviel neue AafscUuss^ giobt^ das« 



■^■■■naw 



! 
B.eford^rangen änd B^lirenbeEeignngen« S27 

wir einen Awsng daraus , trotzdem dass er in der Cottaschen Allgemei- 
nMi ZeitoBg 1842 Nr. 380 — 283* TOÜsandIg abgedruckt worden ut , fi» 
unsere Jahrbnelier sehr nntzli«fa erachtet haben. — Vor der griechi« 
sehen Rerolotion hatten gerade die Provinzen , weiche das Jetzige Kö- 
nigreich ausmachen, unter ailen von Griechen bewohnten LSndem die 
wenigsten und unbedeutendsten Schalen , weil deren Bewohner auch ma« 
teriell die am wenigsten wotühabenden waren. Der ganze Peloponnes 
hatte nnr eine einzige hellenische Schule in Dimitzana, wo man nodi 
im Jahr/ 1808 nach der Methede der sogenannten '^t^oyeDyAx nnterrich^ 
tete, obschon diese absurde Anslegnngsmethode aus den andern griechi- 
schen Schulen schon langst irerbannt war. Pur Aetoiien und Akamanien 
bestand eine mittelmassige Sdinle in Missolot«ghi und für Ostgriechen«- 
Und ekie gleiche in Atben« Der 1821 begonnene Freiheitskampf üess 
^se Schulen untergehen , weil alle Schüler zu den Waffen strömten, 
und wenn nun auch unter den proTisorischen Regierungen namentlich Toti 
IHeo^lo«, dem Vater des ^ wechselseitigen Unterrichts in Griedienland, 
einige Sorge für den niedem Volksunttorricht getragen wurde ; so iLonnte 
doch trst der Präsident Capodkttia an eine Organisation des öffentlichen 
Unterrichts denke«. Er errichtete eine sogenannte Ceniralsehtde in 
Abchiva, wo das Altgviechische nebst Geographie, Geschidite etc. getehrft 
wurde; ein WmaefihaM in Aegria, worin raeistentheils die aus der üb- 
selmannischen Selaverei losgekauften Waisen aufgenommen und erzogen 
wurden; etwa 80 Prim&nehuUn in verschiedenen Theilen des Landes; 
eine g sw rt fej^e Sehüe^ eine Art Seminar^ in PoRo», und eine KriegB^ 
seMiie in Naupua , welche in den ersten drei Jahren ihres Bestehens 
unter der Direction des Aransdsischen Generalstabs >Capiiains Panaskßf 
sehr schnell aufblfihte und gute Pruchte trug , aber nach Panziers Weg« 
gange bedeutend an Gediegenheit des Unterrichts und an Strenge der 
Zucht Terior. Alle diese Schulen lösten sich nach den Ereignissen von 
1831 in FVolgo des eingetretenen Geldmangels beinahe ganz auf. Die 
konigl. Regierung setzte bald nach Ihrer Ankunft in Griechenland, za 
Anfange des. Jahres, 1893, eine Commission nieder, welche den Zustand 
des öffentlichen Unterrichts constatiren und zweckmassige Maassregeln 
zur Verbesserung desselben Torschlagen sollte. Sie setzte 56000 Drach- 
men znr Entschädigung derjenigen Lehrer aus, «die mitten unter den 
schwierigen Umstanden ihrem Berufe treu geblieben waren, und verord- 
nete, um unfähige Lehrer vom Unterrichtswesen fem zu halten, dasa 
nnt Ausnahme der wenigen Manner , die bereits als Lehrer und Gelehrte 
sich bewShrt hatten , Niemand dieses Amt ansahen dürfe', welcher nicht 
Ton einer der drei eingesetzten Prufungseommissionen , deren eine fSr die 
Lehrer der Gemeindeschnlen , die andere für die Lehrer der hellenischen 
Schulen und die dritte für die Gymnasiallehrer bestimmt war, geprüft 
worden und das Zeugniss der Befähigung erhalten bitte. Das neue 
Uiiterrichtssjrstem sollte auf der Grundlage einer Hochschale , mehrerer 
Gjrmriasien und einer entsprechenden Zahl von hellenischen und €remeinde- 
schulen beruhen. Weil es aber an zureichendem Lehrerpersonal fehlte, 
and namentlich für £e Geraeindeseiiulen ra wenig Lehrer vorhanden 

15* 



g fj^ 8ckal- and UftiTertititsaackriciiteny 

waren; so wurde durch die Verordmuig der konigl. Ke^&nmg Tom 
6. (IBO^^bruar 1834 sunächst die OrgaoiMtion des filementamDlerrichto 
begeuien nod ein VolkiMchullebrerseaiinar begründet, dessea Diredor 
zagteich Generalinspector der Gemelndescbulen und Tortoragender Rath 
im Biinitftenani ist , sovyie mit dem Seminar eine Muster Volksschule ver- 
bunden , worin die jungen Seminaristen sich im Lehramt praktisch üben 
sollten« Der erwähnte Director ward zogieich Präsident der Prufongs- 
commission für die Lehrer der Gemeindeschnlen , und diese aus den Leh- 
rern des Seminars zusammengesetzte Conunissiou begann bald nach ihrer 
Einsetzung das yorhandene Lehrerpersonid zu prafen. Diejenigen dar- 
^unter, welche einigermaassen gut das Examen bestanden, 30 an der 
Zahl , wurden , damit das Königreich inzwischen nicht ganz ohne Volks- 
schulen bliebe, proTisorisch als Schnllebrer 3. Classe mit der Bedingung 
angestellt, sich nach zwei Jahren wieder vor der Prufungscommissioa zu 
stellen und dann, wenn sie nämlich die gehörigen Kenntnisse bewiesen, 
die dofinitive Ernennung oder auch eine höhere Schnlstelle zu erlangen. 
Von den übrigen wurden einige abgewiesen , andere , die glückliche An- 
lagen und Eifer zeigten, als Kostschuler ins Seminar genommen, am sich 
zum Lehramt auszubilden. Für den höheren Unterricht waren verhält** 
nissmässig mehr tüchtige Männer anter den Griechen vorhanden ; allein 
die dazu qnalificirten befanden sich damals grosstentheils nasser dem Kö- 
nigreiche. Die Regierung liess also Einladuitgen an sie ergehen, und 
stiftete für^s Erste durch Benutzung der wenigen anwesenden Lehrer ein 
Gymnasium in Aegina, dessen Rector der treffliche Professor Gennadij 
wurde and das man bald nachher nach Athen verlegte. Bald darauf 
vrarde auch ein zweites Gymnasium in NaupXiIA eröffnet und mit beiden 
eine hellenische Schule als Musterschnle in dieser Unterrichtsstufe ver* 
bunden« Die Errichtung anderer Gymnasien und hellenischen Schulen 
and die Eröffnung. der Universität, welche auf den 1. October 1834 fest^ 
gesetzt war, wurde durch die Veränderung des Regentschaftspersonala 
plötzlich gestört und auf längere Zeit hinausgeschoben , so dass nur nach 
and nach noch einige hellenische Schulen entstanden. Endlich erschien 
1837 plötzlich die Verordnung zur Errichtung der Universität wenig 
Tage vorher, ehe der König mit seiner Gemahlin in Griechenland ankam. 
Er bestätigte bei seiner Ankunft allerdings die Errichtung der Anstalt, 
machte aber in Bezug anf Organisation und Personal einige sehr zweck* 
massige Modificationen« Die am 3. (15.) Mai 1837 erfolgte Eröffnung 
der Universität wurde zwaf von vielen Seiten für voreilig angesehen, 
weil es noch an |:ehörig vorgebildeten Studenten und an Gymnasien fehlte, 
und weil für die Universität weder die nöthigen Bücher und Apparate, 
aoch selbst ein geräumiges und passendes Local für die Vorlesungen vor- 
handen und das dazu gemiethete Haus in mehrfacher Beziehung anzwed^- 
massig war. Indess half man sich, so gut man konnte, and strebte mit 
Ernst darnach, den Mängeln nach Kräften abzahelfen. Die Staatscasse 
übernahm die Besoldung der Professoren und die Miethe des Locals und 
schoss Geld zur Anschaffung der nöthigsten Bücher ond Instrumente vor. 
Privatleute schenkten Infftromente und Bücher, und bald reranitaltete 



BefSrderiingen iiyd Ehreiihei^igaiigeii. 220 

man anch ^ammlangen von Geldbeiträgen zur Brbaoung eines gerSomigen 
und schonen Univermtitsgebaudea , wosa der Kdnig aas seiner Priyat- 
^sse 41000 Drachmen beitrag. Das nene DniTinrsitätsgebaode ist auch 
bereits zur Hälfte anfgebaat, und soll nicht nnr die Hörsäle, sondern 
Bach die BibKothek and die Torschiedenen wissenschaftlichen Sammlnngetl 
umfassen. Auch mrkte die netterrichtete Universität gleich in den ersten 
Monaten nach ihrer Eröffnung wohlthatig aaf die secundären Schulen 
Athens ein. Denn wahrend im vorhergehenden Semester die Zahl der 
Schüler des Gymnasiums und der hellenischen Schule sich nur auf 120—4 
180 belaufen hatte, stieg sie bald nach Eröffnung der UniV. auf beinahe 
800, da die jungen Leute vorher, indem sie keine Aussicht hatten, eine 
akademische Bildung zu erhalten , sich darauf beschränkten , die helleni- 
sche Schule jeder in seiner Provinz zu absolviren, nun aber zur Vorbe- 
reitung für die Universität anch das GymnasiuAv zu besuchen anfingen. 
Gegenw&rtig nun besteht die (Hto > üniverntät in ihrem Lehrerpersonal 
aus 30 Professoren und einer Anzahl Privatdöcenten ; von den ersteren 
sind 25 Griechen (2 ans dem Königreiche selbst) und 5 Deutsche und 
gehören "2 der theologischen , 6 der juristischen, 9 der medicinischen und 
13 der philosophischen Facultat an. Als eigentliche Studenten haben 
sich seit 1837 zusammen 192, nämlich 96 aas dem Königreich un^ 97 
andere Griechen , 24 für die Theologie , 62 für die Jurisprudenz , 58 für 
die Medicin , 48 fiir philosophisch - philologische und allgemeine Wissen^ 
Schäften, einschreiben lassen und 92 davon ihre Studien bereits vollendet. 
Ausser den eigentlichen Studenten (^»otci/vcif/), d. i. denen, die mit einem 
gehörigen Abgangszengniss von einem Gyihnasium gekommen oder von 
der inlandischen Gymnasialpruftmgscommission geprüft und far reif erklärt 
worden sind, hat die Universität noch 133 sogenannte regelmässige Zu-« 
hörer (TaKTtxol a^t^oatui), worunter 112 öffentliche Beamte, welche auf 
specielle Autorisation der Regierung noch das Mangelnde der ihnen nothif 
gen Kenntnisse nachholen, soweit ihr Alter und ihre Geschäfte es er- 
laubea*' Das neue Univcrsitätsgebände ist sehr geschmackvoll Und ganz 
in antikem Stil gebaut und enthält, obschon bis jetzt erst zur Hälfte 
vollendet, in dem schön gewölbten unterirdischen Geschoss vier Säle 
für die Anatomie und einen für die Chemie; in dem Erdgeschoss die 
Hörsäle für die vier ' Facnltäten , einen Saal fnr die Versammlungen der 
Professoren und das Bureau und die Wohnung des Universitätssecretairs; 
im ersten Stock , zu dem eine prächtige Treppe au$ pentelischem Mar- 
mor fuhrt, die nöthigen Säle für die Bibliothek und ein damit verbunde- 
nes Lesezimmer , und einen grossen Saal , in welchem jetzt die reiche 
Sammlung physikalischer Instrumente sich befindet, worin aber spjlterhiu 
die Manoscrfptc und Prachtwerke aufbewahrt werden sollen. Gymnaaieu 
soll das Königreich mit der Zeit so viele erhalten, als Nomen oder Kreise 
vorhanden sind. Bis jetzt aber sind^ weil die erforderlichen Geldmittel, 
und ein hinreichendes Lehrerpersonal fehlen, erst vier errichtet: 1) das 
Gymnasium in Athen, vorher in Aegina, mit einer hellenischen Schule 
verbunden, welche beiden Anstalten 18 Professoren, Lehrer und Unter-, 
lebrer (8 fur's Gymnasium , 10 für die hellen. Schule) und gegen 800 



SSO dchal- «ad UniTerftit&tfaacfcrUkleii', 

3cliül«r sahleii« Gymaaaiarch und Leiter dea Gwiaed ist €lmmadh$, 
doch hat die hellen« Schule noch einen besonderen Scholarcheiu Diese 
Anstalt idt faotisch das praktische Lehrerseminar für die heUen. Scholen, 
indem die Lehrer und Unterlehrer, wenn sie hier ein paar Jahre gelehrt 
tutbeoi nach den Terachiedenen hellen. Schalen des Landes als Lehrer 
und Scholarchen befördert und hier durch junge Lehrer, welche anf der 
Unirersität ihre Stadien ToUendet .haben, ersetxt werden« 3) Das Gym- 
nasium Xtt Nauplia, auch mit einer hellenischen Schale Terbnnden, ge- 
stiftet 183^ and, weil es bald versank, im J. 1841 reorganisirt nnd unter 
die Leitong ^es jetsigen Rectors Dr. Anselm gestellt« £s hat gegen- 
wärtig 6 tüchtige Professoren and einige Lehrer und Unteilehrer für ^e 
hellenische Schule« Seit der neuen Organisation rivalisirt es an Tüch- 
tigkeit mit dem an Athen and zahlt bereits über 200 Schäler« ' Beide 
Gymnasien kennen es überhaupt mit manchen deutschen Gymnasien aw^ten 
Ranges aufnehmen (?). 3) Das Gymnasium za Sitra,. ebenfalls mit einer 
hellenischen Schule verbunden, bestand seit 1833 als Privatanstalt der 
chiotischen Gemeinde auf jener Insel , wurde aber 1835 oder 1836 als 
konigl« Gymnasiom reorganisirt, und hat jetst d Professoren 'für das 
Gymnasium und 3 Lehrer für die hellen« SchaU nnd 255 Schiller. 4) 
Das Gymnasium za PaTras ist eigentlich nur eine vollständigere hellen. 
Schule und hat nicht Lehrer genug. Um ehi vollständiges Gymnasiom an 
sein« HeUenkche SokuUn bestehen bis jetzt 54, von denen 32 ledigiioh 
aus der Staatscasse , einige gemeinsdiafliich vom Staat nnd von der Ge- 
meinde erhalten werden , die übrigen aus Gemeindtfoads oder Beitragen 
nnd Vermachtnissen patriotischer Männer gestiftet sind. Yollstan^ er- 
ganisirt sind davon nur die 9 hellenischen Schulen in Athen, NanpUa, 
Syra, Amphissa, Chalkis, Lamia, Tripolis, Sparta und Thera, indem 
sie jede einen Scholarchen and die gehörige Anzahl Lehrer besitzen und 
die statutenmassigen Lehrgegenstande, althellenische, lateinische nnd 
französische Sprache, biblische und allgemeine Geschichte, Kalligraphie, 
Geographie, Arithmetik, Naturgeschichte und die Elemente der Physik, 
vollständig lehren. Die übrigen helle(iischen Schulen haben nur einen 
oder zwei Lehrer und keinen Scholarchen. Auch ist der nrsprnngliche 
Plan noch nicht erfüllt, dass jede Eparchie des Königreichs wenigstens 
eine hellenische Schule haben soll; dagegen haben einige Bparchien 
bereits mehrere, z« B. Attika vier, in Athen, im Puraeus, in Marathon 
und ' in Salamis. Die Gesammtzahi der Schüler , welche die Gymnasien 
und hellenischen Schulen besuchen, betragt 4500 — 5000. Uebrigens 
bilden die hellenischen Schalen gewissermaassen die Vordassen zn den 
Gymnasien, weshalb sie auch in Athen, Nanplia und Syra mit denselben 
verbunden sind. Die französische Sprache wird nur in diesen Schalen 
gelehrt und in den Gymnasien tritt dafür der Unterricht in der deutschen 
Sprache ein. [F'iur höhere bürgerliche Ausbildung ist in Athen seit meh- 
reren Jahren eine polytechnische Schule errichtet, welche seltsamer Weise 
in dem Berichte ganz mit Stillschweigen übergangen ist] Der EUmen- 
icrunterricht und dag Volksschulwesen haben ihre Grundlage in dem 1834 
gestifieteu VolksschuUehrerseminar y welches gegenwartig unter dem Di- 



Beförderungen nnd Ehreobeieigiingen. 2S1 

reotor F. ICoisimi» steht .and 8 Lehrer bat« UnterrichUgegenl^ande sin^ 
bibUsdie iSeschiehte, Religionslehre , altgriechifiche Sprache, Weitge- 
achichte and spedeUe Geschichte Griechenlands, Arithmetik, Goometrie, 
Zeichnen, Kailigraphie, Geographie, die Elemente der Physik und der 
Natargeschichie (angewandt auf den Ackerbau), Gymnastik, Vokalrnnsik, 
Pädagogik and Didaktik , welche letzteren Gegenstände die Seminaristen 
anch praktisch in der Seminarschule , d« i. der mit dem Seminar verbun- 
denen Masterschale eriemen. Der Lebrcursus im Seminar dauert zwei 
Jahre fiir diejenigen, welche bei ihrem Eintritt schon einige Kenntuis/s 
der althettenischen Sprache mitbringen, drei Jahre für solche, denen 
^ese Vorkenntnisse föhlen. Die 2ahl der Seminaristen belauft sich jedes- 
mal auf 60 — 80 , von denen 40 ein grösseres oder kleineres Stipendium 
von der Regierung erhalten, mit der Verpflichtung, dass sie sich dem 
Volksnnterrichte widmen oder im Fall einer veränderten Absicht die 
erhaltene Unterstntsung zurückzahlen. Bis finde des Jahres 1839 sind 
26o Seminaristen mit dem Diplom eines Schullehrers aus dem Sciminar 
entlassen worden, und jährlich können nunmehr 30 Volksschullehrer- 
Candidaten aus demselben hervorgehen. Die Volkstehulen sind gegen- 
wärtig der Mehrzahl nach Knabenschulen und zerfallen nach der Grosse 
der Gemeinden nnd den Kenntnissen der Lehrer in 3 Classen« In den 
Gemeinden erster Ciasse soflen nach dem Gesetz Schulen erster Classe 
bestehen und «oiche Schailehrer haben , welche bei dem Abgange vom 
Seminar d^s Zeogniss Nr. L erhalten haben und unter dem Namen von 
Nemarehialschallehrern einen monatlichen Gehalt von 100 Drachmen be- 
ziehen. In den Gemeinden jiweitcr Ciasse sollen Volksschuten zweiter 
Ciasae errichtet werden, deren Lehrer beim Abgang vom Seminar die 
Prfifang^nmmer If. erhalten haben müssen und unter dem Namen von 
SparehialschuUehrem monatlich 80 — 90 Drachmen Gebalt beziehen. Für 
die Gemeinden dritter Classe sind Schulen der dritten Ordnung bestimmt 
imd deren Lehrer erhalten monatlich 50 Drachmen fixen Gehalt. Ausser- 
dem haben die Schnllebrer aller dieser Classen nach dem Gesetz freie 
Wohnong «nd jedes Schulkind, dessen vollkommene Annuth nicht nach 
den gesetzlichen Bestimmungen bewiesen werden kann , muss ihnen ein 
gesetziicbes Schaigeld von 10 — 50 Lepta bezahlen. Am Schluss des 
Jahres 1839 bestanden 225 Volksschulen mit 20506 Schülern and am 
«chlnes des Jahres 1840 252 Volksschulen mit 22000 Schülern. Davon 
sind 28 ansschliessUch der Erziehung des weiblichen Geschlechtes ge- 
widmet; von den Lehrern werden 67 ganz allein vom Staate besoldet, 
128 erhalten ihren ganzen Gehalt aus der Casse der Gemeinde; andere 
beziehen ihr Einkommen von Kirchen oder von Privatgesellschaften. Die 
Regierong verwendet für die Besoldung jener 67 Lehrer, für die Unter- 
stützung der Seminaristen und für die Erhaltung des Seminars selbst 
jakriich 103660 Drachmen , und konunt überhaupt allen Schulen «och da»- 
durch zn Hülfe, dass sie aus der dem fi^taatc angehörenden Elementar- 
bncher- Niederlege von Zeit zu Zelt eine Anzahl an alle Volksschulen 
unentgßltli«^ vcrtheilen lasst. In allen VolksscUiilen wird Lesen, Schrei- 
ben, Arithmetik, biblische Geschichte, Katechismus und Kalligraphie, 



8chai« und 'UniT^rsitatsnaohrichtQiii 

in deüep der enten oad io eiaigen der sweiten Classe aber luicb Z^ch-> 
oen , . griechische Geschichte , Geographie , kurze Sittenlehre , die ein- 
fitchslen nnd praktischsten Satze ans der Physik and Natorgesohichte, 
die Elemente der Grammatik nebst Anleitung im Ausdrucken der Gedaa- 
ken , hier und da auch Musik nnd Gymnastik gelehrt. Ausser den öffent- 
lichen Volksschulen nnd deren Lehrern sind im Königreich noch eine An- 
zahl willkürlich fungirender, selbst geschaffener Lehrer vorhanden ^ von 
denen gegen 10000 Kinder Unterricht im Lesen und Schreiben erhalten. 
Am meisten ist der Elementarunterricht auf den Inseln yorgeschritten, 
weniger im Peloponnes nnd auf dem Festlande« MädchenMchuUn bestan- 
den v/>r der Reyolution gar nicht, und nur die Mädchen wohlhabender 
Familien erhielten im elterlichen Hanse einigen Unterricht« Erst 1828 
stifteten amerikanische Missionare in Athen , das damals noch luiter tur* 
kischer Herrschaft stand , und an einigen andern Ort^n Mädchenschulen. 
Die kon. Regierung fand bei ihrer Ankunft in Griechenland Yolligen Man- 
gel an Schullehrerinnen, und stiftete daher schon 1834 in der Mädchen- 
schule der Mistress Hill zu Athen 12 Freiplätze für junge Mädchen , die 
zu SchuUehrerinnen gebildet werden sollten, beweg zu gleicher Zeit eine 
in der genannten HilLschen Schule bereits tüchtig . gebildete junge Dame, 
Htlene PÜadaki, die Leitung einer auf Staatskosten errichteten Gemeia- 
demädchenschttle in Nauplia zu übernehmen, und unterstützte eine von 
einer Französin^ Madame Folm^ange, in Nauplia gegründete' Anstalt 
für höheren Mädchenunterricht, indem sie darin einige Freiplätze stiftete; 
auch übernahm sie später die Anstalt der Mad. Volm^range ganz auf 
Staatskosten, verlegte sie nach Athen nnd übertrug deren Leitung der 
Helene PHadaki, Diese Schulen und diese Freiplätze wurden unter die 
Oberaufsicht des Directors des Schullehrerseminars gestellt, der, sobald 
eine der Kostschälerinnen ihren Cursus ToUendet und die Prüfung ehrea- 
Toll bestanden hatte, den Antrag zur Errichtung einer Mädchenschule in 
einer Gemeinde des Königreichs nnd zur Anstellung der Geprüften stellte. 
Weil aber dadurch immer noch zu wenig Mädchenschulen entstanden , so 
stiftete der Director Kokkonis 1836 eine Gesellschaft zur Beförderung 
des Elementarunterrichts im Allgemeinen und zur Verbreitung desselben 
unter dem weiblichen Geschlechte insbesondere, welche durch Geldbei- 
träge die Fonds zusammenbringen sollte, um ein Seminar für SchuUehre- 
rinnen mit einer Seminarschule errichten zu kpnnen. Die unter dem 
28. Aug. 1836 von dem Konig bestätigte Gesellschaft zählt jetzt über 700 
Mitglieder und hatte nach den officiellen Berichten vom. Ende des Jahres 
1840 jährlich 36710 Drachmen regelmässige Einnahme« Auch hat sie 
etwa 40000 Drachmen verzinslich angelegt, um davon ein geräumiges 
Schulhaus für ihre grosse Pflanzschule lu bauen« Die Schule selbst, 
welche den Namen philekpädeutische Pflanzschule führt, ist unter Lei- 
tung einer trefQichen Lehrerin Sebast^ Mtmo eröffnet nnd hat vorzugs- 
weise den Zweck, SchuUehrerinnen zu bilden, wozu von der Gesellschaft 
nnd von der Regierung eine Anzahl Stipendien an talentvolle Mädohen, 
die Neigung und Anlage zu diesem Berufe zeigen, vertheilt werden. 
Mit der Schule ist eine Seminarschule für kleine Mädchen verbunden, 



■■ 



Befösrderungen und Ebrenbezeifulhgep. 233 

wonn di« kinftigen liehrerionen sich jiraktlfleh im Lehramte oben. Ue- 
brigeiifl miterbält diese pbilekpadeutiscbe Gesellschaft nicht blos die 
erwähnte Schule, sondern unterstätet nuch viele Volksschulen und Lehrer 
in den Provinsen durch Geldbeitrage , Zusendungen von Büchern und 
andere Erfordernisse und entwickelt inmier mehr eine rühmliche und 
heilbringende Thatigkeit* Das von dem Präsidenten J. Kapodis^trias 
gestiftete Wmsenhaua ifvurde 1834 von Aegina nach Nauplia verlegt und 
nach einem neuen System organisirt. £!s soll 100 Waisen aufnehmen, 
die in der Anstalt nicht nur Erziehung und Elementarunterricht empfan- 
gen, sondern auch für irgend ein Handwerk, wodurch sie später ihr 
Brod erwerben können, vorgebildet werden. Doch hat es jetzt nur 
etwa 30 Zöglinge, welche in dem kön. Arsenal zu Nauplia, worin die 
Onvrierscompagnie arbeitet, das Technische lernen. Für fast alle Lehr- 
gegenstande der Volksschulen, sowie für einige Unterrichtsfächer der 
Gymnasien und hellenischen Schulen sind Schulbücher geschrieben und 
auf Kosten^ der Regierung oder der philekpadeutischen Gesellschaft und 
einzelner Privaten herausgegeben worden» Für die Volksschulen sind 
^ese Bücher in doppelter J^ottoL ahgefasst , einmal in grösserer Ausdeh- 
oling fuir die Lehrer und dann in mehr synoptischer Form für die Schüler. 
Sie bilden gewiesermaassen zwei encyclopädische Bibliotheken, von denen 
die kleinere 15 Drachmen kostet, so dass auch der unbemittelte Schüler 
sie innerhalb der 4* Schuljahre ^sich leicht ankaufen kann. An dürftige 
Schalen und Schüler werden aus dem. gebildeten Bücherdepot.auch Bücher 
iQieiitgeltlich vertheilt oder zu ermässigtem Preise abgelassen. Für hö- 
hi«Ee wissenschaftliche Bestrebungen bestehen ausser der philekpadeuti- 
schen Gesellschaft in Athen die archäologische GesdUehaft , seit 1837, 
welche 1841 386 ordentliche und 187 ausserordentliche und Ehrenmit- 
gtiedcff und einige Protectoren zählte und auf ihre Kosten die antiquari- 
schen Ausgrabungen im Königreiche betreibt} die naiurhistorische Ge- 
»dhchitft, seit 1835, die im vorigen Jahre 56 ordentliche und 40 Ehren- 
mitglieder zählte, ein naturhistorisches Cabinet gesammelt hat und 5 pe- 
riodische Zeitschriften naturhistorischen Inhalts hält; die medicinischc 
Gudleehitft^ seit 1835, deren 30 ordentliche Mitglieder eine medicini- 
scbe Zeitschrift herausgeben; die pharmaceuiiache Gesellsehaft, seit 1838; 
das Museum y ein Verein von Studirenden zum Zwecke gegenseitiger 
Mittheilung und zur Haltung wissenschaftlicher Zeitschriften, unterstützt 
von einigen Professoren, die im Local des Museums unentgeltliche Vor- 
träge halten. Für höhere wissenschaftliche Zwecke sind in Athen vor- 
handen : Die öffentliche und UnwersUätsbibliotheky zwei anfangs getrennte, 
gegenwärtig aber vereinigte Büchersammlungen, die durch Schenkungen 
und Ankäufe bereits auf 35000 — 40000 Bände, worunter 90 Manuscripte, 
gebracht sind ; eine bedeutende Sammlutig von Alterihümern , d. h. Sta- 
tuen, Basreliefs, Vasen, Sarkophage, Gerätbschaften und Inschriften, 
welche jetzt noch in verschiedenen Tbeilen der Akropolis und der Stadt 
zerstreut aufbewahrt wird , später im Universitätsgebäude vereinigt wer- 
den soll; eine Münzsammlung ^ meistens byzantinische und altrussische 
•Münzen enthaltend und von dem verstorbenen N. Zosimas in Moskau ge- 



29i4 .6«k«l- und UnWertitaifBAchrichte«, 

sdienkt; eiae klme BSUtenmmmhtng ^ welche der griech. Viceeomiil 
N. Mantzwrani in Wien geschenkt hat; ein N^tturtdieneMmH^ welche« 
▼on der naturhistorischen Gesellschafb begriadot ist and die in Giiecheo- 
land specieU einhetnischen Natnrgegenstande ciemUck ▼ellstandig enthalt; 
eine schone Sammlung pk^sikidiieker und tutromMimekfr InMinumenete nnd 
eine Smmmiung anmtomueker und cftematdber IVii^parale. [Auch soll bei 
der UniTersitat in Athen eine Sternwarte erbaat werden , woan der grie- 
chische Generalconsnl Freiherr von Sina in Wien die Kosten bergiebt 
nnd an welcher der Grundstein am 8. Juli 1843 g«l«gt worden ist.] Die 
Jahrlichen Gesamntanegaben der Regtemng fnr den öffentlichen Unter* 
rieht und für gelehrte Zwecke betrogen 1841 461789 Drachmen , und 
1843 493016 Drachmen , angerechnet die Aasgaben fiir die Kriegsschoie 
im Piraens. Dazu kommen noch 4447 Drachmen , welche fnr das Schal- 
lehrerserainar , und 30000 Drachmen , welche fnr das Waisenhaas jahrlich 
verwendet werden. Für den Elementaranterricht beider Geschlechter 
werden Jährlich 137697 Drachmen aas Staatsfonds verausgabt, überhaupt 
aber von der gesammten jahrlichen Staatseimiahme von 18 Millionen 
Drachmen etwa öOOOOO Drachmen für das Unterricbtswesen verwendet. 
Hali<e. Dem Index seholarum, welche in dem Winter -Halbjahr 
18^<| gehalten werden sollten, hatte in Abwesenheit des Programmatarius 
der Universität der aeitige Prorector Professor Dr. G. Bernhards ^ 
prooemii^m beigegeben , das einen seinem Iqbalte nnd seiner Form nach 
gleich schatabaren Beitrag xur Geschichte der Universität Halle enthalt. 
Die Geschichtschreiber derselben, Förster, HefflNiuer und etwa Bnil- 
nrenn, haben sich in ihren ausfahrlicheren Werken meist auf die iuswre 
^schichte beschrankt, der Verf. geht auf die innere Geschichte und be> 
handelt theils die Einwirkung der verschiedenen Regenten und deren 
^mnbungen for diese Hochschule , theils die Wirksamkeit der verschle- 
flenen Facultaten in allgemeinen , aber sehr scharfen und bezeichnenden 
Umrissen. Einzelne Partien sind ans der von dem Verf. bei der Ueber- 
nähme des Prorectorats am 13. Jali 1841 gehaltenen Rede entlehnt, der 
gr988te Theil aber neu bearbeitet. Für die Leser dieser Blatter durften 
die Bemerkungen über die Geschichte der philologischen Studien in Halle 
das grpsste Interesse haben. Mit einem Gehalte von 300 Thalem war 
der Rertor des Gymnasinms zu Merseburg M. Christoph Ceüaruu für die 
Professur der Geschichte und Beredtsamkeit gewonnen und am 13. Juli 
1693 in Halle eingetroffen. Bei dem reichen Schatze :ron Kenntnissen, 
mit denen er ausgerüstet war, hielt er nicht blos Vorlesungen aber all^ 
Theile der Geschichte und Geographie, die er auch in vielbenutzten 
iiehr- und Handbüchern bearbeitete, sondern erklärte auch, neben der 
ilhetprik und den romischen Alterthümern, einige lateinische Schriftsteller, 
deren Auswahl heut zu Tage Niemand billigen würde. Denn neben Vei- 
leias , Piinius , Ausonius erscheinen Sexti Ruft breviarlum , Lactantins de 
mortibus persecntorum und sogar neuere Latinisten. Aber seine Bemu> 
jungen , die in dem collegium eleganüoris litteratarae , einer Art von 
philologischem Seminar , einen kräftigen Halt hatten gewinnen kennen, 
Rieben erfolglos, da weder Juristen noch Theologen zn diesen Stadien 



■■■■■ 



Beförderungen und Ehrenbeieigiing«ii« 235 

endUtttert wtirden. Nodi fichlinmMBr stand ea um die griecfaische Lite- 
ffttnr , deren der Verf. wehl damai nicht gedacht hat , weil sie in den 
frühesten Zeiten dem professor lingaarnm orientalittn nebenbei übertragen 
war« Augugi Hermann Franckey der diese Professor bia 1698 beklei>- 
dete , las nnr aber das Neue Testament and Macarias , sein Nachfolger 
Jekm Heinr, Miekaelk verstieg sich aach bis zu Tgnatii epistolae. Nach- 
dem Ceiiarlas am 4. Juni 1707 gestorben war, wurde Hieronym, Nieol, 
CkmdUng tum professor eloqnendae ^ antiquitatam ernannt und damit 
naturlich die Yerpflichtang zur Abfassung der akademischen Schriften 
verbanden. Von alten Autoren hat er höchstens Taciti Germania nnd 
Snetonii Caesar erklärt. Verdienstlicher war die Wirksamkeit desTolj^ 
histor Johann Heinrich Sehultze^ der 1732 von Altorf als professor phir 
losophiae, eioquentiae^ antiqnitatnm et medicinae mit einem Gehalte von 
&00 Thalem berufen wurde und dessen Vorlesongen namentlich über li<^ 
mer der Gottinger Michaelis in seiner Autobiographie besonders hervor- 
hebt. Neben ihm lehrte Fr, Wiedeburg Geschichte. Von Sti^ritz und 
Fransen ist wenig zu sagen; letzteren scheint der Verf; gar nicht va 
kennen , wenn er ihn mit den Worten nee multum iuvit , qui huic suc- 
cessorus erat, Franzenins nescio quis, wegwerfend bezeichnet. Adam 
Wühehn Franaen kam 1763 nach Halle und las ausser einigen philoso- 
phischen Disciplinen, bei denen er Baomgarten folgte, schon aber Xeno- 
phon , ^phokles nnd Demosthenes ; von Cicero wählte er nach rhetori- 
schen Zwecken grössere Reden aus» Inzwischen starb er schon am 31. 
MSrs 1766. J. O« Jaeoki, der von 17d5 an nor knrse. Zeit in Halle 
lehrte , Ist auch ibergangen , obschon er neben neoeren Spnchen auch 
die lateinischen Dichter, naaenttick Virgil, in semen Vorlesungen behan- 
deilt hat. Aosfafarlicher spricht der Verf. über Chr. Ad. KMz, der 1765 
nach Holte kam, aber in k^ner Weise den Erwartungen entsprach, die 
man von seiner Berufung gehabt hatte. Seine Vorlesungen brachten kei* 
nen Nutzen , weil er zu schnell die vollständig aasgearbeiteten Vorträge 
ablas ; von Schriftstellern erklärte er uar wenige. Falsch aber ist, was 
Hausen S» 72. erzahlt, Kl. habe auf keiner Universität einen einzigen 
lateinischen Schriftsteller erklärt; in HaUe wenigstens hat er öfters Vor- 
lesungen aber Horaz angekuiidigt , ob auch gehalten, das weiss Ref. 
nicht* Seine Nachfolger Thunmann (177^2) und Trapp der Pädagoge 
haben der Philologie keinen Nutzen gebracht, sie war endlich so ver- 
fallen , dass der Weltamsegler J. 11. Förster auf ^einige Zeit die Professur 
der Bloquenz übernehmen musste, bis 1783 mit Fr. Aug. Wo^ Beruf^«l(^ 
ei« neues, kräftiges Leben erwachte. Doch hier bricht der Verf. ab^ 
dem Ref. bleibt nur der Wunsch , dass es ihm gefallen mo^e , nach nbei: 
WoICb segensreiche Wirksamkeit aosfahrlicher za berichten , wozu er vor* 
allen Anderen durch seine jetzige Stellung und seine früheren Verhak- 
nisse za dem aasgezeichneten Manne berufen ist» — Zur Feier de^ 
Geburtstages des Königs schrieb Prof. Dr. August Friedrich Pott die 
crnnmentatio de linguarum Le&icarum cum eiemtt nexu [72 S. gir. 4.}. 
Angehängt ist der Bericht über das Ergebniss der Preisbewerbnugep, 
weldies nur in der medidnischen und in der philosophlsi^en Fncültat 



it36 SchuU'ond UniTersitStsnachrirhieii) 

•'s. 

gpnstig geif^esen ist. Eine der' Schriften, welche gekrönt ist, die Lau^ 
datio Gerhardi DavüUs SehamhürtiU von Hermann Masuts ist seitdem in 
Dmck erschienen [32 8. 4.] nnd rechtfertigt yollkommen das Urtheil der 
fPacaitat: indicii eam probavit mätnritateni , facnndiam adeo non vulga- 
rem, remm' tarn aeqnabiliter institutam enarrationem et dispositionem^ 
denique latini sermonis eam castitatem et elegantiam, ot buius commen- 
tatienis anctori praemium phiiosophi decreverint. — Dem Verzeichnisse 
der Vorlesungen im Sommer- Halbjahr 1842 bat Prof. Dr. Meier die eom- 
mentatio Theopkrastea teHia [12 S. gr. 4.] beigegeben ond damit eine 
Fortsetzung zn den in den Jahren 1830 ond 1834 erschicnex^en Emen- 
dationen der Theophrastischen Charaktere geliefert. Dieses letzte Pro- 
gramifl bezieht sich anf die Kapitel 19, 21, 22, 24 und 25 und verdient 
nicht minder als die früheren allgemeine Beachtung. Die Zahl der Sta- 
direnden hatte sich im Winterhalbjahr auf 705 belaufen , zn denen noch 
13 nicht immatricnlirte Zuhörer kamen. Von diesen sind zu Ostern 179 
abgegangen, 148 hinzugekommen, so dass die Anzahl der immatricuiirten 
Studirenden nur 674 betrug, von denen 424 (323 Inlander, 101 Aosl.) 
auf die theologische , 80 (72 Inl. , 8 Ansl.) auf die juristische, 112(77 
Inl. , 36 Ausl«) auf die medicinische , 58 (49 Tnl. , 9 Ausl.) auf die philo"- 
sophische Facnltat kommen ; ausserdem sind 14 Chirurgen und Pharma- 
ceuten. Aus der Zahl der Professoren schied zn Ostern der ordentliche 
Professor der Physik Dr. Kamtz, welcher einem ehrenvollen Rufe nach 
Dorpat folgte ; zu Michaelis der extraordinarius in der juristischen Fa- 
cUität Dr. IF. E, Wüda , welcher eine ordentliche Professur in Breslau 
erhalten hat; Ordinarius wurde der bisherige ausserordentliche Professor 
in der philosophischen Facultat Dr. K, H. JIT. Burmeister; zum äusserer^ 
dentiichen Professor in derselben Facultat ist Dr. Jd* Scholl ernannt, 
bisher Lehrer an der Akademie der Künste zn Berlin. Schwerlich wird 
durch diese Ernennung einem dringenden Bedürfnisse der hiesigen Uni<* 
versitat abgeholfen, die bei ihrer Mittellosigkeit archäologische Studien 
wenig befördern kann. Es soll jedoch nun ein Antiquarium angelegt 
werden, flabilitirt hat sich in der theologischen Facultat am 9. Juli 
der Licentiat Carl Schvmrs durch Vertheidignng seiner Abhandlung de 
saneta irinitate quid »enserint doctores ecolesiastiei prima scholastieae quae 
dicHur tkeologiae periodo [50 S. 8.] ; in der philosophischen Dr. K, Stein- 
berg durch Öffentliche Vertheidigung einer Abhandlung f^e conüre(tont6tts 
alvmis et pttfalitkisy eholelkhis, cystolitkis [38 8. 8.]; ausgeschieden ist 
aus der Zahl der Privatdocenten Dr. Tkiele, der es vorgezogen bat^ 
eine Lehrerstelle aif dem' Pädagogium U.Jj. Frauen zn Magdeburg zu 
übernehmen. — Der Index scholarum für das Wintersemester 18}^ ent- 
halt Meiert commentationis sextae de Andoddis quae vulgo fertur oratkme ' 
contra AleUnadem particula secunda [13 S.'gr. 4.], die Fortsetzung der 
seit Jahresfrist abgebrochenen Untersuchung über die Geschichte der 
alten Lexicographie. Lexica in dem jetzigen Sinne des Wortes haben 
die griechischen Grammatiker nicht abgefesst; ihre Lexica und Glossa- 
rion enthielten blos U^sig oder ylniccug. Diese bezogen sich entweder 
anf bestimmte Dialecte , einzelne Gegenden (ß^tHal yXm^cttt) , verschie- 



■IViVHBiVHi^BHH 



Beförderungen und Ehrenbezeigange-a. 237, 

dene F<»rfflen der prosaischen und dickteriscben Rede and aaf die eiassel» 
nen Repräsentanten derselben , oder beschäftigteH sich mit der Erklärung 
akter, ganz ausser Gebrauch gekommener Redensarten, die besonders ia 
den Ritualien und in den Gesetzen sich fiinden, oder gingen auf die Er- 
klärung äkerer Dichter aus« Schon Deraokrit von Abdera begann bei 
den Griechen die literarische Thätigkeit auf diesem Gebiete in seiner 
Schrift über die Orthoe]pie und in dem 'OvofUcetiiHov. Ihm folgten die 
ausgedehnteren Bestrebungen der* Sophisten, nicht sowohl des Gorgias« 
von dem nur Poilux ein 'Ovoftacttnov erwähnt, sondern Vornehmlich Pro* 
dious , dessen Bemühungen schon von Spengel (Artium scriptores p. 48,^ 
und Weldcer (Rhein. Mus. I. S. 559.) ausführlicher besprochen sind, . und 
Protegoras , der auf IMchtererklämng rerfiel. Unter den Philosophen 
sind hervorzuheben Antisthenes nsffl ovofidttov %(fi^0tmv ^ iQuattnöv^ 
Plato im Kratylos, Aristoteles mit seinen Schülern und Anhängern Theo^ 
phrast, Heraclides und Praidphanes, endlich die Stoiker. Die Arbeitea 
der Rhetoren werden kurz angefahrt. Hierauf geht der Verf. zu den 
Crrammaftikem über und gelangt endlich zu den Verfassern von Glossen 
oder isfstff, also zu der eigentlichen An^be seiner Abhandlung, die 
onabhängig von den gleichzeitigen Untersudiuagen von Lorsch (Sprach- 
Philosophie der Alten lU, S. 63.) die verschiedenen Gelehrten und ihre 
Arbeiten aufzählt bis auf Kallistratos und Diodoms herab, welche ana 
der Schule des Aristophanes hervorgegangen sind. Schon diese kurze 
Andeutungein werden hinreichen , um einen BegriflT von der Wichtigkeit 
^äeses Schriltehena für die Literargeschichte Griechenlands zu geben. 
-— Von seinen Festreden hat Prol Meier zwei drucken lassen, . zunächst 
die bei der Huldigungsfeier am 15. October 1840, dann die bei der Ge- 
bnrtstagsfder des Königs am 1&. October 1841 gehaltene. — * Von den 
Festprogrammen der theologischen Facnltät sind drei zu erwähnen. Zu 
Weihnachten 1841 erschien von Dr. fFegacheider: Formula renunciatßO" 
ni» deeem iheologiae doctorum inter aaera secularia eode^iae Halia emen- 
datae UrHa cum precibu» prid. CdL Novembr, a. 1841. pronuticiofa^fr- 
«Bctis annviationibus [26 S. 4.]. Zwar ist diese Rede, welche der hoch- 
würdige Verf. bei der academischen Feier des Halleschen Refprmaüons- 
Jubiläums gehalten hat, schon in der Schrift: Da» drüte R^ormatUmM- 
Jubelest der Stadt Haue. Predigten und Beden nebst einer Beschreibung 
der Jube^eier, {1S4I. 8.] S. 124 — 131. gedruckt worden, aber, wie schon 
der äussere Umfang zeigt, dieser zweite Abdruck ist mit einigen Anmer- 
kungen begleitet, welche die in der Rede erwähnten geschichtlichen 
Verhältnisse erläutern. Am interessantesten sind die Mittbeilungen über, 
den unvergessliohen Kanzler A. H. Niemeyer, indem /nehrere der von 
dem verstorbenen König an ihn gerichteten Kabinetsordren theils wieder 
abgedruckt, theils zum erstenmale verofiEentlicht sind, unter andern die 
an die Wittwe desselben vom 20. Juli 1828: „Ich nehme Antheil an dem 
gerechten Schmerz, von welchem Sie durdi das Ableben Ihres Ehegatten 
gebeugt sind , ' und bezeuge Ihnen mein Beileid mit der Versicherung, 
dass Ich der anerkannten Verdienste des Verstorbenen stets eingedenJc 
bleiben w«rde. Zum Beweis« dessen, habe ich seine Buslt% von weissem 



8cfarol- and URiTersitatinmebrlekteB, 

BfaniMr beslellMi laMe», welche m dea grotten Honaal 4ea neven Um« 
Teffiltato-Gebaadee aufgestellt werden solL"^ Zo Osteni 1813 sdurieb 
der Coniuteriidratli Dr. Tkdudt eine Dkptiath de noaia dqumaie 
offne Ahaelardo interpreti^mB Nävi TttUmenti [2S S. 4.] , an Pfingsten 
Prefesfor Dr. Chrigt Friedr. Früztehe de 9piniu saneto eommemtaim ese* 
geUea et d^gmatka P« Ilf . [!23 S. 4*]. — Die jariatiscbe Docterwarde 
erwarb an 25. Mai Hr. Hugo Ph, Egmont HäUdtner aas Hirschberg und 
Tertbei^gto zo diesen Behufe : JOe iure g en tiu m quäle fuerit mpud fWfMi- 
Im orientie pars prior [66 S* 8.]. -— Die philosophische Docterworde 
haben erbalten: an 7. Juli 1841 Chutuv Adolph Kopp aus Drarnischweig; 
De inlegrmUhi» defhulU [28 8. gr. 4.] ; am 22. Decenber JSmsC Curüuo 
a» Lobecks CommemMHo de portubue Alkenarum [30 S. &]. Da diese 
verdiensilicbe Untersachong, welche sich auf grandliche Stodiea und 
mehrjährige Antepsie groadet, auch in Bvchhandel erschienen ist^ so 
werden die kritischen Butter nicht ernani^eln, die aeoen Resaltato den 
Verf« einer Kritik an nnterwerfen* An 1. Febmar 1842 Auguet Bmaekc 
ans Nordhansen : Commeniaiionie de elecuUone ApoUomU BhodU fiatitciilii 
[2^ S. 8.] ; dne partieulu eeeunda [32 S. 8.] erschien im Namen der Mit- 
glieder des pbilologisehcn deminars in 6. Bemhardys Gebartstege omt' 
20. Mars. An dO. Asgiist neotfor Heriaberg aas Halberstedti Qwie* 
fftenam de gemdna Odgsieue ßtrmay stbe tymbolmrum ml imdugandme 
Odif$§eae imterpolalioni» parüemia [32 8» 8.] , saaachst aber die Interpo* 
IftÜoBen in den Rhapsodien t' and ^'$ endlich an 16. 8ept. Amg* IFcfIta 
ans Nordhansen: CommenlmUoni» de Herodimfio gramwmtko pmrtieulm 
[30 8. 8.]. — Das konigl. Padagogiun hat am & 8eptember das offent- 
liehe Examen gehalten. Zn den Eialadangsprograam giebt der Director 
Br* Herrn* Ag, Niemeger eine Abhfuidlmig u^er Weggang Roüekme^ den 
bekannten Padagogiker, in Cothen [44 8« 4.]« Die LebeosgescUchte 
des Ratichias ist in dem roijihrigen Programm bis au seinem Binsuige in 
CSthen gelGhrl« lieber seine Wirksamkeit in Cothen sind dem Yerf* 
dttreh die Gnade des Heraogs ron Anhalt -Gothen sehr reichhaltige 
Quellen auginglich gemacht. Alles darauf Bezügliche ist in drei Kapitel 
getheilt, deren erstes eraählt, wie und unter welchen Bedingungen Rati- 
diins nach Cothen kam; das zwmte Alles zusammenstellt, was auf seine 
Vemnlassong und unter seiner Mitwirkung oder Lettung für das SdkuU 
ttnd Eneiehungswesen in Cothen geschah, und endlich, das dritte die 
Gründe und Verbalteisse ausfBhrllch entwickelt, ans denea herTor^eht, 
vVamm seine Anstrengnngen^trote der wahrhaft fdrstlichen Unterstntaung 
doch TerhiltnisMaSssig nur unbedeotende Erfolge gehabt haben* Aber 
irfeht alle diese Gegenstände sind in den yorilegendeB Bogen behandelt^ 
das ganze dritte Kapitel ist rückständig, anch das iweite ist noch nicht 
Vollendet« Dennoch ist das, was in diesem gegeben wird, fir die Ge- 
nehichte der Pädagogik am wichtigsten, l^ee iUttchiaa nächste 8orge 
«frar darauf gerichtet, Lehrer für die nene Lehrart lu bilden und die mit 
der Ausarbeitung neuer Bebalbucher md Compendien Beasifangtea an 
beaufsichtigen. Zu diesem Behale wurde mit nicht g e rin gen Kosten eine 
eigene Draekerei angelegt, Lettern am Hoünid, Betaernid Drvcker 



Bef^r4eriingeii und Ehrenbei^lg^iiBf ea. 339 

ay$ Jena und Rostock , Papier ans Quedlmburg lierbeigesdMflt ud zu- 
naolNit die Sohriftea gedruckt , welche Ratichius in den £lcholea xu ge- 
braaeben dachte. "Sa fallen dieselben in die Jahre 1619 — 1621; die ein- 
«ebien Enengniase dieser Pressen werden H* 22. und 23. aufgezählt, 
obachon sieb dieselben wohl noch werden yervollstandigen lassen. Die 
Lebrplane ^ welche sieb bis auf die Gynuiasiaiclassea erstrecken , werden 
Sw 24: — 44. in einem getreuen Abdrucke mitgetbeiit. In den Schuinacb- 
richten ist ein einaichtSToU angeordneter Lebrplan für den Unterriebt in 
der griechiachen Sprache mitgetbeiit; im yorigen Jahre war der für den 
Untenioht im Lateinischen abgedruckt» der Verf. scheint also, ~^aa ge- 
wiss Beifoll finden wird, auch die Lebrplane für alle übrigen Unterrichts« 
gegenstände y wie dieselben am ken. Pädagogium befolgt werden, mit« 
theilen zu wollen. Aus dem Lehrer -Collegium schied zu Ostern der 
Ordinarius Ton Prima Dr. EdetUm y der zum Rector der lateinischen 
Hauptacfattle ernannt wurde, der Ordinarius der Tertia iMhan^ der einem 
Rttfe an das Gymnasium zu Blberfald folgte, und der Ordinarius dei 
Sexta Dr. Briidbier, der es vorzog , in das Prediger - Seminar zu Witten- 
berg eiBzatretea. Die erster^ Stelle erhielt Dr. JLeof». iTroftnex, dar 
fau dahiB Lehrer an dem Kloster U« L. Fr* in Magdeburg gewesen war^ 
g^ sie aber bereits zu Michaelis wieder auf, «m das Conrectorat zu 
Fxiedland im MeckloBbargischen aazuBebnieii. Das Lelirerpersonale be- 
stand za Michaelis ans dem Inspector Difoctor Dr. Msmcg^r« dem Ad- 
juMsten Bmäolphf den Collegen Dr. JTraftner (Ordinär, in I.), Dr. DtnM 
undBaoft, den CoUaboratoren Gfäntiksr, Dr. V^igi (Ordin. in !!*.>, Dr. 
HiyoiMier (Ordin« in U^j),. Dr. Eekar^ (Ordin. in DL), Dr. Gareke (Or* 
da. in IV.), Cand. NagH (Ordin. in V.), Cand. Manm (Ordin. in VI.) 
rnid dem Matbearilttictta BnmkmrdL Seit Ostern bestflhen neben den 
Gymnasial- aacb drei Realclassen, deren Ordinariate die Herren Bern- 
hmrdt,. Bach und Guiktber Torwalten. Die Frequenz beliel sich auf 107; 
Altttori waren za Michaelis 1841 sechs, zu Ostern 1842 drei. — Die 
lateinische Haoptscbule, welche bisher zu Ostern ihre öffentliche Prüfung 
Venuistaltete, hat dieselbe mit Bewillignng der Torgesetztea Behörde 
auf Michaelis f erlegt. In dem dazu erschienenen Programm giebt der 
Colleg(B fFUh^m Sokeueriem eine Abhandlung w6er den Charakier das 
Afodaa m der ^risdUtcAen Spi^aeke [71 S. 4.]. Die Ton dem Rector Dr 
Fr» A» Btkstem abgefassten SchulnachrichteB tiefem duaen ausfubrlichea 
Nekrfbg des am 16» October 1841 zu Bern auf einer Ferienreise verstor- 
benen Rectors Dr. MaxMUan Friedriek ChrMan SckmMk JBr wurde 
am 28. März 1602 zu Naumburg geboren und auf der dortigen Domschule 
und in Schulpforte für academische Studien Torbereitet. 1819 bezog er 
die Universität Halle, auf der er unter Schlitz, Seidler und Reisig Phi-' 
lologie studirte. 1824 erhielt er eine Lebrerstelle in Ratibor, wo er 
1826 das Programm über den Infinitiv schrieb ; 1826 ging er als Con- 
rector nach Zeitz, 1830 als' Inspector an das Pädagogium zu Halle, 1833 
als Rector an die dortige lateinische Hanptschule. In diesem Amte hat 
er für die äussere Organisation der Schule und der damit verbundenen 
Peusionsanstalt mit grossem Eifer und gutem Erfolge gearbeitet, aber 



240 Schal- «• IThirarsHfttsitachrr«, BefSrdenr. u. BhrenlMBe%lingeii. 

bei dem Umfenge admiiÜBtratiTer Arbeiten nur selten Müsse tu schrlft- 
stelleriseher Thätigkeit gefunden. Nor kleinere Schriften hat er hinter- 
lassen, anter denen die commentatio de pronomine graeco et latino [1832.] 
und die conun. de Theophrasto rhetore [1839.] grosseren Werth haben. 
In seine Steile ruckte am 11. April 1842 der bisherige Oberlehrer am 
kon« Pädagogium Dr. Eekaiein and kehrte so nach dreijähriger Bntfemung 
zn der Anstalt zurück , welcher er selbst seine Bildung verdankt und an 
der er bereits in den Jahren 1829—1839 in den rerschiedensten Verhält- 
nissen als Lehrer gewirkt hatte. Das Lehrer - CoUegium besteht jetzt 
aus dem Rector Dr. Eckstein, den Coliegen ManUiuSy Dr. JUefrmann, 
Dr. Diedrkh , Wtber and Sehmierlem (seit 1. Jan. 1842 dazu ernannt) ; 
den Coliaboratoren Schreiber , Dr. Eggert, Dr. Geier ^ Dr. HUdätrand 
(welcher, von dem hohen vorgesetzten Ministeriam anterstatzt, während 
des Sommers eine wissenschaftliohe Reise nach Paris gemacht hat , am 
die handschriftlichen Schätze der dortigen Bibliotheken für die Schriften 
Tertallians zn benatzen), Dr. Bedcer (welcher zur Wiederherstellung 
seiner Gesundheit mehrmonatlichen Urlaub und eine Unterstützung zu 
einer Badereise erhielt), Dr. GreUmg, Dr» jimoldf Dr. Rumpü, Dr. 
Bokme und den Adjuncten Dr. Jltnne and Tonfien^^^. Pensionirt 
warde zu Ostern Dr; Friedr. SiSger and diesem dabei das Prädicat eines 
konigl. Professors ausgewirkt« IHe Frequenz betrog im Sommer-* Halb- 
jahr 1841 268 f im Winterhalbjahr 279, in dem letzten Simimerhalbjahr 
330, Ton denen 160 auf der Pensionsanstalt wohnten, 119 Stadtschuier 
und 41 Orphani waren. Zur Universität wurden diese Michaelis sieben 
Primaner mit dem Zeugniss der Reife entlassen. *- Die Realschale hat 
bereits zu Ostern ein Programm veröffentlicht; es finden sich Jarin An- 
deutungen aber Werth, Zweck and Methode des kalligrapUsdien Unter- 
richts mit besonderer Rücksicht aaf Realschulen; vom Coliegen Sfiees 
[12 S. 4.]. Die Frequenz belief sich auf 202 Schüler, von denen 78 auf 
der Pensionsanstalt der Franckeschen Stiftungen wohnten. ^ Das Lehrer - 
CoUegium bestand aus dem Inspector Ziemann ^ den Coliegen Dts Dippe, 
Dr. Hanhel, Bottger, Spiees, Dr. HOser und Bßxeh* Von diesen schied 
Bach zu Ostern aus, am seine ganze Thätigkeit dem Pädagogium zn 
widmen ; zu Pfingsten der verdienstvolle und eifrige Lehrer der Mathe- 
matik Dr. Dippe^ um einem ehrenvollen Rufe an das Gymnasium zu 
Schwerin zu folgen. Als eine zweckmässige Erweiterung der Schuüiach- 
richten muss die Mittheilung der von den Abiturienten bearbeiteten ma* 
thematischen Aufgaben betrachtet werden. 



:^ 



'^^mmmmmmmmmmmmmamm^'^^^^^^^^^^'^'^'*^^^^^^^^^^''^^^^^^^^^^^^^^^ 



"1 



STene 

4 

JAHBBtfOHEB 

für 

Philologie und Paedagogik, 

oder 

MirUische IBihUotheh 

» 

für das 

Scliul- und Vnterriclitswesen. 



In Verbindung mit einem Vereine von Gelehrten 

heraasgegeben 
von 

und 

PMf • ReinhoMd WOotm. 




Sechsunddreissigster Band. Drittes Heft. 



Druck und Verlag von B. 6. Teubner« 

1849. 



4 . 



Kritische Beurtheilangen« 



Analecia epigraphica ei onomatologica. Scripuit 
CaroluM Keüiasy Adionctas Portensia. Lipsiae apud Fr. Chr. Guil. 
Vogeliiini. MDCCCXLIJ. XVI. u. 262 88. 8. 

Jxr. Adjunct C. Keil la Schitlpforte giebt in der Torliegenden 
Schrift einen neuen treffliclien Beweis von der Forttetzang seiner 
gelehrten Studien, mit welchen er vor einigen Jahren durch sein aas- 
gexeichnetefi Specimen Onomatologi Graed^ worüber wir in die- 
sen N. Jalirbb. Bd. 28. S. 428—448. referirt haben, die gelehrte 
Wdt bereits bekannt gemacht hat; und wir beeilen uns um so mehr 
unseren Lesern von dem Erscheinen und dem ohngefihren In* 
halte der inhaltsreichen Schrift niheren Bericht lu erstatten, je 
vielseitiger die Beziehungen sind, in denen das von dem Hrn. 
Verf. an die Deutung von einzelnen Inschriften und Namen Ang^ 
knüpfte zu den verschiedenen Fiebern der classischen AlterthimM- 
kunde steht , und je wiinschenswerther deshalb e^n schnelles Be- 
kannt- und Benutatwerden des Buches für die Pfleger der nie m- 
henden Wissenschaft uns zu sein scheint 

Das Buch zerfallt, wie dies schon der Titel anzeigt, über den 
die Vorrede eine Deprecaiio Latinitatia ausspricht , seinem In- 
halte nach in zwei verschiedene, doch aber in vieler Hinsicht wie- 
der verwandte Theile, von denen sich der erstere mit Erklirtmg 
und Wiederherstellung altgriechischer Inschriften, der zweite mit 
der Verbesserung oder Sicherstellung griechisclier Eigennamen 
beschäftigt. 

Wenden wir uns znvörderst dem ersten Theile in, so finden 
wir unter Caput I. eine sdir scliätzbare Abhandlung mit der Ueber- 
schrift: Decreti quo Phiiopoemeni hanores divirri iribuuntur 
fragmentum ^ was uns der eigentliche Glanzpunct der ganzen 
Schrift zu sein scheint, ohne dass wir mit diesem Ausspruche das 
Uebrige als im Schatten stehend bezeichnet wissen wollen. Diese 
Abhandlung lasst der Hr. Verf. in drei Abtheiinngen lerfiülen, 
Indem er unter j^. Proommmm de eenuirns et epilaphüe Chraeeie 

16* 



244 Inschriften. 

S. 1 — 9. über die Beschaffenheit und die Schicksale altgriechi- 
scher Inschriften auf Leichensteinen spricht und ^ welcher Betrug 
in Bezug auf dieselben in Slterer und neuerer Zeit Statt gefunden 
habe, darlegt, sodann aber unter B. TiiuU interpretatio S. 9 — 
39. die.eigentliche Erklärung der betreffenden Inschrift, Ton wel- 
cher wir gleich das Nähere berichten werden, giebt und endlich 
unter C. mit dem Epilogus de moriuü publice pro heroibua vel 
diis apud Graecoa cuUis^ S. 39 — ö3. dieses erste Capitel seiner 
Schrift beschliesst. 

Die behandelte Inschrift selbst, welche auf den Ruinen des al- 
ten Megalopolis gefunden worden ist, findet sich bei A. B öckh im 
Corp. Inscr. Gr. nr. 1536. , nach einer von Mustoxydes an Nie- 
buh r gesandten Abschrift, bei L« Boss in den Inacrijdt. Graec, 
inediL fasc. I. (Nauplia 1834.) Nr. 12. nach Autopsie des Heraus- 
gebers. Nachdem nun zuvörderst Hr. K. die Inschrift im Lapidar- 
stile mitgetheilt, giebt er mit gewissenhafter Treue die Abwei- 
chungen zwischen Mustoxydes und Boss an. Diese Inschrift hatte 
Böckh bereits dahin b^urtheilt, dass sie eine öffentliche gewe- 
sen sein und^war einem Verstorbepen angehört haben müsse. Hr. 
Keil geht noch einen Schritt weiter in seiner Vermuthüng und 
macht es fast zur Gewissheit, dass jenes Fragment kein andres ist^ 
als ein Theil der dem Fhiiopoemen von seiner Vaterstadt Me- 
galopolis nach seinem Tode gesetzten Inschrift, welche bei 
Diodor. Escerpi. de viriut. et vit. libr^XXX. 575. Vol. IL p. IL 
p. 111. ed. L. Dind. erwähnt wird, indem nach seiner Ansicht 
die Buchstaben auf der dritten Zeile, die fast nichts anderes als 
den Namen des Geehrten enthalten können, <^UO...O... fast 
ganz deutlich den Namen OIAOIIOIMENA enthalten. Er^rgänzt 
nun die Inschrift, indem er zur Bechten eine ganze Seite als fehlend 
annimmt und auch am Anfange eine Locke voraussetzt, auf die fol- 
gende Weise, wobei wir bemerken, dass er viele der längeren, durch 
den Zusammenhang weniger bedingten Ergänzungen nur als Wahrr 
scheiniichkeiten angesehen wissen will (wie er auch selbst in den 
Addend. p. 245. seine über Zeile 10. gemachte Conjectur ^*dg 
£mt^Qo^ etsipavip zurücknimint), die in Lapidarbuchstaben von 
uns wiedergegebenen Buchstaben aber unerklärbar fand : 

KATENTAN 

m^^) Inavititai, ^[t]* d[ilav, Edo^s zä 
fc]6kBi Ti(Aä6ai <l>iko[n]o[ifiiva Kgavyidog 
T]ifiats löo&ioisldQBJtälg Svsxa Kai sv* 
5 B]QyB0las • ldi^v[0]tt[6^at di avtov 
$]v x^^ayog^tov MleyalofCoKi- 
tiö> a0veog tSg Maxlgoi xmv d'&Sv ] 

H ill I ■ I II 

*) Der Hr. Herausgeber spricht sich nicht über diese Baehqtftben 
bestimmt aus. Es war wohl in diesen Bachstaben das oxms enthalten, 
was er zu seinem Conjanetiv htui&^tKi VDianjMetzt« 



V. 



Kell: AnaiecUepicnphica et ottomatolofict. S45 

Kai ßmfLW na[ta0H9vi6m 
u]aXXi0xov nal [öxHpopmöai ^i-] 

00« xahdai\s 

T«]v \ilav Iv X — — . 

IIKANT 

KON xav ÖS &k[Xav 

15 x]dv de SU[av dv€ata'' 

Q]v^aL iv x£[^8dxfq} 

0t]iq>[€tv]ov 

XI£AE 

NTITOTX 

20 a 



j1I£JA 

£T01£ 

AlAUI 

25 n\6kiaq 

t]dv 7i6h\y ' — — 

NTINTE . 

lAESlLKAl 

N OIPOJSKAI 

30 ZMBNESEZT 

lu\(iiv[y\ xai [ua]l [k]aß[y xifiag 

AFKASIASTUN 

Vinuov xal ln»[aQxiav 

t]ov Sk xtt^la[v] ö\pvvtti x6 ävaho^u, 
35 xoXq xäs xokio [g Ugoxotolg 

INASTAJ.. [Ib\q([i] x(p oc[a»i6xaK6ti 

x]6 ÜQiia [%aQ\uhidc\vmi 



loiQ xoTg vfir- 
M[iyaXoxoii- 



lENOlS xoig öl IkaxfiQ 

vo[v]6i v[i]otg [i]x t[c5v 

iO xäv]xdv ^la xov IkaxiJQa — 

x]d xiiiSi^o]g xo OUo[nolfUvog 

J SSI olv Uqo&vxov ton 

[9]vixm ixl xalg 9v0laig 

0]tBipav[ov]xm Tcal xqi i0[x]id[0ii 

IrS ITA laiißavixm xal- 

Zsjvg [d]i £a>[xi^Q 

Du Einselne, was Hr. K. durch teiDe im Ganien höchal 
glücklichen ErgäniuDgeo mit vieler Sicherheit wiederhern^estelit 
hat, iat in den Anmerkoni^en mit so treffenden Parallelatellen he- 
legt, dass man, da die Ausdrucke, welche man in dergleichen 
Inschriften findet, so stehend und gieidiformig lu sein pflegen, in 
den meisten Fillen um 'so sicherer ilim beipflichten kann; und 
Ref. bat nur sehr Weniges dbrubcr m kwwrken. 



246 Iii»€hri^i«n* 

In der enlen Zelle hat Hr. K. die BnehalAeD KATENTAS 
UDgedeutet ^lassen; und wir niögeo Iha, dt mit Beslimmftiieit 
■ich hier nicht leicht etwas behaupten liaat, deahalh nicht tadeln. 
Da jedoch Miistoxydes aUtt KAT au Anfang KAI hat, Roaa da- 
gegen au Ende TAI atatt TAN^ ao findet Ref. hi dleaen Buchataben : 
xal Iv xa^ und so hat vielleicht gestanden : nal i» za [ßovka xal 
Iv xS, l%%Xr^6la\^ welche Worte dann auf daa Paephisma bezo- 
gen werden mnssten, waa Philopoemen'a Verfaerriiehnng be- 
atiromt hatte« 

Ueber die Aenderung von VQ»S und IlSLE nod aemit o«a»^ 
habe ich bereits in der Anmerkung gesprochen. Ke ist um so 
leichter, da am Anfange ein Buchstabe fast auf jeder Zeile fehlt ; 
ein Grund, warum ich auch Z. 6. k lieber am Anfange als am 
finde ausgefallen annahm, auch Z. 9. n herabnahm, ja auch Z. 10. 
u« 11. lieber c^J(60t abgetheilt wissen möchte. Denn wenn sich 
auch di9 Alten bei den Abtheilangen der- einseinen Wörter auf 
ihren Inschriften weniger nach den grammatischen Vorschriflen, 
als nach dem Räume gerichtet haben mögen; so wire ea doch auf- 
fallend, wenn sie da, wo es sich so leicht indem liesa, die Wörter^ 
wiederholt so sonderbar gespalten hatten. Doch dies dnd nur ge- 
ringfüigige Dinge, die in der Sache selbst nichts ändern. Als be- 
sonders lehrreich dagegen heben wir aus diesem Abschnitte her- 
vor die Anmerkung S. 30 fg. über die Formel tlg xi(» nvgäv 
6q)dxxBiv^ so wie den Schluss des Abschnittes , wo Hr. K. unter 
Zugrnndlegung von Plutarch Philop. Cap. 21. die Bestattung 
dieses Helden näher beschreibt. 

Mit einem vorsüglichen Interesse hat Ref. audh den dritten 
Abschnitt dieses Capitels gelesen, in welchem Hr» K. ober die 
den Todten bei den Griechen öflPentlich erwiesenen höheren und 
göttlichen Ehren spricht. Absichtlich sieht hier der Hr. Verf. 
von der mythischen Zelt ab und fasst die historische besonders 
in's Auge; und nachdem er hierüber Im AÜgemeüien bemerkt hat, 
dass man zwischen swei Zeitabschnitten au unterscheiden habe. In- 
dem seit dem finde des pelop^nnesischen Krieges die Sitte, gött- 
liche fihre den Todten an erweisen, allgemeiner geworden sei, 
spricht er S. 42 fg. sehr richtig über die Bedeutung des Wortes 
i^QC^q u. riQotvT^^ riQÜl66a n. r^Q^tg^ u. i^p^ov, welche Ausdrücke, 
im Privatleben gerade zu von jedem Verstorbenen, den man habe 
ehren wollen, gebraucht worden seien, ohne dass man anzunehmen 
' habe , es seien demselben göttliche ßbren erwiesen worden , so 
wie in diesem Sinne das Wort a^i^pcofgctv, ja auch Ano^B^vv öf 
ters von dem blossen Begräbnisse gebraucht werden sei. Etwas 
ganz Anderes wolle es aber sagen , wenn Jemandem von Staatswe- 
gen die fihren eines Heros zuerkannt worden seien $ da haben die 
Wendungen xvy%otvHV xiftijg iqgmin'^^ xifiä^ai tifutig ^Q&Uuug 
und xap^vat i^pol'xcog u. s. w. eine andere Bedeutung gehabt, in- 
dem durch dieaelben die Gleichateüang der Verstorbeaea mit den 



Keil t Aaalecta «pigraphica et^onomatologica. 247 

«Iteü HeiMii dttr Mythemtlt aosgeeprochen wordtn M. Dfeie 
Bhren seien nur ifbi^h durch die tifiai lödd^iöi liberboteii worden^ 
ofeae dam der Hn Verf. annimtat, dasa ein eigentlicher Üntersciiied 
aswifichen diesen beiden Graden statt gefunden habe, was er an den 
die dem Könige und Cresetigeber Lycnrgus anerkannte Erhebung 
betreffenden Steilen tu seigen sjacht S. 45 fgg., woran er die Er- 
wähnung des Gelon, Hieron nnd Theron S. 47 fg. anschiiesst. 

Sodftun erwalint er die Kämpfer für das Vaterland;, 
die den ehrenden Beinamen von Heroen nach ihrem Tode em- 
pfangen hattet^) wie^ die in den media che n Kriegen, die bei 
P 1 a t a e a e Gef sllenen, die auserwählten Oresthasier (Pansa- 
Dias 8, 41, 1.) Podares und Grylus (Ders. 8, 9, 5. 11, 4.). 
Femer die Heerf&hrer, die wegen ihrer Kriegsthaten jene Ehren 
nach dem Tode empfangen haben, wie Cimon, obgleich diesem 
aus einem andern speciellen Grunde von dem Gitieern göttliche 
Ehren eneigt worden seien (Plut. Gim. Gap. 19.), Pelopidas, 
Timoleon (Leosthenes), Aethidas und Aratus. Hier-, 
über erwähnt er nun noch die Heerf&hrer, wekhe als Städte^ 
grunder {xtiötaC) jene Ehren erhalten hätten, wie Miltiades, 
Hieron, Brasidas, Timasius oder Timasias (Herod. 1, 
168.), Demetrius Poliorcetes, dem man sogar bei Lebzei- 
ten die Ehren eines Heros erwiesen habe. An die Städte- 
grundet schliesst er die Staatsordner und Gesetzgeber mit Recht 
an , wie Di o c 1 e s und den bereits erwälinten Timoleon. 

Ferner bemerkt der Verf. S. 57., dass Befreier des Vater- 
landes von Tyrannen, wie Harmodius und Aristogito, eben- 
falls wie Heroen nach ihrem Tode verehrt worden seien, und giebt 
an, dass es schon mehr als Cuitus dds Genius im modernen Sinne geh- 
^ten könne, wenn man Homerus wie einen Gott verehrt, und So> 
p ho des und Aeschylus nach ihrem Tode mit Opfern und 
Wallfahrten gefeiert habe , S: 57 fg., oder , was er nur mit Zu- 
rückhaltung aufgestellt wissen will, wenn man Demosthenes 
(Paosanias 2, 33, 4.) höhere Ehren zollen zu müssen geglaubt. 

Sodann erwähnt er Männer, die durch körperliche Schönheit 
imd Gewandtheit jene Ehren erlangt hätten, S. 59 fg., wie T h ea- 
genes, Hipposthenes, Dioguetus aus Creta, Philippu» 
der Grotoniate (Herodot 5, 47.). Hiei'bei macht Hr. K. darauf 
aufmerksam, dass Göttling im Kunstblatt Jahrg. 1836 N. 7. 
geirrt habe, wenn er dessen Beispiel als einziges beigebracht. 
Denn wenn er auch in Bezug auf Empedocles (Diog. Laert. 
8,70.), um den es sich bei ihm handle, nicht Unrecht habe, so 
sprechen doch gegen ihn die bereits aufgestellten Beispiele, so- 
dann auch das Beispiel des Dion. (Diodor. 16,20.),des Epimeni- 
des (Diog. Laert. 1. 114.), des Anaxagoras (Arist. Rhet. 2, 
23.). Spreche aber Göttling bloss von lebenden, so könne man 
das Beispiel des Lysander (Plut. Lys, Gap. 18.), Demetrius 
Poliorcetes (Plutarch. Demosth. 10. Athen. 6, p. 253. C.) und 



848 Inschriften. 

•aderer gegen am urführeii , woEuber er die dem Aniigoftu«, 
dem Attalas I., dem T.it. Flamiaias (von den Chalcidemern) 
erwiesenen Ehren anfahrt — Wenn hiersu in der Aamerkuag 
1 0. 2. S. 62. Hr. K. anf die von den Ephesiem (Flotareh. Lue. 
23.) and Cjzicenem (Appiiin. Mithrid. 76.) sn Ehren des Lacnllas 
angestellten AovKOvKl^ia verweiset, so wie auf die Ehren, welche 
nach einer Inschrift bei Boeckh Corp. Inscr. L n. 13ä5. die 
6y theaten dem Tit.QaiuGtiu8 erwiesen, ond die ähnliche Erhe« 
bung des Mete lins durch die Hispanier (Plutarch Sertor. 22.), 
flo wandern wir uns, dass Hr. K. diese Sitte, dass sich römische 
Feldherren in griechischen Provinzen dergleichen Ehren eraeigen 
Hessen, bei seiner sonstigen Belesenheit nicht näher ^n*s Auge ge^ 
fassthat, zumal sie so ganz enge mit seinen Darlegungen aiisaia- 
menhängt, als in der von ihm beschriebeneu griechischen Sitte 
wurzelnd. Ref. fuhrt deshalb noch einige Beispiele ans sdner 
Sammlung an, so die Marcellia {MaQxäksia) zu Ehren des Bf • 
Claudius M. f. Marcellus zu Syracus, die ilfefcia zn Ehren 
der Q. Mucius Scaevola in der Provinz Asien^ so wie die 
Verria {Bb^qüo)^ welche C. Verres frech genug war in Sym- 
cuff zu seinen Ehren statt der Marcellia halten zu lassen. Man 
vergleiche Cicero Accus. Verr. Lib. IL Cap. 21. § 51 fg. Cap. 
46. § 114. Cap. 63. § 154., woselbst auch Cicero den griechischen 
Ausdruck tfori^p, der bei solchen Ehrenbezeugungen häufig vorkam, 
sehr deutlich erklärt, sodann Lib. IV. Cap. 10. § 29. Cap. 67. § 151* 
Vielleicht nimmt Hr. K. einmal in der Folgezeit auf diese Sitte oder 
vielmehr Unsitte nachträgliche Rücksicht. — Den Beschluss die- 
ses Abschnittes macht Hr.K. mit Nennung einiger Männer, welche 
auf Befehl irgend eines Orakels als Heroen geehrt wurden, des 
Oiie«f/tt8 (Herodot 5, 114.), Artachaetes (ebendas. 7, 117.), 
Hephaestion (Plut Alex. 72.), Drimacus (Athen. 6, p. 
265. E.), Athenodorus (Lucian. Macrob. 21.), und um zu zei- 
gen , wie weit Privatpersonen in diesem heroischen Cultus gingen, 
fuhrt er das Testament der Theräerin Epicteta anbeiBöckh 
Corp Inscripi. L n. 2448. voU ILp. 369. B. 

Es folgt S. 64 — 101. Caput IL Tituli aliquot emendati. 
J. Ro88iani, S. 64 — 84. B. Leakeani, S. 84—101. Hr. K. 
bespricht hier mit bekannter Umsicht und grosser Belesenheit 
folgende Inschriften bei Ross Num. 1. S. 64 — 70. (sodann im Vor- 
beigehen die Inschrift in Böckh's Corp. Inscr. Num. 1513. S. 70 
— 74. u. Num. 1512. S. 75«, weil diese wie Num. 1. bei Ross sich 
auf Tegea beziehen); ferner bei Ross Num. 22. S. 75 — 77. 
Num. 35. S 77 fg. Num. 44. S. 78 fg. Num. 57. S. 79. Num. 59. 
(eine lateinische Inschrift) S. 79 — 81., bei« welcher Gelegenheit 
er auch in Sillig'ü Catal. Artif. p. 480. den Namen Phüarcurus 
in Philargurus oder Philargyrus umwandelt, und für das Nomen 
proprium 0tX<iQyvQOQ^ da tirusius dasselbe nicht hat, zahl- 
reiche Belege beibringt. Sodann behandelt er aus der Ross'schen 



^ 



Keil : Analecta epif;raphica et'onomatologica. 249 

SttMDliing noch Nmii. 67. S. 81. fg. Nutn. 75. S. 82. Nnm. 74. a. 
S. 82 fg. Nnm. 74. & S. 83 fg. 

Au§ der Leake'schen ^mmlung bespricht Hr. K. sufördergl 
Nnm« 72. und Num. 71. S. 85 fgg« , wobei ihm eine ältere Ab« 
8chrift dieser Inschriflen^ welche ein deutscher Adeliger von Sei-* 
tlelj der zu Anfang des 18. Jahrhunderts den Peloponnes bereiste« 
in einer handschriftlichen Sammlung, die jetzt der Leipziger Uni- 
versitätsbibliothek einverleibt ist, hinterlassen hatte, gute Dienste 
leistete. Er verdankt die Kenntniss jenes Manuscriptes Hm. Dr. 
Ley 8 er und war durch dasselbe in den Stand gesetzt, Manches bea^ 
ser und sicherer zu bestimmen, als dies von L e a k e geschehen war. 
Hierauf bespricht Hr. K. Num. 17. bei Leake, S. 92 fgg., bei wel- 
cher Gelegenheit derselbe das, was er im Specimen Ofwmai.'Gr. 
Cap« I. über die Namen der Götter als Eigennamen von Menschen 
gesagt hat, berichtiget und ergänzt, sodann geht er auf Num* 
23. über S. 95 fg., ferner Num. 31. S. 96 fgg., Num. 46. S. 
98 fgg. 

Die Pars IL Nomina propria emendaia vel defensa S. 
102 — 241. lässt der Hr. Verf. wiederum in zwei Hauptabschnitte 
zerfallen und behandelt im ersten derselben unter A. Nomina 
propria emendata vel defense in tilulis et vasis S. 102 — 174«, 
im zweiten unter B, Nom, propria emend, vel def, in acriptorum 
librie S. 175 — 241. auf eine fast immer überzeugende, wenig- 
stens sehr lehrreiche und immer anspruchslose Weise eine Unzahl 
von verschriebenen oder verkannten Eigennamen, und erweckt 
dadurch imm^r mehr den Wunsch, dass sein grosseres Werk 
über die griechischen Eigennamen, wozu Hr. K. seit längerer Zeit 
Materialien gesammelt hat , zwar nicht übereilt , aber doch^ nicht 
zu lange hinausgeschoben werden möge, da bei einer solchen 
Arbeit doch nur eine relative Vollständigkeit erreicht werden kann, 
und • wenn einmal Hr. K. sein Werk öffentlich bekannt gemacht 
haben wird, um so emsiger Beitrage von fern und nahe einlaufen 
werden, weil» man dann erst einen sichern Anhalt haben wird, 
Sammlungen anzulegen und Ergänzungen mitzutheilen« Inzwi« 
sehen sind auch die hier von Hrn. K. gegebenen Beiträge höchst 
dankenswerth, da sie sehr wesentliche Beiträge zur Lexikographie 
und Grammatik liefern. Es würde uns zu weit führen über Ein^ 
zelnes aus diesem zweiten Theile noch besonders zu sprechen, ob- 
schon Nachträge hie und da leicht gegeben >^erden könnten, wie 
wenn Hr. K. S. 209. und S. 226. über den in Prothymus zu ver- 
wandelnden Eigennamen Prothimus spricht, es noch Erwähnung 
verdient, dass auch auf der Didascalia von den Adelphl des Tereni: 
ein MinutiuB Prothimus vorkam , den Ref. seines Wissens zuerst 
in Minutius Prothymus umgewandelt hat, Vol. IL p. 1. 

Das Buch beschliessen S. 242 -— 252. ziemlich zahlreiche 
Addenda et Corrigenda^ die theils dadurch entstanden, dass der 
Druck des Buches nach der Angabe des Hrn. Herausgebers etwas 



250 Deatacbe Sprache. 

langsamer torwärts ging, theila aber auch in der Natur aoldier Un- 
tersuchungen liegen, wo immer erat eins aus dem andern folgt und 
Zusätze und Nachtrage nie ausbleilien können. 

Die Latinität des Hm. Verf. ist im Gänsen rein nnd flieatend 
SU nennen. Aufgefallen ist uns nur 8. 17 Z. 23. lon^9 esse re*- 
^entiores st. muUo esse recentiores^ 8. 26. Z. 12 fg. ab aiiquot 
inde mensibus st. inde ab aliquot mensibus^ und diese uniatei«- 
nische Wortstellung swar auch öfters, wie 8. 198. Z. 6. von un- 
ten : ab antiquissimis inde temporibus st. inde ab aniiquissimis 
temporibus^ 8. 46. Z. 22. quam ad honänem (f&r das Gr. ^' %at 
ävd'QOMOv) st. quam pro komme. 8. 49. Z. 15. etsi heroes a 
Plutarcho — diserte non appellaniur st. aperte non appellantur. 
8 94. Z. 19. non possum quin st. non possum facere quin. S. 
220. Z. 1. von unten: Fersio Latina st. Inierpreiaiio Latina. 

Druck und Papier sind gut. 

Ein sorgfältig gearbeiteter Index findet sich hinter der Vor- 
rede 8. VII — XVI. und wird die Benutzung der vortrefflichen 
Schrift, der wir recht viele Leser wünschen, sehr erleichtern. 

Leipsig. Reinhold Klotz. 



Ueber den deutschen Unterricht auf Gymnasien 

von Friedr. Joach. Günther^ Lehrer am Königl. Pädagogium in Halle. 
376 S. Mit einem Auszage aus dem vierten Theile der deutschen 
Grammatik von J. Grimm (61 S.) und einer Erklärung der Tropen 
und Figuren (83 S.). Essen bei G. D. fiädeker. 1841. 8. 

Wenn es wahr ist, was wohl kaum Jemand besweifeln möchte, ^ 
dass ein Buch um so vorsoglicher ist , jemehr dessen Lektüre uns 
aum eigenen Nachdenken über den von ihm behandelten Gegen- 
stand auffordert nnd anregt: so tragen wir kein Bedenken, das 
obengenannte Werk den wichtigsten Erscheinungen snsusählen, 
welche seit langer Zeit i^ber den Unterricht in der* Muttersprache 
uns SU Gesicht gekommen sind, wiewohl fiber Methodik des deut- 
schen 8prachunterrichtes in jüngerer und jüngster Zeit, in allge- 
rneinern und besoiidem Werken, von Berufenen nnd Unberufenen 
ßo viel geschrieben worden ist, dass es kaum möglich scheint, 
noch etwas Neues über diesen Gegenstand vorzubringen. Ulli 
Neues war es aber auch unserm Verf. weniger zu thun, als um 
Wahres und Richtiges , und als solches galt ihm bei weitem öfter 
Am Alte, denn das Nene. Nar Neues werden wir überdies in dem 
genannten Werke um so weniger zu finden wünschen , jemehf* wir 
wissen, wie nur zu oft eben dieses Bestreben , etwas Neues und 
Originelles zu sagen , die luftigsten , haltlosesten, in der Anwen- 
dung sich durchaus als unbrauchbar erweisenden Theorien hervor- 
gerufen hat, und eingedenk sind des bekannten Ausspruches^ 
dass, was in Schulen gelehrt wird, nicht neu sein, sondern gelten 



Günther: Ueber den deutschen Unterricht, 251 

mässe« Aber noch weniger eine blosse wiedeHioiende AuMlilim^, 
oder irar eine etwa dgentbömHciie Zusammenstellung dessen, was 
von Andern bereits über diesen Gegenstand gesagt worden ist, 
ist es , was der Leser dieses Buches zu erwarten hat. Es sind, 
nm es hier gleieh mit kurzen Woiit3eiy>zusammenzufassenv durch 
eigenes reifliches Nachdenicen über den Gegenstand selbst hervor- 
genifene^ die Meinungen anderer Pädagogen überall beachtende, 
und möglichst berücksichtigende, grösstentheils durch langjährige 
Erfahrung bewährt gefundene Vorschlige eines für sein Fach be- 
geisterten Schulmannes zur Verbesserung dieses so wichtigen Un- 
terrichtsgegeustandes , 4nitgetheilt in der Absicht , auch andere 
snr theoretischen und praktischen Prüfung derselben zu veran- 
lassen, um so uns dem von uns allen angestrebten oder wenig- 
stens anzustrebenden Ziele des deutschen Sprachunterrichts Immer 
mehr zu nähern. 

DasB dergleichen Vorschläge nachgerade noch nicht iiber- 
flflssig seien, das beweisen die trotz aller bisher über diesen Ge- 
genstand erschienenen Schriften immer noch sich wiederholenden 
Klagen , wie wenig der Unterricht im Deutschen , wie er gewohn- 
lich ertheilt za werden pflegt, dem Schüler Interesse abzugewin- 
nen und die gewünschten - Leistungen zu bewirken vermöge ; es 
beweiset dies die so verschiedene Art und Weise, wie dieser Un- 
terricht ndch immer auf den einzelnen Gymnasien nach den in den 
Jahresberichten verzeichneten Lehrpensen ertheilt wird. Inwie- 
fern aber der Verf. vielleicht vorzugsweise dazu berufen gewesen, 
in dieser Sache ein Wort mitzusprechen, wird sich leicht von selbst 
ergeben, nachdem wir erst die einzelnen Vorschläge desselben 
näher eingesehen und ihre Zweckmässigkeit geprüft haben werden* 
Was uns aber dieselben von, vorn herein empfiehlt, das ist die uns 
sofort in die Augen springende praktische Ausführbarkeit dersel- 
ben. Denn dass es dem Verf. darum zu thnn gewesen, solche 
Vorschläge zu machen, deren Annahme nicht erst, wie dies bei so 
vielen andern der Fall ist, durch eine gänzliche , wenigstens in 
den ersten Jahrzehnten noch nicht zu erwartende Umwälzung def 
ganzen Schul Verfassung ermöglicht wird, zeigt der Umstand, dass 
derselbe allenthalben auf die von der Behörde bereits in dieser Be-* 
Ziehung getroffenen Anordnungen, Vorschriften, Forderungen, we- 
nigstens sio weit sie den preussischen Staat betreifen, also namentlich 
auf das Ministerial Rescript vom 24. Oct. 1834 gebührende Bücksicht 
genommen und seine Vorschläge denselben angepasst hat,' ohne 
jedoch dadurch seine Ueberzeugung aufzuopfern. Es wurde ihm 
dies aber um so leichter, da einerseits jene Anordnungen nicht 
etwa starre Formen sind , in welche der Geist gewaltsam einge- 
zwängt werden soll, sondern der Freiheit des Lehrers noch immer 
Spielraum genug gelassen wird; anderseits auch, wie das genug- 
sam bekannt ist , die preussische Behörde immer mit der grÖ8sten 
Behutsamkeit zu Werke geht , und nur dasjenige zur Nachachtung 



^ 



25i Devtscke Spraeiie. 



espMül, odter te dte Eicit der tm attn m 
■tionniBgCB muM— i*j wm nch «hoch lauge Br€rivug als ^t be- 
mOui hML — Was die Fimb belrift, m weklwr der Verl aei- 
■ea G^eaatand beliaadelt hat, ao giebt er nna swar aMt, wie 
dies foasl ao gewoludich gaadiieht, ia einer beaaaden Vanrede 
darilber Aoakaaft; iai Allgeaidnen aber ericeaat naa dieaeibe 
adioa aar Oeaiige aoa des Toraageacbickten faifaaitaaBdealiuigeiiy 
weldie In den DeberMbriften die Gegenstände lienenaen, die aia 
Boldie, welche beim Unterricht in der deotschen Spradie TorAy- 
lieh in Betracht an kommen pflegen, den eigentlichen Gegenstand 
der Untersuchung aosoMchen solien, und in den hinsugefiigten 
Andeutungen auch die gelegentlich snr Sprache gebrachten D^ige 
beseichnen. Ueber seinen Stil in diesem Werke hat sich der 
Verf. selbst in einer Anmerkung au S. 2S3. auf folgende Weise 
ausgesprochen: „Ich habe in dieser Schrift kein Kunstwerk 
▼on Stil liefern wollen, ich kenne selbst wohl besser, ala ein An- 
derer, was meiner Schreibart hier mangelt; aber ich habemliA 
mit meiner Subjectivitit nicht verbergen wollen, habe mich ge- 
wisser AI Sassen im Geiste hingestellt vor alle diejenigen, Yon wel- 
chen ich mich gelesen wiknsche, ¥or welchen ich schiiftlich rede 
und mir jeder Zelt ihre Antwort, ihre Blicke und Mienen ahnend 
ausgelegt und darum keine Kunst aufwenden mögen.^^ -r^ Und so 
iiat uns denn der Verf. allenthalben in die Weriwtatte seines Gei- 
stes mitten hineingeführt, uns nicht bloss B,e8nltate mitgetheilt, 
sondern auch jeder Zeit den Weg gezeigt, auf dem er au densel- 
ben gelsngt ist Dss hat er indess immer auf eine solche Weise 
gethsn, dsss wir ihm meistens mit Vergnügen folgen, wenn er 
uns auch bisweilen einen kleinen Umweg nndien lisst, um au dem 
gewünschten Ziele zu gelsngen, gleichwie wir es uns ja auch gern 
gefillen laaien würden, wenn bei der Wanderung durch eine 
schone Gegend unser Führer um einer schönen Aussicht oder 
andern interessanten Nsturerscheinung willen uns hier und ds vom 
geraden Wege abführte. Wir kommen so auch zwar etwas später zum 
Ziele, aber durch mannigfaltige Erinnerungen und Anregungen an 
Geist und Körper gefördert, so dass wir nicht Urssche haben, den 
gemachten Umweg zu bereuen. Auf eine andere sich uns in die- 
ser Schrift hier und da kund gebende Eigenthümlichkeit hat der 
Verf» uns vorbereitet durch folgenden S. 1. ausgesprochenen. 
Grundsatz: „Wer etwas wirken will , Imuss hinreichend lebendig 
die Gegensätze hervorheben, muss selbst ein recht schroffer Ge- 
gensatz sein.^^ Auch wir erkennen gern die in dem Spruche: 
,,ln extremis veritas^^ enthaltene Wahrheit an. 

Doch hat dieser Grundsatz den Verf. bisweilen veranlasst, 
seine Behauptungen auf eine solche Höhe zu treiben , auf der Ei- 
nem doch für*8 Erste wenigstens etwas schwindelnd zu Muthe 
wird. Wir wollen daher bei der Beurtheilung des Einzelnen an* 
zudenten versuchen , wo und wie vielleicht hier und da , um uns 



Günther: Ueber d«n deutschen Unterricht. S5S 



eiiiea AuBdraek» des Verf. zu bedK^en , die Pnois die seliurf eii 
^tsEen abzindchldfen ^ und dts aus dem Streite ferschiedeoef 
Tendeinen Herr^gegaogene zum Gebrauehe zinurichteu baben 
möchte, da wir es für die Praxis doch mehr mit dem Spi^ucbe 
halten: ^^medium teiraere beati/^ 

Doch ^ehen wir nun nach diesen atlgemeinen Bemerlcnngen 
zmr näheren Betrachtung der im Einzelnen gemachten Vorschlage 
über. Die Gegenstände, welche der Verf. in seinem Werl^e der 
Reihe nach behandelt, sind folgende: ' 1) Das Gymnasium S. 1 — 
19. 2) Methode S. 19 — 27. 3) Ueber den deutschen Unter- 
rl^t im Alljfemeinen S. 27 — 34. 4) Von den deutschen Au£. 
Sätzen S. 34 — 111. 5) Von der deutschen Grammatik S. 112 — 
168. 6) Das Air- imd Mittelhochdeutsche S. 168—173. 7) 
Rhetorik S. 174—191. 8) Metrik S. 191—207. 9) Die Rede- 
fertigkeit S. 207 — 274. 10) Das Lesen S. 275 — 330. 11) 
Die deutsche Litteraturgeschichte S. 331 —341., endlich 12) der 
Lehrer S. 342 — 376. Ueber die 3 ersten Abschnitte, als weni-f 
ger zur Sache gehörig, fassen wir uns kurz, da wir, wollten wir 
uns einmal darauf einlassen, zu weitläufig werden miissten. Gleich 
in diesen Abschnitten aber zeigt sich hier und da recht augenfällig 
die eben schon als dem Verf. eigenthümlich bezeichnete Liebe 
zu Extremen. Wir rechnen dahin , um nur einige Beispiele an- 
zuführen, Behauptungen wie folgende: „Sein (des Unterrichts) 
Geschäft ist die Ueberlieferung des Stoffes, nicht die Bearbeitung 
und Terschiedenartige Fassung desselben^S Mfas wir nicht unter- 
schr^ben möchten, wiewohl auch wir keine Freunde der moder- 
H Ben Verstandesbüdungsmaschiuerie und mit dem Verfasser darin 
einversCanden sind, dass zuerst eine grosse Menge Material ge^ 
dächtnissmässig erlernt werden miiss; aber das reicht nicht hinj 
auch nicht zu den vom Verf. später empfohlenen Uebungen. 

Mit jenem Grundsatze hängt dann auch die Behauptung zu- 
sammen , dass die Brödersche Graumiatik in ihrer Brauchbarkeit 
für Schüler doch von keiner andern übertroffen sei. Zwar 
sind auch wir so sehr überzeugt, dass das Wissenschaf tlichseio 
sollen und wollen mancher Grammatik und anderer Lehrbücher 
bis jetzt mehr Schaden als Nutzen in den Schulen gestiftet habe, 
dass wir ein gewisses Vorurtheil gegen alle diejenigen Schulbücher 
hegen, welche das Aushängeschild der Wissenschaftlichkeit an der 
Brust tragen. Auch wir würden , wenn uns nur die Wahl gelas- 
aen würde zwischen der Bröderschen Gnunmatik und Schulbüchern 
wie Ludwig's theoreL-^akt. Vorschule einer wissenschaftlichen 
Auffassung der lateinischen Sprache^ unbedingt zum alten Brü- 
der greifen. Deshalb, möchten wir denselben aber doch nicht für 
das Npn plus ultra aller lateinischen Grammatiken halten und zu- 
geben, dass, seit Brüder in den Gymnasien herrschte, nur Rück- 
schritte in dieser Hinsicht geschehen seien. Warum sollte sich 
denn nicht Fasslichkeit mit einer Schillern der oberen Klassen 



254 Deuticiie Sprache. 

gtr woU aogikhoi Htaricht te Wöea omi ZmuMmriMOig 4er 
dnelacB SpnchcrtGhdmuigai veiWnden Imen? Don Gedickt« 
■iie koanal mmm, diochl ans, snf dieee Webe aar sv Helfe, wd- 
chee Mcktar l ytt ema t iidi Geanlnetea als willkirlidi aa elaaa* 
der Gereihetea bebilt Dabei darf es aas aach in der GraiaaMlik 
■Mil tHB das Behalten der eiaaeinca Regeln allein aa thva sein ; 
die lernt der Sdiilcr anch sehon f eleigrentiidi ans dea bei der 
Lectftre tich darbietendeli Spradieracheinangen; dnrch die Qnm^ 
BNitlk aber mnm er, wenigatent In dea ebem Kkttaen, angeleitet 
werden, daa friker aphaiiBilscb Gelerate nnn aaeb ^ateaiatladk 
au erdnen uad die eiaaelaen E^aeheinnngen nnter gewisse allge* 
meine Oesichtopnnkte an briagen. Wie lasst sich ferner die ven 
dem Verf. S. 20. aufgestellte Behauptung^ ^dass es niemsls auf 
Gymnasien — wenn nur die INsciplin snfredit erhalten werde — 
an einer verkehrten Methode kommen koaae^^ mit den in der An- 
merkung au 8. 16. aageföhrtea Curiosis, die doeh, wie der Veif« 
selbst sagt, eben so selten nicht sind, in Einklang bringen 1 Dnd was 
werdea IMbthematiker au der Behanptaag sagen , dass die Spra- 
eben einsige» Mittel aur Eatwickelnng des D^kvennögens seien; 
dass durch die Mathematik die Denkkraft nicht genbt, sondern 
Ihr nur Stoff sum Denken gegeben werde (p. 12.) 1 Die Denk«> 
kraft fkben heisst doch nach dea Verf. Brkiirang (p. 83.) ihre Thi- 
ttgkeit mit dem gegebenen Stoffs In Verbindaog setsen. Sollte 
das in der Mathemstik nicht geschehen ^ l>ie Vermeidung solcher 
auf die Spitze gestellten Behsuptungen würde, dim^t uns, den 
übrigen gröwtentheils trefflichen und beheraigenswerthen Beoier* 
kungen bber Lehrobjeete, Disciplin u. s. w. an Gy mnasi en nar um 
so leichteren Eingang rerschaiR haben. 

Von S. 34. an kosMut der Verf. an seinem dgentKdien 6e* 
genstande und handelt von den dmUsehen Aufaätxen* Es ist dies 
ohne Zweifel der beschtungswertheste Abschnitt in dem ganzen 
Buche, weshalb wir bei demselben etwas Knger ▼erweUen au mlla^ 
aen glauben. — in Betreff der Wichtigkeit dieses Thelles des 
deutschen Unterrichts stimmt der Verf. mit allen Lehreni der 
dentschen Sprache Tollkommen iibereln, nicht aber in Betreff des 
bisher Ton den meisten zur Erreichung ihres Zweckes eingeschla- 
genen Weges. Er geht nämlich von dem Gnmdsatze aus , data, 
ao lange nicht ausser den Gedanken, die man darstellen will, auch 
die nöthigen Mittel der Darstellung, n&mlich «Einsidit in die 
grammatische und syntaktische FSgung der Sprache, Kenntniss 
der gebräuchlichen Worter und Wendungen, Bildung dea Ge- 
schmacks und die Fähigkeit der Phantasie, all dies Einzelne zu* 
aammen zu bringen, in genigendem Maasse ▼orhanden sind, die 
Versoche des eigenen Schaffens oder die sogenannten freien 
deutschen Arbeiten nicht nur fruchtlos , sondeni auch scMdßeh 
aind« F\ruehtlos seiett sie , weil zum Produztren Freu^gkeft ge- 
höre, diese aber bei mangelhafter Fähigkeit nicht vorhanden seht 



Günther : Ueber den dentacken Unterricht. 255 

käme; sehadUeh^ weil imnih sie der Sdiüler nir UBWthrkdt 
und ScheiDheiiigkeil der EiBpfindnngen, zar Lage en^geii werde. 
WiA der Verf. in dieser letitern Betlehoi^ sagt^ ist swnr Iheii* 
webe mit etwas stsrlcen Farben geschildert^ ealliät aber sehr viel 
Wahres und BeharsigeBsweffthes. Wir finden Uer namei^Udi 
viele beaehtongswerthe Winke nur BeanlworlDB^ der in jüngerer 
Zeit öfter aufgeworfenen Frage, wie es nngUch sd, mehr aaf 
das Qefuhi der Schüler lu wirken, indem sie wenigrtenn negatiT 
teigt> wie bisher eben durch die deutschen Aufisitae nachthsaüg 
in dieser Beiiehnng gewkkt worden, und dies ist, diu«^ miB| 
gerade die Hauptsache, bt einmal Alles weggwiumt^ wodureb 
Unnatur, Heuchelei und dergleichen befwdert wird, ao trttfc von 
selbst Natürlichkek und Wahihdit der Empfindung wieder ein. 

^Der Verf. beschrdbt darauf die Ari und Weise, wie nach der 
hei^ebrachten Sitte, die ScfaUer su einer guten oder wenigstens 
leidlichen Darstellung herangebildet werden sollen , und weist Im 
Bmaelnen die Wahrheit seiner obigen Behauptungen grösstenthdis 
asf eine solche Weise nach, wdkher man wol schwerlich ?id 
wird entgegensetsen können, wenn man anders sekie eigene. Sr- 
fahrung nicht verleugnen wiU. Denn wie adir es gerade darin 
Noih tfiut, einen andern Weg als den bisher betretenen einsu* 
schlagen, lehren die bisher gemschten Brfahrangen anr Genüge. 
Was namentlich der Verf. in dieaer Hinskht sagt, iber das Brkf- 
ashreiben, besonders wie die Debungen darin wach dessen niherer 
Btarlegnng gewöhnlich betrieben werden, über die Rede (wenn 
sie sidi Jiicht genau an einen gegebenen Stoff anscUiesst, wovon 
unten), über die Schilderungen, Betrachtungen und Selbstbe- 
lettdbit»iigeii, über moralische Abhandkingen und solche^ in 4»uß^ 
sociale und politische Fragen behandelt werden, als trefflkhen 
Beförderungsmitteln jener Scheinheiligkeit der Empfindungen and 
des anmassKchen Urtheilens und Aburtheilens der Schuler über 
Dinge, welche sie- nicht verstehen, biUlgen wir durchaus^ Bei 
der Ausoinandevsetaung^ des Verf. . über die Bede wurden wir un* 
willkürlich an die Abschiedsreden der Abiturienten erinnert^ 
wie man sie oft genug In den öüentilchen Prüf «igen zu hören Ge- 
legenheit hat. Wir müssen gestehen, uns wird allemal dabei gana 
wunderlich zu Muthe, wenn wir da die jungen Leute iiher Dinge^ 
über welche dch der Lehrer kaum ein Urtheil erlaubt , wie vosi 
oben herab aburtheilen und mit BeweisstelleB aus Plato und Der 
mosiheneo um sich werfen hören, gleich als oh deren saaMntUdM 
Schriften bei ihnen in succum et sangnlnem fibergegangest wärest 
da 8^ oft kaum den einen oder den andern Dialog des. einen und 
eine Rede dos andern gelesen haben; wenn wir da ferner oft gerade 
dfeqenigen, die sich seit Jahren a\d die Zeit gefreut haben, wo 
si»derZu^t der Schule entwadsenseiu würden, aufs herzlichste 
hed au cf n "hören, das» sie vom nun an der wdsen Leitung ihrer 
LArer ^tbehren müssen; wenn wir solche, die vieUemht ihre 



Deatflcke Sprache. 



1 

i.(Jmir nie md«« «1« Ihfe Sohuldespoten genannt haben, in den 
^^M Anadrücken für die Beberalle Behandlung duken nnd 
m!«^Tctikeiten aagen hören» bei denen man roth werden 
S3?te . wSn wfc enSch solche, die aich «eUeicht d«idi nichto 
:SSr' rJorhoraa«, Fleiaa, Friedfert^keil gegen ihre Mit- 
SAETaiSeaeichnet hd>en , dieae ihrer Fre«ndad«ft Tenrfd«n 
STS irden anacheineod .«friohtigaten Anadmdten ernuth^ 
Mren. ia «»en ihre Lehreir stete geheraam an aein, ihre Zart 
ISTanSÄsn u. s. w. Da möchte man audi fragen: apectar 
^ \l^^%i«ä>ü nmm t^ÜB «^% DochaumLsd.« 
farfMUch dii Sache au ernst; aber ynr kehren au unrann Vert 
ÜdT W«S«rfiberaeugend w für uns die Anaemanderaetannf 
ÄJ^ÄT 4« «*Slidien Binflu». d^ «ündHch«. «nd 
Swidien N«!heralhlens Torgetiagener BraaWungen. W«^»; 
STdoSi meinen, ein Lehrer, der Gdegenheit 6e>«bt Jia^ 
WebM« die Hndemator au atudiren und ihnen ihre ganae We-a 
JJffihS und «u denken abanlauachen, müsate wohl im Stand« 
Sn! dte r« Verf. befürchteten NachtheUe ftat^ «. verme^ 
5S Nur meine man ja nicht, Dmge, deren Venrtindniaa noch 
St TcT&Sen ». e^arten ist, durch Naivettt des Auwlrud» 
Sfil^idrecht machen »i kömiej^ W«iddjei bekommt, 
Sgen so manche Sumnlnngen von Ged chten fjr I&?der , worn. 
S5 auch meint, durch daa Afifectiren einer recht naiy«i Kmder- 
»radie aUea geOian *■ haben und dadurch gerade unnatdrhch und 
Z!Z wird! Sd.r richtig heiwt e. to ««"« »«^";«j.!« 

Sffiusse einer Beurtheüung der f «»*«*« ?^^ ?" li?Ä 
van Ealiseh, Litteratur-Blatt des Jahres 1841 No. 20.: «Sie (dw 
Sder) ius^em gerade darin ih« UebenawiWigkeit, und üben 
SSde dSn ihrerjungen Verstand, das. sie aUes, was üin«. to 
SS bieten, selbst ina Naive ubersetaen. Und diese Freude 
iTmanlh.;« nicht tassen, man wiU ihnen anch die Nuv^Jt 
lehren." Es ist also vor AUem dafür su sorgen, dass solche EJrasJi. 
luneen bi allen Stücken diesem Alter angemeaaoi und moghchat 
owSctiv gebalten sind; daas ferner dem •^"ft»*«»'«» Au&ewhnen 
-JXmal efa mehrmals wiederholtes mündliches N<id»««W«» 
ioraufeehe, wobei der Schüler faimer au ermuntern ist, Jie Be- 
lehenheiteil «erade so au eraählen, wie er ne aufgefaast hat 
i?SÄ« Beobachtung dieser Rücksichten könne« wir die 
JSi VeSto Beaiehung auf diese üebung gehegten »«»rgmsso 
riSt idii; .ich weL wir dabei unsere frühere Erfahrung »i 

■•*i^*5e.c*r«te»g«i hat der Verf. aelbst »i<*ta «faauwo*. 
den, Mfem mm bei der Beschreibung von Otogen stehen bldbe, 
J,;'Jllchen die Schüler eme ««««^Anschauung haben kom«n, 
mehit aber, dass diese üebung »ur Bildung des Stiles «•««*«• 
SEiiS« wenig Gelegenhek biete. Wenn wir dftesM^ 
geben wdlten, so haltm wir aber in anderer Bemehnng dieseuw 



Günther : Ueber den deutaehen Onterricht. 957 

ffar wkktff genüge im sie j« nicht «a Ydniadiltlsrigen : dofdi rie «M 
nämlich der Schäler zeitig ziir AufinerlcsaiDkeil and genatwaBeob* 
Bchtiiog der Merkmaki der Dinge genöthlgt. Danui könnten 
denn aodi passende Uwnngen in Begrifh^ SrUärangen^ #hilt 
freiche der Schüler später oft genng in Verlegenheit gerfttt, an«> 
geksi&[^t weiden. Anldtnng liierzu giebt unter Anderen Scbolsin 
•einer Styl *- Schule L Kanus. Diese genannten Uebungen hA 
BFachertfihlen uHd Beschreiben in der gegebenen Weise möcbtea 
wir daher neben ds» Tom Veif. später empfohlenen bdbelMiltem 
Was aber, so wird man lingst gcJTrsgt haben, hat denn nm der 
Verf. an die Stelle der Ton ihm Terworfenen freien Aufsite» mi 
setaen, wodurdi der durch sie erstrebte Zweck sicherer i^ 
ohne die Ton ihm gerügten Nachtheiie crrdcht wirdi ' Bevdr der 
Verf. uns diese Frage beantwortet, fotsobt er noerst naeh deaa 
Grunde, warum die freien Arbdten liisfaer auch in stilistischer 
Hinsicht nicht an dem gewünschten Resultate gefuhrt haben, und 
findet diesen darin , dass Schiller noch nicht dSe notbiga Umsicht 
Hnd Kraft ' des^ Geistes haben , auf Inhalt imd Form au gleicher 
Zdt so achten und daher, wenn sie sich jenen erst selbst scliaflfea 
müssen, diese gana ▼emachlässlgen. Es komme also darauf an, fiar 
die Einübung der Stilregein dem Schüler einen passenden und g^ 
läufigen Stoff zu geben. Ein solcher passender liege in den in der 
Klasse gelesenen lateinischen und griectHschcii SchriAiAdlem ; an 
und aus diesen solle der Sahüler die Regeln des SUk leiwen, ei»« 
ilben und seinen Gesdimadc bttden. Das geschehe durch Vebw* 
9€t3iungen^ Nachbildungen und Umbildungen. 

Was zuerst die üebereeixtingen betrifft^ so ist derra Wertli 
für die WlduDg des deutelten Stils irebl so dendich anerkannti 
derselbe wird aber häufig dadurch sehr geschmälert, dass man die 
Uebersetzung alles in der Klasse Gelesenen entweder gana oder 
dodi grösstentheils niederschreiben Uisst, ohne sich diesdbc je« 
mala nar Correctur vorlegen au lassen, was frdlich in diesenl 
FaUe auch kaum möglieh ist. DaduMsh aber entsteht der gross* 
Nachtheil , dass dch viele Unrichtigkdten durch das wiederholle 
Niederschrdben nur um so fester setzen , so dass der SciiuliMr da 
am Ende kaum mehr zu vermeiden im Stande ist. Dadurch aber^ 
dass man die Schuler anhält, bei den Repetitionen ihre sdirlflli«» 
cfaen Uebersetsungen zu verbessern, wird einestheils dieser Machf 
theü nicht aufgehoben, da der Schüler nur hier und da alsdann et^ 
was, was noch dazu oft gai; nicht in seine Satzverbindung passti 
hittdneorrlgirt, anderntheiis aber geht derselbe, indem er akdann 
gar niiM; mehr auf den Teat achtet, dadurch jedes andern Vor<- 
iheÜs^ den das Üebersetaen hat, veriustig. Andere Nachthdk 
dieser Verfahrungawdse, möglidEien Unterscbleif v. A. erwähnen 
whr nicht, als weniger hierher gehörig. Daher lasse man lieber 
recht vid und recht oft mündlich wiederhoktt , und nur so viel 
VM dem Uebersetzten nhidersobreihmi t tds man conigiren kann 

^. Jahrb, f, Phil, k. Päd, od, KriU BibL Bd. XXXVI. Hft. 3. ^ if 



258 Deatsche Sprache. 

und will. Die su übenetsenden Studie seien pamend gewihlt und 
die Correctnr möglichst sorgfältig. 

Unter Nachbildung oder Imitation verstellt der Verf. das 
Einkleiden eines andern gleichartigen Inhaltes in die Form eines 
vorliegenden Satzes oder ganzen Stibtuckes. In Betreff des 
Nutzens auch dieser Uebung in der Weise, wie sie der Verf. niher 
beschreibt, stimmen wir mit demselben durcbans fiberein und so 
wie wir die Nachbildung einzelner Sätze für das beste Mittel häl- 
- ten, die Satzlehre praktisch einzuüben , so halten wir die Nach- 
bildung ganzer Stilstücke fürdas geeignetste Mittel zor prakti- 
schen Einübung der Hauptlehren der Rhetorik. An diese prakti- 
schen Uebungen wird man aber auch leicht das betreffende Theo- 
retische anschliessen können, indem man den Schüler aus den 
sellMst gefundenen Beispielen sich die betreffende Regel abstrahi- 
ren lässt, die er gewiss so sichrer und besser behalt, als wenn er 
sie aus dem Lehrbuche gelernt hätte. In Betreff der Beispiele 
wird es rathsam sein , dem Schüler den Kreis, anzugeben , aus 
welchem er den Inhalt entnehmen soll. Das Nachbilden gan- 
zer StOstücke bietet freilich schon grössere Schwierigkeiten dar, 
und hat der Lehrer darin ja darauf zu achten, dass die Gegen- 
stände nicht zu weit aus einander liegen, sondern in allen Bezieh* 
un^en möglichst ähnlich sind. 

Umbildung nennt der Verf. die Bemühung , denselben Ge- 
danken mit andern Worten entweder mit Bewahrung der Satzfa- 
gung, oder mit Veränderung auch dieser Form auszudrücken. Er 
unterscheidet 3 Stufen : 1) Umbildung einzelner Sätze. Hieran 
wird sich dann zweckmässig die Uebung in der Unterscheidung 
sinnverwandter Wörter anschliessen lassen, wozu ebenfalls Sckoiz 
in dem oben angeführten Werke Anleitung giebt ; 2) Umbildung 
eines langem Stilstücks, etwa eines CapUels aus Cäsar — dieselben 
Gedanken in derselben Reihenfolge mit veränderten. Worten und 
beliebiger Satzfögung; 3) Reproduction eines früher gelesenen 
klassischen Aufsatzes aus den bei der Leetüre gemachten kurzen 
Auszügen, und dann Vergleichung mit dem Original: eine isehr 
fruchtreiche Beschäftigung für den Privatfleiss der Schüler. Wie 
sehr diese Uebungen geeignet sind s um den Schülpr die Wieder- 
holung desselben Ausdrucks vermeiden, verschiedene Beziehungen 
für dieselbe Sache aufsuchen und in ihren Bedeutungen unter- 
scheiden zu lehren, leuchtet ein. Dass aber zu allen diesen 
Udiungen, der Umbildung noch mehr als der Nachbildung, weit 
zweckmässiger der Stoff aus den klassischen^ Sprachen als aus der 
Muttersprache gewählt werde, darin sind wir mit dem Verf. aus 
den von ihm angeführten Gründen vollkommen einverstanden. Wie 
viel dadurch ausserdem auch für die Sprachen gewonnen werde» 
aus denen der Uebungsstoff entnommen wird , und welch grosser 
Vortheil überhaupt daraus entspringe, dass möglichst viele Uebun- 
gen an denselben Stoff angeknüpft und dadurch derselbe recht 



Günther: Ueber den deutschen Unterricht. 259 

vielseRig verarbeitet wird, dmuf braucht kaDm aufmerksain ge- 
macht zu werden. Der Verf. wollte bloss auf den Nutzen dieser 
Uebungen fiir die Bildung'' des deutschen Stils hinweisen, und wie 
sehr bei richtiger Leitung durch die Nachbildungen die Einsicht 
in die grammatische Fügung der Sprache , durch die Umbildungen 
die Kenntuiss und Unterscheidung der gebräuchliclien-Wörter und 
Wendungen, durch die Uebersetzungen aber das Eine wie 'das 
Andere gefördert werde, darüber liann nach der Auseinander- 
setzung des Verf. Iiaum Jemandem ein Zweifei übrig bleiben. 
Aber zu Einer vor der Anfertigung freier deutscher Aufsätze noth*- 
wendigen Vorübung boten die bisher empfohlenen Uebungen 
noch keine, oder doch nur wenig Gelegenheit dar, wir meinen 
die Fähigkeit , Gedanken über denselben Gegenstand richtig %u 
ordnen. Zur Erwerbung dieser Fähigkeit empfiehlt der Verf. 
eine andere auch in andern Hinsichten äusserst fruchtbare Uebnng, 
die sich ebenfalls genau an die Lectiire der Klassiker anschliesst, 
nämlich die Zerlegung eines Mnsteraufsatzes in seine Haupttheile 
oder Auszüge , woran sich auch wieder die theoretischen Lehren 
über die Disposition wie von selbst anschli^ssen. Hier empfiehlt, 
der Verf. auch Auszüge aus deutschen Musteraufsätzen neben de- 
nen, aus lateinischen und griechischen Schriftstellern. In dieser 
Beziehung wäre es gewiss sehr zweckmässig, die Schuler anzu- 
halten aus denjenigen Büchern, welche sie von der Schülerbiblio- 
thek erhalten , jederzeit sich Auszüge zu machen und dem Lehrer 
vorzulegen. Es wäre dieses gewiss das beste Mittel, die Knaben 
früh an ein verständiges Lesen zu gewöhnen und ein geistloses 
Augenlesen zu verhüten. Der Verf.. unterscheidet vier Artqn von 
Auszügen: 1) Auszüge in der fragmentar. Form. „Man fordert 
die Reihenfolge der wichtigsten in eipem Stücke vorkommenden 
Gedanken, welche ganz nackt und ohne Veibindung hinge.schrie- 
ben werden." 2) Referirender Auszug, „wo der Schüler in eige- 
ner Person sprechend , erzählend die Hauptgedanken einer Rede 
mittheilt." 3) Imitirender Auszug, ,5einc Nachahmung des Stil- 
stücks, wie sie allenfalls der Auetor mit Wegiassung aller Erklä- 
rungen, Beispiele etc., hätte er bloss in Kürze seine Meinung aus- 
sprechen wollen, gegeben haben würde." 4) Tabellarischer 
Auszug d. h. „diejenige Form des Auszugs, worin durch Stellung 
und Bezeichnung (mit Buchstaben) das Yerhältniss der ausgezogenen 
Gedanken dargelegt, wo also eine vpllständige bis ip die kleinsten 
Einzelheiten hinabsteigende Disposition angefertigt wird". Deber 
.die Art und Weise, wie diese Uebungen anzustellen und zu ver- 
theilen sind und welche ähnliche daran angeschlossen werden kön- 
nen , giebt der Verf. hinreichende Andeutungen. Sind nun aber 
alle diese vorherbeschriebenen Uebungen mit d^n Schülern in der 
vom Verf. angegebenen Weise vorgenommen , und ist so durch 
Reproducirung in den mannichfaltigsten Gestalten das Denkver- 
mögen gehörig gekrüftigt; dann wird man, ohne ferner die früher 

17** 



200 Denische Sprache. 

angegebenen Ntchtkeile befürcbtcn su mfimen, nnn auch m 
eigenen Productionen übergehen können, xii welchen insbeson- 
dere die letstgenannten Hebungen, die tabellarischen Auaxuge 
nämlich, den natöriiclislen CJebergaag bildelen. Solche freie 
Arbeiten aber vil| der Verf. nur auf Prima angefertigt wissen, 
und auch da noch , ohne jene audern Uebnngen anszuschliessen ; 
auch da noch sollen sich die Themata mögliichst genau an die 
Unterrichtsgegenstande oder an den Inhalt eines gerade gelesenen 
Auetors aiischliessen. Von geschichtlichen Theroaten • terwirfi 
der Verf. aus den früher angegebenen Gründen solche, wie: Von 
den Utsachen und Folgen einer Begebenheit, tou dem Charakter 
dieser oder jener Männer und ähnliche; er bUligt dagegen solche, 
wie: Zusammenhängende Darstellungen einer Begebenheit oder 
«iner ganzen Geschichtsperiode. 

Auch ästhetische Themata missbilligt der Verf. nicht durch- 
aus, verwirft aber aus leicht begreiflichen Gründen Themata über 
Bedeutung, über Wertli oder Unwerth eines Kunstwerks und 
ähnliche. Von S. 104 — 111. wird in einer besondern Uebersiclit 
noch gezeigt, wie alle vorhergenannten Uebmigen nach den 6 
Klassen des Gymnasiums verthdit und an die jedesmal in den ein-» 
seinen Klassen gerade gelesenen Schriften angeknüpft weiden 
sollen. Hinsichtlich der Correctur der schriftlichen Arbeiten, 
sind wir der Meinung, dass auch in Secunda und Prima das blosse 
Bezeichnen deß Fehlerhaften viel mehr nütze, als das Ceber- 
«chreiben der Verbesserungen, nur muss natürlich der Schüler 
angebaiten werden , jedesmal das Unterstrichene selbst zu ver- 
bessern. — > Wir haben uns bei der Betrachtung dieses Abschnitts 
absichtlidi langer verweilt, theils wegen der specielien Wichtig- 
keit desselben , theils auch , um an demselben im Allgemeinen sn 
zeigen, mit welcher Gründlichkeit und Ausführlichkeit der Vert 
überhaupt seinen Gegenstand behandelt hat, und wie er nirgends 
blos destractiv zu Werke gegangen , sondern jederzeit auch etwas 
Anderes, was man bei unbefangener Beurtheilnng meistens aitch 
als etwas Zweckmässigeres erkennen wird, an die Stelle zu setzen 
hatte* In unserer Relation über die folgenden Abschnitte werden 
wir daher nun um so kärger sein vmä uns darauf besdiränken 
kinnen, nur die Hauptpnnkte herauszuheben. — ]>er nächste 
Abschnitt handelt von ierdetttsehen Grammatik* Bevor aber 
der Verf. zu semem eigentlichen Gegenstände kommt, macht er 
einige^ allgemeine Bemerkungen über den grammatischeo Unter- 
ridit überiiaupt, und dann über lateinische Grammatik insbeson* 
dere. Seine Ansichten hierüber kennen wir bereita aus den 
frülier gemachten aligememen Bemerkungen und seiner Empfeh- 
lung der BroderM^hen Grammatik, bei weicher Gelegenheit wir 
schon ausgesprochen haben , in wie weit whr m dieser Besiehnag 
mit dem Verf. überemsdmmen (und wir thnn dies bei weitem in 
den meisten Punkten) und in wie weit nicht Indem der Verl 



Gänlher : Uehex den dtsuischeii Unterricht. ji^J. 

darauf siir deutschen Grammatik Im Besondern übergeht, lelgt 
er zuvörderst, seit wann und wodurch zuerst der Unterricht in 
der deutschen Grammatik eingeführt worden. Er ^eht dann die 
hauptsächlichsten Methoden durch, nach welchen die deutscho' 
Grammatik seitdem, aber freilich fast von jedem wieder mit ein« 
seinen Modificationen, gelehrt zu werden gepflegt, und kommt 
so zu dem Resultate, dass, wie Glanzow sagt, „der Unterricht 
in der deutschen Grammatik, wie er gewöhnlich betrieben wird« 
unter die Siiuden gehöre, welche unsere Pädagogen Gott und der 
Welt abzubitten haben.^^ Dabei bestreitet er nicht, dass ein ge« 
schickter Lehrer, wenn er Leben und Geist habe, mit jeder Me- 
thode etwas ausrichten könne , das ist aber dann nicht der Me- 
thode zuzurechnen. Aber wie soll denn der Schiller grammatisch 
richtig sprechen und schreiben lernen 1 Das lernt er theils durch 
die bereits bei der Betrachtung des vorigen Abschnitts angeführ- 
ten praktischen Uebungen, theils zugleich mit der lateinischen 
Grammatik, mit der ja nothwendig immer das Deutsche verbunden 
werden roiuss, und immer noch mehr verbunden werden könnte, 
so dass z. B. bei der Rection der Präpositionen im Lateinischen 
zugleich auch die abweichende Rection derselben im Deutschen 
elngeiibt werden könnte. Und so wird sich auch die Lehre von 
der Bildung und Zusammensetzung des Satzes und den verschie« 
denen Arten desselben ebenfalls iheils an die im Lateinischen, 
vorgenommenen Sätze , theils in der Grammatik an die Lehre von 
den Conjunctionen natörlich anschliessen. „Aber Einiges aus der 
deutschen Grammatik giebt es allerdings , was ordentlich gelehrt 
und eingeübt werden muss : das ist die Orthographie und fater- 
punction,^^ Tu Beziehung auf jene stellt der Verf. zunächst als 
eine Hauptforderung für die Schule auf: Einheit der Grundsatze 
in ihr selbst (d. h. üebereinstimmiing der Lehrer an denselben 
Gymnasien untereinander) und Uebereinstiromung mit den Grund- 
sätzen, welche in den am meisten verbreiteten und von der Ju- 
gend am hantigsten gelesenen Schriftwerken befolgt worden sind. 
Dann fuhrt der Verf. 9 Regeln an , in welchen sich nach seiner 
Meinung Alles , was man in dieser Beziehaug zu lehren hat, zu- 
sammengedrängt findet. Wir mörhten indcss bezweifeln, dass 
der gute Erfolg, den der Verf. davon riihmt, nur der Einiibiing 
dieser Regeln zuzuschreiben sei , da dieselben doch den Schüler 
noch in manchen Fällen in Zweifel lassen werden , z. B. um nur 
Eines zu erwähnen , welche Wörter er ausser den Hauptwörtern ' 
mit grossen Anfangsbuchstaben zu schreiben hat. Die erste Regel 
aber „Schreibe, wie du richtig sprichst und buchstabirst,^^ könnte 
unseres Dafürhaltens eben so gut wegbleiben,* da der Schüler 
damit überhaupt wenig anzufangen weiss, und in manchen Fällen 
dadurch sogar irre geleitet werden kann, wenn wir anch nicht 
geradezu mit Bormann in seiner „Anweisung zum Unterrichte in 
den denlsdien Stilübttngeu^^ behaupten möchten , dass man eben 



2g2 Deutsche Sprache. 

90 gut Mgeii könne: »clireibe nicht, wie du sprichst. Die Haupt- 
sache bleiben auch hier die praktischen üebuugeii, aus denen der 
Schüler die Refreiu am besten kennen lernen und dann auch be- 
halten wird Unter den vom Verf. p. 158. angefahrten üebungeii 
können wir die zuerst genannten aus eigener Erfahrung als beson- 
ders angemessen nnd fruchtbringend empfehlen. Noch entschie- 
dener hätte sich der Verfasser , däucht uns, erklären sollen gegen 
die früher von Vielen beliebte und auch noch von Götziuger in 
seiner kleinen deutschen Sprachlehre befolgte Methode, durch 
das Verbessernlassen fehlerhafter Aufgaben das Richtige euizu- 
prägen. Gegen diese Methode eifert mit Recht Bormann in dem 
genannten Werke , indem er sie mit dem Verfahren eines Malers 
vergleicht, der eine Reihe Buckliger, Lahmer und Krüppel jeder 
Art seinen Schülern vorführte und dann an sie die Forderung 
stellte, das Bild eines vollkommen schönen Menschen darzu- 
stellen. Im Gegentheil sollte der Lehrer niemals unterlassen, 
bei den mündlichen Uebungcn vorkommende ungewöhnliche 
Wörter, von denen er besorgt, dass sie falsch geschrieben wer- 
den möchten, entweder von dem Schüler zu wiederhpiten Malen 
vorbuchstabiren zu lassen oder an die Tafel zu schreiben. 

Auf dieselbe praktische Weise, wie die Orthographie, ist 
auch die Interpunction ^ die in den beiden untern Klassen zwar 
auch schon, aber doch noch weniger berücksichtigt wird , beson- 
ders in der Quarta einzuüben. Die einzelnen Regeln sind , wie 
sie sich von selbst aus den Beispielen ergeben, nach und nach zu 
dictiren, ohne in die innere Natur der Zeichen (wenigstens für's 
£rste) einzugehen. Das auf diese Weise für die 3 untern Klassen 
^bestimmte^ grammatische Pensum bezeichnet nnd vertheilt der 
Verf naher vi)n S. 155—165. 

In TeTtia und Secunda sollen sich alle grammatische Beleh- 
rungen an das Durchnehmen der schriftlichen Arbeiten, die dazu 
reichliche Gelegenheit darbieten, anschiiessen. Ueber den 
Nutzen solcher beiläufiger Belehrungen sind wir mit dem Verf. 
einverstanden; wenigen Erfolg aber versprechen wir uns , wenig- 
stens bei dem grössern Theile der Schüler, von dem von ihm 
empfohlenen Verfahren, dass der Lehrer bei seinen Bemerkungen 
auf eine bestimmte deutsche Grammatik verweise, die in den 
Händen des Schülers sein und mit der er ^ich so aus freiem An- 
triebe und nach eigenem Bedürfnisse bekannt machen soll. Wir 
meinen, es müsste von grösserm Nutzen und auch ohne andersci- 
tigen Nachtheil sein, wenn der Lehrer gegen das Ende jedes Jah- 
res dem Schüler die im Laufe desselben gelegentlich gemachten 
Bemerkungen, wo möglich mit Erinnerung an eines derselben 
Beispiele, welche darauf geführt haben , mit steter* Vergleichung 
der lateinischen Sprache und mit Vermeidung alles Ueberfiüssi- 
gen und Unverständlichen noch einmal in einem gewissen Zusam- 
menhange vorführte. Auf solche Weise würde, däucbi uns/ auch 



Ganther: Ueber den deuUchen Unterricht. 263 

der Nactttfaell vemiieden werden , dass der Schuler In der Gram- 
matik, auf die man ihn nach des Verf. Vorschlag terwiese, Man- 
ches vielleicht gani anders fönde, als er es spater In dem empfoh- 
lenen Auszog aus Grimms Syntax finde't. Der betreffende Lehrer 
könnte nämlich bei dieser Zusammenstellung schon auf die 
Grimmschen Erklärungen die nöthige Rücksicht nehmen und 
dadurch dem vom Verf. empfohlenen grammatischen Pensum der 
Prima bedeutend vorarbeiten. Was nun aber jenen Aussog selbst 
betrifft, den der Schuler als Leitfaden bei dem grammatischen 
Unterrichte in Prima in der Hand haben soll, ond der zu diesem 
Zwecke besonders verkauft wird , so zweifeln wir nicht, dass ein 
geschickter Lehrer, was dem Primaner von allgemeiner Gram- 
matik zu wissen nöthig ist, wohl daraus wird entnehmen, resp. 
daran wird anknüpfen kennen. Ein bestimmtes Urtheil lässt sich 
darüber a priori nicht fallen; des Anzuknüpfenden wird aber 
jedenfalls noch Mancherlei sein müssen, da er docii nur die Lehre 
vom einfachen Satze enthält, — und möchte dabei dem Lehrer 
sehr zu empfehlen sein die in demselben Verlage erschienene 
Vergleichende Lehre vom Gebrauche der Casus und Modi in 
der deutschen ^ französischen^ lateinischen und griechischen 
Sprache von Dr. J. Am Savels. — 

Was das Studium des AH- und Miltelhochdeui sehen betrifflf, 
wovon der Verf. im folgenden Abschnitte handelt , so bestreitet 
er zwar keineswegs den aus diesem Studium hervorgehenden 
Nutzen , meint aber , dass, da dasjenige, was einmal das Gymna- 
sium in den Kreis seines Unterrichts ziehen wolle, umfassend und 
gründlich gelehrt werden müsse, um es neben den alten Spra- 
chen za betreiben, keine Zeit vorhanden sei; es aher an die 
Stelle desselben zu setzen , selbst der begeistertste Verehrer un- 
serer alten nationalen Literatur wohl nicht gerathen finden 
möchte« Auf dem Gymnasium soll daher der Schüler zu diesem 
Studium nur durch gelegentliche Winke ond Mittheiinngen ange- 
regt, und in seinem Herzen ein Bedürfniss nach näherer Erkennt- 
niss dieser Dinge erweckt werden. 

In dem folgenden Abschnitte, J^Ae/oriit überschrieben , zeigt 
sich nun der Verf. als einen eifrigen Verfechter dieser Disciplin, 
indem er dafür hält, „dass der Unterricht in derselben die rich- 
tigste und edelste Aussprache aller Empfindungen lehre und 
bilde, dadurch aber die Empfindungen selbst berichtige ond ver- 
edle; dass sie Scibstthatigkeit des Geistes wecke und vor Allem 
der passendste Schlüssel zum Verständnisse der Klassiker jeder 
Sprache sei.^^ So sanguinische Erwartungen können wir nach 
unserer Erfahrung davon nicht hegen. Zwar wollen auch wir 
nicht in Abrede stellen, dass die Rhetorik nnter den Händen 
eines verständigen Lehrers den Schülern recht nützlich werden 
könne; dazu aber. sind vor Allem andere Lehrbücher erforderlich, 
als die gewöhiiiich in Schulen gehrauch teu von Heinsius und ahn- 



264 Deutsche Sprache. 

JWhe, ilenn wie wenig diese der Art sind, deae sieh eis toldier 
Srfeig voQ ibneo erwarten laset , wie der fobh Verf. geruiimte^ 
wird jeder wissen ^ der den Versuch damit gemacht liat. Oaas 
feraei'. wohl kaum Zeit übrig bleibe, dieselbe in den ehern Kbssen 
in den fir's Deutsche bestimmten Stunden neben den übrigen 
yfwa Verf. angerathenen Hebungen Tonunehmen, findet er selbsti, 
und will sie daher in den lateinischen Stunden behandelt wissen^ 
da in den Arbeiten in dieser Sprache der Schtiler mehr der rhe* 
lerisdien Vorschriften bedürfe als zu den deutschen. Wie nur 
Abfassung dieser der Schüler durch Betrachtung und Nachah- 
mung der Muster der Alten die nothwendigen Kenntnisse und 
Fertigkeiten erlange, ist früher gezeigt. Für den deutschen Cn* 
terricht will daher der Verf. ana der Stillehre nur die Lehre von 
den IVcpmt und Figuren durchgenommen wissen, da ans dev 
GinpriguHg und Erklärung der übrigen Vorschriften derselben 
kdn wesentlicher Gewion für den Stil su hoffen seL Er hat bu 
diesem Ende selbst die Lehre Ton den Tropen und Figuren bear^ 
beitet, und in einem Anhange, der« wie der Auasug aus Grimms 
Syntax, für Schüler besonders erkauft wird, dem Werke beige* 
fügt, in diesem Anhange befolgt der Verf. die von Heinsius in 
seinem Redner Teraltet genannte antike Eiintheilung in Wart^ 
und Sackßgttremj welche allerdings beaonden wegen der vielen 
UntembtheUungen manches Unbequeme hat. Doch mochten 
leicht die Meisten sie, für Schüler wenigstens, eben so zweck- 
missig finden, als die Ton Adeltmg herrührende und von HHnsius 
hl dem genannten Werke aufgenommene und durch ihren psycho- 
If^achen Zweck begründete fiintheilung in Figuren für die Auf* 
merksandceit, für die Einbildungskraft, für die Gemüthsbewe- 
gnngen und für den Wits, nach welcher nieht nur, wie Hdnsioa 
selbst bemerkt, mehrere Figuren zn mehr als Einer Klasse ge* 
redmet werden kennen, sondern die aneh für Schüler fast ganz 
UBverstindlich ist. Wir mochten es daher für die Schule am 
zweckmissigsten hsltco, wenn dnmal diese Lehre besonders be- 
handelt w«rden soll, sammtliche Figuren nnd Tropen nur ^ipka^ 
ieiuck aufiiusahlen und zn eridaren, und alsdann die Schüler 
selbst diejenigen, welche mit einander verwandt sind, zusammen- 
stellen und ihren Unterschied angeben zu lassen. Udbrigens 
zeichnet sich die Abhandlung des Verf. über diesen Gegenstand 
nua durch Bestimmtheit und Fasslichkeit der DeinitioBen nnd 
dnrdh passende Beispiele nnd können wir sie von dieser Seite 
denen, welche mit dem Verf. von der Nethwendl^eit der Ein- 
prigni« dieser Lehre überzeugt suid, redit sdur empfehlen. 
Nicht so unbedingt mochten wir die vom Verf. dann goknipftai 
Hebungen empfehlen, deren einige z. B« ^das Nadthüden und 
Amknmgn von frdgebildeten FIgnre« in dem Zusarnnsenhange 
einer S n g crc n Redc^, selten ganz Ira sein weidcs von den 
vom Verf. firiiier gciigten Nachthethn ; aasn vei|^ bcMmdera 



Günther : lieber den deatschen Unterricht. $65 

p. 53. mi 6d. (An erster Stelle hefsst^es nSmlidi t ,,Er (der 
Schüler) priigt. sich die prfignantesten Bilder etc. ein und sucht 
nachahmend dieselbe in seinem Stöcke anzubringen. Unbewiisst 
empfindet er anders, als es wahr ist, oder Tielmehr er empfindet 
anfangs gar nichts, sondern strengt sich blos an, untermischte 
Empfindungen aaszusprechen, mit ihnen seine magere Sachbe- 
achreibung hier und da aufzustutzen nnd zu verbrämen etc.'^) 
Wir sollten übrigens meinen, bei den in unserer Benrtheilung des . 
Absdiuitts über die schriftlichen Arbeiten besprochenen prakti* 
'adien Uebungen, namentlich der Nachbildung und CJmbit^ung, 
liesse sich , wie die Vorschriften der übrigen Eigenschaften eines 
guten Stils , so auch von den Tropen und Figuren das Nothwen- 
dige und Schülern Frommende leicht mittheilen« Dazu bietet 
überdies die Erklärung der Klassiker , insbesondere der Dichter, 
so oft Gelegenheft dar, dass, wenn diese nur gehörig benutzt 
wird, der Schüler wenigstens alle gebräuchlicheren Figuren ohne 
besondern Unterricht über diesen Gegenstand zur Genüge kennen 
lernt. Man lasse nur die betreffenden Erklärungen, die ja recht 
kura nnd deutlich sein müssen, Ton den Schülern recht oft 
wiederholen und etwa mit den bezeichnendsten Beispielen auf- 
zeichnen. 

Im folgenden Abschnitte sucht der Verf. den Nutzeh nach- 
anweisen , welchen die Kenntnis^ der Metrik und metrische Ue- 
bungen för den Gymnasial - Unterricht haben. Dieser Nntzeii 
besteht nach seiner Auseinandersetzung nicht etwa darin , dass 
die Sohnler befähigt werden , einst einen erträglichen Vers zu 
machen, sondern vor Allem darin, dass durch sie das Verstand- 
niss der vaterländischen Dichter erleichtert und Gefühl und Phan* 
tasie für Schönheiten der Dichtung g^eweckt werde , da Form und 
Inhalt sich gegenseitig durchdringen , so dass Eins ohne das An- 
dere nicht verstanden werden kann. Ein anderer fast ebenso 
wichtiger Nutzen entsteht nach dem Verf. durch das Sprachbil- 
dende dieser Uebungen' für jeden, besonders für Schüler, indem 
derselbe z.B. bei metrischen Uebersetzungen genöthigt werde, 
öfters den ganzen Vorrath aller nur denkbaren und im Sprach- 
«atze vorhandenen Wörter durchztHnustern , .um den ihm passen- 
den Ansdruck zu finden. Die von Manchen gegen die metrischen 
Uebungen erhobenen Einwürfe und namentlich die Besorgniss^ 
dass der Eitelkeit mancher Schüler, die, wenn sie einen Vera 
machen können , sich Dichter zu sein dünken , Vorschub geleistet 
und dadurch die Zahl der Dichterlinge , die ohnehin oft wie Pilze 
über Nacht aufschiessen,,noch vermehrt werde, werden durch 
die Befolgung der vom Verf. angerathenen Massregeln hinreichend 
beseitigt. Auch hier sollen nicht, und zwar hier noch weniger, 
als in der ungeiHindenen Rede, firei gearbeitete Gedichte nach 
eigenen poetischen Ansclianungen , sondern nur metrische Ueber- 
setzungen und NaeMnldtmgen der Alten verlangt werden ^ wel- 



26C> Deutsche Sprache. 

che nebenbei wieder dsn grossen Nutzen gewähren, dass auch 
das Verständniss der antiken Muster dadurch wunderbar gefördert 
wird. Eine so mühsam errungene gründliche Kenntniss der Sache 
fiberzeugt die Schüler am besten von der Scliwierigkeit derselben', 
und ist so gerade nicht gedignet, sie von dem etwa gehegten 
Wahne, als ob jeder ein Dichter sei, der einen leidlichen Vers 
machen könne, recht gründlich zu heilen. Darauf giebt der 
Verf. zweckmässige Winke über die Methode, worin er mit Recht 
besonders auf die Ausarbeitung von Beispielen zu allem Vorge- 
kommenen und auf einen gehörigen Stufengaug vom Leichteren 
zum Schwereren dringt, so dass für's Erste nicht zu viel gefor- 
dert, bei der Cprrectur noch nicht alles Ungehörige unterstrichen 
werden dürfe, für die folgenden Stufen aber die Anforderungen 
immer strenger werden müssen. Bei der Angabe der einzelnen 
Uebungen ist der Verf. in Betreff Einer Uebung in einen Wider- 
spruch verfallen mit dem, was er früher in Betreff derselben Ue- 
bung' gesagt hatte. Obgleich er. nämlich p. 109« die Uebung, 
manche Stellen aus Virgilias nach dem Vorgange mancher acht- 
baren deutschen Auetoren in jambische oder auch bisweilen in 
trochaische Verse zu bringen , empfohlen hatte , warnt er hier, 
auf keine Weise lateinische Hexameter in deutsche Jamben ver- 
wandeln zu lassen , indem das den Leichtsinn befördere und die 
Eigenthümlichkeit des Originals zurücksetze« Wir sind indes» 
weit entfernt, hierauf irgend Gewicht zu legen, da die Sache 
allerdings der Art ist^ dass man zu verschiedenen Zeiten wohl 
verschiedene Ansichten darüber haben kann, ohne gerade den 
Vorwurf der Inconsequenz zu verdienen Dass endlich der Verf. 
nicht der Meinung derer ist , welche die Theilnahme an den me- 
trischen Uebungen in Lust und Belieben der Schüler stellen, 
darin hat er gewiss vollkommen Recht, da auch nach unserer 
Erfahrung die Meinung mancher Schüler, dass sie zu den hier 
vorgeschlagenen Uebungen keine Anlage hätten, nur Vorurtheil 
ist, das überwunden werden muss, und auch gewöhnlich ohne zu 
grosse Mühe überwunden werden kann. — 

Im folgenden Abschnitte,, welchen der Verf. Redefertigkeit 
überschrieben hat, scheint derselbe sich ganz vorzüglich in sei- 
uem Elemente zu befinden. Zwar ist in neuerer Zeit mehrfach 
von Herausgebern von Uebungsbüchern für Volksschulen nicht 
minder^ als Realanstalten und Gymnasien auf die Wichtigkeit 
dieses Theiles des deutscheu Unterrichts aufmerksam gemacht 
worden ; aber noch nirgends haben wir eine so allseitig die Sache 
beleuchtende und in's Einzelne gehende Auseinandersetzung, ver- 
bunden mit den nöthigen Vorschlägen zur Erreichung des in die- 
ser Beziehung anzustrebenden Zieles, gefunden, als es hier der 
Fall ist. Und hier that es allerdings um so mehr Noth, recht 
eindringlich den betreffenden Lehrern die Sache an^s Herz zu 
legen und recht ausrührlich ihnen die Mittel zu beschreiben. 



I Günther : Ueber den deutschen Unterricht. 267 

durch Vielehe man am besten zum Ziele gelangt, je weniger 
bisher gerade hierin geschehen ist, und je weniger die bisherlgea 
Leistungen der Schüler in dieser Hinsicht auch nur den allerbil« 
ligsten Anforderungen genügen konnten. Wenn nun auch hier 
der Verf. in der vorausgeschickten allgemeinen Betrachtung über 
die Wirkungen der Beredtsamkeit In früherer Zeit, übel* die Ur- 
sachen des Verfalls derselbe^, sowie darüber, was an die Stelle 
der Rede getreten, was zur Beredtsamkeit gehöre u. s. w., weit 
tiefer in die Sache eingegangen ist, als es seine nächste Absicht 
mit sich brachte ; so wird man ihm doch auch hier mit Vergnügen 
folgen und sich gern mit hinreissen lassen vou dem Feuer ^ zu 
welchem ihn sein Gegenstand entflammt. Indem er darauf zu 
dem Punkte übergeht, worauf es hier hauptsächlich ankommt,- 
nämlich zur Angabe der Mittel, welche nach seinem Ermessen 
das Gymnasium zur Erhebung der Beredtsamkeit anwenden könne 
und solle , macht er zunächst mit Recht darauf aufmerksam , wie 
wichtig es in dieser Hinsicht sei , dass in allen Unterrichtsstnnden 
der Schüler angehalten werde, das Gelernte in möglichst klarer, 
zusammenhängender Rede wiederzugeben und dadurch zugleich 
aufs Beste zu beweisen, ob er es sicher aufgefasst habe. Darauf 
unterscheidet derselbe folgende 3 Arten von Vorträgen : entweder 
wird etwas gelesen (Eigenes oder Fremdes), oder man recHirt 
oder reproducirt etwas Fremdes^ oder man trägt Eigenes vor^ 
CJeber das Lesen spricht der Verf. im folgenden Abschnitte aus- 
führlich ; im Betreff der 2. Art der Vorträge oder Declafnatian^ 
die er als nothwendige Zwischenstufe zwischen dem Lesen und 
freien Reden ansieht , macht er zunächst aufmerksam auf den 
Unterschied zwischen dem Declaraator und dem Schauspieler und 
giebt dann die genauesten Vorschriften , wie Declamationen ein- 
zurichten seien, auf deren Zweckmässigkeit hier aufmerksam 
gemacht zu haben , hinreichen wird , um solche , welche von der 
Wichtigkeit dieses Gegenstandes überzeugt sind, zum .Studium 
derselben zu Teranlassen. In Betreff der dritten Art der Vor- 
träge, des Vortrags eigener Gedanken und Empfindungen, wel- 
cher nach dem Verf. der wichtigste Theil des ganzen deutsche» 
Unterrichts ist, giebt er ausführlich und auf eine eigenthümliche 
Weise die Methode an , wie der Jüngling durch zweckmässige 
Anleitung von seiner Kindheit an es dahin bringen könne, ohne 
zu memoriren, was er weiss und denkt und fühlt, in angemesse- 
ner Weise Torzutragen. Und so weit sich a priori ein Urtheil 
hierüber fallen lässt , so ist allerdings kaum zu. bezweifeln , dass 
durch Befolgung der vom Verf. gegebenen Anleitung das nach 
seiner Ansicht zu .erstrebende Ziei^ „dass der Primaner aber ein 
Thema , zu dessen Erwägung ihm eine verhältnissmässlg kurze 
Zeit gestattet wird, einen, wenn auch nicht erschöpfenden, so 
doch die wichtigsten Punkte berührenden Vortrag in ziemlich 
guter Form halten könne^', wohl erreicht werdea könne. Wie 



318 Ueatfiche Sprache. 

wMäig; aller dies for dfaM gmse foigende Leben M, der Sdivler 
mMg eioeo Stand ergreifen, welchen er will, leuchtet jedem ein; 
«ehr natlirlich iit es daher, daas der Verf. wenn ür irgend Btwis^ 
to beaonders för diene Uebnngen die Zahl der deutachen Stunden 
wermArt wünacht. Daaa hierin noiA mancher andere achtunfs- 
werthe Sdiulmann mit dem Verf. ubereinatimmc, neigt nnter 
nndem eine Steile Im Programm des konigl« Friedrieh- Wilhelma- 
Qymnaahim in Coln Tarn J. 1840, worin der jungst verstorbene 
erfahmngareiche Consistorialrath Gnshof sagt: ,,Wie für einen 
wuMarnmenkäii^enden mündlichen deutseken Fertrag^ der so 
eehr Bedarf niss der Zeit ist , wenn er es auch nicht echan an 
eieh wäre^ mehr Zeil und Gelegenheit dargeboten werden 
könne, als dafmr jetst gestattet ist, bleibt noch einer besondern 
Berathnng dea Lehrercolleginms und einem Antrage bei der vor- 
geaetsten Behörde vorbehalten/^ Auch hier beschliesst eine 
genaue Angabe und Abgrenzung der in den 6 einzelnen Klassen 
au diesem Behufs vorsunehmenden Uebungen den ganzen Ab- 
schnitt. Haben wir übrigens bei der Anseinandersetsung dieses 
Gegenstandea etwas vermisst, so ist es eine noch speclellere An- 
gabe der Art und Welse , wie die anempfohlenen CJebungen im 
mdndllchen Ausdrucke mit d^n früher zum Belfofe der achrift- 
lichen Darstellung angeführten Uebungen in ntUiere Verbindung 
zu setzen sind. 

in dem dsrauf folgenden Abschnitte , das Lesen überschrie- 
ben, geht der Verf. von der Erwähnung der Thatsache aus, dass, 
wihrend noch am Schlüsse dea vorigen Jahrhunderts von manchen 
Schulrectoren das Lesen deutscher Bücher geradezu verboten 
worden, in neuester Zeit die Lecture der deutschen Klassiker 
von den meiaten Schulmannern als wesentlicher und nothwcndiger 
Bestandthell des deutschen Unterrichts angesehen werde. Als 
Gründe für diese Lecture werden gewöhnlich folgende angeführt: 
1) sie gebe den Schulern einen richtigen Sinn und Geschmack für 
das Schöne, 2) sie bilde Ihre Phantasie und 3) sie erwecke die 
Vateriandaliebe. Dagegen behauptet der Verf., dass zur Errei« 
chnng der beiden ersten Zwecke noch mehr die Leetüre der anti- 
ken als der neueren deutschen Dichter beitrsge und zur Vater- 
landsliebe aolle theils die Schule gar nicht erziehen wollen^ theils 
lasse sich dieselbe schon darum aus deutsqhen Dichtern nicht 
schöpfen , weil diese f^t genug selbst keine hätten. Aus diesen 
Gesichtspunkten sei also die L«ctüre deutscher Klassiker wenig- 
stens überflüssig, in mancher anderen Beziehung aber sogar 
achidllch ; denn 1) schwäche die Beschäftigung mit den deut- 
achen Dichtem , wie sie die Jugend treibe, die Lust nur Anstren- 
gung , zur ernsten Arbeit ; 2) könnten die mancherlei sefaadlidien 
Ten^enaen, welche die meisten verfolgten, Männern zwar un- 
achidllch aein, für Jünglinge aber geradezu tödiUchea oder ans- 
siechendea Gift werden« 



■^ 



Günther: Ueber den deutschen Unterricht. SQQ 

Gegen diese Behauptungen nTöchten wir Folgfendes eriniieni« 
Wenn auch keiueswegB geleugnet werden goll , dasa aehon durdk 
das Lesen antiker DIcliter Geschmack und Phantasie der Schulet 
in hohem Grade gebildet werde , so hat doch die Lectüre denl* 
scher Stücke den einen Vorzug, aufweichen auch Hiecke in der 
Vorrede iu seinem Handbuche deutscher Prosa aufmerinaiit 
macht, dass der Schüler hijsr leichter ein Ganzes in allen aetaen 
Theilen zu überblicken Im Stande ist, wahrend demselben im 
Griechischen und Lateinischen durch die Schwierigkeiten) dl« 
sich ihm Im Einzelqen darbieten, ein Ueberbllck des Ganzen ga» 
sehr erschwert wird. Denn, sagt mit Recht der geistreiche Ho» 
graph Schillers, je Inniger sich unsere Betrachtung In das El»* 
seine versenkt , desto schwerer wird es Ihr^ sich über das Game 
sn verbreiten. Je mehr ferner manche deutsche Dichter die 
ihnen verliehene Gabe zur Aeussemng undeutscher Gesinnangen 
missbraucht haben, und noch missbrauchen, um so mehr Ist ea^ 
dancht uns, Pflicht der Schule, ihren Schülern In einer ange- 
messenen Auswahl solche Geistesproducte vorzuführen , weldie 
nicht etwa durch hohle Tiraden und nichtssagende Exclamationen^ 
sondern besonders durch Verherrlichung der grossen and bewan- 
derungswürdigen Thaten und« Tugenden unserer Vorfahren in 
Ihnen, wenn sie anders nur einigermaassen für etwas Höheres 
empfänglich sind, ohne weiteres Zuthun das Vateriandsgefvhl 
wecken, nähren und kraftigen. Darin wird gewiss Niemand ein 
vom Verf. mit Recht getadeltes Brziehenwollen zur Vaterlands*- 
liebe erkennen. Was endlich das Schädliche betrlifft, welche« 
nach dem Verf. mit der Lectüre deutscher Dichter verbanden Ist^ 
oder vielmehr sein kann, so hat der Verf. darin gewiss vollkom- 
men Recht, wenn er aus den von ihm angeführten Gründen die 
unbedingte Empfehlung aller Schriften neuerer Dicht» for 
Schaler tadelt ; und wenn auch mancher glauben wird , dasa der- 
selbe im Aligemeinen bei der Beurtheilung z. B. der Göthe'seh«B 
Dichtungen ans diesem Gesichtspunkte zu weit gegangen, nod 
einwenden wird , „dass die poetische Weltanschauung nicht udit 
der philosophischen , geschweige mit der christlichen zu verglei* 
chen sei, und dass man den Dichtem das schone Vorrecht lassen 
müsse, sich die Welt nach ihrem Gefallen umzugestalten in etee 
Ihren innigsten Neigungen entsprechende Traumwelt^^ (vgl. Lit«~ 
raturblatt 1841 Nr. 25.) : mit dem Schiasse werden gewiss die , 
Meisten einverstanden sein, dass diejenigen Lehrer unter iw 
Jugend grossen Schaden anritten, weiche Ihr ohne Weitere» 
die Lesung aller Göthe'scfaen Schiiften zug^ien, oder garen- 
pfehlen und anpreisen. Aach die in Betreff der Sclilller'aiAeii 
Schriften aofgeworfene Frage: ,^ob der Lehrer Schillers Werke, 
wie sie da sind, ohne alle Aaswahl, beim Unterrichte der Jagend 
anwenden, ob er sie ohne Rücksicht nnd Rückhalt easpfeUeo 
könne^, wfard man bei alier Verehrung ScfaUier» kaum -andeiii 



270 Deutsche Sprache. 

als Teroeineii könneD. Aber deshalb über alle S€hUler''8€heii 
Dichtung^en Tom Standpiiukte des Pädagogen ans das Verdam- 
muiigsurtheii aussprechen zn wollen, das hiesse doch das Kind 
mit dem Bado ausschütten. Es^war daher unseres Dafürhaltens 
nicht die Frage aafanwerfen, ,^ob Schillers Werke nichts für 
unsere Jugend Schädliches und Verderbliches enthalteu^% son- 
dern vielmehr: ob es unter Schillers Werken keine gebe, welche 
nichts Schädliches enthalten , und da findet sich denn doch Man« 
ches, welches wirauch Schülern nicht gern vorenthalten möchte». 
Je mehr aber allerdings einzelne Producte dieses sowohl, als 
anderer Dichter ?on der Jugend wo möglich fern gehalten werden 
mnssen, um so mehr ist es auch von dieser Seite angemessen, 
den Schülern eine Auswahl solcher deutschen Gedichte In die 
Hände zu geben und zu deren zweekmässigeni Gebrauche anzu- 
leiten, durch welche nicht nur die vom Verf. befürchteten Nach« 
theile vermieden werden , sondern im Gegentheil gerade von der 
Seite, von welcher derselbe besonders nachtheiligen Einflnss 
befürchtet, von der religiös -moralischen nämlich, vorthcilhaft 
eingewirkt wird. ^ Aber will denn nun der Verf. die Leetüre deut- 
scher Dichter aus dem Gymnasium ganz verbannt wissen'! Kei- 
neswegs. Auch er hält es sogar für Pflicht der Schule, zur 
Leetüre der vaterländischen Schriftsteller wenigstens anzuleiten 
und zwar durch zweckmässiges Eiklären_ und Erklärenlassen 
schwieriger prosaischer und poetischer Stücke. Die zu erklären- 
den Stücke müssen aber nach ihm folgende Eigenschaften haben ; 
sie müssen 1) ihrem Grandgedanken nach christlich 9 2) in ihrer 
Gedankenverbindung schwierig und 3) auch ihrer Form nach nicht 
nur ausgezeichnet sein, — sondern auch etwas zu erklären übrig 
lassen. Alle diese Vorzüge glaubt er nur in Klopstock vereinigt 
zu finden und will daher nur Jessen Messiade in Secunda und 
dessen Oden in Prima erklärt wissen. Wir möchten uns davon, 
namentlich von der Erklärung der Messiade, nicht den Erfolg 
versprechen , den der Verf. davon erwartet ; wir haben uns daher 
schon oben für eioe Auswahl der bessern Gedichte aller ausge- 
zeichnetem neuern deutschen Dichter ausgesprochen, welche 
zugleich passende Beispiele zur Poetik, die sich ja auch durchaus 
Immer auf Beispiele stützen muss , darbieten könnte. Hinsichtlich 
der darin aufzunehmenden Stücke stimmen wir übrigens mit den 
von dem Verf. oben gemachten Forderungen wenigstens insoweit 
ttberein , dass auch wir nur solche Gedichte aufgenommen wün- 
schen, deren Form wenigstens tadellos ist, die, sofern sie zur 
Erklärung bestimmt sind und nicht blos als Beispiele zur Poetik 
dienen sollen , wirklich etwas Schwieriges haben und vor Allem, 
welche auf keine Weise der Reinheit der jugendlichen Gemüther 
zu nahe treten. Dabei wünschen wir aber auch das Vaterlands- 
gefühl in der oben angegebenen Weise berücksichtigt. Sollen 
wir nun- ein Buch neimen, welches uns alle diese Vorzüge in 



Ganther: Ueber den deutschen Unterricht. 271 

hohem Grade in sich zu vereinigen scheint, so eiDpfdilen wir die 
in Koblenz bei Karl Bädeker erschienene Auswahl deutscher Ge- 
dichte des siebenzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahr- 
hunderts , nach der Zeitfolge geordnet , mit biographischen und 
erklärenden Anmerkungen, nebst Mustern deutscher Prosa und 
Sprachproben der früheren Jahrhunderte (vom Prof. Dr. Deyks), 
744 S., in weicher, um jenen verschiedenen Zwecken zu genü- 
gen ^ die geschichtliche . Anordnung mit Znsammenstellung des 
Gleichartigen nach Möglichkeit verknüpft und ausser dem Ver- 
zeichnisse der Dichter eine Uebersicht der einzelnen Gedichte 
nach «den drei Hauptgattungen: Epos, Lyrik, Drama,, saramt 
Unterabtheilungen hinzugefügt ist. Die im Anhange gegebenen 
Sprachproben der früheren Jahrhunderte werden gewiss Maachem 
anch eine sehr erwünschte Zugabe sein. Dasjenige, was unser 
Verf. über die Art und Weise der Erklärung sagt, sowie über die 
Irrwege, auf welche Manche dabei gerathen, indem sie bald 
zu viel , bald zu wenig oder gar nichts erklären , oder auch die 
schönsten Gedichte, deren Schönheit aber empfunden sein will, 
zu einem Mittel herabwürdigen, daran den Schülern allerlei 
sprachliche und reflectirende Bemerkungen beizubringen und S9 
quasi anatomische Vorlesungen über einen Braten halten : das ist 
Alles sehr geeignet, indem es auf die Missbräuche, welche in 
dieser Beziehung vorkommen , aufmerksam macht, zum richtigen 
Verfahren den Weg zu zeigen. Oben ist bereits der Poetik Er- 
wähnung geschehen ; auch von dieser sollen den Sekundanern die 
erforderlichen Kenntnisse theils zum besseren Verständnisse der 
später vorzunehmenden Literaturgeschichte , theils zur näheren 
Einsicht in das Wesen der von ihnen gelesenen oder noch zu 
lesenden Dichtungen beigebracht werden. Die dabei nach seiner 
Ansicht zu beobachtende Methode giebt der Verf. gentfu an , und 
wird sich dieselbe den betreffenden Lehrern um so mehr em- 
pfehlen, je mehr sie mit den noch vor Kurzem in BetrejQf des 
deutschen Unterrichts auf den obern Klassen von der Behörde 
gegebenen Bestimmungen übereinstimmt, und zugleich' zur Lite- 
raturgeschichte die beste Vorbereitung bildet. Dass sich die- 
selbe allenthalben auf Beispiele stützen müsse, versteht sich von 
selbst ; solche bietet in hinreichender Anzahl die oben erwähnte 
„AuswahhS Zur Lesung ganzer Bucher bietet, wo diese wün- 
schenswerth erscheint, die jetzt bei jedem Gymnasium befindliche 
Schulbibliothek Gelegenheit ; doch macht mit Recht der Verf. in 
dieser Beziehung auf die Wichtigkeit des Postens dessen auf- 
merksam, der die Anschaffung und Vertheilung der Bücher an 
die Schüler zu besorgen hat, wenn dies mit der nöthigen Gewis- 
senhaftigkeit geschehen soll. Den Beschluss dieses Abschnittes 
machen zweckmässige Bemerkungen über das Lesen in den untern 
Klassen. — 

In Betreff der Literaturgeschichte ^ über welche der Verf. 



272 Deotscbe Sprache. 

im foigeadefe AbfiehiitUe hudeU^ kt er der Ansteht, dwm t% dem 
Scholz wenig frommen könne ^ wenn er, wie es oft geuag ge- 
sebieht, in zwei Jahren, eiwa in einer wöchenilicheq Stunde — 
denn mdir wird bei den übrigen nothwendigen Uebnngen gewiss 
•icht übrig bleiben — die ganse Literaturgeschichte durchjage 
und so wenige der gelobten und getadelten Schriftsteller durch 
eigne Anschauung kennen lerne. Durch ein solches Verfahren 
leite man die Jugend zu eitelm Nachsprechen und dunkelhaftem 
Absprechen ai| und leiste so nur nngründlicher Vielwisserei und 
citeiem Dünkel Vorschub. Der Verf. sehlägt daher vor, da zn 
einem grundlidien Studium der ganzen Literaturgeschichte «nf 
dem Gymnasium keine Zeit ausgewonnen werden könne, nur 
irgend Einen Abschnitt aus derselben ganz ausführlich, recht 
gründlich und tief eindringend zu eildären und dadurch den Schü» 
ler zu weiterem Vordringen aus eigener Lust anzngpornen und 
ftm Anleitung zu geben, wie er später, wenn er liust und Zeit 
hat , sich audi mit andern Theilen gründlich bekannt zu madien 
habe. Die Zweckmässigkeit dieser Methode ist auch schon von 
Andern , z. B. wenn wir nicht irren , vov Hoffmeister erkannt 
worden. Auf die Frage, welcher Zeitraum dazu wohl der geeig- 
netste sei, eitdart sich der Verf. am meisten für die Besdiränfcung 
auf eiue Geschtchte des Niebelungenliedes und trifft auch hierin 
gewiss mit den Ansichten rieler Lehrer des Deutschen zusammen« 
IHe iu dem Abiturienten • Reglement vom Abiturienten verlangte 
Bekanntschaft mit den Hauptepochen der Literatur seiner Mutter« 
spräche, d. b. dass er wisse, in wie viele Perioden die Literatur* 
geschieh te gewöhnlich eingetheilt werde, sowie einer jeden Um<* 
inng, charakteristische Beinamen und vorzügliohe Dichter mit 
ihren Hauptwerken, hat derselbe theils schon in der Poetik, wie 
sie der Verf. vorgenommen wissen will, erlangt, theila wird sich 
das etwa noch Fehlende in einer der ansführlichen Behandlung 
jitties Einen Abschnittes voranzusphickenden Einleitung leicht in 
wenigen Stunden ergänzen lassen. 

Nachdem der Verf. im letzten Abschnitte seines Werkes noch 
einmal das Vorurtheil., als ob sich iu den deutschen Aufsätzen 
die Gesammtbildung des Schülers darstelle, beseitigt; noch ein« 
mal den nach seiner Ansicht einzuschlagenden Weg beim Unter-^ 
richte im Deutschen kurz überblickt und nachträglich noch einige 
nähere Erklärungen zu einzelnen früher gemachten Vorschlägen 
hinzugefügt hat, spricht er zum Schlosse noch von demjenigen, 
der jenen Unterricht geben soll, vom Lehrer des Deutschen. 
Wiewohl nun der Verf. im Allgemdnen dem Klassenlehrer^- 
steme vordem der Fachlehrer den Vorzog giebt, so spricht er 
sich im Deutschen mehr für einen Fachlehrer aus und meint, 
„dass ein Gymnakium am besten dabei fahre, wenn es den tüch* 
tigsten aas seinem Colleginm vorzugsweise zum Lehrer des Deut« 
sehen machen könne^'. Darin, dass zur ErtkeUnog dieses 



Günther« Ueber den dentsdien Unteiricht 



273 



Doterrlchte eitt recht tüchtiger and gewandter Lehrer erfordere 
lieh sei^ atimmt gewiss jeder mit dem Verf. überein, der e» ein^ 
mal selbst diimit Tersucht hat; denn über die Zeiten sind wir, 
Gott sei Danic! hinweg, wo man lum deutschen Unterrichte den- 
jenigen Lehrer für gut genug hielt, den man lu nichts Anderem 
gebrauchen konnte. Aber die Deberzeugung werden auch ge- 
wiss die Meisten, welche den Vorschlagen des Verf. bis an^a 
Ende gefolgt sind, mit uns erlangt haben, dass es lur Tollstindi- 
gen Erreichung des nach seiner Ansicht zu erstrebenden Zielea 
auf dem von Ihm Torgezeichneten Wege sehr wunschenswertll, 
ja in mancher Hinsicht sogar nothwendig sei, dass der Lehrer des 
Deutschen zugleich den Unterricht in den alten Sprachen, wenig- 
stens in einer derselben, ertheilt, dass also der Ordinarius in 
seiner Klasse auch den deutschen Unterricht habe. Die tooi 
Verf. dagegen erhobenen Bedenken wiegen nach unserer Meinung 
bei weitem nicht die damit Terbundenen Vortheile auf, und sind 
zum Theil auch z. B. in Betreff der Orthographie schon dadarch 
zu beseitigen, dass man d^n Sdiülern sagt, es würden beider 
Schreibung einzelner Wörter Ton einigen diese, Ton andern jene 
Grundsätze befolgt; es komme in diesem Falle oft darauf an, 
consequent die eine oder die andere Schreibweise immer zu beob- 
achten ; denn das kann ja auch Ein Lehrer des Deutschen nicht 
verhüten, dass die Schüler in manchen ihnen empfohlenen Bü- 
chern andere Grundsätze befolgt finden, als er selbst befolgt. 
Und sollten denn die Schwierigkeiten und Uebebtande geringer 
sein, welche dadarch entstehen, wenn der deutsche Lehrer die 
Uebersetzung, Umbildung etc. eines von einem andern Lehrer 
interpretirten Stückes corrigiren soll? Wird es da nicht oft ge- 
nug vorkommen, dass der eine gerade das vorzieht, was der 
andere verworfen hat, und umgekehrt 1 Das vom Verf. 4n dieser 
Hinsicht vorgeschlagene Auskunftsmittel , die deutsehen Arbeiten 
an solche Abschnitte der Schriftsteller anzuschliessen , . wdche in 
der Klasse noch nicht erkifirt sind , hebt doch auch gewiss einen 
grossen Theil des Nutzens auf, den es hat, wenn man gerade in 
der Klasse gehörig erklärte Stücke aus lateinischen und griechi- 
schen Schr^tstellern zu deutschen Arbeiten benutzt; denn in 
jenem Falle hat man noch zu viel mit der Richtigkeit der Ueber« 
Setzung zu thun und kann auf das, woratif es in deutschen Ar- 
beiten, als solchen , hauptsächlich ankommt , zu wenig Rücksicht 
nehmen. Und welche herculische Arbeiten würden in jenem 
Falle dem Lehrer des Deutschen aufgebürdet, der so blos zu 
diesem Behnfe wenigstens Manches von dem, was im Lateinischen 
und Griechischen von den Primanern und Secundan^m gerade 
gelesen wird , vorerst noch einmal gründlich würde durcharbeiten 
müssen^ um beürthellen zu können, ob eine Uebersetzung etc. 
geschmackvoll oder auch nur in allen Punkten richtig sei; denn 
aus den Aermeln schüttelt man das auch nicht Immer, in maneher 

iV. Jahrb. f. Phil. m. PiuA. od. KrÜ. Bikl. Bd. XXXVl. tfßi 3. 18 



274 D«»t*«lie Sprache. 

Bcxiduuif mdcble es aber aodi 9Bg$g Ton Knlaea acn, dan der 
Voleiriebi im Deotadieo ludii durah alle KJaaMB Tan demaeDieD 
Ldifer crtbeilt wM, da ao d^ ScbiUer bd all» Tocbtigkcit des 
Ijelirera d4M:li Icicbt Gefahr liufty elwaa einaeiii^ so werden, indem 
doch iornier der eine Lehrer den einen, der andere einen andern 
Zweif dieaea UafterrkhU mehr berroAehen und eifriger beireiben 
wird; denn aein Steckenpferd bat cimnai'jcder. 

Einaelne Debelataiide, welche die Anordnung einen Fadi- 
Idirera im Dentachen mit aich bringen wiirde, erkennt nun swar 
der YerL aelbat an, hält aber dieaelben für beaeitigt, wenn der 
Director dea Gymnaaiuma dieaen Unterricht in allen IQaaaen fiber- 
nehme , indem er Toraoaaetzt , daaa dieser alle Eigenachaften in 
aich Tereinige, welche er Tom Lehrer des Bentachen verlangt. An- 
genommen, dam diea dlenthalben der Fall wire, so iweifelu wir 
doch aehr, daaa aich Tieie Directoren finden werden, welche neben 
den Geachaften, die ihr Amt mit aich bringt, nodi alle die Ar- 
beiten nbem^men mochten oder auch nur konnten, die der Verf. 
dem Lehrer dea Deutachen auflegt. Wir worden bei diesem Vor- 
achlage an den von einem Gymnasial -Director scherzweise, ge« 
machten Vergleich dnea Gjmnasial-Directora mit dem pioa Aeneas 
erinnert. Und wenn ea der Verf. femer als einen Vorsug her- 
vorhebt , daaa auf diese Weiae der Director am^ besten Gelegen- 
heit habe, daa Tbun und Lassen der einzelnen Klassenlehrer zu 
überwachen, so möchten wir den Director und die Lehrer und die 
ganze Anstalt bedauern , wo eine solche Gontrole des Directors 
über die Leistungen, Kenntnisse, Methode der Klassenlehrer nö- 
thig oder auch nur wunachenswerth erschiene. Wo bliebe da die 
vom Verf. in dem Epiloge gepriesene „schöne Freiheit, dass der 
Lehrer nach beatem eignen Wissen und Gewissen die Jugend zu 
dem führen könne, was ihm als ihr rechtes Lernziel erschienen 
ist^l Wir müssen ulis also unbedingt für den Ordinarius ausspre- 
chen. Ihm werde auch der Unterricht im Deutschen übergeben; 
er wird gewiss, wenn er iiberhaupt ein Lehrer ist, wie er sein 
soll, auch im Deutschen nach der vom Verf. vorgezeichneten, aber 
der Einsicht eines Jeden noch Spielraum genug lassenden Me- 
thode das vorgesteckte Ziel lu erreichen am besten im Stande 
sein. Der Mühe, alle die Vortheile anzuführen, welche aus einer 
Verbindung des deutschen Unterrichts mit dem lateinischen (und 
griechischen) hervorgehen, können wir uns wol überheben, da die« 
selben zu deutlich aus dem ganzen vom Verf. empfohlenen Verfah- 
ren hervorleuchten ; nur auf das Eine wollen wir noch besonders 
aufmerksam machen, dass es dadurch allein dem Lehrer möglich 
wird, wenigstens bisweilen, besonders wenn gerade ein ganzer 
Abachnitt wiederholt werden soll, eine ganze Woche hindurch 
sämmtUche Stunden dem Deutschen und dann wieder zur Ausglei* 
chung mehrere Wochen lang sämmtllche Stunden, die er hat, dem 
Lateioiachen oder Griechiacben zu widmen. Wir haben von die- 



Ganther : Ueber den deots^eii UnUrricht. 275 

aem Verbbreo den betten Erfolg wahrgemmuneD, und wie konnte 
es mudi anders seini Oder sdUe nicht der Sdi&ler mehr Nnts^i 
dafoo haben, wenn er i. B. im Latein, in etwa 2 Monaten in 8 
wöchentlichen Stunden, tou denen wo möglich immer 2 hinterein- 
anderliegen, irgend eine Schrift vollstihidig durchgearbeitet und 
dann noch einmal in einer Woche wiederholt hat, als wenn er .mit 
derselben Schrift ein ganzes Jahr lang in 3 wöchentlichen. Stun- 
den beschäftigt worden ist? Sie Behauptung, dass der Geist der 
Schüler ermfide, wenn er sich längere Zeit mit demselben Gk^en- 
stande bescdiäftige, haben wir durchaus nicht bestätigt gefunden. 
Grade dadurch^ dass dem Schüler recht augenscheinlich wurd, wiie 
er Ton Tage au Tage weiter kommt, gewinnt er den Gegenstand 
seiner Beschäftigung erst recht lieb , und wenn er nicht gani und 
gar stumpf ist, so kann der gut^ Erfolg nicht ausbleiben. Und 
sollte es auch einem od^ dem andern anfingllch schwer werden, 
seine Aufmerksamkeit längere Zeit auf einen Gegenstand su rich- 
ten, so wird er sich doch allmälig gewöhnen, und diese Gewöh- 
nung wird ihm später ton unendlichem Nutien sein« I>enn durch 
welche Eigenschaften Ist in der Folge der Mann mehr geeignet, 
etwas Ausgeseichnetes zu leisten, als eben durch Beharrli^dt 
und Ausdauer?. Wir wirken aber diesen Eigenschaften geradezu 
entgegen, indem wir den Schüler anhalten, sich an einem und dem- 
selben Tage mit 4^ 5 oder gar 6 verschiedenen Dnterrichtsgegen- 
ständen und heute mit diesem, morgen mit jenem zu beschäftigen. 
Bei einem so fluchtigen Hinw^eilen von einem Gegenstande zum 
andern Ist der Geist nicht Im Stande, in irgend einen tiefer mn« 
zudringen und der Schüler wird so an Oberflächlichkeit, Zerstreu«- 
ung uncl ein immerwährendes Ueberspringen von einem Gegen- 
stande zum andern gewöhnt, woraus nimmer etwas Gedeihlidies 
hervorgehen kann« 

Indem wir so im Einzelnen die Wahrheit unseres Eingangs 
dieses im AOgemeinen über das genannte Werk gefällten UrÜieils 
so ziemlich nachgewiesen zu haben glauben, können wir schliess- 
lich dasselbe allen denen, weichen es um eine erspriessUchere 
Methode des deutschen Sprachunterrichts nicht nur, sondern auch 
anderer Zweige des Unterrichts — zu thunist, aus voller Ueber* 
zedgung empfehlen und wünschen , dass recht vidn den Nutzen 
aus demselben schöpfen mögen, den wir daraus geschöpft zu ha- 
ben, gerne eingestehen. 

Das Aeussere ist, wie man es von der Bädecker^schen Ofiizin 
gewohnt ist, dem Innern Gehalte der Schrift angemessen. 

Essen. Cadenbaeh» 



18* 



876 Deutsche Sprache. 

Der Verf. behandelt In dem anstueigenden Boche*) folgende 
Theile des deutochen ÜBterricdita: 1) die deutschen Aufsatse, 2) 
die Grammatik, 3) das Althochdeutsch und Mittelhochdeutsch^ 
4) Rhetorik und Metrik, 5) die freien Vortrige, 6) die Lesung 
und 7) dieLitteraturgeschichte; von S« 353. ab spricht er über 
Fach- und Klassenlehrer und (SiSO sqq.) von den dem Lehrer dea 
Deutschen nöthigen Kenntnissen und geistigen Fähigkeiten. Je 
mehr nun 9eine Ansichten über die deutschen Aufeät%e von den 
gewöhnlichen abweichen, desto dringlicher erscheint eine Erörte- 
rung, desto mehr erheischt gerade dieser Abschnitt vor allen 
ikbi^n eine griindliche Besprechung; denn Hr. Günther will nicht 
bloss einselne Missgriffe beseitigen und an ihre Steile das Richtige 
aetien — nein er legt sogleich die Axt an die Wurzel des Baumes, 
er will die deutschen Aufsätze mit Stumpf und Stiel aus den Gym- 
jiasien ausreoten. Mit dieser seiner Grundansicht steht freilich 
die Nachgiebigkeit in offenem Widerspruche, weiche sich so einer 
Stelle zu Gunsten einiger solcher Versnche mit den Abiturienten 
ausspricht. Dass das Reglement eine deutsche Prüfunparbeit ver- 
langt, das hätte Hrn. Günther zu diesem Zugeständniss nicht ver- 
mögen sollen; denn — irren wir nicht — so kämpft seine Schrift 
sum grossen Theile eben gegen dieses Reglement an. Da er den 
Kampf, wenn auch nicht ohne manche überflüssige Seitenbewegun- 
gen, mit warmer Theilnahme für die Sache und mit wissen- 
schafilichen Waffen fuhrt , wer würde seine Erörterung deshalb, 
weil sie sich um einen etwas kitslichen Punkt herumdreht, geta- 
delt haben 1 Da müsste uns ja jedes- freiere Wort auf der Lippe 
ersterben ; wie aber sollte ohne wissenschaftliche Discassion das 
Gute Eingang finden und das Schlechte entweder zurückgewiesen 
und abgeschafft werden! Wenn aber der Hr. Verf. S. 8/. meint, 
„dass es jedenfalls voii Nutzen sein könne, wenn die Schule dem 
sich zur Universität vorbereitenden Junglinge noch die Methode 
neige, wie er späterhin die Uebangen im Darstellen eigener Gedan- 

*) Wamm wir nach der voranstellenden Benrtbeilang des Bachs noch 
diese «weite folgen lassen , das wird das gegenseitige Yerhältniss beider 
Beartheilangen von selbst rechtfertigen. Der deutsche Sprachonterricht 
ist in den Gymnasien eiir so wesentlicher Unterrichtszweig geworden, and 
zeigt doch in der Praxis noch so viel Verschiedenartigkeit der Behandlung 
und des Ziels, dass wir es für eine wesentliche Aufgabe unserer Zeitschrift 
halten, darüber die Stimmen verschiedener Schulmänner vorzufahren, weil 
eben die Verschiedenartigkeit der Betrachtungsweise das erfolgreichste Mit- 
tel zur allseitigen und grundlichen Erkenntniss ist. Und so wie wir daher 
demnächst noch mehrere Beurtheilungen hierhergehorigen Schriften brin- 
gen werden ; so haben wir es auch nicht unangemessen gefunden über Ein 
Bttfih zwei Beurtheilungen zu mitzutheilen , voh denen die eine mehr die 
Charakteristik des Buches und die Hervorhebung seiner Lichtseite, die an- 
dere dessen Schattenbild und die allgemeinere Erörterung des Gegen- 
standes überhaupt zum Zwecke hat. fOie Redaction.] 



Günther: Ueb^r d«n dentschen Untenricfat. 277 

ken anzustellen habe,^^ wenn er ferner fßr die Primaner 8 bis 10 
wirkllcli freie Aufsätze billigt, ja anempfiehlt, so kann man in der 
That bei diesen Zugestindnissen den Ungestüm sich nicht erklä- 
ren , mit welchem er sonst dber diese Uebnngen herflllt utd aus 
denselben 80 arge Missstandc und Uebel herleitet, dass die Schule 
und die Behörden, wäre seine Ansicht richtig, nichts Besseres 
zu thnn hätten , als dieselben augenblicklich za beseitigten. 

Doch die ganze Sache dreht sich , da die deutschen Aufsätze 
den Stil unserer Schüler sollen bilden helfen, vornehmlich um die 
inhaltreiche bis jetzt nicht allseitig genug erörterte Frage, was 
denn eigentlich der Stil .seil Durch die Beantwortung dieser 
Frage wird es klar werden , was wir von unseren Schülern zu er* 
warten haben und zu fordern berechtigt sind ; wir bahnen uns den 
Weg durch einige Bemerkungen über „die Inhaltsandeutuilgen/^ 
(S.. V. bis Vlll.) Die Art nämlich , welche der Yerf beliebt, den 
Inhalt seines Buches anzugeben, könnte nämlich manchen ern- 
steren Schulmann Tornherein gegen dasselbe einnehmen, und er 
trüge selbst die Schuld, wenn Tielleicht bloss desswegen jenes un- 
gelesen zurückgelegt würde» Diese „Inhaltsandentnngen^^ stellen 
nicht ohne Absichtlichkeit — denn opposita juxta se posita magis 
elncescunt — das Entlegenste dicht neben einander und tragen so 
den Schein geistreich witziger, keck abspringender Gedanken- 
entwickelung TOT sich.'*') Diese Methode darzustellen ist jedoch 
keinesweges neu, sondern fast verbraucht und in unseren Tagen, 
Gott sei Dank, in üblem Gerüche ; ihr eigentlicher Begründer war 
Jean Paul, welcher nichts mehr hasste und durch die That, d. h. 
durch den Stil seiner Schriften lieber verspottete, als eine schul- 
gemässe, systematische, ruhig fortschreitende Erörterung. Was 
aber bei diesem eigenste Natur war, was das innerste Wesen sei- 
nes Stils, seiner ganzen Art zu denken und zu sein, das hat in der 
jüngsten Zeit geistesamjie Nachahmung zu einem Zerrbild stilisti- 
scher Darstellung umgewandelt. ]Prappante Beiwörter, unerwar- 
tete Gegensätze, an der Stelle der Beweisführung ein kostbares 
Bild, oder eine geistreich abspringende Wendung, Gedanken- 
Blitze, gesuchte Pointen, poetische Diktion — dies soll bei die- 
sen Nachahmern für Natur gelten , wo Absichtlichkeit, Kunstlich- 
keit und manierirtes Wesen offen zur Schau liegt. Doch wer wird 
Rechenpfennige, seien sie auch noch so glänzend, für baare Münze 

*) Auf S. YII. ist zu lesen : „Ursachen des Verfalls der Beredtsam- 
keit — Ausfall gegen neaürankischeConstitationen — Die Städte-Ordnnng 
wie sie verbessert ist — Die Pädagogik hängt ohne Staatswissenschaft in 
der Luft — Von der Bnchdrnckerkanst aber wider den Zeitgeist — 
die akademischen Disputationen — Wort nnd Geld — Reden nnd Schrei- 
ben Q» s. w.'' Das klingt denn doch wirklich wunderlich nnd ist fSr einen 
wissenschaftlichen An&atz ein kaum erträgliches Bnnterlei von Ge- 
danken. 



278 DeatBche Sprache. 

oder gut fbt reiiMS fiold haltea ! Gewiss selbst dann nicht, wena 
flun neod. Mondt (Kunst der deutschen Prosa S. 141«), wie es 
scheint, in ToUem Ernste yersicherte, dass ^,, Jetzt viele Autoren 
entstunden (!), die bloss Schriftsteller einer geistreichen Diktion 
seien, und die, ohne wirklich eigene Gedanken zu hahen^ ^odi 
mit einem Anstriche des Gedankenvollen echrieben^^^^. Hatte 
der Verf. diese Worte Theodor Mundt's gelesen, er würde sicher^ 
lieh mit den Inhaltsandeutungen die Stirn dieser seiner Tochter 
nicht vemniiert haben. , Der kenntnisreiche Mann wird sich 
schon, um mit diesen dem Anstriche nach gedankenvollen nicht 
auf eine Linie gestellt lu werden, vor. einer ähnlichen Art der 
Darstellung hüten. Er braucht nicht au furchten, dass er das 
Eine vermeidend, in den entgegengesetsten Fehler des charakter- 
losen, aller Individualität entbehrenden Stiles verfallen müsse. Je 
hegremter, eigenthumlicher, conkreter die Sclureibart Jean Pauls 
war , desto unpassender ist die Vorliebe mancher jungen Schrift- 
steller, desto unglucklicdier die Nachahmung schon aus dem 
Grunde, weil alle diese Nachahmer au vergessen oder gar nicht 
an wissen scheinen, wie gründlich sich Jean Paul zur Schrift- 
atellerei vorgebildet hatte, wie umfassende Kenntnisse er selbst 

in den entlegensten Gebieten menschlichen Wissens besass. 

Doch gerade diese Bemerkung, dass die Möglichkeit stilistischer 
Darstellung durch eme gewisse Vorbereitung bedingt werde, führt 
von selbst aitf die Hauptfrage zurück , worin denn eigentlich das 
Wesen und die Natur des Stils bestehe? Wir denken : dieser sei 
zunächst wie die Sprache überhaupt Mittheilung dessen, was in 
unaerm Innern vorgeht MittheQung und Darstellung kann nicht 
sein ohne ein Darzustellendes d. h. ohne einen St<^. Dieser aber 
— woraus sollte er anders bestehen , wenn nldit aus Gedanken 
und Empfindungen t Die Empfindungen haben im Gemüthe ihre 
Quelle; smd dunkel in ihrem Ursprünge, aber bestimmen das 
ganze Sem des Menschen, also auch den Stil nach allen Richtun- 
gen. Die Sttbjektivesten Künste, die Musik und Lyrik finden hier 
Ihre reichste Nahrung, und so gierig haben unsere pingem Dich- 
ter, ja selbst die Prosaiker ^ua dieser Quelle geschöpft, dass sie 
das Wasser derselben trübten und durch dai beigemischten 
Schlamm ungeniessbar maditen. Die Gedanken aber — gleichsam 
der andere Nahrungsstoff stilistischer Darstellung, — gründen sich 
auf positive oder Gedaditniss-Kenntnlsse und auf abgeleitete oder 
abgezogene. Sdion hieraus geht hervor, dass ein Buch, dessen 
Vert kehie Gedanken zu Gebote stdien, niaunennehr gedanken- 
voll adtt könne. Selbst auf poetisdie Erzeognisae, die in d« 
That neben dem Stoffe noch ehien feinen Formsuin voranssetee, 
angewendet ist dieser Grundsatz ftlsch, anf proaaiadie pasat er 
^MT gar nicht Alle unsere grossen Dichter und Prosaiker, welche 
mA den Stil ihrer Sduiften tonangehend anf die gane NatioD 
vnten, die Kkqpstock, Lessuig^ Heidtf , Göthe und Sdiillv« 



Ganther : Ueber den deutschen Unterricht. 279 

> 

verdaukeu diesen ihren EiBÜoss keineswegs ihrer Darsiellnngs- 
weise^ ihrem Formsinne aiieia;. nlmraermefar hatten sie diesen 
ausgeübt ohne die Lauterkeit ihrer Empfindungen, ohne die Kraft 
und Fülle ihres Gemüthes, ohne das reiche Gedanken-Material, 
das sie vor den Augen der erstaunenden Zeitgenossen in ihren 
Werken ausbreiteten. Sie allie sind unter den Einfl&ss^n der 
israelitisch-christlichen Poesie herangewachsen, haben sich gesät- 
tigt an der kraftvollen Kost, welche das römische und griec^sche 
Alterthum darbot, sie alle waren vertraut mit den neuenropiisehen 
Ütteraturen, nahmen zum Theil ein reges Interesse an geschicht- 
lichen und naturwissenschaftlichen Bestrebungen, ja selbst von der 
Einwirkung der Philosophie sind sie nicht unberührt geblieben. 
Welche gewaltige Masse von Gedanken und Kenntnissen floss ih- 
nen nicht zu ans all diesen Gebieten menschlichen Wissens! Wie 
reichlich wurde ihr Gemüth nicht befruchtet! Welche Fülle der 
erhabensten Empfindungen und scbönsten Gefühle mussten wach 
werden und rege unter solchen Beschäftigungen! Darum war, wie 
der Inhalt ihrer Schriften^ so auch ihre Darstelkiiigsweise gedie- 
gen und mustergültig; weil sie hatten und wussten, tmis sie schrei- 
ben sollten , waren sie auch um das Wie nicht verlegen, d. h. um 
den Stil ihrer Schriften. Dagegen erlbnem die Bücher und Büch- 
lein vieler ^^gedankenlos gedankenvoU^^ jfungen Litteralen lebhaft 
an den Flitterstaat, mit dem der Arme erfolglos seine Armuth be- 
hangt, oder an die Kriibe, welche nach dürreicheuFarbenpfracht der 
Pfauen lüstern war, oder endlich -^ um der Bildef nicht zu viele 
zu häufen — an den Esel, der in der Löwealiaiit Hiiere and Men- 
schen erschreckte — natürlich nur furchtsame — . 

Von einem Stile kann also die Rede nicht sein ohne einen 
Stoff; auch Hr. Günther ist dieser Meinung. Da er aber selbst 
„die Lustschreiber^% wie er die von> ufts^ bezeichneten Scribenten 
nennt, nicht leiden, „von Halbwissern und Lustfeserii^ nichts 
wissen mag, und sogar furchtet, dass der dermalige Betrieb des deut- 
schen Unterrichts an jener Lust^chreiberei Sdiutdsei, so ist es 
aufi^llend, dass er in seinen InhaltsafKdeutungen an die Darstel- 
Inngsweise jener so dicht anstreift, liy der Abhandlung selbst drangen 
sich zwar die Gegensätze nicht in di<^er Ausdehnung, aber es ist 
trotz dem nicht zu läugnen, dass diese desultorisehe Manier den 
Verf. verleitete^ manches^ was er gerade attf dem ff ersten kettle^ 
in seinem Buche zu besprechen^ wenn es* auch streng genommen 
zur Sache gar nicht gehörte. Gleichwolil sind wir nicht abge- 
neigt demseiiien, als einem, wie es scheint, noch jungen Manne diess 
nachzusehen, weil diese subjektive Färbung des Stils in den Ab- 
handlungen unserer Amtsgenossen so überaus selten ist, vielmehr 
eine fast übertriebene Hingebung an das Objekt der Darstellung 
vorzuwalten pflegt. Demselben unser: neqnid nimis, zurufend, 
wenden wir uns zum Worte , als dem Mittel^ durch welches der 
vorhandene Stoff dargestellt wird* 



280 Deatsche Sprache.. 

Wer nmi Idirt um das Wort gebianchent Aatwori: ünbe- 
warnt durch Gewohnung die MutteH, bewnsst durch Belehrung 
die Grammatik. Doch wer so spriche oder schriebe, wie es die 
Mutter ihm angewöhnte, oder nach den Lehren der Grammatik, 
besisse dennoch in den meisten FUlien keinen charakteristischen 
Stil. Die Crrammatik stellt namlidi nur die Hauptgesetse. auf, 
nadi welchen alle s|lrechen und schreiben sollen, sie will das Re- 
gelrechte, Correkte,~ und dies ist jeder guten Schreibart eigen. 
Auch die meisten Mutter gewöhnen ihre Kinder an eine und die- 
selbe Sprech- und Darstellungsweise, die etwanigen Abweichun- 
gen sind entweder unerheblich oder äusserst selten. Fugge hat, 
irren wir nicht, zuerst und iwar gans richtig diesen von der Mut- 
ter überkommenen, durch die Grammatik gelehrten, allen gemein- 
aamenStil den charakterlosen genannt; diesem gegenübersteht 
der dkarakterisiiaehe ^ besondere^ indwidueüe^ von welchem 
Buffon redet, wenn er sagt: der Stü ist der Mensch. Denn 
kaum meint er damit den charakterlosen, da aus diesem, den Mei- 
sten gemeinsamen sich eben nichts Anderes abnehmen liesse, als 
dass die mdsten Menschen, ebenso wie ihre Schreibart, nichts 
Individuelles an sich haben. Die lateinische Grammatik pflegt 
nach einer weitläufigen Erörterung des charakterlosen Stiles in d«« 
nem Anhange den subjektiTcn, wenigstens durch kurze Andeutun- 
gen zu beiühren; nur dadurch unterscheidet sich nimiich die 
syntaxis omata von der gemeinen, dass sie nicht das allen Schrif- 
ten und Schriftstellern Gemeinsame, sondern, was einzelnen Stü- 
gattungen oder einzelnen Autoren eigenthnmlich war, zusammen- 
stellt, äie will also, wie die Lehre jon den Tropen und Figuren 
den Weg bahnen zu eigenthümlicher Darstellung, freilich meist 
mit geringem Erfolge. Denn dieser charakteristische Stil Ukist 
sich nicht lehren, er ist das Ergebniss der ganzen Denk- und 6e- 
fühlsweise und nicht bloss an die Klarheit des Gedankens , die 
Fülle der Kenntnisse gebunden, sondern. auch an die Eigenthüm- 
lichkeit der Gemüthswelt und an die dadurch bedingte Kraft oder 
Machtlosigkeit der Phantasie* Derselbe setzt eine gewisse Frei- 
heit des Indiriduums voraus, sich den allgemeinen Gesetzen der 
Sprache-gleichsam zum Trotze selbststandig zu bewegen, einen 
Kampf desselben gegen die Einwirkung der Umgebung, gegen die 
Sprech- und Schreibart der Familie, der Genossen, des Lehrers 
und der gelesenen Schriften. Da Hr. Günther nur diese Art des 
Stiles anerkennt, so behauptet er freilich nicht mit Unrecht, dass 
bei Gymnasiasten von einer solchen Gedankendarstellung nicht die 
Rede sein könne und dass kein Unterricht, auch nicht die deut- 
schen Aufsatze einen solchen hervorbringen. In der That fehlen 
nämlich unsern Schülern zu einer solchen Schreibweise nur zwei 
Kleinigkeiten, nämlich der Sto£F und das Mittel diesen so bewiltl- 
gen , das heisst mit andern Worten — Alles. 

Doch wir glauben, dass eboi hierin ein Hanptirrthum des 



,j 



Gonthert Ueber den deatscben Unterricht. Ml 

Verf. liege, und sind demhalb &ber die Sache so weitlioftig. Wie 
nfimlich in der ritUicIien Weltordnung die Freiheit des Individaam 
durch die Noibwendigkeit, dureh aiigser ihmiieg^ende Einfimse 
gehemmt oder gefordert wird, und nur die kraftigen Gemuther 
in diesem Kampfe gegen die eindringende Auaaenwelt sich ihre Bi- 
genthümiichkeit in bewahren im Stande sind, gans so ist es im 
Reiche der Intelligenz. ' Die grosse Mehrzahl niclit bloss unter 
der Masse, sondern auch unter den Studirenden bringt es me zn 
einem selbststandigen Stile; die Freiheit ihr Inneres individuell 
darzustellen stumpft sich ab an den eben erwähnten Einflüssen und 
geht so friUizeitig Terloren. Daher erscheint es geradezu unbil- 
lig, wenn wir von unsern Schülern, ja selbst von der grossen 
Mehrzahl der studirten Beamten eine solche charakteristische Dar- 
steliungsweise verlangen wollten; denn es ist klar, dass es .die 
Meisten auch spater trotz der nachfolgenden Belehrung und Lek- 
türe nie zu einer subjditiven Darstellung ihrer Gedanken bringen« 
Sollte nun die Schule solche Gymnasiasten , also gerade die 
rathloeesten, welche obeilein die Mehrzahl bilden, ohne Winke 
und Hindeutungen, ohne gründliche Belehrung, ohne eigene 
Uebnng in das bunte Treiben und Drängen der Literatur entlassen f 
Gewiss nicht. Ohne vorangegangene Debung würden diese gerade 
jedem schlechtesten Scribenten am leichtesten in die Hinde fal- 
len, da ihre geistige Unfreiheit sie so wenig befilhigt, falsche, 
schiefe, . verkehrte Schreibweisen zurückzustossen. umgekehrt, 
ist etwa die Belehrung über den Stil unnütz und die praktische 
Einübung überflüssig wegen einiger wenigen fähigen Köpfe , die 
sich audi ohne alle Anleitung der Schule ihre Schreibart selbst-> 
standig ausbilden % Man sollte doch endlich aufhören^ den Nutzen 
des Uilterrichts im Deutschen in Zweifel zu ziehen, weil die filte- 
ren Dichter und Schriftsteller der Nation einen solchen nicht ge- 
nossen haben. Erst wenn jemand nachwiese, dass denselben der 
Unterricht geradezu schfidlich geworden wäre, was nicht denkbar 
ist, dass ferner die grosse Mehrzahl der damaligen Gelehrten 
eben so gut deutsch sprach und schrieb, wie heut zn Tage die 
Meisten in der Schule, der Kirche, an den Stätten der Gerichte 
und der Verwaltung, ja sogar auf dem grossen Markte der latera- 
tur — erst dann könnte man eine.soldhe Ansicht in sich aufkom- 
men lassen. Sollen wir denn nur die SdblUer und Göthe unter 
unsern Schülern ins Auge fassen % Und wo ist die Schule, die sich 
rühmen könnte auch nur zwei solcher Schüler gebildet zu haben? 
Für solche Individuen ist nicht die Schule da , sondern die Welt, 
wie sie sieh denn mit der Schule später auch nicht gern befassen, 
sondern sich zu Lehrern der geistig Mündigen, des jg^nzen Volkes, 
nicht der Jugend heranbilden. Jünglingen von so kräftiger Intel- 
ligenz bietet dieächule oft nicht das, ti^iis sie wünschen , selte- 
ner noch, wie sie es wünschen. Ein solcher Schüler überflügelt 
zpiter durch seine SprachdarsteUung Schule und Lehrer mit leich- 



282 Deutsche Sprache. 

ter Mühe , obgleich er ,^öpei lieber genoss ab Lo^^'. Doeb 
soOlen wir daram der Mehrzahl unserer GymoasiaateD Kropei lie- 
ber m kosten g^ben als Logik, oder — um das Wort Itdlen zu 
fassen — such bei denen eine freie, selbsiständige, Ton der Schule 
ans nicht zu leitende Entwiekelung Toraussetien, die nie zu einer 
solchen Freiheit gelangen werden? 

Wenn oben im Einrerständnisse mit dem Verf. behauptet 
wurde, dass jene Lustschreiber ror dem ganzen deutschen Volke 
kein Recht zur Darstellung hätten , weil sie eben nichts wissen, 
ffihlen und sind, was sich Tor diesem obersten Richter der Dar- 
stellung Terlefante, und weil sie, selbst ohne eigene Empfindungen 
und Gedanken, ohne eigenthumliche Schreibart von den andern 
Schriftstellern die Gedanken , Empfindungen und den Stil entleh- 
nen, bis zum erkünstelten Weltschmerz rerzerren und zur Karikatur 
verunzieren — so räumen wir dasselbe keinesweges für die engeren 
Verhaltnisse des Lebens, für die beschrankteren Bemfskreise ein. 
Hier ist es ja oft unsere Pflicht, nicht bloss unser Recht, unsere Ge- 
danken miindlich oder schriftlich darzustellen, so gut oder so schlecht 
wir es Termögen. Darum glauben wir, auch der Gymnasiast habe in- 
nerhalb seiner Sphäre schon ein Recht auf Diirstellung seines innem 
Lebens durch das Wort, obgleich seine Kenntnisse, sowohl posi- 
tive als abgezogene , noch sehr beschränkt sind und seine Art zu 
empfinden , für jetzt noch schwankend , sich erst später zu einer 
fest begrenzten Eigenthiimlichkeit ausprägen soll. Wir wieder- 
holen es noch einmal: Weil die Meisten unter den Stndirenden 
es nie zu einem selbststandigen Stile im Sinne des Verf. bringen, 
und ohne Belehrung Seitens der Schule die grosste Gefahr vor- 
handen ist, dass gerade diese Schüler einst bei ihrer Rathlosigkcit 
in allerlei falsche Manieren der Darstellung verfallen und mit dem 
wenigen Material , was sie sich in der Studienzeit oder später an- 
sammeln , gar sieht hauszuhalten verstünden , so wäre es unver- 
antwortlich, diese grosse Mehrzahl unbelehrt und ungeübt von 
der Schule auf die Universität zu entlassen , wo bei der jetzigen 
Einrichtung eine Machholung des Versäumten nicht möglich ist, 
da ja auf derselben solcherlei Uebungen fast gar nicht angestellt 
werden. Zugegeben, was in dem Buche aufgestellt wird, dass 
unsere Schüler wirklich mit viel grösserem Widerwillen an einen 
deutschen Aufsatz gehen, als an jede andere Arbeit, wird dieser 
Widerwille auf der Universität urplötzlich verschwinden ? bt es 
nicht allein die Uebung und die dadurch allmälig erlangte Fertig- 
keit, die jenen allmälig zerstreuen hilft? Würde er nicht später 
im praktischen Leben bei jeder zu haltenden Predigt, bei jeder Re- 
lation , bei jeder Rede wiederum zurückkehren 1 Was soll hier 
helfen, wenn nicht Uebung und Gewöhnung schon auf der Schule, 
selbst wenn sie erzwungen werden müsste? Das ist also ein 
Hanptirrthum des Verf. , dass er nur an die Dombauer denkt, für 
welche es in der That kehie Kunstschulen giebt , nicht zugleich 



Günther: Ueber den dentschen Unterricht. 283 

auch an die WerkmdBter, GeaeUen, Lebriinge und Handlanger. 
Und doch, wa« vermöchte der genialste Meister ohne die be- 
schränktere, sich bescheidende Beihulfe der Uebrigen 7 Tliierschi 
den Hr. Günther so oft für seine Ansicht über Sprachdarstellung 
als Gewähraiyiann anfuhrt, schreibt in der That, auch ohne Un- 
terricht im Dentschen gehabt zu haben, einen blähenden, kräfti- 
gen, männlichen Stil. Aber wie Viele sind mit joder ohne Unter- 
richt an dasselbe Ziel gelangt? Seine theoretischen Ansichten, 
vom dentschen Stile sind dagegen schwächlich und halten niebl 
die Probe. ,,Ich kenne — sagt Thiersch — für keine Gattung 
einen rein ausgebildeten , in sich abgeschlossenen deutschen Stil. 
Wir stehen in dieser Hinsicht nicht nur hinter den Alien ^ son-» 
dem auch den Neuen ^ besonders den Franzosen weit zurück/^ 
Hr. Günther verfehlt nicht aus diesen Worten für seine Ansicht 
Vortheü zu ziehen, dass nämlich die Vorübung in der Schule un- 
nütz sei. Doch zunächst — gleicheh sich denn Herodot, Thucy- 
dides und Xenophon^ Aeschjlus, Sophokles und Euripides; Cä- 
sar, Sali^st, Livius und Tacitus — gleicht sich die Schreibart die- 
ser Männer denn wirklich wie ein Ei dem andern? Dann aber — 
das soll ein Nachtheil sein , darauf ein Vorwurf gegründet wer- 
den , dass in dem üppig grünenden Walde der deutschen Sprache 
und Literatur neben der gewaltigen Eiche auch die schlanke Tanne 
dem Lichte entgegen strebt, dass das schöne Grün der vielen klei- 
neren Bäume unser Auge ergötzt und sich iiber uns wölbt zum 
herrlichsten Laubdach? Doch wir fühlen, dass es bedenklich 
wäre mit einem so grossen Geldirten zu rechten; darum nennen 
wir ihm, um uns zu decken, einen Ebenbürtigen , ja einen Höhe- 
ren, — wir meinen Lessing. Dieser hält, was Thiersch so tadelt, 
für das grösste Lob , und was er an der französischen Sprache 
lobt, geradezu für geistige Beschränktheit und Mangel an dreier 
Bewegung. Gervinus hat bei seiner feinen, das historisch Wich- 
tige herausfühlenden Spürkraft nicht ermangelt, die hieher be- 
züglichen Worte Lessings, wir wissen nicht gleich wo, anzuführen. 
Desswegen also wollen wir uns selbst erfreuen an dieser Mannig- 
faltigkeit, und auch unsern Schülern diese als einen grossen Vor- 
zog der Literatur rühmen. 

Hierzu gesellt sich ein zweiter Irrthum des Verf., nämlich 
der, dass man die Ent Wickelung der Schüler durch Eingriffe gar 
nicht stören dürfe; ungeschickt, roh und gewaltsam soll diess in 
der That nicht geschehen, das ist ganz unsere Meinung; aber 
überhaupt nicht? ! Ueberail verfallt ja der Mensch der Freiheit und 
Nothwendigkeit zumal, so auch sein Stil. Tritt nun dem Schüler 
in seinem Lehrer eine tüchtige Persönlichkeit, die sich auch auf 
den Standpunkt des ersteren herunterzustellen versteht, entgegen, 
so ist für die grosse Masse der verständige Eingriff des Lehrers in 
ihre Schreibweise ein wahrer Segen. Junge Lehrer, die ihren ei- 
genen Standpunkt nicht verlassen können und ihre ganze Weisheit 



284 Deatsche Sprache. 

sogleich an den Mann liringen mochten, passen nielit fnr die Lei« 
tung diese« Unterrichts-Zwelges. Krallig Jonglinge werden sich 
•ebon wehren gegen einielne, etwa zn weit gehende Eingriffe ei- 
nes sonst besonnenen Lehrers ; die grosse Masse aber wird und 
aniss dem Lehr^ und der Lektnre anheimfallen. Was sollte es 
denn auch schaden, wenn der Sdiiler in seinen Anfntzen Gedan- 
ken nnd Empfindungen des Lehrers oder der gelesenen Schriften 
wiederum ausspräche? Hr. Günther hat freilich gerade dagegen 
Vieles, sehr Vieles einsuwenden. Aber haben wir Ldirer selbst denn 
Alles nur durch und von uns selber? Der Unterschied in dieser 
Hinsicht iwischen u|is und nnsem Sch&lem ist der, dass wir uns 
das Fremde meist so xu unserm Eigenthume gemacht haben, dass 
wir gar nicht mehr wissen, ob das. Einzelne uns oder Anderen ge- 
höre. Das Fremde und das Eigene hat sich bei uns , wie Sals 
und Wasser, In einander völlig aufgelöst; bei dem Schüler ist 
Bddes noch wie Gel und Wasser, gesondert; mag also auch in ih- 
ren deutschen Aufsitzen Beides noch unaufgelöst neben einander 
liegen; die Zersetzung und Verschmelzung wird schon spater, 
wenn neue geistige Elemente hinzutreten^ mit Nothwendigkeit 
erfolgen. Oder meint der Verf., dass wir selbst andere Wege ge- 
wandelt seien? Freilich liegt die Gefahr nahe, diese zwischen 
Freiheit und Nothwendigkeit schwebende Entwickelang des Stiles 
zu stören, wenn der Lehrer anstatt dem Schuler -das, was er be- 
sitzt , zu entlocken und dazu mit M sass das Eigene hinzuzafiigen, 
demselben das ganze System seiner Philosophie, oder seine Con- . 
stniktionen der Geschichte, oder wer weiss was sonst aufbürden 
wollte. In dieser Hinsicht sind die Winke über die Wahl der 
Themata (S. 79.) höchst beachtenswerth; sie fordern seine Amts- 
genossen mit Recht zur grössten Behutsamkeit auf. Die in der 
Note ans Th. Heinsius Sammlung ausgewählten Tiiemata können 
tfmmtlich als wahre Muster dienen, wie wir sie nicht wählen 
sollen; die Abhandlongen wurden nichts Eigenes, sondern nur 
Fremdes, nichts, als leeres, ekles, allkluges Geschwätz über 
Dinge enthalten, über welche Schülern gar kein Urtheil 
zusteht. Zweierlei ist es nun, was wir dem Verf. in der fraglichen 
Sache einräumen: 1) dass seine eben besprochenen Winke der 
Themata zeitgemass seien, 2) dass die freien deutschen Aufsatze 
nicht zu zeitig von nnsern Schülern verlangt werden sollen , uns 
scheint es nicht vor dem Eintritte derselben in die Seounda, weil 
bis dahin die Befruchtung des Gedächtnisses mit positiven Kennt- 
nissen die Hauptrucksicht ist und „die Störkung der produktiven 
Thitigkeit die receptive ThStigkeit zurückdrängt'^ Seine Vor- 
schlage für die untern Kkssen bis Tertia (S. 104 bis 108.) sind 
gar nicht übel ; nach diesen sollen sich ^e «diriftlichen Uebun- 
gen in der Muttersprache an ;den lateinischen und später auch 
griechischen Unterricht anlehnen, und zwar entweder wirkliche 
Uebersetzungen oder Nachbildungen mancherlei Art sein, lieber 



Gfinther: Ueber den deutschen Unterricht. 285 

die Lehre tod den Tropen und Figaren und ihre Anwendung für 
die Tertia sind wir nicht ganz seiner Meinung; denn oline voran- 
gegangene Lektüre in den alten und der Muttersprache und ohne 
eine lebendige Phantasie des Schülers wird der Lehrer mit seiner 
Erörterung der vielen wunderlichen Namen auf den Stil des 
Schülers wenig oder gar nicht einwirken; diese Tropen und Figu- 
ren gehören eher, da der Verf. auch auf das Lateinisdie so viel 
Rücksicht nimmt, was wir gar nicht missbilUgen, in das zweite 
Jahr der Secunda. 

Dagegen liegt der Nntaen und die Nothwendigkeit der frag- 
liehen Uebungen für die beiden obersten Klassen klar zu Tage; 
wir hoffen im Verlaufe unserer Entgegnung diese unsere Ansicht 
zu begründen. Hr. Günther freilich hat diesen Mutzen nicht bloss 
nicht anerkannt, sondern in einem wunderlichen Vorurtheile gegen 
dieselben befangen aus ihnen die übelsten , tief in die Literatur 
und das Leben eingreifenden Folgen hergeleitet, die in ganz an- 
dern Dingen ihren Grund haben. Man begreift kaum, wie er zu. 
solchen Folgerungen kommen konnte. 

Doch um dies näher zu erweisen , gehen wir lieber auf Ein-> 
' zelnheiten ein. Die Forderungen des Frufungs-Reglements § 28. 
A. 1. schickt der Verf. seiner Erörterung (S. 33.) voran, ohne 
sich geradezu darüber auszusprechen, ob sie ihm zu hoch gestellt * 
erscheinen. Der Unterzeichnete findet sie nicht zu niedrig , da 
man im Allgemeinen an jede Abhandlung selbst des Lehrers keine 
andern stellen würde. Jedoch ist der Standpunkt des Schülers 
nicht unberücksichtigt, denn es ist, was man doch von unsern Ab- 
handlungen verlangen würde, weder von einer Erschöpfung der 
Themata, noch von einer Bekanntschaft mit dem früher Geleisteten, 
noch von einer eigenthümlichen, neuen, zeither unbekannten Auf- 
fassung des Gegenstandes die Rede. Ref. las übrigens stets zwi- 
schen den Zeilen der Paragraphen die Worte, welche er sich als 
Deberschrift jeder Schule denkt: omnia, sicut adolescentium, non 
tam re et maturitate, quam spe et exspectatione laudantur. Nach 
diesen Worten richtete er sein Urtheil ein , und Hr. Günther thut 
Unrecht, weil die Wirkliche Reife stilistischer Darstellung in 
der Muttersprache auf der Schule nicht zu erreichen ist, die ganze 
Sache als unnützen Bailast über Bord zu werfen. Seine Forderung 
gleich des Höchsten , Vortrefflichsten widerspricht dem Begriffe 
der Schule überhaupt; diese erklärt sich mit einem beschränkteren 
Maass der Leistungen zufrieden und baut darauf erst für die Zu- 
kunft ihre Erwartung ;' Hr. Günther, das Wesen der Schule als 
solchen verkennend , ist in Rücksicht auf diese Aufsatze der Mei- 
nung: entweder-ganise, fo//e Leistungen, oder gor keine. Aber 
in welchem Unterrichts-Zweige leistet denn die Schule das Ganze? 
Und wer ist so wunderliish, bloss desswegen die Nothwendigkeil 
des Unterrichts überhaupt in Zweifel zu ziehen! 

Dem Staate nun kann man es aber nicht verdenken , wenn er 



286 Dentflehe Sprache. 

▼on deacn, welche einst det Yolkei geistige VarmmAer sein sol- 
len, eine Leistong Terlsngt, sns der ihre Befsliigung .m diesem 
wnidigen Berufe hervorgehe. Der Verf. i^ann ans unmöglich des 
Materialismus bezuehtigen, wenn wir behaupten, dass alle Vor- 
bildiug unserer Schüler und der Studenten darauf hinstrebe, diese 
zu beffliigen, einst auf ihr eigenes Volk mündlich oder schriftlich 
einzuwirken. Dennoch sind alle übrigen Kenntnisse und Wissen- 
schaften, so unentbehrlich sie and^ sein mögen, gleichwohl nur 
als Mittel zu diesem Zwecke zu betrachten. Da nun der Staat, 
diesen Zweck nicht aus den Augen verlierend, eine gewisse Bürg« 
schalt für die geistige produktive Kraft der Abiturienten verlangt, 
was hatte demselben die Schule Sweckmassigeres darbieten kön- 
nen, ab eben die deutschen Aufsatsii& V. Etwa die mündliche, oder 
schriftliche Uebersotzung ans deutakon Klassikern 1 Doch diese 
brachte durch eisernen Fleiss audi Aer improduktive Kopf zu 
Stande, der sich später im Amte weder zu rathen , noch zu helfen 
wiisste. Oder die schriftlichen lateinischen Arbeiten ? Von vie- 
len Seiten her sind diese Debungen bereits angegriffen worden ; 
erst neuerdings hat sich in der neunten Versammlung der Direkt, 
d. Prov. Westphalen eine Stimme gegen sie erklart, weü sie 
„fruchtlos, ja sogar nachtheilig^^ wären. Der Unterzeichnete 
legt dagegen einen hohen Werth auf diese lateinischen Exercitien u. 
freien Aufsätze ; denn sie arbeiten der Darstellung in der Mutter- 
sprache dadurch am gründlichsten vor, dass sie den Schüler 
zwingen bei dem einzelnen Gedanken, bei dem einzelnen Worte, 
ja bei der einzelnen Wortform sinnend stehen zu bleiben ; das ist 
für gründliches Denken und Darstellea unerlässlich; alleinige 
Uebungen in der Muttersprache , oder in den (der ganzen Welt- 
^anschauung nah verwandten) neueuropaischen Sprachen können 
dies nie au Wege bringen. Doch die lateinischen AufsStze sind 
im Wesentlichen nur Reproduktionen; je glücklicher das Gedächt- 
niss, desto besser werden sie gerathen; sie gewahren namentlich 
dem charakteristischen Stile, auf den Hr. Günther so hohen 
Werth to legen scheint, fast gar keinen Spielraum und nur eine 
sehr unvollkommene Vorübung. Wenn nun das preusslsche Regle- 
ment zur Beurtheflung der geistigen Froduktions-Kraft die deut- 
schen Aufsätze vorzugsweise zu wählen scheint^ so hat es dadurch 
gewiss weder dem deutschen Unterricht, noch dem Lehrer ein 
Vorrecht vor den übrigen einräumen wollen. Vielmehr ist der 
Lehrer des Deutschen von der Mitwirkung seiner Amtsgenossen 
abhängiger, als jeder andere; was die Lehrer der alten Sprachen, 
der Mathematik und Geschichte leisten, das können diese für sich 
in Anspruch nehmen; an dem deutschen Aufsatze des Abiturien- 
ten haben eigentlich alle pro portione virili ihren Antheil, da alle 
vom ersten Lehrer in Sexta an dazu ihr Scherflein beigetragen 
haben. Wir glaubten dies erwähnen zu müssen, theils um offen 
darzulegen, wie wir uns das Reglement in Bezug auf die Geltung 



Günther : Ueber den deutschen Unterricht. 287 

«• 

r 

Aßt deutschen Aiiftiteeanslegeii, theils am jeden Rangstreit — 
der Hr. Verf. d^eotet an einer Stelle auf einen solchen bin -7- vmr 
sehen den Lehrobjelttett und den Lehrern, wenn es anginge^ im 
Keime zu erslticlcen. Denn fUrwalur nichts wäre für den Lehrer 
des Deutschen leichter und müheloser , als auf den Lorbeeren 
auszuruhen , die ihm alle übrigen haben erringen helfen. — An- 
statt nun diese Uebungen, wie Hr. Giinthar thut, Tom Gymnasium 
zu verdrängen, sollten wir dieselben vielmehr als sicherste 
Schntzwaffe des Gymnasiums gegen die Forderungen des mtiteria- 
listischen Zeitgeistes kehren. Gestuzt nicht bloss auf die Mathe- 
matiic, sondern vornehmlich auf die alten Sprachen und die Ge- 
schichte lEÖnnen wir es ruhig und getrost abwarten, ob die Zöglinge 
der Realschulen eben so tüchtige deutsche Aufsätze liefern wer- 
den, als unsere Primaner und Abiturienten. 

Soll aber ein irgend genügendes Resultat erreicht werden, 
so messen dieselben schon in Sekunda beginnen und wir sind der 
festen, durch 12jährfge Erfahrung begründeten Meinung, dass der 
Sekundaner einer Schilderung, einer Erzählung und einer didakti- 
schen Abhandlung iiber ein leichtes Thema sehr wohl gewachsen 
sei. Mit Ausnahme der metrischen Uebungen , die nach unserer 
Erfahrung die Schüler im Ganzen nur wenig förderten, billigen 
wir abwechselnd Uebersetzongen, wie sie S. 107 — 110. vorge- 
schlagen werden. Nur mag sich der Verf. wohl vorsehen , dass 
die Schüler bei diesen Uebersetzungen nicht mit fremdem Kalbe 
pflügen; er erwähnt die sehr nahe liegende Gefahr nicht einmal, 
während er sie da, wo elr von' dem Schaden der freien Arbeiten 
in dieser Beziehung spricht , nicht genug hervorheben zu^können 
meint und in das Grellste ausmalt. 

Man traut kaum seinen Augen, wenn man liest, was Hr« 
Günther (von S. 43. ab bis 60. und von da weiter) aus diesen Uebnn-» 
gen fiir Unheil entstehen lässt. Es wird nur dadurch erklärlich, 
dass er hier, einem Innern Drange folgend, Manches, was er ger 
rade auf dem Herzen hatte, loswerden und manche Uebelstände 
des dermaligen Zustandes. der Literatur und des Lebens hat geis- 
sein wollen, die er irrig aus dieser Quelle, den deutschen Auf- 
sätzen herleitet, Oder hat denselben Deinhardts Ansicht von die- 
sen Uebungen und ihrem Werthe, welche er (S. 31.) seinen Jere- 
miaden voranstellt, zum Widerspruche gereizt? Oder ist es die 
Gefahr/ die von so vielen Seiten den Betrieb der classischen Stu- 
dien bedroht? . Sieht er nun etwa auch in den deutschen Aufsätzen 
einen Gegner derselben? Doch dann ist seine Furcht ungegrün- 
det. So lange nämlich Niemand — wie Göthe behauptet — seine 
Muttersprache im höheren Sinne des Wortes erlernt ohne den 
Betrieb einer fremden ; so lange die Geschichte unwiderlegbar dar* 
thut, dass die ganze Kultur Deutschlands von dem Wiederaufleben 
der Wissenschaften bis zu Klopstock im Alterthume wurzele, dass 
unter den deutschen Dichtern und Prosaikern der letzten Periode 



ggg Deutsche Sprache« 

gende die herromgeodgteii rieb an den Alten geschult, den selbst 
zur Zeit noch die grossten Gelehrten unter deaNaturforschem und 
Hatheniatikern klasrisch gebildete Männer sind — so lange ist trotz 
des Geschreis Ton allen Seiten für den Betrieb der alten Sprachen 
nichts SU furchten. Nach dem, was eben über die Nothwendigkeit 
des anzasammelnden Stoffes für die stilistische Darstellung ge- 
sagt worden, musste der Lehrer des Deutschen seinen Vortheil 
ganz und gar verkennen, wollte er sich zu den übrigen Lehr- 
objekten in eine feindselige, oder Tornebm sich überhebende 
Stellung setzen* Er wird seinen Schülern zurufen: Komiat, ich 
wHI euch helfen eure kleinen Hauser aufbauen, will euch zeigen, 
wo das Material zu finden , wie es herbeizuschaffen und zu bear- 
beiten ; ich will euch lehren, wie der Plan für das Haus anzufer- 
tigen und der Grund zu legen ist. Liebevoll wird er sich selbst zu 
den Arbeiten des Lehrlings und Handlangers herablassen, die 
Steine verbinden und das Gezimmer in einander fügen helfen. 
Was einzelne Haupttheile 4es Hauses betrifft, die Ordnung des 
Ganzen und den äusseren zierlichen Anstrich — wenn der Lehrer 
dazu von seinem eigenen Besitzthume ein Massiges besonnen hinzu- 
thäte, was konnte daraus für ein Schaden erwachsen ? Dome und 
Palaste werden aus diesen Bestrebungen freilich nicht erstehen, 
schon desswegen nicht, weil wir Lehrer selbst diese zu erbauen 
nicht vermochten; aber doch kleinere, oder grössere Hiuser, oder 
im schlimmsten Falle eine , immerhin noch bewohnbare Hütte. 
Dem Eitlen aber, dem Eingebildeten, der bei unzureichendem, 
oder gaiiz mangelndem Material sich stets in kühnen Baurissen ge- 
fiele, das ihm ganz Unerreichbare gerade mit Vorliebe erstrebte 
und dann am Ende doch den Dachstuhl unmittelbar auf den Grund 
des Hauses setzen musste — dem wird er schonungslos sein eleu* 
des Machwerk zertrümmern, damit er sich nicht erkühne einst 
auf den grossen Markt der Literatur hinzutreten, schamlos seine 
ertriiun^te Meisterschaft selbst ausrufe und so geschickte, kunst- 
verständige Baumeister um ihre Arbeit und den ihnen gebühren- 
den Lohn bringe. 

Wie könnten sich nun bei einer solchen Leitung und Ueber- ^ 
wachuttg des Unterrichts die schlimmen Einwirkungen daraus er-< 
zeugen, die der Verf. aus diesen herleitet; doch ehe wir davon 
reden, noch ein Wort über die hohe Bedeutung, welche Hr. 
Deinhardt diesen Ausarbeitungen beilegt. „„Der deutsche Auf* 
sata — sagt derselbe (S. 31. bei Hrn. Günther) — ist die freie Dar* 
Stellung der Gesammtbildung des Schülers^^^^ — „„doch diese 
freien Darstellungen (n£mlich die übrigen ausser den deutschen) 
beziehen sich aufdie einzelnen Unterrichtsmittel, aber die freie Ar- 
beit des deutschen Aufsatzes ist eine Darstellung der allgemeinen 
Bildung des Schülers, in der sich alle Fäden seiner besondern Bil- 
dung kottcentriren.^^'^ Wir stimmen mit Hm. Günther überein, 
dass dies r- um so zu sagen — sehr kostbare Worte seien für 



. Gontlier» Uebtr d«i d^ntsclwa Unterricht. S80 

eiiM bei irriteni nicht pö kosttare Stach«. Um „die OesanMiil- 
jhag*^ eiMM Schalere ndit es nimlich «n Ende dnrftig geaa§ 
rae, Ja Toa euem Durchbrach der OesaniBibfldaD; in den eityll- 
•tiMiien LeifltiBgen kann^ wie oben bemerkt, erst viel später die 
Rede sein; bei den mditen etadirten Beamten kommt es nie in 
daem solchen« In gleicher Weise wfrd nur sejlten ein stattlidier 
Kainel znm Vorschein kommen , wenn sich andi ,,aUe Fiden der 
besonderem Bildmig eines Schnlers^** in einem soldien losammeii« 
wickelten. Doch Hr, Deinhardt woUte dies smverlassig com gnmo 
salis ▼erstanden wissen; er legte nicht an diese, selbst im giftck« 
liebsten Falie immeriiln beschrinkten Leistuiwen der Stchule den 
Maassstab an, mit welchem wir die grossen Stylisten sn messen 
fliegen; sondern er meiqt wohl nnr^ da$s der Lehr^ hei einiger 
WiUerungssübe die Hojfnang und Erwartung einer künftigen 
fßirkUehen Ee^e der Schreibart au$ diesen Aufe&iten sieh ah» 
strahiren könne* Und darin hat et veUkemmeh JReeht, Doch 
setsen wir bestimmte lUle: Ein Abiturient inacht ausser, den 
Uirigen recht widd genllgenden Leistungen auch einen guten 
dentschen Fribfangs- Aufbatz — wird ihm Hr. Günther desswegen 
seine Stiaame Torsagen^ Gewiss nicht. Denn das erschiene als 
Grüle und blosse Sudit in widersprechen. Zweitemi, ein anderer 
Scbiler ist in allem Uebrigen woU bestellt , die deutsche Ab-v 
handlung zeigt aber von einenp geringen Urthelle bei ungewandter 
und plaah>ser Darstdlung, was dann thunY Der Verf. — haben 
wir ihn redit Terstanden — wQrde dem Examinandos deswegen 
dsc Zeugniss der 'Eeife nicht vorenthalten; wir stimmen ihm 
hierin bei; denn eine hoffnungsreiche Erwartung Ist hier durch 
die anderwaitigefi Leistungen begründet und verbürgt. Ja einem 
solchen Sehifter ist für die Zukunft die stylistfsche Gewandtheit 
in der Handhabung seiner Muttersprache mit Bestimmtheit noch 
nicht abzusprechen. Wenn aber der Verl S. 32. sagt: ,,es liesse 
sich der Beweis fiUiren, dass diejenigen Schüler, welche bei 
sonst guten Kenntnissen In den deutschen Auftitzen schwach und 
unbeholfen sind, das mente Talent besitzen und gewöhnUch auch 
die gr&ndllcbste Gesammtbildung/ aber als noch nicht zum Be* 
wus^tsdn oder zum Durchbruch gekommenes ^o muss er den Be- 
weis erst fähren , ehe wir ihm Glauben schenken. Drittens, bei 
sonst sehr massigen, kaum genugendeq Leistungen befriedigt der 
deutsche Aufsalz; das Thema ist im Wesentlichen richtig aufge- 
fasst , das wenige vsprrithfge Material richtig geordnet und enge* 
messen 'dargestellt. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde Hr. 
Günther in diesem Falle das Zeugniss verweigern; whr dagegen 
fär die Srtheilnng der Reife zur Hochschule sthnmen. Denn 
auch hier ist eine gewisse Hoflhung und Erwartung, wenn auch 
nicht fest begründet, so doch Torhanden , dass namliiA der Schü- 
ler mit seinem kleinen Wissen in einem kleinen Krekie einst Klei- 
nes leisten werde; au einem Stylisten im höheren Smne des 

Pf. Mtrb. f. Phü. «. Päd. od. KrÜ. Bihl. Bd^ XXXYl. Uß. 3. 19 



290 Deatsche Sprache. 

Wortes, einem einflussreicheB Schriftsteller vor der ganien dent- 
sehen Nation, wird er sich freilich nie masbilden; denn dazu ge- 
hört ein reiches Material, das der schon als Schüler Gedächtniss- 
^heue schwerlich je zusammenbringen wird. Aber der Staat 
braucht untergeordnete Köpfe, die wenigstens einen Anüug wis- 
senschaftlicher Bildung haben, in den beschrankteren Berufe- 
arten y und weil er sie braucht, so sind sie nöthig; denn gerade 
4urch sie mündet zumeist die Weisheit der grossen Schriftsteller 
in das Volk. — Es wurde uns nun freuen, wenn der Verf. und 
Tielleicht auch andere unserer Amtsgenossen in dieser Abwägung 
des plus und minus, auf beiden Seiten keine Vorliebe , sondern 
eine gerechte Würdigung der einzelnen Gegenstände erbückten. — 
Schon oben haben wir zugegeben, dass der Nutzen freier 
deutfethef Aufsätze vor Secunda in der That fraglich, wenn nicht 
geradezu schädlich sei. Der Nachtheil und die überaus schlim- 
men Folgen sind von dem Verf. über alle Gebühr übertrieben und 
an den beiden wesentlichen , die er erwähnt , sind die deutschen 
Aufsätze nicht schuld. Er sagt S. 44. ausdrücklich : man erzieht 
„durch dieselben zur Unwahrheit der Empfindung, zur Lüge^% 
und später von S. 65. ab thut er ihren Übeln Einfluss auf das Ue- 
berhandnehmen einer übertriebenen Reflexion dar. Wir bespre- 
chen den letzten Vorwurf zuerst. S. 66. findet sich die Behaup- 
tung: „bei dem katechetischen Religionsunterrichte gehe man 
Ton der Meinung aus, alle Wahrheiten seien schon in der Seele 
des Knaben vorhanden, man müsse sie nur entwickeln« Es sei 
aber nicht zu yerkennen , dass fast jede Katechese Nichts aus den 
Kindern herausbringe, sondern durch aOerlei Krümmungfjn und 
Wendungen das, was der Lehrer als fertige- Sätze sich zum 
Thema seiner Aufgabe vorgesetzt hat , in sie hineinbringe , dass 
sie also doch eigentlich fremde Gedanken bekommen und in sich 
mufnehmen.^^ S. 67. wendet der Verf. diese Methode auf die 
deutschen Aufsatze an, oder vielmehr, er setzt sie dabei voraus, 
und zwar mit Recht, denn die Sache ist, was den Stoff, den 
Inhalt der Arbeiten betrifft, ganz dieselbe. Aber welchem Geist- 
lichen, oder welchem Lehrer des Deutschen fällt es wohl ein, 
alle Wahrheiten, als in der Seele des Knaben schon liegend; 
anzunehmen ? Einige Grundwahrheiten, und bei Jiinglingen auch 
mancherlei Kenntoisse darf aber der Lehrer in Wahrheit voraus- 
setzen. Da es nun zweckdienlich ist, an das schon Vorhandene 
anzuknüpfen, wer wäre so geistes- und gemüthsarm, dass er von 
seinem Wissen und seinen Gefühlen dem Schüler Nichts mitzu- 
theilen vermöchte? Sollte der Lehrer durch das, was er weiss und 
ist, auf den Schüler gar nicht einwirken — wozu dann überhaupt 
noch Schulen? An der Eigenthümlichkeit der Schule und des 
Lehrers bricht sich in der That die Individualitat des Zöglings ; 
die Schule ist für denselben eine Schranke ; auch die Sitte , der 
Staat, die Kirdie sind für den Einzelnen Schranken — aber zu 



GSather: Ueb«r den dentechen Untenicht. 



291 



geinem Segen. Dies ist, wie schon gesagt, ein HauptirrAoni 
des Verf., er hat das Verhältniss zwischen der Freiheit und 
NothwendigiLeit, in weicties unsere geistige Entwickelung ge- 
zwängt ist, jiicht gehörig abgewogen, jener allein das Wort gere- 
det und den der Nothwendigkeit gebührenden Einfluss abgelehnt 
iind zurückgewiesen. Mag doch der Jüngling — von Knaben 
reden wir hier nicht — manches vom Lehrer Hinzugefügte einst- 
weilen mit dem Gedächtnisse, d. h. passiv aufnehmen, es wird 
später schon lebendig werden; ja selbst das Kind lernt, ohne 
dass es zu ferhüten wäre, gar Manches, was es erst Tiel später 
anwenden kann. Die Schüler mit Reflexionen vollpfropfen , sie 
ohne Noth aufscheuchen aus der Welt ihrer concreten Auffas- 
sungsweise, philosophische Systeme denselben auf zwängen, He- 
gels Geschichte der Philosophie, was der Verf. als Factum er- 
wähnt, beim Geschichtsunterrichte zum Grunde zulegen — das 
sind Thorheiten, welche die wehigen Lehrer zu verantworten 
haben , die sie begehen. Dagegen ist es in aller W^ise bedenk- 
lich; unsere Schüler ohne Uebung ihrer Reflexionskraft hinaus- 
zulassen in eine Welt , die angefüllt und geschwängert ist mit 
Reflexionen. Vom Bauer bis zum Fürsten — da hat Hr* Günther 
Recht. — reflectiren Alle und zwar über Alles, über Schule, über 
Kirche, iiber den Staat. Doch was in aller Welt hat das mit 
den deutschen Arbeiten unserer Gymnasiasten zu schaffen? 
Wenn nun der Verf. selbst S. 60. meint: „er furchte, die lächer- 
liche Wendung beurtheile der Leser nicht, als wolle erhalle Ue- 
bei der Weit blos von den Aufsätzen herleiten^', so fragen wir 
auf diese Gefahr hin ihm lächerlich zu erscheinen: warum er 
denn all diese Uebel gerade hier erwähnt hat? Mag es immer- 
hin nicht gut und löblich sein , dass Viele im Volke jetzt urthei- 
len und reflectiren , die dazu nicht befugt sind — sollen wir denn 
auch unsere Secundaner und Primaner für „Ewigblinde (S. 80.) 
halten, denen wir des Lichtes Himmelsfackel nicht leihen 
dnrfen^^? Wie? Sie wären Ewigblinde? Gerade sie sollen ja 
sehen lernen , und zwar scharf und klar, weil nicht blos für sich, 
sondern sogar für Andere. Nein, aus der Wissenschaft ist die 
Reflexion nicht mehr zu verdrängen , und. aus dem Gymnasium 
nicht mehr eiife wohlgeleitete Vorübung zu derselben. Polyhi- 
storie und todte Buchstaben: Gelehrsamkeit, alte oder neue, 
haben an sich keinen Werth mehr, sondern nur insofern, als sich 
die Reflexion derselben bemeistert und sie ausbeutet. Durch die 
Vorübung in der Schule ist aber die Reflexion nicht erzeugt wor- 
den , sondern jene ist vielmehr erst ein Ausfluss der letzteren. 
Es ist hier nicht der Ort,- den vielen Quellen nachzuspüren, aus 
welchen die Reflexion hervorbrach; aber wir erwähnen nur, als 
Gegensatz des modernen Lebens zu dem antiken, das Christen- 
thum selbst und unter den auf Verstandes- und Vernunftbildang 
eiuflassreichen Männerii , die sämmtlich wenige oder gar keine 

19* 



D#iLi«cK« Spimcke. 

deutedifa Aabüse in der Sebule gemadit haben^ nur Herder, 
Kfot« SchiUer, Fichte, Scheiliiig und He^. Von diesen Mm- 
tiern ist, das ilsst sich nicht leii|;nen, ausser der Macht der Re- 
flexion zugleich noch die 6eringschät»ia|[ des Gedächtnisses nnd 
Missachtung positiver Kenntnisse ausgegangen; der alte Spruch 
sollte nicht mehr gelten: tsntuai scinus, quantusa memoria 
tenemus. Diese Männer waren übrigens alle ohne Ausnahme iin 
Besitsa des reichstens Wissens und eines giückliichen Gedächt- 
nisses; sie gleichen in dieser Hinsicht dem ^cnecn^i der selbst im 
Genüsse der grosstea Reicbthumer mit leichter Muhe den Werth 
des Reichthums heruntersetaen koniUe. Gefährlich war ihr Bei- 
spiel aber nur inso{eni» weil es auch bei denen Nachahmung 
erregte, die sich solcher Schätze des Wissens und einer so unge- 
wöhnlichen Kraft des Gedachtnisse» nicht zu rühmen liatten. 
Doch der Ton, den jene angaben, Uingt fort in der Literatur; 
der Geist der Zeit ist so tou dieser Lust mit den Gedani^en, sich 
in das Allgemeine an TerUeren, über Alles nu reflectlren erfüllt, 
dass es eine lächerlidie Uebersdiätzung unserer Kräfte wäre, 
wenn wir Lehrer durch Verdriingung der deutschen Aufsätze aus 
der Schule denselben zu bannen vermeinten. Auch achtet der 
Verf. auf der einen Seite den Geist der Zdt viel zu gering, 
denselben herausfordern, verfehlt seines Zweckes und Terstärkt 
blos seine Macht. Auf des andern Seite scheint er wegen der 
Folgeu dieses Geistes der Zeit allzuängstlich und befangen. Wir 
haben zwar keine Stephanus, keine GronoTe, Gräve und Meur- 
sins mehr, ab^ diesen können wir unter den Todten unsem 
Lessing ,1 unter dite Lebenden die Berrmann, die Humboldt, die 
Grimm , die Ritter und die Bockh entgegenstellen. Wenn aber 
diese Männer, nicht wie jene, blos Berge von Gelehrsamkeit 
aufUiurmen, sondern wo sie ihre Werke, oder die einzelnen Ab- 
schnitte einleiten oder abschliessea, sinnend stehen bleiben, das 
aufgeschichtete Material reflectirend zu verarbeiten und Resul- 
tate zu gewinnen suchen, wer mochte im Ernst dies tadeln und 
den Geist der Zeit anklagen, wer nicht lieber diese Zeit segnen, 
in welcher er geboren wurde? Der Zeitgeist ist zwar nicht Got- 
tes Geist; au^ daa Böse hat seipen Theil daran; aber er ist 
Gottes Wille; diesem mögen wir uns freudig anvertrauen, wenn 
auch der vom Verf. erwähnte, von der Schule und den dentsciien 
Aufsätzen sicherlich nicht veranlasste Untergang eines Jünglings 
von der nbeln Eiawirkung zeugte, die der Geist der Zeit auf 
emen einzelMeu Schüler zu üben vermochte^ 

Die zweite fast noch ärgere Folge, welche Ebr. Günther aus 
den deutschen Aufsätzen hetleitet, ist (S. 44 sqq.) „die Unwahr- 
heit der Empfindung, die Llige^^ Wenn er nun s. B., um uns 
lieber an etwas Concretes zu halten, (S. 4^.) behmqptet: „Ein 
Gluckwunschuagsschreibea sei der Anfang an der Erscheinung, 
dass manche Menschen dem Andern in^s Gesicht die angenehm- 



Günther : Ueber den deutsdien Unterricht. SU 

* t I 
\ 

\ • 

«ten Möge sagen und hinter setneni Röcken ibn bemldeiden eder 
verlachen, oder durch Bosheit vemlditeu können^ und dann hin- 
aofilgt: ,^ Wieder nn schwars gesehen, sagt ihr. Nein^^: — so 
antworten wir ihm mit Nein und Ja lugleich. Mesee , weil er 
leider von einer nicht abzuleugnenden Thatsache spricht, j«nes, 
weil er die Thatsache nicht ans der wahren Quelle ableiti^. Die 
Zunge, welche uns zur Ehne Gottes für den Dienst der ¥Plshr* 
faeit Teriiehen wurde, ist in den höheren Kreisen d^ Gesell- 
schaft, nicht bios in Deutschland, ehe an den deutschen Unter- 
richt irgend sn denken war, sondern viel frfiher schon 1* It^ien 
und Frankreich im Dienste der f3nwahriie!t und Lüge Jahthuü* 
derte hindurch gemissbraucht worden* Diesen faulen Fleck der 
, höheren Gesellschaft hat die überall nni sich greifende Memoi- 
ren-Literatur aufgedeckt, politisch fGir die übrigen Klassen des 
Volkes offenbar sum Heile, moralisch vielleicht eum Verderben. 
Denn Offenheit, Biederkeit, Geradheit ziehen sich immer mehr 
in die alleruntersten Theilo des Volkes «urfick ; die. Süte auch 
des Mittelstandes verlangt schon ein ZuHickdringen des eigen- 
sten Wesens, namentlich aller wahren und echten fimpllndun^. 
Doch was hat das mit den deutschen- Auüslitzen der Gymnasien zu 
schaffen t Die Quelle des Oehels liegt, wie eben angedeutet, 
«*^el ^efer. Ja wenn nun gemde ein Lehrer, der mit einer tüch- 
tigen GefShhweise begabt wäre , gegen dieses Debel des Zeit* 
geistes sich mit seiner ganzen Piersdnlicbkelt stemmte, die Un- 
wahrheit der Empfindung und die Lüge, welche das Lehen ausser 
der Schule bereits zuwege brachte, aus den Terborgensten 
Schlupfwinkeln der deutschen Abhandlungen seiner Schüler auf- 
scheuchte! An Veranlassungen dazu wird es ihm gewiss nicht 
fehlen; kommt was er sagt nur von Herzen, d. h. ist es wahr und 
firei von der Lüg«, so wird es seine« Zweckes nicht Terfehlen -— 
auch nicht gegen den Liigengeist der Zelt. Zu dieser Einwir- 
kung hat übrigens der Lehrer ein imbeatreitbares Keeht, ja er 
kann sich , selbst wenn er es wollte , dieses Rechtes nicht bege- 
ben; denn wo auch mir zweie zusammen sind, da vermdgen sie 
dies nicht ohne Austausch ihrer Gefühle; je dunkler, nnbewusster 
die Macht derselben ist, desto sicherer , unabwendbarer. Weit 
gefehlt , dass die deutschen Auflöse dim Uebel , welches Ungst 
schon vorhanden war, herbeiführen miissten)) künnen sie in 4er Hand 
eines besonnenen Lehren zur krSftigsten Schutzwafife gegen das- 
selbe werden. Im Uebrigen hat Hr. Günther Eecht; im grossen 
Ganzen, wie in den kleineren Kreisen gefährdet ein trauriger 
Geist der Uge, eine arg gesteigerte Furcht, sich zu geben, ^e 
man wirklich ist, den Glauben an die Menschen, imd die Wahr- 
haftigkeit der Rede. Aber trotz dem woUen wir an dem Glau- 
ben festhalten; denn es liesse sich leicht der Beweis führen, 
dass denn doch solche echte , wahre Persönlichkeiten noch unter 
uns sind und wirken. Auch sollte sich Hr. Günther ^ou der 



294 Dentsche Sprache. 

Wahrheft det Salset fibenengen, dass, wer durch Pfiffigkeit, 
Log und Tmg aeine Umgebung ateta zu uberliaten trachtet, eine 
Zeitlang zwar die Thoren und Dummen überlisten kann , zuletzt 
aber meist der seibstgepreüte Tbor ist und der Sündenbock 
AUer. 

Auch in der Literatur herrscht dieser Lfigengeist, aber kei-' 
neswega in der Ausdehnung , als der Verf. wahnt. Die kurz vor- 
her genannten Männer stehen doch wahrlidi tonangebend auf der 
Höhe ihrer Wissenschalt und sind weder Heuchler noch Lügner, 
sondern wirkliche Ehrenmanner. An |ie liesse sich leicht eine 
grosse Zahl ron Gelehrten mit der tüchtigsten Gesinnung und 
▼on umfimgreichen Kenntnissen anreihen. In die schön wissen- 
schaftliche Literatur ist freilich — das geben ^ wir zu — mit der 
Ungründlichkeit und der Scheu vor Gedächtnisskenntnissen auch 
die Verspottung der Gelehrsamkeit eingedrungen , und dort hat 
sich namentlich auf den Thron der lyrischen Poesie die Gedanken- 
flachheit gesetzt und die Gefühlsschweigerei, die sich zu allerlei 
erträumten Leiden des Herzens und bis zum widerlichen Welt- 
schmerz steigert und Tcrzerrt Wenn aber der Verf. S. 60. sagt: 
,J)ie einzige Quelle dieser Gefuhkverdrehung seien {ausser dem 
Lägengeiete der Zeit) die deutschen Aufsätze und die mit ihnen 
Hand in H«nd gehenden Leserden^S so verlohnt es kaum die 
Mühe, so etwas zu widerlegen; denn i^it demsdben Rechte 
könnten wir behaupten: die Ursache der Ansammlung der Wol« 
ken und des Regens sei {ausser der Ausdünstung der Teiche^ 
Seen 9 Flüsse und des Oceans) die Ausdünstung der Thiere und 
Menschen. Darfiber also kein Wort mehr! 

Wie aber im Leben der wahrhaftige Mann endlich doch mit 
aeiner Gednnung zu Ehren konunt und seinem Wesen Anerken- 
nung erzwingt, so wird auch die Wahrheit über die Lage in der 
Literatur siegen •— selbst in der schönwissenschaftlichen, wo sie 
in der That leichter Eingang findet, weil diese nicht bios für die 
wissenschaftlich Gebildeten da ist, sondern auch für die grosse 
Mehrzahl der unkritischen, halbgebildeten Leser. Erstände uns 
ein zweiter Lessing — der würde alle diese lyrischen Dichterlinge 
zusammt mit den aich üppig ausbreitenden Romanschreibem und 
NoTellisten desselben Stjles aus dem Tempel der Literatur hinaus 
an die Thore derselben verweisen, damit jeder offeli und klar 
sfihe, wie sie ihr schriftstellerisches Dasein lediglich nur von den 
Almosen der vorübergehenden Reichen fristen; denn das Flim- 
mer- und Flitterwerk, wodurch sie nur geistig Unmündige täu- 
schen können, abgerechnet — bleibt in ihren Gedichten und 
Werklein ausser der Gefühls- Verzerrung, dieser traurigen EtIh 
Schaft von der romantischen Schule, nichts Eigenes übrig, als 
was ne den fleissigen, geräuschlos thatigen Sammlern, den ver- 
arbeitenden geist- und kenntnissrdchen Forschem, überhaupt 
den Männern der Wissenschaft verdanken. Einen Schritt vor- 



Günther : Ueber den deutschen Unterricht. 295 

vartg sind wir ubrigfens schon gelcommen, wenigstens mit der 
Lyrilc^ seitdem Gerrinas (Neuere Geschichte der poet. Nat Lit. 
S. 127 sqq.) nicht mit einaelnen Lyrikern , oder gewissen Manie* 
ren einen Kampf begonnen, sondern die Gattung selbst als die 
neben .Epos und Drama untergeordnete, von der Musik abhängige 
ftttgegriffen« Sein Kampf ist kein Vorpostengefecht ; sondern er 
ist Tielmehr mit seinen besten Kerntruppen , d^r Schärfe seines 
Crtheiis in der Fülle seiner Gelehrsamkeit, seine Flanken sich 
deckend mit den grössten Kritikern der Welt, mit Aristoteles und 
Lessing, die Unbefangenheit und Klarheit des historischen Blickes 
sich wahrend gegen jedes System einer bestimmten philosophi- 
8cheii»Schule — so gerüstet und schlagfertig ist er in das Lager 
der Lyriker selbst eingedrungen. Wenn derselbe (S. 130. Nat* 
Lit.) meint: „Diese Ansicht (nämlich Ton der unselbstständigen, 
untergeordneten Stellung der Lyrik) muss übrigens nothwcodig 
in einer Zeil missfallen, die nichts mehr als diese dürftige 
Gattung zu cultiviren fähig ist und sie gern zur höchsten 
machen möchte , Mm sieh im Kleinsten gross zu fühlen^% so 
konnte er durch keine bessere Wendung dem dermaligen grossen 
Ansehen der lyrischen Poesie übler mitspielen, und wir hoffen, 
er wird ^ nicht tauben Ohren gepredigt haben; und auch Hr. Gün- 
ther möge sich dieser Hoffnung hingeben. 

Ausser den Erzählungen und Schilderungen werden von 
S. 67. des Buches ab die didaktischen Abhandlungen über mora- 
lische, historische^ sociale, ästhetische uiid politische Gegen- 
stände besprochen. Da wir Lehrer selbst gelungene klassische 
Erzählungen und Schilderungen gewiss nur in grosser Minderzahl 
zn machen Termöchten , so werden wir in dieser Hinsicht auch 
Ton tinsem Zöglingen nicht Ausserordentliches verlangen; aber 
Versuche der Art dürfen wir unsern Secundanern getrost zumu- 
then, ohne die Uebel zu befürchten, mit denen der Verf. uns zu 
schrecken sucht. Wir werden ein um so nachsichtigeres Urtheii 
fallen können, weil Erzählungen nnd Schilderungen Ton den We- 
nigsten die spatere Wirksamkeit fordert. Dagegen kann Niemand, 
der sich gelehrten Studien widnTet, der langsam fortschreitenden 
Gedanken - Entwickelung entrathen, mithin bleiben die didakti- 
schen Aufsätze als die wichtigsten hier für die Erörterung übrig. 
Wir geben nun zu, dass Aufgaben über die Gegenstände der He- 
ligian (S. 70.) and des Staates als unpassend auszuschliessen 
sind; denn warum überhaupt Fragen auf werfen, deren Beant- 
wortung selbst in der obersten Klasse nicht gelingen kann, weil 
Frage und Antwort weit über den Gesichtskreis des Gymnasiasten 
hinausliegen? Das frhrte ja geraden Weges zur Eitelkeit und zu 
vorlautem Absprechet). Was Hr. Günther darüber sagt, ist ganz - 
richtig und verdient die allgemeinste Beachtung» Darin liegt 
ja der Jammer der ^ioyellen- und Tages -Literatur, dass gerade 
junge Männer ohne Erfahrung und Kenntnisse die schwierigste» 



290 DeaiAcke Spracke. 

•orfika Frag« AufWcrCoi lud ▼•nchMU bantwoflaL ffie 
wollen eis bcum Haus bwieB, aber, wie die Juf^ead uabdiwi- 
■lert, reiMCB rie das alle, ionBerhia nodi bewohnbare wiriier 
■iedor und atehen dann raddoa ohne Dach und Fadt Sie haben 
etwas lanten hören von den enormen Wirkungen der Lessh|j[sehen 
bitik, aber aie wissen nicht, dass Lessing im Sinne ehies echt 
eonserfativen Refonners fn^nm Zweck seintt Neubantcn, wie 
Gentens.erwihnt, in dem alten Zeuge herumstöberte, ebenao 
nnnachsiditlg gegen das Nntxlose, als Torsichtig und schonend 
gegen das Erauchbarey ja selbst gegen du Entbehrliche, dna 
allin theoer geworden war.^^ 

Die sdon oben «rwihnten Themata aus Th. Heinsina Tent 
idgen das Bedenkliche, ja Thorichte emer Wahl solcher The- 
mata ober kirdiliche und sociale Fragen. — „„(Jeber DenkCrei- 
heit^^ Was weiss darüber ein Schfiier irgend Griindliches, was 
kann er darüber Irgend Genugendes sagen? Der Lehrer wird — 
der Vortrag der Literaturgeschichte s. B. Teranlasst ihn daau •— 
gelegentlich ulier die Denkfreiheit einen anregenden Wink na 
geb^ nicht ermangeln; aber als Thema su einem Aufsatze passt 
es nicht für dnen Jüngling, sondern erst für den dorchgebildelen 
Mann. „„Begrüf eines Staates>^ — * „„Welche Zwecke Terbindet 
der Staat mit seinen Strafen und Belohnungen 1^^^ -^ ,^,Uneinge- 
achrankte Preasfreiheit ist das loriiildgste Schutzmittel gegen rdi- 
giöae und politisches Dnterdruckung.^^^ — Wirklich man traut 
seinen Augen nicht! Kommen unsere Schüler ton selbst auf 
solche Dinge, was können wir ihnen Besseres zurufen, als: 
mannm de tabula. Fragen, über deren Losung die denkfahig- 
sten und durch Erfahrung gereiftesten Minner, ja die ganze Zelt 
sich abmüht — solche Fragen sollen Jünglinge losen? Ndn, 
das heisst das Stranssen-Ei dem Kolibri unterlegen zum Aus« 
brüten! Es fehlen nur noch ein paar Themata, wie: Der Staat 
und die Brche — Die Erlosungs - Bedürftigkeit und die guten 
Werke — Welches ist die beste StaatsTerfsssong? ^ Die Idee 
in ihrem An* und Fürsichsein kürzlich gegenübergestellt der Idee 
in ihrem Anderssein — und wir haben die Hauptthemata in nuce 
zusammen, welche die gahrenden Elemente <ier Zeit bilden. 
Das einzige richtige Kriterium für die Wahl scheint hier dieses: 
Bs giebt Themata, deren Losung, wenn ne nicht umfassend, 
▼ollstindig und erschöpfend zugleich ist, nothwendig misslingen 
muss; dagegen ist bei andern Aufgaben eine tkeiiweise, selbst 
▼on fern sich annähernde Lösung, wenigstens als Versuch, nicht 
blos nicht ▼erwerflich , sondern geradezu wümchenswerth. Jen» 
Themaia passen nun ganz und gar mekt fät die Schule y diese 
aber alle; vorausgesetzt ^ dass der Inhalt dem Ideenkreise der 
Schule nicht zu fern Hegt. Ja selbst politische und religiöse 
Themata würden wir büUgen, wenn sie in Alterthnme oder im 
Mittelalter wurzeln. Sollten z. B. Fragen : Ueber die Bedeutung 



Ganther: Veber den denUchen Unterricht. 207 

der Orakel der Orieefaeil und Römer — Rom imd KarÜMigo Im 
Kampf auf Leben und Tod — ^ Ureachen äes Untergangs der röml* 
sehen Herrschaft — Die Folgen der Kreuzziige — sollten Auf- 
gaben dieses oder ähnlichen Inhalts irgend etwas Bedenkliches 
habend Man kann einwenden: Der Schüler wird die Aufgabe 
nicht erschöpfen; freilich wird er das nicht; aber auch UAsere 
ersten Archäologen und Historiker haben das nicht vermocht, 
sondern erst die«pateren; da mag denn das Individuum denselben 
Weg noch einmal machen , den die ganze Literatur genommen. 
Man wird ferner sagen: Der Lehrer wird vorsagen müssen und 
einhelfen; ganz recht; aber das soll er, die Befugniss dann isl 
oben, wie es scheint, gründlich nachgeiriesen worden. 

Die geschichtlichen Themata weist auch d^r Verf. (8. 73. 
Z. 7.) nicht unbedingt ab. Wir reden diesen aber mit Ausschluss 
der Zeiten, welche unmittelbar in die Gegen^^art eingreifen » In 
ausgedehnterem Sinne das Wort. Mag der Schüler auch einst^ 
weilen „grosse Verhältnisse mit seioer kleinen Blle messen^^ ; sie 
wird schon wachsen und grosser werden« Spräche auch ferner 
ein Schuler von, Moses nicht eben viel and^s, als von Ljkitirg, 
oder Selon, von Alexander Magnus ebenso, wie von dem grossen 
Franken -Könige — das wSre ja kein so grosses Unglück ; aber 
dte Verf« vergisst hierbei jenes schon erwähnte ^ortCiceros: 
emnia sicut adolescentium non tarn re et maturitate, quam spe et 
esqpectatione landantur. Gerade bei historischen Aufsät^n kann 
der Lehrer die Gedaditnissscheuen, die ihre Unbekanntschall 
mit Zahlen, Namen und Thatsachen durch allgemeine Redens« 
arten zu bemänteln pflegen, auf ihre Faulheit und auf die Un* 
mögllchkeit eines Baues ohne Material hinweisen: . Durch Nichts 
kann er die Flucht der Gedanken in's AUgememe besser zügeln, 
ds dnreh den Nachweis der Nothwendigkeit positiver geschldit- 
Heber Kenntnisse; es wäre sonderbar, wenn er hier dem Ge- 
scfaichtslehrer nicht In die Hand arbeitete. 

Auch gegen die ästhetischen (S* 74 — 77.) oind moralischen 
(S. 68—70.) Themata hat Hr. Günther Vieles, sehr Vieles ein- 
suwenden. Wir vermögen aber seine Ansicht nicht zu theilen. 
Es führt kdneswegs mit Nothwendigkeit zur Luge, wenn der 
Lehrer y,behufs eines Aufsatzes (S. 75.) sein Urtheil über vorzüg- 
liche Werke der Literatur laut werden liesse«^^ Gäbe der Lehrer 
s. B« seinen Secundanem das Thema: Ueber Schillers Gedicht: 
^,die Glocke'^ — wie? werden das lauter Lügen sein, was ihm 
seine Schüler niederschreiben 9 Und zwar am Ende blos dess« 
wegen, weil der Lehrer etwa im ersten Halbjahre das Gedi«dit 
erläutert, die Oekontaiie der Theile nachgewiesen, über den. 
Smn ehizehier Stellen das NotbIge beigebracht, über den Unter- 
schied der poetischen und prosaischen Redegattung, ülier die 
untergeordnete Gattung der didaktischen Poesie, über Epos, 
Lyrik und Drama ohne ingsflich durchgeführtes System mancher- 



S(98 DentBche Sprache. 

lei Bemerkungen gemacht nnd hierao die wesentlichfiten Nötisen 
über die Literatiirgeschichte geknüpft hätte? Treibt man die 
Furcht vor der Einwirkung des Lehrers so auf die Spitze , dann 
werden wir alle belogen und betrogen, wenn wir das Vorgetra- 
gene wiederholen; denn immer, keineswegs- blos In den deat- 
schen, sondern In allen Lectionen werden uns bei der Wieder- 
holung Bor grosseren Hälfte unsere eigenen Gedanken nnd Ge- 
fühle von Selten der Schiller entgegentreten. Doch um uns nicht 
tausendmal in unserer Entgegnung zu wiederholen, haben wir 
vornweg oben, wo vom charakteristischen Style die Rede ist, 
nnsere Ansidit dahin ausgesprochen: der Lehrer dürfe, ja er 
■olle von diem Seinen mittheilen. Ob es in einen fruchtbaren 
Boden gefallen sei, darüber wird denselben nur die Wiederho- 
lung, die ja die Mutter wissenschaftlicher Bestrebung ist, auf- 
klaren. Die mündliche übrigens bei weitem nicht so sicher, alß 
die schriftliche ; was der Schüler zur Zufriedenheit des Lehrers 
niederzuschreiben im Stande wäre, das erst ist in einem höheren 
Sinne des Wortes sein Eigenthum; dabei erscheint es gleichgiltig, 
woher er es habe. Wagte es einer mit Kennermiene selbst über die 
grossartigsten Leistungen abzusprechen, bräche er den Stab aber 
das, worüber ihm gar noch kein Urtheil zustande, dann wollen wir 
ein kräftiges Veto einlegen und dadurch den Dünkel zu zerstreuen 
suchen. Dem Unterzeichneten hat es auch an solchen sieb über- 
hebenden Schiilem nicht gefeit, aber von Secunda ab bis «ir 
Abiturienten - Prüfung hat er diesen Dünkel mit harter Kritik 
▼erfolgt. Ob seine Worte spurlos verhallten, das weiss er. nicht 
in sagen ; Manche wurden noch auf der Schule bescheidener in 
ihrem UrtheOe, Andere — so hofft er — werden es später wev- 
den , oder schon geworden sein. 

Auch die moralischen Themata werden verworfen, denn „sie , 
machen (S. 70.) kalt und unempfindlich gegen das Wahre, und 
Gute, sie verderben die Jugend, sie rauben ihr die Unschuld und 
Unbefangenheit des Sinnes upd bereiten vor auf den Verlust der 
Unschuld im Handeln.^^ Ref. gesteht, ehe ihm diese Worte zu 
Gesicht gekommen, auch nicht im Traume daran gedacht zu 
haben,- dass er so grundschlechte Dinge mit seinen Schülern 
triebe. Er hatte sich so etwas auch gar nicht vermuthet, son- 
dern ganz andere Ausstellungen. Diese Aufsätze fangen fast-alle 
so an : Eins der verabscheuungswurdigsten Laster ist --^ oder : 
Zu den Kardinaltugenden gehört besonders auch — und ergehen 
sich oft in einer übertriebenen, darum unwahren Geringschätzung, 
oder gänzlichen Verachtung der irdischen Güter und einer Lob- 
preisung der Tugend. Dom — gedachte der Unterzeichnete — . 
wurde in, dem Buche gerügt werden; er hatte sich in diesem 
Sinne zum Wlderspmdäe und zur Vertheidigung gerüstet; auf 
die angeführte Rüge weiss er aber kaum zu antworten, ohne 
geradezu unwillig zu werden. Wie? „Kalt und unempfindlich 



Ganther: Ueber den deatflchen Unterricht. 299 

ge^en das Gute und Wahre^^ sollen unsere Schüler werden, 
wenn wir denselben den relativen Werth der irdischen Güter, 
damit sie spiter der Macht derselben nicht gana anheim fallen, 
klar machen und der Wirklichkeit die ewigen Güter und die Welt 
der Ideale in begeisterter Rede gegenüberstellen, Redner und 
Dichter, weltliche und heilige Bücher zu Hülfe nehmend? Wie? 
Ein solcher Saame sollte so gänzlich ersticken und Ton giftigem 
Unkraut überwuchert werden? JNein, hier ist das schönste Feld, 
die herrlichste Veranlassung, den Schüler ?om Markte des Le- 
bens, auf dem nicht das Wahre gilt, sondern das Baare, mit 
sich hinaufzufuhren in das Reich der Sittlichkeit und der Ideale ; 
hier der Ort zu zeigen , wie alles Können und Wissen eitel und 
thöricht sei, wenn es nicht praktisch werde; zu beweisen, wie 
der Mensch hier auf Erden sei , zu wirken und zu schaffen nicht 
für sich, sondern für Andere. Hier endlich die schönste Gele- 
genheit gegen den in dem Buche so Ticifach besprochenen Geist 
der Lüge zu Felde zu ziehen, d. h. gegen den Zwiespalt Zwischen 
dem Denken und dem Sein , dem Wissen und dem Handeln. Und 
diese Gelegenheit, das gründliche Nachdenken über sich selbst, 
welches der Anfapg aller sittlichen Besserung ist, anzuregen, 
wollte der Yerf. sich entgehen lassen? Wir können uns dies 
durchaus nicht anders erklären, als aus der Ungunst, welche die 
Moral Ton allen Seiten bedroht. Eine, bedenklich um sich grei- 
fende $ecte unter den Protestanten will die Moral von der Kan- 
zel, die neueste philosophische Schule aus der Geschichte, und 
die jüngeren Dichter aus der Poesie und dem Leben Terbannen. 
Aber alle drei haben sich mit einer überlegenen Macht in einen 
ungleichen Kampf eingelassen, an dieser Macht werden sich die 
Waffen der Gegner brechen, und eine völlige Miederlage wird 
die unbesonnene Schilderhebung erdrücken. Denn seit dem Ent- 
stehen den Christenthums galt nicht der Glaube allein , oder das 
Wissen, oder das dichterische Vermögen, sondern die Gesinnung, 
die That, d. h. die Liebe, die eben den Glauben bekräftigt, das 
Wissen besiegelt, und die Rede lebendig macht; die Liebe aber 
und mit ihr die Moral wird fortgelten bis an's Ende. 

Der Verf. sympathisirt übrigens weder mit der Hegeischen 
Schule, noch viel weniger mit diesen Dichtern, sondern mit jener 
lingedeuteten Richtung in der protestantischen Kircho; darauf 
weisen auch manche Bemerkungen gegen das Ende des Buches 
hin. Deswegen rufen wir gerade ihm jene Worte des Apostels zu, 
die, was wir eben behaupteten, fast buchstäblich bewahrheiten: 

„„Wenn ich mit Menschen - und mit Engelzimgen '*') redete 
und hätte der Liebe nicht, so wär^ ich ein tönendes Erz und eine 
klmgende Schelle.^'^^ 

*) Wie man das yloacocis XaXetv auch deute: immer gilt es von* 
einer angewöhnlichen ausserordentlichen Kraft der Rede. 




Dflntache Sprache, 

„„Und wenn ich weissagen konnte und niJaste alle Gehein 
und Erkenntiii»§ und halle allen Glauben, also das« ick B 
lerKetite und häfle der Liebe nicht , so war' ich nichts." " 

Ungern . am Ende nur , weil eine Recenalon Term&ge i 
verneinenden Eigenlliümlichkeit eine cigentiich positive Leis 
nicht werden kann, iiiigeru nur gescliweigen wir der ander» 
gen Ungunst, welche der Moral neuerdings widerfahren. Sonst 
hier die Aufforderung nahe zu Spott und Hohn über das ihörigti 
ginnen, den moralischen Standpunkt auch derGeschiclilschreil 
■Is Grundlage eu entziehen, ohne den derselben aller vind j 
Werlh geraubt wäre. Es ist hier freilich nicijl die Rede von 
sittlichen Gefühlen einer züchtigen Jungfrau, auch nicht vor 
spieasbürgerlichen Moral eines KleinstSdterB — sondern von 
jede Zeit, jedes Volk, jedes auch das kleinste VerhÜltniss dti 
dringenden silllichcn Weltordming. Diese Vible eu allen Zeiten 
unter allen Völkern ihre Rechte aus, diese nachiuweisen ist 
die Geschichtschreibung die Hauptaufgabe. Unsere WeltaDscbai 
aber ist die christliche, und wie bestimmt sie auch den Olat 
fordert, so stellt sie doch Glaube und Erkenutniss unter die Li 
Von dieser Wcltördnung sich lossagen , das vermochte noch 
ner; und wenn er es selbst auch hundertmal Tersicherle, wir ; 
ben es doch nicht, denn es ist unmöglich. Wir können sie tl 
weise verletzen, aber nicht ungestraft, nicht ohne Iragisi 
Ausgang; sich von dieser sittlichen Weltordnung ganz losrei 
wollen, ihr Dasein abläugnen , das ist eben dasselbe, als beh 
tete der, weicher auf einem schwanken Brette mitten im & 
stände: er bemerke das Wasser nicht, das ihn doch rings 
giebt, und von dem er selbst gehalten und getragen wird. ß. 
die Volkasage stempelt den Kampf gegen die sittliche Well 
nung der Zeit zn thörigter Verraessenheit, die südländische in 
Don Juan, die deutsche im Faust — doch wir müssen hier ab 
chen und bemerken nur noch, dass der geistigen Kraft der Seh 
die Sprüchwärter , diese weltliche Volksweisheit gegenüber i 
cbristlichen Sittengesetz, einen recht geeigneten Tummelplatz 
ten , und auf die Kämpfe vorbereiten, in welche im praktis« 
Leben das Ideal mit der Wirklichkeit verwickelt wird. Doch 
eine gewisse Richtung in der protestantischen Kirche, welche 
Moral aus der Katechesation und von der Kanzel gern verdrfiii 
möchte — für diese ist Lesshigs Nathan, welcher alle versöhn 
die Liebe predigt, umsonst vorhanden, wie es scheint, auch 
Ilrn. Günther. Wir andern dagegen wollen gerade die christI 
Moral als eine ergiebige Quelle fruchtbarer Themeta und als 
Prüfstein der Chriatlichkeit im Lehen überhaupt betrachten 
diese Quelle von beiner Macht veratopfen lassen. 
In vielen wesentlichen Punkten können wir also in 
der deutschen Aufsätze mit Hrn. Günther nicht übereinsl 
^ besonders sind die Übeln Folgen, die er aus diesen Uet 



W^— ^--^^iw^^^^^^^»'^»«— i^p*»^^^^"i^^r— •^"^^•»■^^^^^^i^^iii 



GSnther: Ueb^r den deiitodieii Uaterridit. 301 

g€a herlekel, unbe^ndet, übertrieben und ertriamt» Femer 
leheinen einige wenige Uebungen mit den Abiturienten niisht ge- 
nügend ^ sondern die Aufsätse mfissen mit dem Eintritt deg Schü- 
lers in die Seeunda beginnen, und damit diesen und auch dem 
Lehrer nicht su viel sugemuthet werde, nicht vor fünf Wochen 
wiederkehren. Zwei und dreissig Aufsätze Tertheilt über vier 
Jahre sind für ^e talentvollen Schüler übrig genug und für die 
raittelmässigen Köpfe d. iu also für die Hehrzahl ausreichend, um 
diesen die Methode, wie sie mit ihrem geringen Material und üu 
rer massigen Kraft später schalten sollen, einigermassen gründ- 
'^ lieh beizubringen. Trügt nicht Alles, so ist der Gewinn ans die- 
sen Uebungen , namentlich für die Ietzte>n eine reiche ergiebige 
Mitgift der Schule, die sie auf die Universität, oder wahrer zu 
eagen , In die amtliche Wirksamkeit unmittelbar mit hinüberneh- 
men, da ja auf der Hochschule solche Uebungen gar nicht ange- 
stellt werden. Wir behaupten nicht zu^viel^ wenn wir meinen: 
f der Studenten würden ohne die Vorübung Im Gymnasium bis 
zur Prüfungsarbeit für den Staatsdienst eine derartige Praxis gana 
vemadifissig^; die Scheu vor der Anfertigung dnes deutschen 
Aufsatzes würde nicht ab-, sondern zunehmen und damit die 
Schwierigkeit, diese' Scheu zu bewältigen; gleichwohl muss sie 
bewältigt werden, wenn wir anders zu wissenschaftliche^ Erfol- 
gen und zn einer gesegneten amtlichen Wirksamkeit unserer Schü- 
ler den Grund legen wollen. 

Hr. Günther stellt die Alternative: entweder gar keine Auf- 
sätze, Oder inhaltreiche mit chaiakteristischer Darstellung. Auf bei- 
den Selten ist Uebertreibung, Was Männer erst zu leisten ver- 
mögen, das leisten nicht Jünglinge, aber massigen herabgestimm- 
ten Anforderungen werden sie genügen ; in dieser Hinsicht scheint 
uns der Verf. sowohl die Kenntnisse, als auch die geistige Be- 
fähigung der Schüler der beiden obersten Klassen zu gering ange- 
schlagen zu haben. Dagegen hat er ganz Recht, wenn er die 
Knaben von diesen Uebungen ausschliesst. Es kann ein vierzehn- 
jähriger Knabe, der mit einem glücklichen Gedächtnisse ausge- 
rüstet wäre, einen siebenaehnjährigen Schüler an KenntniBsen 
.übertreffen , ja selbst sein Urtheil , wenn es sich an etwas Gege- 
benem, an einem fremden Gedanken übt, kann treffender und ein-> 
dringender sein, aber seine Fähigkeit eigene Gedeihen aus sidi 
herauszulocken und geordnet und angemessen in einem deutschen 
Aufsatze niederzulegen, vHrd gewiss nur sehr beschränkt sein. 
Ueber einzelne Ausnähmen, die hie und da vorkommen, würdea 
wir kaum eine rechte Freude haben. Bestätigt -wird übrigens 
das Gesagte dnrch die leicht zu machende Erfahrung, dasa uuge? 
wohnlich junge, physisch nicht selten schwächliche Secundaner,* 
die durch ihre guten . positiven Kenntnisse in der Geschichte und 
den alten Sprachen recht wohl genügen, den Lehrer durch ihre 
deutschen Aufsätze sehr oft ganz unf gar nicht befriedigen« Ref. 



302 Deutsche Sprache.* 

V 

hat solche ScHüler scharf ins Auge gefasst, ob diess an mangelnder 
Theilnahme, oder fehlendem Fleisse liege, er hat sich aber davon 
ubenengt, dass man Ton solchen Schäem wegen der geringen 
geistigen Produktionsskraft nur ein sehr MSssiges verlangen 
dürfe. — Die Vorschlage sn den Debangen in den unteren Klas« 
sen bis Tertia (S. 104 bis 108.) haben wir oben schon im Allge- 
meinen gebilligt. Sie verlangen tiichtige Binübung der Orthogra* 
phie» lehnen «ich an die alten Sprachen an, überschätzen nicht die 
Kräfte der Schuler, sind frei von uuzeitiger, gramtfiatischer 
Systemmacherei und scheinen sich auf die eigene Praxis zu 
stützen. Solche konkrete aus der Erfahmng entnommene Vor- 
schläge sind weit wichtiger und fördernder, als allgemeine Lob- 
preisungen des Unterrichtsgegenstandes. Namentlich ist auch 
der Wink beachtenswerth, statt eines Aufsatzes über ein nenea 
Thema lieber den alten misslungenen, schon verbesserten umar- 
beiten zu lassen. Der Lehrer und Schüler hat dann doch etwas, 
woran er sich erfreuen kann, eine wenigstens relativ tüchtige Leis- 
tung, auf der sich weiter fortbauen ISsst. Aber wir ho£fen, Hr. 
Günther verlange nicht, dass der eigeuthümlichen Behandlung des 
einzelnen Lehrers jeder Spielraum genommen werde. Soll es etwa 
gerade die Brodersche Grammatik und die Beispiele in derselben 
sein , an welche der Lehrer die schriftlichen Uebungen im Deut- 
schen anknüpfe? Hoffentlich nicht. Da in Quarta und Tertia 
fast auf allen Gymnasien dieselben lateinischen und griechischen 
Schriftsteller gelesen werden , so ist hier eine derartige Ueber- 
einstimmung eher zu erreichen. Wäre aber ein Lehrer zu tadeln, 
wenn er in den genannten Klassen die Formallen eines Briefes, 
eine Eingabe an eine Behörde über einen einfachen Gegenstand 
praktisch einübte und versuchsweise einmal eine Erzählung oder 
Schilderung frei machen Hesse? Ein solch ängstlicher Zwang ist 
für jeden Lehrer beengend, am meisten für den deutschen. Wir 
wollen das durch Erfahrung Erprobte austauschen, schiefe ver- 
kehrte Richtungen zu verdrängen suchen und so gegenseitig von 
einander lernen; aber der ganze Unterrichtsgegenstand wurzelt 
mehr, als jeder andere, in der Subjectivität des Lehrers und eine 
allgemeine Regel für alle Gymnasien lässt sich nicht feststellen. 
Wir haben das, was wir- (Neue Jahrbücher für Phil, und Päd. 
III. Supplementband 4. Heft 1835 S. 527 unten bis 530.) 
über diese Eigenthümlichkeit des deutschen Unterrichts schrie- 
ben , durch eine fernere siebenjährige Erfahrung bestätigt 
gefunden. Darum glauben wir auch, dass nicht die Verle- 
genheit der Behörde, wie Thiersch (Note auf S. 245. bei Günther) 
anzudeuten scheint, daran Schuld sei, dass zeither die Grenzen 
nicht ängstlich abgesteckt wurden, sondern vielmehr eine wohl 
begründete Ueberzengung. Wenn Thiersch ebendaselbst sich von 
einem aasgezeichneten Schulmanne aus Berlin schreiben lässt: 
„„das Ministerium wisse darüber nicht mehr, als die einzelnen An- 



*7^^ — -»-•■^ —^w^^^^tma^n^ ^ t mwmmw' •^^^^^mu^immmm^gmfH 



Gonther: Ueber den deatschen Unterricht. ßQS 



fitilten; die Sache sei äoaserst scKwIeri^ und onbettuninl, be- 
wege sich überall noch in Versuchen, werde von den einsteinen 
Gymnasien meist nach eigenem Ermessen getrieben^ und man 
lasse die Anstalten gewähren , in der Hoffnung, das« sicli aus je- 
nen Versuchen die wahren Grundsätse und Meäoden mit der Zeit 
herausstelien und zur aiigenieinen Anordnung empfehlen wür- 
den ,^^^ so stimmt das mit unserer a. a. O. ausgesprochenen An- 
sicht so wesentlich uberein, dass wir "dadurch In derselben nur 
noch mehr bestärkt werden. Wir boffen aber wenigstens für die 
nächste Zukunft, dass es beim Alten bleiben werde ; dafür scheint 
die subjektiTO Eigenthiimiichkeit des Gegenstandes su bürgen, der 
' sich nun einmal mit festen Schranken nicht umstellen lässt. Die 
Erörterung ist freigegeben, eine grosso Zahl kenntnissreicher 
und erfahrner Männer hat sich bereits über die einaelnen Zweige 
des Unterrichts gründlich ausgesprochen; also nur der geistig 
nicht erregbare Lehrer könnte jetzt über das Was und Wie in^ völ- 
lig rathioser Verlegenheit sein. Nein im Gegentheil der Unter- 
zeichnete giebt sich der, wie es scheint, begründeten Hoffnung hin, 
dass- sich der so beliebten Idee eines allgemeinen , jede Eigen- 
tfaümlichkeit der einzelnen Gymnasien nivellirenden Schulpia- 
nes gerade der Unterricht im Deutschen gegenüberstellen und 
den einzelnen Anstalten eine gewisse Subjektivität des ganzen 
Lehr- und Bildungsganges erhalten werde, durch iii;elchen Schule 
und Staat nur gewinnen kann. 

Auch die übrigen Abschnitte des Buches enthalten sehr viele 
abweichende Ansichten; die meisten der Excurs über die Rede- 
Fertigkeit (207 sqq.), ja diesen kann man geradezu- eine Philippika 
gegen die Buchdruckerkunst nennen. Wir glauben mit diesen Wor- 
ten den Inhalt desselben genugsam angedeutet zu haben. Der ganze 
Excurs ist ein machtloser Kampf gegen das, was nicht zu ändern 
ist ; der Verf« verkennt in auffallender Verblendung die grossarti- 
gen Folgen dieser für die Bildung der Menschheit so wichtigen 
Erfindung. Die Deutschen sind ein schreibendes Volk gewordeii 
ans einem redenden ; selbst in die niederen Klassen dringt die Lese- 
sucht ein, die Erzählungen und der Gesang — sonst die. liebste 
Beschäftigung des Volkes — verstummen und die Alten beiderlei 
Geschlechts^ welche erzählen und singen können, sterben je länger 
desto mehr aus. Aber ist's zu ändern? „Honos alit artis omnesque 
incenduntur ad studia gloria, jacentque ea semper, quae apud 
quosque improbantur.^^ Da liegt's; dadurch fällt auch der s6 oft 
ausgesprochene ganz unbegründete Vorwurf weg, den man (S. 220 
— 221.) der deutschen Beredtsamkeit im Vergleiche zur engli- 
schen macht — Gebt nur der deutschen Nation das Bedürfniss, 
versetzt sie in die Nothwendigkeit zu reden, überschüttet ihre 
Redner mit gleichen Ehren, bekleidet sie mit gleicher Machtvoll- 
kommenheit, wie die englischen — wahrlich der deutschen Nation 
werden die Redner nicht fehlen. Aber schiessen denn aach in 



304 Deaitche Sprache» 

Eaglairf und Fniikreicli die RediMr wie die PUse ikber Nichl ene 
der Erdel bt «icht eine eor teiir gerlugt Zahl Meieler der 
Redel Die Gleich^lti^lEeit, ait welcher die meisteo Redaar 
iD deo firaosenachen and eogliadien Kainneni gehört werden , iat 
der beate Beleg fiir ueaere Behauptung; wie oft Termag kaum die 
GioclLedefPraaidentendie fast aliandaiöaen Störungen der Zuhörer 
SU verhindem! Doch waa kann die Schule« waa lunn der deutaehe 
Unterrieht dafür thun; gerade der Schule , die ea mit den geiatig 
Unmündigen su thun hat, liegt ea am allerwenigaten ob| Uerbei 
die Initiative su ergreifen! 

Wenn Hr. Günther (S. 220«) aagt: ,,Wer gut reden kann, 
aeiireibt swar noch nicht gut, aber, lernt ea bald und ohne besann 
dere "Ametrengung^^ ao ateilen wir die Wahrheit dea letsten 
Satxea ganx in Abrede. Die Frauen und audiichen Völker , na- 
mentlich die Fransoaen apredien bei einiger Bildung aehr geUiufig 
und gut, aber ohne ebenso %u schreiben. Auch im eiiglischen 
Pailamei^ werden die Redner am grundlichaten und gewandte- 
aten sprechen, welche mühaame Studien gemacht haben und auch 
di^ Feder leicht und kraftig au fuhren veratehen. 

Die Macht dea lebendigen Wortea vor dem geachriebenen 
.whrd Niemand ▼erkennen ; aber darum doch nicht die Abneigung, 
ja den Abachen AeM \eri. Tor dem letztern theilen« Jenes wirkt 
nur in dem beschrankten Kreise der Zuhörer, diesea in weite Fer^ 
neu und auf die spätesten Zeiten, Auch ist der todte Buchstabe im 
Buche nseht ohne allea Leben, denn auch dieaer begeiatert una sur 
That. Der CnteracUed der Zeiten ist der: die alte antike kannte 
und liebte faat nur daa eine Mittel, die moderne hat i|usser die« 
sem noch die Schrift. Wer sich die Einwirkung der Schrift ao 
abttugnet, wie der Verf., nur der kann eine Bdiauptung aufstellen^ 
wie Me S. 218. steht : „Ein Volk , daa nicht reden kann , kann 
auch nicht handeln; denn die Rede iat Handlung, iat die Mutteif 
der Handlung bei andem.^^ Doch wir wollen die achiefen, ge- 
wagten, geradezu falschen Sätze nicht häufen; wer bis zu der 
Stelle S.218. vorgedrungen ist: „Die Buchdruckerkunst hat die 
miindlicbe Beredtsamkeit vermehtet^ sie hat das matte, faule und 
aussiechende Schreiben an die Stelle dea starken ; eifrigen und 
nur That erhebenden Wortes geaetzt^^ — der durfte aich satt und 
iUbersatt gelesen haben« Dieser ganze Abschnitt ist, wenn auch 
nicht ohne geistreichen Anstrich niedergeschrieben, so doch der 
schwächste und einseitigste Theil des ganzen Buches. Für unsern 
Zweck genügt es, zu erwähnen, daaa Hr. Günther an die Stelle 
der deutschen AufsStze die Redefertigkeit als Hauptziel, nach 
welchem der Unterricht au atreben habe, anzuempfehlen sucht, 
daaa er ton der Schule aua in dieser Hinsicht eine allgemeine Re- 
form über das ganze Volk beabsichtigt. Doch diese maulfertigen 
jungen Leute, die er heranbilden wiU, würden aie nicht viel ober- 
flächlicher schwatzen, viel dreister absprechen, sich gerade an 



^r 



Günther: Ueber den deutschen Untenicht. 905 

jedii sehwente Angabe Viel lieber wagen , ab misere aehreibseii- 
gen? Wiirdeoi wir nicht geradesu Oberflächlichkeit, Leichtfer*- 
tigkeit, Unwahrheit und Luge Tielmehr jEordem, ala ea^etzt der 
Fall ist? Wenn lAi. Günther und awar mit Recht sehr viele di- 
daktische Themata fiirdie schrifilichen Aofsatxe als zu schwierig 
oder ganz unpassend verwirft^ worüber will er denn seine Schüler 
sich mündlich aussprechen lassen? In den untern deutschen Klas- 
sen sollen wir — das räumen wir ein — unsere Schäler an die 
Red^ mehr gewohnen, als zeither, d. h. an das Wiedererzählen 
des Gehörten oder des Gelesenen; aber über ein didaktisches 
Thema — welcher Abiturient wird über ein solches irgend etwas 
^fTÜndticher-, iiucfa- der-Forah nadi Anspreebendea herporbringen^ 
können? Offenbar überschätzt hie^ der Verf. dfe Kräfte der 
Schüler, wie er eben dieselben für die Aufsätze zweifelsohne zu 
gering anschlägt« Die Rede setzt, soll sie nicht in blosses Ge- 
schwätz, in leere Worte ausarten, ein reiches Material, eipe grosse 
Unbefangenheit und vor Allem eine tiefe Begelsternng für die 
Sache voraus; alle diese drei Erfordernisse mangeln aber dem 
Schüler; die Gefahr liegt daher nahe, seichte Schwätzer zu bilden« 
Das flüchUge Wort rauscht schnell von den Lippen und entzieht 
sich der Beurthellung; das geschriebene aber ist gefesselt, und 
unterliegt darum leichter der eigenen' und fremden Kritik« Gern 
wollen wir uns übrigens von Andern belehren lassen^ welche diese 
mikndlidien freien Vorträge über didaktische Themata mit Erfolg 
getrieben haben und diess mü gutem Gewissen versichern können'; 
uns selbst sind aber, damit wir diess offen gestehen, alle derarti-p 
gen Versuche gänzlich missglückt. Sogern wir aber joiun in dieser 
Rücksicht der Belehrung unser Ohr leihen wollen , so viel scheint 
uns jedoch schon jetzt gewiss : ohne schriflliche Uebungen sind 
die mündlichen unbedingt schädliche Ja wir drehen den obigen 
Satz des Verf. um und sagen : Ein Volk, unter dem die Fertige 
keit schriftlicher Gedanken-Darstellung so weit und tief, wie unter 
dem deutschen, verbreitet ist , wird dieBedner mit MchierMühe 
aus sich erzeugen, sobald das Bedürftiisa der Rede.im Staate und 
mit diesem die Ehre und die Hoffnung auf eine-grossartige Wirk- 
samkeit vorhanden sein wird ; die Begeisterung wird die stam- 
melnde Zunge lösen und das starre Wort flüssig machen. Was 
aber die Vorwürfe betrifft, mit welchen Hr. Günther auch die 
deutsche Beredtsamkelt überschüttet, so sind sie unbegründet und 
sein Eifer nicht frei von Zelotismus; seinct Vorschläge (S. 239.) 
erscheinen uns aber geradezu widersinnig und abgeschmackt. 
Doch darauf werden — wir hoffen es — die Theologen demselben 
gebührend antworten. 

Der Vortrag der Literaturgeschichte (S. 27ö— 330.) hängt von 
der Lektüre (S* 331—341.), von den Schriftproben ab, welche 
der Schüler durch den Lehrer, oder privatim durch eigene Lesung 
kennen lernt; ohne diese wird jener Qicht vielmehr sein können, 

/V. Jahrb. f, Phil. w. Päd. od. Krit, Bibl, Bd. XXXVI. Hft, 3. 20 



306 Dentsebe Spraeke. 

sl9 efai überlliddidMB Hia- und Iferreden, wu Icdne Lint und 
Liebe acut Sscbe erweckt. Wäre %. B. dem Sdraler Ton dem U- 
Biorifleh nf etat gaait umriehtigen Htgedom auch mir du einigte Lied 
f^Jobann der SdfensMIet^ bekaniit ^ so rdheo «ich dann die Be- 
nerknngett det Lelirers doch an etwas schon Bekanntes an und 
krauchen sich nkbt in Äügemeinheiten so ▼erlieren; ja , ent- 
schwände der Inhalt des Vortrags dem QedaditaisBe des Schalem, 
so würde das Gedicht denselben dnrch eigenes Nadidenken m 
ihnlicheu Resultaten hii^hren« Es giebt ZciteB (wie das 14. 
n. 15 Jahifaindert, die «weite Hälfte des 16. nnd mit riUunlicher 
Ausnahme des gefodichen Liedes auch das 17.% die minder reich 
^nd an Schriftdenkmälern , die für die Schule pasnend wären nnd 
zugleich eine grosse historische Wichtigkeit und einen höhern 
ästhetischen Werth besässen — diese Zeiten sind kun abzitferti- 
^en ; und auch hier Ist uns die Schrtftprobe lieber und werther, 
als blosse Winke und allgemeine CJebersichten. Also immer er-- 
scheint der* Vortrag' der Literaturgeschichte von der Lesung des 
Schülers, ja sogar des Lehrers abhängig. Hr. Günther will nun die 
Lektüre fast nur auf Klopstock beschränkt wissen — was könnte der 
Lehrer da wohl Gründlkhes über dIeLiterator Tortragenl Doch in 
Betreff der Lesung lassen wir uns hier in keine fernere SrörteruDg 
ein , sondern rerwdsen auf unsem schon angeführten^ Au&ats in 
diesen Jahrbüchern: ,,Ueberdie Lektüre deutscher Dichter und 
Schriftsteller (von Tertia aufwärts)^, weil sich inewischen unsere 
Ansichten im Wesentlichen nicht geändert haben und auch 
die seitdem erschienenn Sammlangen für die Schule ähn- 
lichen Principien zu huldigen seheinen. Nur einige wenige Be- 
merkungen mögen hier Plats finden. In den Anthologieen lassen 
die Proben für die didaktische Prosa , was wir schon damals be- 
merkten, auch jetzt noch das Meiste zu wünschen übrig; aber ge- 
rade diese Bruchstücke sind begreiflicher Weise für den Sohiler 
sehr wichtig. Die Auswahl ist hier freilich schwieriger nnd mühe- 
Toller, als sonst; aber dennoch glauben wir, die Schuld des Miss- 
lingens liege an den Sammlern) nicht an der Literatur. Audi 
Hiecke's Handbuch der Prosa ist, wie Hr. Günther richtig be- 
merkt, viel zu einsdtig; es enthält fast nur ästhetische' Abhand- 
lungen und z«Ri Theil solche, welche des Lehrers, aber nicht des 
Schülers Interesse erregen. Hr. Hiecke hat , um dies hier bei- 
läufig zu erwähnen, in einem Programm seines Gymnasiums — ^ es 
ist uns nicht gleich zur Hand — auch eine Probe seiner Art den 
Schüflem deutsche Gedichte zu erldaren niedergelegt; wir ge- 
stehen aber diese Methode, die fern Uegendsten Gedanken in die 
Erklärung eines einfachen Gedichts hineinzuziehen , erscheine uns 
als für die Jugend ganz verfehlt. 

Wie schon gesagt, Hr. Günther beschrankt die Lektüre auf 
Klopstock; aber nicht zufrieden damit, rerlangt er, worüber man 
sich bei ehtem Protestanten idcht genug verwmideni kann , eine» 



Ganther: Ueber den deatscfaen Unterricht. 907 

index libromm prohfbitorunt. Wer aber soll diesen uneben? 
Kirche und Staat sind erflillt und durchdrungen von dem Geiste 
der Literatur, die Sprache und Literatur ist das festeste Band^ wel- 
ches alle einaelnen Staaten Deutschlands losaninienhait; wie 
könnte die Mehrzahl der Geistlichen » Rathe und Fürsten geneigt 
sein, die heranwachsende Jugend Ton der Einwirkung dmelb^ 
auszuschliessen ! Ja wollten sie alle an die deutsche Jugend dea- 
ftüsige Verbote erlassen, es wäre doch umsonst, es wäre vergeb- 
lich. Oder hat denn Hr. Günther jenes Sprüchlein ganz verges- 
sen: nitiniur in yetitum? Dass passt nicht bloss auf die Jungen, 
sondern sogar auf die Alten. In der Kirche und dem Staate wer- 
den verbotene häretische oder liberale Scliriften gerade mit einer 
Hast und Gier gesucht und Riesen werden 9 die einzig und allein 
in dem Verbote ihren Gnmd und ihre Erklärung findet. Aus der 
Llteraturgescy chte wissen wir es übrigena alle, dass Lessing, Wi^ 
land, Göthe, Schiller trotz des Verbotes der Schule undderAeU 
tern dem Reize gerade des Verbotenen anheimfielen und Hallers, 
Hagedorns Gedichte, Klopstocks M essiade und Oden mit einer Be* 
geistenmg lasen, die doch wahrlich nicht ohne segensreiche Fol- 
gen geblieben ist. Und wie leicht war damals eine solche Lektüre 
zu beschranken und zu verhüten; wie schwer ^^ ja wie unmöglich 
ist das jetzt. Darum geben wir lieber das Unvermeidliche zu, um 
wenigstens etwas au erreichen. Der Unterzeichnete traut sich auf 
seine Schüler einigen Einfiuss zu — freilich ist dieser bei dem 
Zwiespalt der Confessionen und der Nationalitäten ein nur sehr 
bedingter; jedoch das sieht er ein, dass derselbe viel zu gering 
sei, die Lektüre solcherv in einem Index verbotener Schriften zu 
verhüten. Warum also verbieten, was doch nicht zu überwachen 
warel Warum durch Verbote, die den Schülern nicht unbekannt 
bleiben würden, erst recht zu schädlicher Lektüre reizen*? Dass 
wir nicht der Meinung sind, die Lektüre solle einem blinden Unge- 
fähr preisgegeben werden, dass auch wir gar manche Schrift, 
manche Richtung der Literatur, die ganze Tendenz einzelner 
Schriften für die Jugend als ganz unpassend verwerfen, wird 
Hr. Günther ans unserm Aufsatze, den er gelesen zu haben 
scheint, ersehen haben. Verbote aber machen es nicht. Es bleibt 
nichts übrig , als dass der Lehrer rathe , warne und im Nothfall 
gegen falsche Lektüre seinen ganzen mordiischen Einfli|ss einsetze. 
Die von uns empfohlenen KoUektaneen haben sich in dieser Hin- 
sicht als zweckdienlich erwiesen. Der Verf. wird freilich entgeg- 
nen: in diesen Sammdbuchem wird gerade von der schlechten 
Lektüre der Schüler nichts zu finden sein; doch wir haben schon 
arge Verirrungen gefunden und zu tadeln gehabt. Dass aber 
diese Verirrungen vorkommen, wird hoffentlich Hr. Günther nicht 
uns zur Last legen, denn auch wir haben gegen verkehrte Lektüre 
geeifert und weder Wielands noch Börnes und Hehies Sdnriften, 
fia wäbxA nicht einmal^ Goethes ohne alle Beschränkung «npMilen. 

20* 



« r 



S06 Danttoha Sprache. 

Was liene sich aber i^egeo HermaDn und Dorothea, ^eg^en Rei- 
neke Fachs, die Balladen, gegen dielphigenia ond viele andere 
Schriften Goethe's einwendend Freilich --^ des geben wir zu — 
es musste einem JiingUnge statt des Blntes Blei in den Adern 
messen, wenn er nicht unter der Leetüre der Schweiaer Briefe 
nnd mancher üppigen Gedichte Ton Goethe warm nnd sinnlich 
aufgeregt wurd^. ^ 

Wir wissen nicht liestimmt su sagen, welche Ansicht die 
prenssische Unterrichtsbehorde über diese Angelegenheit habe; 
aber ahnend fühlen wir es; sie meint: dieser Index prohlbitor — 
um so su sagen — könne kein Anderer sein, als der Lehrer selber. 
Darum lasst uns die Gymnasien durch solche Verbote nicht zum 
Tummelplatz der Leidenschaften und zelotischen Gezänkes machen; 
sondern lieber mit aller Kraft, die uns zu Gebote steht, den reli- 
giösen Frieden herbeiführen, der unserer Zeit so noththut Wie 
weit die Schule in der aUen guten Zeit^ die Hr. Günther nicht 
genug loben kann, in ihren Verboten ging, haben wir eben er- 
wähnt; selbst in der Lektüre der Messiade, die doch schwerlich 
Jemand zu den unchristlichen Schriften der Literatur rechnen 
wird, fand sie etwas BedenUiches, Anstössiges. Der Verf. lässt 
Klopstock freilich noch gelten; aber träte einer hinzu, dessen 
Sjmbolnm es ware:.creduntur, quod sunt absurda — würde da 
selbst ein Klopstock auf Gnade rechnen können? Nein hier ist 
kein Ende zu finden; die religiöse Unduldsamkeit ist wie das 
aristokratische Wesen exklusiv ; beide ziehen immer engere und 
engere Kreise, bis sie es endlich ganz verlernen in ihrer Umge- 
bung ebenbürtige Mitbrüder zu erkennen. Zuletzt reichen hier 
die 16 Ahnen nicht aus, und dort genügt es nicht, dass wir die 
Vernunft gefangen nehmen, sondern wir sollen sie, trotzdem dass 
auch sie eine Gabe Gottes ist, mit Füssen treten und anspeien. — 
Auch Herr Günther treibt die Sache fast schon auf die Spitze ; 
denn sellist Schiller ist ihm nicht christlich genug. In Schiller^s 
Schriften, namentlich den Räubern — wer weiss es nicht? — 
kommen unzählige Stellen Tor; aber das ist nicht das lüsterne 
Verweilen, was reizen könnte, nicht der luftige, dünne Schleier, 
durch welchen die Nacktheit geschlechtlicher Verhültnisse nur um 
so verführerischer hindurchschimmerte, sondern derbe, kräftige 
Rede, die nur den schon Unrdnen zu verlocken vermöchte. Wir 
wollen unserh Schüler deswegen wahrlich nicht die Lektüre 
Schiller's empfehlen; aber es stände um diese doch auch sehr 
schlimm, wenn ihr keuscher Sinn, der im Leben ganz andere 
Gefahren zu bestehen hat, an diesen Stellen verloren ginge. 
Was aber die Christiichkeit eines Mannes betrifft, so gestehen 
wir, dass wir dieselbe in Bausch nnd Bogen, nicht nach einem 
einzelnen Wort, noch einer einzelnen That zu bemessen pflegen; 
denn spnst kamen die Faulen, die nichts thuen, und dieStummen, 
die nichts reden , am besten weg. Wer aber für sein Volk soviel 



'^mi^mme'mow^^^mam^^^^^^'^^^m 



Ganther : Ueber den deutschen Unterricht. 309 

hat, ah SehiUer, we^ seine Zunge so wie dieser zur Ehre 
Gottes im Dienste der Wahrheit und für die sittliche Veredlung 
seines Volkes gebrauchte — fürwahr dessen einzehie Thaten und 
Worte f ermögen wir nicht in dieser Weise zu bekritteln , wie der 
Verfasser thut« Wollte Jemand ganz in dem Sinne«, wie er einen 
kurzen Sinnspruch Schilier's zum Beweise der Unchristlichkeit 
dieses Dichters ausbeutet , einzelne kecke, schiefe, nicht genug- 
sam erwogene Satze aus seinem eigenen Buche herausreissen und 
zusammenstellen •— was liesse sich da nicht gegen ihn selbst be- 
weisen! Doch trtV halten ein solches Verfahren für unchristlich 
und gerade vom christlichen Standpunkte aus für durchaus Ter- 
werfticb. Kl'opstock's Messiade und Oden empfehlen übrigens 
auch wir, theils des echt christlichen Inhaltes wegen, die letzte^ 
Iren besonders aber, weil der Schüler sich das Verständoiss müh- 
sam erringen 'muss. Es liegt die Schwierigkeit im Charakter der 
höheren lyrischen Schreibart, und es ist kein Grund vorhanden, 
Klopstock desswegen, wie es geschehen ist, zu tadeln; auch 
Pindar's und Horazens Oden werden ungebildete Zeitgenossen 
nicht mit leichter Mühe gelesen haben. Dass Gervinns' Ge- 
schichte der Literatur von dem Lehrer für die letzte Periode 
zu benutzen sei, versteht sich von 'selbst; leider bieten, so scheint 
es uns^ die früheren Theile für die Schule eine nur massige Aus- 
beute. — Was nun femer die älteren Dialekte (S. 168 — 173.) 
betrifft, so billigen wir des Verf» Vorschlag, ein Stück aus dem 
Nibelungenliede im Urtexte zu lesen und es grundlich zu erklären. 
Für das M. H. D. wird Ziemann's Wörterbuch einem Lehrer, der 
wie der Unterzeichnete die ältere deutsche Sprache als ein serus 
stndiorum kennen lernte, ein sehr willkommenes Hilfsmittel sein. 
Es ist dasselbe von manchen Seiten getadelt und geschmäht wor- 
den; doch Herr Ziemann kann seinen Gegnern getrost zurufen: 
macht erst ein besseres, und^dänn schmäht. Aber was soll aus 
den Vorträgen werden über die altere Zeit vor 1200? Wollen 
wir nicht aufhören nnsern Schülern immer und immer von einem 
gelehrten Bischof bei den Gottien, von einem cod« argent., vom 
wessobrunner Gebete, von den Evangelien -Harmonien, von Ot- 
fried, Notker und von wer weiss was sonst allerlei Allgemeinheiten 
vorzureden? Uns scheint diess unnütz und fruchtlos; lieber kein 
Wort über die ganze* Zeit, und statt dessen gründliche Erläu- 
terung einiger kurzen Stellen ; das weckt ganz anders die Begei- 
sterung für die Sache, als ein blosses allgemeines Gerede über 
dem Schüler im Grunde ganz unbekannte Schriften. Ausserdem 
entspringt dann für die Universität der Gewinn, dass der Student 
schon einige Kenntniss mitbringt und durch die Schwierigkeiten 
von dem Besuche eines Goliegiums über die ältere deutsche Lite- 
ratur nicht abgeschreckt wird. Jakob Grimm scheint zwar nicht 
ganz Graffs Ansieht zu sein, der an manchen Orten dergleichen 
Studien der Schule anempfohlen; aber wir glauben, jener ver- 



312' ' Deuttehe Sprache. 

die fallende). Dai Wort far daa hervorgehobene Meirkaiitl dient 
aber dann all Name fnr den Gegenstand selber 9 d. h. es ist ein 
Nomen Substantimm. So kommen wir denn auf die beiden Hanpt- 
redethdle, das Spofta und g^iia des Aristoteles oder auf die 
Beder'sch«! Inhaltswörter, nämlich das Seins-, ohd das ThMtig* 
keitswort (Veibum nnd AdjectiTum). Die Bildung, des Urtheils 
d. h. die Bestimmung eines Begriffes durch den andern führt Ton 
selbst auf das Becker'sche Formwort; dabei lässt sich der Begriff 
einer Wortform leicht erörtern ; die Quantität des Urtheib leitet 
auf die Formen des Singularis und Pluralis nnd auf die Numeralia 
als blosse Formwörter; die Modalitat auf die Wortform oder 
(namentlich im Deutschen) die Fbrmwörter des IndicatiFus, Con- 
junctiTus und Impe^tivus. Doch wir wollen diess nur andeuten; 
in gaöz ähnlidier Art ISsst sich aber die Logik und Grammatik 
parallelisiren ; in wenigen Stunden wurden die Termini der allge- 
meinen Grammatik, ihre Bedeutung^ die ganae Wechselwirkung 
zwischen Denken und Sprechen der Mehrzahl selbst der sdiwache- 
reu Primaner klar, mit denen man an einzelnen Gymnasien die 
Schüler der niedern Klassen ganze Semester hindurch zu quälen 
scheint. 

Was nun die Grammatik in den untern Klassen betrifft, so 
schlagen wir unser Urtheil darüber nicht hoch an, es fehlt tins 
die Praxis ; auch qiüssen wir hier Orts die deutsche Sprache der 
polnischen Schüler wegen wie eine fremde betrachten. Es wäre 
dalier bedenklich, von dem Satze als etwas Gegebenem auszu- 
gehen, was auf den deutschen Gymnasien hie und da versucht 
worden ist; denn für den polnischen Schüler ist natürlich der 
deutiMshe Satz nichts Gegebenes. Im allgemeinen ist die gründ- 
liche Einübung der nhd- Orthographie — wäre sie'nur nicht so 
ganz ohne alle Ck>nsequenz — eine Hauptrücksicht« Ausserdem 
hatten wir immer einen Widerwillen gegen die vielen neuen Künste 
ausdrücke y welche die deutschen Grammatiker einführen. Wie 
rein ist in dieser Hinsicht Jacob Grimmas Sprachlehre. Sie ent- 
hält auf über 3000 Seiten kaum mehr als folgende Termini, näm- 
lich: Anlaut, Inlaut, Auslaut, Umlaut (Rückumlaut) nnd Ablaut 
und zwar z. Th. für Spracherscheinungen , die durch alle Zeiten 
und Dialekte hindurchgehen, und vor diesem grossen Grammatiker 
in ihrem Wesen und ihrer Bedeutung für deutsche Wortbildung 
schmählig waren verkannt worden. Wie glücklich sind diese 
Kunstwörter (Ablaut, ablauten. Ablautung, ablautend, ablautbar) 
auch in sprachlicher Hinsicht gewählt, wenn man sie mit den 
wunderlichen 9 unbequemen und langen Wortbildungen anderer 
Grammatiker vergleicht. Unterzeichneter hat diese z. Th. argen 
Missbildungen nie lernen mögen; er möchte aber seine Schüler 
noch viel weniger dazu bewegen ; 's ist wirklich , als wenn man- 
cher nur, um seine neuen Termini an den Mann zu bringen, eine 
deutsche Grammatik schriebe* Dfe wenigen dazu noch so bedeu- 



Gunthar! Ueber da« dentscAcn Unterricht. 811 

1) 4ie Umtim dkr Wüniilii und Stimme wa Am iriwifiHn» 
. nett Zeiten. 

2) den Voealismiis a) in der Wurvel; die mvpiwgUdiiea V«* 
kale a, i, H und die daraus sieb entwickelndeo e^ e, o wd 
b ) den Vokalwechsel , die AbsdiwSdim^ der Eodim^eiii 
d^ Uaiaiebgreifen des E^Lautea iMd das aUnAl^e Stoowi- 
werden desi^ben. 

3 Wie Liaatveinchid»ttng der Censonanten. 

4) 4en AUasA ia PrÜeritum wd den Stinmen; mim Verbrei- 
tun^ dnrcJi alle Dialekte nnd Zeiti»i. 

5) das im M. HL D. nnd N. H. 0. so weit ynibreitete, achen im 
A. H. D. aidi neigeDde Prin^ des JGqdantes» 

den Beim [atumpf; klingend; AJlitfsratiain].' 

die Nibeliumenstrophe. 

den Untersdiied nwiscben Derivation nnd Compoaition. 

die Negation: a) die einfache; b) die doi^eiite, und ihre 
Arten. 

Hiemit haben wir auch zugleich angedeutet 9 waa wir von der 
deutschen Grammatik, worüber Herr GfNither von S. 112—168, 
handelt , in Ima und Ilda betrieben wissen wollen ; seinen Auasug 
aus Grinun'a Syntaxis [4ter Theil], den er seiner Scbrilt beige- 
geben, beissen wir übrigens willkommen; derselbe ist — das Stu* 
dium der Grimmschen Grammatik selbst wan Seiten des Lehrers 
Torauigeaetst — für die beiden obersten. Klassen recht wohl au 

gelwauchen. Was die philosophische Grammatik betrifft, 

80 hat dieselbe, wie aqcb der Verf. bemerkt., neuerdings Tor der 
Fergleichenden zurücktreteü müssen. In der Tbat lauft dieselbe 
auidh Gefahr, in der Luft nt schweben, wenn man derselben die 
feste Grundlage konkreter Stachen eotajehen wollte; jeder 
Schritt ist unsicher, den sie für sich allein su thun unternähme. 
Den grössten Widerwillen hat neben andern Gelehrten Herr 
Redslob gegen die allgemeine Grammatik an den T^ gelegt; er 
mdot sogar, es ^ebe keine, oder sie müsse „auf einem Finger- 
nagel Fiats haben. ^^ Wir ^kgten dieselbe , um dem Reglement 
<u gci^H^c», mit der Logik zu Tcrbinden; denn was hier Denk* 
bedürfniss, ist dort Sprachbedürfniss. So führt uns a. B. die 
Nothwendigkeit, von der Vorstellung und dem Begriffe zu reden, 
sugleidi auch auf das Wesen der Inbaltswörtcar. Worte kann 
nämlich die Sprache nicht schaffen, in denen der Begriff in seiner 
Totalität sich ausprägte, daa ist nur durch eine wortreiche Um- 
schreibung möglich^ sie wählt also ein Merkmal d. h. ein^ Tha- 
tigkeit des angesdiauten Gegenstandes, welcher dem Begriffe 
zum Grunde liegt und benennt nun das Ganze darnach. So ssgt 
der Grieche xv&v =^ das leckende, küssende Thier ; der Lateiner 
.nimmt eine andere Thätigkeit, er nennt es das bellende (can-o) 
und der Deutsche endlich das packende, fassende (goth,fra-hintha, 
fra-hanlh, fra-hunthum == captirum duco; dienso die Hand = 



SIS' ' Ueviftcke Sprache. 

die fiMMBile). Das Wort für do herwargAiAaie Meifanal dient 
aber dana «b Name far dea Gegenstand selber^ d. h. es ist eia 
Nomen SnbtCantifnm. So kommen wir d<mn anf die beiden Haupt- 
redediefle, das Svoiuc und g^iut des Aristoteles oder auf die 
Becker'sdien Tohaltsworter, münlich das Seins-, uiid das Thatig^- 
keitswort (Verbom und Adjectrnira). Die Bildung des Urtheils 
d. h* die Bestimmung eines Begriffes durdi den andern inhrt Ton 
sdbsl aof das Becker*sehe Formwort; dabei Hast sich der Begriff 
einer Wortform Idcbt erörtern; die Qaantitit des Drtheiis leitet 
auf die Formen des Singnlaris und Pluralis und auf die Nunersün 
als blosse Formworter; die Modalitit anf die Wortform oder 
(namentlidi im Dentsdien) die Formworter des Indicaüvus, Con- 
junetf?us und Imperatinis. Doch wir wollen die« nur andeuten; 
in galH ilmUclier Art lisrt sich aber die Logik und Grrammaük 
panlleUsiren; in wenigen Stunden wurden die Termini der allge- 
meinen Grammatik, ihre Bedeutung, die ganae Wechselwirkung 
zwischen Denken und Sprechen der Mehrzahl selbst der sdivniche- 
ren Primaner klar, mit denen man an einzelnen Gymnasien die 
Schüler der niedem Klassen ganze Semester hindurch zu qiulen 
schdnt 

Was non die Grammatik in den untern Klassen betrifft, so 
schlagen wir unser UrtheO darüber nicht hoch an, es fehlt uns 
die Praxis ; auch müssen wir hier Orts die deutsche Sprache der 
poluischen Schuler wegen wie eine fremde betrachten. Es wäre 
daher bedenklich, von dem Satze als etwas Gegebenem auszu- 
gehen, was auf den deutschen Gymnasien hie und da versucht 
worden ist; denn für den polnischen Schuler ist natürlich der 
deutsiche Satz nidhts Gegebenes. Im allgemeinen ist die gründ- 
liche Einübung der nhd- Orthographie — wäre sie'nur nicht so 
ganz ohne alle Cronsequenz — eine Hauptrücksicht« Ausserdem 
hatten wir immer einen Widerwillen gegen die vielen neuen Kunst- 
ausdrucke y welche die deutschen Grammatiker einfuhren. Wie 
rein ist in dieser Hinsicht Jacob Grimmas Sprachlehre. Sie ent^ 
hält anf über 3000 Seiten kaum mehr als folgende Termini, näm- 
lich: Anlaut, Inlaut, Auslaut, Umlaut (Rückumlaut) und Ablaut 
und zwar z. Th. für Spracherscheinungen, die durch alle Zeiten 
und Dialekte hlndorchgehen , und vor diesem grossen Grammatilcer 
in ihrem Wesen und ihrer Bedeutung für deutsche Wortbildung 
schmählig waren verkannt worden. Wie glücklich sind diese 
Kunstwörter (Ablaut, ablauten, Ablantung, ablautend, ablautbar ) 
auch in sprachlicher Hinsicht gewählt, wenn man sie mit den 
wunderlichen, unbequemen und langen Wortbildungen anderer 
Grammatiicer vergleicht. Unterzeichneter hat diese z. Tb. argen 
Missbildungen nie lernen mögen; er möchte aber seine Schuler 
noch viel weniger dazu bewegen ; 's ist wirklich , als wenn man- 
cher nur, um seine neuen Termini an den Mann zu bringen, eine 
deutsche Grammatik schriebe* Dfe wenigen dazu noch so bedeu- 



Günther: Ueber den deutschen Unterricht. 313 

tuBgB^Uen und mundgerechten Kunstwörter der Grimm^sclien 
Gtnioiiiatik nicht lernen wollen, das wäre aber gersdeau geistige 
Trägheit; auch manche Benennungen der Becker^ach^i Uramma^ 
tik (Iiüialts- und Form Wörter, flubstimtiTkclie und adjectiTische 
Stämme, ffindewort nnd Fügewort) werden sich' ant der Zeit in 
der Schule einbürgern. Die S. 167 erwähnte GrammaMk Dr. F. 
A* Lehmana'g, Bunslau 1836, halten auch wir für eine gelungene, 
da in derselben die nenesten hislorisdi vergleichenden Foradiun* 
gen niedergelegt aind; sie passt aber fast nur für den Gebrauch 
des Lehrers, höchstens für die Bedürfnisse der Primaner* Für 
die untern Klassen empfehlen wir der Kürze und Uebersichtlich- 
keit wegen die Syntaxis von § 88 — § 110. in der deutschen 
Gnmimatik für Gymnasien von Cfa. Fried. Meyer, Magdeburg 1839. 
Doch ^ir überlassen die gründliche Erörterung Anderen und ooU 
len den Bemerkungen Herrn Günther's über diesen Theil des Un- 
terrichts (S. 155 — 167.) in allem Wesentlichen unsere Zustim- 
mimg; das ist alles gut und richtig und, wie es scheint, praktisch 
ausführbar. Auch seine Ansicht von der Nothwendigkeit möglich* 
ster Uebereittstimmung dtt lateii^cfaen und deutschen Grammatik 
tst für die niederen Klassen ganz zu billigen; aus einem Zwiespalt 
der Methoden der Lehrer kann hier nur eine arge, um jeden Preis , 
-zu vermeidende Begriffsverwirrung entstehen. Am besten wäre 
es freilich. Ein Lehrer hätte beide Dnterriehtsgegen^tände. 

Von Seite 360. ab spridit Herr Günther endlich noch von der 
Befähigung des Lehrers zu dem Unterricht. Auch darüber gku- 
hen wir nicht ganz schweigen zu dürfen. Haben wir anders den 
Sinn seiner Rede richtig erkannt und sehen wir ab von einer For« 
derung, die wir unbedingt nicht einräumen, so meint derselbe, 
dass dem Lehrer neben dem pädagogischen Talent und der klassi- 
schen Bildung überhaupt eine gewisse Erregbarkeit nnd Gewandt- 
heit des Geistes noththue, durch welche allein es möglich wird 
der Resultate der Wissenschaft sich zu bemächtigen, und von der 
Höhe, auf welcher der Lehrer steht, herabzusteigen zu dem nie- 
deren Standpunkt der Schuleri Das ist im Ganzen richtig, nur 
hätte Herr Günther diese seine Forderungen nicht bloss auf den 
Lehrer des Deutschen beschränken , sondern auch auf die übrigen 
ausdehnen sollen; denn diess ist das Ideal für jeden Lehrer. Dass 
gerade der Direktor der Anstalt diesen Unterricht immer über'^ 
nehmen solle, scheint uns ein Verlangen, dem die eigenthSmlichen- 
Verhältnisse der einzelnen Gymnasien nicht immer entsprechen 
werden. Was Sdte 364« über die philosophische Bildimg des 
Lehrers gesagt ist, billigen wir ganz. Darnach soll derselbe ein 
philosophisch gebildeter Kopf sein, aber von dem Versuche ab- 
stehen, ein vollständiges philosophisches System , etwa ^s Hegel« 
sehe, in seine Schüler hineinzupfropfen. Ganz recht; denn dann 
anticipirte er Universität und Leben ; das wird ohnmer gelingen, 
ja es wird das -gerade Gegentheil bewirken. Anstatt dass die 



8l4 \.Deatscbe Sprache. 



Schuler su «elbstüiitigeii , krilftigen Denkern lierangebfliet «ür- 
deo, werden sie einzelne Sätoe mit dem Gedäclitniflse airffassen, 
In dtler Thorbeit das glänze ^«toiii sclmn sn beaitsea wahaeD, 
und 80 nie in den Besitz dessellien gelangen. Herr Professor 
Branis bat nns durch eine geLegentUcäe amlUche Bemerknng in 
dieser Ansidit bestätigt; ja Hegel selbst, der bloss für herange- 
reifte Jbngllnge und Männer dadhte und schrieb, wurde einen sol- 
dien Bflssbranch nicht gut geheissen haben. Drum Iraten wir uns, 
dass, wie wir je tat sdbon so viel Ton Jiyng- Hegelianern spre« 
eben hören , für die Zukunft nicht etwa gar ron Jungeleken die 
Bede sei. 

Audi Theolog soll der Lehrer sein. ^Ein trauriges Ge* 
achöpf (heisst es auf Seite 365.): ein Lehrer ohne €hvisteot|ttun, 
ohne christlichen Glauben, ohne ckristliche Erkenntniss.^^ Wir 
gestehen, hier fehlt: dia ehrUÜiehe Liebe; denn die blosse Er- 
kenatniss und der Qkube machf s nicht ; nur wo alle drei bei ein- 
ander sind, da ist wahres , echtes Chrutenthum. Wir hatten nun 
das Wort ^, Theolog ^^ so genommen, dass der Lehrer mit den 
wesentlichen Schicksalen der diristlldien Kirche, den christli- 
chen ^ten und Gbubenslehren bekannt und, vor Allem ¥om 
christlichen Sinne durchdrungen sdn solle: da fiel uns dn kuraer 
Anfeata in einem Heft der Neuen Deutschen Jahrbücher (irren 
wir nicht Tom Februar) in die Hand, welcher die religiöse Ten* 
dens des Verf. kurz andeutet und auf einen frfiheren , von uns 
nicht gelesenen Aufsatz surückweüst. Diese Neuen Deutschen 
Jahrbucher haben sich nun in einen taktlosen Kampf gegen jede 
positive Religion eingdassen, wodurdi sie gerade den Zweck ver- 
fehfen werden, den sie anstreben. Nicht nur die Glaqbenshdden 
des Tages werden sich dichter und immer finsterer zusammen* 
schaaren, mid verletzt von dem Hohn und Spott, der über sie 
ausgegossen wird, in der Noth zu jedem Mittd der Verthddigang 
greifen , sondern auch die Besonnenen , die nicht gewohnt sind, 
den Andersglaubenden mit Feuer und Schwert zu verfolgen, wer- 
den sich verstinmit und entfremdet von diesen Wortführern ab* 
wenden. Diese Ansicht über die Richtung der Zeitschrift war in 
uns noch dadurch bekräftigt worden, dass die Tonangeber, das 
alte längst verbrauchte Manöver anwendend , ihre Gegner unter 
den Gläubigen immer ak „beseitigt, überwunden, in den letzten 
Zügen liegend ^^ darstdkn, während zur Zeit noch Millionen und 
aber Millionen für den christlichen Glauben Gut und Blut eiiiui- 
setzen bereit sind , und im Falle der Noth wie Ein Mann sich 
erheben würden. Darnach ist es natürlich, wenn wir den kleinen 
Aufsatz in der genannten Zeitschrift, welcher JäTenn GüfUker 
die Tendenz inaiauirl^ den OeistUcben die Gymnasien in die 
Hände spielen %u wollen , um so Schule und Volk der geistigen 
Finsierniss der alten guten Zeit entgegen %u fuhren , mit sehr 
misstrauischea Augen lasen. Doch w^ wurden shitsig; denn 



r»'-' T-i^a^IvB^p^^v^^^a^f« 



Günther : Ueber den deutschen Unterricht. 315 

iitiler i^m .Sdiiide des GlaubeBs und unteif dem Deckainntel im 
^ahtadhnm» sieht die alte Glaubeasdiplomatik, die Heuchelei 
iiDd die hierafchisdie Herrsdisueht wieder unter uns auf; man 
miisste die Augen zuschlieneo, weilte man diese Bestrebungen 
nicht sehen, wie ges^hidit sie aich auch zu Terbergeip trachten, 
läuselne Stellen in dem Boche hatten uns selbst schon bei der 
6rst«»Ijektiure des übartridbeneaiGlAub^iseifers wegen missfailen; 
wir lasen die HauptateUen noch «jnmal imd ersahed aus Seite 366. 
i. d. Milte, dass wk «na geirrt hatten. Herr Güniher will au 
LAvern des Dentsohen in der Thatüieht bloss theologiseh gebil- 
dete^ chrisüich gesinnte Männer, sondern wirkliche Geistliche. 
WanuB sollte nun nidit süch in einaelnen Fällen ein Geistlicher 
diesen Unterricht iibonielimenl Doch die Bedingung steile*!! wir, 
dass & '^m idasaisch gdiädeler Mann sd und Tbeil habe an dei^ 
BiMrnig sdner Zdt« Aber wdier wiU der Verf. denn diese ao 
«b^rauB begabten Männer nehmen 1 Der Unlenieichnete gesteht, 
dass er voUkonEimen zufrieden wäre, wenn er anf der einen Seite 
etwaa OrdentUcbes Idatete $ auss^em verlangt er von der christ- 
lichen Bilduug des Lehrers unbedii\gt g^nz dasselbe, was der Verf. 
Ton der philosophischen, nämlich, dass diese ^^jeder reli^ 
giösen^ Ferketserei und jeder Xliquenverhetzung^^ 
fremd und feind sei* Dass übrigens des Verfassers Vor- 
schlag ausgeführt werde, damit hat es gewiss noch gute Weile; 
aber wir möchten eines blossen Vorschlages wegen Niemanden so 
hart adilagen, wie es in der g^iannten Zekschrill. geschehen ist. 
Auch sind wir wegen der Folgen des Vorschlags innerlichst he^ 
ruhigt, denn bei der Seltenheit solcher Geistesgaben ist die Aus- 
führung nicht leicht denlKbar. Man iLÖnnte freilich < — das ist 
aber in Preussen kaum anzunehmen — Theologen wählen mit 
lüclcenhaften philologischen Kenntnissen und ?on einseitiger rdi- 
gioser Richtung; aber wo bliebe dann. das Ideal, das Herr 6«in- 
iber nicht olme gegen die übrigen Lehrer imgeredit zu werden, 
wm seinem deutschen entwhft? Unsere Schwier haben übrigens 
ein scharfes Auge für die Mängel d^ Lehrer; sie würden gar 
leicht dieselben herausspüren und sich dann dem Einflüsse der 
gründlich gebildeten Philologen um so sichere hingeben, die 
doch zur Zeit weder Hdden sind, noch Muselmänner. Aber 
wozu so viele Worte I Jedes deraiiige Beginneu der Thedogen, 
gldchTid ob katholischer oder piotestantiMiher — ist das Ganze 
nicht blas ein Traum einiger Furchtsamen — erscheini; ebenso 
erfolglos, eitel und thöricht, als die übargrosse Angst und der 
beständige Feuerlärm in den angefiährten I^oen dentscfaen Jahr- 
büdiiMrn lächwüch» 

Bei einer strengen Rekapitulation aller hieber gehörigen 
fiielleii haben wir ims nicht überzeugen können, dass das ganze 
Bach nur geschrieben sei wegen dieses Einen Vovddages auf 
Seite 3fi6. ; so dass dieser gldch^m die Hauptsache wäre , alles 



316 Bibliographische Berichte nnd MItcellen. 

Uebrige dagegen blosse Nebensache. Den Glauben des Vert. 
können wir nicht ganz theilen ; aber uns verhindert die christliche 
Liebe , ihn deshalb zu verschreien und zu vernnglimpfen. Auch 
halten wir uns lieber an die That, als an das Wort £üi Glaube^ 
der einen so regen, lebendigen Sinn för die mannigfaltigsteo 
Interessen der Kirche, des Staates, der Wissenschaft, der Schule 
und des Amtes neben sich aufkommen lasst und duldet — ein 
solcher Glaube kann nicht so grandsohlecht sein, so durchaus ver- 
werflich. Schliesslich aber weisen wir den Hm. Verf. auf das 
würdige Beispiel eines Mannes hin , der schon oft ein versöhnen- 
des Wort gesprochen, und wenn die Parteien schon kampflustig 
auf dem Schlachtfelde einander gegenüberstanden , den Frieden 
herbeigeführt hat. Wir meinen Neanden Hr. Günther steht 
der GlaubeuHÜborzeagung Neander^s näher, als wir selber; aber 
trotzdem blicken auch wir ehrfurchtsvoll hin auf diesen frommen^ 
vom Geiste echt christlicher Liebe erfüllten Mann ; das nachah- 
ranngswurdige Beispiel desselben möge den Hrn. Verf. gegen 
übertriebenen Glaubenseifer schützen und vor religiöser Unduld- 
samkeit für immer bewahren. 

Lissa. Eduard Olawsky. 



Bibliographische Berichte und Miscellen. 



Die tdten Geographen und die alte Geographie. Eine Z&Uckr^t 
in zwanglosen Heften unter Mitwirkung von Gelehrten und Freunden dee 
AUerihume herau$gegeben von Dr. 8. F. W. Hoffmann. 1. Hft. mit 
dem Specialtitel : Memppoe der Geograph aue Pergamony de$aen Zeit 
und Werk, Eine Untersuchung von Dr. S. F. W. Hoff mann. Nebst 
Ergänzungen aue Pithou^e Handschriß au dem Werk mit Shßax Namen, 
eowie Anzeigen neuer Schrien von C. F. Grottfend und U, N, Ulrichs, 
[Leipzig , Böhme. 1841. IV und 59 S. gr. 8. geb.] Der als Bibiiograpb 
ruhmlich bekannte Herausgeber dieser neuen Zeitschrift hat seit dem 
Jahre 1838 , wo er eine Uebersetzang von Lei e weis Schrift: Pj^eas 
und die Geographie seiner Zeit nebst einer ergänzenden Abhandlang 
Letronne's [vgl. NJbb. 31, 289 fiL] heransgab, seine schriftsteUeri- 
sehe Thitigiceit auf die alte Geographie nnd Tomehmlich auf die kleinen 
griechischen Geographen gewendet und aber dieselben nicht nur einige 
gleich nachher zu nennende Schriften herausgegeben , sondern auch die 
obenerwähnte Zeitschrift begründet, welche er in den bisher erschieneoen 
beiden ersten Heften — das zweite ist oben Hft. 2. S. 131 ff« beurtheilt — 
freilich allein bearbeitet hat, die aber nach dem Vorwort ein allgemei- 
nes Organ für die alte Geographie werden und Torherrscbend selbststaa- 
dige Äbhändla»gen vod daneben aooh Anieigen nanar flckriftan fiber alte 



Bibliographische Berichte und MiBcellen« 317 

€}eegraphie enthalten aoU* Das vorliegende erste ^ Heft bringt nun 
S. 1 — ^. die schon auf dem Titel genannte Abhandlung aber Menippos; 
S. 49 — d2, die Nach Weisung der Ergänzungen zu dem Periplus des 
Skylaxy welche Miller aus der Pithou'schen Handschrift gewonnen hat, 
und die schon zwei Jahre J&uher in unsem NJbb. 27, 154 f. , wenn nicht 
so lekhi übersichtlich, doch jeden&Us ypllständiger nachgewiesen waren $ 
endlich S. 53 — 59. zwei Anzeigen der zwei ersten Hefte xur Geographie 
find Ctesddchie von JliUaUen von Grot^end und der JReisen und For- 
Hbungen m Griecheidand von ülrieha^ denen aber freilich das Grund- 
eles^ent kritisdier Bucheranzeigen, nämlich die Nachweisung des Inhalts 
dieser Bucher und die allgemeine Charakteristik ihrer literarischen Stel- 
lung^ fast gänzlich fehlt. ' Welche Stellung nun diese Zeitschrift künftig- 
hin, sobald mehrere Bfitarbeiter daran theilnehmen werden, einnehmen 
wird , das steht noch zu erwarten ; gegenwärtig kann nur von Hm. Hof^ 
manns Abhandlang über den Geographen Menippos die Rede sein. Diese 
aber steht in engem Zusammenhange mit der früheren Schrift: Die Iberer 
im Westen und Osten ^ eine ethnographische Untersuchung über deren 
Stammverwandtsehufl, nmeh der M|ftAe und Gesehiehte mit ROxihnoht auf 
die Kultur und Sprache dieses Volkes ^ ne&«t einer Ansicht der homeri- 
schen JS^merier und der sogenannten homerischen Geographie überhaupt 
von S. F. W. Ho ff mann. [Leipzig, Kollmann. 1838. XIV u. 288 S. 8.] 
Dort hatte der Verf. zuerst (bis S. 88.) über die homerische Geographie 
sich dahin ausgesprochen , dass dieselbe nur eine poetische , keine wirk- 
liche sei, und rnaii daher die homerischen Kymm^er nicht fixiren könne ; 
dann aber (bis S. 180.) den Versuch. gemacht, die Iberer am Kaukasus 
und die Legen am kaspischen Meere mit, den Iberern und Ligurem in 
Kuropa zu ideätüiciren , und darüber vielerlei Hypethesen aufgestellt» 
namentlich den Zag des Hercules über die Alpen als Mittelglied gebraucht, 
aber dafür ein überzeugendes Resultat nicht gewonnen , weil die Nach- 
richten der Alten für die Feststellung dieser Volkervecl»ndung nicht aus- 
reichen und die neuangeregten Untersuchungen über die Kelten und ihre 
Verbreitung damals zwar von Barth , Betham u. A. bereits angefangen 
lyaren, aber erst später Ton Schreiber, Dieffenbach etc. besser begründet 
worden und uberdem für ein solches Resultat noch nicht spruchreif sind, 
vgl. BerHn. Jahrbb. f. wiss. Krit. 1840 L Nr. 28. Wesentlicher und 
erfolgreicher war eine zweite Abhandlung: Artemidoros der Geography 
welche Hr. Hoffmann jener JSchrift auf S. 181 «-288. beigegeben bat und 
worin er nach einleitenden Bemerkungen über das Zeitalter des Artemidor 
und sein geographisches Werk die schon in Hudson's Geographi Graeci 
minores Vol. I. gesammelten Fragmente des letzteren vermehrt und er- 
gänzt und in solcher !2usammenordnnng daxbietet, dass daraus der Inhalt 
und Umfang der rsmyQUipovitsva des Artemidoros erkannt werden soll. 
Diese Anordnung der Fragmente, soviel sie auch noch Mängel bietet, 
ist offenbar ein verdienstliches Werk, weil dieselben in der Hudson'schen 
Sanunlung ganz plan - und ordnungslos nur in der R^enfolge angeführt 
werden, wie sie aus Strabon , Stephanos Byz« u. A. entnommen sind. 
Zwar wird man auch ans dieser neuen Anordnung der Fragmente den 



318 Bibliographische Berichte und MStcellen. 

Inhalt und Umfang des Art^niderischen Werkes nodi nicht genugsam 
erkennen y sondern dafür noch gründlichere allgemeine Untersuchungen 
und namentlich eine bessere sprachliche Behandluiig dieser Fragmente — 
denn die Hoffinannische enthalt sehr viel Fehler •^- erwarten müssen ; 
indess iat doch schon die neue Anregung der Forschung und die gebotene 
Erleichterung derselben recht dankenswerth. Nebenbei ist Hr. H. da- 
durch noch auf eine zweite Untersuchung geführt worden. Der griechi- 
sche Geograph Markianos von Heraklea (aus dem 5. Jahrh. n. Chr.) be- 
richtet in der Vorrede zu Seinem geograpldschen Werk , das9 unter den 
Geographen Tor ihm Artemidoros , Strabon' und Menippos die sorgfaltig- 
sten und genauesten gewesen seien, so dass selbst Timosthenes und Era- 
tosthenes ihnen nachstanden, und fngtdann noch hinzu ; 'AQVspb^dmQog 6 ^Btpi- 
oiog ysayQtttpog, xata tilv hwxtoatrjir h^KOOTTJv iwdtrjp'OXviinttx^ei yjyovwff, 
t6 Sl TtXstctov (tiqog tijg hftog naX «17g %a¥ -^ptSg xvyxüvöverig ^ttlavtTjg 
iTinsqtnXsvaag , ^sccffäfitifog 9l wd rtjv v^oov tu raSsi^a %ecl (ti^ri ttvu 
xfig intog ^aldrtTjgj rfv Atsoevov naXovm, rijg pt^v ccHQißovg ysavy^atf^iag 
Islnetai * top S^ nBQ^nXow t^g ivtog ^H^cmXslov no^fiev 9'ccXätTifjg xirl 
ziqv dvafiSTQTiinv zccvttjg jiitec rrjg nQOgriKOvtrrfg inifiiXBiag *iv thfdsKot 
diB^rlXd's ßißXlotg^ tog oogtpictccxov hccI ecHQißs&ccctov nSQinXovv trlg Hce^O*' 
^ftag ivay^dt^ui d'eeXattJjg, Mhntnog Sho nsQyafirivSg, dg xorl avtog v^g 
ivtog Q'aXdrTTig nsginXow iv xqiülv ij^'ifOtas ßipXioig, latOQi'KTjv tivu TUtl 
ys(oyQaq>i'nrlv inon^ffato xif» inctyyBXiccv, *Ey(o xoiwv navrmv xmv fivTj^» 
fVBv^ivtmv TtQOTiQivag 'AQvsgiiStoQOV v6v 'Eipiawv ifttvoftT^ xmv Bvd&ta 
ßtßXt(Ov Tov fivrjfiovsv^ipTog iTeoiTjcdfiTjv^ n^og^slg Ttal' il hxi^oiv na- 
Xccif^v tu iXXsinopta xal x^v StuiqBüiv toSv td ßißXlmv fpvXd^ocg , mg fis- 
TQ^ccv (fhf ysoyyQcctptcep xsXemxaxov 91 nsQinXovp dne^daac^ai, ^suffd^ 
fievog dh tovg nXnlexovg vmv naXaimv i] (iri^ oXmg fj in oXfyop x^g ISm 
^aXdxxrig p^vfjp'V^ ^oiTjüafiivovg y nal xcevxriv dfivSQdv wxl t^g iXri^sCag 
&9td9ovifccv, iSCav iftavxov q>^wx£dcc d'ßfiBVog tov duiBetvov xov htpov xt 
aal iiBcrjfiß^tvov navxog, hati^cov xtSp rjnBt^mv x^g xb Aißvrig xctl ir^$ 
'Ac£ag dno xov 'Aqußtov MoXnov ftB%^i 'xmv Ztvmv xov ^vovg^ ov ftfiiv' 
dXXd xckI xov iöns^iov %ttl xo^ d^t^ov wusotvov xmv xb x^g 'Ev^eSmig 
xmv XB xrig Aißvr^g (iB(fmv xov nB^inXovv iv dvcl ßtßXiotg cwiyQenjfa, 
Httxa(U)c9mv 9h huI Miviienop (iBtQ^av ftiv xiva xotg hftvyxdvovciv in xmv 
ifi%B£mv ßißXCmv napBxofiBvov Bf^T^mv fAtj näm Sl mqißmg^ inBf^X&ovta^ 
xä iXXBinovxoc nXBtaxa ovxtt n^ögM^g xal n^ogixt ys xrjv nBql xönovg x«l 
tag diect(^B0Big tSv i9^mv eotfpr^vBUtVy ^tg tS xbXbiov xijg yvdtFBmg xotg 
ivtvyxdvovüt nceqixBiv b^o^Bj xfjv indoatv xmv xiftmv ßißXdmv htotTj^d- 
liriv, ovn dtpBXo/iBvog v^g n^ogi/iyo^lcig xov naxi^ei xovxav o^l BCg ifutV' 
xov itBxccaxfjüag xovg dXXoxQlovg novovg, mgKBq ov9\ xov Teäm nstpQOv^ 
xufiiivmg BTeB^BXd^ovxog 'Agtsfu^di^w ^ dXXd xdg phf haivav n^grjyoQÜtg 
imyqd'fpag totg ßißXioig^ tog Sv fiijdlv slg tovg XoyUvg diuxqtdvBtv io- 
Kohjv d'Bovg f xdg 9h xovtäiv inixoftdg nccl 9iO(fi'cicSig xmv ipMVtov notifi'- 
odp^og novmv iva^ylg yvmi^tofut, SgxB xo4g ivtvy%d90vt€tg ptffihf fi'^9 
xmv natf iwtvmv avyyifutj^vxmv j fi^x$ xth na(f ij^iSr vqogd'ivx^^P 1} 
dio^mCBmg iitt/iBXovg diioXoymv dyvorjacet. Aus diesen Worten ersieht 
man ^deutlich, dass Markianos drei geographische Werke rertugt haUklkt, 



^ 



■■ ' a^m I I . = — I u Bi iB .. ' ■ K i^^mmmtmmmmrm^ 



Bibliographische Berithto and Miscellen« 819 

eine l^itoaie des Artenndor, einen srt^^Xevfi T178 iico ^aXättrfa und eine 
erweiterte frieUeiGht auch epitomirte] Bearbeitung des nBQinlovg von 
Menippos, Da diese drei Werice zasanunen me yollstandige Greographie 
gebildet zu haben scheinen , so lasst sich hierbei noch fragen ^^ob der 
Periplas des Menippos in die Epitome des Artemidor yerwebt war, oder 
ob er für sidi ein Ganzes bildete; doch scheint das Letzt^e nach des 
Markianos Worten das Wahrscheinlichere za sein. Diese Schriften 4e8 
Markianos sind aber nicht alle mehr übrig , sondern ausser der oben er- 
wähnten Bintcätnng ist nur von dem nsglnlovg x^g i^m ^aA«ri;i}$ .das 
erste nnd ein Theil des zweiten Buches ^ Ton den Bearbeitungen des 
Artemidor nnd Menippos aber nichts als das Brochstuck eines 7U(f£nlovs 
des Pontüs Torbanden. Der UäQinXovg tov HÄittov ist, wie Markianos 
am Schluss der fiinleitong selir bestimmt nadiweist und Stepbanos Byz. 
in ^mehreren Auszügen daraus bestätigt , aus dem Werk des Menippos 
entnommen und hat in demselben offenbar das erste Buch gebildet« Den- 
noch aber ist er in den Ausgaben der Geographi minores Ton Hoschd 
und Hudson , wo diese Bruchstücke des Markianos zuerst herausgegeben 
wurden , als ein Tsfi«;t^oy vq^ inivofojg %(&if id ßifiXUiP *Aif%8^mQov 
Tov *E<pBßlov bezeichnet« Diesen Irrthum hatte nun zwar bereits D o d - 
well in der Dissertatio de aetate et $diriptia Mardani Heracleotae in 
Hudsons Geogr« I« p. 145« berichtigt und angegeben , dass das Bruch- 
stück dem Menippos gehöre; allein Heyne, der wahrscheinlich weder 
Dodwefls Abhandlung noch Markians Einleitung gelesen hatte, schrieb in 
den Ck)mmentt. Gotting. YoL VH. p. 87. dasselbe doch wieder dem Arte- 
midor zu , und Seitdem erzählen alle Literarhistoriker , dags ein Theil 
▼on Markians Auszuge aus Artonidoros noch jetzt erhalten sei ; ja selbst 
E. Miller hat in der nenbesorgten Ausgabe des Markianos das Bruch* 
ätwk noch als Epitome des Artemidoros au%e£ahrt. Hr. Ho ff mann 
hat nun in seiner Untersuchung über Artemidoros den aUgemein verbrei« 
teten Irrthum wieder au%edeckt nnd durch nähere Begrfindung und Er* 
Weiterung der Dodweli^sehen Bemerkungen den Periplus des pontos 
wieder dem^ Menippos zugeschrieben« AUein weil er hierbei die Berich- 
tigung ^B leicht erkennbaren Fehlers^ der offenbar aus reiner Ooacht- 
samkeit herrorgegangen ist, etwas zu pomphaft bebandelt und zugleidi. 
diese einflBiühe Frage durch unoothiges Grubehi in Nebendingen wieder 
in anderer Beziehung zu weit geführt und neue Irrthümer ein^webt 
hatte; so gab B. Fabricius in unsem Jahrboch^fn Supplem.-Band VI. 
S« 611 — 640. unter dem Titel der GeogrofÜL Menippos. aus Pergamon 
eine Berichtigung dazu heraus, worin er das gewonnene Hauptcesultat 
anerkannte, die neueingesdilichenen Irrthümer und nngehdrigen Felge- 
rungen aber berichtigte und zugleich aus der inawischen neuerschienenen 
Ansgabe des Markianos Ton E. Miller [Paris 1839. 8.} den Text des 
m^inlovg Tov Ilörcov sammt der yoranstehenden Einleitung oder dem 
Dedic«txonsbriefe des Matkian mit kritischen Anmerkungen und einigen 
Textesrerbessemngea abdrueken liess« Diese Mittheilung des griechi- 
sehen Textes ist das Verdienstlichste des Aufsatzes, weil Millers Aus- 
gabe nidit in die Hinde vieler deutsehen Gelehrten kommen wird; die 



SSM) Bibliographische Berichte und Miscellen« 

obdlge Abhandlang aber miiafallt darch den dnrchans leidenschaftBehen 
nnd sdionongslosen Ton, in welchem gegen Hm. Hoffmann poiemiiiit 
wird, inmal da es sich im Ganzen doch nur um sehr Uelnliche Dinge 
handelt 9 bei denen stillschweigende Berichtignng am zweckmassigsten 
und wirksamsten gewesen sein würde. Gegen diesen Aufsatz nun ist 
Hrn. Hoffinanns Abhandlung im ersten Heft seiner geographischen Zeit- 
schrift gerichtet. Sie wiederholt umständlich die ganze Erörterung aber 
Menippos als Verfasser des ron Markianos überarbeiteten Periplus des 
Pontus, mit stillschweigender Modification der von Fabricius getadelten 
Auswüchse I sie bringt ebenfalls den von diesem mitgetheilten griechi- 
schen Text aus Millers Ausgabe mit kritischen Anmerkungen und offener 
Potemilr gvgeu uliiier ^ versteckter gegen' irabncinsy* wobei der"&r«*Her^ 
ausgeber mehrere Ten diesen beiden gemachte Textesyerbessorungen still- 
sdiweigend als die seinigen gelten lässt; sie enthält femer eine umständ- 
liche Besprechung der drei Handschriften , welche für die Schriften des 
Markianos bis jetzt benatzt und überhaupt bekannt geworden s^nd , und 
sdiliesst endlich mit einer heftigen und derben Replik gegen Pabricius« 
Dadurch aber wird